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Meier Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

12. Jahrgang

Dienstag, 17. Januar 1922.

Fernsprecher 951 und 952

Nummer 14

Fernsprecher 951 und 952

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UngewWit über Frankreichs Politik.

George und poincart.

Austrag der Gegensätze.

Seit dem Sturz des französischen Kabinetts bat jetzt Lloyd George zum crfitn Male das Wort zu längeren Ausführungen über die Hal­tung ergriffe«, die er jetzt angesichts der neuen Wendung der Dinge in Paris etnnehmen will. Gleich beim Eingang seiner Rede, die er vor einer größeren Anzahl englischer Journalisten hielt, betonte er, daß er Poincaree nicht kenne, und daß er nicht genau wisse, was der neue Mann des Quai d' Orsav im einzelnen vorhabe. (!) Im Zusammenhang damit beeilt­er sich jedoch, sofort hinzuzufiigen, daß er, was auch geschehen möge, von seinem Plane, die tn» ternationlche Wirtschaft sponseren; von Genua einzuberufen, um keinen Zoll breit ab- weichsn wolle. Ihm ist es also völlig gleich- giiltio, was das neue Kabinett in Paris für Entschlüsse fassen wird. (!) Das ist Wohl der erste offene Angriff, den der englische Premier­minister gegen seinen neuen französischen Kölle- gen in Szene setzt. Er kennt ihn nicht? Nun, vielleicht kann man Herrn Lloyd George daran erinnern, daß es auf fein Drängen zurückzufüh­ren war, daß vor noch gar nicht langer Zeit statt Poinvaree Herr Dubois den Vorsitz der Rcoa- rationskommission übernahm. Kannte der eng­lische Premier Dubois besser als Poincaree? ES ist wohl kaum anzunehmen, und Lloyd George dürfte sich auch mit der Geschichte der letzten neun bis zehn Jahre Wohl intensiv genug be­schäftigt haben, um zu wissen, was der Prasi- dent derRevanche" bedeutet.

Poincaree selbst hat inzwischen in Paris viel größere...Schwierigkeiten, als man ursprünglich anzunehmen bereit war. Ja, es ist schon so weit gekommen, daß der vom französischen Präsiden­ten mit der Kabinettsbildung betraute Poin­caree an Herrn Viviani herangetreten ist, um ihn zur Uebernahme der Ministerpräsidentschwst zu bewegen. Viviani hat abgelehnt unter dem Vorwande, daß er nicht auf dem Boden des neu zu bildenden Kabinetts stehe. In Wirklich­keit wollte er aber Wohl die Erbschaft nickt übernehmen, die Briand hinterlassen hat, und um die man wahrlich niemand beneiden kann. So türmen sich schon Schwierigkeiten vor Poin­caree auf, und es muß schon recht schreckt um ihn bestellt sein/ wenn das erste, Wa8 er vor- schlagt, das Wiederherantreten an den englisch- französischen Bündnisplan ist. Kann Po­incaree aber auf dieser Bahn weitergehen? Das ist doch wohl schwer möglich. Um das Werk Briands fortzusetzen, dazu bedarf es doch keines Poincaree. Von dem neuen Mann erwartet man etwas durchgreifend anderes, vor al­lem schnelle Entscheioung und offensichtlichen Erfolg. Das ist aber der wundeste Puntt der ganzen Angelegenheit. Unter den heutigen un- erquicklichen Verhältnissen, in dem allgemeinen Durcheinander, tn dem niemand sich so reckt sicher weiß, bedarf jeder Entschluß, den man faßt, sorgfältiger Erwägung. Solche Erwägun­gen widersprechen jedoch einem Manne wie Poincaree. Er kann nur ein Va-banque-Sptel treiben, sonst darf er nicht auf die Unterstützung seiner bisherigen Freunde rechnen, noch ans eine Zustimmung irgend einer anderen parlamenta­rischen Gruppe der Kammer oder des Senats. Es muß also jetzt alles auf eine Karte gesetzt werden. Wenn die Partte jedoch verlo­ren geht, so sind die Fotzen allerdings recht un­angenehm sowohl für Poincaree als auch Mr Frankreich.

Es ist kaum anzunehmen, daß Lloyd Geor­ge diese Tatsache nicht bedacht hot, als er i.i feiner erwähnten Rede von der Einberufting der Konferenz von Genua sprach, gegen die sich dre Pariser Rationalisten während der Zu­sammenkunft von Cannes so heftig sträubten. Hier kann Poincaree nicht nachgeben. Wie werden sich aber nun weiter die Dinge gestal­ten? Lloyd George besteht auf Genua, Poin­caree muß die Konferenz ablehnen. Lloyd Ge­orge wünscht auf alle Fälle die Hinzuziehung Deutschlands und Rußlands zu den Beratun­gen, der Franzose ist mit allen Kräften bemüht, eine solche Beteiligung zu verhindern. Wenn man nun den englischen Blättern Glauben schen­ken darf, so würde die Wirtschastskonferenz selbst dann stattfinden, wenn Frankreich an ihi

nicht teilmmmt. Ein Ausweg wäre für Frank­reich vielleicht noch gewesen, wenn man nämlich von Paris aus vorgeschlagen hätte. Daß man den Völkerbund in dieser Angelegenheit an- rusen müsse. Einem solchen Einwande ist jedoch Lloyd George bereits zuvorgekommen. Er bat rundweg erklärt, daß er den Völkerbund ablehne. Er hält nickt viel von dieser Jn- stttutton, in der große Nationen nicht vertre­ten wären, und die sich daher mit Unrecht ihren Namen beigelegt habe. Der englisch^ Minister­präsident wünscht und hofft auf die völlige M i t- arbert Amerikas, Rußlands und Deutschlands, ohne die et sich kein erfolg­

reiches Schaffen, keinen Wiederaufbau Europas vorstellen kann. Scheinbar hat also Lloyd Ge­orge den Ministerwechfel dazu benutzt, um mit noch weit radikaleren Vorschlägen auf den Plan zu treten, als er es Briand gegenüber getan hat. Lloyd George kennt Poincaree, weiß, daß ihm ein Kampf, ein heftiger Kampf bevorsteht, will aber feinen Mann stellen, will die ganze Auto­rität Großbritanniens in die Wagschale werfen, um zu feinem Ziele zu gelangen, und wäre es selbst über die politische Leiche des neuen Man­nes vorn Quai d' Orsay. Aber auch Poincaree ist sich bewußt, was ihm bevorsteht, und so kann man denn seine Worte, die er soeben vor fran­zösischen Parlamentariern abgab, verstehen, wenn er darin aussagte, daß feiner Ansicht nach die Stunden, die Frankreich jetzt durchlebe, eben­so schicksalsschwer waren, wie die denk­würdigen Tage von 1914....

Noincare und Lloyd George.

Unterredung der beiden Ministerpräsidenten.

(Eigener Drahtbericht.)

Paris, 16. Januar.

Die Unterredung, die Lloyd George auf sei­ner Durchreise in Paris mit Poincars hatte, dauerte anderthalb Stunden. An amtlichen Stel­len wurde über ihren Inhalt mitgeteilt, daß der Verlauf der Unterhaltung äußerst heftig gewesen sei. Man unterstrich den rein persön­lichen Charafter der Aussprache, die jedoch ein Vorspiel Mr die kommenden Verhandlungen fein dürfte. Sowohl Lloyd George als auch Poincarö hätten die Notwendigkeit einer ge­meinsamen Politik Mr Frankreich und England in engster Solidarität betont. Ans die Frage, ob die in Cannes auf der Tagesordnung stehenden Fragen zur Erörterung gelangt seien, wollte man an offiziellen Stellen feine Auskunft geben. Neber die allgemeinen Fragen wird mitgrtellt, Poincars habe erklärt, er könne feine Entschei­dung fällen, jedoch fei er überzeugt, daß feine ernsten Konflikte zwischen beiden Ländern ent­stehen würden. Er hoffe, daß in den künftigen Verhandlungen in den wichtigsten Fragen eine Uebereinstimmung erreicht werden könnte.

Programm für die Besprechungen.

Paris, 16 Januar. (Eigene Drahttnel- duna.) In der Unterredung der beiden Minister. Präsidenten wurde feftgelegt, daß die gesamte Lage geprüft werden müsse, ehe man den srnn> zösisch-englischen Vertrag unterzeichne, und zwar die Frage der Reparationen, des europäi­schen Wiederaufbaus und des Nahen Ostens. Poincars brachte verschiedene Wünsche auf Abänderung oder Erweiterung des Ver­trages vor. Die Garautiedaner von zehn Jah­ren fei zu kurz. Auch seien Zusätze erforderlich, daß England und Frankreich gemeinsam Vor­gehen würden falls Deutschland Polen angreife. Poincars hielt es ferner Mr wünschenswert, daß sofort Zusammenkünfte von franzöflschen und englischen Generalstäblern eingeleitet würden, um die praktischen Einzelheiten im Falle einer Mobilisierung zu erläutern. Lloyd G e o r g e er­klärte, er wünsche vor allem die Frage der R e - parationen und der Wiederherstel­lung der Lage in Europa erledigt zu sehen. Er legte besonderen Wert darauf, daß sofort eine Zusammenkunft zwischen dem neuen französi­schen und dem englischen Finanzminister erfolge.

»

Die WirfsOaftSkonferenz.

Paris, 16 Januar (Eigene Drahtmel­dung) Lloyd George kündigte an, Lord Cur­zon werde am Montag nach Paris kommen und Gelegenheit nehmen, um mit Poincars verschie­dene auswärtige Frage« zu erörtern, namenllich hinsicktlich des Rahen Ostens. Poincars er- klärte sich zu einer solchen Unterredung bereit. Man sprach dann von der Konferenz von Genua. Poincars erklärte, Frankreich werde diese Konferenz beschicken, et selbst aber werde nicht nach Genna kommen.

Das französische Kabinett.

Poincars und seine Mitarbeiter.

(Eigene Drahtmeldung.)

l Paris, 16. Januar.

Das Kabinett PoincarS ist endgültig gebildet. Es setzt sich wie folgt zusammen: Vorsitz und AuswärttgcS: Poincars, Bizc- PrSsidcot, Justiz und Elsaß-Lothringen: Leon Bart Hou, Inneres: Maunoury, Krieg und Pensionen: Andrs Maginot, Marine: Raiberttz, Finanzen: de Lastevrie, Ko­

lonien: Albert Sarraut, öffenttiche Arbeiten: Troqueur, Unterricht und schöne Künste: Leon Berard, befreite Gebiete: Reibel, Arbeiten: Peyronnet, Gesundheitspflege und Vcrstcherungf wesen: Paul Strauß, Landwirt­schaft: Cher ton, Handel: Rior, außerdem Mnf Staatssekretäre: Sekretär beim Minister­präsidenten: Colrat, Post und Telegraphie: Seffent, Handelsmarine: Rior, technischen Unter- richt: Laurent und Landwirtschaft: CYgnac.

Rur Unterschrift dindet.

Paris, 16, Januar. (Eigene Drahtmcldung.) Eine Havasnote vom Sonnabend früh hebt her­vor, daß sich das neue Kabinett seine Stel­lungnahme zu den letzten Beschlüssen in Cannes Vorbehalte. Auch werde die Zu­stimmung zu einer Wittsckaftskonferenz in Ge­nua erst vom neuen Ministerium nach Anhö­rung der Kammer auszusprechen sein. Gegen­über privaten Meldungen stellt die offiziöse Agentur fest, daß nur soweit Beschlüsse des Obersten Rates für die neue Regierung bindend seien, als sie die Unterschrift des früheren Ministerpräsidenten Briand trügen. Das sei in Cannes überhaupt nicht der Fall gewe­sen weil die Unterzeichnung erst im Scklnßpro- toköll gemeinsam vorgenommen werden sollte. Dennoch werde das neue Kabinett loyal gegen­über seinen früheren Verbündeten handeln.

Frankreichs weitere Voiitik.

Poincars über seine Ziele.

(Eigener Drahtbericht.)

Basel, 16. Januar.

Die Baseler Rationalzeituüg meldet auS P a- ris: Poincaree empfing am Sonntag abend die Führer der Karnmerparteien ein- schließlich der Sozialisten, mit Ausnahme des radikalen Flügels. Der neue Präsident betonte in einer viertelstündigen Rede die Ziele sei­ner Politik. Sie gipfeln in der Durchführung des Versailler Vertrages, in der Treue des französischen Volkes, das für die Verbrechen des Weltkrieges (!) Sühne und Wiedergutma­chung verlangt (n und in der Loyalität für die Alliierten, die für die Gerechtigkeit der Sache Frankreichs eintreten.

Sn der Schwebe-

Genf, 16. Januar. (Eigene Drahtmeldung.) Das Journal des Debats" berichtet ans P a - r i s: Die nächste Sitzung des Obersten Rates findet zwischen dem 2. und 10. Februar in Lon­don statt. Bis dahin bleibt die Stellung, nähme Frankreichs in der Reparations­frage und in der Frage der Wirtschaftskonferenz in Genua in der Schwebe.

*

Mir vle Reparotionskvmmlsslon.

Basel, 16. Januar. (Eigene Drahtmeldung.) Wie die Nationalzeitung aus Paris meldet, kündigt die für Poincaree eintretende Presse die BeruMng Briands und Loucheurs in die Reparations-Kommission an.

Aus Oberschlesien.

Freveltatcn betrunkener Franzosen.' (Eigene Drahtmeldung.)

Oppeln, 16. Januar.

Wie die Oppelner Morgenzeitung meldet, er- fduenen in einem Restaurant in Oppeln zwei französische Soldaten und verlangten vom Wirt Schnaps. Die Blkoholabgabe an alliierte Be­satzungstruppen ist durch eine Verordnung der I. A. K. strengstens verboten. Der Wirt machte die Soldaten hierauf aufmerksam, worauf der eine von ihnen das Messer zog und gegen den Wirt vorgehen wollte. Er traf dabei einen deut­schen Zivilisten und stach ihn nieder. Derselbe war sofort tot. Ein englischer Soldat, der sich dazwischcnwars, wurde von dem Franzosen so schwer verletzt, daß er inzwischen gestorben sein soll. Die beiden Franzosen flüchteten sodann und sind unerkannt entkommen.

* Ruhe In Kattowitz.

Kaitowitz, 16. Januar. (Privat-Tele­gramm.) Wie beretts gemeldet, sollte gestern der Ausbruch eines neuen P u t s ch e s zu erwar­ten sein. Sämtliche Palizeistationen erhielten infolgedessen den Befehl, sich alarmbereit zu batten Es kam aber nickt zu Ausschreittm gen; der Sonntag verlief vollkommen nchiL

»rot-Dertmerung.

Preiserhöhung um frinfundficbzig Prozent.

Das Reichskabinett hat beschlossen, bte Ab­gabepreise der Reichsgetreidestelle für Mehl und Getreide mit Wirkung vom 16. Fe­bruar ab zu erhöhen. Diese Erhöhung wird eine Steigerung des Brotpreises um etwa fünf, undsiebzig Prozent zur Folge haben. Diese starke Erhöhung wird, wie das Ernäh­rungsministerium mittcilt, durch den Druck der Entente und durch die schlechte Valuta verursacht.

*

Wie das Reichsernähruugsministerium wei­ter mitteilt, wurde die letzte Festsetzung der Preise für Getreide und Mehl durch die Reichs­getreidestelle bei Beginn des neuen Mttfchasts- jahres Mitte August 1921 vorgenommen. Auf der Grundlage der damals festgesetzten Preise stellt sich das 1000-Gkamm-Brot im Durchschnitt auf etwa sieben Mark; in vielen Orten niedriger, in anderen etwas darüber. Die Versorgung der Bevölkerung mit rationiertem Brot erfordert rund viereinhalb Millionen Ton- neu, wovon zweieinhalb Millionen Tonnen durch die Umlage, der Rest durch eingeführtes betreibe gedeckt werden soll. Die Kosten des Auslandsgetreides liegen um ein Mehr­faches über dem Verkaufspreis der Reichsge- tteidestelle. Der Abgabepreis entspricht entern Getreideeinkaufspreis, welcher nur wenig über dem für das Umlagegetreide gezahlten Preis liegt. Dieser Abgabepreis konnte nur gehalten werden unter erheblicher

Zubuße von Reichsmitteln.

Zu diesem Zweck- sind für die Zeit bis zum 31. März 1922 im Reichshaushaltsplan 3,27 Milliarden Mark bewilligt worden. Infolge der starren Verschlechterung der Valuta haben sich aber die Kosten für die Auslandskäufe sehr viel höher als veranschlagt gestellt. Einem Beschluß des Reichstags folgend, ist in jüngster Zeit von der Reichsgetreidestelle auch freies Inlands» getrcide ausgekaust worden. Diese Auskäufe können aber schon mit Rücksicht auf die von ihnen zu besorgenden Preiserhöhungen nur mit Vorsicht erfolgen und nur beschränkte Mengen in die öffentliche Hand bringen. In der Haupt­sache ist die Beschaffung des Restbedarfs aus dem Auslände nicht zu vermeiden. Bei weiteren Käufen würde bei einem Kursstand des Dol» lars von 100 Mark die Zubuße des Reiches für die Brotverteuerung immer noch über zwölf Milliarden bis zum 15. August 1922 betragen: bei einem Kursstände des Dollars von 250 Mark 20,2 Milliarden Matt. Abgesehen von der Fi- nanzlage des Reiches, welche die Anbringung derarttger Mittel als ausgeschlossen erscheinen läßt, zwingt der dauernde Druck der Entente

zum Abbau dieser Zuschüsse

als Voraussetzung für Erleichterung unserer Verpflichtungen. Aus diesen Gründen hat sich die Reichsregierung genötigt gesehen, dem Gedan­ken einer Erhöhung der Mehl- und Brot­preise näher zu treten. DaS Reichskabinett hat beschlossen, die Abgabepreise der Reichsgetreide­stelle für Mehl und Getreide mit Wirkung vom 16. Februar 1922 ab zu erhöhen. Diese Ec- Höhung wird eine Steigerung des Brotprei- ses zur Folge haben, die nach den angestellten Durcyschnittsberechnungen aus etwa drei Vier­tel des jetzigen Preises zu veranschlagen ist, wo­bei sich je nach den örtlichen Verhältnissen in den einzelnen Kommunalverbänden Abweichungen nach oben oder unten ergeben können. Bei der Durchschnittsberechnung ist die voraussehbare Erhöhung der Unkosten nach Möglichkeit bereits beiücksichtüft. Auch bei dieser Erhöhung der Mehl- und Brotpreise wird das Reich bei einer Zugrundelegung des derzeitigen durchschnitt­lichen Dollattnrses Mr die Abdeckung der Aus- landseinkäufe immer noch 10,6 Milliarden Matt und selbst bei einem Dollarkurse von 100 Matt noch 6,28 Milliarden Matt aufzuwenden haben, also selbst im letzten Falle noch etwa das Doppelt: von der bisher bewilligten Summe. Die Erhöhung der Mehl- und Brotpreise bedeu- tet zweifellos eine schwere und kehr bedauerliche Belastung der Lebenshalttrng Irr BevMerung. .Angesichts der Gestaltung der politischen und finanziellen Verhältnisse ist die Verteuerung aber durchaus nicht zu vermeiden. In der Aussprache im Zentrumsparteitag in Berlin bat gestern der Reichsernährungsminister Dr. Her­mes auch die Vettcuerung erwähnt. Er beton­te, die B r o t p r e i s - E r h ö ö h u n g sei der Regierung sehr schwer geworden, aber es fei kein anderer Weg offen. Auch wenn der Entcnte- druck nickt so schwer gewesen wäre, mürb- uns der Stand der Finanzen dock,- zn einer Erhöhung des Brotpreises gezwungen haben.

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Keine Aufhebung der Brotmarken.

Wie von zuständiger Stelle berichtet wird, sind die Pressemeldungen, wonach ein Abbau des