Einzelbild herunterladen
 

Meler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Eie »afieter äieuefleti 91«d;ri*ten erfdietnett re»6enttt* lerbtmal und sroar actus«. Sa a»etmerrnit#pret* beträgt monatlich l«. Mark bet freier Zustellun, in« ®a»i. »u«. wärt« durch die »oft de,egen 10 - Mark menatttd} ktnschNktltch Zuffellunz. Beft Bungee werden :eberi;u von trtr SefdidftäfieUe ober Ben Boten entgegengenommen. Srudaet. ä er lag und »iebattlen Schlacktdofftrade 28/30. zur unverlangt etngefanbte Beitrage kann die fRebattten eine Beantwortung ober Sewüdr in keinem Salle übernehmen. RuSgahlung de« Beeigegelbe« o»a Ansprüche wegen etwaige nicht erbn;.ng$mi6tger Lieferung »u«gekchlof!en.

gnie.tton«crnle: ei «inheiintsche Aufträge. Sie etnfpatttge Bagetgenietle W. I.. die etntoelttge 9tet tarnet eite TL d> «urwärUge Aufträge Die etnlpaUlge Anzeigenzeile

Ai. 1 *i' etatpalttge «ellaniezeUe Al . alle« etnfchlletllch Aeuaunglzulchlag und Anzetgenfteua stür Anzeigen mit befonbert schwierigem Sa» hundert Prozent Ausschlag. Kür die Atchngkett alle burch Fernsprecher ausgegebenen Anzegen, iowte sür Aufnahme, boten UN» Plätze kann eine A-Wühr nicht übernommen weben. TrnSeei: Schlacht- tzofstrate M/30. »efchästäftellet «kölnische Straße b, Aelephon Skumma Kl und 951

Nummer 13.

Fernsprecher 951 und 952

Sonntag, 15. Januar 1922.

Fernsprecher 951 und 952

12. Jahrgang.

Nm ein mäßiger Zahlungsaufschub.

EineVerschlechterung.

Briand, Cannes, Poinearä.

Die Zügellosigkeit der französischen Ratio­nalisten läßt Europa nicht zur Ruhe kommen. Wer nicht mehr zu den Leichtgläubigen gehört, der ahnte, daß die ALiierten-Konserenz in Can­nes nicht mit einem günstigen Ergebnis für uns enden würde. Aber welch ein Umschlag inner­halb einer Woche! Heute vor achi Tagen wur­den die englischen Vorschläge zum Wiederaufbau Europas bekannt, nach denen Deutschland milde behandelt werden sollte, und als Folge davon stieg sofort die deutsche Mark an den Börsen des Auslandes. Nur zwei Tage dauerte die Muston, da las man die Berichte von den französischen und belgischen Widerständen, worauf die Marl wieder schwächer wurde. Heute steht der Kurs wieder wie vor der Konferenz. Diese Kurve der Kursbewegung ist ein Stimmungs­anzeiger von den Verhandlungen in Cannes, und man ist demnach augenblicklich stark bedrückt. Zwar meldete das Reuterbureau gestern, die Reparationskommission in Cannes habe für Deutschland einen vorläufigen Zah­lungsaufschub beschlossen. Das besagt nicht viel, denn ein kurzer Aufschub kann uns nicht Helsen. Wir brauchen noch mehr als einen lan- & Aufschub, nämlich eine bedeutende Herah- ng der Gesamtsumme. Wie die ungüinstiae Beurteilung an den Auslandsbörsen zum Aus­druck kommt, so hegt man auch in Deutschland keine große Hoffnung. In deutschen Industrie- kreisen steht man jedenfalls der nächsten Zukunft mit Unbehagen entgegen, weil man aus den für den Zahlungsaufschub uns auferlegten Bedin­gungen ernste Schwierigkeiten befürch­tet. Um aber für alle Fälle vsicke- V" fr! legt die Industrie ein Programm fest, das als eine Grundlage für die internationale Wirt- schastskonserenz im Mär; dienen soll. Was aber kann bis dahin alles geschehen?

Vor unliebsamen Ueberraschungen ist man nie sicher. Der plötzliche Rücktritt Bri- ands war eine solche Ueberraschung. Richt etwa, weil wir Briand als französischen Mini­sterpräsidenten gern gesehen hätten, sondern weil er noch als gemäßigt bezeichnet werden muß tot Vergleich zu seinem Nachfolger Po in- carö. Briand war schon ein rücksichtsloser Deutschenfetod. einer, der Frankreichs materielle Interessen vor alles Andere stellte und auf die Formel eingeschworen war:Deutschland muß zahlen." Er hat diesen Standpunkt fo hart­näckig vertreten, nm den Pariser Cbauvinifte" entgegen,ukvmmen. Stützte er seine Macht eigentlich auf den Block der Mitte so mußten deck die nationalistischen Sckreier beschwichtigt werden. Das energische Zurückweisen der fran- zössschen Sionderwünsche durch Llovd George be­kehrte ibn schließlich zu einer gewissen Einsicht, so daß er den englischen Vorschlägen kn Cannes ; u ft»m m t e Damit batte er sich aber seine Stellung untergraben.

Die Unersättlichen und Unversök-nlicken, W o i k c a r 6 "nd Genossen, ft^en ihre Zeit ae- kommen. als Briand fern von Paris weilte. Sic brachten in der Kammer ein Mißtrauensvotum gegen ihn zustande mit der Begründung, er habe Frankreichs Interessen nicht stark genug gegen- über ffnotorrb und D-uttchland ^rr+retcn. DaZ nette Kabinett unter Poincarös Führung richtet stch also scharf gegen Dcntschland. Es be­geht aus der strikten DurckfMnmg des Versafl- ler Vertrags, will keinen Zahlungsanfschnb und feine Hervbsekuna der Summen dulden und ist geneigt im ll^vermgaensfalle sofort Zwangs­maßnahmen eintreten zu lassen. Die neuen Männer sind bekannte Krieasbetzer aus früherer Zeit. Gelingt es ihnen ihre Macht zu entfal­ten, dann kommt für Deutschland wieder eh>c Zeit schlimmer Störungen. Demgegenüber kommt es aber auch darmtf an. wie die anderen Alliierten, bauptföckilick England, stch dazu stellen werden. Ein gestriges Telegramm aus London will wissen, daß England diesen französischen Kabinettwechsel in Berückstchtigung gezogen haste und unbeirrt seine soeben begonnene gemä­ßigte Politik auch ohne Frankreich sortketzen werde.

M-an glaube nun nicht etwa, daß dieser ietzt «nm Ausbruch gekommene enEfch-franzSsikcke Gegensatz uns von sofnrttgem Nutzen sein werde Die finanziell imb voll fisch so eng verbundenen Ententevartner werden wie immer, so auch dies­mal wieder ein Komvromid schließen dessen Kosten wir zu tränen hasten. Aster dtt Zeit wird »weisellos für uns arbeiten der Gedanke der Gemeinschaft aller enraväifchen Großftaaten wird sich ausbreiten, und je mehr die Fran­zosen dagewn arbeiten, desto sicherer wird die Welt für Deutschkgud um^essimml werden. Was wird nun aus der Konferenz von Can­nes? Die m-rst-ndkrtnaen sind durch <wri<in>-<? Abreile und Rücktritt abgebrochen Die De­legierten auch d-e deufichen. basten die ftehn, reife arnaetreten oder reifen in dielen Tagen ast Etwaige Beschlüsse wird die neue fromröfische Regierung nicht anerkennen. Dadurch wäre biei

Konferenz ergebnislos geworden. Ob eine neue Zusammenkunft einbentfen wird, hängt dann von den Vereinbarungen der Alliierten unter­einander ab. wobei Poinears nach Möglichkeit Quertreibereien zum Schaden Deutschlands ver­suchen wird Warten wir es ab. Vielleicht dauert Poincarös Amtszei- mir so viele Wochen, wie Briands Wirken Monate gedauert hat- K. F. Dr.

Kurzer -Zahlungsaufschub.

Sine nur geringe Erleichterung. (Eigener DraHtbericht.)

Cannes, 14. Januar.

Die Reparationskommission hat beschlossen, Deutfchkand einen vorläufigen Zahlungs­aufschub zu gewähren. Die provisorische Lö­sung der Reparationsfrage besagt unter ande­rem, Deutschland zahle zunächst und bis auf weiteres alle zehn Tage, also dreimal in fedm Monat, den Betrag von einunddrei­ßig Millionen Goldmark an die Kaffe der Reparationskommission. Außerdem erwarte die Kommission spätestens in einer Frist von vier­zehn Tagen eine Nachricht der deutschen Re­gierung über die Maßnahmen, die sie zur Aus gleichung der deutschen Zahlungsbi- l a n z zu ergreifen gedenke. Der Bericht werde von der Kommission zur Kenntnis der alliierten Regierungen gebracht werden. Dieses Provi­sorium werde in Bälde ab gelöst werden durch eine feste Regelung, deren BorausseNung auf der Konferenz in G c n u a zur Sprache kom­men mürbe. Die erste Zahlung von einundreißig Millionen Mark hat am ,18. Januar zu erfolg, n Die Zahlungen müssen ist gangbaren AuslandS» devisen geleistet werden. Binnen vierzehn Ta­gen soll außer dem erwähnten Bericht ein voll ständiges Programm der im laufenden I a b re zu leistenden Sach- und Raturallieferuit- tten Deutschlands vorliegen.

Der Abbruch in Cannes.

Die Auflösung der Konferenz. (Eigener DraHtbericht.)

Cannes, 14. Januar.

Infolge des Rücktritts Briands mußte die Konferenz vertagt werden. Die Delegationen reifen sofort ab.Havas" meldet aus Cannes: Der Schlußsitzung des Obersten Rates am Freitag vormittag wohnte ein bevollmächtigter Vertreter Frankreichs nicht mehr bei. Für Frankreich sind die Beschlüsse in Cannes ni cht gültig, r>a z» der Schlußerklärung der Oberste Rat nicht mehr vollzählig versammelt war. DieMorningpost" meldet aus Cannes: Mit dem Ausscheiden der Franzosen aus dem Obersten Rat war die Konferenz nach englischer Auffaffung nicht mehr beschlußfähig Llovd George hält jedoch an den bisherigen Beschlüssen der Konferenz fest, ebenso an dem Angebot eines Garantie- und Schutzver- trages mit Frankreich. Die deutsche Delega­tion hat gestern abend Cannes verlassen. Am späten Nachmittag reiste auch Lloyd George nach Paris ab. In Paris wird zwischen Lloyd George, Poincarec und Millerand eine kurze Besprechung der neuen Sachlage stattfinden

e *

Ergebnisloser Ausgang?

Paris, 14 Januar. (Eigener DraHtbericht.) DaS PariserJournal" berichtet: Briand bat losort nach seinem Rücktritt die ausländischen JonrualiÄm empfanaen. Er gab ihnen Erklä- rungen, wonach jetzt der ergebnislose Ausgang der Konferenz von Cannes entschieden fei. dessen Folge für Frankreich die Wiederherstel- lung der Londoner Abmachungen fei. Es wird allgemein scharfe Kritik geübt au denjenigen, die Briands Position unterhöhlt ba­den, wozu der Präsident Millerand gehört. Die Londoner..Times" hält ihm vor, daß er an den zahlreichen Fehlern der letzten Jahre schul» fei, und daß dieser Teil der Franzosen ohne Fühlung mit den Weltideen fei. Des wetteren wird angenommen, daß das Verschwinden Bri­ands nur vorübergehend sei. Für Deutsckstand fei die Situation somit praktisch nicht z« Ende.

Ratvenrius Angebote?

Zürich, 14. Januar. (Eigene Drabtmel- duna.'! Der TageSanzeiger berichtet aus Can- nes: Aus Rathenans Rede ist nachzutragen. daß er auch eine Verpfändung des deutfche» Goldschatzes den Alliierten angetragcn hat, jedoch erst nach Er-'^öpfung aller übrigen Sicher­

heiten. Rathenan hat ferner sich zur Erhöhung aller deutschen Eisenbahn, und Post-Tarife auf Weltmarktpreise im Namen der deut­schen Reichsregierung bereit erklärt. (?)

e

Die deutsche» Zahlungen.

Berlin, 14 Januar. (Privattelegramm \ Die Zahlen, die die englischen Blätter erwähnen und die sich auf vierhnndertundvierundzwanzig Millionen Mark belousen, die im Januar und Februar von Deutfchland zu zahlen feien, sind fo zu verstehen, daß diefe Summe die Gesamt­leistungen Deutschlands, Barzahlungen wie Sachlieferungen, ausdrücken soll. Dagegen ha», bett es sich bei den vom offiziösenPetit Ba- rifien" genannten zweihundert Millionen Mark nur um die Barzahlungen. Deutscherseits ist die Nennung bestimntter Zahlen vermie- d k n worden, umso mehr, als die Bertreter der alliierten Mächte sich bisher noch nicht endgül­tig über die Summe verständigt hatten.

Die Auffaffung in Berlin.

Abwartende Haltung der Regierung.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 14. Januar.

Das deutsche Reichskabinett wird zu den politischen Vorgängen in Paris zunächst eine streng abwartende Haltung einnen* men. Die Kabinettsberatung nahm von den Nachrichten aus Paris informatorisch Kenntnis, beschäftigte sich aber ausschließlich mit den eige­nen laufenden Geschäften. Ebenso ist der heute stallsindende Besuch der Parteiführer beim Reichskanzler schon vor sechs Tagen vereinbart worden und wird sich ausschließlich auf Steuer­fragen beziehen. Diese Zurückhaltung von jedem Urteil gift natürl-.ch nur für die nächsten Tage. X;~.i vusit nicht übersehen, daß Bttands Sturz unter Umständen zu einer innerpolitischen Krise in Deutschland führen könnte. Wenn der Regi­mewechsel in Frankreich tatsächlich auch eine radikale Abänderung der französischen Vertrags­und Reparationspolitik bedeuten sollte, so könnte sich die bisherige Wirthsche Politik gegen­über der neuen französischen als undurchfiihrbar erweisen. Doch liegt zur unmittelbaren Erwä- gung über mögliche und große Schwierigkeiten heute noch kein Grund vor. Das Gebot des Ab­wartens gilt heute sür Berlin noch ebensosehr wie für London und Rom.

* *

Ausschuß für Auswärtiges.

Berlin, 14. Januar (Privattelegramm.) Wie von deutschnationaler Seite mitgeteilt wird, hat die deutschnationale Reichstagsfraktion die Einberufung des auswärtigen Ausschus­ses bei dem Vorsitzenden beantragt. Sie gibt sich nicht mit einer Verschiebung bis Mittwoch zufrieden, sondern verlangt dringend, daß der Ausschuß auf heute (Sonnabend) einberufen wird. Dazu wird gemeldet: Infolge der Vor­gänge in Paris, die die Konferenz in Cannes vorzeitig beendet haben, hat der Reichskanzler seinen Widerstand gegen die Einberufung des Ausschusses für auswärtige Anzelegenheiten auf- gegeben. Der Kanzler hat sich nunmehr zu Erklärungen im Ausschuss bereit erftärt. Der auswärtige Ausschuß tritt aber erst am Diens­tag kommender Woche zusammen.

Eine Regkerungsbesprechung.

Berlin, 14. Januar. (Privattelegrcrmm.) Die Reichsregiernng wird heute vormittag in eine interne Besprechung über die Entscheidung der Reparations-Kommission rintreten.

Wie eine Sprengbombe.

Wie Briands Rücktritt in Cannes wirkte.

(Eigener DraHtbericht.)

Paris, 14. Januar.

Die Nachricht vom Rücktritt des Kabinetts Briand hat, wie der Sonderberichterstatter des Malin" auS Cannes meldet, auf der Konferenz wie ein StocksMag auf einen Ameisenhaufen ge wirkt. In dem geräumigen Palast herrschte Durcheinander und Tohuwabohu. Die englischen, amerikanischen und italienischen Journalisten, ja sogar das Auge von Moskau, der Korrespondent desDaily Herold, sind niedergeschmettert gewesen. Ein ita­lienischer Delegierter erklärte, etwas derartiges sei überhaupt noch nicht vorgekommen. Tausend Personen, die zusammengekommcn sind, um zu arbeiten, haben vierzehn Tage lang ihre kost­bare Zeit vergeudet und werden durch einen Streich auseinandergssprengt. Loucheur war es, der die Nachricht überbrachte. Er soll einem Berichterstatter erklärt haben: Ich habe soeben Lloyd George, Bonomi und Theunys unterrichtet. Glauben Sie mir, die Herren sind ganz begeistert gewesen: denn auf diese Weise haben sie eine ganz unbeabsichtigte Erholungs­reise und Luxusreise gemacht (?*.

Im besetzten Gebiet.

DaS Wirtschaftsjahr 1921.

« dringt au wenig en di« 0-ff«ntUchkett toi« es ins besetzten Rheinland wirklich an»- steht. Unter bem äußeren Treiben de« täglichen Ledens leidet aber di, deutsch« Bevölkerung unter dem Wirtschastskamdf, der durch die all i« ten Willkür entstanden ist Das gesamte Wrrtjchaftsleben im besetzten Gebiet spiegelt stch mit beachtenswerter Deut­lichkeit in dem vorliegenden Jahresbericht >er Handelskammer zu Köln wieder. Mit {tarier An­teilnahme und wochtoerdiettter Achtung vor der Tatkraft und der Regsamkeit der Volksgenossen am Rhein beobachtet das übrige Deutschland ein hartes und zähes Ringen um die nackte wirtschaftliche Daseinsmöglichkeit, die unter dem Einfluß der Besetzung und vor allem der mili­tärischen wie wirtichaftlichen Sanküonen oft ge­nug in Frage gestellt wurde. Die Kölner Han- delskammer sah stch im abgelaufenen WirtschmtL- jqhr vor besonders schwierige Ausgaben gestellt. IM Interesse des gesamten deutschen Wirt­schaftslebens. wie besonders auch der Kauf. Mannschaft ihres Gebietes war sie unermüdlich bestrebt, durch zahlreiche großzügige Maßnah­men die entstehenden SchwieriKetten nach Mög- lichkeit zu mildern. Als Erfolg darf die Tat­sache gelten, daß es gelang, einen besonderen Staatssekretär für die besetzten Gebiete beim Reichsamt des Innern durch,zusetzen, und Hand in Hemd mit der Vereinigung der HandessLam- mer des-besetzten Gebietes und dem Wirtschafts­ausschuß des besetzten Gebietes, deren Geschäfte sie führt, von außen kommende Eingriffe in die deutsche Wirtschaft, wo immer möglich a63.it" wehren. Diese

wirtschaftliche Einheitsfront, bis in dem genannten Wi.chchr.ftsausfchuß ihren eigentlichen Zentralpunk, gefunden hat und die eine Vereinigung von verschiedenen Handels­kammern mit den in besonderen Ausschüssen zu» sammengeschlossenen freien Verbänden des Han­dels, der Industrie und neuerdings auch der Lcmdivirtschast darstellt, hat zu nicht geringem Teil zu der im Herbst erfolgten Maßnahme dec Aufhebung der Rheinzossgrenze und der Geneh- nngungspflicht für den Verkehr mit dem unbe­setzten Deutschland beigetragen. Die militä­rischen Sanktionen allerdings liegen noch immer drückend auf dem Verkehr des neubesetzten Ge­bietes. Ebenso lähmt das Wirtschaftsleben in seinem notwendigen Austausch mit dem unbe­setzten Stmnmland und mit dem Ausland dos unter der Ueberwachung der Verbandmächte noch immer bestehende Emser Amt, zu depen Beseittgung zwar zwischen der Reichsregierung und dem Verbände Verhandlungen gepflogen wurden, die jedoch an den unerfüllbaren For­derungen des letzteren scheitern mußten. So Iti das

berüchtigteLoch im Westen"

immer noch nicht völlig geschlossen: die Reichs« regierung ist genötigt, im vollen Einverständnis mit dem Wirtschaftsausschuß die Auffangein­richtung und Zulaufs-Genehmigungspflicht auch weiterhin ansrechtzuerhalten, bbivobl diese Maß­nahmen erfahrungsgemäß den Wirtschaftsver­kehr mit dem besetzten Gebiet außerordentlich erschweren. Wenn sich auch heute nur zum Teil die gant erheblichen, durch die Sanktionen verursachten Schäden zahlenmäßig feststellen lassen, fo sind die ansehnlichen Beträge der gr- iffblten Rheinzölle, der Emscrgebüchren für den Binnenverkehr, der Mehrbetrag der Emser Ge­bühren gegenüber den entsprechenden deutschen Gebichren und endlich die doppelt erhobenen Ausfuhrahgüben rechnerisch einwandfrei nach­weisbar. Der Wirtschaftsausschuß hat daher, als nach erfolgter Aufhebung der Rheinzoll­grenze feWand, daß dem Reiche die genannten Beträge auf Reparattonskonto gutgefchrieben würden, die Erstattung dieser Sankttonsschäden durch das Reick beantragt und von der ReichS- regierung auch bereits einen teilweisen Ersatz in Aussicht gestellt erhalten. Ein besonders trau­riges Kapitel im Wirtschaftsleben des besetzten Gebietes ist der infolge der Marlentwerttinq ttn Herbst einsetzende Ausverkauf durch Aus. l ä n d e r, den die Handelskammer mit allen ihr zu GeÄote stehenden Mtteln zn bekümvien suchte. w. W.

Ermordete Bürgermeister.

Gerichtsverhandlung in Heidelberg.

Ein Kriminalfall, der im vergangenen Sotfts mer in Deutschland das größte Äusscben erregte, und der in der Geschickte dcs Odenwaldes feit Menschengedenken nicht seinesgleichen hat, kommt in den nächllen Tagen vor den-: Heidelber­ger Schwurgericht zur Verbandlung. Dort beginnt der Prozeß gegen den Eifcnvahnschlof- fer Sie seit wegen Ermoroung und Beraub­ung des Herforder Overbürgermei- ft er 3 Buffe und des früheren Herforder Bürgermeisters Werner am PfÄz?r«-!

<