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Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
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Nummer 13.
Fernsprecher 951 und 952
Sonntag, 15. Januar 1922.
Fernsprecher 951 und 952
12. Jahrgang.
Nm ein mäßiger Zahlungsaufschub.
EineVerschlechterung.
Briand, Cannes, Poinearä.
Die Zügellosigkeit der französischen Rationalisten läßt Europa nicht zur Ruhe kommen. Wer nicht mehr zu den Leichtgläubigen gehört, der ahnte, daß die ALiierten-Konserenz in Cannes nicht mit einem günstigen Ergebnis für uns enden würde. Aber welch ein Umschlag innerhalb einer Woche! Heute vor achi Tagen wurden die englischen Vorschläge zum Wiederaufbau Europas bekannt, nach denen Deutschland milde behandelt werden sollte, und als Folge davon stieg sofort die deutsche Mark an den Börsen des Auslandes. Nur zwei Tage dauerte die Muston, da las man die Berichte von den französischen und belgischen Widerständen, worauf die Marl wieder schwächer wurde. Heute steht der Kurs wieder wie vor der Konferenz. Diese Kurve der Kursbewegung ist ein Stimmungsanzeiger von den Verhandlungen in Cannes, und man ist demnach augenblicklich stark bedrückt. Zwar meldete das Reuterbureau gestern, die Reparationskommission in Cannes habe für Deutschland einen vorläufigen Zahlungsaufschub beschlossen. Das besagt nicht viel, denn ein kurzer Aufschub kann uns nicht Helsen. Wir brauchen noch mehr als einen lan- & Aufschub, nämlich eine bedeutende Herah- ng der Gesamtsumme. Wie die ungüinstiae Beurteilung an den Auslandsbörsen zum Ausdruck kommt, so hegt man auch in Deutschland keine große Hoffnung. In deutschen Industrie- kreisen steht man jedenfalls der nächsten Zukunft mit Unbehagen entgegen, weil man aus den für den Zahlungsaufschub uns auferlegten Bedingungen ernste Schwierigkeiten befürchtet. Um aber für alle Fälle vsicke- V" ■ fr! legt die Industrie ein Programm fest, das als eine Grundlage für die internationale Wirt- schastskonserenz im Mär; dienen soll. Was aber kann bis dahin alles geschehen?
Vor unliebsamen Ueberraschungen ist man nie sicher. Der plötzliche Rücktritt Bri- ands war eine solche Ueberraschung. Richt etwa, weil wir Briand als französischen Ministerpräsidenten gern gesehen hätten, sondern weil er noch als gemäßigt bezeichnet werden muß tot Vergleich zu seinem Nachfolger Po in- carö. Briand war schon ein rücksichtsloser Deutschenfetod. einer, der Frankreichs materielle Interessen vor alles Andere stellte und auf die Formel eingeschworen war: „Deutschland muß zahlen." Er hat diesen Standpunkt fo hartnäckig vertreten, nm den Pariser Cbauvinifte" entgegen,ukvmmen. Stützte er seine Macht eigentlich auf den Block der Mitte so mußten deck die nationalistischen Sckreier beschwichtigt werden. Das energische Zurückweisen der fran- zössschen Sionderwünsche durch Llovd George bekehrte ibn schließlich zu einer gewissen Einsicht, so daß er den englischen Vorschlägen kn Cannes ; u ft»m m t e Damit batte er sich aber seine Stellung untergraben.
Die Unersättlichen und Unversök-nlicken, W o i k c a r 6 "nd Genossen, ft^en ihre Zeit ae- kommen. als Briand fern von Paris weilte. Sic brachten in der Kammer ein Mißtrauensvotum gegen ihn zustande mit der Begründung, er habe Frankreichs Interessen nicht stark genug gegen- über ffnotorrb und D-uttchland ^rr+retcn. DaZ nette Kabinett unter Poincarös Führung richtet stch also scharf gegen Dcntschland. Es begeht aus der strikten DurckfMnmg des Versafl- ler Vertrags, will keinen Zahlungsanfschnb und feine Hervbsekuna der Summen dulden und ist geneigt im ll^vermgaensfalle sofort Zwangsmaßnahmen eintreten zu lassen. Die neuen Männer sind bekannte Krieasbetzer aus früherer Zeit. Gelingt es ihnen ihre Macht zu entfalten, dann kommt für Deutschland wieder eh>c Zeit schlimmer Störungen. Demgegenüber kommt es aber auch darmtf an. wie die anderen Alliierten, bauptföckilick England, stch dazu stellen werden. Ein gestriges Telegramm aus London will wissen, daß England diesen französischen Kabinettwechsel in Berückstchtigung gezogen haste und unbeirrt seine soeben begonnene gemäßigte Politik auch ohne Frankreich sortketzen werde.
M-an glaube nun nicht etwa, daß dieser ietzt «nm Ausbruch gekommene enEfch-franzSsikcke Gegensatz uns von sofnrttgem Nutzen sein werde Die finanziell imb voll fisch so eng verbundenen Ententevartner werden wie immer, so auch diesmal wieder ein Komvromid schließen dessen Kosten wir zu tränen hasten. Aster dtt Zeit wird »weisellos für uns arbeiten der Gedanke der Gemeinschaft aller enraväifchen Großftaaten wird sich ausbreiten, und je mehr die Franzosen dagewn arbeiten, desto sicherer wird die Welt für Deutschkgud um^essimml werden. — Was wird nun aus der Konferenz von Cannes? Die m-rst-ndkrtnaen sind durch <wri<in>-<? Abreile und Rücktritt abgebrochen Die Delegierten auch d-e deufichen. basten die ftehn, reife arnaetreten oder reifen in dielen Tagen ast Etwaige Beschlüsse wird die neue fromröfische Regierung nicht anerkennen. Dadurch wäre biei
Konferenz ergebnislos geworden. Ob eine neue Zusammenkunft einbentfen wird, hängt dann von den Vereinbarungen der Alliierten untereinander ab. wobei Poinears nach Möglichkeit Quertreibereien zum Schaden Deutschlands versuchen wird Warten wir es ab. Vielleicht dauert Poincarös Amtszei- mir so viele Wochen, wie Briands Wirken Monate gedauert hat- K. F. Dr.
Kurzer -Zahlungsaufschub.
Sine nur geringe Erleichterung. (Eigener DraHtbericht.)
Cannes, 14. Januar.
Die Reparationskommission hat beschlossen, Deutfchkand einen vorläufigen Zahlungsaufschub zu gewähren. Die provisorische Lösung der Reparationsfrage besagt unter anderem, Deutschland zahle zunächst und bis auf weiteres alle zehn Tage, also dreimal in fedm Monat, den Betrag von einunddreißig Millionen Goldmark an die Kaffe der Reparationskommission. Außerdem erwarte die Kommission spätestens in einer Frist von vierzehn Tagen eine Nachricht der deutschen Regierung über die Maßnahmen, die sie zur Aus gleichung der deutschen Zahlungsbi- l a n z zu ergreifen gedenke. Der Bericht werde von der Kommission zur Kenntnis der alliierten Regierungen gebracht werden. Dieses Provisorium werde in Bälde ab gelöst werden durch eine feste Regelung, deren BorausseNung auf der Konferenz in G c n u a zur Sprache kommen mürbe. Die erste Zahlung von einundreißig Millionen Mark hat am ,18. Januar zu erfolg, n Die Zahlungen müssen ist gangbaren AuslandS» devisen geleistet werden. Binnen vierzehn Tagen soll außer dem erwähnten Bericht ein voll ständiges Programm der im laufenden I a b re zu leistenden Sach- und Raturallieferuit- tten Deutschlands vorliegen.
Der Abbruch in Cannes.
Die Auflösung der Konferenz. (Eigener DraHtbericht.)
Cannes, 14. Januar.
Infolge des Rücktritts Briands mußte die Konferenz vertagt werden. Die Delegationen reifen sofort ab. „Havas" meldet aus Cannes: Der Schlußsitzung des Obersten Rates am Freitag vormittag wohnte ein bevollmächtigter Vertreter Frankreichs nicht mehr bei. Für Frankreich sind die Beschlüsse in Cannes ni cht gültig, r>a z» der Schlußerklärung der Oberste Rat nicht mehr vollzählig versammelt war. — Die „Morningpost" meldet aus Cannes: Mit dem Ausscheiden der Franzosen aus dem Obersten Rat war die Konferenz nach englischer Auffaffung nicht mehr beschlußfähig Llovd George hält jedoch an den bisherigen Beschlüssen der Konferenz fest, ebenso an dem Angebot eines Garantie- und Schutzver- trages mit Frankreich. — Die deutsche Delegation hat gestern abend Cannes verlassen. Am späten Nachmittag reiste auch Lloyd George nach Paris ab. In Paris wird zwischen Lloyd George, Poincarec und Millerand eine kurze Besprechung der neuen Sachlage stattfinden
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Ergebnisloser Ausgang?
Paris, 14 Januar. (Eigener DraHtbericht.) DaS Pariser „Journal" berichtet: Briand bat losort nach seinem Rücktritt die ausländischen JonrualiÄm empfanaen. Er gab ihnen Erklä- rungen, wonach jetzt der ergebnislose Ausgang der Konferenz von Cannes entschieden fei. dessen Folge für Frankreich die Wiederherstel- lung der Londoner Abmachungen fei. — Es wird allgemein scharfe Kritik geübt au denjenigen, die Briands Position unterhöhlt baden, wozu der Präsident Millerand gehört. Die Londoner..Times" hält ihm vor, daß er an den zahlreichen Fehlern der letzten Jahre schul» fei, und daß dieser Teil der Franzosen ohne Fühlung mit den Weltideen fei. Des wetteren wird angenommen, daß das Verschwinden Briands nur vorübergehend sei. Für Deutsckstand fei die Situation somit praktisch nicht z« Ende.
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Ratvenrius Angebote?
Zürich, 14. Januar. (Eigene Drabtmel- duna.'! Der TageSanzeiger berichtet aus Can- nes: Aus Rathenans Rede ist nachzutragen. daß er auch eine Verpfändung des deutfche» Goldschatzes den Alliierten angetragcn hat, jedoch erst nach Er-'^öpfung aller übrigen Sicher
heiten. Rathenan hat ferner sich zur Erhöhung aller deutschen Eisenbahn, und Post-Tarife auf Weltmarktpreise im Namen der deutschen Reichsregierung bereit erklärt. (?)
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Die deutsche» Zahlungen.
Berlin, 14 Januar. (Privattelegramm \ Die Zahlen, die die englischen Blätter erwähnen und die sich auf vierhnndertundvierundzwanzig Millionen Mark belousen, die im Januar und Februar von Deutfchland zu zahlen feien, sind fo zu verstehen, daß diefe Summe die Gesamtleistungen Deutschlands, Barzahlungen wie Sachlieferungen, ausdrücken soll. Dagegen ha», bett es sich bei den vom offiziösen „Petit Ba- rifien" genannten zweihundert Millionen Mark nur um die Barzahlungen. Deutscherseits ist die Nennung bestimntter Zahlen vermie- d k n worden, umso mehr, als die Bertreter der alliierten Mächte sich bisher noch nicht endgültig über die Summe verständigt hatten.
Die Auffaffung in Berlin.
Abwartende Haltung der Regierung.
(Privat-Telegramm.)
Berlin, 14. Januar.
Das deutsche Reichskabinett wird zu den politischen Vorgängen in Paris zunächst eine streng abwartende Haltung einnen* men. Die Kabinettsberatung nahm von den Nachrichten aus Paris informatorisch Kenntnis, beschäftigte sich aber ausschließlich mit den eigenen laufenden Geschäften. Ebenso ist der heute stallsindende Besuch der Parteiführer beim Reichskanzler schon vor sechs Tagen vereinbart worden und wird sich ausschließlich auf Steuerfragen beziehen. Diese Zurückhaltung von jedem Urteil gift natürl-.ch nur für die nächsten Tage. X;~.i vusit nicht übersehen, daß Bttands Sturz unter Umständen zu einer innerpolitischen Krise in Deutschland führen könnte. Wenn der Regimewechsel in Frankreich tatsächlich auch eine radikale Abänderung der französischen Vertragsund Reparationspolitik bedeuten sollte, so könnte sich die bisherige Wirthsche Politik gegenüber der neuen französischen als undurchfiihrbar erweisen. Doch liegt zur unmittelbaren Erwä- gung über mögliche und große Schwierigkeiten heute noch kein Grund vor. Das Gebot des Abwartens gilt heute sür Berlin noch ebensosehr wie für London und Rom.
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Ausschuß für Auswärtiges.
Berlin, 14. Januar (Privattelegramm.) Wie von deutschnationaler Seite mitgeteilt wird, hat die deutschnationale Reichstagsfraktion die Einberufung des auswärtigen Ausschusses bei dem Vorsitzenden beantragt. Sie gibt sich nicht mit einer Verschiebung bis Mittwoch zufrieden, sondern verlangt dringend, daß der Ausschuß auf heute (Sonnabend) einberufen wird. Dazu wird gemeldet: Infolge der Vorgänge in Paris, die die Konferenz in Cannes vorzeitig beendet haben, hat der Reichskanzler seinen Widerstand gegen die Einberufung des Ausschusses für auswärtige Anzelegenheiten auf- gegeben. Der Kanzler hat sich nunmehr zu Erklärungen im Ausschuss bereit erftärt. Der auswärtige Ausschuß tritt aber erst am Dienstag kommender Woche zusammen.
Eine Regkerungsbesprechung.
Berlin, 14. Januar. (Privattelegrcrmm.) Die Reichsregiernng wird heute vormittag in eine interne Besprechung über die Entscheidung der Reparations-Kommission rintreten.
Wie eine Sprengbombe.
Wie Briands Rücktritt in Cannes wirkte.
(Eigener DraHtbericht.)
Paris, 14. Januar.
Die Nachricht vom Rücktritt des Kabinetts Briand hat, wie der Sonderberichterstatter des „Malin" auS Cannes meldet, auf der Konferenz wie ein StocksMag auf einen Ameisenhaufen ge wirkt. In dem geräumigen Palast herrschte Durcheinander und Tohuwabohu. Die englischen, amerikanischen und italienischen Journalisten, ja sogar das Auge von Moskau, der Korrespondent des „Daily Herold, sind niedergeschmettert gewesen. Ein italienischer Delegierter erklärte, etwas derartiges sei überhaupt noch nicht vorgekommen. Tausend Personen, die zusammengekommcn sind, um zu arbeiten, haben vierzehn Tage lang ihre kostbare Zeit vergeudet und werden durch einen Streich auseinandergssprengt. — Loucheur war es, der die Nachricht überbrachte. Er soll einem Berichterstatter erklärt haben: Ich habe soeben Lloyd George, Bonomi und Theunys unterrichtet. Glauben Sie mir, die Herren sind ganz begeistert gewesen: denn auf diese Weise haben sie eine ganz unbeabsichtigte Erholungsreise und Luxusreise gemacht (?*.
Im besetzten Gebiet.
DaS Wirtschaftsjahr 1921.
«• dringt au wenig en di« 0-ff«ntUchkett toi« es ins besetzten Rheinland wirklich an»- steht. Unter bem äußeren Treiben de« täglichen Ledens leidet aber di, deutsch« Bevölkerung unter dem Wirtschastskamdf, der durch die all i« ten Willkür entstanden ist Das gesamte Wrrtjchaftsleben im besetzten Gebiet spiegelt stch mit beachtenswerter Deutlichkeit in dem vorliegenden Jahresbericht >er Handelskammer zu Köln wieder. Mit {tarier Anteilnahme und wochtoerdiettter Achtung vor der Tatkraft und der Regsamkeit der Volksgenossen am Rhein beobachtet das übrige Deutschland ein hartes und zähes Ringen um die nackte wirtschaftliche Daseinsmöglichkeit, die unter dem Einfluß der Besetzung und vor allem der militärischen wie wirtichaftlichen Sanküonen oft genug in Frage gestellt wurde. Die Kölner Han- delskammer sah stch im abgelaufenen WirtschmtL- jqhr vor besonders schwierige Ausgaben gestellt. IM Interesse des gesamten deutschen Wirtschaftslebens. wie besonders auch der Kauf. Mannschaft ihres Gebietes war sie unermüdlich bestrebt, durch zahlreiche großzügige Maßnahmen die entstehenden SchwieriKetten nach Mög- lichkeit zu mildern. Als Erfolg darf die Tatsache gelten, daß es gelang, einen besonderen Staatssekretär für die besetzten Gebiete beim Reichsamt des Innern durch,zusetzen, und Hand in Hemd mit der Vereinigung der HandessLam- mer des-besetzten Gebietes und dem Wirtschaftsausschuß des besetzten Gebietes, deren Geschäfte sie führt, von außen kommende Eingriffe in die deutsche Wirtschaft, wo immer möglich a63.it" wehren. Diese
wirtschaftliche Einheitsfront, bis in dem genannten Wi.chchr.ftsausfchuß ihren eigentlichen Zentralpunk, gefunden hat und die eine Vereinigung von verschiedenen Handelskammern mit den in besonderen Ausschüssen zu» sammengeschlossenen freien Verbänden des Handels, der Industrie und neuerdings auch der Lcmdivirtschast darstellt, hat zu nicht geringem Teil zu der im Herbst erfolgten Maßnahme dec Aufhebung der Rheinzossgrenze und der Geneh- nngungspflicht für den Verkehr mit dem unbesetzten Deutschland beigetragen. Die militärischen Sanktionen allerdings liegen noch immer drückend auf dem Verkehr des neubesetzten Gebietes. Ebenso lähmt das Wirtschaftsleben in seinem notwendigen Austausch mit dem unbesetzten Stmnmland und mit dem Ausland dos unter der Ueberwachung der Verbandmächte noch immer bestehende Emser Amt, zu depen Beseittgung zwar zwischen der Reichsregierung und dem Verbände Verhandlungen gepflogen wurden, die jedoch an den unerfüllbaren Forderungen des letzteren scheitern mußten. So Iti das
berüchtigte „Loch im Westen"
immer noch nicht völlig geschlossen: die Reichs« regierung ist genötigt, im vollen Einverständnis mit dem Wirtschaftsausschuß die Auffangeinrichtung und Zulaufs-Genehmigungspflicht auch weiterhin ansrechtzuerhalten, bbivobl diese Maßnahmen erfahrungsgemäß den Wirtschaftsverkehr mit dem besetzten Gebiet außerordentlich erschweren. Wenn sich auch heute nur zum Teil die gant erheblichen, durch die Sanktionen verursachten Schäden zahlenmäßig feststellen lassen, fo sind die ansehnlichen Beträge der gr- iffblten Rheinzölle, der Emscrgebüchren für den Binnenverkehr, der Mehrbetrag der Emser Gebühren gegenüber den entsprechenden deutschen Gebichren und endlich die doppelt erhobenen Ausfuhrahgüben rechnerisch einwandfrei nachweisbar. Der Wirtschaftsausschuß hat daher, als nach erfolgter Aufhebung der Rheinzollgrenze feWand, daß dem Reiche die genannten Beträge auf Reparattonskonto gutgefchrieben würden, die Erstattung dieser Sankttonsschäden durch das Reick beantragt und von der ReichS- regierung auch bereits einen teilweisen Ersatz in Aussicht gestellt erhalten. — Ein besonders trauriges Kapitel im Wirtschaftsleben des besetzten Gebietes ist der infolge der Marlentwerttinq ttn Herbst einsetzende Ausverkauf durch Aus. l ä n d e r, den die Handelskammer mit allen ihr zu GeÄote stehenden Mtteln zn bekümvien suchte. w. W.
Ermordete Bürgermeister.
Gerichtsverhandlung in Heidelberg.
Ein Kriminalfall, der im vergangenen Sotfts mer in Deutschland das größte Äusscben erregte, und der in der Geschickte dcs Odenwaldes feit Menschengedenken nicht seinesgleichen hat, kommt in den nächllen Tagen vor den-: Heidelberger Schwurgericht zur Verbandlung. Dort beginnt der Prozeß gegen den Eifcnvahnschlof- fer Sie seit wegen Ermoroung und Beraubung des Herforder Overbürgermei- ft er 3 Buffe und des früheren Herforder Bürgermeisters Werner am PfÄz?r«-!
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