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Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 10.

DounersLag- 12. Zarruar 1922.

Fernsprecher 951 und 952

12. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952

«I

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keine vorzeitigen Hoffnungen ans Cannes.

;artet«

mit ihrer Regierung, was eine Konserenz-

Rechnung kommen könnten. Aus diesem Grün

de begegnen die Verschmelzunaswünsche gewis- pause erforderlich machen würde. Würden sich fer Unabhängiger gerade bei den das Gesamt- die Deutschen außerstande erklären, die erleichter-

AnnSherungsverfuche.

Llm die Steuerfragm.

Kampfansage der Linksparteien.

Redakteur Stampffer: Kämen die Unab- hängigen zu uns, um darüber zu Wachen, daß die Grenzen einer sachlich berechtigten Koa- litionspolitik nicht überschritten würden, so Wäre das ein willkommener Zugang. Daß wir vorziehen, die Rolle des Richters von außen zu spielen, ist zu bedauern. Aber das ist nur ein Uebergangssladium, das behoben werde» wird.

Berlin, 11. Januar. (Privattelegramm.) Im .Vorwärts" schreibt der mehrheussozialistischr

der Alliierten am Montag heißt es, daß nach den jetzigen Erleichterungen an Deutschland späte­res Entgegenkommen ausgeschlos­sen sei, es sei denn, daß es von der Garantie- kommisfion in Berlin ausdrücklich verlangt werde. Der PariserMatin" läßt sich aus Berlin melden: Rathen au sei beauftragt, in Faunes auch die siebenhundert Millionen Gold- mark zum 1. Mai nicht anzunrhmen. (?) Rathe- nau werde cinneuesAngebot nach Cannes bringen. Die Deutsche» könnten nur dreihun­dert Millionen Gcldmark bis L Mai austreibeu

Schwere BeSi^Mngm.

Kontrolle der deutsche» Finanzen. (Eigene Drahtmeldung.)

gänge abgespielt. Demnach ist es eigentlich ziemlich unwahrscheinlich, das

nahmen m Kraft treten, worüber man noch beraten würde. Alles dieses könnte noch man­cherlei Ueberraschnngen Hervorrufen.

Die Besatzung am Rhein

AnruH* in der f-anzSstschsn Dresse.

(Eigener Drahtbericht.)

Ausschuß für Auswärtiges.

Berlin, 11. Januar. (Privattelegrwmm.) Die deutschnationale Fraktion des Reichstages hat Sei dem Vorstand des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten beam tragt, den Attsfchuß zum Zweck einer Auskunft der Regierung über die Verhandlungen in Can­nes sofort einzuberufeu. Wie das Berliner Tage­blatt aus parlamentarischen Kreisen hört, nimmt man an, das; nach der Rückkehr der deutschen De­legation aus Cannes Ende dieser Woche der Auswärtige Ausschuß zusammentrete» wird.

Schwache LeistungsfühigkekL

Paris, 11 Januar. (Eigener Drahtbericht.) Journal des Debats" meldet aus Cannes: Die deutsche;! Vertreter solle» nur über die deutsche Leistungsfähigkeit angehört werden.

Hinderung der Unabhängigen und des Zen- . . -. itti'ms, durch den Parteitag und die außenpolff

aver nicht über die Garant re n, die von, tische Lage angesichts der Verhandlungen in Deutschland verlangt werden. 3n dem Beschluß Cannes.

Vertagung der Ausschüsse,'

Berlin, 11. Januar. (Privattelegramm.) In parlamentarischen Kreisen erwartet man, daß die gestern vollzogene Vertagung der Vereinig­ten Steuerausschüffe etwas mehr als eine Wo­che dauern wird, sodaß die Steuerausschiifse erst wieder mft dem Plenum ,ni Sitzungen zusam- mrntreten. Maßgebend hierfür war die Ber-

Dorlüuflge Saölen.

Paris, 11. Januar. (Eigene Drahttnel- dung.) Gestern mittag fand auf der deutschen Botschaft in Paris eine eingehende Beratung der deutsche» Abordnung statt. Kurz nach fünf Uhr verließ die deutsche Abordnun« Paris, um nach Cannes zu reisen. Dort werde» die Delegierten heute vom Obersten Rat gehört werden. Ueber die Grundlage des neuen Abkommens für die Wiedergutmachung wird berichtet, Deutschland hätte für das Jahr 1922 anstelle von drei Milliarden Mark steben- bundertundzwanzig Millionen in bar und 1450 Millionen in Sachleistungen zu zahlen.

(Pttvat-Telearamm.)

Berlin, 11. Januar.

DeoBorwärO" veröffentlicht fettgedruckt eine Mitteilung, worin es heißt: Die Gewerk, schäften haben i» Gemeinschaft mit den Vor­ständen der beiden sozialistischen Par­teien beschlossen, in der Steuer- und Re- ParationSsrage mit stärkerem Nachdruck vorzugehen. Sie haben ferner zur besonderen Bearbeitung der Frage der Ersafsung der Sachwerte eine gemeinsame Kommis­sion eingesetzt. Die Kommission wird ihre Arbeiten unmittelbar nach dem Parteitag der Unabhängigen aufnehmen. Von den anderen Blättern, die diese Mitteilung ebenfalls bringen, bemerkt dieZeit" unter anderem, daß cs eine Kampfansage sowohl gegen die Regierung wie gegen die bürgerlichen Parteien sei. Tie Rote gähne" faßt ihr Urteil dahin zusam­men: Statt Kampf Kommissionen.

An einem Keeuzweg,

Sozialistische Einigung?

Die seit Jahr und Tag erörterte Frage einer Wiedervereinigung der beiden sozialistischen . Parteien dürste in wenigen Tagen in aller Oeffentlichkeit aufgervllt und möglicher Weise auch wesentlich geklärt werden. Der Leipziger Parteitag der Unabhängigen wird, wenn nicht alle Vorzeichen täuschen, eine grundsätzliche Aussprache über die zukünftige Allgemeinpolitik der Partei zeitigen und Klarheit darüber brin­gen, ob der Kurs nach links, zu den Kommuni­sten hin, ob nach rechts, ins mehrheitssozialisti­sche Lager gesteuert werden oder ob endlich die unabhängige Partei die von ihr selbst als zu- nchmenv unbefriedigend empfundene Zwi­schenstellung als halbsozialistische, halb kommunistische Partei noch eine Weile behalten soll. In mancher Hinsicht wiederholt sich jetzt das Bild von Halle, wo rechter und linker Flü­gel mit solchem Fanatismus und mit dem Er­folg auseinandergerieten, daß die Partei sich spaltete. Wenn es in der ersten Zeit nach Halle den Anje-xein hatte, als sei das politische Schick­sal des rechten Flügels, der nach wie vor als Unabhängige" firmierende Partei, besiegelt und als läge die Zukunft bei den Neukommuni- fien, so ist diese Erwartung in ihrem zweiten Teil zum mindesten getäuscht worden. Pie kom­munistische Partei erlebte noch einen jähen Auf­schwung, als sich Alt- und Neukommunisten zu- fammenschloffen und dadurch eine stattliche Mit­glieder- und Abgeordnetenzahl zufammenbrach- ten; aber dann gings reißend bergab.

Eine Absplitterung nach recktz und nach links setzte ein, tote es in der Parteige­schichte kaum jemals innerhalb so kürzer Zeit erlebt worden fein dürfte, und schon auf ihrem letzten Parteitag in Jena stellte sich die kommu- Mstische Partei dem kundigen Beurteiler nur noch als ein jeglichen politischen Einflusses be­raubtes Gebilde dar. Seither ist dieser Zer­setzungsprozeß immer weiter fortgeschritten, und erst in allerjüngster Zeit wieder haben sich bei den Kommunisten widerstreitende innere Var-

Paris, 11. Januar.

Aus Cannes wird berichtet: Am Montag abend find die Beratungen über die deutschen Garantien abgeschlossen worden. Am Diens­tag begann die Erörterung der Kontrolle des deutschen Notenumlaufs. Die Bedingungen für Deutschland werden heute den deutschen Vertreter« bekannt gegeben werden, die nur Rede und Antwort zu stehen haben, aber an den Besprechungen selbst nicht tcilnehmen dürfen. Nach allem, was in Cannes verlautet, find die Bedingungen an Deutschland ent­würdigend schwer. Die deutsche Finanz- hohell bleibt nur noch dem Namen nach be­stehen. Ein Schweizer Blatt meldet aus Can­nes: Das Ergebnis von Cannes wird die Deutschen mehr entsetzen als befriedigen. Die Zahlungsstundung ist cn eine Reihe der härtesten Maßnahmen gctnüpft.) Di^ Alliierten find jetzt nicht mzr militärisch, fon- dern auch finanziell die Herren Deutsch- lands. Die deutsche Banknotenpreffe unter­steht ab L April de» Anordnungen der alliier­ten Kontrollinstanz in Berlin.

Frankreichs drohende Kanonen.

Genf, 11. Januar. (Eigene Drahtmeldung.) DasEcho de Paris" bringt Reutzerungen Fachs vor seiner Abfahrt nach Cannes. Der Marschall agte: Wer von der Zurückziehung der franzöfi- che Truppen ans dem Rheinland und Oberschle- sien schon jetzt redet, ist ein Kind. Militä­rische Entscheidungen unterliegen in Frankreich dem Parlament. In ihm ist glück licherweife keine Mehrheit für solche Phantaste­reien vorhanden. Deutschland bildet nur solange keine Gefahr für die Alliierten, als seine Kriegs- Werkzeug-Werkstätten unter der Drohung der französischen Kanonen am Rhein so­wohl wie in Oberschlesirn stehen.

Paris, 11. Januar.

Schon aus den Stimmen, die in Paris be­kannt wurden, war zu erkennen, daß die fran­zösische Presse mit Unruhe den Besprechungen in Cannes folgt. Es ist bemerkenswert, daß diese Unruhe noch weit mehr den Bedingungen des Sicherheitsvertrages gilt, der zwi­schen Frankreich und England abgeschlos­sen werden soll, als der im Prinzip bereits ab­geschlossenen Herabsetzung der deutschen Zah­lungen. Die Zeitungsberichte prophezeien, daß England die Zurückziehung der Be­satz um gstruppen vom Rhein verlangen werde. Der Korrespondent desPetit Journal" widerspricht dieser Auffassung und erklärt, daß ein derartiger Wunsch von Lloyd George nicht geäußert worden sei. Allerdings bliebe die Frage offen, ob nicht, falls die neuen Bestimmungen über die Wiedergutmachung in Kraft treten, we­nigstens Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort von der ihnen auftrlegten Besatzung besreft werden müßten. Diese Forderung erscheint eigentlich selbstverständlich, aber die öffeulliche Meinung Frankreichs klammert sich an Briands Erklä­rung, daß nicht einmal die geringsten Garantien ausgegeben werden sollen. Man will deshalb von irgend einem Zugeständnis nichts wissen.

rümpf für die Unabhängigen sonderlich viel An- ziehungskrast haben sollte, wenn sie sich in dieser Wollte in Leipzig für eine rechte oder linke Fahrtrichtung entscheiden müßten. Immerhin steht fest, daß bei den Unabhängigen Kräfte am Werk sind, die zum mindesten ein Abrutschen nach rechts mrt allen Mitteln zu verhindern be­strebt sind und die das Bemühen derer nicht leicht machen werden, die die bisher doch recht unfruchtbare und auch nicht sonderlich dankbare reine OPP ositionsp olitik der Unab­hängigen vertauschen möchten mit einer unmit­telbaren Beteiligung an der politisch-par­lamentarischen Arbeit und Verant­wortung.

Seit einiger Zeit schon haben sich die gegen­einander arbeitenden Elemente und Führer mit aller Deutlichkeit geschieden. Einem Flügel Breitscheid-Hifferding-Kautsky, der den Bruch mit der bisherigen Parteipolitik so weit zu trei­ben bereit ist, daß sogar eine Koalition mit bürgerlichen Parteien in den Bereich der Möglichkeiten rücken soll, begegnet leider leidenschaftlicher Widerstand von der unter Führung der Herrn Rosenfeld und Crispien stehenden Gruppe, der, wenn sie cs auch nicht offen ausspricht, ein offenes Abschwenken ins kommunistische Fahrwasser das liebste wäre. Breitscheid und Genossen schwebt wohl im Grunde die völlige, wenn auch noch nicht or­ganisatorische, so doch tatsächliche 'Verschmelzung mit den Mehrheitssozialisten vor, die allerdings d'.e Stoßkraft der sozialistischen Par­teien zunächst einmal wesentlich stärken könnte. Eine andere Frage, die namentlich auch von mehrheitsiozmlisti'cher Seite aufgeworfen wird, ist indessen, ob dieser Gewinn von Tauer wäre, da in diesem Fall zweifellos doch ein Abgang aller der sozialistischen Wähler zu den Kom­munisten erfolgen würde, die in einer naturge­mäß auf Opportunismus eingestellten soziali­stischen Einheitspartei mit ihren revolutionären Gefühlen und Bedürfnissen nicht mehr auf die

erklärt. Aber selbst wenn die Einigung noch nicht erfolgen sollte, wird der Leipziger Partei­tag doch eine grundsätzliche Klärung und zum mindesten recht bewegte Erörterung bringen, w.

Die deutsche Abordnung.

Entgegennahme der Bedingungen.

(Eigene Trahrmeldung.)

Bafel, 11. Januar.

Ueber die bevorstehenden Verhandlungen mit der deutschen Delegation berichten die Baseler Nachrichten aus Cannes, daß ein Mitglied der französischen Delegation mitgeteilt habe, den Deutschen solle zunächst ein Protokoll vor­gelest n werden, das aussührt, welche Erleich­terungen Deuffchland bezüglich des Londoner Zahlungsplanes gewährt werden und unter welchen Bedingungen dies geschieht. Dann hätte die deutsche Delegation ihre Bemerkungen dazu zu machen, wahrscheinlich nach Rücksprache

fer Unabhängiger gerade bei den das Gesamt- die Deutschen außerstande erklären, die erleichtei intereffe des Sozialismus verfechtenden Geiws- ten Bedingungen zu erfüllen, so würden Maß sen erheblichen Bedenken, wenn nicht unverhoh- ' - - - - -

Jenem Widerspruch, woraus sich auch im allge­meinen das abwartende und zurückhalten­de Verhalten der mehrheitssozialistischen Partei

Deutsche Schiffahrt.

Der Wiederaufbau.

Rawdem untere vor Sen» Kriege blühend- SanbelS-Schrffahrrjdurid die RauS- und 3er. ftörurrgsmethode der SIU fierten auf einen Meinen Rest znsammengeschmolzeu ist. regt st«h doch wieder der UnteruehmungSgeest der deutschen SchiffahrtS-GefeUschafteu.

Mit berechtigtem Stolze dursten wir im Ver­lauf der letzten Jahrzehnte vor dem Kriege auf die Entwicklung unserer Handelsschiffahrt blik- ken. Der Bestand der deutschen Seeschiffe stieg von dreiundeinhalb Tausend Einheiten mit an­derthalb Millionen Retto-Register-Tonnen In­halt und einer Besatzung von Wer vierzigtau­send Mann im Jahre 1892 auf fast fünftausend Einheiten mit dreiunddreißig Millionen Netto- Register-Tonnen Inhalt und dreiundachtzigtau­send Mann Besatzung im Jahre 1914. Bereits wahrend des Weltkrieges verloren wir durch Beschlagnahmungen unserer in ausländi­schen Häfen liegenden U Überseeschiffe einen be­trächtlichen Teil unserer Handelsflotte. Das Versailler Dittat hat unsere Handelsflotte dann völlig vernichtet. Unsere Gegner zeigten in den Auslieferungsmaßnahmen deutlich, worum es ihnen im Grunde zu tun war: nämlich um die Zertrümmerung des deuffchen Handels. Von Deutschland wurde verlangt: die Auslieferung aller fertigen oder im Bau befindlichen Han­delsschiffe von sechzehnhunderr und mehr Re­gister-Tonnen, ferner der Hälfte aller fertigen oder im Bau befindlichen Handelsschiffe von tausend As tausenvsechShundert Tonnen. Außer- dem soll Deutschland seine Schiffsneubau­ten, lährlich As zu zwei Hund eri iffend »".*« neu Gesamtinhalt den Alliierten ausliesern. Diese Lieferungen werden Deutschland auf Re- parationsLonto lausend Mttgeschrieben. Wie diese Verrechnung indessen von unseren Gegnern ge­handhabt wird, zeigt ein Sitzungsbericht der Pariser Wiedevguttnachungs - Kommission, nach welchem Deuffchland die bis zum 1. Mai vori­gen Jahres abgelieserten zwei Millionen Brutto-Register-Tonnen Schiffsraum mit nur 745 Millionen Goldmark gutgeschrioben werden. Diese Berechnung betraf jedoch nur die auf Grund der AuAlieferungsbestirmnungen den Alliierten übergebenen, nicht jedoch die in den feindlichen Häsen schon früher beschlagnahmten, zum Teil besonders großen Ueberseeschiffe. Sie ist daber lückenhaft und rechtswidrig. Der deuffche Schiffsraum beträgt zurzeit, abgesehen von eins, gen neugebantcn und unter großen geldlichen Opfern zurückgekauften Schiffen, nur etwa eine Million Tonnen. Die Dampferflotte allein weist sogar nur eine halbe Million Tonnen auf.

Desto erfreulicher ist es, daß unsere großen Schiffahrtsgesellschaften danach stre­ben, die deutsche Flagge wieder zur Gel­tung zu bringen und sie auch an fernen Küsten wieder regelmäßig zu zeigen. So nimmt, wie kürzlich gemeldet 'wurde, der Norddeutsche Lloyd im Anfang dieses Jahres ine unmittel- bare Verbindung mit den Vereinigten Staaten von Amerika wieder auf und hat zu diesem Zweck von Reujahr ad in Newyork wieder eine eigene Lloyd-Vertretung eingerichtet. Eigene Passagierdampfer des Norddeutschen Lloyd werden im Februar 1922 den Dienst Bremen - Newyork wieder aufnehmen, Außerdem hat diese Schiffahrtsgesellschaft be­schlossen, den Frachtdampferdienst von BremW nach Brasilien, den sie bereits seit Septem­ber 1920 mit zwei eigenen Dampfern betreibt, durch Einstellung ihres neuen auf der Stettiner Vulkanwerst erbauten Dampfers »Minden" zu erweitern, der am 14. Dezember zum erstenmal von Bremen nach Rio de Janeiro und Santos abging und auch zur Beförderung einer kleinen Anzahl von Passagieren eingerichtet ist. Auch die Wisderaufnahme des Schiffahrtsdienstes mit eigenen Schiffen nach Ostasien (von 6 am» bürg und Bremen über Rotterdam nach Singa- pore, Hongkong, Schanghai, Kobe und Aoko» Hama) kündigt der Norddeutsche Lloyd für die nächste Zukunft an.

Einer anderen Meldung zufolge bereitet sich auch die Hamburg-Amerika-Linie vor. wieder einen regelmäßigen Schiffsdienst nach Asien einzurichten: sie ist zu diesem Zweck mit der amerikanischen Elliman- und Holt-Gesell- fchast in Verhandlungen eingetreten. In fried- lichem Wettbewerb mit den genannten Schiff­fahrtslinien steht endlich auch die von Stin - n e s finanzierte Gesellschaft, die in letzter Zeit einen bemerkenswerten Aufschwung genommen hat. Diese nimmt die Schiffsverbindungen nach Südamerika auf, auch wird der Bau einer .Transportflotte, die dem Oeltransport nach Str* aentinien dienen soll, in die Wege geleitet. Das Wiedererwachen der deuffchen Ueberfee» schiffahrt ist ein starker Beweis für deutsche Tat­kraft und deutsche Beharrlichkeit und wird sicherlich auch in der gesamten Kulturwelt un- eingeschränkt als solcher gewertet werden. In den überseeischen Ländern erwartet man bereits das Wederaufblühen der deuffchen Handels-