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Meier Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 8.

Fernsprecher 951 und 952

Dienstag, 10. Januar 1922.

Fernsprecher 951 und 952

12. Jahrgang.

Sie deutschen Zahlungsverpflichtungen.

Die WiiMaftslagr.

Das Geschäft Anfang Januar.

Von

Prof. Dr. Jahn, Braunschweig.

Die große Nachfrage im vorigen Vierttl- sahr hat starke Verschiebungen hrrvorgerufcn. Es war die befnnnte Erscheinung: Viele Leute wollte» ihre Gewinne lieber in Sacheverten an« legen, als dem Steuer,müe zur Verfügung Hah­len, und kauften deshalb nach Herzenslust ein, ohne zu bedenlen, daß durch diese stürmische Nachfrage die sowieso steigenden Preise nur noch mehr in die Höhe getrieben werden mußten. Die breiten Kreise der Bevölkerung folgten nach Wögliclikeit ihrem Beispiel, sobald erst die Ge­hälter und Löhne erhöht und damit ihre Kauf­kraft vorübergehend gesteigert worden war Das mußte binnen kurzem zur Erschöpfung der Lä­ger des Kleinhandels führen, der aus Angst vor möglichen Preisstürzen und in berech­tigter Sorge um die sinkende Kauflust unld Kauf­kraft der Kundschaft in der Ergänzung seiner Vorräte sehr vorsichtig wurde und gegen die ;u neuen Preisen angebotenen Waren wachsende Zurückhaltung übte.

Die Rückwirkungen auf den Groß­handel konnten nicht ausbleichen. Auch hier führte die starke Nachfrage des Kleinhandels bald zum Ailsverkauf der älteren und billigeren Lagervorräte, während neu hereinkommende Waren ihres hohen Preises wegen nicht begehrt wurden. Dieser Umstand aber zwang den Groß­handel, sich auch seinerseits im Einkauf zurück­zuhalten und die Entwicklung der Marktverhält- ilisse abzuwarten, da Preisstürze vom Weltmarkt her bei steigendem Kurse der Mark nicht ans- geschloffen schienen. Der leidtragende Teil mußte bei dieser Entwicklung der Dinge natürlich die ustrie fein, die das Nachlassen der Be­stellungen aus dem Inland sehr bald zu spüren bekam. Einschränkung der Fabrikation war überall dort die notwendige Folge, wo die In­dustrie ganz oder doch vorzugsweise auf den Ab­satz int Jnlande angewiesen ist. Hierzu kam, daß sich die Industrie angesichts des andauernd nn- giinstigen und schwankenden Standes der Mark mehr und mehr im Einkauf ausländischer Roh­stoffe Beschränkungen auferlegen wußte, wenn sie nicht Gefahr laufen wollte, eines Tages bei Aenderung der politisch-wirtschaftlichen Lage auf den aus zu teuren Rohstoffen hergestellten Wa­ren sitzen zu bleiben und wie im Jahre 1920 schwere Verluste zu erleiden. Anders liegen die Verhältnisse dagegen in den Export­industrien. Da der Stand dem valutastar­ken Ausland noch immer gestattet, trotz der ge­waltig gestiegenen Herstellungskosten in Deutsch­land äußerst billig einzukaufen, so ist es nicht verwunderlich, daß die Exportindustrien gut be­schäftigt sind. Ob sich freilich dieser günstige Be­schäftigungsgrad in den Exportindustrien auf­recht erhalten lassen wird, hängt ganz von der Entwicklung der Mark-Valuta ab. Vorläufig ist jedoch die Zukunft noch in Dnnkex ge­hüllt. Die deutsche Reichsregierung hat ihre Zahlungsunfähigkeit bekannt und erflärt, daß sie die Januar-Rate nur mit Hilfe eines großen Auslandkredites leisten könnne, während die Reparationskommission die Lei­stungsfähigkeit Deutschland behauptet und auf Zahlung besteht. Die Bemühungen Ratbenans um einen Kredit sind jedoch erfolglos geblieben, da die englische Hochfinanz nicht borgen will, solange das Reich seine Finanzen nicht in Ord­nung gebracht hat und unsere Verpflichtungen an die Entente die gegenwärtige nnerjöwing- liche Höhe aufweisen. Deutschland muß also am 15. Januar aus eigener Kraft fünfhundert Millionen Goldmark zahlen, wenn wicht etwa die ietzige Konferenz in Cannes dem Reiche ein Moratorium oder eine wesentliche Ermäßigung her nächsten Zahlungen bewilligt. Tritt das er­stere ein, was die größere Wahrscheinlichkeit sür üch hat so muß die Regierung die fehlenden Auslandswette kaufen und auf diese Weise einen erneuten Druck auf den Kurs der Matt aus­üben oder aber den Goldbestand der Rcichsbank augreifen und dadurch die schmale Metallgrund­lage unseres Geldwesens noch mehr tvrlfeiner».

Die Rückwirkungen ans das Wirtschaftsleben liegen auf der Hand: Sinkender Mattkurs be­deutet weitere Vetteuenmg der ausländischen Rohstoffe und Halbfabrikate und steigende Wa­renpreise in Deittfchland, allo eine Verschärfung der Situation, unter der wir nun schon mehrere Monate leiden. Die Aussichten sür die zweite Mögsichkeit würden nicht ungünstige sein, wenn alles das wahr wäre. waS in der letzten Zeit über die angeblichen Vläne Llovd Georges ge­schrieben worden ist. In der Tat liegt die Ret­tung für Deutschland nichtin einem wie immer gearteten Zablungsaufschubb. den wir sehr teuer bezahlen müßten und der nur dann Wert hätte, wenn die gewonnene Fttst wirklich zur Ordnung der ReickSnnanzen bemrtzt würde, sondern in einer wesentlichen Herabminde­rung unserer Zahlungsverpflichtungen. Sollte

England wirklich die Absicht haben, auf seinen Anteil an den uns int Londoner Ultimatum .ungezwungenen 182 Milliarden Goldmark zu verzichten, Frankreich die Hälfte seiner Kttcgs- schulden zu erlaffen und die Aufhebung der Be­setzung mit ihrer ungeheuerlichen finanziellen Belastung für Deutschland zu erzwingen, so würde für uns allerdings eine wesentliche Er­leichterung der Lage geschaffen und es würde Lei stärkster Anspannung aller Kräfte vielleicht möglich werden, die künftigen Zahlungen ohne jene schwere Erschütterung des Wirtschafts­lebens Deutschlands und der Welt zn leisten, die wir vom ersten Male her zur Genüge kennen.

TeiSwesse GSMölmg.

Der erste Konferenz-Beschluß in Cannes. lEigene Drahtmeldung.1

Berlin, 9. Januar.

Einer Rcutermeldung aus Cannes zufolge hat die Konferenz des Obersten Rates beschlos­sen, Deutschland für einen Teil der fälligen Zahlungsverpflichtungen einen Aufschub zu gewähren. Die Bedingungen sollen noch festge­setzt werden. Ein Korrespondent meldet aus Cannes, daß die belgischen Delegierten gegen das Moratorium sind und der Ansicht seien, Deutschland könne statt per in London vorge­schlagenen 500 Millionen achthundert Mil­lionen Goldmark im Jahre 1922 zahlen. Nach dem Korrespondenten beraten die Sachverständi­gen über folgende drei Fragen: 1. Sollen die Verbündeten einen Abzug von der großen Schuldsumme machen? 2. Soll Deutschland einen Aufschub erhalten? Und wenn die Frage bejaht wird (was inzwischen geschehen ist. D. Red.), unter welchen Bedingimgen? 3. Wie sollen die Barzahlungen und Sachlieferungen verteilt sein?

* * *

Noch feine volle Einigkeit.

Paris, 9. Januar. (Eigene Traktmeldung.) Außer den Belgiern sind auch die Ita­liener noch nicht dafür gewonnen worden, Nachlässe an den Entschädignugsfordcrungen zuzulassen. Lloyd George und die englischen Sachverständigen erklären aber, daß das Mora­torium Deutschland wenigstens teilweise ge­währt werden müsse, weil es nicht imstande ist, für 1922 die vollen ihm auferlrgten Beträge zu zahlen. England selbst ist jedenfalls ent­schlossen, gegenüber Deutschland äuf die Repa­rationszahlungen für 1922 zu verzichten, wodurch das Reich 450 Millionen Goldmark er­sparen könnte. Italien soll auf die 180 Mil­lionen verzichten, die ihm zukommen würden. Belgien soll seine Priorität rechte nickt nur im Jahre 1922 geltend machen, sondern sie auf zwei bis drei Jahre »erteilen. Würde Belgien zustimmen, so käme Frankreich in die Lage, wenigstens einen Teil der deutschen Goldzahlun­gen zu erhalten, auf die es für 1928 rechnete.

Zahlungen in diesem Äahre.

Grundlage für weitere Verhandlungen.

(Eigener Drahtbertcht.)

Paris, 9. Jamtar.

Der zwischen Briand und Lloyd George am 22. Dezember ausgestellte Plan, der neun Punkte enthält, soll als Grundlage für die weiteren Verhandlungen dienen. DerMatin" gibt den Inhalt des Abkommens wieder: Artikel 1 bestimmt, daß Deutschland im Kalenderjahr 1922 nur fünfhundert Millionen in Goldmark zu zah len hat. Artikel 3 setzt die Garantien fest, die von Deutschland für die Sanierung seiner Finanzen verlangt werden sollen. (Artikel 3 kehlt.) Artikel 4 bestimmt die Sachlieferun­gen DkutfMands an Frankreich für das Jahr 1922 auf 1200 Millionen Goldmark und für Ute beiden folgenden Jahre auf 1500 Millionen Goldmark. Artikel 5 bestimmt, daß die anderen alliierten Mächte zusammen von Deutschland im Fahre 1922 nur Sachlieserungenim Werte von fünfhundert Millionen Goldmatt verlangen können. Artikel 6 stellt fest, daß die Ausgaben für die Besatzungsheere aus zweihundert Millionen Goldmatt vermindert werden müssen. Arttkel 7 beschäftigt sich mit dem Preis der von Deutschland zu liefernden Kohlen und Artikel 8 mit dem FinanzaSfommen vom 13. August.

Am Sße ZMunzssähWett-

Beratung über die Garantie.

(Eigener Drahiberickt.)

Grus, 9. Januar.

Lavas meldet aus Cannes: Tie Bespre­chung der deutschen Frage hat in der Sams- tagssitzung begonnen und die Erörterung der deutschen Zahlungsfähigkeit nahm

einen breiten Raum ein. Ein französisch-belgi­scher Vcrmittlungsvorschlag zum Zahlungsauf­schub betrifft nicht die am 15. Januar von Deutschland zu leistende Zahlung, sondern nur die weitere Reparation. Der Standpuntt Frankreichs wurde von Briand, Loucheur und Doubots begründet. DerMstin" meldet aus Cannes: Ueber die von Deutschland zu geben­den Garantien sind dir Verhandlungen noch nicht zu Ende geführt. Die Konferenz hat einen Vescksutz auf den Antrag Arlands, neben den wirtschriftlichen auch die militärischen Sanktionen zu verschärfens?), vorläu­fig auSgesetzt. Außer Frankreich gab auch Belgien die Erklärung ab, daß ohne Er­weiterung der Garantierechte an Deutschland der Lloyd Georgcfcke Vorschlag betreffend Zah- lungSauffchub unannehmbar sei,.

Keine ZwangsmaßnWmen.

Rue ein Scheinmoratorium?

(Eigen: Drahnneldung.)

Paris, 9. Januar.

Nack einer Meldung derChicago Tribüne" wurde eine Aebereinstimmung zwischen Briand mrd Lloyd George erzielt, daß keinerlei Zwangsmaßnahmen gegen Deutschland ergriffen werden, wenn es die zweite Milliarde Goldmark. die tun 1. Mai 1922 bezahlt sein soll, nicht bezahlt. Das Scheinmoratorium (?) wird nur unter neuen Bedingungen bewilligt. Dieses Abkommen unterliegt noch der Zustimmung Bel­giens, das auf sein Prioritätsrecht verzichten mutz. Aber England ist bereit, folgender Bcr- teilung der ersten Goldmilliarde, die bereits ge­zahlt werten ist. und der siebenhundert Millio­nen, die bis 1. April 1922 zu zahlen sind, beizu­stimmen: 1. England wird fünfhundert Mik­tionen Goldmark erhalten, um die Kosten seiner Besatzungsarmee bis 30. April 1921 zu decken. 2. Frankreich wird eine entsprechende Summe erhalten, ebenfalls um seine Kosten bis 30. April auszugleichen. 3. Das Wiesbade­ner Ablommen soll für drei Jahre in Kraft bleiben mit einem Maximum von einnndein- viertel Milliarde Goldmatt für das Jahr 1922, und anderthalb Milliarde für 1923 und 1924.

Deutsche Abordnung nach Varls.

Paris, 9. Januar. (Eigene Drabtmelduug.) Die Sitzung des Obersten Rates vom Sonn­abend dauerte bis 9 Uhr abends. In ihrem Verlauf hatte Lloyd George mit größter Ent­schiedenheit verlangt, daß die Deutschen zur Konferenz nach Cannes geladen würden. Er hatte darin erinnert, daß das Verfahren auch bei der Konferenz von Span beobachtet worden sei und betont, daß die Deutschen stets alle Abmachungen gehalten haben, wenn man ihre Vertreter vorher gehört habe. Briand widersprach dem Vorschläge Lloyd Georges, weil er ihn für verfrüht halte. Schließlich hat auch der belgische Ministerprästdent erklärt, daß matt die Deutschen erst einkaden dürfe, wenn man über die Bedingungen, die matt Deutschland stellen will, fick geeinigt hätte, na­mentlich was die G a r a n t i e n betrifft, die von DeutMand verlangt werden sollen, um die deutsche Finanzlage zu sanieren. Darauf be­schloß der Oberste Rat, eine deutsche Delegation zunächst nack P a r i s zu laden.

Die öeussche Abordnung.

Unter der Führung Rath-naus.

(Eigener Drahtbertcht.)

Berlin, S. Januar.

Gestern nachmittag 11 Uhr ist das Telegramm des Obersten Rates, in dem die deutsche Re­gierung ausgefordert wird, sofort S e r t r e ter nach Paris zu entsenden, im Auswär­tigen Amt eingelausen. Das Telegramm ist an den Reichskanzler Wirth als den derzeitigen Außenminister gerichtet. Gestern nachmittag fand eine Kabinettssitzung statt, die sich mit der Reparationsfrage, insbesondere mit der Einladung des Obersten Rates beschäftigte. Es wurde beschlossen, der Einlovung Folge zu lei­sten und eine Delegation zu senden, die un­ter der Führung des WiederonfSamninisters a. D Dr. Rathenau stehen wird. Zn der Delegatton gehören Staatssekretär Schröder vom Reicksfinanzministerium, Staatssekretär o. D. Bergmann, Vorsitzender der Kriegslosten-Kom- Mission, Staatssekretär Fischer, Ministerialdirek­tor Trendelburg und Legationsrat Muthius. Die Delegation wird bereits heute nachmittag zwei Uhr abreisen und sich zunächst nach Paris be­lieben, wo sie zur Verfügung des Obersten Rates stehen wird.

MeGisenbahn-Tarift-

Erhöhung ab U Februar.

Sowohl die Frachten als auch di« Personen fahrpreise sollen vom t. Februar ad wieder bedeutend erhöht werden. Bon einer der Re- girrnng nahestebenden Seite werde» uns dazu folgende Ausführungen geschrieben, die die Gründe und Sie Wirkung darlege» sollen. Wie alle öffentlichen Unternehmungen, hat auch die Eisenbahn unter der Not der Zett schwer gelitten. Sie franft an den Kriegsfol­gen, an der allgemeinen wirtschaftlichen Lage, vor allem aber an der Wertminderung der Mark. Das Heravgleiten der deutschen Wäihrung, die maßlos gestiegenen Preise für alle zum Betriebe der Eisenbahn notwendigen Materialien, die an­gesichts der Teuerung notweitdigen fortgesetzten Erhöhungen der Beamtengehälter und Löhne halben bei der Eisenbahn ein empfindliches De­fizit heraujibsschworen. Das Bestreben, die Fehl­beträge durch Erhöhung der Tarife allmählich M verringern, hat bisher nicht den gewünschten Erfolg gehabt. Einen neuen gewaltigen Schlag hat der deutschen Eisenbahn der Markstur; in diesem Herbst versetzt. Wäre er nicht eingetrc- ten, dann hätte das Defizit in dem laufenden Haushaltsjahr bis auf sechsundeinhalb Mil­liarden Mark herabgemindert werden können. Die für den 1. Februar 1922 in Aussicht genom­mene Tariferhöhung, die unter dem Zwange der Ereignisse erfolgt, wird so bemessen sein, daß im Haushaltsplan für 1922 ein völliger Aus­gleich der zu sechsundseckzig Milliarden berech­neten Ausgaben durch Sie Einnahmen herge- stellt ist. Dazu müssen aber die Gütertarife um wettere dreißig Prozent, die Perfonen- tarife nm fünjundsiebzig Prozent erhöht wer­den. Die breite Oeffentlichkeit wird am fühl­barsten durch die Erhöhung der Personentarife bettoffen.

Im Personenvettehr

ist die Erhöhnng der Tarife bisher beträchtlich hinter der allgemeinen Teuerung zurückgeblie­ben, insbesondere der Preissteigerung für fast alle Artikel des täglichen Bedarfs, wie Lebens­mittel, Kleidung ufw. Ein Vergleich mit den gestiegenen Preisen bestätigt, daß die Eilenbahn- verwaltmtg aus Erwägung allgemein-wirtschaft­licher Art bisher von der Anpassung der Tarife an die allgemeine Steigerung der Preise abge­sehen hat. 1. Die Friedensfcchrpreife für den Kilometer (ausschl. Fahttartenstempel) vierte Klasse 2 Pfg., dritte Klaffe 3 Pfg., zweite Stoffe 4,5 Pfg., erste Klasse 7 Pfg. Die Fahrpreise nach dem Stand vom 1. November 1921: vierte Klasse 13 Pfg-, (6,5 fache), dritte Klaffe 19,5 Pfg. (6,) fache)» zweite Klasse 32,5 Pfg. (7,2fache), erste Klasse 58,5 Pfg., (8,3fache); 3. Die Fahr- preise nach dem Stand vom 1. Dezember 1921: vierte Klaffe 16,9 Pfg., (8,5fache), dritte Klasse 25,35 Pfg., (Zchfache), zweite Klaffe 42,25 Pfg., <9,4-fache), erste Klasse 76,05 Pfg., (10,9fache). Eine Tarifpolitik, die lediglich nach privatwirt- schaftlichen Grundsätzen orientiert wird, müßte selbstverständlich, um die Tarife an die allge­meine Steigerung der Preise anzupassen, hier alsbald zu sehr erheblichen Erhöhungen über­gehen, die ihre Grenze erst dort finden wür­den, wo infolge Abwanderung in niedere Wa- g entlassen ober infolge von Unterlassung von Reisen eine Erhöhung der Einnahmen nicht mehr zu erzielen ist. Wo diese Grenze liegt, ist schwer zu sagen. Die bisherigen Erhöhungen haben nach geringfügigen und vorübergehenden Schwankungen gezeigt, daß ihre Einwirkung in der Richtung der Abwanderung ober Unterlas­sung van Reisen im allgemeinen überschätzt wird. So ergab sich beispielsweise bei der Er­höhung der Fahrpreise um dreißig Prozent ab 1. Juni 1921, daß tue

Einnahmen ans dem Personenverkehr gestiegen sind gegen dos Vorjahr um 48 v. H. im Juni, ism 4748 v. H. im Jrtti, August und Septem­ber, ein Beweis, daß jedenfalls die Grenze, wo die Tariferhöhungen vertehrLhindernd zu wir­ken beginnen, bisher noch nicht erreicht ist. Noch stärker als die Tarife der Etnzelreisen find bisher hinter der allgemeinen Preissteigerung die Tarife der Zeitkarten zurückgeblieben, die für den Nah- und Medlungsverkehr (Mo­natskarten, Schülerkarten) wie für den Berufs­verkehr (Wochenkarten) eine besondere Be­deutung haben. Bei den Monatskarten betragen augenblicklich die Preissteigerungen in der dritten Stoffe durchschnittlich das secksfacke aegenüber den FriedenspreHen in der dritten Klaffe. Die Wochenkarten stttd bisher um etwa das 5.8fache erhöht worden. Man wird zugeben müssen, daß bei den Zettkarten die Eisenbahnverwaltung aus verkehrspolitisthen und Egemeinwirtschoftfichen Erwägungen mit der Ermäßigung besonders weit gegangen ist und die Fahrkarten für den Nab- und Berufs­verkehr so niedrig wie möglich gebalirn hat Dis am 1. Februar eintretende ErWhung der Fahrpreise im Fernverkehr, die o^genüber den FriedenLsahrpreisen ind er erffen »taffe das 18fache. in der Metten das 15,#k6£ i« fr» Stil-