p Wie schon so oft, so bereitet auch jetzt wieder das übertriebene Nationalgefühl der italienischen Studenten dem römischen Kabinett grosse Verlegenheiten. In dem Augenblick, wo die österreichischen Handelsvertrags-Unterhändler in Italien eingetroffen sind, haben die italienischen Studenten in allen Universitätsstädten sich 311 schweren Bc° leidigungen Oesterreichs wegen der Innsbrucker Vorgänge hinreißen lassen. Die römische Universität muhte wegen solcher Kundgebungen, bei denen ein deutscher Professor mißhandelt wurde, bereits geschlossen werden. Ein gleiches dürfte unverzüglich mit den Hochschulen in Turin, Mailand, Genua, Pavia, Padua und Bologna geschehen, wo die Studenten vor den österreichischen Konsulaten Katzenmusik aufführten, Theatervorstellungen durch allerhand antiösterreichische Kundgebungen störten und ähnliche Narrenpossen trieben. Herr de Gubernatis, der eitle römische Professor, der durch sein unbefugtes Erscheinen in Innsbruck den ganzen Skandal provoziert hat, schürt die Erregung durch allerhand Räubergeschichten. Er erklärt, er sei in Innsbruck in die Hände einer Horde Wilder, vielmehr wütender Tollhäusler gefallen. Die deutsche StuüMenkanaille hätte sogar bei der Abreise auf dem Bahnhof dreimal auf ihn ge schossen, und ein Schuß habe ihn sogar gestreift! Selbstverständlich ist das erlogen. Die Behörde hat ihm infolgedessen verboten, einstweilen Vorlesungen zu halten.
□ Die Genfer Polizeibehörde hat neuerdings zwei anscheinend nicht. ungefährliche russische Anarchisten, namens^tojonaff (alias Burtzeff) und K^alloff, festgenom- men. StojanoWBurtzeff ist ein entsprungener, sibirischer Sträfling, der nachdem schon in London wegen anarchistischer Propaganda und Aufreizung zu Gewalttätigkeiten zu anberh halb Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Beide gaben in Genf ein anarchistisches Blatt in russischer Sprache heraus . Sie sollen über die Grenze geschafft werden.
's Die amtliche Statist. Korr, enthält eine Abwandlung über die Verschuldung der ländlichen Bevölkerung in Preussen, die sehr interessant ist, obwohl sie nur die Personell berücksichtigt, die mehr als 3000 Mark Einkommen haben. Es werden also nur die größeren ländlichen Grundbesitzer, soweit sie nicht gerade überschuldet sind, in den Kreis der Betrachtuilg gezogen. Die durchschnittliche Verschuldung der ländlichen ■ Steuerpflichtigen mit mehr als 3000 Mark Einkommen be • ziffert sich auf 23,4 (1895: 22,5) v. H. des Gesamtvee mögens, insbesondere auf 38,5 (35,0) v. H. des Grulld vermögens und auf 75,8 (81,7) v. H. des Kapitalvermögens. , In den einzelnen Provinzen gestaltet sich die Verschuldung sehr verschieden. In den östlichen Provinzen ist die Schuldenlast weit höher als in den westlichen. Am größten ist die . Verschuldung mit 45,5 v. H. des Gesamtvermögens in West Preußen, mit 40,3 v. H. in Ostpreußen und mit 40,1 v. H. in Posen, am geringsten mit 12,5 im Rheinland und 11,8 in Hessen-Nassau; in Brandenburg beträgt sie 28,5 v. H Im Vergleich zum Grundvermögen ist die Verschuldung ebenfalls am größten in Westpreußen mit 59,2, Ostpreußen mit 52,8 und Pommern mit 52,6 v. H., am geringsten in Westfalen und Lessen-Nassau mit je 26,2 und in Hannover mit 21,3 v. H. Eine Verschuldung bis zu 60 v. H. des gemeinen Werts des ländlichen Grundvermögens gibt, wie bit genannte Korrespondenz betont, zu Bedenken keinen Anlaß Ein Teil der Grundbesitzer im Osten muß allerdings, wie bü Durchschnittsziffern ergeben, höher verschuldet sein, aber vor einer allgemeinen Ueberschuldung des Grundbesitzes ist auch dort keine Rede.
Lokales.
Gießen, 28. November 1903.
V Der Zweigverein Gießen des Hessischen Fechtvereins Waisen schütz giebt im Inseratenteil der heutigen Nummer bekannt, daß Anmeldungen für die diesjährige WeihnachtSbescheerung von Halbweisen an den Kaufmann Borrmann zu richten sind.
** Kaufmännischer Verein. Vorgestern sprach im Saale des Cafe Leib Herr Dr. Curt Boeck über das Thema: „Sibirien einst und jetzt". Der Vortragende ist ein glänzender Redner und fesselnder Erzähler, der sich im Geiste in das durchreiste Land versetzte, und die Erinnerungen, wie sie ihm im Gedächtnis auftauchten, in selten schöner Weise wiedergab. — Er verweilte erst etwas bei der Mandschurei und Korea, die ja durch die letzten Ereignisse in den Vordergrund der Politik getreten sind, Kennzeichnete hier die Absichten der Russen und Engländer und begann dann mit der Schilderung seiner Reise durch Sibirien. Anschaulich erzählte er die vielerlei Mühseligkeiten die er da durchzumachen hatte, teils auf lebensgefährlichen Karren, teils in schmutzigen Dörfern, die mit totkranken Menschen und jeder Kategorie Gauner überfüllt waren. Auch an humoristischen Streiflichtern fehlte es nicht. Der Redner beleuchtete und würdigte noch die großen Kulturarbeiten der Russen in jenen unwirtlichen Steppen (Erbauung der Sibirischen Bahn) und schloß seinen Vortrag mit einer recht interessanten Serie Lichtbilder. Er hatte es verstanden, seine, leider nicht besonders zahlreichen, Zuhörer bis ^12 Uhr in Spannung zu halten und man dankte ihm durch reichen Betfall. — Allerdings war es kaum nötig, den Vortrag durch eine wahrhaft sibirische Kälte im Saale zu unterstützen.
% Stad tth eater G ießen. Während der Sonn- tag uns mit „im weißen Rößl" und der Dienstag mit
0 hlthäter der Menschheit" ältere Stücke bringt, gelangt am Donnerstag, b.n 3. Dezember das eigenartige einmalige Gastspiel des Babie-Salons für alte Kunst zur Auffüh' ung. Die Gäste bringen eigenes Personal und eigene Dekorationen und Requisite» mit. Zur Aufführung gelangen bekanntlich Salowe von Oèkar Wiede und die Gefangene von Kayssler.
X7 Lollar, 26. Nov. Am Mittwoch Abend feierte in aller Stille der hiesige „Veteranen-Kriegervereiu Ludwig zur Treue", den Geburtstag Sr. Kgl. §o^cit des Großherzogs. Dec erste Bors. Kamerad Hetbertshausen begrüßte die Anwesenden Kameraden, gedachte zunächst brr 'mder so früh dahin geschiedenen Prinzessin, dessen Andenken durch Erheben von den Sitzplätzen geehrt wurde. ES fanden sodann noch einige Vorträge statt von Veteranen über ihre Kriegserleb, Nisse von 1870/71. Von weiteren Veranstaltungen hatte man Abstand genommen.
§ Lollar. In der am letzten Donnerstag abgehaltenen Gemeinderatssitzung wurde die hier im Gemeinderate sowohl wie bei der Einwohnerschaft großm Staub aufwirbelnde Wasserleitung zur Sprache gebracht. Diesmal jedoch verliefen die Debatten in ganz gemütlichem Tone. Die Kreis- fasse hat sich bereit erklärt, daß sie Untersuchungen nach Wasser unentgeltlich aussühren läßt, ohne daß der Gemeinde Kosten entstehen. Es wird nun im Laufe des Jahres eine genaue Untersuchung nach Wasser im Lollarer Kopf und dessen Nähe statt finben. — Ob nun eine Wasserleitung gebaut werden soll, ist eine andere Frage? —
Sitzung der Stadtverordneten.
W, Gießen, 27. November 1903.
(Fortsetzung.)
Der Punkt, Erbauung eines Wohnhauses auf der Gail'schen Dampfziegelei wird von der Tagesordnung abge- f(£t. Dem C. A. Kaufmann wird an der Marburgerstraße die Erbauung eines Gewächshauses gestattet. — Der Firma Kaufmann & Co. wird die Beipflichtung am Schiffenberger- weg vor ihrem Fabrikgebäude ein Vorderhaus zu errichten bis zum Jahre 1906 gestundet. — Stadtv. Jann rügt den trostlosen Zustand der Straßen nach dem Schiffenberg hin. Der Oberbürgermeister verspricht in dieser Beziehung Besserung, sobald die UnterhaltunqSpflicht des Schiffmberger- wegs vom Kreis auf die Stadt übertragen und der Flucht- linienptan für den Schiffinbergerweg festgestellt ist, was im Laufe des Winters geschehen wird. — Die Versammlung ist mit dem Geländeerwerb zum Ausbau einer Querstraße zwischen Fraokfurterstraße und der Eisenbahn entlang der Bauten der Vet.rinär-Anstalt einverstanden. — Ebenso erklären sich die Stadtverordneten mit dem Ausbau des Schlffenbergerweges zwischen Licher- und Bergstraße in der Weise einverstanden, daß dort der höher als die Fahrbahn entlang des Friedhofs liegende Bürgersteich statt der früher peplanten Futtermauer mit Grottensteinen befestigt wird. Die Steine soll der Bauunternehmer Abermann liefern. Der Oberbürgermeister Mecum bemerkt, daß die gegenüber der Gutenbergstrabe angelegte künstliche Quelle resp, deren hervorsprudelndes Wasser zur Reinigung der Kanäle Verwendung firdet, d. h. nicht ohne Nutzen etwa der Quellwasserleitung entnommen w rd. — Die Stadtverordneten sind mit der Uebernahme folgender Kreisstraßenstrecken durch die Stadt einverstanden, wenn der Kreis gleichzeitig die dafür pro Kilometer auszuwendenten Unterhaltungskosten der Stadt Gießen zahlt. 1. Marburgerstraße, von dem Wicseckerweg bis zur Straße die hinter dem Friedhof am Rodberg hinzieht. 2. Wieseckerweg bis zur Gemarkungsgrenze. 3. Grünbergerstraße bis zu der Kirschbaum-Allee, die quer über den Trieb läuft. 4. Licherstiaße bis zur Eisenbahn. 5. Schiffenbergerweg, etwas über die ^ebaüungsgrenze hinaus. 6. Leihgesternerweg bis zum Querweg hinter der Brauerei. 7. Frankfurterstraße bis zur GemarkungSgrenze. Stadtv. Wallenfels fragt an, ob denn für das Stück der WegeS nach Wißmar hinter btm Viadukt etwas geschehen kann. Der Zustand, der dort vorhanden sei, spottet jeder Beschreibung. Der Oberbürgermeister bemerkt, dies sei eine Straße, um die sich niemand kümmere. Der Kreis sei der Meinung, es sei Sache der Stadt, für die Unterhaltung etwas zu tun und die Stadt ist der Ansicht, der Kreis habe dort die Unterhaltungspfl cht. Beigeordneter Georgi erklärt, er habe sich wegen der Straße erst kürzlich informiert und den Bescheid erhalten, daß demnächst dort endlich Wandel geschaffen werde. Der Oberbürgermeister erklärt, er werde der Sache näher treten und sehen, was zu machen ist. Ein Gebäudeverkauf an Kaèpar Heinzerling, es handelt sich um 81 Dieter am Schlffen- bergerweg findet Genehmigung. — DaS Gießener Braunst einbergwerk will bekanntlich einen Eisenbahnanschluß an die Gelnhäuserstrecke erbauen. Der Oberbürgermeister erklärt, daß dieser Bahnanschluß des Werkes im städtischen Interesse liege, zwar sei nötig, um den Anschuß durchführen zu können, daß ein städtischer Weg verlegt wird- und bitte er hierzu die Genehmigung zu erteilen, was von den Stadtverordneten auch geschieht. (Schluß folgt.)
Standesamt-Nachrichten der Stadt Gießen.
Aufgebotene.
Am 19. November Heinrich Krauskopf, HilfSheizer dah. m. Chr. Gilles in Oberelbert. 23 Hrch. K. I. Schweitzer, Tagt. dah. m. Elisab. Aug. Wllhelm. Gehrke dah. 24. Phil. Nocker, Heizer dah. m. Kath. Schäfer in Annerod. — Hch. Boriq, Bahnarb. in Garbenteich m. Marie Janz dah. — Dr. Ed. Leonh. Wald.ck, prakt. Arzt in Rockenhausen m. Wilhelm. Soph. Jughard dah. 25. Joh. Rink, Dienftkn. in Nieder- Walgern m. Marg. Siegel dah.
Eheschließungen.
Am 21. Nov. Joh. Emmerich, Fuhrkn. dah. mit Karol.
Elisab. Schäfer, g b. Scholl dah. — L. Schäfer, Schn. dah. m. Anna Martha Schneider dah. — Konr. Malkomesius, Bremser dah. m. Mar. Plock dah. 24 Gg. Aug. Berg, Gr. Regierungsass. in Mainz m. Karol. Jakob. Schlüter dah. 26. Al^x. Herm. Herr, Kelln, dah. m. El. Marg Winnecker dah.
Geborene.
Am 17. Nov. Dem Bahnwerkstätteschl. Hch Höbel ein
Sohn, Wilh Aug. Hch. Joh. K. E. — Dem Dachd. Hch. Schmidt XIX. ein Sohn, Hch. 18. Dem Dienstm. Christ. Noll ein Sohn. 19. Der Verkälts. Mar. Luise Kinkel eine Docht., Minna Mar. 20. Dem Universitätsprof. Fr. von Wagner eine Docht, Hilda. — Dem Gerb. Hch. Volten ein Sohn., Willy 21 Dem Fuhrm. K. HaaS VI. eine Docht., Anna Mar. 22 Dem Buchh. H. Greilich eine Docht., Mar.
Joh. Eleonola. 24 Dem Tagl. Friedr. Dietrich eine Docht.
Gestorbene.
Am 20. Nov. Eva Kath. Emma Lehrmund, 1 I. alt,
Tocht. d. Kelln. Phil. Lehrmund dah. 21. Minna sm Kinkel, 2 Tage alt, Tocht. d. Berkäus. Mar. Lutte & dah. — Balth. Em. Malkomesius, 70 I. alt. Privat ?! 22. Friedr. Ernst Schiffner, 9 Mte. alt, Sohn des LJ I Schiffner dah. 23. Alst. Muth, 3 I. alt, Sohn b. tz^ meistere. E. Muth dah. 24. Anna Müller, 5 Mte «° Tocht. des Fuhrm. Friedr. Müller dah. — Hch. s*-,.' 32 I. alt, Dachdeckermstr. dah. 26. Marie Hofmann N'-bch, 58 I. alt, Wtw. d. Müllers Joh. Hofmann 5 — Ludw. K. Müller, 69 I. alt, Schreinermstr. bah Karl Klingspor, 64 I. alt, Fabrikant dah.___________
Wetterbericht.
(Wetterdienst zu Gießen: Peppler.)
Verlauf der Witterung von Donnerstag, bis Freitag.
Die über der Nord- und Ostsee lagernden TIEF’s sind ost- und südostwärts abgezogen, während sich auf ihr Rückseite daS südwestliche HOCH ausdehnte. Infolge dk^ ließen die Schneefälle nach, die Temperatur sank noch etwgj sodaß heute Nacht leichter Frost eintrat. Vormittags klärte es schwach auf. Doch ist wiederum ein TIEF westlich Irland erschienen, welches ostwärts vordringt. Daher für:
Samstag und Sonntag meist trübes, aber mildes Wetter (Tauwetter), zunächst noch Schneefälle, dann Regen, windig.
„Jugendfrisches Aussehen."^
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Marktberichte
Gieße«. 28 Novbr Auf dem heutigen Wochenmartt kosteten Bunn per Pfd. 1.10—1.20 Mk., Hühnereier 2 Stück 16—20 Pfg., Enteneier St. 8 Pfg., Käse per St. 6-8 Pfg.. Käsematte 2 Sr. 6-6 Pfg., Erbsen per Liter 21 Pfg., Linsen per Liter 32 Pfg., Tauben per Paar Mk. 0.70—0.90, Hühner per Stück Mk. 1.30—1.80, Hahnen, per Stück Mk. 0.70-1.50, Enten per Stück 1.70—2.20, Gänse p M. 50—60 Pfg., Ochsenfleisch per Pfd. 68—78 Pfg., Rindfleisch per Pfd. 62—66 Pfg. Schweinefleisch per Pfd. 66—76 Pfg. Schweinefleisch gesalzen per Pfund 0.80 Pfg., Kalbfleisch per Pfd. 70-7» Pfg., Hammelfleisch per Pfd. 56—74 Pfg., Kartoffeln per 100 Kilo 5.00—5.50 Mk., Zwiebeln per Zt. Mk 4.50—5 00, Aepfel per Centner 16—20 Mk. Milch per Liter 18 Pfg. Dauer der MarklK von 8 Uhr morgens bis 2 Uhr Nachmittags. Gegenstände be« Wochenmarktverkehrs dürfen vor Beginn der Marttzeit überhaupt nicht, und während der ersten drei Stunden der Marktzeit im llnv benieben seilgeboten werden.
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Verantwortlich: für den politischen und Inseratenteil: Albin Klein: für das Lokale, den „Gerichts" und „Oeffentlichen Sprechsra!": Fr. Oppermann
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J. Hankel
Freund, ich bin zufrirden, — Lebe froh und still, - Meine liebe Gattin. — Morgen waschen will! — Hab' mich sonst geärge t, — Heut' ist's einerlei, — Sie wäscht jetzt mit „Eureka', — Drum ist es bald vorbei. („Eureka", das beste aller Waschmittel, ist überall besinnt und überall erhältlich, â Packet 15 Pta.)
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