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V^agLg Bob wertem über tM

Belgrader JVIordnacbt.

DuS hii^tbnr# Drama 'ub Horurf zu Belgrad hat m bei letzten ßeit mehrfach von ßreinibe« und Feinden des er- mordeten Königspaares eine nahm Beleuchtung erfahren, imö wertvolle FingerMge und dadurch dem Geschichtsschrei. 6 er gegeben worden, der unparteiisch Licht und Schatten in dieser großen Tragödie menschlicher Leidenschaften verteilen will. Auch Hr^re mieder liegt eine Kundgebung vor unS, die einzelne intime Züge zu dem traurigen Bilde fügt, wenn sie auch meM einen allgemein menschlich als geschichtlich mtereöcmum Weick besitzt. Zwei Schwestern der ennordeten Köm^rn ^rrsga, die sich z. ßt in München aufhallen, haben einen, ^:r^ai Berichterstatter über ihre Erlebnisse während der Mordrcacht und nachher in längerer Unterhaltung be­richten.

«Sn waren luftig ungewarnt, — so erzählte die eine, — bis um 11 Uhr der Schreckensnacht wühlen wir von nichts. Als bä die Schüsse durch die stillen SrraHert dröhnten, eilten unfen Brüder dem Königspaar zu Hü^e, aber auf der Straße noch wurde« sie abgesagt und ch en erspart der König habe ihre Schwester entfernen lasten und befehle, daß die Brüder ihre Säbel ab^ugtben hätten. Würde man sie nühi so belogt haben, so todten sie gewiß mit der Waffe in der Hand gestorben. Beide Augen hat man dem einen aus dem Gesicht geschossen. Die Verschwörer belogen alle Welt; den Offaseren des Regiments der Kour^in sagten sie, Alexander: habe feat Frau fortgejagt, jenen scs Regiments . des Königs, Ätr^ habe Alexander errnorÄe^. Und der König iixir so gut: J^t sagen sie. er ss schächfinnig und träge gewesen. <te ist nicht Nrahr, er hat bis in die späte Nacht für das Woyl fernes Volles ^earbeit^ und sich oft nicht einmal die Zeit gvfTsmaM, uni enw Mahlzeit zu sich zu nehmen Uns gegenttbes ämu tx gÜtty üüe ein Bruder. Er wollte nicht glauben, oo> 'chr? M VvH du Armee verraten könnte. Und roenn Aum è und tu Räaigtn ermordet hat, warum thubU^1 unsere Brübv, sterben t Mao sagt diesen 2llks Mögliche noch, «ws ^ «ar« ü- tflrdtfeifrige, brave Soldaten. Der eine hatte â Lhnmw den dem Schicksal, das ihm bevorstand, er âtk .^Etmroi „dte roerderr mir den Säbel einmal von Set Gerde aeG«v mh werden mich Einbringen!" Sofort tMch der KaNkftrnptzr hat man uns mit RUlitärwachen mugân, du aus ^nwèrisch beobach­teter:, dann forderte neun und aut angk nblrckltch Serbien zu verlassen. Ich errlärre, dies könne nrchi U Knall und Fall geschehen. Nicht einmal zum Grab bei Brüder und der Schwester ließ man un§, keine Blume, kernen Schmuck dul­det man auf den Gräbern. Wie gerne würden wir noch ein­mal an der Ruhestätte der teueren Toten beten, sonst wollen wir von Serbien nichts rruchr, wenn wir unser Eigentum zurückerhalten haben.

Ein häßliches Licht auf die neue serbische Regierung wirft die bewegliche Klage der Schwestern, mit der das Interview schließt, sie wurden nichr einmal im Exil in Ruhe gelassen und seien in Zürich auf Schritt und Tritt von Spionen verfolgt worden. Wenn dies Tatsache sein sollte, so ist zu wünschen, daß der deutsche Aar und der baye­rische Löwe die Vielgeprüften, solange sie in unserem Lande weilen, vor derartigen Belästigungen zu schützen wissen.

Hus dem GenchtsfaaL

§ Eine neue Auslage des Leipziger Bankprozesses? Der vormalige Direktor der Leipziger Bank. Dr. Gentzsch, der im vorigen Jahre wegen betrügerischen Bankerotts und Bilanz­verschleierung unter Annahme mildernder Umstände zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden war, hat durch feinen Verteidiger, Justizrat Broda, die Wiederaufnahme des Ver­fahrens beantragen lassen.

§ Zum Humbert-Prozeß. Eine Note der „Agence Havas" besagt, daß niemals ein geheimes Aktenbündel, betreffend die Humbertsache, vorhanden gewesen ist. Alle Schriftstücke sind mitgeteilt worden; die Anwälte und Staatsanwälte konnten acht Monate hindurch davon Kenntnis nehmen.

8 Der Ausgleich. Eine heitere Szene spielte sich auf einem Wiener Amtsgericht ab. Während einer Pause in den Ver­handlungen tritt rasch eine kugelrunde, resolute Frau zum Richtertisch und fragt: „Was is denn mit mir, Euer Gna­den?" — Richter: „Wer find Sie?" — „I bin die Has- lauer Kathi, Kräutlerin Am Hof." — „Ah ja! Sie waren von der Frau Rosalie Gschwendt beklagt? Wegen einer Ohrfeige am Markt?" — „Dös stimmt, Euer Gnaden!" - „Die Frau Gschwendt war ja schon hier und hat ange­geben, sie hat sich mit Ihnen ausgeglichen." — „So so? Ausgeglichen? Na ja . . . sie hat mir heut' um a Dreie in der Fruah am Markt a Ani geben . . . dös is der Aus­gleich!" — „Das Verfahren wurde eingestellt!" — Was geschieht jetzt mit mir, Euer Gnaden?" — „Nichts!" Sie können nach Hause gehen, aber Sie dürfen jetzt nicht viel­leicht gegen die Frau Gschwendt klagen!" — „A heilet (die Hand aufs Herz legend) . . . mir san jaanz ausglichen!

pfab und fern.

Ä Der Kaiser und der Katholikentag. In der letzten Versammlung des 50. Katholikentages zu Köln verlas der Präsident Dr. v. Orterer folgendes Telegramm aus Schloß Wilhelmshöhe: Seine Majestät der Kaiser und König haben den Huldigungsgruß der diesjährigen Jubiläums-General- versammlung der Katholiken Deutschlands mit Freuden entgegengenommen und lassen das Präsidium ersuchen, der Generalversammlung für den Ausdruck treuer Ergebenheit Allerhöchst Ihren wärmsten Dank auszusprechen. Auf Aller­höchsten Befehl: Geheimer Kabinettsrat von Lucanus. — Nach der Verlesung erscholl stürmischer Beifall. Dr. von Orterer bemerkte: Unsere Huldigung hat ein freundliches Echo gefunden, mögen wir darin eure gute Vorbedeutung für die Zukunft erblicken. Der Redner brachte sodann ein freudig aufgenommenes Hoch auf den Kaiser aus

^ El« Zwischenfall bei einer Ausfahrt der Kaiserin er­eignete sich in Kassel. Als die Kaiserin von dem Besuck einiger Wohltätigkeitsanstalten nach Schloß Wilhelmshöhi zurückkehrte, durchbrach plötzlich eine gut gekleidete, tief der schieferte Dame die Postenkette, drängte sich an den kaiser­lichen Wagen heran und warf einen Brief in denselben. So­fort eilten Schutzleute herbei, welche die Persönlichkeit bei Unbekannten feftstenten Bei ihrer Vernehmung gab du Dame an, he hn direkt von Berlin nach Kassel gefummeu um der Lcmdesmutler veriönlich eine Bittschrift für ihrer

Mann zu überreichen, der gegenwärtig eine längere Frei­heitsstrafe tu oerbüßen habe.

G Der Budüpestei Wârenhauöbrond hat eine Disziplinar Untersuchung gegen den Kommandanten der Feuerwehr Szerbomski, im Gefolge gehabt. Uebereinstimmend toir? in der Presse der Feuerwehr die Hauptschuld an der Kata­strophe beigemessen. Die Behörden hatten den Kopf ver­loren. Es fehlten Sprungtücher, das eine vorhanden! wurde von Laien gehandl-allt. Die Spritzen versagten Fachleute aus Wierr und München stimmen diesem Urteil zu. Der Feuerwehrkommandant gibt dem Publikum du Schuld. Er sagte einem Interviewer: Die Feuerwehr war in der Aktion behindert, muffte sich mit Spitzhacken und Fa- schinenmessern den Weg bahnen. Währerid des Brande? wurde, wie nachträglich bekannt wird, eine aus 5 Person er bestehende Diebesbande gelangen genommen, die die Ver­wirrung benutzte, um sich Hab und Gut der Opfer cniöw eignen.

G Grvßschiffahrt nach Basel. Seit 60 Jahren ist in Basel wieder das erste Dampfschiff eingetroffen. Es handellt sich um eine Probefahrt, ob es möglich sei, bis. Großschiftahrl über Straßburg hinaus bis rw^ Basel durchzuführen Der Versuch darf abs wohlgelungen bezeichnet werden, denn der angekündigt? Dampfer ist zur bestimmten Zeit ein getroffen

© Dampfer-zusammenstoß. In der Wesermündung wurde der Fischdanrpfer ,,Polyp" von einem anderen Dampfer angerannt und derart beschädigt, daß er im Fahrwasser bei Ho Herweg sank. Die Mannschaft wurde von dem Fisch- dompser .Sophie" gerettet und in Geestemünde gelandet

<Ä Attentat auf einen russischen Eisenbahnzug. Auf der russischen Südwestbahri entgleiste unweit der Station Fastrow ein Personenzug infolge böswilliger Entfernung von Schienenschrauben. Der Maschinist und ein Kondukteur wurden getötet und acht Fahrgäste leicht verletzt. Wie wei ter gemeldet wird, sind infolge häufiger Raub Überfälle aus der transkaukasischen Bahn alle Bahnwächter mit Revolvern ausgerüstet . Ein Extrazug Tiflis-Baku überbringt Waffen und Instruktionen.

Bunte Chronik. In Spittel bei Straßburg wurden die Italiener Vulpati, Pitroban und Cilio wegen Aufreizung |um Streit verhaftet. 600 Arbeiter der Baufirma Schott u. Haas waren ihnen gefolgt. Die Gendarmerie wurde verstärkt.

— In Mühlhausen wurde der junge Arzt Dr. Schwanz verhaftet, unter dem dringenden Verdacht, seinen Kollegen Dr. Schloß im Driell erschossen zu haben. Der Grund soll Der Streit stoischen Aerzten und Krankenkassen sein.

— In Kijew wurde eine Anzahl Mädchen im Alter von icht und zwölf Jahren geschändet, nachdem sie durch Ver­abreichung von Konfekt in den Hinterhalt gelockt waren Siner der Schuldigen, ein vierzigjähriger Fleischer, wurde verhaftet.

— Am Vesuv hat sich die im Jahre 1895 in 1100 Meter Söhe entstandene (SruUw nè Öffnung neu geöffnet. Eine zroße Lavamasse strömte hervor, doch besteht z. Z. keine un­mittelbare Gefahr.

Vermischtes.

J£ IDie Macht der Illusion.^ Zu Lohr im Spessart wurde dieser Tage die „Genoveva", das bekannte Ritter- schauspiel, aufgeführt. Beim 6. Bild h@olo stürzt auf Drago" wurde ein Zuschauer von der Macht der Darstellung so ergriffen, daß er in Entrüstung ausrief: „Hab' m eene druff". (Haue ihm eine darauf!). Große Heiterkeit des Publikums folgte dem in unverfälschter Löhrer Mundart vorgebrachten ZoimeSruf.

# kDer Schwenikstall alö La«desgrenze.I Den badisch- hessischen Ort Kürnbach tauscht Baden demnächst gegen die Ortschaft Mickzelbach ein. Daß dieser Entschluß so rasch ge­faßt worden ist, soll, wie man erzählt, ein „Bruder étraw lunger" verursacht haben, der, weil er keine Papiere hatte, vor einem badischen Polizisten in ein Haus Kürnbachs flüchtete, und zwar in einen Schweinestall hinein. Der Polizist eilte nach, aber der Fechtbruder befand sich bereits auf hessischem Gebiet, denn mitten durch den Stall der Borstentiere ging die Grenze. Der Badener rief nun den hessischen Sicherheitswächter herbei, und dieser drang durch die Hintertür in das hessische „Viertel", während der Bade­ner von Baden aus angriff. Der Handwerksbursche aber prügelte die Vertreter Badens und Hessens, von denen jeder ihn haben wollte, mörderisch durch. Als man ihn nunckides- halb vor Gericht stellen wollte, wußte kein Mensch, ausi^pel- chem Gebiet die Hiebe gefallen waren und wohin derAZall zu verweisen sei. Daher die Aufhebung des Mitb^sitz^^

€>► tDie bedrohte« Pelikane. I Um die Pelikane Wr der Ausrottung zu fchützen, hat die amerikanifche Regierung jetzt die im India-River vor der Küste von Florida gelegene Pelikan-Insel gekauft, die als hauptsächlichster Brutherd dieser Vogelart gilt. Bisher hatten Raubzäger dort freie Hand, nun aber steht die Insel unter Aufsicht eines Wild­wächters, der niemandem ohne schriftliche Erlaubnis vom Ackerbausekretär zu landen gestattet. Die Zahl der Vögel ist bereits sehr zusammengeschrumpft. Es nisten auf der Insel zur Zeit schätzungsweise 2800 Pelikane.

32 ^Indianisches Plebiszit gegen die Ehescheidung.1 Bei einem „Kongreß der Sioux-Indianer" in Süddakola wurde u. a. folgende Resolution gefaßt: Es schmerzt uns, zu hören, daß viele der Weißen in Dakota in ihren Gesetzen daS heilige Band der Ehe mißachten, daß sich Mann und Frau trennen und so die Grundlage der Familie niederreißen. Wir fürch­ten sehr für unser Volk, daß einige sich dieser sündhaften Gesetze bedienen und wieder zurücksallen könnten ins alte Sündenleben. Wir verabscheuen diese Gesetze und betrach- ten es als einen Ehrenpunkt, sie unserem Volke und allen Christen verhaßt zu machen. Das hätten sich die alten Sioux, die, mit dem Tomahawk in der Hand, in den Ur­wäldern nach dem Skalp der Weißen Ausschau hielten, nicht träumen lassen, daß ihre Enkel einst den Blaßgesichtern Vorträge über die Heiligkeit der Ehe halten würden.

0 Große Ueberschwemmvngen in England. Wie aus Lon. don gemeldet wird, sind infolge heftiger Regengüsse erhebliche Ueberschwemmungen eingetreten. Die Lage ist in verschie­denen Grafschaften äußerst kritisch. In Lincolnshire steht die Ernte völlig unter Wasser. Die Landwirte in Shrop­shire erklären, daß sie seit undenklichen Zeiten kein so schlechtes Jahr gehabt hätten.

Bunte Chronik. Gegen die peugegrünbete Spielbank in Altenberg wird jetzt energisch vorgegangen. Sowohl von deutscher wie von belgischer Seite sind Schritte getan wor­den, um der Spielbank die Existenz auf dem Gebiete von Reutral-Moresnet unmöglich zu machen.

— Unter dem Verdacht des Raubmordes an dem Ham­burger Losehändler wurde in Sankt Pauli ein Lumpen­händler verhaftet, der anfangs August Levy Gerümpel ab­gekauft hatte und auf Donnerstag, den Tag des Mordes, wiederbestellt war.

— Defraudationen im Betrage von. 350 000 Kronen wur­den beim Krakauer Handwerkerverein ermittelt. In der Angelegenheit wurde Kaufmann Barko, ein Schwager des Direktors Müllers, verhaftet.

Kunst und Wissen schäft.

D.D. Zur Wagner-Denkmalsfeier in Berlin. Prinz Lud­wig Ferdinand von Bayern hat dem Vertreter eines Berliner Blattes gegenüber die feste Absicht ausgesprochen, an der Wagnerfeier in Berlin nicht teilzunehmen. Er habe, ohne sich um Interna zu kümmern, infolge seiner Hingabe für Wagner die ihm angebotene (Öhrenstellung eines Protektors angenommen, in der Voraussetzung, daß die Wagnersche Fa­milie die Berliner Wagnerdenkmalsfeier sanktioniert habe. Das sei ja leider nicht der Fall, das sei ebensowenig der Fall, wie die angekündigte Mitwirkung des Münchener Hofopern­orchesters bei dieser Feier; hierzu hätte doch vor allen Dingen der Prinz-Regent seine Genehmigung erteilen müssen, diese wäre auch erforderlich, wenn er, der Prinz, offiziell der Ber­liner Feier hätte beiwohnen wollen. Im übrigen habe er ge­hört, daß auch der Kaiser vermutlich nicht bei der Feier an­wesend sein und sich durch ein Mitglied des Kaiserhauses werde vertreten lassen.

#K Das Alter deutscher Professoren. Das Durchschnitts­alter der Professoren an den verschiedenen Universitäten Deutschlands, Oesterreichs und der Schweiz ist von Dr. F. Eulenburg berechnet worden. Die Statistik erstreckt sich auf fast 1500 Hochschullehrer, die während des Winters 1901/02 im Lehramt waren. Es hat sich für diese Zeit ein allgemeines mittleres Alter von 53,4 Jahren ergeben, während die ent- sprechende Zahl vor 10 Jahren 51,5 betrug. Zwischen den verschiedenen Fakultäten finden sich nur geringe Unterschiede. Für 200 Professoren der Theologie war das Durchschnitts­alter 54,2, für 226 Professoren der Rechte genau dasselbe, für 259 Professoren der Medizin 54,8. Die ältesten Pro­fessoren sind in Berlin, München und Leipzig zu finden, die jüngsten in Bonn, Heidelberg, Wien und Straßburg. Jünger als 30 Jahre waren nur ztvei Professoren, beide von der juristischen Fakultät. Etwa 4 v. H. der Professoren lehrten noch im Alter von mehr als 70 Jahren, was in Oesterrew, wie in den russischen Ostseeprovinzen gesetzlich untersagt ist. Dr. Eulenburg tritt dafür ein, daß in Deutschland eine Altersgrenze von 65 Jahren für einen freiwilligen Rücktritt und eine solche von 70 Jahren für den unbedingten ein­geführt werde.

#A Der Kampf gegen die Schwindsucht. Ein reicher römischer Großgrundbesitzer, Pietro Cartoni, hat der italie­nischen Regierung eine Million Francs zur Verfügung ge­stellt, um vor den Toren Roms ein großes Sanatorium für Lungenkranke zu errichten. Cartoni ist zu dieser groß mutigen philantropischen Schenkung durch das herbe Geschick zweier geliebter Kinder bewogen worden, die ihm durch die Schwindsucht entrissen wurden. Er stellt ferner in Aussicht, bafe er alles, was er besitzt, der Bekämpfung der furchtbaren Krankheit opfern werde.

Der Landwirt:

rc. Sollen wir den Maulwurf ausrotten. Aus Pari? wurde kürzlich gemeldet, daß in diesem Winter das weiche Fell des Maulwurfs Mode werben und von den eleganten Damen als glänzendes Pelzwerk in Mänteln, „Stolas" und Muffs getragen werden wird. Jetzt werden in deutschen Landwirtskreisen Stimmen laut, die diese neueste Mode­laune mit" Freuden begrüßen und hoffen, daß dadurch zur Vernichtung des Maulwurfs verhalfen würde, dessen Nutzen als Engerlingzerstörer in seinem Verhältnis zu dem un­geheuren Schaden stände, den er durch sein Wühlen und Graben in Feld und Garten anrichte. Damit wäre denn also dem kleinen sckiwarzen Wühler das Todesurteil ge­sprochen. Denn wenn der Landwirt ihn proskribiert, so wer­den sich scharenweise Maulwurfssäuger auf den Feldern ein- finden, die, da das Fell nweifelsobne gut bezahlt werden wird, erbarmungslos und ohne Rast hinter ihm herjagen. Aber ist denn wirklich überall der Maulwurf unbedingt fchäd- lich? Hören wir, was die Brüder Karl und Adolf Müller in ihrem bekannten Buche „Wohnungen, Leben und Eigen­tümlichkeiten in der höheren Tierwelt" über diesen Punkt zu sagen wissen: „Wenn wir uns die Maulwurffänger ber- gegenwärtigen, die von den Gemeinden angestellt und an­gewiesen waren, Maulwürfe in Feldern und Wiesen zu fangen, so danken Wir von Herzen der fortschreitenden Wissen­schaft, welche das Vorurteil beseitigt und sich nicht mit dem oberflächlichen Blick und durch Mitteilungen der Menge zu­frieden gibt. Die Behandlung, die der Maulwurf in frü­heren Zeiten erfahren hat, zeigt so recht, daß die Menschen bei ihren Schlüssen aus Wirkungen auf Ursachen es sich be­quem machen und, was das schlimmste ist, sich von einmal vorgefaßten Meinungen selbst durch die treffendste Beweis- fi» nur schwer ab Wen den lassen. Gab es doch viele Landstädtchen, wo man noch vor ein paar Jahren das Fell eines Maulwurfs mit einem Groschen bezahlte. Und wer tat dies? Der Stadtrat! . . Mit Bedauern denken wir jetzt an den Mautwurfsfang zurück und so eifrig wir einst auf seine Vertilgung sannen so lebhaft möchten Wir nun die Unschuld der Hingerichteten Maulwürfe dartun . . . So sehr man Ursache hat, den Maulwurf in Wiesen, Feldern und Wäldern zu hegen, so weräg darf er in Kunst- und Gemüsegärten geduldet werden, wo er mit seinen ewigen Wühlereien naturgemäß großen Schaden anrichtet." Es hieße demnach das Kind mit dem Bade ausschütten, wenn man den Maulwurf überall verfolgen wollte. Jni freien Felde schone man ihn, im Garten rotte man ihn unnach­sichtig aus.

rh. Fleisch aus — Sibirien. In Berlin werden demnächst große Fleischzufuhren aus Sibirien erwartet. Es hat sich für den Fleischimport aus diesen durch die große sibirische Eisen­bahn neu ausgeschlossenen Gegenden ein Konsortium gebil­det, das durch geeignete Leute den Einkauf und das Schlachten an Ort und Stelle besorgen läßt. Es fommt für dieses Ge schäft gepökeltes Rindfleisch in Stücken von 4 Kilogramm in Betracht, das in ganzen Wagenladungen von 10 000 Kilogramm nach Berlin befördert wird. Die Ausgaben für Transport und sonstige Spesen stellen sich auf 3000 Mark pro Waggon von 10 000 Kilogramm Mit der Einfuhr soll vorläufig bis zum Frühjahr fortgef^ren werden.

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