Der Kindesunterlcbiebungs-prozefs.
Erster Lag. RK Berlin, 26. Oktober.
Der Andrang zum Prozeß des der Kindesunterschiebung angeklagten Grafenpaares Wensierski-Kwilecki war am ersten Lage so stark, daß schon um 9 Uhr der zur Verfügung stehende Raum von einer eleganten Zuschauermenge, unter der man besonders viele Damen des polnischen Adels erblickte, bis auf den letzten Platz gefüllt war.
Der Zeugenaufruf brachte manche interessante Momente. Mehrere polnische Arbeiterinnen erscheinen mit Säuglingen auf dem Arm, sie haben dieselben, da sie zu Hause keine Pflege für sie haben, einfach aus ihrer Heimat nach Berlin mitgebracht. Einige legen nach heimischer Sitte ganz ungeniert ihre Kinder an die Mutterbrust.
Beim Aufruf muß natürlich auch häufig die Mitwirkung der Dolmetscher in Anspruch genommen werden. Unter den Zeugen bemerkt man neben mehreren Vertretern der Seitenlinien des gräflichen Hauses Kwilecki auch den Reichstags- Abgeordneten Dr. v. Dziembowski. Eine Reihe von Zeugen aus dem Auslande ist nicht erschienen. Einige, ausländische Zeugen fragen erst an, welche Entschädigung für Reise und Aufenthalt ihnen gewährt wird, eine Zeugin verlangt 100 Mark pro Tag, „sonst könnte sie nicht kommen", ein Zeuge aus Rußland fordert 150 Rubel Vorschuß.
Die Vernehmung der Angeklagten.
Die Hauptangeklagte, Gräfin Wensierska-Kwielecka, die jetzt vortritt, ist eine stattliche Erscheinung von vornehmem Aeußeren. Sie ist bereits vollständig ergraut. Vor Beginn der Sitzung musterte sie durch ihre goldene Lorgnette eifrig die Geschworenen und die Zuschauer. Der hübsche, jetzt fast siebenjährige Knabe, dessen Herkunst hier gerichtlich festgestellt werden soll, und der in Begleitung seiner Schwestern erschienen ist, wird von Damen des polnischen Adels, die als Zeuginnen geladen sind, mit stürmischen Liebkosungen be- sirüßt. Die Gräfin beantwortet die Fragen des Vorsitzenden in gebrochenem Deutsch, aber gewandt und sicher. Sie bestreitet, sich der Kindesunterschiebung schuldig gemacht > zu haben. Sie habe nie etwas derartiges gemacht und immer ehrlich gelebt, sie wolle der Erde gleich sein, wenn sie etwas iviffe von Geheimnissen. Ihre Töchter seien im Jahre 1865, bezw. 1873 und 1879 geboren, im Jahre 1897 sei dann noch der langersehnte Sohn eingetroffen.
Eine Musterehe.
^ Präs.: Das Verhältnis zwischen Ihnen und Ihrem Gatten soll in den 90er Jahren kein gutes gewesen sein? — Angekl.: Das ist leider richtig. — Präs.: Sie sollen sehr entfremdet gewesen sein, auch was die geschlechtlichen Beziehungen anlangt, und Ihren Ehegatten oft mit groben Schimpfworten belegt haben. — Angekl.: Oft war ich böse. — Präs.: Sie sollen ihn Lump, Schweinehund genannt haben? — Angekl.: Wie das so geht, es gab gute Zeiten in der Ehe und dann auch schlechte. — Präs.: Bis 1896 war das Verhältnis aber besonders schlecht. — Angekl.: Wie es im Leben kommt, einmal besser, einmal schlechter. — Präs.: Sie sollen großen Luxus getrieben haben. — Singefl.: Da wird mehr gesprochen, als wahr ist. Als ich heiratete, habe ich von meiner Mitgift alles gekauft, Wagen, Möbel. — Präs.: Es wird behauptet, daß Sie nicht nur Ihre Mitgift von 300 000 Mark verbraucht, sondern auch den Bestand des Gutes ruiniert haben. — Angekl.: Ich habe mein ganzes Geld in das Gut hineingesteckt.
450 000 Mark Schulden.
v Die Schuldenlast der Angeklagten wird auf 450 000 Mark beziffert. Der Gerichtsvollzieher ging ständig aus und ein und war quasi zum Familienmitglied geworden, so daß er vertraulich „Onkelchen" genannt wurde. Um wieder Kredit zu bekommen, heuchelte die Angeklagte nach Meinung , des Präsidenten Schwangerschaft. Präs.: Es wird auch angenommen, daß Ihre angebliche spätere Entbindung ebenfalls Heuchelei war, daß es Ihnen nur darum zu tun war, ‘ einen männlichen Erben vorweisen zu können, der dereinst Anspruch auf das Majorat hatte und daß Sie deshalb ein fremdes Kind untergeschoben haben. Ihre letzte Entbindung lag ja 16 Jahre zurück. — Angekl.: Das ist richtig. , —Präs.: Das Mißtrauen gegen diese angebliche Schwanger- , schaft ging so weit, daß man sagte: Sie müßten in Posen ! auf offenem Markte entbunden werden, wenn man Ihnen glauben solle. — Angekl.: Herr Präsident, das waren nur Spaßen.
Warum sie sich nicht untersuchen ließ.
Dr. Rosinski war in Begleitung des Grafen kurz nach der angeblichen Entbindung nach Berlin gekommen und wollte die „Wöchnerin" untersuchen. Die Gräfin weigerte sich aber. Ebenso wurde ihm nicht gestattet, das Kind zu sehen, das er untersuchen wollte. Angekl.: Ich wollte nichts sehen und hören. Mein Mann war — wie
Kriegserlebnifie aus dem Feldzüge 1870|71.
(4. Fortsetzung.)
Am 27. Oktober wurde die Kapitulation von Metz abgeschlossen. Am 29. Oktober besetzte das 2. Bataillon deS Gießener Regiments dort St. Privat, und am Nachmittag war das Bataillon Zeuge des Ausmarsches der französischen Garde aus Metz. Die Offiziere begleiteten ihre Mannschaften und nahmen dann zum Teil rührenden Abschied von ihnen. Es war ein herrlicher Anblick, als die langen Züge der kaiserlichen Garde auf der Straße Ivorbeidefilierten. Sie waren zum größten Teil in ernster Haltung und trugen ganz neue Uniformen. Am Abend kam daS Bataillon nach Ars in Quartiere. Den ersten Teil deS Feldzuges hatte es jetzt hinter sich.
Inzwischen war an der Loire eine neue französische Armee gebildet worden, die zwar Anfang Oktober von den Bayern zurückgeworfen wurde, aber sich bald wieder nach Eintreffen von Verstärkungen zum Vorgehen anschickte. Prinz Friedrich Karl sollte daher mit einem Teil der bei Metz freigewordenen Truppen über Troyes nach Orleans zu marschieren. Das 2. Bataillon unseres Regiments verließ daher bereits am 30. Oktober Ars und gelangte am 10. November nach TroyeS, wo er vor der Kathedrale an dem Prinzen Friedrich Karl vorbeimarschierte. In den Straßen der Stadt lagen Haufen von demolierten Waffen. In Troyes hoffte man etwa 8 Tage zu bleiben, aber schon in der Nacht wurde der Abmarsch befohlen, um in Eilmärschen Orleans zu erreichen.
nennt man es doch — so besoffen, daß er kaum stehen konnte und ich war auf den Dr. Rosinski sehr böse, daß er den Grafen so viel Wein hat trinken lassen. Ich war sehr beleidigt, denn mein Mann war ganz dusselig. Ich kann mir nicht helfen, ich bin sehr heftig. Ich habe in dieser ganzen Affäre eine Masse Dummheit gemacht, das erkenne ich ganz wohl an. — Der Vorsitzende hält der Angeklagten vor^ daß sie bereits einmal schon eine ähnliche Komödie habe in Szene setzen wollen. Sie habe im Sommer 1896 versucht, sich aus Paris einen „Sohn" zu holen. Die Angeklagte hatte damals ein Telegramm in französischen Worten an ihren Ehemann gesandt, das versehentlich in falsche Hände geriet lind der Anklagebehörde zur Verfügung gestellt wurde. Auch soll sie geäußert haben: „Wenn die Sache aufgedeckt wird, bringe ich mich und das Kind um."
Eine Verhaftung im Gerichtssaal
bildet den dramatischen Schluß des ersten Verhandlungstages. Der erste Staatsanwalt beantragt, die mitangeklagte 78jährige Frau Josefa Knoska zu verhaften, weil die dringende Gefahr vorliege, daß durch eventuelle Gespräche mit den Zeugen der Tatbestand wesentlich verdunkelt werde. Der Gerichtshof beschließt nach kurzer Beratung, die Angeklagte Knoska in Haft zu nehmen, da sie des Meineides und der Beihilfe zur Kindesunterschiebung dringend verdächtig erscheine. Die alte Frau schrickt heftig zusammen, und richtet die hellen Augen, die aus dem verrunzelten Greisengesicht hervorsehen, hilfesuchend auf die Gräfin. Als diese die Achseln zuckt, bricht sie weinend zusammen und läßt sich ins Untersuchungsgefängnis abführen.
Hus dem Gerichtssaal.
§ Der „Geist" der Kupplerin. In Berlin hat sich eine Abenteurerin, die geschiedene Frau Gustave Schettler aus Schöneberg, zugleich mit einer jungen Sängerin wegen Kuppelei, Unterschlagung, Betrugs, versuchten Verbrechens gegen keimendes Leben, Bedrohung, Hochstapelei u. s. w. zu verantworten. Frau Schettler hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich: sie ist Erzieherin, dann Jockeireiterin bei Renz und Ciniselli gewesen und hat sich zuletzt neben anderen schönen Dingen — sie unterhielt luxuriös eingerichtete „Salons" für die Lebewelt — auch mit der Veranstaltung spiritistischer Sitzungen beschäftigt. Sie wird jetzt beschuldigt, mit Hilfe des Spiritismus die Mitangeklagte, die damals noch als Schülerin die Hochschule für Musik besuchte, an sich gelockt, und zu einem lasterhaften Leben verführt zu haben. Das Mädchen stammt aus einer hochachtbaren Lehrerfamilie in der Provinz. Frau Schettler war ein gutes Schreibmedium. Nachdem die Sängerin die spiritistischen Sitzungen durch einen Gesang aus dem Oratorium Elias eingeleitet hatte, gab ein Geist, der diesmal nicht „Friedchen", wie bei der Rothe, sondern „Lieschen" hieß, Auskunft aus der anderen Welt. Welche Auskünfte verlangt wurden, kann man sich leicht vorstellen, wenn man erfährt, daß „Lieschen" Fragen beantwortete, wie: „Lieschen, soll ich die Uhland- oder Fasanenstraße heruntergehen, um den hübschen Leutnant von den Gardeschützen zu treffen?" „Lieschen" beschwichtigte auch etwaige Gewissensbisse des Mädchens, vertrat eine höchst laxe Lebensmoral, gab Ratschläge bezüglich der zu wählenden Garderobe und bezüglich der Kunst, Männern zu gefallen, und so wurde das Mädchen durch die Schettler und das ihr dienstbare „Medibumsel", dessen Offenbarungen sie in der Form der Geisterschrift erscheinen ließ, tiefer und tiefer in den moralischen Sumpf hineingetrieben.
§ Die geheimnisvolle Testamentsklansel. Vor den Wiener Gerichten hat ein interessanter Erbschaftsprozeß sein endgültige Erledigung gefunden, dessen Vorgeschichte einen sensationellen Roman aus dem Leben bildet. Im Jahre 1871 starb der steinreiche Fürst Wrede, und in seinem Testament fand sich die geheimnisvolle Klausel, der Betrag von 20 000 Gulden sei als Legat so anzulegen, daß beffen Zinsen vom Sohne des Verstorbenen, Fürsten Nikolaus, alle Jahre einem bestimmten, nur diesem bekannten Zwecke zuzuführen sind. Sei dieser Zweck erfüllt, so habe der Fürst das dem Gerichte bekanntzugeben, und dieses habe dann die 20 000 Gulden den beiden in Graz lebenden natürlichen Kindern des Erblassers auszufolgen. Sterbe inzwischen eines der beiden Kinder, so solle dem überlebenden der ganze Betrag zufallen. Fürst Nikolaus bezog ständig die Zinsen des bom Landesgerichte Wien verwahrten Kapitales, erklärte aber auf Anfragen des Vormundes der beiden Kinder, daß der geheimnisvolle Zweck noch nicht erfüllt sei und nie erfüllt werden würde. Nun starb aber eines der beiden Kinder, das Mädchen, und der überlebende Bruder, der nunmehr einzig Erbberechtigte zu bem Legat, wuchs auf, wurde „Athlet" und nannte sich mit seinem Künstlernamen Petrak. Er teilte dem Fürsten mit, daß er auf seine Erbschaft für alle Zeiten Verzicht leisten wolle, wenn er 3000 Kr. als Abfertigung auf die Hand erhalte. , Der Fürst folgte ihm die Summe sofort aus und ließ sich vorsichtigerweise eine Verzichtsurkunde ausstellen.
Die Tornister wurden in Troyes abgelegt und auf Wagen nachgesahren. Da beim Abmarsch noch viele Soldaten fehlten, welche sich fraglos zur Ruhe begaben in der Meinung, einige Tage hier zu verweilen, blieben einige Offiziere zurück, um die Fehlenden nachzubringen. Feldwebel Bruch- Häuser wurde zurückgelassen, um die Kranken der 7. Kompagnie in das Lazaret abzuliefern, traf dann aber bald wieder beim Regimente ein. DaS Oberkommando in Versailles befürchtete einen Vorstoß der Loire-Armee zum Entsätze von Paris und befahl dem Prinzen Friedrich Karl mit seinem rechten Flügel in der Richtung auf Fontainebleau zu marschieren. Das Durchschreiten des Waldes von Fontainebleau ging nur langsam von statten, da die Wege durch Barrikaden und Verhaue gesperrt waren. Der 7. Kompagnie deS Gießener Regiments, welche an diesem Tage die Vorhut hatte, viel die schwierige Aufgabe zu, Barrikaden und Verhau zu beseitigen. Mit dem Feinde kam man jedoch nicht in Berührung. Von den Waldwegen aus erblickten die Soldaten in einiger Entfernung das berühmte Schloß zu Fontainebleau. Beim Passieren des Waldes fiel Büchsenmeister Engel vom Protzkasten und brach ein Bein. Er mußte in das Lazaret nach Fontainebleau gebracht werden.
Am 15. November kam die 7. Kompagnie nach Males- Herbes in Quartiere. Feldwebel Bruchhäuser mit noch einigen Soldaten wurde in das HauS einer Französin ein* quartiert, die ihnen aber kein Zimmer öffnen, sondern in einem Stalle unterbringen wollte, was man entschieden ablehnte und mit Gewalt die Zimmer öffnete. Da das Verhalten der Französin ein sehr unwirtliches blieb, verließ man das Quartier und wurden ihr zur Strafe eine ganze
Der Fürst zeigte nun nach einiger Zeit bem Wiener Landes-' gerichte an, daß der von seinem Vater festgesetzte Zweck er füllt sei, und beanspruchte die 20 000 Gulden unter Berufung , auf die Verzichtleistung Petraks. Es ergab sich ein langer Prozeß, da der Vertreter des ehemaligen Athleten, jetzigen ! Volkssängers, erklärte, die Ausfolgung an den Fürsten, so, wie der Verzicht entspreche überhaupt nicht dem Sinnendes Testaments. Fürst Nikolaus habe außerdem, indem er zuerst dem Gericht erklärte, der Zweck werde nie erfüllt werden und nun doch die Erfüllung behauptete, den Volkssänger in einen - Irrtum geführt, und in diesem Irrtum sei der Verzicht aus. ■ gestellt und die Abfertigung akzeptiert worden. Der Prozetz * I wurde durch mehrere Instanzen geführt. In allen Instanzen ging der Volkssänger als Sieger hervor, und er ist bereits im Besitze der 20 000 Gulden.
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JVab und fern. 4
0 Die Juwelen der Fongère. Wie aus Aix-les-Bains berichtet wird, hat die Untersuchung ergeben, daß der ver« ■ haftete Ladermann die Juwelen der ermordeten Halbwelt, (erin Fougère in die Saone geworfen hat. Da i.n verschie« denen Papieren genau die Stelle bezeichnet ist, an welcher bie Juwelen versenkt worden sind, so glaubt die Polizei, daß dieselben wieder aufgefunden werden.
cf Eine furchtbare Roheit wurde an dem 19jährigen Schmiedegesellen Georg Kapolines aus Unterwaltersdorf bei Wien begangen. Dieser fing einen aus dem Jagdrevier des Grafen Cavriam verlaufenen Hasen ein, um ihn gegen das übliche Honorar von einer Krone der Gutsverwaltung abzuliefern. Die gleichfalls Hasen nachjagenden Treiber Reiner und Mazelt ans Deutsch-Brodersdors wollten aus Neid über diesen Verdienstentgaug Kapolines . ben Hasen entreißen. Es entspann sich ein heftiger Kampf, wobei die Treiber dem Kapolines die beiden Ohren bis zur,Hälfte abschnitten. Die Treiber wurden verhaftet lind dem Bezirksgerichte Ebreichsdorf eingeliefert.
o°o Im Boot über den Ozean. Zu dem bekannten Wage- 'tück des amerikanischen Kapitäns Brown, in einem Segelboot den Atlantischen Ozean zu überqueren, erfährt.Mn jetzt, daß der britische Dampfer „Greenbrier" den kühnen Fahrer auf 37,21 Grad nördlicher Breite und 42,45 Grad restlicher Länge angetroffen hat. Der Kapitän des „Greenbrier" ließ seinen Dampfer beidrehen und bewog Kapitän Brown, an Bord zu kommen. Die „Kolumbia" ist, wie dieser mitteilte, 19 Fuß lang, 6 Fuß breit und ganz gedeckt, außer dem Platz für die Steuerung. Nach der Abfahrt von Boston legte Kapitän Brown zuerst in Halifax an, um frisches Wasser einzunehmen, dann ging die Fahrt weiter. Am 6. September hatte er einen schweren Sturm zu bestehen, der das kleine Fahrzeug zum Kentern brachte, und den Kapitän in die See schleuderte. Nach mehrstündiger schwerer Arbeit, wobei er öfters in Gefahr war, zu ertrinken, gelang es Kapitän Brown, schwimmend sein Boot wieder aufzurichten. Mehr tot als lebendig arbeitete er sich wieder an Bord, war jedoch nun ohne Lebensmittel und Trinkwasser. Zuerst hatte er namentlich unter dem Wassermangel furchtbar zu leiden, später fiel aber starker Regen, und er konnte das Regenwasser in seinem Oeltuchrock auffangen, so daß er vor dem äußersten bewahrt blieb. Der Kapitän des „Greenbrier" bemühte sich, Kapitän Brown Non der Fortsetzung seiner Fahrt abzubringen, aber vergeblich. Nachdein sich letzterer hatte frisches Hammelfleisch, weiches Brot, etwas Tanwerk und einige Bücher geben lassen, sagte er Kapitän Blower und dessen Mannschaft Lebewohl und bestieg wieder sein kleines Fahrzeug, um seine Reise fortzusetzen, die, wie er zuversichtlich hofft, ihn nach Marseille führen wird.
<2» Russische Bahnbeamte als Diebe. Wie sich jetzt heraus, stellt, ist der kürzlich gemeldete Ueber fall auf deck Personen« zug Wirballen-Petersbnrg von den beiden Kondukteuren des Gepäckwagens erfunden worden. Die beiden braven Beamten wurden verhaftet, unter dem dringenden Verdacht, 14 Kassen, die sich im Gepäckwagen befanden, gestohlen zu haben.
A Ein entführter Millionärssoh«. Aus Newyork wird gemeldet, daß der dortige Millionär Wentz einen Brief erhalten hat, in dem ein Lösegeld von 100 000 Dollar für die Freilassung seines Sohnes gefordert wird.. Der junge Wentz ist von Räubern entführt worden und wird jetzt in einem unmegfamen Gebirge von ihnen festgehalten. Streifen, me 1000 Mann mit Hilfe von Bluthunden unternommen haben, brachten bis jetzt keinen Erfolg.
Bunte Chronik. Bei einem Siabrennen in Mainz fuhr ein Motorzweirad aus der Bahn ins Publikum. Sechs Personen wurden schwer verletzt.
— Bei Prämnitz scheiterte ein Kahn auf der Warte. Von den Insassen fanden vier Männer und eine Frau ihren Tod in den Wellen.
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Korporalschast zugewiesen. Zur Sicherung der Straße Orleans—Paris wurde das Regiment am folgenden Tage mehr nach Westen hin dirigiert. Vom 17.—-22. November bezog die 7. Kompagnie in dem Orte L^onville Quartiere. Lèonville bestand aus einer Reihe sehr großer Bauernhöfe, und die Besitzer waren offenbar sehr wohlhabend. Bald war man denn auch überall mit Braten und Kochen beschäftigt. Hier hatte ein Soldat ein Huhn, dort ein anderer eine Ente. Es wurde auch ein Kalb geschlachtet, woran Feldwebel Bruchhäuser und die bei ihm untergebrachten Unteroffiziere und Mannschaften ihren Anteil erhielten. Man war zu einem alten alleinstehenden Bauern inS Ouartier gekommen und mußte sich sein Essen selbst zubereiten. Von dem vielen Braten und Kochen in dem offenen Kamin hatten die Balken des Fußbodens Feuer gefangen und fingen in der Nacht an zu brennen. Die darunter im Stalle stehenden Pferde der Ulanen wurden von den glühenden Kohlen überschüttet und schlugen wütend um sich. Nach einiger Mühe gelang es indessen, den Brand zu loschen, doch gingen von den Pferden zwei zu Grunde. Trotz deS Bitten deS alten Wirtes, doch bei ihm zu bleiben, mußte Bruchhäuser mit seinen Leuten sich doch ein anderes Quartier beim Maire des Ortes beziehen. Vom 22.-28. November lag das 2. Bataillon in Oison in Quartier und hatte Vorpostendicnst zu leisten. Hier standen bereits braune Husaren, die das Erscheinen der Infanterie mit Freuden begrüßt n, weil sie allein den Plänkeleien deS Feindes zu sehr ausgesetzt waren.
(Fortsetzung folgt.)
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