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Donnerstag, den 26 November 1903
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Postzeitungsliste No. 3N8.
Ätbeftien und Erveditton: Gießen Neuen»«! 88.
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fär Oberhesseu und die SW Marburg und Wetzlar; Lokalameiger für Gietze« und Umgebung, amtliche» Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden »o» Oberhess«.
Die Rückkehr der deutschen
. - - Südpolar-expeditioii hüt brn Reichsbehörden und der Stadt und Universität Kiel Äeraulassung zu offizieller Begrüßung und freudigen Feiern »gegâ'n. Aus Kiel wird uns darüber unter gestrigem Datum solgeiwdes geschrieben:
Bormittags fand an Bord des bei Holtenau liegenden kitschen Südpolarschisses „Gauß" eine Begrüßungsfeier statt. Vom Reichsamt des Innern war Unterftaatsfcfretär fr. Hopf erschienen, der die Expeditionsmitglioder namens der Regierung begrüßte. Professor v. DHgalski dankte für das Vertrauen, das man der Expedition von vornherein ent gegen gebracht habe und schilderte in kurzen Zügen den Ver lauf der Expedition. Der Rektor der Kieler Universität, Professor Baumgarten, begrüßte die Mitglieder namens der Kie ler Universität, der Stadt Kiel und der Bürgerschaft und bib sie zu einer Feier ein, die dann abends im Hotel Düstern hroot stattfand.
Ter Begrüßungsfeier wohnte auch Prinz Heinrich von Preußen bei, der sich längere Zeit mit dem Führer der Ex pebition unterhielt und die inneren Räume des Schiffes in Augnlschein nahm, ferner der Oberwerftdirektor Vizeadmiral M:?l. Das kleine Schiff hat die Stürme der letzten Tage auf der Nordsee vorzüglich überstanden. Es hat durch die vorherrschenden westlichen und nordwestlichen Winde die letzte Strode feiner Heimreise überraschend schnell erledigt, da es ttomäfiig erst zum 1. Dezember in Kiel eint reifen sollte. Am Ä5. August 1901 verließ der kleine Tampsschcncr von <150 Können die Elbemündnng, am 21. November 1903 ist er dort wieder ein gefahren. Unversehrt ist das Schiff und mobl blhokiten sind die Männer, die es trug, und denen es m Ümmb der L7 Monate als Wohnung biente, zurückgekehrl. E wird
Dieses Resultat ist für beide wackeren Forscher, Norden sksöld und Drygalski, betrübend, aber nicht entmutigend. Unter günstigeren Verhältnissen hätte Professor Drugalski bei der von ihm bewiesenen Umsicht ;mb Tüchtigkeit uueud lich mehr erreichen können. Das ist die Meinung kompetenter Kreise. Aber auch das, was er mitbringt, ist der Müden und Gefahren nicht unwert, die er und die Braven, die ibn be gleiteten, im Kampfe mit den Eisriesen des südlichen Polarkreises überstanden haben. Den wackeren Pionieren der Wissenschaft ein warmes Willkommen im deutschen Vater lande!
48stüudigen Wasfenstillstandes die Feindseligkeiten wieder aufnähmen, würde die Unabhängigkeit Domingos gefährde! sein. Das heißt, Onkel Sam würde den kleinen Niggerstaal in seine weiten Taschen stecken. Da die Beschießung tatsächlich während der Wafsenstillstandsfrist vorgenonunen wurde, 4* wird die Union wohl nicht zögern, ihre Ankündigung wahr 4 zu machen. Um so weniger, als die Aufständischen'auch einen 's
öllgrniein bedauert, daß das wackere Schiff für eine fort IMitig ber deutschen Südpolarforschung nicht mehr in /m sttuah genommen werden und voraussichtlich an den kann disâeu Kapitän Bernier Versauft werden wird, der vom nuir sim Sommer ab die Nansensche „Frain".Reise zur Erreichung te Mordpols wiederholen mirb.
(Eigentlich sollte die „Gauß" länger in den antarktischen Geuvässeni Den veilen. Bei der Ausrüstung der Erveditiou Ivar von vornherein mit der Möglichkeit, ja Wah'rscheinl'ch feit gerechnet worden, daß sie zwei, auch drei lleberminhüun !ien durchmachen müßte. Als Ende Mai die N'achrußi von 6er Heimkehr der Expedition einlief, war, wie erinnerlich, idjotn ein Entsatzschiff von der Regierung angekauft, nachdem 6er Reichstag die Mittel in reichlicher Höhe für die Entsatz I»W bewilligt hatte. Es wurde daher in geographischen Pensen der Wunsch laut, der Befehlshaber der Expedition Wâlcke autorisiert merben, in Kapstadt auf das weite Schiff in warten und mit ihm zusammen noch einen zweiten Vor floß in die Südpolarzone zu unternehmen. Dieser Wunsch ' list tnuch dem Reichsamt des Innern übermittelt worden. hort MM man aber nicht darauf ein, da etatsrechtliche Schwierigsten eine zweite Expedition unmöglich machten.
Diesem mißlichen Umstände ist cs zuzusckrciben, menn bi;
bi fite n fd^af tli die AuMeute her Expedition nidit so
cks inan anfangs gehofft hatte.
ist.
laiibciitbcdungrii er
beifen sich nach dem soeben vom Berliner „Institut für Meereskunde" herausgegebenen Kartenmalerial viel weniger ^hrädjtlid), als die ersten Meldungen erwarten liegen. Ueber bie kleine Posadolvskv Bai, d. h. über eine Strecke von 20u Kilometer, hinaus ist die Küste durch Schlittenreisen nicht ^tschleiert worden. Man entnimmt der Karte auch, daß 6ie Ansicht, Wilkes' Terminationland existiere nicht, und Say mi der deutschen Expedition gefundene Lmid müsse daher inen neuen 9camen erhalten, kaum begründet ist. Das Ter liiiniatiÄanb unserer bischerigen Karten liegt etwa unter 91 Grad ö. L. und 67 Grad s. Br. unb die von der deutschen ^oebition vorgefiinbcne Küste in derselben Breite und nahe fit in derselben Länge (93 Grad), so das; der Positionsunter chiied nur 40—50 Kilonleter beträgt.
Ein allerdings schwacher Trost für die deutschen Südpolar Irscher mag es sein, baß auch die Nordenskjöldsche Erpeditivli :iid)f viel weiter vorgedrmtgen ist. Baron Nordensksöld hat aus einer Schlittenreise über König Oskar Laud 66 Grad iü Midier Breite erreicht. Vom Beginn der Reise an hatte sein Schiff „Antarctic" infolge der Beschaffenheit des Eises zahllose Schwierigkeiten zu überwinden, ein Dezember 1902 [raf die Expedition an dem Branssielsberge in Louis Philippe Lmnd ein. Nordensksöld verließ hier das Schiff mit einer ffainen Anzahl Teilnehmer der Expedition, um nach dem SAow-Hill zu wandern. Inzwischen fuhr die ,.Antarctic" nach der Erebus and Terror-Bucht weiter, wo sie durch Eis zeecmalmt wurde und unterging. Kapitän Tarsen und die Wrigen Teilnehmer der Expedition erreichten nach einer ge iäihrlichen Seefahrt in offenen Booten, die 16 Tage dauerte, te? Paulet-Jnsel und trafen schließlich beim Snow-Hill wie ter mit Nordensksöld zusammen. Die wissenschaftlichen Re iimltate der Nordenskjöld-Expedition werden sich nach allein Mrs man bisher aus Buenos Aires hört, wo das argentmifd). ölriegsschiff „Uruguati", das die Expedition ausgenommen Host, die dieser Tage erwartet wird, wie die der deutschen in lmrbältnismäßig geringen Grenzen bewegen.
Die Politik.
0 Die Reichsregierung beabsichtigt, die Frage der Entschädigung unschuldig Verhnfteter jetzt bureb eine Gesetzes Vorlage im Reichstag zur Erledigung zu bringen. Allerdings sind die Verhandlungen darüber bei den einzelnen Bundesregierungen noch nicht abgeschlossen. Eine solche Vorlage bürste im Reichstag kaum auf Widerstand stoßen und auch im Volke allseitig mit Genugtuung ausgenommen werden.
»k« Die Verlängerung des Militärgniuqneuuats um ein Jahr wird die Reichsregierung beim Reichstag beantragen. Dies erfährt unser LV.-Mitarbeiter aus bester Quelle.
+ Aus Trier verlautet, Bischof Kvrum luuUt obdanken Damit soll auch der jüngste Besuch Kardinal Fischers in Trier Zusammenhängen.
4* Eine in Neustadt a. O. abgehaltè Versammlung^ dei thüringischen und sächsischen Lederfabrikanten hat beschlossen die Lcdcrpreisc für sämtliche Sorten abermals um 5 Prozen zu erhöhen. Tic Versanunlnng sprach sich, fern?r einsünuni für die Gründung eines Gebers artcus aus. An Gegen maß regeln der Lederverbraucher ■ wird es kaum fehlen.
^- Gras Tisza bereitet sich eifrig auf einen Iwinädun - Kumpf mit der widerspenstigen ungarischen Oppositic! vor. Zunächst hat er vom Kaiser Franz Jose weil gehende Vollmachten zur Bekämpfung der Obstruktion er halten. Vorläufig wird eine bedeutende Verlängerung de Sitzungsdauer des Abgeordueteubaufes, mahrfcbeinlidi an 10 Stunden täglich, versucht merben. Tie Auflofuug be Hauses wird erst Ende des Jahres in Erwägung kommen Tisza hat zu einer sofortigen Auflösung des Hauses um ' weniger Veranlassung, als auch die katholische Voftsvartti neuerdings sich nur noch schwach an der Obstruktion beteiligt nachdem ihre beiden Präsidenten, Graf Zichy und Rakovsftv den Vorsitz niedergelegt haben.
-O: Wie schon öfters, so liegen sich auch jetzt wmber di. österreichischen und die italiemschen Srndcuten in ^nnsbrnä in den Haaren. Tie Italiener verlangen italienische Vor lcsungcn an der Universität Innsbruck, ein Verlangen, da. die österreichische Regierung abgelehnt hat. Daraufhin er klärte sich ein italienischer Univerfitätspvofci’or, de Guber natis, bereit, nadi Innsbruck zu kommen und einen Znklns von Vorlesungen in dem Innsbruck benachbarten Tue Wilt.'n zu halten. Bei seiner Ankunft-verbot ihm die Behörde bte Veranstaltung seiner Vorlesungen. Infolgedessen kam i; zu größeren Studentemmruhen, die schließlich noch ein blutiges Nachspiel hatten. Als die Italiener ihr Beriamm lungslokal in Wilten besetzten, wurde das Bild des Kaiser: Franz Josef mit den Landes- und Reiwsiarben herabgerissen und durch eine Büste Dantes und die italienische Trikolore
Bruch des Völkerrechts fub haben zu schulden kommen fassen. Sie haben nämlich auf die im Hafen liegenden fremden Leichterschiffe gefeuert. Ein Tamofer der Hamburg Amerska-Wnie, der Munition für ein Fort der Regierung auslud, erwiderte das F e n e r, um die Löschung der Ladungen zu erleichtern.
Staatsanwalt und Verteidiger.
Wir erhalten folgende Zuschrift^ Der polnische Kindes- mrterschiebungsprozeß hat neuerdings die Diskussion über eine Frage wieder eröffnet, die schon oft genug Gegemwnd des Interesses war: die Rechte nnd Befugnisse des Slaais anwalts und der Verteidiger unb ihre wechselseitigen Bc giehungeu zu einander. Wieder einmal ist der Vertreter her öffentlichen Anklage mit dem Anwalt des Beklagten Hart an - einander geraten; wieder einmal hat der eine bem andern, und dann der anbere dem einen den Vorwnrf gemacht, bm; er seine Rechte überschreite. Dieses Schauspiel ist durchaus nicht neu: fast in jedem Rconstreprozeß erleben mir das Gleiche. Aus dieser einigen Wiederholung aber ergibt sich wohl allein schon die Gewißheit, daß hier eine Lücke sein muß, die von Paragraphen nicht überbrückt merben kann, die nur durch den persönlichen Takt der einzelueu Faktoren beseitigt zu werden vermag.
Der öffentlidie Ankläger im Kwilecki Prozesse hat entart : die Staatsanwaltschaft sei die „objektivste Behörde". Unb ebenda behauptete der Verteidiger der .sbauptmigeUagü a, daß der Staatsanwaitfcbaft so viel mehr Rechte 311 stäuben, als der Verteidigung- daß sie dadurch allein schon das Hebei*’ gewicht über diese erhielte. Beide Thesen bedürfen denn doch der fnttfeheu Kommentare. Zweifellos ist die Institution des Staatsanwaltes in die Welt gesetzt worden mm Zwecke der Anklagebegrimdung auf der Basis objektiver Thatsachen - betrachtung. Leider aber hat sich mit der deit eine Praxis hercursgebildet, welche den Schwerpunkt dieser Funktionen verschiebt, und daraus hinausläuft, um jeben Preis die Schuldfrage zu erweisen, und, menn es nicht zweifelsfrei gelingt, sie doch wenigstens mit solcher rhetorischer Wucht auf zu rollen, daß den Laienrichtern ordentlich warm ums Herz wird. Es soll damit beileibe nicht etwa gesagt merben, daß
die Zustände von Brieux anivalt die Verurteilung
„Roter Robe", wo dein Staats- ieiner „Klienten" geradezu selbst
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ersetzt. Die ^ecbt verlief sehr stürmisch.
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eilten gtidum einem Heerlager. Polizei und Gendarmer suchten die Ordnung ausrecht zu erhalten, da viele Studenten fortwährend durch die Straßen zogen. In einem Kane - hause kam es zu einer Prügelei, wobei ein Deutscher von einem Italiener mit bem Messer gestochen wurde, Herr Gubernatis hätte eine solche Wirkung seines unerwünschten Besuchs wohl voraussehen können.
A Die französische Regierung hat beschlossen, den Haien von T i e p p e in den Stand zu setzen, um bei der Beförderung von Reisenden aus der Schweiz und Italien die beut s di c Konkurrenz besser bekämpfen zu können. Glück zu!
W In Petersburg sind Privatnawrickuen an Peking eingegangen, wonach der Vizekönig B 11 a n s di i i a bem Kaiser von China gemeldet bat, daß er bereit sei, dc. Russen tu der Mandschurei den Krieg zu erklären; Gener. Mab sei bereit, mit 18 000 Mann in Schanbaikwan ein. Zurückeu. Wenn die Meldung zutrisft, was wir bezweifeln so zeigt sie, daß die Chinesen noch immer nicht genug ar europäischen Denkzetteln haben. Die Russen würden ihn. wohl gehörig heimgeigen.
= Der Sieg der Aufständischen in Santo Domingo schein! jetzt vollständig, aber er wird ihnen nichts nutzen; sie scheinen damit nur die Unabhängigkeit ihres Landes verwirkt zu haben. Nach mehrtägiger Beschießung durch bk Aufständischen hat die Hauptstadt Santo Domingo kapituliert Präsident Wos-y-Gil und die Minister haben sich geflüchtet wie es heißt, an Bord des im Hafen liegenden deutschen Schisses. Der amerikanische Geschäftsträger in Santo To mingo, Powell, hatte nun aber den Führern der Aufständi scheu erklärt, falls sie während des am 23. vereinbarten
zweck ist, auch bei uns 311 Lande herrschend wären, aber ein Stückchen Ehrgeiz scheint auch in Deutschland so mancher Staatsanwalt dahinter zu suchen, möglichst viele von den Angeklagten auf Nurnero Sicher zu bringen. In solchen Fällen kann dann nakürlich von einer wirklichen Objektivität nicht wohl mehr die Rede sein.
Was die Behauptung des Verteidigers in dem polnischen Prozesse über die größeren Rechte des Staatsmnvalts betrifft, so liegt es in der Natur der Dinge, daß der Vertreter der Anklage früher über die Einzelheiten aus den Akten informiert sein muß, als der Verteidiger, und freieren Zutritt zu ihnen haben muß, da er ja der Informationen des Angeklagten entbehrt. Ist der Staatsanwalt wirklich eine „objektive Behörde", kann das der Verteidigung auch höchst gleichgültig sein, da sie dann in ihm ja nur eine wirksame Stütze ihrer eigenen Rechtsvertretung sehen müßte. Aber ganz abgesehen davon entbehren diese größeren Befugnisse des Staatsanwalts auch keineswegs der Begründung, zumal in unserer Zeit nicht, wo sich die Kriminalisten unter den Anwälten die oratorische Rührung der Geschworenen zur Spezialität erwählten und vielfach, wie es Fritz Friedmann als Muster getan hat, in ihrer Verteidigung alle theoretische Juristerei beiseite lassen, um nur ja um so direkter auf Herz und Gefühl der Geschworeneti loszugehen und ihren Verstand und ihren Sinn für das schmucklose Recht möglichst weit zu umschiffen. Gegen diese vom Gesetzgeber durchaus nicht gewollte Ausübung der Redefreiheit bildet die größere Rechtsund Bewegungsfreiheit des Staatsanwalts also nur ein berechtigtes Gegengewicht, zumal die Synipathie der Geschworenen erfahrungsgemäß gleichfalls mehr der Verteidigung zuneigt, als der Anklage.
Faßt man alle Gesichtspunkte zusammen und zieht man das Fazit, wird man sagen müssen, daß die gegenseitigen Vorwürfe zwischen Staatsanwalt und Verteidigung durch äußere Mittel nicht beseitigt werden können. Ist der Staats anwalt wirklich objektiv, wird er kaum die Verteidigung zu energischer Gegenwehr reizen, und erspart sich die Verteidigung die Spaziergänge aitf suggestivem Gebiete, wird sie ihrerseits auch kaum über scharfe Ausfälle der Anklage- behörde zu klagen haben. Im Interesse des Rechts wäre es jedenfalls äußerst wünschenswert, wenn hier ruhige Sachlichkeit an Stelle leidenschaftlicher Erörterung trete.
Ein Jurist.
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