M^ jr 226 Zweites Blatt
Samstag, den 26. September 1903.
ilbeaaemeatSpreis : in Gtchen, abgehoU monatlich bn Big., il'S Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen vierteljährlich Mk. 1.50.
ßratiSbetlage« : Oberhesfische Familienzeitvvg (täglich) vberhèsfische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst -arte-vau, sowie die Gießener Seifenblasen (wäcken lich).
DaS Blatt erscheint an alle« Werktagen nachmitag^
Redaktton und Erveditton: Gießen Neuenweg 28. ^er«,precha«fchl»st Rr, »SH.
len
_____________12. Jahrgang.
2»,rrlio»o'prei »t Die einspalttge Petttzeile für Gießen wie ganz Cbcvbeffen, bie Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonst lo Pfg.,- Reklame« die Petttzeile 30 resp. 40 Pfg.
Postzeitungsliste No. 3969.
(Gießener Tagevkatl)
Unabhängige Tageszeitung
(Gießener Jett«««)
MHG
für Oberhessen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lotalanzeiger für Gießen und Umgebung. Evthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Grosch. Bnrgenneist.rei Gie^n unb anderer Behörden von Oberhessen.
olk
Kleins findet
Ptembev
Vermischtes.
t [175 Kilometer in einer Stundet haben die Versuchs- , j'lge der Studiengesellschaft für elektrische Schnellbahnen auf I der Müüäreisenbahn zlvischen Marienfelde und Zossen er° rciajt. Trotz dieser fabelhaften Geschwindigkeit bewährten och der neue Oberbau der Militäreisenbahn und die Einrichtungen des Schnellbahnwagens vorzüglich. Nach den ; gemachten Erfahrungen wird die Hoffnung ausgesprochen, es ohne Gefahr für den Betrieb auf 200 Kilometer in der ' Stunde bringen zu können.
-ptrmbr« »csti Zauber von „zweierlei Sitdj"] hat sich in Leipzig Meder einmal drastisch erwiesen. Die 134er, die bisher in Wh!™™ x ^ipzig Goytis lagen, kommen am 1. Oktober nach Plauen Nch LScgtl. Diese Woche haben in Leipzig bereits 24 Dienst J Des gcfanitcni mdchen ihre Koffer gepackt und sind nach Planen abgereist, Schauturnen, M P/F ' ' 1- Oktober haben nun noch 85 ihre Ankunft dort ^ünz. Abend« "Mliindlgt. „Ja treu ist die Soldatenliebe!" In Plauen ein Feuerwerk, vcibtjimn sich schadenfroh die Hände, weil nun der Mangel ------ o? d-tastbaren Geistern dort beseitigt wird. Die Leipziger
I— W ^it^mucn. bie überhaupt kaum noch alle Küchenämter be
. scheu konnten, werden durch diese Massenauswanderung von Lederen Dienstmädchen vielleicht in eine kleine Notlage kommen.
Ismet
ihne jegliche W oser Sitz W längen oder Um: ba durch eint
ibfu^len.
und stilgerechten
D lDaS MupcrinterviewZ Ein Mitarbeiter der „Wiener Morgen-Zeitung", dem der Schalk im Nacken sitzt, veröffent licht folgendes „hochwichtige" Interview mit einem hervor ragenden Staatsmann. Ueber die Lage befragt, antwortet dieser: „Die. Lage ist ernst (mit Betonung), sehr ernst. Ja, ich möchte fast sagen, außerordentlich ernst." — „Wird ein Ausweg, der alle Teile befriedigt, zu finden sein?" »Darauf kann ich Ihnen weder mit „Ja", noch mit „Nein", noch mit „Ich weiß nicht" antworten, denn das letztere sage ich prinzipiell niemals." — „Welches sind Ihrer Meinung nach die nun unumgänglich notwendigen Schritte?" — Staatsmann (nach langem Nachdenken, entschieden): „Ja!" - „Wird cs zu ernsten Konflikten kommen oder wird die Sache noch friedlich beigelegt werden?" — „Ich glaube, daß ich hierüber nach Erledigung der Krise erschöpfende Aus- luuft werde geben können." — „Und wie denken Sie persönlich über bis brennenden Fragen?" — „Gar nicht, weil eS mich ziemlich anürengt . . . aber dies eine ermächtige ich Sie. Ihren Lesern mitzuteilen: Wie immer die Sache auS- geben ma^, ^ werden mit diesem Ausgang entweder alle goDer einige ober gar niemand zufrieden sein!"
A Igelit Arzt — zu in Holzarbeiter. 1 Eine grelle Jllustra - lion zu ?rm wiederholt erwähnten Elend des österreichischen ^erzleswndrs bmiei folgende Mitteilung der „Wiener Hoch „Wie uns ans hiesigen ärztlichen kreisen wüg-witi wird, war cm D.cktor der Medizin gezwungen, um sich und seine Family v^r dem Hunger schützen
zu fönren, c
lonb nab spcz
•’t uuler^t'N ducten Arbeiterposten in einer tchmen." — Uebru.CLë ist auch in Deutsch- ■tl in den Großstädten vielen Aerzten ein
firiiflhßsSi
ßahaäMJ»'
trauriges Los bcsch irden.
H l Originelle T stamcutsklauselZ In Rainch (Departe ment Sei::e-ct-One) starb vor einigen Tagen ein reicher Bankier, ^tx Morel, der der kleinen Genrein de testamentarisch eine bedeute s° Summe hinterließ, die sie jedoch nur dann erhalten mute, wenn sie sich bereit erklärte, eine etwas eigenartige Bedingung zu erfüllen. Der Verstorbene hatte nämlich kurz vor seit Tode ausdrücklich bestimmt, daß sein Leichnam feier' drei Stunden durch die Straßen der
Stadt spazieren ge uhrt w eben müsse. Was tut man nicht um des lieben Geldes willen? Und so beschloß denn auch die Gemeinde Raincy, den seltsamen letzten Willen des Herrn Morel zu erfüllen. Drei Stunden lang zog der Leichenzug mit Musik und Fahnen dnrch die engen Straßen des Städt chens, zum großen Jubel der Kinder und der Gaffer. Jetzt kann Raincy die anständige Erbschaft in Ruhe genießen.
A lEin neuer GeueralissimusZ Ein Herr in glänzender, aber gänzlich unbekannter Uniform lenkte dieser Tage auf dem Pariser Boulevard die Aufmerksamkeit der Menge auf sich. Der rote Mantel, der den Krieger gar prächtig schmückte, hätte selbst einem Nero Ehre gemacht; der graue Hut mit der leicht nach oben „gestülpten" Krämpe war mit weißen Federn verzieret und machte einen echt „transvaalschen" Eiw druck, und der krumme Säbel, der direkt aus dem „Premier Empire" ererbt zu sein schien, versprach wunderbare Kriegstaten. Wer war der geheimnisvolle Kriegsmann? Auf die Fragen eines neugierigen Journalisten antwortete der gebräunte, junge, stattliche Held: „Ich bin Loberdesgue, Generalissimus der Truppen Sr. Majestät des Kaisers der Sahara l" Einige Tage später brachte der neue Minister Sr. Maj. Jacques I. persönlich den Zeitungsredaktionen zwei Exemplare der neuen Photographien. Sie übertrafen selbst die kühnsten Erwartungen.
cf kDns mörderische NationnlsestZ Wie eine soeben veröffentlichte amerikanische Statistik nachweist, hat die Feier deS diesjährigen Nationalfestes am 4. Juli, die hauptsäch- lich in der Abbrennung von Feuerwerk besteht, den Tod von 466 Personen zur Folge gehabt, während 3983 andere mehr oder minder schwer verletzt wurden. Das ist kein Freudenfest mehr, sondern eine mörderische Barbarei, die staatlich verboten werden müßte.
£J Es wird lustig weiter gejeut — nämlich in Altenberg, trotz der eben erfolgten offiziellen Aufhebung der Spielbank. Um den Bestimmungen der Code pénal zu genügen, spielt man einfach in „Zirkeln" von je 20 Mann, wie wir aus Aachen zuverlässig erfahren. Tatsache ist auch, daß der Direktor und die Angestellten der aufgehobenen Spielbank noch in Altenberg weilen und sich dort teilweise niedergelassen haben. Auch sind noch zahlreiche Mitglieder der früheren Spielbank in Altenberg anzutreffen.
= l„Des Kaisers neue Egeria.") Die englische Presse liebt es, in Forni von Anekdötchen oder Scherzchen hin und wieder Klatschgeschichten vom Hof des deutschen Kaisers in die Welt zu setzen. Der Leser will es, und die Zeitungen gehorchen. Noch ist die von dieser Presse vollzogene Ernennung des Prinzen Eitel Fritz zum König von Ungarn unvergessen, und schon haben die „World" eine neue Sensation die um so wirksamer sein dürfte, als hier das Ewig Weibliche eine gewisse Rolle spielt. Unter dem verheißungsvollen Titel: „Des Kaisers neue Egeria" veröffentlicht das Blatt eine Betrachtung über die Beziehungen Kaiser Wilhelms zu den Frauen im allgemeinen und zu der P rin- zessin W aldemar von Dänemark im besonderen. Der Kaiser, das verrät der Verfasser, sei höchst beflissen, die dänische Prinzessin für die kommende Wintersaison an Berlin zu fesseln unb von ihrem scharfen politischen Urteil Nutzen zu ziehen. Die Prinzessin habe niemals daraus ein Hehl gemacht, daß sie in dem deutschen Kaiser das Ideal eines Souveräns erblicke, und wie sehr man ihr das auch am dänischen Hofe verüble, sie benütze jede Gelegenheit, um ihre Sympathie für Kaiser Wilhelm zu bezeigen. Es habe eine Zeit gegeben, da Prinzessin Waldemar Deutschland
SM
gegenüber eine sehr wichtige, und zwar feindliche gespielt habe, das habe sich, soweit sie in Betracht komme, gründlich umgewandelt, und man könne nicht wissen, inwie weil ihr namentlich dem deutschen Kaiser sympathischer Einfluß in Staatsaktionen sich noch sühl bar machen werde! Bekanntlich ist Prinzeß Waldemar eine geborene Orleans, die Tochter des Herzogs von Chartres. Mit ihrer Deutsch- freundlichkeit dürfte es also nicht weit her sein.
§ Im Gnesencr Fluchtbegnnstignngsprozesr beantragte der Staatsanwalt gegen sämtliche vierzehn Angeklagte Freiheitsstrafen voll einem Monate bis fünf Tagen, da Geldstrafen doch auS den polnischen Fonds gedeckt würden. Gegen Koscielski wurde ein Monat beantragt, weil er der rührigste und geschickteste polnische Politiker sei.
** Für angehende Schiffsjungen ist eine Nachricht aus Hamburg von großer Wichtigkeit. Die Aktiengesellschaft Alster, die nur mit Segelschiffen die transatlantische Schifffahrt betreibt, bietet ihnen jetzt nach dein Vorgänge der Deutschen Schulschiffsgesellschaft Gelegenheit zur feemän- Nischen Allsbildung. Auf der Viermastbark Alsterberg, die 3276 Tonnen faßt, ist Naum für eine größere Anzahl Schiffsjungen geschaffen worden. Sechzehn Jungen wurden zu einer Reise nach Kalifornien angemustert. Es ist and) dafür Sorge getragen, daß die Jungen an Bord unterrichtet werden; sie werden infolgedessen nur ganz kurze Zeit auf der Steuermannsschnle zu verbringen brauchen, um ihr Steuermanns- (Offiziers-) Examen bestehen zu können. Das Gesetz fordert nicht den Besuch einer Schule, sondern nur das Bestehen der Prüfung. Während die Seemannsordnung festsetzt, daß der Junge nach zweijähriger Dienstzeit auf demselben Schiff zum Leichtmatrosen befördert werden muß, wird die Alster-Reederei die Jungen bei guter Fi'ch- rung vertraglich nach den erst cm 12 Monaten zu Leicht- , matrosen und nach weiteren 12 Monaten zu Vollmatrosen befördern. Diese Bestimmung soll natürlicherweise nicht nur die Arbeitsfreudigkeit der angehenden Mannschaft wecken, sondern hat auch noch eine andere, sehr materielle Begleit- . erscheinung: denn die monatliche Heuer eines Schiffsjungen beträgt auf deutschen Schiffen bei freier Verpflegung 12 Mark, die Heuer eines Leichtmatrosen durchschnittlich 25 bis 30 Mark, die eines Vollmatrosen 65 Mark. Sämtliche acht Segler der Alster Gesellschaft sollen gleiche Einrichtungen erhalten. Uebrigens hat die deutsche Handelsflotte nur elf Segler über 3000 Tonnen, 25 über 2500 Tonnen. Dadurch war die Erfüllung der gesetzlichen Vorschrift, wonach von der zur Zulassung zur Steuermannsprüfung erforder- lichen einmonatigen Fahrzeit zur See mindestens 12 als Vollmatrose auf Segelschiffen zurückgelegt werden müssen, für den sehr erschwert worden, der nicht auf ganz kleinen (^rhrffnn Wwf^ unfairen wollte
= Einen Millioncupump hat Nikrta, der Selbstherrscher aller Tschernagorzen, bei — man sollte es nicht für möglich halten — beim Sultan, dem ewig in Geldnöten sitzenden Pumpgenie am Bosporus, angelegt! Daß Nikita pumpt, ist an sich nicht so verwunderlich: das gehört seit Herrn Milans glorreichen Tagen sozusagen zur südosteuropäischen Herrschertradition. Aber daß er gerade beim Sultan mit seinem Pumpversuch Glück hatte, daß er den Großherrn um nicht weniger als 1% Millionen Francs erleichtern konnte, ua§ ist das Wundersame an der Sache. Freilich, der Sultan hat die schönen Zechinen nicht aus eigener Tasche hergegeben, die Ottomanbank hat bluten müssen. Eigentlich sind es also die auswärtigen Gläubiger der Türkei, die die Zeche bezahlen müssen. .. .......
IU8 nPPl S Suppen- u.
Im â Kiichè 5vâktn hilft ”"ubi wür
■ I V 1 M 8 /I denn sie gibt den einfachsten Wassersuppen, schwacher Bouillon, allen
b Suppen- u. Speisen"
Man Verlange ausdrücklich MAGGTs Würze!
10 000 Mk. bar Geld E 1 Mk. zq haben. Ziehung garantiert 7. Oktober 1903 de r Deutsch-Kolonial en-Lotterie 2328 Sr Mk. 40000
Los 1 Mk., 11 L. 10 Mk.; Porto u. Liste 25 Pfg. empf.
J. Stürmer, Lott. -General-Agent, Strassburg i. Els. und alle mit diesen Losen kenntlichen Verkaufsstellen.
In^Giessen bei:
R. Buchacker ; W Semmler ; Ph. Weiler.
<<» Für Bäcker! <♦>
Brolpreis-Formulare hält stets am Lager
-■<-......Tnu. - ^ ------------- ------ die Expedition.
Saucen, Fleischspeisen, Gemüsen u. s. w. sofort kräftigen Wohlgeschmack.
Von der Reise zurückgekehrt habe meine Praxis für Zahn-, Mund-, Kieferkrankheiten, chirurgisch-zahnärztliche Orthopädie ■.— wieder ausgenommen. =- ■ Schwalm, Zahn-Arzt. Giessen, Bahnhofstrasse 63.
F Kalk- und Marmorwerke, Dampfziegelei,
I August Gabriel jr., Giessen
g Massenfabrikation. Bahnanschlüsse.
T Werke Abendstern. Telephon Nr. 84.
Restaurant zum Tannhäuser
Frankfurters. 8l. Gießen Frankfurterstr. 81. nächster Nähe der neuen Kliniken empfiehlt
seine geräumigen Lokalitäten, nebst Gartenwirtschaft zur gelegentlichsten Benutzung.
Guten bürgerlichen Mittagstisch. Zum AuSschanl kommt das berühmte Göbels Bier
Schönste Aussicht iuS Lahuthal. Flaschenbier ans Bestellung frei ins Haus.
Um gütigen Zuspruch ladet ein
Georg Kraft, Wirt.
LMLMLWLMMMLMAMLWLWA