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%. 147. Zweites Blatt

S^ONOMOUtspret-r in Gießen, abgchslt monatlich 50 Pfg., < Hau- gebracht 60 Psg., durch die Post bezogen viertel- jLhrlich Mk. 1.50.

8?âtiâbeUage«: Oberhesstsche Familie»zeit««a (täglich) tzSeohefstsche Zeitschrift für Laudwirtschaft, Obst- u«d WiwtOWbaL, sowie die Sietzeiter Seifeublafe« (wöchentlich).

Da- Blatt erscheint an eie« Werktage« »achmitagS.

Freitag, des 26. Juni 1903

Gießener

_______________12. Jawgang.

2«sertto«-prei S» Die einspaltige Petit-eile für Gieße« wie ganz Oberhessen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg.: Reklame« die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.

Postzeitungsliste No. MW.

Redaktion und Expedition: Gießen Neue «weg SS.

Ser«sKrecha«fchlUß Dr, -SG.

Deue^e WaHnchlen

(#e*iwr UageSktttr Nnabhângige Tageszeitung (Gieße«-» ?eit««O

für Overhessen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. E«thLlt alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberheffe«.

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Die Kieler Mocbe.

Die Kieler Woche, das bedeutendste Jahresereignis nn deutschen Segelsport,. erhUt dies Jahr außer durch die persönliche Anteilnahme des Kaisers ihre besondere An­ziehungskraft durch die Anwesenheit des amerikanischen Geschwaders. Aber auch was die rein sportliche Seite anbetrifft, wird die Kieler Woche diesmal besonders statt­lich verlaufen. Es haberr sich nicht weniger als 98 Jachten gemeldet, die um die vielen Preise, unter denen der Kaiser allein 12 stiftete, ringen werden. Der Kaiser hatte bei seinem Ein treffer: in Kiel auf der „Hohenzollern" ben amerika­nischen Gästen zu Ehren auch deren Flagge hissen lassen. Balo nach dem Kaiser, der beim Einlaufen in den Hafen von einer vieltausendköpfigen Menschenmenge und dem donnernden Salut der Flotte begrüßt wurde, traf auch die Kaiserin ein und nahm an Bord der „Hohenzollern" Wohnung. Abends war dort Familientafel, an welcher außer dem Kaiserpaar noch teilnahmen der Großherzig von Mecklenburg, das Prinzenpaar Heinrich, Prinz Adal­bert und Herzog Paul Friedrich zu Mecklenburg. Die ame­rikanische Presse begrüßt die Kieler Woche mit herzlichen Worten und hofft, daß das amerikanische Geschwader mit unverhohlener Bewunderung für die deutsche Marine heim­fahren und der Gastgeber diese Bewunderung erwidern möge. Heute (Freitag) Abend veranstaltet der amerikanische Gesandte in Berlin Mr. Tower in der Seebadeunstall ein Diner, an welchem das . Kaiserpaar, die zur Zeit in Kiel anwesenden Königlichen Prinzen und fürstlichen Per- fönen, sowie die höheren Offiziere und Spitzen der Be­hörden teilnehmen werden. Morgen wird Vizeadmiral v. Tirpitz in demselben Etablissement ein Fest zu Ehren des amerikanischen Geschwaders geben. Der Reichskanzler ist ebenfalls in Kiel eingetroffen.

Ehe der Kaiser sich gestern zur Regatta begab, stattet: er der Marineakademie und von dort dem Hafenschifi „Neptun" einen Besuch ab, um dort einen Vortrag übe: Funkentelegraphie zu hören. Der kleine Kreuzer „Nymphe wird mit „Neptun" wegen Telegraphie-Versuchs in Ver­bindung treten. Sodann inspizierte der Kaiser die Tor­pedo-Inspektion und begab sich kurz nach liy2 Phr nach dem amerikanischen Flaggschiff „Kearsarge". Sämtlich: amerikanischen Schiffe setzten im Großtop die deutsche Kriegsflagge und feuerte einen Sulut von 33 Schüssen.

Ueber den bisherigen Verlauf der Regatta wird be­richtet, daß den Reichen eine Binnenregatta des Kaiser­lichen Jachtklubs eröffnete, bei der in zwei Abteilungen bei flauem Nordost 28 Jachten starteten. Weiter fand bei gutem Wind die erste Wettfahrt der Sonderklasse-Jachten des Kaiserlichen Jachtklubs und des Norddeutschen Rc- gattavereins statt. Der Start laa bei Labö; cs erschienen

11 Jachten. „Samoa III" des Prinzen Adalbert startete nicht. Inzwischen ist das Rennen von Dover nach Helgo­land, das durch Windstille verzögert war, entschieden wor­den. Den Sieg errang die Jawl „Fiona," den zweiten Preis der Kutter „Fiona"; dritter wurde der Kutter „Ni- eandra", Vierter der Schooner „Adela".

Hus dem GembtsFaal.

§ Eine Raubmörderin hat sich heute (Freitag) vor dem Berliner Schwurgericht zu verantworten. Es ist die erst 23jährige Anna Raden, die Ehefrau eines Tischlers in Wei­ßensee, die dort am 28. Februar dieses Jahres eine Grei­sin, Frau Josephson, die im Ruf einer Millionärin stand auf barbarische Weise zu töten versuchte, um sie zu be­rauben. Sie wußte sich unter einem Vorwande bei bei alten Fran einzuschleichen und sie zu überfallen. Sic würgte und schlug sie dann erbarmungslos so lange, bis ihr Opfer keinen Laut mehr von sich gab. Sie durchstöberte dann die Wohnung, fand aber nur ein Portemonnaie mit elf Mark. Frau Josephsohn ist an den Folgen des räu­berischen Mordansalles lange schwer krank gewesen.

äUcirrc Gerichts-Chronik. In Breslau wurde die Erb- schaftsschwindlerin Postsekretärswitwe Anna Gottschling wegen vollendeten Betruges in 16 und versuchten Betruges in zwei Fällen zu zehn Jahren Gefängnis und 4800 Mark Geldstrafe oder weiteren zwei Jahren Gefängnis verurteilt.

— In Hamburg wurden der Direktor Holle von der verkrachten „Patriotischen Assekuranz-Kompagnie" und der Versicherungsgesellschaft „Kosmos" zu 1 Jahr 2 Mona­ten Gefängnis und 9000 Mark Geldstrafe, Prokurist Schulz zu 6 Monaten Gefängnis und 3000 Mark Geldstrafe ver­urteilt.

Vermischte 9,

^ s6in neues Hamburger Nationallied^ wird die alt: Volksweise „Roland der Ries' und Störtebecker" wahrschein lich werden. Bei der Kaisertafel im Rathaus wurde ndnr lich ein Marsch von Kapellmeister Steffens unter Benutzung, jenes Liedes zu Gehör gebracht. Auf Befehl des Kaisers mußte die Kapelle den Marsch sofort wiederholen, auch be­fahl der Kaiser, ihn auf der „Hohenzollern" zu spielen. Als Steffens Montag Vormittag seinem Kollegen Kapellmeister Wöhlbier auf der „Hohenzollern" besuchte, wurde er voin Kaiser angeredet. Der Herrscher wies daraus hin, daß die­ses alte Lied, der Störtebecker, den: Hamburger derart in Fleisch und Blut übergehen müßte, daß es „Hamburger Na- tionallied" werden müßte. Jeder Junge auf der Straße müßte den Marsch pfeifen," meinte der Kaiser.

□ sEin Knäblein aus Liliputs schien ein fünf Wochen altes Kind zu sein, das in der letzten Sitzung der Berliner medizinischen Gesellschaft vorgezeigt wurde. Es wiegt zur Zeit nicht ipehr als 810 Gramm und hat bei seiner Ge­burt kaum ein Pfund gewogen. Das kleine Wesen, dessen Mutter eine kräftige, normalgebaute Frau ist, sieht in sei­nen: Kissen aus, als wäre es einer Nürnberger Ruppen schachtel entnommen. Die zierlichen Gliedmaßen sind alt: regelrecht entwickelt, der Organismus ist gesund null es be­saht Hoffnung, daß das Heine Menschenwunder am Leben bleibt.

G'tJbsens Selbstkritik^ In Christiania wurde diese: Tage das Jbsensche Schauspiel „Peer Gynt" aufgeführt. Einen Tag nach der Aufführung wurde Jbfen, der noch immer schwer krank darniederliegt, von einen: alten Freunde besucht. Man sprach natürlich von „Peer Gynt", und der Freund bat Ibsen, ihn: den wahren Sinn des letzten Aktes, der ihm stets etwas dunkel und geheimnisvoll vorgekommen sei, zu erklären. „Nur Gott und ich," erwiderte Ibsen, wäh­rend ein boshaftes Lächeln seine Lippen umspielte, „haben das einmal gesucht und ... ich habe es vergessen!"

□ s Ehescheidungssintflut in Amerikas Eine amerika irische Statistik weist auf die furchtbaren Gefahren hin, dic die immer wachsende ScheidungssuchNn sich birgt. In zwan pg Jahren wurden über 500 000 Scheidungen in den Ver einigten Staaten ausgesprochen. Während derselben Zeit hat man in ganz Europa mit seiner Bevölkerung von 380 000 000 gegen 80 000 000 in den Vereinigten Staa ten nur 214 841 Scheidungen gezählt! Ueber anderthalb Millionen merikanische Kinder haben den Zusarnmenbruck ihres Elternhauses erlebt. Die Rechtsanwälte haben für ihre Dienste bei Scheidungen 100 Millionen Mark erhalten. Die Anzahl der Geschiedenen ist größer, als die Bevölkerung jedes der 25 Staaten und Territorien der Union.

□ kDie neue Kaiserin von Koreas, die, wie erinnerlich, mit großen Festlichkeiten zu diesem Range erhoben wurde, ist die Tochter eines armen amerikanischen Missionars. JH: junger Sohn ist zum Thronerben seines Vaters Ji häng ernannt worden. Lady „Emsy", wie sie bisher als Favo­ritin des Kaisers hieß, führt jetzt den Namen „Om", au; deutsch die Morgenröte, und wahrscheinlich wird auch in Wirk­lichkeit durch ihren Einfluß in Korea ein neuer Tag an- brechen. Sie ist die erste Amerikanerin, die eine Kaiser­krone trägt. Bisher brachten es Töck)ter Onkel Sams nur zu Herzoginnen, Fürstinnen und eine, Edla Hensler, aller­dings auch schon zur Gemalin eines Königs von Portugal.

Kurzes Allerlei. Der erste weibliche Rechtsanwalt Pom­merns hat sich in Falkenberg niedergelassen und dort seine Praxis eröffnet. Es ist ein Fräulein Dr. jur. Johanna Dittrich.

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Es ist Tatsache, daß die ersten Berühmtheiten der Kunst­welt sich gutachtlich übereinstimmend sehr günstig geäußert haben, z. B.: Lola Beeth, Emilie Herzog, Rosa Poppe, Helene Odilon, Ida Hiedler, Therese Rothauser, Italic Gräfin Vasquez, Clara von Küry, Charlotte Wiehe, Tilly Waldegg, Mia Werber, Bozena Bradsky, Fürstin Barjatinska, Cleo de Mérode und viele andere.

Es ist unmöglich, alle die glänzenden Anerkennungen ab­zudrucken. Es ist aber zweifellos Tatsache, daß diese hervor­ragenden Persönlichkeiten das beste Erteil haben müssen in einer Frage, die für sie von ausschlaggebender Bedeutung ist. Sollte diese Tatsache allein nicht genügen, um jedermann zu veran­lassen, sich die großen Vorteile der Anwendung der so überaus erfolgreichen, wirksamen Aok-Methode und Aok-Seife zunutze zu machen ?

Man sollte nicht zögern, sofort anzufangen.

Wilh. Anhalt G. in, b. H.f Ostseebad Kolberg.

Dekanntmachung.

Es wird zur öffentlichen Kennt­nis gebracht, daß folgende Personen zu städtischen Leichenwärtem und Leichenfrauen mit Wirkung vom 1. Juli 1903 ab bestellt worden sind;

Jost, Heinrich, Kop'ansgasse 10, Sperling, Konrad, toanb^affe36. Arndt Katharine, Kavlansg. 10, Dürr, Elise, Marklplatz 8.

Gorr, Katharine, Wolkengasse 17. Lchuchhardt, E, Katharineng. 9, Wacker, Johannette, Mühlg. 19.

Gießen, 23. Juni 1903.

Der Oberbürgermeister Mecum.

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