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£ Folgenschwerer Nebermut. Ein unüberlegter frivoler Lcherz Hut in Stöpen (Ostpreußen) drei Menschenleben vernichtet. Zwei junge Mädchen im Alter von 17 und 18 Jahren badeten in der Gilge. Plötzlich kam ein Ar­beiter M. hinzu und wollte die Mädchen ängstigen. Diese gingen nun weiter in den Fluß hinein, den M. bittend, sie doch in Ruhe zu lassen. M. achtete jedoch nicht darauf, sondern folgte den Mädchen immer weiter. Plötzlich ge­rieten beide Mädchen in eine tiefe Stelle und versanken. M., der nun sah, was sein Leichtsinn angerichtet hatte, versuchte die Mädchen zu retten, wurde jedoch von ihnen mit in die Tiefe gezogen. Alle drei ertranken. M. war verheiratet unb Familienvater.

$ Ans Furcht vor Tollwut erschossen Hut sich der Gast- iuirt W....... zu Altenbochum. W. war vor mehreren Wochen von einem tollwütigen Hunde gebissen worden mit hatte sich in der Berliner Tollwntstation der Schutzimpfung unterzogen, und wurde von dort vor etwa 14 Tagen als geheilt entlassen. Der Gedanke indessen, daß die furchtbare Krankheit doch noch einmal bei ihm ausbrechen könne, versetzte ihn in solche Aufregung, daß er zum Revolver griff und durch einen Schuß in die Brust seinem Leben »in Ende machte.

= Der gepfändete Tenorist. Großes Aufsehen erregt in Krakau das plötzliche Verschwinden des Operntenoristen Myszuga. In der Hotelwohnung Myszugas erschien eine Pfändungskommission, um den Opernsänger wegen Alimen­tationsraten in der Höhe von 8000 Kronen, die er seiner geschiedenen Frau schuldete, zu pfänden. Hierbei wurde im Koffer ein mit Banknoten gefülltes Portefeuille gefunden. Myszuga zog einen Revolver hervor und bedrohte die Pfän­dungskommission, welcher es jedoch gelang, dem Sänger dic Mordwaffe zu entwinden. Hierbei verschwand unbemerkter­weise das Portefeuille. Myszuga reiste mit dem nächsten Zuge ab. Der rabiate Sänger wird gerichtlich verfolgt.

^ Kannibalismus in China. Die furchtbare Hungers- not, die in der chinesischen Provinz Kwangsi wütet"und viele hunderttausende von Menschen hinrafft, hat nach einem Bericht des Gouverneurs von Hongkong zu furcht­baren Greuelszenen geführt. In Kweiping wurd-en über 1500 Gefangene, die todeswürdige Verbrechen begangen hatten, in Abteilungen von 10 bis 100 täglich hingerichtet, und mit ihrem Fleisch die leichteren Verbrecher gespeist. Wenn genügend von dieser scheußlichen Nahrung vorhan­den war, so eröffnete der Henker einen schwunghaften Wandel mit Menschenfleisch in der Stadt und Umgebung.

) Der Roman des Frcmdenlegionärs. Aus dem £mr.,< meister amt zu DcutschOth meldete sich dieser Tage 'ein herunter gekommen aus sehen der Mann, der nach seine Angabe vor kurzem aus der französischen Fremdeulegio- entlassen worden ist Er trägt einen betannien deutsch Adelsnamen, den der im Waldecksck^en ansässigen Frei Herren O., und stand früher als Offizier in bei deutschen Armee. Nachdem er wegen Unterschlagungen den Abschie erhalten, habe er sich so erzählte er vor Tange: Jahren für die Fremdenlegion antwrben lassen, mehrere Jahre in Madagaskar gebient und sei jetzt infolge einer Rankheit entlassen worden. Die französischen Behörden schafften ihn zunächst nach Lon^vy und schoben ihn von hort ohne jegliche Baarmittel über die Grenze ab. Der unglückliche Mann soll den Eindruck gemacht haben, al ob er in physischer und moralischer Hinsicht vollständig gebrochen sei.

^s Santos Dumonts lenkbares Luftschiff hat einen neuen gelungenen Aufstieg beendet, der um so interessanter war, als der Erfinder auf einem Teil der Fahrt von einem kühnen amerikanischen Knaben begleitet wurde, der seine Mutter so lange mit Bitten bestürmte, bis sie ihn mit sahren ließ. Dumont lieferte den Kleinen an derselben Stelle ab, wo er ihn in die Gondel ausgenommen. Zwei rndere Kinder baten dann, auch mit ihnen eine kleine Zahrt zu machen, die eben so günstig verlief.

Bunte Chronik. Das Lager des Konsumvereins Leip­zig-Plagwitz, des größten derartigen Unternehmens Deutschlands, ist durch Feuer gänzlich zerstört worden.

Nach Verbüßung einer 26jährigen Zuchthaushaft wurde der ursprünglich zum Tode verurteilte, dann zu le­benslänglichem Zuchthaus begnadigte frühere Oekonom khias aus Nolle, der am 4. September 1876 den Hand­lungsgehilfen Scholz ermordete, jetzt vom Kaiser völlig be­gnadigt.

In Karlsbad schoß der Württembergische Leutnant ). Res. Hoffmann auf seine Braut Frl. Künlin aus Stutt- zart, verletzte sie schwer und tötete sich darauf selbst.

Ergebnis der Stichwahlen.

K = Konservativ, Rp = Reichspartei, B = Bund der Landwirte, BB = Bauernbund, Fr Vp = Freis. Volk- Partei, Fr Ver = Freis. Vereinigung, DV = Deutsche Volkspartei, Nl = Nationalliberal, Z = Zentrum, NS = Nationalsozial, S * Sozialdemokrat, A = Antisemit, W = Welfe, P ----- Pole, E Elsaß-Lothringer.

Die Namen der wiedergewählten Abgeordneten sind mit einem * bezeichnet.

Hessen.

Wahlkreis Alsfeld-Lauterbach-Schotte« (bis. A.) Wallau (Nl) 8065, Bindewald (A) 6860 Stimmen. Wallau (N) gewählt.

Friedberg (Hessen). Wahlkreis Friedberg-Büdingen (bisher Nl) Graf Oriola (Nl) mit 4000 Stimmen Mehrheit gewählt.

Mainz (bish. Z) Dr. David (S) 15,479, Dr. König (Z) 12,629 Stimmen. Dr. David (S) gewählt.

O f fe n b a ch a. M. Dr. Becker (Nl) mit 1600 Stimmen Mehrheit gegen Ulrich* (S) gewählt.

Worms (bish. Nl.) Frhr. v. Heyl* (Nl) 16.000, Blum (Z) 7800 Stimmen, v. Heyl (Nl) gewählt.

Alzey-Bingen (bish. Fr. Vp.) Schmidt (Fr. Vp.) 10 410, v. Brentano (Z) 9080 Stimmen. Schmidt (Fr. Vp.) gewählt.

Bensheim (bish. Nl) Haas (Nl) mit 4000 Stimmen Mehrheit gewählt.

Hessen-Nassau.

* Im Wahlkreis Wetzlar-Altenkirchen erhielt Bürgermeister a. D. Krämer 14 330 und Breidebach (Ctr.

6553 Stimmen. Der Bezirk Rodheim-Krofdorf hat fast einstimmig für Krämer gestimmt.

. |j Soweit die Orte zu unserem Verbreitungsbezirk gehören, geben wir nachstehend die Wahlrcsultate aus dem Wahlkreis-^ tzlar-Altenkirchm.

Kraemer

Breidebach

Wetzlar

1272

203

Allendorf a/d. Lahn

90

12

Dutenhofen

164

Oberkleen

58

Niederkleen

82

Dorlar

114

Rodheim a. d. Bieber

161

Oberndorf

142

Aßlar

161

2

Ehringshausen

158

44

Atzbach

143

Kleine Rechtenbach

42

Lützellinden

130

Odenhausen

50

2

Launsbach

57

Salzböden

83

Wißmar

178

1

Gleiberg

9

Kinzenbach

78

1

Frankenbach

68

Krofdorf

135

Vetzberg

23

Erda

28

9

Krumbach

40

Fellinghausen-Bieber

125

Königsberg

58

Hermannstein

113

4

Marburg (bish. A.) von Gerlach (Ns) gewählt.

Hersfeld-Rotenburg-Hünfeld (bish. ^Wer­ner* (A) gewählt.

Hanau (bish. S) Dr. LucaS (Nl) erhielt 17,504, Hoch (S) 16,297 Stimmen. Lucas gewählt.

Kassel-Melsungen (bish. Nl.) Lattmann (A) mit 780 Stimmen Mehrheit gegen den Sozialisten gewählt.

Eschwege-Schmalkalden (bish. Rp) ist die Wahl von Seyboth (Fr Vp) gesichert.

Höchst-Homburg (bish. Z) Jtschert (Z) mit 16 416 gegen Brühne (S) mit 15 916 Stimmen gewählt.

Wiesbaden (bish. Fr Vp) Bartling (Nl) mit ca. 2000 Stimmen Mehrheit gewählt.

Bartling erhielt annähernd 16,700, Lehmann (S) an­nähernd 14,400 Stimmen. Der Freisinn war bei der Ab­stimmung gespalten. In der Stadt Wiesbaden stiegen die Stimmen für Bartling von 3646 auf 7756, für Lehmann von 5583 auf 7282.

Preuße«

Frankfurt a. M. wurde Schmidt (S.) mit geringer Majorität gewählt.

Berlin I (bish. Fr Vp) Kämpf (Fr Vp) gewählt. Potsdam (bisher K) Pauli* (K) gewählt.

Köln (Stadt) (bish. Z) Trimborn (Z) gewählt.

Waldeck (bish A) Potthoff (Fr Ver) gewählt.

Schaumburg-Lippe (bish. Fr Vp.) Deppe (wild) gewählt.

Dortmund. Bömelburg (S) gewählt.

Limburg (bish. Z). Vorläufiges Resultatat: Buch­sieb (Nl) siegte mit einer Stimmenmehrheit zwischen 2000 bis 3000 über Cahensly (Z).

Hofgeismar-Rinteln (bish. A.) v. Reventlow (A) gewählt.

Marienberg (Westerwald) (bish. Nl) Burckhardt (christl.-soz.) 9285, Hofmann* (Nl) 7041 Stimmen.

Duisburg (bis. Nl) Beumer* (Nl) gewählt.

Essen a. R. (birh. Z) Stötzel* (Z) gewählt.

Kreuzn.'ach (bish. Nl) Paasche* (Nl) gewählt.

Mühlheim a. Rh. (bish. Z) de Witt (Z) gewählt. Essen (bisher Z) Stötzel* (Z) gewählt.

Düsseldorf (bisher Z) Amtsgerichtsrat Kirsch* (Z) gewählt.

Hagen (bish. Fr Vp) Richter* (Fr Vp) gewählt.

Bielefeld (bièh. Z) Schuhmann (S) 13,922, Humann (Z) 15,044 Stimmen.

Altena-Iserlohn (bish. Fr Vp) Lenzmann* (Fr Vp) gewählt.

Hamm-Soest (bish. Nl) Westermann (Nl) gewählt. Bochum (bisy. Nl) Hue (S) gewählt.

Minden (bish. Nl) Franken* (Nl) gewählt.

Halberstadt (bish. Nl) Rimpau (Nl) gewählt.

Göttingen (bish. W) Götz v. Olenhausen (W) ge­wählt.

Nordhausen. Wiemer (Fr Vp) gewählt.

Wanzleben (bisher Nl) Schmidt* (Nl) gewählt.

Torgau (bish. Fr Vp) Pruschenk (K) gewählt.

Varel-Jever (bish. Fr Vp) Träger* (Fr Vp) ge­wählt.

Oldenburg. In Oldenburg I (bish. Fr. Vp) ist die Wahl von Bargmann* (Fr Vp) gesichert, ebenso in Oldenburg II (bish. Fr Vp) die Wahl von Träger* (Fr Vp) mit großer Mehrheit.

Landsberg-Soldin (bisher Fr Ver) wurde Bö­ning (K) gewählt.

Frankfurt a. O. (bisher Rp) Braun (S) gewählt.

Husum (bish. Nl) Leonhardt (Fr. Vp) gewählt.

Dittmarichen (b.sh. Nl) Hoeck (Fr Ver) gewählt. Schleswig (bish. Fr Vp) Mattsen (Nl.) gewählt. Flensburg (bish. A) Mahlke (S) gewählt.

Hameln (bish. Nl) Wallbrecht (Nl) gewählt.

Osnabrück (bish. W) Frhr. v. Schele (W) gewählt.

Geestemünde. Im 18. hannoverschen Wahlkreise (bish. Nl) Sattler* (Nl) gewählt. Im 19. hannoverschen Wahlkreise (bisher B) Böttger (Nl) gewählt

Hildesheim (bish. W) Baumermeister (Z und B) gewählt.

G o S l a r'(bish. Nl) Horn (Nl) gewählt.

Emden-Leer (bièh. K) Fürst zu Inn- und Knhd.

Hausen* (K) gewählt. " I Einbeck-Northeim (bish. Nl) Jörns* (Nl) gewählt, j Lennep-Mettmann (bish. Fr Vp) Meist I gewählt.

Guben (bisher Nl) Prinz Schönaich Earolath* (Nl) S gewählt.

Greifswald-Grimmen (bisher Fr Ver) ist Got.

Hein* (Fr Ver) gewählt.

Usedom-Wollin (bish. Fr V0 Böhlendorf (A) Z gewählt.

Stettin (bisher Fr Ver) Herbert (S) gewählt.

Königsberg i. P. (bish. S) Haas^* (S) gewählt, ß Memel-Heydekrug (bish. kons. Lit) Krause (K) < gewählt.

Danzig (Stadt) (bish. Fr Ver) Mommsen* gewählt. | Breslau-Ost (bisher S) Tutzauer* (S) gewählt. I Sachsen.

Magdeburg (bish. S) Pfannkuch* (S) gewählt.

Leipzig (Stadt) (bish. Nl) (Motteller S) gewählt. ] Mühlhausen i. Thür. (bish. Fr Vp) Eckhoff* (Fr I Vp) gewählt.

Erfurt (bish. K) Hagemann (Ni) gewählt.

Merseburg (bish. Fr Vp) Winkler (K) gewählt. Wittenberg (bish. Fr Ver) Dovel (Fr Ver) gewählt, j Koburg (bish. Fr Vp) Patzig (Nl) gewählt.

Dessau (bish. Fr Ver) Rösicke* (Fr Ver) gewählt.

Meiningen (bièh. Fr. Vp) Müller (Fr. Vp) ge- 5 wählt.

Eisenach (bish Fr. Vp.) Fries (Nl) gewählt.

Bayer«.

Speier-Ludwigshafen (bish. S) Ehrhardt* (S) gewählt.

Würzburg (bish. Z) Thaler (Z) gewählt.

München I: (bish. lib.) Birk (S) gewählt.

Erlangen (bish. S) Barbeck (Fr Vp) gewählt.

Kaiserslautern (bish. B) Sartorius (Z) ge- | wählt.

Bade«.

Heidelberg (bish. Nl) Beck* (N«) gewählt- Mannheim (bièh. S) Dreesbach* (S) gewählt. Karlsruhe (bish. S) Geck (S) gewählt.

Freiburg i. Br. (birh. Z.) Marbe (Z) gewählt.

Pforzheim (bish. S) Eichhorn (S) gewählt.

Elsaß-Lothringe«.

Straßburg i. E. (Stadt) (bish. Fr Ver) Riff (Fr Ver) gewählt.

Mühlhausen i. E. (bish. Nl.) Schlumberger (Nl) gewählt.

Straßburg (Land) (bish. E) Blumenthal (DV) I gewählt._____________________________________________

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Nach der Wahl interessiert sich jeder Deutsche für die weitere Gestaltung der politischen Verhältnisse, vor allem dafür, in welche Bahnen unsere Politik durch die neue Zusammensetzung der Reichs- tagSsitze gelenkt wird. Wer verfolgt jetzt nicht mit um so- größerer Spannung die Stellungnahme unb] Arbeiten unserer Reichsregierung; wird es doch nicht ausbleiben, daß Regier­ung und Parlament in sehr vielen Punkten jetzt diplomatischer verfahren wird und muß, soll das erreicht werden, was der alte Reichstag nicht mehr verabschieden konnte.

Besonders wir in Oberhefseu

und den benachbarten Kreisen haben alle Ursache nicht ge­dankenlos das deutsche politische Lebm an uns vorüber- ziehen zu lassen; hier Landwirtschaft, hier Hand­werker- und Arbeiterstand, dort Industrie, Handel, Kunst und Wissenschaft, alles Erwerbs­zweige, über beHen weiterer Gedeihen unsere neuen Volks­vertreter mit zu entscheiden haben.

Wer da um Anteil an all den politischen und wirtschaft­lichen Tagesfragen nehmen will, wer aber vor allen Dingen unparteiische und unabhängige, nur von einem objektiven Standpunkte aus gegebene Be­richte darüber lesen will, der hUte sich die frei von jeder Anmaßung erscheinenden

Gießener Neueste Nachrichten,

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Gießen, den 26. Juni 1903.

* Wiederum stellen wir fest, daß die Gießener Neuesten Nachrichten" die e r st e Zeitung im Wahlkreis Gießen-Grünberg-Nidda roat, die