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Mittwoch, den 25, November 1903
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2«iertiv«-Prei »t Die einspaltt-e PetuzeUe ftr Sietzev wu ßam OberhesseN, bit Kreise ®e|Ur und MarSur- 10 Pfg. soM 15 Bfö-: Reklamen die Petttieile 3g resp. 40 %.
Postzeitungsliste Ro 3966.
Redaktion und Expedition: (Büken Neuenweg SS. yervsprechavichlAtz fü, •••.
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Neueste Nachrichten
(Giaßexer Gergevkatt)
Flnakyängige Tageszeitung
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sti Oberheften und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalauzeiger sm Gießen und UmgcbuiH.
E»th1lt alle amtliche» Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden toi Oberheff«.
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Bekanntmachung
Die Brauqasse wird wegen Vornahme von ^:: aiiMiiWo^ von heute an bis auf weiteres h 1 den Fuhrwerks- und Fahrradverkehr gesperrt.
G:Gen, den 24. November 1903.
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Großh. Polizeiamt Gießen. Hechler
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$¥ Bekanntmachung.
^^ r; b: Dik am 30. Juli l. Is. angeorbnete Sperre der ^^ktcHo^ t»de, zwischen Walltor- und Schottstraße, wird ?^3^ ’coit aufgehoben.
^^^- Gießen, 23. November 1903.
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Großh. Polizeiamt Gießen. Hechler.
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Di»e am 30. Oktober L I. angeordnete Sperre der ^Mrstvaße, zwischen Asterweg und Nordanlage, wird ^lianiit laufqeboben.
GiGen, den 23. November 1903.
Großh. Polizeiamt Gießen.
Hech ler.
Bekanntmachung.
W egen Vornahme von Kanalisationsarbeiten wird nei! Kakharineuaaffe von heute an bis auf Weiteres ihr dm Fuhrwerks- und Fahrradverkehr gesperrt.
Meßen, den 23. November 1903.
Großh. Polizeiamt Gießen.
Hechler.
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Grokherzogs Geburtstag
Udid Üieute, M!ttwoch, stiller alr sonst gefeiert, wenn auch Pulten und Standarten dem Tage den festlichen Anstrich kMli ch geben. DaS ganze Hessenland ist noch unter dem £ Minne der letzt verflossenen traurigen Tage und weiß sich r mit fehem Landesherrn in dem Gedächtnis um den leider titelt) entschlafenen Liebling der Vaters einig. Die lieben Ihbei augen fehlen ihm heute an seinem 35. Geburtstag, t M so gern angehörten Gratulationen der nunmehr in Gott l chllden Prinzessin Elisabeth.
In Freud und Leid, in Sturm und Not steht daS - Uenvolk zu seinem Fürsten, die Jahre hindurch war eS so i^ 'darum wollen wir auch heute wieder den gleichen i Bjmr still im Herzen erneuern. Durch den Kummer und ’k große Leid der Großherzog- wird dann ein lichter Gahl der Freude dringen. Er wird sich aber auch freuen mit feinen Untertanen, wenn er sieht, daß man heute, am 25. Member, in aller Stille mit umso größerer Hingebung |ièr in Liebe gedenkt. Die stille Freude wird heilsam M<n in deS trauernden VaterS Herz!_____________
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! Reform des Strafprozesses.
i Die Revision des Strafprozesses schreitet vorwärts. Mitte Swcmber hat die Kommission zu ihrer Vorbereitung fünf lang Beratungen gepflogen und sich insonderheit mit ikr U m g e ft a 11 ii n g des Vorverfahrens und der nil't weniger wichtigen Frage einer Verbesserung des rfahrens, betreffend die Eröffnung des ! 4o ui p tverfahre n s , beschäftigt. Hierzu wird uns ge- IrHirierben: Das Bedürfnis einer Strafprozeß-Reform wirb *| 'ßma seit sehr langer Zeit empfunden. Fossile Paragraphen Mcven vielfach Anschauungen der menschlichen Vernunft ent- i Mn; es zeigte sich so manches veraltet und nicht mehr dem ! Mmen Rechtsempfinden entsprechend, was nach starren !! Ruinen gehandhabt werden mußte. Die von der Kommission 1! kbam beratenen Gegenstände sind von enormer Wichtigkeit. I Allier war es üblich, baß die Staat sanwaltscha st, soba ld das I verfahren eine Sache so weit geklärt hatte, daß eine Enr- I [Uhßimg . barüber, ob eine 'Ha uvtve rbandlung stattfinden I w oder der Beschuldigte außer Verfolgung zu setzen sei, jiiögglid) erschien, entweber eine Anklageschrift oder den An jsW, den Angeschnldigtcn außer Verfolgung zu j'Yen, ein Èe. Das Gericht befand sodann lediglich auf Grund der I Mom, ob der Angeschuldigte der ihm zur Last gelegten Straf- illcmch hinreichend verdächtig erschien. Jeder Laie sieht das Wiche dieses Gebrauches auf den ersten Bhd. In der Tat M denn auch diese Praxis recht wenig befriedigt, und man ist J hon und dran, Zwischen Vorverhandlung und Hauptver- fiuMiblung eine Zwischenstation einzuschieben, die in einer ihiiinii blichen konlradiktorifchen Vorverhandlung bestehen soll, M der dann jedesmg- erst die Eröffnung des Hauptver
fahrens abhängen wird. Herrschende Begriffe brandmarken nur 311 leicht Menschen, die ans schlimmem Zufall, durch ein Zusammentreffen mißlicher Umstände, durch eine Verkettung von Schicksalsschlägen in Untersuchung kamen, und lassen den Unterschied im Pathologischen ebensowenig gelten wie die völlige Verschiedenheit zwischen Untersuchung und Verurteilung. Darum ist es dringend nohuenbig, daß die Grenzen so hoch als möglich angelegt werben, und daß bem Angeschuldigten in jeder Weise entgegengekommen wird.
Dieses Entgegenkommen ist überhaupt von enormer Wichtigkeit und sollte auch den richterlichen Beamten genau so von Staats wegen ans Herz gelegt werben, wie den Postsekretären hinter ihrem Schalter 11. s. w. Der seltsame Kindes- Unterschiebungsprozeß Kwilecki hat in dieser Beziehung wieder merkwürdige Blüten gezeitigt. $ene polnische Bäuerin, die noch in Posen erklärt, die alte Haushälterin sei kurz vorder Niederkunft der Gräfin nicht von ihrein Wohnorte abgereist. hat vor dem Untersuchungsrichter unter ihrem Eide das Gegenteil bekundet und kehrt dann in der Hauptverhandlung zu ihrer ersten Aussage zurück, bezichtigt sich also selbst des Meineids und führt zu ihrer Entschuldigung an: sie habe auch vor bem Untersuchungsrichter zuerst diese Aussage gemacht; erst als dieser der offenbar das Gegenteil hören wollte — dauernd auf sie cingcrebct Und sie eindringlich gemahnt habe, ja bei der Wahrheit 311 bleiben, da sie sonst die Folgen eines Meineids tragen müsse, erst da habe sie in ihrer Angst ihm die „Wahrheit" gesagt, die er offenbar hören wollte. Der Staatsanwalt beantragte nach diesem Geständnis ihre Verhaftung, und das Gericht beschließt beim gemäß. Es leuchtet wohl jedermann ein, daß ein Gesetz, das solches nicht nur zuläßt, sondern sogar befiehlt, dringend der Reform bedürftig ist. Das Gericht ist nicht dazu da, um bedingt zu verurteilen, sondern es ist seine Aufgabe und seine heilige Pflicht, das Recht zu fudjen. Auf Grund von toten Formeln kommt man bald ab vom menschlich Verständlichen. Und es bedarf eiligst der Aenderung, wenn das gesunde Volksempfindcn so oft wie heute in schroffem Widerspruch steht 311 der Lehre der Paragraphen. Das „gesunde Volksempfinden" sagen wir, und wollen beileibe nicht jene Gefühle darunter verstanden wissen, welche hysterische Frauenzimmer durch die Lektüre von Kolportageromauen ober über- geschnappte Dienstmädchen allen Angeklagten, die ein gewisses geheimnisvolles Dunkel umgibt, entgegenbringen.
Die Politik.
SEE Aus bem Reichcetat für 1904 werden jetzt die Haupt- Ziffern veröffentlicht. Danach sieht u. a. der Marineetat an ordentlichen Einahmen 587 327, an außerordentlichen Einnahmen 500 000 Mark vor, die fortbauernben Ausgaben betragen 99 827 620 Mark, 6 558 366 Mark mehr als im Vorjahr. Die einmaligen Ausgaben des Marineetats belaufen sich auf 107 536 370 Mark, 1 904 500 Mark mehr als im Vorjahr. Davon entfallen auf Schiffsbauten 71 055 000 M., 1 370 000 Mark' weniger als im Vorjahre. Dazu foni men noch rund 28 500 000 Mark im außerordentlichen Etat für Docks, Werftenausbau u. s. w. — Bei der R e i ch s p 0 st - und Telegraphen V ermass n 11 g sind die Einnah men auf 480 144 130 Mark veranschlagt, gegen das Vorjahr- mehr 23 924 030 Mark. Diesen Einnahmen stehen an fort dauernden Ausgaben 414 139 292 Mark und an einmaligen Ausgaben 13 271 912 Mark gegenüber.
<•) Der Reichstag ist, wie unser Berliner ^S. -Mitarbeiter bereits vor einiger Zeit gemeldet hatte, auf den 3. Dezember, nicht, wie anbere Blätter berichtet hatten, am 1. Dezember tinbcrnfcn worden.
0 Das w ü r t t e inb e r g i s ch e Ministerium hat zur Dienstleistung bei der Gewerbe-Inspektion 311111 ersten Male drei Gehilfen ans dem Arbeiterstande berufen. Nachdem Baben mit der weiblichen Fabrikinspektion allen übrigen Bundesstaaten vorangegangen ist, stellt nun Württemberg das nachahmenswerte Beispiel der Heranziehung von Arbeitern zur Beteiligung an der Gewerbe-Inspektion auf Hoffentlich folgen die übrigen Bundesstaaten biefem Vor- gehen der Süddentschen.
=4= In der französischen Deputierteukammer hat es wieder einmal eine große Revanchcdebatte gegeben. Zunächst hielt der Minister des Auswärtigen, Herr Telcasse, eine große Siebe über Frankreichs auswärtige Beziehungen. Aus seiner pbrasenreichen Rede ist nur ein Passus von aktuellem Inter esse. Der Minister sagte nämlich u. a.: Was den französisch- englischen Sch i e d s g e r i ch t s v e r t r a g angehe, so dürfe man seine Tragweite nicht überschätzen und nicht folgern, bat] er auf alle Fragen Anwendung finden werde. Es wurde mit dem Schiedsgericht an bem Tage 3 u Ende f ein. wo eine große Nation ihre Interessen oder noch mehr ihre Ehre von der M e i n u n g eines Dritten c b h ä n gi g sehen würde. (Lebhafter Beifall.) Mit dieser Bewertung der Schiedsgerichtsverträge hat der französische Minister zweifelsohne recht. Nach dieser Ministerrede kam die Frage der A b r ü stu n g aufs Tapet. Für diejenigen guten Leute und schlechten Politiker in Deutschland, die an ein friedliebendes Frankreich glauben, wird diese Debatte recht lehrreich sein. Den Reigen der Redner eröffnete der Aba.
Etienne, der u. a. sagte: „Wir dürfen trotz der neuen Ueber einkommen mit den benachbarten Mächten nicht als die ersten von Abrüstung sprechen. (Beifall.) Frankreich kann weder sein Unglück vergessen, noch auf die Wiederherstellung seiner verletzten Rechte (Elsaß Lothringen!) verzichten. (Lebhafter Beifall auf zahlreichen Bänken.) Dann beantragte.der radikale Sozialist Hubbard eine Resolution, in welcher die Regierung auHefordert wird, mit den fremden Regierungen sich hinsichtlich einer Beschränkung der Rüstungen ins (Sin vernehmen zu setzen. (Lärm.) Der Deputierte Oberst Roussel protestierte im Namen der von Frankreich losge rissenen Provinzen Elsaß und Lothringen gegen jeden Ge danken der Abrüstung und Verzichtleistung. (Beifall auf der Rechten und im Zentrum. Lärm auf der äußersten Linken.) Hubbard hält seinen Antrag aufrecht, aber nachdem sich Minister Delcassä dagegen ausgesprochen, wurde der Antrag abgelehnt. In der Debatte kam die Revanchelust imb der Haß gegen Deutschland noch bei mehreren Deputierten heftig zum Ausdruck.
Ä Die Humbertaffäre soll unter allen Umständen nochmals aufgerollt werden, so wollens die französischen Chauvinisten. Ein Deputierter dieser Färbung hat den Antrag eingebracht, daß die mit der Durchsicht der Humbertakten betraute parlamentarische Kommission mit gerichtlicher Gewalt ausgestattet werden soll, so daß sie Zeugen vorladen darf, und daß alle von den Zeugen vor der Kommission begangenen Vergehen dem Gesetz entsprechend bestraft werden müssen. Die Kom Mission solle ferner das Recht haben, den Untersuchungs- richter zu ihren Beratungen zuzuziehen. Das heißt: der ganze Handel soll vor dem Forum des Parlaments noch einmal durchgehechelt werden! Das Mißtrauen zur Justiz, das aus der ganzen parlamentarischen Untersuchung der Sache hervor leuchtet, spricht Bände . . .
^ Eine Tartarenmeldung ärgster Sorte verbreitet die russische Telegraphenagentur. Danach verlautet in Tokio, japanische Kriegsschiffe feien den nach Port Arthur unterwegs befindlichen russischen Kriegsschiffen „Cäsarewitsch" und „Bajan" entgegengeschickt, um sie an einer Vereinigung mit bem Geschwader in Port Arthur zu verhindern. Selbstverständlich wäre das ein Bruch des Völkerrechts, der den Krieg zwischen Rußland und Japan nach sich ziehen müßte. Deshalb ist die Meldung wahrscheinlich erfunden.
Fleer und flotte.
Ein Lehrtnrsus für ältere Offiziere der Fnßartillerie findet zur Zeit bei der Fußartillerie-Lchießschule in Jüterbog statt. Dazu sind von der preußischen Fußartulerw cm Oberst zwei Oberstleutnants und neun Majore tommanbiert. Außerdem nehmen an biefem Lehrgang, der am 18. Dezember 1903 beendet wird, noch teil: zwei Majore vorn Großen Generalstabe, ein Major vom Generalstab der Kommandantur Königsberg, ein Oberstleutnant der sächsischen Fußartillerie, sowie ein Oberstleutnant der Zentralstelle des Generalstabes nebst einem Oberstleutnant und einem Major der Fußarkille- rie des bayerischen Heeres. Bei biefem Lehrgang handelt es sich namentlich um die Vorführung von verbesserten Arten einzelner schwerer Geschütze in ihren verschiedenen Feuer- arten und in ihrer taktischen Verwendbarkeit.
Der älteste deutsche Soldat, Johann Georg Becht, beging in Delkenheim (Hessen) seinen 100. ^Geburtstag. Das 1. Nassauische Infanterieregiment Nr. 87, dem Becht s. Z. am gehört hatte, und mehrere Kriegervereine hatten Deputationen nach Delkenheim geschickt. Kaiser Wilhebn sandte bem Hundertjährigen ein Bild mit eigenhändiger Unterschrift und ein Geldgeschenk in Höhe von 300 Mark, vom Großherzog von Luxemburg traf eine Kiste mit Steinberger Kabinett ein.
Das JVIordbündnis der Rivalen.
Madrid, 24. November.
Mit Spannung erwartet ganz Spanien den Ausgang eines Prozesses, der vor den Madrider Gerichten seinen Anfang genommen hat. Durch ihn soll eine Bluttat gesühnt werden, die die öffentliche Meinung in die flammendste Em- pörung versetzt hat: der Frauenmord von Ton Benito.
Don Benito ist der Name einer etwa 20 000 Einwohner zählenden Stadt in Estremadura. In einem kleinen Haus chen dieser Stadt wohnten zwei alleinstehende Frauen, eine Witwe mit ihrer Tochter Ines Maria, die sich von ihrer Hände Arbeit nährten und überall im besten Rute uanden Ines Maria war ein bildschönes Mädchen; ihre ^chonhen sollte ihr und ihrer Mutter Verderben werden. Em lunger, reicher Vcbemamt Carlos Garcia de Paredes, versoltgta Ines unaufhörlich mit Anträgen, und ebenso bewarb Um ein Greis von sechzig Jahren, Martin de Casiew, leidenschannch um ihre Gunst. Ines blieb jedoch standhaft, unb alle -Bemühungen der beiden scheiterten Als nun die buhler, die sich selbstverständlich kannten, sahen, daß vor bem anderen etwas voraus habe, begannen sie ?man er ihre Enttäuschungen zu klagen, und beschlossen endltä'. ge- ineiniam zu handeln, um das Ziel Ihrer ^erdenschaft gu erreichen. Ihr Plan war ebenso teuflisch und verrucht, wie das „Freundschaftsbündnis" zweier Nebenbuhler war
Sie bestachen einen Sereno" - einen Nachtwächter