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A. 302

Erstes Blatt

Donnerstag, den 24, Dezember 1906

12. Jahrgang.

Das Bl«r: nMât e* «Iw BerttM«* »achMttaas

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nie einen eigenen Schmerz empfindet.

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Das Blatt erzählt seinen

Lesern folgendes Histörchen:

Als der Elektriker kürzlich in

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Abwiegelungs-Versuche.

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Italien.

0 Die Mitteilungen italienischer Blätter über die Auf­findung eines verborgenen 40 Millionenschatzcs Leos XIII. stellen sich als Märchen heraus. Das ergibt sich schon aus der Schilderung der Auffindung der Suinme, wie sie sich

Die Politik.

A In Hannoverschen Welfenkreisen macht jetzt ein angeb­liches Scherzwort des Kaisers die Runde, das dieser bei seinem jüngsten Besuche in der Provinz gesprochen haben soll. Der

löste* e®ieeil>tpi<: t* et*n, ab stielt monaütch dO-PsK^ IH freu« gebracht 60 Pfg., durch btt Post begatt i ökrtZ jährlich ant 1.60.

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BekÄNttimachAng.

Di e am 6. August I. I. angeordnete Sperre der MittemMsss wird hiermit aufgehoben.

E ietzen, den 23. Dezember 1903.

Großh. Polizeiamt Gießen.

I. V.: Roth. _________________

BâA»tWÄchW«tz.

Tie am 16. Oktober l. I. angeordnete Sperre der Li!ß»evg«ffe wird hiermit aufgehoben.

Gießen, den 23. Dezember 1903. ivroßherzoalichr- Polizeiamt Gießen.

I. V.: Roth. _____________

BekKsstMachUNg.

T ie am 24. Oktober L Js. angeordnete Sperre des

ANttrsLrirbra" wird hiermit aufgehoben.

Wetzen, den 23. Dezember 1903.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

__J-V.: Roth.

BeSatmtmssHrmg.

Die am 7. November L I. angeordnete Sperre de«: -«Mmftrahe, zwischen Walltorstraße und Nord- amloge, wird hiermit aufgehoben.

Meßen, den 23. Dezember 1903.

Großh. Polizeiamt Gietzen.

J. V.: Rot^

BâWMmachurrg.

Die am 13. November If. Js. angeordnete Sperre de!Ü. LenftklSlustgärtche« wird hiermit aufgehoben.

G ießen, den 23. Dezember 1903.

Großh Polizeiamt Gießen.

J. V.: Roth.

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Kriegsanleihen Russlands und Japans.

Was lvir voraussagten, ist eingetroffen: die Anleihe- p«f ui d) e Rußlands und Japans haben begonnen. Ruß- IcH hat sich an den deutschen Geldmarkt gewandt, es will bâlm? eine Anleihe von 500 Millionen unterbringen. Die Mmihricht wird zwar dementiert, stimmt aber, wie unser VWiier CB..Mitarbeiter ans sicherer Quelle erfährt, doch. ©JNnjo treffen auch Die gleichfalls bestrittenen McIDimgen zr^,. !> Japan sich um die Unterbringung einer Anleihe in NMMork bemühe. Di: japanische Regierung sucht ihr De- irnrnti dieser Nachricht dadurch glaubhaft zu machen, daß sie im Widerspruch 311 notorischen Tatsachen erklärt, im japa- nHchm Staatsschätze befänden sich 50 Millionen, außerdem ciw Millionen in London. Als ob diese Millionen nicht gmüsienteilS zur Deckung der laufenden Staatsbedürfnisse b6»r. bet werden müßten! Inzwischen werden die

Vcr-Händlungen zwischen Japan und Rußland fcprhifhübrt. Ueber den Inhalt der Antwort Japans an MiW >ld wird \^ bekannt, Japan beklagt sich in der Noie Doi(i»i(cr, daß Rußlands Präpositionen seine genügenden .^Rc^ionen für Japan enthalten. Daran wird dann das Eüsiillpm um Formulierung neuer Gegenvorschläge geknüpft. EänsDcilen zieh! Rußland Die Verhandlungen hin; Der ruf­st W Botfchafter 'n Tokio, Baron Rosen, ist plötzlich von eiW diplomuuschen Unmoblciu befallen worden, daS nrâliich eine pronipw Geschäflsfiihrung erschwert. Ruß- Ir'jni folgt sich hier, wie immer: Zeit gewonnen, alles ge-

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Die beiden Gegner selbst bemühen sich, die Lage also n.^ keineswegs unrettbar verfahren hinzuslellen. Nament- li:'H Japan läßt sich da^ angelegen sein. So sandte der teilet non Japan eine Anzahl Petitionen, die für den Krieg ematen, zurück, nachdem er sie genau durchgesehen hatte. Wteamtworiete alle mit der Bemerkung, daß er keine be- stimmte Atrtnwri geben könne, da die betreffenden Fragen nnj«i) Gegenstand diplonmti scher Unterhandlungen seien. IJjib b$r japanische Gener'alkonsirl in London erklärte: Viele 'c mindestenv manche der Gerüchte über das Bevorstehen ehitf Krieges zwischen Japan und Rußland seien das Werk vW § pekulanten.

Kriegssehnsucht in England.

In England ist man trotz dieser Versicherungen der japa- n>n Behörden in London doch nach wie vor überzeugt, ÜM$ e3 zürn Kriege kommen muß. Der. SatzWas man MW, das glaubt man gern", gilt eben vor allem für Eng- (cHcr.. Man ist in englischen politischen Kreisen überzeugt, Mra cmscheidende Augenblick könne nur noch wenige Tage ^ârmt sein, da keine von beiden Parteien tatsächlich zurück- iltW rönne. Bemerkenswert ist, daß die englischen Blätter iri èi Konnuentaren zur Situation zwar offenkundig Svm-

pathien für Japan äußern, aber sonst größte Mäßigung gegenüber Rußland an den Tag legen.

Frankreichs Einmischung.

Auch Frankreich läßt jetzt etwas von sich hören Der französische Gesandte in Peking hat dem Tsungli-Yamen erklärt: Wenn China sich mit Japan verbünde, würden die französischen Truppen in Kuangoi einrücken. Diese Drohung soll indes nur bewirkt haben, daß die Neigung der chinesischen Bevölkerung und der Behörden zu einem solchen Bündnis wächst.

Schließlich sei noch mitgeteilt, daß die japanische Regierung in Shanghai zehn Danipser von insgesamt 3QQ00 Tonnen Tragfähigkeit und in Kobe sieben Dampfer für den Truppen- lransport und drei Dampfer für den Provianttransport ge« chartert habe. Auch die Reederei von Butterfield and Swire, die mit 25 Schiffen an der chinesischen Küste Schiffahrt treibt,' bat, wie gemeldet wird, ihre gesamte Flotte der japanischen Regierung zur Verwendung für Kriegszwecke überlassen.

Unsere Mobltätigkeit.

Sozialpolitische Weihnachts-Betrachtung.

CB. Die zahlreichen Veranstaltungen, die am Vorabend der Weihnachtszeit für wohltätige Zwecke, zur Linderung der offenen und versteckten Armut stattfinden, sind ohne Zweifel eine Der schönsten Erscheinungen unseres öffentlichen Lebens und als Ausfluß des humanitären Geistes unserer Zeit schließlich auch ein Produkt der gesteigerten Volks­bildung. Denn nur Der wahrhaft gebildete Mensch, bei dem ^as rein verstandesmäßige Denken nicht die Empfindungen des Gcniütes lahm legt, vermag sich in das Seelenleben eines anderen derart zu versenken, daß er dessen N ulage

bedingt notwendige Voraussetzung für die Akte der privaten Wohltätigkeit. Alle Versuche, die Linderung der mensch­lichen Not und des Elendes durch eine Organisation des Staates aus der Welt zu schaffen, sind bis jeijt vollslärrdig giWikrf.

Selbst die soziale Gesetzgebung des deutschen Reiches hat niemals den Zweck verfolgt, die Arbeiterbevölkerung gewisser­maßen mit staatlich organisierten Wohltätigkeitsakten zu beglücken. Selbst die soziale Gesetzgebung hat niemals den Zweck der Wohltätigkeit verfolgt. Sie ist lediglich ein Akt der Staatsraison, die sich den veränderten.' Formen des sozialen Lebens angepaßt hat. Ehe die Maschine und die kapitalistische Betriebsweise eine große Anzahl von früher selbständigen Existenzen in wirtschaftliche Abhängigkeit brachten, war die Bevölkerung mehr als seither gegen die Not des Alters und der Arbeitsunfähigkeit gesichert. War der einmal begründete Wirtschaftsbetrieb auch noch so klein, so hatte sein Inhaber doch das Verfügungsrecht Darüber und dadurch die Möglichkeit, durch Ausnutzung seiner Kräfte sich und den Seinen Brot zu schaffen. Heute werden durch all­gemeine Geschäftskonjunkturen wirtschaftliche Existenzen ge­gründet oder vernichtet, und es ist ein Erfordernis der Staats­klugheit, nach Möglichkeit die wirtsclMlichen Verheerungen unserem Volkstum fernzuhalten. Damit wird aber die Not­wendigkeit privater Hilfe für die Armen nicht überflüssig ge» macht.

So verdienstlich man die Privatwohltätigkeit auch finden mag, so kleidet sie sich doch vielfach in Foriuen, die nicht immer dem Wesen und dem Zwecke der Veranstaltungen entsprechen. Namentlich in den Großstädten dienen die manchmal überaus prunkvollen Festlichkeiten dazu, ehrgeizigen Daturen Gelegen­heit zur Schaustellung ihrer Fähig- und Fertigkeiten zu bieten, und die Kosten für die Veranstaltung des Festes verschlingen oft Unsummen. Gerade die prunkvolle Form der Wohltätig­keit verhärtet mitunter das Gemüt in einer unerfreulichen Weise. Vielfach glaubt eine Familie genug getan zu haben, iuenn sie in der Weihnachtszeit bei den Bazaren und sonstigen Veranstaltungen ihr Scherflein beigesteuert hat, und es wird dabei wenig bedacht, daß in die Ausgaben für Wohltätig­keit szwecke zumeist auch der Aufwand für die Befriedigung der persönlichen Eitelkeit eingerechnet wird. Unsere Be­trachtungen sollen keineswegs den Wert der Wohltätigkeits- Veranstaltungen unterschätzen, sie sollen aber auch ein Mahu- Wort sein an diejenigen, die im Ueberfluß leben, es nicht dabei bewenden zu lassen. Das Weihnachtsfest ist nun einmal der Tag der Liebe und der behaglichen Lebensfreude. Die dunklen Nachtseiten des menschlichen Elends treten um so schroffer hervor, je mehr sich das Wohlbehagen der besitzen­den Klonen zu erkennen gibt. Es möge daher ein jeder, Der an den Feiertagen im Ueberflusse genießt, ein Scherflein auch den Armen in seinem Bekanntenkreise zukommen lassen, da­mit das Fest der Liebe Die Weihe edler Menschlichkeit erhalle

preußische Minister ves Innern v. Hammerstein, besannMch ein geborener Hannoveraner und Sprosse eines althannovev- schen Geschlechts, hatte kürzlich dort eine Rede gegen die inet fische Partei gehalten. Bei der jüngsten Anwesenheit brt Kaisers in Hannover kam in intimem Kreise auch die Rede auf diese Aeußerungen des Ministers. Darauf soll der Kaiser lächelnd bemerkt haben: er werde dem Minister, wenn dieser das nachstemal wieder nach Hannover käme, einen silbcr- nenMaulkorb mitgeben. In Berliner Hoftreisen hälk man die Mitteilung, wie unser ^.-Mitarbeiter erfährt, für wenig glaubwürdig.

o Der bekannte Posenar Weihbischof Dr. Likorski ist vom Papst wegen seinre Verdienste um Kirche und Wissenschaft zum päpstlichen T h r o n a s sji st e n Le«, und römischen Grafen ernannt worden.

^ Eine dankenswerte Schenkung hat die Witwe des Geh. Kommerzienrats v. Hanse mann, einem Wunsche de^ Verstorbenen gemäß, gemacht. Sie hat demDeutsche« Ost- marken-Verein" eine Spende von 100 000 Mark überwiesen. Ferner hat sie demDeutschen Frauenverein für die Ost marken" 50 000 Mark gespendet mit der Bestimmung, daß diese, falls derDeutsche Frauenverein für die Ostmarken" sich einmal austosen sollte, an denDeutschen Ostmarken- Verein" übergehen.

* Nach einer Mitteilung der Crimmitschaun Strert-- leituug an die Arbeiter soll die Streikunterstützung vcmr

1. Januar an erhöht werden. Der in Crimmitschau roei lenkt sozialdemokratische Abg. Legien hat erklärt, daß die Gewerk schäften den Streikenden eventuell mit einer llnterstätzung von 1 Million Mark beispringen wollen. Die Fabrikanten haben beschlossen, den Arbeitswilligen anläßlich des Weib- nachtsfestes die übliche Prämie von 2 Mark auf 5 Mark zu erhöhen. Die Zahl der Arbeitswilligen wächst stets, allerdings nur sehr langsam.

der ehemaligen Privatbebliothek LeoS XIII. die Leitung anlegt und zu diesem Zweck ein Bücherbrett verschiebt, findet er ein schweresSäckchen" aus grauer Leinwand, ober flächlich zugebunden. Als er es aufhob, rollten Goldstücke heraus. Der eiligst herbeigerufene Kardinalstaalssekretär ließ das Säckck>en zum Hausmeister schaffen, zugleich mit einem anderen Sacke, der in der Nähe stand. Man denke fick das Staunen der Herren: Die schon verloren gegebenen Millionen waren wiedergefunden, der eine Sack enthielt nam^ lich deren 9, der andere 25, alles in blanken Goldstücken." So erzählt allen Ernstes dieTribuna". Sie hätte sich wobk selbst die Unmöglichkeit des Vorfalls ausrechnen können. Neun Millionen Lire in Goldstücken wiegen annähernd 2500 Kilogramm, also 50 Zentner. Und nun gar _crft 25 Millionen! Die wiegen an 1-10 Zentner! Was müssen das füroberflächlich zugebundene Säckchen" gewesen sein, in denen diese gewichtigen Goldvorräte aufbewahrt waren! Und welch ein Herkules muß der Elektriker gewesen sein, der den 50 Zentnersack mit den neun Millionen so mir nichts dir nichts aufhob! Da bedurfte es kaum mehr der ausdrücklichen Erklärung des Papstes, daß es sich um eine alberne Erfindung handelt!

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L) Die Pariser sollenbrotlos" gemacht werden 7 Die Bäckergesellen von Paris haben am Mittwoch eine Ver sammlung abgehalten, in der der allgemeine Bäckerstreik erklärt wurde.

Balkan-Staaten»

G Die plötzliche Erkläinmg Rußlands, es habe Die Entfernung der Königsmörder aus der serbischen Armee überhaupt nicht verlangt, hat Den Verschwörern den Rücken gestärkt und sie veranlaßt, ihren RücktriMgedanken Valet zu geben. Sie wollen jetzt wieder in der Armee verbleiben.. - 3nDessen Dürften sie Die Rechnung doch ohne den Wirt gg»^ macht haben, nämlich ohne das übrige Europa. Wie aus guter Quelle, verlautet, haben Oesterreich, Deutschland, Die Türkei und' England in den letzten Tagen Der serbischen Regierung mitgeteilt, ihre Gesandten würden nicht früher nach Belgrad zurückkehren, ehe nicht der Rücktritt der Könic^s- mörder Tatsache geworden sei. Den Herren wird also wob! nichts weiter übrig bleiben, als ihren Abschied zu nehmen. .

Hmertha.

t Newyorker Sensationsblätter berichteten dieser Tage Kanada habe aus eigene oder für Englands Rechnung vom Dänemark dessen grönländische Besitzungen gekauft. Die Nachricht ist von Anfang bis zu Ende erfunden, ein Derartiger Kaufgebot ist dem dänischen Ministerium niemals gemiidn worden.