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Nr. 69.

Montag, den 23. März 1903.

12. Jahrgang

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Vb»*«e«e»tsprei- : in Gießen, abgehslt monatlich 50 Pfg., tn'r HauS gebracht 60 Pfg., durch die*Poft bezogen vierrel- £ jährlich Mk. 1.60.

Gr«ttSbr1l«ge» : Oberhesfische F«milte»zeit«»g ttäglich) Oberhesfische 3eiH4rift für La»dwtrtsch»ft, Cbfh **b G«tte«ba», sowie bie Gießexer Leife»bl«se» (wöchentlich). Da- Blatt erscheint an alle« Werktagen nachmittags.

Gießener

I»sertt»«sprei S, Die einspalnge PetitLeUe für Gießen wi. ganz Oderdessen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg sonst 15 Pfg; Reklame, die Petitzetle 30 resp. 40 Pfg.

Postzeitungsliste No. 3S6I.

Redaktion und Expedition: Gießen Ne«e«»>T.

Aer,sprrch««schl»ß Nr. 368.

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für Oberhefsen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung

Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

Kla© ist das Deutschtum den Qngam ?

CB. Der ungarische Staatsurann und Parteiführer Graf Apponyi Ha. in einer Rede die Politik der Magya- reu und ihr Verhältnis zu bem eingeborenen Volkstum ju rechtfertigen gesucht. Rach seinen Ausführungen will die Pester Regierung nichts weiter, als daß nicht die deutsche, sondern die ungarische Sprache Amtssprache in Heer und Verwaltung sei. Im übrigen aber habe man t!. Ungarn ein volles Verständnis für die Smlhirmiffion der Deutschen.

schaffen; er erklärt, baß die Polizei aus der timgebun

zurückaegangen sei, und sagt eine strenge Untersuchung und Bestrafung der Schuldigen zu. Die Opposition ist be­sänftigt, die tosenden Gewässer der Parlamentssee, die den Kabinetschef verschlingen wollten, vertan en sich und die

Aufregung legt sich votlenvs, als bekannt wird, daß die Sttrdenten Goldner und Vubaszky gar nicht ge. storben sind. Wohin diese Revolten führen werden, ver- mag man heute nicht vorauszusagen.

chen und erklärt baue, die Regierung luciuc a.- Kon­kordat mit Rom kündigen, wenn der gegen ti e Zustand fortdauere.

* Ter amerikanische Gesandte Bowen stellt der Abwicklung des Venezuelahandels neue Schwierigk iten entgegen Er teilte dem britischen Botschafter mit, daß Venezuela nicht zahlen werde, falls er nicht vor deut 1. April die Gewißheit erhalte, daß ein Protokoll vor dem Haager Schiedsgericht zu stande kommt. Das Auf­treten Bowens ist unbegreiflich.

Wenn dieses Verständnis den Herren Magyaren wirklich so tief eingewurzelt wäre, wie eS nach den Werten des Grafen ^tpponyi ben Anschein hat, dann müßte es sich vor allem in dem Verhältnis zwischen den Magyaren und ben Siebenbürger Sachsen zeigen. Tenn diese sitzen dort in ihren mittelalterlich anmutenden Städten und Dörfern auf einem Boden, den sie urbar gemacht und der Kultur und welch einer Kultur kl schlossen haben. Seit 700 Jahren, also seit einer Zeit Rhön, als die Magyaren noch stark an ihre hunnischen Vorfahren erinnerten, haben sie Volksschule und Rechts- etnrichtungen, wie sie im jungen Deutschen Reiche burd) boé Bürgerliche Gesetzbuch wieder zur Geltung gekom­men sind. Aus die deutsche Amtssprache hat ein Sieben- büraer Sachse ein Anrecht, denn sie ist i^m verbürgt worden, als das Land mit Ungarn zusammengelegt wurde. Die Magyaren aber achten dieses erworbene Recht so wenig, daß sie unsere Stammesgenossen mit Ru­mänen, Ruthenen, Serben nnb Bulgaren auf eine Stufe füllen und alle gleichmäßig mit ihren Magyarisierungs- bcsrrebungen bedrängen. So ist auch hier das deutsche Element wieder der Shifturbüngcr für ein aufblühendes Megyarentunu Selbst dessen heißblütigster litterarischer Vorkämpfer Maurns Jolai, der mit seinem bekannten R^'lanEin Nabob" das ungarische Nationalgefühl ge* Ivecft hat, verdankte dem Deutschtum schon seiner Ab* stammung nach sehr viel, wenn nicht alles. Die wissen- scl> östliche Bildung und die klare Erkenntnis der nationa­le! Notwendigkeiten hatte es aus dem Borne deutschen Wilsens gesogen. Die Genugtuung, die man wegen der blumigen Anerkennung des Grafen für unsere Kultur­mission empfinden könnte, ist denn doch ein zu geringer Ersatz für das, was wir bem Magyarentnm gegeben haben. Es möge die Gerechtigkeit 'seines Urteils be­weisen, indem es den Teutschen Sitten und Sprache läßt; auf die billigen Lobsprüche verzichten wir dann gerne.

Wirklich si

Werten d

Studentenrevolte in Budapest.

Die seit Wochen von der Opposition, besonders der llnabl-ängigkeits- (Kossuth-) Partei in Ungarn gegen die Wehrvorlage mit allem Hochdruck betriebene Agitation bat bekanntlich schon zu lviederholtenmalen zu tumul- tuarischen Kundgebungen in Budapest geführt. In den leeren Tagen hat nun die Bewegung, welche zum teil einen direkt a n t i d y n a ft i s ch e n Charakter trägt, auch die Studentenschaft der Hauptstadt ergriffen und am Todestage des ungarischen Nationalhelöen Ludwig kossuth machte sich der Groll in Demonstrationen Luft,

lei denen es zu heftigen Zusammenstößen mit der lizei und leider auch zu Blutvergießen kam. Ueber Verlauf der Vorgänge wird berichtet:

Die Stndenten zogen zu dem Grabe Kossuths, mehrere Ansprachen gehalten wurden. Als sie auf

Po- den

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iusforderung der Polizei sich nicht zerstreuten, erfolgte tiiic Säbel und Reitevattacke, bei der mehrere Personen verletzt wurden. Nun hielten Studenten in der Aula eine Pcoteftversammlnng gegen das Vorgehen der Polizei ab, welche mehrere oppositionelle Llbgeordnete vergebens zum Rückzug zu bewegen versuchten. Alsdann zogen sie vor läs Klublokal der Kossuth-Partei, und hierbei kam es Meder zu heftigen Zusammenstößen mit der Polizei.

Am nächsten Tage verbreitete sich an der Universität in5 Mrilcht, zlvei der bei den Kundgebungen verwundeten Studenten feien ihren* Verletzungen erlegen. Nun ent* fand unter den Kommilitonen eine furchtbare Aufregung. ^Tie Trauerfahne! Die Trauerfahne!" hieß es gebiete- Asch. Und die Trauerfahne wurde an der Universität gehißt. Dann ging's, tausend Mann stark, unter Füh­rung des Abgeordneten Franz Kossuth nach dem Parla- pent. Eine Deputation wurde zu dem Ministerpräsidenten Ezell geschickt und mit diesem verhandelt. Herr Szell zeigte sich aber keineswegs entgegenkommend; er nahm die Po­lizei energisch in Schutz. Neue Entrüstung unter den Stu­denten.Wenn Sie Revolution haben wollen, Sie fön*

sie haben!" ruft man ihm entgeg-en.

Im Abgeordnetenhause versucht_ber Ministerpräsident Erklärungen ab'ugeben, allein die Opposition schreit ihn lieber^sie verlangt kategorisch die Absefuna des Polizei- Ms Rudüap. Endlich kann lieh Herr Sielt Gehör ver-

ren

Die Politik.

Die Ltanalvorlage kommt!

)~( Von anscheinend gut unterrichteter Seite wird versichert, daß die Kroße lvasserlvirtschaftliche Vorlage (ben Mittellandkanal und die östlichen Wasserstraßen um­fassend) den preußischen Landtag in seiner nächsten Ses­sion beschäftigen wird. Ein Beschluß des Staatsmini­steriums ist über die Einbringung der Vorlage zwar noch nicht gefaßt, doch ist die ernste Absicht, die'Vorlage in der nächsten Tagung zur Verabschiedung zu bringen, bei den entscheidenden Stellen unzweifelhaft vorhan­den. Wie gemeldet wird, bereist zur Zeit eine aus- hören Baubeamten bestehende größere Kommission unter Führung des Oberbaudirektors v. Tönning das Wasser- stromgebiet. Die Reise wird mit dem geplanten Bau des Mittellandkanals in Verbindung gebracht.

Der Kampf um g 2.

^' . Wie unser CL.-Mitarbeiter aus parlamentarischen Kreisen erfährt, mirb es schon jetzt als sicher betrachtet, daß eine Vöehrheit für die Aufhebung des Paragraphen zwei des Jesuftengesetzes im Bundesrate nicht zustande kommen wird. Nack) den letzten Berechnungen betrug die Minderheit für die Aufhebung 27 Stimmen, welche sich ans Preußen mit 18, das angeblich doch noch von dem Reichskanzler gewonnene Bayern mit 6 und Hessen mit 3 Stimmen verteilen. Aber auch die hessischen Stimmen sind zweifelhaft geworden, da die Bewegung gegen die Aufhebung des genannten Paragraphen in Hessen von Tag zu Tag zunimmt. Es gewinnt immer mehr den Anschein, baß der Bundesrat schon um der Eintracht unter den Bundesstaaten willen die Beschlußfassung über den Para- graph 2 auf unbestimmte Zeit vertagen wird.

Mein Hrcuno L?eiarcy-.

O Herr Thamberlain wird jetzt in England beinahe wie ein König gefeiert. In der Tat könnte man sagen, daß, wenn Eduard VII. der gekrönte, Joe Chamberlain der ungekrönte König von Großbritannien und Irland ist. In der Londoner Guildhall, wohin er sich in großem Auszüge unter Vorantritt von Fanfarenblasern (sehr passend für ihn!) begab, wurde dem Kolonialminister von dem Lord- mavor eine Willkommens- und Glückwunschadresse über­reicht. Herr Chamberlain,sichtlich gerührt", dankte da­für in einer Ansprache, in der er natürlich auch Süd­afrika ermähnte und das Lob der Buren in allen Tonarten sang, er, der sich gegen die Burengenerale bei ihrer An* tvesenheit in England so kalt und abweisend wie mög­lich verhielt. In den Erklärungen seines Freundes De- larey, sagte er, habe er keine Spur rachsüchtiger Ge­sinnung gefunden. Also Herr Chamberlain und General Delarey finb Freunde geworden. Der wackere Kämpe wird nicht wenig erstaunt fein, das zu hören. Er hat zwar dem Kolonialminister wiederholt die Versicherung gegeben, zum besten seines Vaterlandes mit den Engländern loyal zusammen wirken zu wollen, l^t auch mit Herrn Chamber­lain höflich, wie es sich für einen wohlerzogenen Mann geziemt, und mit gewohnter Offenherzigkeit in Südafrika verkehrt, aber mit ihm Freundschaft zu schließen, daran hat General Telareu sicher nie entfernt gedacht. Ein Meer von Blut Hinbert Diesen Freundschaftsband.

Kurze Politische 9iad)iid)tcn.

* Der Reichskanzler Graf Bülow hat den städti­schen Behörden Brombergs in einem Schreiben an den Bürgermeister Knobloch für die Verleihung des Eh­renbürgerrechts seinen Tank ausgesprochen.Möchten sich, bemerkt der Reichskanzler dazu,die Hoffnungen in reichem Umfange erfüllen, welche sich an die Maß­regeln zur Erhaltung und Förderung deutscher Kultur und Sitte im Osten und insbesondere auch für die weitere ersprießliche Entwicklung Brombergs knüpfen."

* Die Wismarer Angelegenheit soll durch die schwedische Regierung definitiv aus der Welt geschafft werden. Die Regierung hat im Reichstage eine Vorlage eingebracht, nach der die Regierung ermächtigt werden soll, von dem Rechte Schwedens abzustehen, die Stadt Wismar mit Umgebung durch Erlegung der Pfaudsumme wieder loszuckaufen.

Die Ernennung des Kölner Erzbischofs Fischer zum Kardinal ist nach römischen Berichten bereits ge­sichert und die deutsche Regierung davon vertraulich verständigt worden.

* Der französische Senat hat den Kultusetat geneh- miat. neuhbem der Ministerpräsident jich dafür au^nefpro*

Deutscher Reichstag.

289. Sitzung. Etgenec Bericht,

^ Die Buren in Südafrika.

Ts wird mit Hochdruck und Ausdauer gearbeitet. denn unsere Reichsboten wollen am Dienstag in die teilen gehen. Und darum begann die heutige Sitzung bereits um 10 Uhr vormittags und dauerte ununterbrochen neun Stunden. Es wurde gründlich aufgeräumt. Der gältZS Etat deS ostafrikanischen Schutzgebietes wurde in jcl^ raschem Temvo erledigt. Nur an einer Stelle tvurde vaS Tempo langsamer. Beim Etat für Südafrika nahn; Ma­jor Leutwein, der Gouverneur dieses Bezirks, Veran­lassung, sich über die Bureneinwanderung in Südost« afrika auszusprechen. Das Zeugnis, das er den cinge- wanderten Buren ausstellte, war kein günstiges. Nachdem er vorausgeschickt batte, daß wir in bezug auf DYM- Pathieen für die Buren alle einig seien, fügte Major Leutwein hinzu, daß man gleichwohl fragen müsse, ob sie als Ansiedler in unserem Gebiete auch nützliche Ele­mente seien. Und darauf könne er antworten: Der Vur ist nur als Viehzüchter zu brauchen. Aber dazu ge­hört Kapital. Daher ist die erste Forderung: Der Bure muß Kapital mitbringen, denn er treibt keine Handar­beit, kein Handwerk, auch nicht, wenn er arm ist. Der arme Bure zieht im Ochsenwagen mit Frau uno Kin­dern umher im Lande und ruiniert Jago und Weiden. Solche Buren können wir nicht brauchen. Diese Amts­führungen riefen den konservativen Abg. Schremps auf den Plan, der mit südlichem Temperament sein Be­dauern aussprach über die Nichtzulassung von Bureik, die durch den Krieg verarmt fiub. Es scheine sich hier doch um eine Liebedienerei gegen England zu handeln. Jedenfalls klaffe hier ein Unterschied ztvischen der Volks­stimmung und den regierenden Kreisen. Der Vertreter der Regierung reagierte auf diesen Angriff nicht. Im Sturmschritt wurden alsdann die Reste des Militär- und Marine-Etats erledigt.

preussischer Landtag.

Daue der Abgeordneten.

48. Sitzung. Eigener Bericht.

Polendebatten und kein Ende!

Nach dem Kapitel der Ostmarkenzulagen kam der Etat der Ansiedclungskommission für Westpreußen und Posen an die Reihe, noelche bekanntlich nicht nur den Polen Anlaß zu Ausstellungen gegeben hat. Auch heute wurde von verschiedenen Parteien an ihrer Tätigkeit mehr oder minder scharfe Kritik geübt, für die Kommission traten aus dem Hause die Redner VW Ncttionalliberalen und der Freikonservativen ein. Landwirtschaftsminister v. Pod- b i e l s k i suchte die vorgebrachten Klagen nach Tunlich­keit zu entkräften. Ueber die Frage, ob die Ansiedelungs­kommission zu teilen sei, würde das Haus zu fragen sein, wenn Die angestellten Erhebungen die Teilung nötig er­scheinen lassen sollten. T<cs sei bis jetzt noch nicht der Fall. Er glaube aber, daß die Regierung von einer Tei­lung absehen werde, da sich eine Rerhe von Schwierigkeiten herausgeftellt hätten. Von der Heranziehung der Land- tvirtschaftskammern befürchtet der Minister eine Vei> schleppung des Ankaufsgeschäfts, das er selbst gern be­schleunigen möchte. Der Etat wurde schließlich geneh­migt, ebenso der Etat der Zentralgenossenschaftskasse, de­ren Geschästsgebahrung von mehreren Abgeordneten be­mängelt, von bem Finanzminister v. Rheinbaben und von dem Präsidenten Dr. Heiligen st adt verteidigt wurden. Auch der Etat der allgemeinen Finanzvettval- tung und das Etatsgesetz wurden angenommen, womit die zweite Beratung des Staatshaushaltsetais er­ledigt war.

blad und fern.

A Luise von Toskana ernstlich erkrankt. Der Zustand der Prinzessin Luise von Toskana soll zu schweren Be­sorgnissen Anlaß geben. Tie Prinzessin hat sich bekannt­lich über den Erlaß des Königs von Sachsen schwer ge­kränkt, wie ihr ganzes Haus und vor allem ihr Vater. Sie wird nun doch, wie sie anfänglich beabsichtigte, in einer Gegenerkttirung ihrem Herzen Luft machen und öffentlich daaegen protestieren, daß durch die Worte König Georgs.In dem Erlaß:, ^Die ^ngeb^nbigte Leidenschaft