fee. Die nautische Abteilung des Neichsmarineamts besitzt reiches Material und wird neue Seekarten über jenes Gebiet herausgeben. Die „Möwe" hat bisher die Vermessungen an den Küsten von Neu-Pommern mit der Gazellenhalb- Insel, Neu-Lauenburg, Neu-Mecklenburg, Neu-Hannover bis in die Gegend der Admiralitäts-Inseln vorgenommen und vollendet. Die Arbeiten ergaben, daß der Verlauf der Küste wesentlich abweicht von den kartographischen Aufnahmen früherer Zeiten.
Hus dem Gericbtssaal.
§ Das Urteil im Mordprozcs; Glcditsch in Berlin, der das Schwurgericht zwei Tage lang beschäftigte, ist milder ausgefallen, als erwartet wurde. Die Angeklagte, Wirtschafterin Marie Gleditsch, die den Major a. D. August Reisch aus Eifersucht tötete, ist zu 5 Jahren 6 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Die Geschworenen sprachen die Angeklagte nicht des Mordes, sondern des Todschlages schuldig und billigten ihr mildernde Umstände zu.
§ Ein Nachspiel zu der Affäre des Leutnants Freiherr«, v. Loew in Düsseldorf, der vor einiger Zeit wegen Meineids zu Zuchthaus verurteilt wurde, ist gegenwärtig in der Vorbereitung begriffen. Wie wir seinerzeit meldeten, war die mutmaßliche Mitschuldige des Loew, eine verehelichte Ingenieur Eck, kurz vor ihrer Verhaftung plötzlich verstorben und zwar, wie das bestimmte Gerücht ging, an Gift. Nun- mehr ist in Verbindung mit jener Affäre gegen einen Düsseldorfer praktischen Arzt die Untersuchung eingeleitet worden wegen Verbrechens gegen 8 216 R.-St.-G.-B. (Tötung eines Menschen auf ausdrückliches Verlangen desselben) und Vergehens gegen § 278 (Ausstellung eines unrichtigen ärztlichen Attestes bezüglich des Befundes der Leiche). Die Akten sind bereits der beratenden Strafkammer zur Beschlußfassung darüber zugestellt worden, ob gegen den Arzt die Anklage erhoben werden soll oder nicht.
§ Leichenschändung. Zu einer empfindlichen Strafe wegen Leichenschändung verurteilte das Posener Schöffengericht einen Heilgehilfen, der von einer Leiche gewisse Körperteile abgetrennt hatte. Der Heilgehilfe wußte sich unter dem Vorgeben, daß er Arzt sei, bei der Familie des Toten Vertrauen zu erwerben, so daß ihni die Besichtigung der Leiche gestattet wurde. Ein kurzes Alleinsein benutzte er dazu, die einfache Operation auszuführen. Die Leichenteile waren für den Arzt der Anstalt bestimmt, der dort den Toten ärztlich behandelt hatte. Der Arzt hatte angenommen, daß die Körperteile mit Erlaubnis der Familie entfernt wurden. Das Urteil lautete auf 100 Mark Geldstrafe.
§ Wegen dreifachen Mordes zum Tode verurteilt wurde der Fleischermeister Hubert aus Lompönen, der den Meiereibesitzer Zürcher in Lonipönen, sowie dessen 25 Jahre alte Ehefrau und fünf Jahre altes Töchterchen ermordet hat.
JVab und fern.
= Die Gelsenkirchener Thphusepidemie, die im Jahre 1901 schwere Schädigungen an Leben und Gesundheit für die Einwohnerschaft nach sich zog, wird jetzt ein gerichtliches Nachspiel haben. Die Essener Staatsanwaltschaft erhob Anklage gegen die Direktoren des Gelsenkirchener Wasserwerks He- gieler und Fudel, sowie gegen den Ingenieur Schmidt und den Maschinenmeister Kiesendahl. Die beiden Direktoren werden beschuldigt, direkt oder indirekt die Typhusepidemie durch Herstellung und Lieferung von Wasser verschuldet zu haben, das geeignet war, die Gesundheit des menschlichen Körpers zu gefährden, sowie durch dieselbe Handlung schwere Körperverletzung und den Tod von Menschen verursacht zu haben. Die beiden anderen Angeklagten werden der Beihilfe bezichtigt.
>}< Dippold im Zuchthaus. Die Einlieferung des Prügelpädagogen Dippold in das Zuchthaus zu Kloster Ebrach hat nunmehr stattgefunden. Von Bainberg aus wurde er per Schubwagen, in dem sich noch sieben Strafgefangene befanden, in Begleitung eines Gendarmeriewachtmeisters und zweier Gendarmen nach Ebrach transportiert. Dippold kam vorläufig in Einzelhaft und dürfte später einer leichten Beschäftigung (der Schneiderei) zugeteilt werden. Der Strafgefangene ergab sich mit Resignation in sein Schicksal.
Hc Frieda Sittel von neuem geflüchtet. Die Berliner Fürsorgebefohlene Frieda Sittel, die durch ihre kecke Flucht aus dem Magdalenenstift bei Teltow von sich reden machte, ist der Zwangsaufsicht schon wieder entschlüpft. Sie ist mit fünf anderen Mädchen aus der Fürsorge-Erziehungsanstalt Bethabara bei Weißensee ausgebrochen und erfreut sich der goldenen Freiheit, nachdem sie erst tags vorher wegen ihrer Teltower Escapade eine Woche Gefängnis zudiktiert bekommen hatte. Ihre Helfershelfer bei der Flucht trugen schwere Gefängnisstrafen davon. Ihr Bruder Max Sittel, der eigentliche Anstifter, erhielt ebenso wie sein Freund Boy ein Jahr, die weiteren Mitschuldigen Dietrich und Körner 6 Monate zuerkannt.
£1 Der zum Tode verurteilte Matrose Kohler von der „Loreley" hat an das Wilhelmshavener Marinstgericht ein Gesuch um Wiederaufnahme des Verfahrens gerichtet. Das Reichsmilitärgericht hat daraufhin weitere Erhebungen über den Geisteszustand des Mörders anstellen lassen. Ob es zu einer Wiederaufnahme des Verfahrens kommen wird, ist allerdings sehr fraglich.
A Ein großer Juwclcndicbstahl wurde in dem renommierten Londoner Auktionslokal von Knight-Frank und Rutley ausgeführt. Eiubrecher, die sich von einem Glasdach an einem Strick herabgelassen hatten, gelang es, den Geldschrank zu erbrechen und Juwelen im Werte von 200 000 Mark zu erbeuten.
=4= Russische Bahnräuber. Schon wieder kommt die Nachricht von einem frechen Ueberfall auf einen russischen Eisenbahnzug und zwar diesmal auf der Strecke, die bon dem preußischen Grenzort Wirballen nach der Hauptstadt Petersburg führt. Zwischen Lüneburg und Pleskau wurde der Zug plötzlich von einer aus 10 Köpfen bestehenden Bande überfallen. Die Räuber sprangen während der Fahrt aus den Gepäckwagen, fesseltcii und verwundeten die beiden Schaffner, plünderten das Gepäck, beraubten die Kasse und flüchteten dann in den Wald.
^ Die Raubmörder von Aix.-les-Bains verhaftet. Der geheimnisvolle Mord an der Pariser Halbweltlerin Fougdrc in Aix-les-Bains wird nun doch seine Sühne finden. Der Mörder und die Anstifterin zu der furchtbaren Tat sind be reits in den Händen der Polizei. Der Plan ging von der Wirtschafterin der Ermordeten, Giriat mit Namen, aus. Die Wirtschafterin wurde, wie erinnerlich, f. Zt. in der ausae-
raubten Villa gefesselt aufgesunven. Sie arbeitete im Einverständnis mit ihrem Geliebten, einem berüchtigten Messerhelden, der den Mord ausführte. Ein weiterer Spießgeselle wird noch gesucht.
= Chinesische Bravi in Amerika. Das Chinesenviertel der amerikanischen Stadt Boston ist zur Zeit der Tummelplatz einer chinesischen Mörderbande, die auf Bestellung und nach fester Taxe unbequeme Laugzöpfe aus dein Wege räumen. Tie Mörder sind von den chinesischen Spielbudenbesitzern in Boston aus Franzisko herbeigerufen worden, um ihnen in ihrem Kampf gegen den chinesischen Tugendbund, die Hip-Sing-Tong-Gesellschaft, die das Spiel abschaffen will, ihren Beistand und ihr ihren sicheren Dolch zu teilen. Schon jetzt sind mehrere Tugendmänner den Burschen erlegen. Die Mörder berechnen für einen Mord 1000 Dollars und für eine Verwundung, je nach der Schwere der Wunde, 300 bis 500 Dollars. Wenn der Mordgeselle in der Ausübung seines edlen Berufes sein Leben einbüßt, so ist nach dem chinesischen Ehrenkoder der Auftraggeber verpflichtet, das Vlutgeld nach China an die Verwandten des in seinem Berns Gefallenen zu senden. Während der Zeit, wo die ge- dungenen professionellen Mörder auf eine Gelegenheit zur Ausführung eines ihnen aufgetragenen Mordes warten, er- I)alten sie von ihrem edlen Auftraggeber 1 Dollar per Tag, sowie freie Wohnung und Kost, in welche letztere natürlich auch das unvermeidliche Opium eingeschlossen ist. Einer der Mörder, Weng Chung, der von der Bostoner Polizei mit seinem ganzen Mordwaffen-Arsenal dingfest gemacht worden ist, soll in China eine ganze Reihe von Mordtaten verübt haben und eine von der chinesischen Polizei sehr gesuchte Persönlichkeit sein, aus deren Kopf 1000 Liangs (etwa 2500 Mark) gesetzt sind.
** Zur Verhütung von Epidemien bei militärischen Uebungen hat der Kultusminister den Regierungspräsidenten einen Erlaß über die örtliche Prüfung der Gesundheitsverhältnisse zugestellt. In ihm wird darauf hingewiesen, daß während und kurz nach den Herbstübungen alljährlich unter den Mannschaften des Heeres Fälle von Unterleibstyphus und Ruhr auftreten, die _ auf Infektionen zürück- geführt werden, die sich die Mannschaften in den Manöverquartieren, sei es durch den Genuß nicht einwandfreien Trinkwassers, sei es infolge direkter Ansteckung von Person zu Person zugezogen haben. Es sollen daher vor den Manövern in dem in Frage kommenden Gelände Ortsbesichtigungen durch die Kreisärzte im Verein mit mi(b tärischen Sachverständigen vorgenommen werden. Ueber die Art und Weise, wie diese Besichtigungen erfolgen sollen, ent» hält der Erlaß nähere Anweisungen.
=t= IDie rüstige Silberbraut.! Einen unerwarteten Verlauf nahm eine silberne Hochzeit, die ein Gutsbesitzerehepaar in Langenleuba-Oberhain zu feiern begonnen hatte. Unverhoffterweise stellte sich am Morgen unter den Geschenke bringenden Freunden und Bekannten auch Meister Storch mit ein, der die Silberbraut mit einem Kindchen beglückte. Das brachte zwar etwas Störung in das Fest, aber es dauerte nicht lange, so zeigte man sich der veränderten Lage völlig gewachsen. Gegen Abend wurde das Kind getauft, und am Abend konnte man einen lustigen Taufschmaus mit der fröhlichen Feier der silbernen Hochzeit vereinen.
cf ^Das Korsett als Zaubermittel.I Ein englischer Journalist hat folgendes alte Gesetz gegen Korsetts ausgegraben, das unter Karl II. erlassen worden ist. Es bestimmt, „dag alle Frauen jeden Alters, Ranges, Berufes oder Grades, die S. M. männliche Untertanen durch (inter alia) Korsette täuschen und in die Ehe locken werden, die Strafe der zu Kraft bestehenden Gesetze gegen Zauberei, Hexerei und ähnliche Verbrechen treffen soll und daß die Ehe auf Grund der Verurteilung null und nichtig sei."
Bunte Chronik. In Nimpsch ermordete der Arbeiter Ohnesorge seine Ehefrau und suchte sich dann selbst durch Messerstiche zu töten. Er wurde schlafend neben der Leiche seiner Frau aufgefunden.
— In Adelaide traf ein Bergmann mit einer Anzahl Saphiren ein, die er im südaustralischen Hartgebirge gefunden hat.
— Die Bindung der deutschen Sviritusproduktion ist eine vollzogene Tatsache. Mehr als 92 pCt. der Interessenten haben sich durch Unterzeichnung des Anerkennungsschems der Verpflichtung angeschlossen.
— Auf der Lokalbahn der Siebenbürger Holzindustrie- gesellschaft sprangen Wagen aus dem Gleis und wurden an einem Felsen zertrümmert. Ein Arbeiter mürbe ge* tötet, sieben schwer und vier leicht verletzt.
Mas leistet die Heilsarmee?
Unter den mannigfachen Erscheinungen, die das religiöse Leben der Gegenwart zeitigt, nimmt eine durch ihre Absonderlichkeiten, aber auch durch ihre trotz dieser Absonderlichkeiten großen Erfolge einen hervorragenden Platz ein: Wir kennen sie alle: die Heilsarmee. Der vielbesprochene Eintritt einer Berliner Volksschullehrerin in diese seltsame Bruderschaft und die neuerliche Bereisung unseres Vaterlandes durch den greisen Gründer der Salvation army, General Booth, lassen es angebracht erscheinen, dieser merkwürdigen Erscheinung im modernen Leben einige Worte zu widmen.
Worin liegt das Geheimnis der unstreitig sehr großen Erfolge der Heilsarmee? In dein Brimborium, mit dem sie ihre religiösen Feierstunden umgibt, doch wahrlich nicht. Diese lärmenden Umzüge, die Uniformen, die grotesken Titel, dies Absingen religiöser Lieder nach Gassenhauermelodien, die Extase der Versammlungsredner der Heilsarmee haben eher etwas Abstoßendes — wenigstens für deutsche Gemüter — als etwas Anziehendes. Und trotzdem dieser geradezu unglaubliche Erfolg auch in Deutschland!
„ Die Sache wird nur erklärlich, wenn man sich vergegenwärtigt, welcher tiefreligiöse, sittliche Kern hinter diesem, ursprünglich auf das verwahrloste Londoner Weltstadtpublikum berechneten Tamtamradau sich verbirgt. Wenn man sieht, was die Heilsarmee an Werken praktischen Christentums geleistet hat und noch leistet, dann findet man auch die Erklärung dafür, weshalb nicht nur bei den einfachen Leuten, sondern auch bei den Gebildeten die Heilsarmee den ihr anfänglich entgegengebrachten Widerwillen zu beseitigen und in SBertfcljätmng zu verwandeln vermochte. Eine Darstellung der Tätigkeit der Heilsarmee, die diesen Erfolg hatte, ist nichts als eine Biographie ihres Gründers, des jetzl 74jäbriaen William Bootb.
^rscheiüungen wie die Heilsarmee sind stets das Werk der Lebensarbeit eines einzelnen. Männer machen die Ge- schichte, sagt Treitschke; das gilt vom politischen wie vom religiösen Leben. Noch keine vierzig Jahre sind es her — 1865 —, da begann William Booth, damals ein Londoner ' methodistischer Geistlicher, eine Art innerer Mission, die im ■ sprünglich den Elenden des Londoner Ostends galt. Er; begann mit populären Predigten; sehr bald aber ward er ' inne, daß die Erfüllung dieser verkommenen Massen mit religiösem Geiste sich nur verwirklichen lasse durch sozial Fürsorge für sie. Und mit der ihm eigenen Energie und Hoffnungsfreudigkeit ging er, der mittellose Prediger, an dieses Werk. Sein Grundsatz war: den Elenden durch die Elenden zu helfen. So zog er denn als eine Art Diakonissen ' und Diakonen Männer und Frauen aus den unteren Volksschichten zum Dienst an ihren mittellosen, kranken und verwahrlosten Nächsten heran. 1878 organisierte er seine Gefolgschaft, die er damals Christian army nannte, in der Weise, in der sie sich jetzt als Heilsarmee darstellt: mit Uni. form, militärischen Rangstufen u. s. w. Seine 1890 verstorbene Gattin stand ihm rednerisch, schriftstellerisch und praktisch tätig zur Seite. Sein ältester Sohn wurde damals unb ist noch heute Chef des Generalstabes, er führt die Ge- schäfte der Heilsarmee. Booths andere Kinder, seine Schwiegersöhne und Schwiegertöchter haben die Leitung der Organisationen in den einzelnen Ländern. Für die Werbearbeit erwies sich vor allem der von Booth begründete „Kriegsruf" förderlich, der in mehreren Sprachen erscheint.
Was aber die Ausbreitung der Ideen Booths und die Zunahme seiner Jünger am meisten fördert, ist der praktische Erfolg seiner sozialen Tätigkeit. 1890 begann er die Arbeit im großen Stil. Zum Beginn seines sozialen Rettungswerkes in großem Umfang bezeichnete er in einer Flugschrift 2 Millionen Mark als notwendig. Ueber Nacht waren sie da: Adel, Bürgerschaft, auch die englische Geistlichkeit unterstützten ihn reichlich. 1892 erklärte er, zur Unterhaltung der von ihm mit diesen 2 Millionen geschaffenen Heimstätten für gefallene Mädchen, Nachtasyle, Volksküchen, Arbeitsnachweise, Werkstätten und Trinkerheilanstalten seien jährlich 600 000 Mark nötig. Mitglieder des englischen Hofes, Parlamentarier, Geistliche unterzeichneten den Aufruf, und das Geld war da!
Sehen wir, was die „Hallelujahleute", wie das Volk die Heilssoldaten nennt, seitdem geleistet haben: Die Heilsarmee zählt 7390 Posten oder Mittelpunkte für Evangeli sierung in 49 Ländern. Die Zahl der „Offiziere" oder Missionare, die aus ihrer Arbeit für die Heilsarmee einen Lebensberuf gemacht haben, beträgt 15 389. Sie werden bei ihrer Arbeit durch 60 000 Lokaloffiziere und Hundert- tausende von freiwilligen Soldaten unterstützt, die ohne Entschädigung tätig sind. Sämtliche Mitglieder der Armee verzichten auf den Genuß geistiger Getränke, und fein Offizier raucht.
In Deutschland, wo der „Komnmndeur" Oliphant die vor etwa 15 Jahren begonnene Tätigkeit der Heilsarmee leitet, gibt es jetzt 132 Stationen, davon 20 in Berlin. Seit Oktober 1897, wo sie in Deutschland mit der sozialen Arbeit begann, hat die Heilsarmee bei uns fünf Rettungshäuser für gefallene Mädchen, ein Wöchnerinnen heim, ein Männerheim für entlassene Strafgefangenen, ein • Kinderheim, ein Dienstmädchenheim, verschiedene Samariterheime u. a. m. gegründet. Im letzten Winter wurden allein über 55 000 Arbeitslose gespeist!
Welche ungeheuren Äcittel gehören zur Unterhaltung dieser gewaltigen Einrichtungen! Im Jahre 1899 hatte ; die Heilsarmee eine Gesamteinnahme von über 33 Millionen | Mark. Seitdem sind Ausgaben und Einnahmen beträchtlich , gestiegen. Woher diese Beiträge? Zum großen Teil stammen sie ja aus begüterten Kreisen, die die soziale Arbeit der Heilsarmee gern mit finanziellen Mitteln unterstützen. Aber die Mehrzahl sind „Arbeitergroschen", und diese Arbeitergroschen sind, man mag gegen die befremdlichen Formen des äußeren Gebarens der Heilsarmee sagen, was man will, nicht zum Fenster hinausgeworfen. Und neben dieser hochersprießlichen sozialen Tätigkeit der Heilsarmee darf auch nicht übersehen werden, daß sie weite Volkskreise, die dem Christentum schon verloren schienen, wieder mit religiösen Ideen erfüllt hat. Mag die Zurückführung der Massen zur Religion durch die Heilsarmee auch zunächst über eine wunderliche Station führen: Aus dem Trara und Spektakel der Gebetsverfammlungen dieser christlichen Liga wird sich künftig doch ein brauchbares Moment für die Stärkung eines : wirklich praktischen Christentums herausschälen lassen.
tolcales.
Gießen, 19. Oktober 1903.
% Der Groß Herzog hat am 14. Oktober d. I. dem Pfarrer August Prätorius zu Blofeld die evangel. Pfarrstelle zu Groß-Felda, Dekanat Alsfeld übertragen.
□ Jubiläum der Alice- Schule in Gießen- Am nächsten Sonntag, den 25. Oktober, feiert der von der verstorbenen Großherzogin Alice ins Leben gerufene Alice- Verein für Frauen-Bildung und -Erwerb das Fest seines 25jähriges Bestehens. An der Feier wird auch die Tochter der Großherzogin, ihre Nachfolgerin im Protektorat, Prinzessin Ludwig von Battenberg teilnehmen. Näheres über die Feier wird in den nächsten Tagen veröffentlicht werden.
Die Errichtung eines Schieß- und Truppenübungsplatzes bei Rüddingshausen-WermertS- Hausen für das 11. Armeekorps scheint sich noch in der Schwebe zu befinden. .Die Gemeinde Weitershain beabsichtigte eine Feldbereinigung und Parzellenvermessung bot* zunehmen, doch wurde die Arbeit vorerst mit Rücksicht aus den geplanten Uebungspwtz zurückgestellt. Sollte es zu einer Ausführung des Planes kommen, dann werden die beiden Oitschaften Rüddingshausen und Wermertshausen geschleift werden; die Gemeinde Wermertshausen, die^sich auf preußischem Gebiet befindet, soll alsdann auf dem
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