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Nr. 166, Zweites Blatt

Samstag, den 18. Juli 1903.

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ÄeeaenewW>ieU: in Gietzen, abgeholt monatlich 50 Pfg., S1 H«uS gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertel­jährlich Mk. 1.50.

•reMikeiUgr*: Oberheffische FaMilie«zeit»«a (täglich) Hberhefstfche Zeitschrift für Laudwirtschaft, Obst« 8»d •e**k**, sowie die «tatzeuor G etse« blase» (wLch«tlich).

DaS «eM erfchâi es @3* Machag« u«ch«it»g-,

Gießener

12. Jahrgang

3MettUweMti fr Die â-ltt« Pedelle fit Sich« Mi «oni Oberhessen, die Kreise Wchtar und Marburg 10 Pfg. wnst 15 Pfg.; Reklame, die Petit-eile 30 resp. 40 Pfg.

Postzeitungsliste «o. MH.

Redaktion und Expedition: Steßea Ne«4»»«g 33.

feuerte Wachrichten

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MnaShângige Hageszettüng

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für Overhefsen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalauzsiger für Gieße« und Umgebung. «»chtlt eie amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden Me Oberheffen

Bergebung von Bauarbeiten.

Zum äußeren und inneren Ausbau des Ueber- Winterungshauses in dem botanischen Garten der Lavdrsumversität Gießen werden hierdurch nachstehende Arbeiten und Lieferungen unter Hinweis auf den Ministerialerlaß vom 16. Juni 1893 zur Vergebung auf dem Submissionsweg ausgeschrieben, nämlich:

1. Schreinera^beiten,

2.

3.

4.

5.

6.

7.

Spenglerarbeiten, Schlofferarbeiten, Blitzableitungsanlage, Glaserarbeit (16,00 qm Fenster), Weißbinderarbeiten,

Konstruktionsteile aus Pitch-pine Holz (400 [fbc. Dachsprossen und 130 qm Fenstergestelle ohne Verglasung.

Verglasungen von Fenstern, Türen und Dach­flächen zus. 480 qm.

Die Ausführungsbedingurgen, Zeichnungen und Arbeitsbeschreibungen liegen in unserem Amtslokal ^ur Einsicht offen und können letztere, mit Vordruck zu dem bezüglichen Angebots-Vermerk versehen, daselbst zum Selbstkostenpreis in Empfang genommen werden.

Angebote find bis zum 22. Juli l. I., vor­mittags 11 Uhr, versiegelt und mit entsprechender Aufschrift portofrei an uns abzugeben.

Zusendung von Zeichnungen findet nicht statt.

Zuschlagsfrist 3 Wochen.

8.

Gießen, am 8. Juli 1903.

Großherzogliches Hochbauamt Gießen

Reuling.

Bekanntmachung.

Bis Ende dieses Monats sind bei Vermeidung der Beitreibung zu bezahlen:

1. Gemeindesteuer S. Ziel 1903/4.

2. Bachtgelder von Triebvierteln und anderen städtischen Grundstücken.

3. Schulgelder für die höhere und erweiterte Mäd­chenschule und das Realgymnasium nebst Real­schule, I. Vierteljahr 1903/04.

Zahltage: täglich Vormittags.

Gießen, den 17. Juli 1903.

Stadtkaffe Gießen. Doepfer.

Bekanntmachung.

Konrad Sperling zu Gießen hat die Konzession als Dienstmann mit der Nr. 4 erhalten.

Gießen, 16. Juli 1903.

Großh. Polizeiamt Gießen.

Hechler.

Bekanntmachung

Die Hammstraße, von der Unterführung an der Westanlage bis zur Wieseckbrücke, wird wegen Chauffier- ungsarbeiten von heute an bis auf weiteres für den Fuhrwerks- und Fahrradverkehr gesperrt.

Die Zu- und Abfahrt nach dem Güterschuppen er­folgt durch die Klinikstraße.

Großh. Polizeiamt Gießen.

Heck) ler. _______

Vermischtes. s

& seinen Eisenb ahnrekordi schuf ein Zug, der blos« Tage den Prinzen und die Prinzessirr von Wales Don Lon­don nach Cornwallis führte. Die Fahrt stellte alle bisheri­gen SchnelligkeMziffern von Eisenbahnfahrten weit in den Schatten. Die 382 Kilometer lange Strecke von London nach Plymouth wurde ohne Unterbrechung zurückgelegt und zwar in 3 Stunden und 54 Minuten. Auf der Strecke zwischen Bristol und Taunton Umrbe die höchste Geschwindig- kcit, nämlich 134 Kilometer in der Stunde, erreicht. Tic Lokomotive nahm während der Fahrt dreimal Wasser auf.

0 tDie Bildung Alexanders von Serbien 8 soll nach einer Mitteilung des russischen Schriftstellers Korolenko äußerst mangelhaft gewesen sein, ^otüleiifo erzählt zur Begrün­dung seiner Ansicht folgendes Erlebnis: Er habe im Jahre 1889 Jalta besucht und dort auch mehrfach die Königin Natalie von Serbien mit ihrem Sohne Alexander gesehen. Bei einer Besichtigung der Ausgrabungen im alten Cher- soney wurden die Touristen von einem Klosterbruder, der ihnen als Führer diente, gebeten, ihre Namen in das Frem­denbuch eintragen zu wollen. Als Korolenko in dem VWe blätterte, erblickte er plötzlich die Unterschrift „Natalia". Dicht unter derselben aber stand, in großen, von unbeholfener Kinderhand hingemalten. Lettern zu lesen „Alexander". Die ungefügen Buchstaben, die merkwürdige Sympathie für den Buchstaben a — alles das verfehlte nicht anf die Touristen­gesellschaft eine erheiternde Wirkung auszuüben. Selbst der ernste Mönch konnte sich eines Lächelns nicht erwehren. „Zu jener Zeit", so fährt Korolenko fort, „war Alexander 13 Jahre alt. Vier Jahre später aber verhaf­tete Alexander die Regenten, erklärte sich für volljährig und übernahm die Herrschaft über ein ganzes Land mit Millio­nen von Einwohnern, mit all ihren Bestrebungen, Ansichten, Beschäftigungen, Bedürfnissen und Interessen. Die vier Jahre, die vergangen waren, seitdem der Knabe Alexander im Fremdenbuch des Klosters seine Kritzelei hingemalt hatte, konnte höchstens seine Handschrift ein wenig fester machen und seine Vorliebe für den Buchstaben a in seinem Namen ein wenig abkühlen."

W 8Die singende Schiefertafel? ist nicht etwa ein neues Spielzeug, sondern der Warne eines New Yorker deutschen Gesangvereins, den er sich selbst aus Versehen gegeben hat. In Newyork war in der Groß-Newyorker Liedertafel ein Zwist ausgebrochen, der zu einer Spaltung führte. Flugs erwirkte der eine Teil unter dem Namen „Groß-Newyorker Liedertafel" die Rechte einer juristischen Person, wodurch er den anderen Teil verhinderte, unter der alten Flagge meiterzusegeln. In ihrer Not kamen die Namenlosen auf den Gedanken, in englischer Sprache den alten tarnen wei­terzuführen, und nannten sich „Greater Newyork Singing Slate" und auch für diesen Verein wurden die Rechte einer juristischen Person erwirkt. Hub nun lacht man aus vollem Halse über den neuen Verein. Warum? Beim lieber setzen des deutschen Namens ins Englische ist ein kleines Versehen passiert. „^late" heißt auf deutsch „Schiefer- täfel". Boi der Rückübersetzung zeigt sich also, daß der Ver­ein sich die „Groß Newyorker siugeude Schiefertafel" nennt.

L) lGcrichtS-Stilblütcn aus den Rcichslandcnl hat jetzt ein Straßburger Blatt zu einem netten Strauß gesammelt. Aus der reichen Blütenlese seien die folgenden als besonders drastisch hervorgehoben: Angeklagtes Dienstmädchen: „Hoher Herr Amtsrichter, Sie haben eben gesagt, das sei eine Ba­gatellsache. Nein, glauben Sie mir! Ich bin stets ein anständiges Mädchen gewesen, ich bin kein Bagatellemäd­chen." — „Hochwohlgeborener Herr Strafkammer, haben Sie Mitleid mit einem armen Vatter." — „In Anbetracht meines betrunkenen Zustandes ist die. Strafe zu hoch und nimm ich nix an." — „Wertester Herr Gendarm! Andern

wie ich höre, mein Koffer beraubt woroen sein soll, teile ich Ihnen mit, daß dies nicht basieren kann. Ich habe doch nicht aus Wohlliist mir die Sachen an geschafft sondern um Awas zu haben. Die Grawate und der Werktagofrack feh­len nnd bitte dieselben sich Höflichst desselben annehmen zu vollen. Also unfehlbar! Grüße Euer Herr Geudarm." — „Bester Herr Amtsrichter. Sie haben mir vor 6 Mo laten drei Wochen gegeben, die ich, ivie ich erfahren, ans- Kiicklich nicht im neuen Gesetzbuch stehen. Ich erhebe darum Ucicbmerbe, weil Ihr mich nach dein alten Gesetzbuch ge- traft habt. Ich nehme die Strafe nicht an und wenn ich 10 Jahre dafür büßen müßt ehnder schreibe ich an das Mi- listerium vom Reichsgericht oder aar an den Reichstag."

^ lDie verkaufte Grabesruhe^ Der Briefkasten bet „Dresdener Nachrichten" enthielt folgende Notiz: „P. L. 100. Wenn Sie auf das Bewußtseiii der Grabesruhe nach dem Tode bei Lebzeiten verzichten, so können Sie Ihre sterb- Gd)cn Reste zu anatomischen Studien der kgl. Universität Leipzig verkaufen. Mehrere hundert Mark sind Ihnen sicher." Infolge dieser Notiz ist die Leipziger Universitäts- verwaltnng von solchen Personen mit Angeboten überschüttet worden, die ihre irdische Hülle um schnöden Mammons mißen zu dem angegebenen Zlveck verkaufen wollen. „Leider" mußten sie abschläglich beschieden Werben, da Rechtsgeschäfte, welche gegen die guten Sitten verstoßen, unzulässig uni nichtig sind.

(£ kWas ist ein betrübtes Lebens Diese Frage hat ein Mohrunger Volksschüler in seinem Aufsatz über Schillers , Lied von der Glocke" wie folgt beantwortet: „Der Dichter schildert uns das freundliche Leben imb das betrübte Leben das freundliche Leben ist das Leben von der ersten Jugend mi bis zum Jüngling nnd zur Jungfrau. Das betrübte i2cben ist das Leben als Ebevaar'"

S ? Geteilte Freude ist doppelte Freude?, so denkt eine zanze Anzahl sozialistischer Parteigenossen, die sich an den Abgeordneten Bebel mit der Bitte wenden, ihnen von der selten Erbschaft von 400 000 Mark, die ihm aus Ulm, mie besannt, vermacht worden ist, ein Stücklein abzugeben. Ab­geordneter Bebel scheint aber nach einer Verlautlrarung im „Vorwärts" durchaus uicht geneigt zu fein, das sozialistische Prinzip der Teilung allen Guten in dieser Form auf seine Erbschaft anwendeu zu lassen. Er lehnt es ausdrücklich ab, den Bittstellern überhaupt nur zu antworten, geschweige denn, ihnen etwas zu schenken. Außerdem hat er ja auch die Erbschaft noch gar nicht sicher, denn die Erben machen sie ihm recht heftig streitig. Nicht anders ergeht es dem Abgeordneten v. Vollmar, dem ein Münchener Rentier sein Haus im Werte von 95 000 Mark, und weiter, zunächst aber bis zum Ableben seines Neffen ohne Zinsgenuß, ein Kapital oon 52 000 Mark zur freien Verwendung für sozialistische Zwecke hinterlassen hat. Die Schwestern des Erblassers haben das Testament angegriffen, da die Datierung unvoll- äändig ist.

Das Beste aus den Witzblättern. Gewissenhaft. Das neue Kindermädchen (atemlos nach Hause kommend): Gnädige Frau, hatten Sie mir zwei oder drei Kinder mit­geben.

— A u ch ein Grund. . . . Wenn die Wohnung so feucht ist, warum zieht denn dann Ihr Herr Schwager nicht unfach aus? — Ja, wissen Sie, er will nur noch so lang bleiben, bis er seine Visitkarten mit der alten Adresse auf­gebraucht hat.

— Verzeihlicher

Hänschen (Steil

Hopfer mit Schutzbrille erblickend): Nicht wahr, Papa, das sind heruntergekommene Automobilisten?!

— Raffiniert. Tochter (deren Verehrter Botaniker ist): Heute muß sich der Professor endlich erklären! — Mut. ter: Da bringe aber sämtliche Blumen aus dem Zimmer, damit er durch nichts abgelenkt wird!

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