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Ik. 90 Zweites Glatt.

ttsnuementsprei- : in Sießtn, cègeteli Mnetlt<6 60 $fg-, b^ HsuS gebracht 60 Pfg., durch die Post b<|egtv wieneb " jährlich Mk. 1.60.

kritiSbetlage« : Qberhesstsche Familtenzett»»» ^glich) t&rrNefnf<6e ZeMckEt fir Laad Wirschaft, A*- ■*> |*rte«6a«, störte bU Gießener Eei<e, blase, (wöcheRtttch).

Das Blatt erscheint an alle, Merttag« M*ettuit-

Samstag, den 18. April 1903.

Gießener

12. Jahrgang.

Jskerns^Sprei S- Du einspaltige Peutz eile für Gießen wi« ganz Cberbcffen, btc Kreise Detzlar und Vlardarg 10 Pfg sanft 15 Pfg.; Reklame, die Petttretlr 30 resp. *• WG.

PoftzetUmg-ltstr Rt. BMI.

Metzakrien und Expedition: Gieße» Neaeaweß MG

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Neueste Nachrichten

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(Gießener Ungedtntt)

N»«»h«ngiß< Tageszntuug

(Gießener Keit««M

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalauzeiger für Giesten imd Umgeblmg

Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Siegen und anderer Behörden von k)berhessen.

Hua der Reicbsbauptstadt.

Wandelbiloer von Spectator. '

' Wenn ich heute nach den Reimereien der letzten |W)t'n zur trockenen Prosa zurückkehre, so gibt es meh­rte Gründe hierfür. In erster Lillie ist es der feucht? Erlauf der Feiertags-Woche, der den Schwung und die ^geifterung des „Dichters" lahm legt. Pegasus schüt- tifii seine vom Schnee bedeckten Flügel und trabt nach MU?., dieses Wetter seinen weniger zarten Genoss?n, den 6.ftl( r festen Omnibus und Troschkenpferden, überlassend.

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Sonn auch her Lslcrlatcr. Der rtnter, der ja so häufig 1'16(1 im Tobe noch bie Rolle des Hafen zu spielen hat, iri.’l in vielen Fällen auch als Substitut des Lstcrhasen

ins; freilich wird eS ihm nicht so leicht, dieses Tier zu ^711, daS mit einer nur in der Schonzeit bcnfbarcn

MAulichkeit in den Schaufenstern saß unb diese mit 'ilse der leistungsfähigen Chokoladenindustrie mit Eiern »Her Art anfüllte. Dennoch merkt man es deutlich, daß

TelkhhüMgz, ca.

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KameeHa^..

^mw« ( Salo -Gvniir r Soikin 2^11. b 012OM 3501

non jetzt nicht mehr im Zeichen des Hasen, sondern iS b*m des Vaters steht.

- Wer sich nicht mit den jrvei Feiertagen begnügte, von ' Wien hier der erste meist zum Ausschlafen, der anbei? 411m Ausgehen benutzt wird, wer sich von der lieben 'ilitm-hnheit des Feierns uid)t so schnell losreißen konnte Hüb sich noch einen brüten aber mehr Feiertage zulegt?, ida spürt es wohl heute noch mit Unbehagen, lvie er ‘M amüsiert hat. Und die neuen meinen Kleider unb sie Irellbraunen Stic selchen der Tarnen, die mit Cp- Wiis mus ausgingen und mit Straßenschrnutz Heimkehr­tai, sie sind ebenfalls traurige Zeugen der festlichen Tilge.

( Das Osterfest, die natürliche Scheidewand zwischen Minier

unb Sommer-Saison, zwischen Winter und Hommer-Vergnügungen, zeigt gewöhnlich ein Gemisch von Ifibm. Diesmal freilich sorgte der junge Frühling, M sich, lvie alle Früygeboreilen, sehr langsam ent- Welt dafür, daß sich das Publikltin, soweit es sich

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nicht um Abhärtungsfanatiker handelt aber leichtsinnige Influenza-Aspiranten, an die mit Zentralheizung be- •gabtrii Theater, Konzertlokale unb Kneipen hielt. We- Mstbns Iverben die Direktoren und Jilhabcr der vor- icmui initen Wohl tätigtcitsanstalten an dem Schneesturm, ihr ab und zu die Spaziergänger mit einer respektablen Wilsehaut versorgte, ihre Freude gehabt haben. Und Hit'se Freude ist ihnen schließlich zu gönnen; denn bald Kommt die Zeit, wo die Theater, Konzertsäle und selbst tne Wirtshäuser unter der Konkurrenz ber lockenden Lonne zu leiben haben werden.

Die wohlhabendstell Musiker hören jetzt auf, ihre Sopinalien in halbleeren Konzerten anzulegen und sparen ihr lieber für ihr Sommerstudium. Die bekannten

Ürd)<?fterbirigenten7 Nikisch, Weingartner und Richard Strauß, haben sich von ihren begeisterten Zuhörern und den taschentuchwedelnden Damen verabschiedet. Und wäh. rend die hiesigen Theater noch in vollster Arbeit sind, haben die Heinen und einige größere Provinzbühnen zahlreiche Minien hiereher gesandt, die sich in einem 6afé Unter den Linden täglich zu einer Sommer-Engage- mentsbörse zusammensinden. Tie munteren „Palmarum- Brüder" und „Schwestern" üben dort eine größere An­ziehungskraft aus, als die besten Theaterstücke de. Saison.

Auch auf den Speisekarten der Restaurants zeigt sich der Einfluß des kommenden Sommers und die Wen­dung wurde jüngst durch einen traurigen Fall markiert, durch eine Austernvergistung mit tödlichem Ausgange. Die so beliebten Schattiere zeigten sich so unklug, noch kurz vor ihrem Scheiden einem ihrer Verehrer das Leben zu nehmen, und die sprichwörtliche Dummheit i er Auster zeigte sich inicber einmal bei de^em schlechtcn Abgang, den einige mißratene Kinder ihrem ganzen Ge- tl,Iechl verschafften. Der Austernkonsum wird überhaupt in Berlin in nächster Zeit abnehmen, denn ein großer Förderer der Austernsalons verschwindet hinter eiser­nen Gardinen auf zwei Jahre: Heinrich Pariser, der Wuchererkönig, hat erklärt, sich bei seiner Verurteilung zu beruhig n und keine Revision einzulegen. Ta wird mancher Berliner Lebemann in Verlegenheit kommen, stets das nötige große Kleingeld für die — ach so teuren Schaltiere aufzutreiben, vom obligaten Sekt ganz ab­gesehen.

Von den sommerlichen Veranstaltungen sind die Ren­nen allen anderen um diverse Pferde, Rad oder Nasen­längen voraus. Mehr oder weniger grüne Jünglinge mit „Pserdeverstand" hatten schon mehrfach in Straus­berg, Karlshorst und Weißensee Gelegenheit, ihr Taschen­geld in Gestalt von Rennverlusten ihrem„sportlichen Jn- teresse" zum Opfer zu bringen und die Sportzeitungen werden in den Cafès mehr als bisher verlangt. Oder die Kellner, die hier zum großen Teil Gönner des ?dlen Pferdesports sind, werden um Tips ersucht. Mit Ver­achtung sehen alle diese Sportsmen auf diejenigen her­ab, denen es ein Vergnügen macht, am Kurfürstendamm oder auf anderen Radrennbahnen ein paar berühmte Flieger stehen oder Steher fliegen zu sehen.

Auch die Novität der Saison, die neueingeführten Korsofahrten haben am Mittwoch dieser Woche begonnen und führten zahlreiche elegante Equipagen, von kleinen Korbwagen bis zur großen Mail-coach in die Sicges- allee, so daß der Troschkengaul zweiter Klasse, der zu­fällig unter diese vornehme Gesellschaft geriet, vor Ver­legenheit nicht aufzublicken wagte. Mit Todesverachtung und einem Pelzkragen angetan, führten die Kavaliere und ihre Damen die prachtvollen Gespanne und blau

und rot gefrorene Reifen und Näschen spazieren. Sie achteten nicht her schweren, dunkel grauen Wolken, die über diesem Frühlingsfest hingen, unb schließlich dichte Schnee­massen auf die Stadt schütteten. Hoffeuckich finden bie|e glänzenden Spazierfahrten bald nneber bei besserer Son- nenbeleuchtung statt; denn Regen unb Schnee lockt nie­mand aus die Straßen, ausgenommen die Sprengwagen, die ebenfalls die Sommerfaison eröffnet haben, und nun, wie früher, hinter jedem Regenschauer hersahrrn und die — nahen Straßen sprengen.

Vermischtes.

(::) sEhrc sei Gott in der Höhc.j Vom Mcudelvaß schreibt der „Franks. Ztg." ein Leser: Ein nicht unter* leid) ne ter Vers, den ich hier oben an einer Hütte in Der Nähe deS Mendelpasses finde, verhüllte wohl, au# feiner Bergeseinsamkcit einem größeren Lcscrkrct- 511* gänglich gemacht zu werden: er nennt sich „Dergpsalul"

und

X von ihm Der

lautet:

Ehre sei Gott in der Höhe' Er hat die Berge so hoch gestellt, Und tat damit seine Weisheit kund, Damit nicht jeder Lumpenhund, Mit dem die Täler so reichlich gesegnet, Dem fröhlichen Wand rer hier oben begegnet.

Ehre sei Gott in der Höhe' l^rönig Eduards Mieter.s Die Mitter des Königs

England sind glückliche

Die Mieten, die sie

zu zahlen haben, sind mehr originell als drückend.

Herzog von Marlborough, der ewiger Mieter de-. Schlosses Woodstock ist, und der Herzog von Wellington,

der Mieter der Burg Strathfields-Fsaye begnügen sich, dem Monarchen alljährlich eine französische Fahne zu schicken, der erstere am 2. August, am Jahrestag von Blenheim, der zweite am 18. Juni, dem Jahrestage von Waterloo. Der Mieter des Schlosses Buckland in der Grafschaft Kent, dessen Vertrag nicht ewig ist, zahlt eine noch leichtere unb gefälligere Miete: die erste rote Rose, die in seinen Gärten gepflückt ivirb. Es ist dies eine poetische Erinnerung an die blutigen Kämpfe der beiden Rosen. Prosaischer ist die Art der Mietszahlung für den Schloßherrn von Booburg, für das König Edu­ard 1300 Eier und 110 Hübner zu Ostern erhielt.

«lerne <»cria)iß=iM)roiur. ^er uoericninanr rasier vom Infanterieregiment 9h\ 77 in Eelle wurde vom Kriegsgerichts in Hannover wegen Sittlichkeitsverbrechens an zwei siebenjährigen Mädchen und Fahnenflucht zu L Jahr und 1 Monat Zuchthaus, Entfernung aus dem Heere und dreijährigem Ehrverlust verurteilt.

— Der Neapeler Apcllgerichtshof lehnte entsprechend dem Anträge des Lberstaatsanwalts den Antrag auf Auslieferung des russischen Verschwörers Götz ab.

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