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kollegium 1. Landwirtschaftslehrer Schwarz von Alsfeld, 2. Schäfermeister Karl Fischer von Bettenhausen und 3. ehe­maliger Schafhändler und Kloster-Schäfer Michael Thörner von Langsdorf die schönsten Gaisen zur Auszeichnung aus­gesucht. Prämiirt wurden:

Für Ziegen: 1. Heinrich Dern (reine Saaner, Ankaufs­preis 65 Mark),

2. Wilhelm Schieferstein (beste Milchziege Langsdorfs),

3. Konrad Höhn, und

4. Wilhelm Walther II.

Für Zeit-Z?egen: 1. Heinrich Roth IL,

2. Heinrich Weber.

Für Lämmer: 1. Heinrich Kneipp 6-,

2. Anton Bender II, Wittwe,

3. Konrad Köhler,

4. Jakob Fay IV.

Nach der Preis-Zuerkennung wurden der Gemeinde- Gaisbock, die preisgekrönten Ziegen samt ihren Besitzern, die Preisrichter und der Vorstand des Ziegenzuchtvereins photographisch ausgenommen.

Neue Eisenbahnlinien. In dem Jahresbe. richt der Handelskammer Wetzlar werden verschiedene neue Bahnlinien in Vorschlag gebracht, u. a. die Bahnlinie Wetzlar—Hohensolms—Gladenbach sowie eine Verbindung der Koblenz — Gießener Eisenbahnstrecke mit der Station Usingen im Süden, und weiter mit Homberg und Frankfurt.

^Postalisches. Im Verkehr mit den Marrschall- Jnseln sind von jetzt ab Nachnahmen bis 800 Mark auf Postpacketen und Postfrachtstücken bis 10 Kg. zugelassen. — Postpackete nach Gibraltar bis 5 Kg. ohne oder mit Wert­angabe bis 1000 Mk. können von jetzt ab, außer über England, auch direkt mittels der deutschen Reichspostdampfer nach Ostasien über Bremen oder Hamburg Beförderung er­halten.

** Warnung. Gewarnt wird erneut vor einem ge­wissen Karl Berecz aus Budapest, der unter dem Namen von Berecz in Zeitungen Gelddarlehn gegen Schuldschein rc. anbietet. Berecz geht lediglich darauf aus, Vorschüsse zu erlangen, für die von ihm nichts geleistet wird

** Unfallmeldun gen zur Herbeirufung von Hilfe in Unglücksfällen (bei Feuers- oder Wassersgefahr, in Krank­heitsfällen, bei nächtlichen Diebstählen u. dergl.) können nicht allein in Form von Telegrammen, sondern auch durch Un- fallmel^egespräche übermittelt werden.

* Die „Darmstädter Zeitung" meldet aus Bingen: Gestern ist der amerikanische Millionär Vanderbild mit Fa­milie und Dienerschaft auf einem Automobil im Hotel Viktoria hier eingetroffen. — (Wie groß mag dieses Auto wohl sein, wenn eine ganze Familie darin Platz hat? Wie viel Zimmer mag es wohl haben?)

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Darüber rlgendes: n pracht- ifenftfl mar. Es en. Der aend und fodaun nüdt mit chulbuben.

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§ Wetzlar. Der neugewählte Syndikus der hiesigen Handelskammer, Herr Dr. Wickert aus Wiesbaden, hat mit dem heutigen Tage sein Amt angetreten.

** Usingen. Die Straskammer des Wiesbadener Land­gerichts bestrafte den Landwirt G. Ph., der als Kassierer des Vorschußvereins im Verlauf einiger Jahre unter Fäl­schung von Büchern, Kontokorrenten und Quittungen ins­gesamt 28 000 Mk. unterschlagen hck, um damit in Be­drängnis geratene nahen Verwandten zu helfen, mit 1 Jahr Gefängnis.

Das Oberheffische Volkslied (Schluß).

Recht reich ist die Auswahl an Gesängen, in denen das Liebespaar durch den Tod der Braut verhindert wird, sich zu ehelichen. Da erfreut sich z. B. ein Lied, das den Ab­schied des Kriegers von seiner Herzallerliebsten behandelt, besonderer Beliebtheit. Es heißt darin:

— Und so zog er fort zum Streite für's geliebte Vater­land

Er gedacht an seine L'na, eh' der Mond am Himmel stand.

Es war kaum ein Jahr verflossen und der Rose Knospe brach,

Sieh, da kam er in den Garten, wo er sie zuletzt noch traf.

Was erblickte er im Grünen? Hoch ein Grab an dem Spalier.

Uud auf Marmor stand geschrieben: „Lina ruht in Frieden hier!"

Bekanntmachung.

Nachdem die Stadtverordneten-Versammlung in ihrer Sitzung Dom 9. d. M. die Festsetzung der Flucht­linien für die Straße „In den Neuen Bäuen" beschlossen hat, bringe ich dies auf Grund des Act. 5 der allge­meinen Bauordnung mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntnis, daß der Entwurf des Fluchtlinienplanes bis zum 10. des kommenden Monats auf dem städtischen Tiefbauamt zur Einsicht offen liegt. Einwendungen gegen denselben sind binnen gleicher Frist bei Vermeid­ung des Ausschlusses bei der Bürgermeisterei anzubcingen.

Gießen, den 13. Juli 1903.

Der Oberbürgermeister.

J. V.: Curschmann.

Beigeordneter.

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<♦> Für Bäcker! <♦>

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Der Verfasser erspart nun dem Trauernden den Schmerz allein weiter zu leben und schließt:

Draus zog er in ein Kloster, legte Schwur und Panzer ab Und auf einem hohen Felsen gruben Mönche bald sein Grab.

Sehr oft ist aber auch Untreue des Liebhabers Todes­ursache des Mädchens. Aus der folgenden Ballade geht das ganz klar hervor.

Heinrich schlief bei seiner Neuvermählten

Einer reichen Erbin an dem Rhein, Schlangenbisse (!) die den Falschen quälten, Ließen ihn nicht ruhig schlafen ein.

Zwölfe schlug-! da drang durch die Gardine Plötzlich eine kalte, weiße Hand,

Wen erblickt ec? Seine Wilhelmine,

Die im Sterbekleide vor ihm stand.

„Bebe nicht", sprach sie mit leiser Stimme, Eh'mals mein Geliebter, bebe nicht.

Ich erscheine dir ji nicht im Grimme, Deiner neuen Liebe fluch ich nicht.

Zwar der Tod hat mir mein junges Leben

„Trauter Heinrich, mitleidsvoll verkürzt,

Doch die Jugend hat mir Kraft gegeben,

Daß ich nicht zur Hölle bin gestürzt!" u. s. w.

Ein ganz besonderes Interesse darf man jedoch den Liedern Zuwenden, in denen das Liebesverhältnis durch ge­waltsamen Tod seinen Abschluß findet. Diese Gattung ist überaus reichlich vertreten und kehrt in vi len Variation n immer wieder. Für den Zuhörer haben diese Weisen meist etwas Eigentümliches, manchmal sogar ctwas Komischer, aber man muß bedenken, daß die Landbewohner die Lieder von Jugend an hören und ihnen auch so in Fleisch und Blut übergegangen sind, daß sie erst merken, welche Absonderlich­keiten sie enthalten, wenn man sie darauf aufmerksam macht.

In einer Ballade, in der der Liebhaber in der Absicht, seine Geliebte zu morden, mit derselben im Wald spazieren geht, heißt es:

— Er nahm sie bei dec r.chten Hand Und führt sie ins Gesträuche,

Er sprach: „O, Herzallerliebste mein, Hier findst du große Freude".

Da zog er aus der Tasche 'raus

Ein Messer scharf und spitz Und stach Feinsliebchen in das Hecz, Daß Wasser und Blut 'rauèsp itzt.

Unsre anderen Dichter können sich daran ein Beispiel nehmen, wie gewissenhaft der Verfasser des Liedes zu Werke ging, denn die Nachwelt hat zweifellos ein Interesse daran zu erfahren, erstens, daß es die rechte Hand war, an der sie „in's Gestreuche" gezogen wurde und dann kann es gar nichts schaden, wenn man weiß, was nach dem Stich aus der Wunde geflossen ist. — Eine ähnliche Ausführlichkeit wird in einem Liede bewiesen, in dem die Geliebte ihren Schatz schlecht behandelte:

Dies hat mich sehr v.rdrossen, ich faßte den Entschluß, Ihr Leben muß sie lass'N, es kost's ja nur ein Schuß.

Ich hab' auf sie gelauert in der Augustenstraß',

Es war dreiviertel Zwölfe und sie war leichenblaß.

Man sieht also, Oct und Zeit spielen hier gar keine unwichtige Rolle; allerdings endet diese Ballade nicht allzu romantisch, denn der Schändliche muß, nachdem er das Madel umgebracht, für seine Tat einfach sitzen — und das kommt heute noch vor.

In diesem Genre giebt es Dutzende. —

Beachtung verdient aber ganz bestimmt ein Lied, in dem es heißt:

Als sie mich sah, da wollt' sie fliesn Sie floh — das war ja ihr Bemüh'n

Ich faßte sie am Arm und sprach:

„Schön Schätzlein willst du mich verlassen?

Willst du mich lieben oder hassen?"

Die Antwort war ein leises „Ja"!

Das ist praktisch — eminent praktisch! Dec — zu Lebzeiten vielleicht verkannte — Dichter giebt dem Sänger die Möglichkeit sich die Antwort nach Gefühl und Bedürfnis auszulegen und das ist doch nett!

Von jüngeren Liedern findet man recht wenige und auch nur solche, die im Charakter den althergebrachten ähneln;

Akuche einen Junge«, welcher die Bäckerei erlernen will.

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merkwürdig ist die in vielen Weisen wiederkehrende „Haar- kämmende Jungfrau", wie man sie in der Loreley findet. Allerdings haben auch diese nach dem Muster der übrigen einen etwas schaurigen Ton. — Wunderschön ist das in nachfolgender Ballade gesagt:

Als die wunderschöne Bertha auf dem Schleifsteine saß (gemeint ist das Spinnrad)

Und kämmte ihre Haare so wunderschön, ei,

Da fam der Fähnrich geritten daher

Und sah die arme Bertha weinen so sehr. —

Dann heißt es nach der üblichen Frage, warum das Mädchens weint, im dritten Verse weiter:

Der Fähnrich der zog sein Schwert heraus

Und stach die arme Bertha durch und durch.

Hier wird also ganz besonders Gewicht daraus gelegt, daß die arme Bertha vollständig durchstochen worden ist, — aber das muß man hören, dieses in den schmelzendsten Tönen gesungene „durch und du — u — urch" um den ganzen Schmerz über die Tiefe der Stiches ermessen zu können.

Da sind so die immer wiederkehrenden Typen aus dem Liederschatz der oberhessischen Dorfbewohner, besonders der der näheren Umgebung Gießens; allerdings kommen einem ähnliche auch in der Stadt selbst zu Ohr, z. B. ist das be­kannte „Mariechen saß auf einem Stein, e. St. e. St. e. St." ein ganz beliebter Gesang der Kinder beim Ringel-Reihel- spiel, aber die echten Perlen, die in mehr wie einer Be­ziehung interessant sind, bekommt man doch nur auf dem Lande, entweder in Gottes freier Natur oder in den Spinn- ftnbm, von den ländlichen Sängern, wenn sie sich unbeob­achtet fühlen, zu hören, das heißt, wenn sie bei Stimme n, Stimmung sind! H. H.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

6. nach Trinitatis, Sonntag len 19. Juli.

Kollekte für die evang. Gemeinde in Viernheim).

Gottesdienst.

In der Stadtkircke

Vormittags 8 Uhr. Pfarrer Scheunemann. Zugleich Christenlehre für die Nenkonfilmierten aus der Marcusgemeinde.

Vormittags 9.30 Uhr: Pfarrer Schlosser.

Vormittags 11 Uhr: Kinderlirche für die Matthäus- g'meinde. Pfarrer Schlosser.

In der Johanurskirche.

Vormittags 8 Uhr: Pfarrassistent Vogt.

Vormittags 9.30 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.

VormittagsAH Uhr: Kindergottesdienst für die Johan- nesgemünde. Pfarrer Dr. Naumann.

Die Versammlung^ und Biebelbesprechung im Konfic- mandensaal der Johanneskirche fällt diesmal aus.

Methodistengemeinde, Asterweg 16.

Sonntag 19. Juli, abends 8 Uhr: Predigt.

Mittwoch den 22. Juli, abends 8^2 Uhr: Bibelstunde.

Gottesdienst der israelitischen Religionsgesellschaft.

In der Synagoge, Südanlage.

Sabbathfeier am 18. Juli 1903.

Freitag Abend 8 Uhr. Samstag Vormittag 8 Uhr.

Nachmittag 4 Uhr. Sabbathausgang 9 15 Uhr.

Wochengottesdienst: Morgens 6 Uhr. Abends 8 Uhr.

Verantwortlich: für den politischen und Inseratenteil: Albin ftsein ; für das Lokale, den „Gerichts-" und „Oeffentlichen Sprechsaal": Fr. Oppermann Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei (vorm. Wilh. Keller), Gießen.

Bekanntmachung.

Durch Beschluß des KceisausschuffeS vom 28. April l. J. ist dem Karl Germann dahiec die Erlaubnis zur Ausübung des Gewerbes als Gesindevermieter erteilt worden. Die Gebühren desselben finb; für einen ersten Gesellen . . . Mk. 3.—

„ „ Zweiten „ . . . „ 2.—

„ „ dritten „ ..... l.oO wovon der Meister wie Geselle je die Hälfte zu tragen hat.

Gießen, den 15. Juli 1903.

Großh. Polizeiamt Gießen. ____________________Hechler.__________________

Städtisches Schlachthaus.

Schweinefleisch 54 Pfg. — Kalbfleisch 45 Pfg Heute und Morgen,

Verrteigerungr-Mreige.

Montag, den 20. Juli d Js., vormittags 9 Uhr an- fangend, findet die letzte Versteigerung des zur Konkursmasse Bönsel gehörigen Warenlagers statt.

ES kommen zum Ausgebot:

1 Faß Rüböl, 1 Faß mit Honig, ca. 1'/s Ctr. verschiedene Sorten Farben, 1 Quantität Tabak, mehrere Züber, Fässer und Eimer, 1 Parthie Holzkoffer; ferner: Schlösser, Be­schläge, Schrauben und Schraubenmuttern, mehrere Maurer­hämmer, Pferoe' und Schafscheeren, Hobel- und Stemm­eisen, mehrere Pack Schlüssel, Ratten- und Mausfallen, 1 Revolver, 1 Terzerol; mehrere Oesen und Ofentelle, 10 Wasserschiffe, eine Parthie Chamottensteine, 1 Häkselmaschine, 1 Pfuh'pumpe, 1 gußeiserne Säule, 2 Träger, Achsen für Karren, sowie eine größere Quantität Papierdüten, 1 Dezimal­waage, 2 Schreibpulte, Ladeneinrichtung u. s. w.

Auf Wunsch werden "die Steigpreise gegen Stellung eines zahlungsfähigen Bürgen kreditirt.

Grünberg, 10. Juli 1903.

Dev Konkursverwalter.