Nr. 165.
Kmetts ttWteiO: ix Vießrn, ab-ehslt menatM 50 Pfg., WO faul gebracht 60 Pfg., durch die Post bezog,« viertel, jährlich Mk. 1.50.
Familiexreitxxa (täglich) axdwirtfchxft, Obst- xx» ~ “ 'ex (wHwtli*).
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Freitag, den 17. Juli 1903__
Eießener
__________________12. Jahrgang.
Safertiaatttei O, Die oiââ« »â»e Mr Dietz« |* ganz Oberhesim, die Kreise Wetzlstr unl> Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg.: Reklame« die Petttzsile 30 resp. 40 PH.
Postzeitungsliste No. *00.
Redaktion und Expedition: Dietzex N e xa FerxstzrechMMschlxtz O». M
Devese AachriHten
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für Oberhessen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.
»ochtlt alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden WM Obachegen
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Bekanntmachung.
In Gemäßheit des Artikel 33 des Volksschulgesetzes soll im Laufe des Monats Dezember d. Js. dahier eine „erweiterte Prüfung" (Prüfung für Hauptlehrer und Lehrer an höheren Bürgerschulen) stattfinden.
Unter Hinweis auf § 38 der Verordnung vom 10. Januar 1876, die Prüfung für das Lehramt an Volksschulen betr.) werden diejenigen Lehrer, welche sich dieser Prüfung zu unterziehen beabsichtigen, aufgcfordcrt, ihre an die unterzeichnete Ministerialabteilung zu richtenden Gesuche nebst den erforderlichen Anlagen, bis spätesten- zum 1. September d I
bei der betr. Kreisschulkommissiou einzureichen.
Den Examinanden wird besondere Verfügung darüber Zugehen, ob sie zur Prüfung zugelassen worden sind, an welchem Tage und in welchem Lokale dieselbe stattfinden wird, sowie welche Ausgabe sie zu behandeln haben (§ 39 der Prüfungsordnung)
Die Großh. Kreisschulkommissionen und die Ortsschulvorstände wollen die Lehrer von dieser Bekanntmachung in geeigneter Weise in Kenntnis setzen
Darmstadt, den 2. Juli 1903.
Großh. Ministerium des Innern.
Abteilung für Schulangelegenheiten. ______________ Eisenhuth. __________ de Beauelair.
Bekanntmachung
Die Hammstraste, von der Unterführung an der Westanlage bis zur Wieseckbrücke, wird wegen Chaussierungsarbeiten von heute an bis auf weiteres für den Fuhrwerks- und Fahrradverkehr gesperrt.
Die Zu- und Abfahrt nach dem Güterschuppen erfolgt durch die Klinikstraße.
Gießen, den 16. Juli 1903.
t Großh. Polizeiamt Gießen.
Hechler.
In Erwartung der Erbschaft.
0 Rom, 16. Juli.
Bor den Toren des Batikans drängt sich die Menge Zu Ehren des römischen Polkscharatters MW gesagt fern die wenigsten kommen ans blotzer 9<eugtcrbe In , I fast alle belebt ein heißes MftMubl mit dem ^iMui^ der dort droben so lauge sebon m hartem Manipr mit a Tode ringt. Unter der Volksmenge werden leit den letzten 21 Stunden auch mit Verwunderung mehrere, nähere um entferntere Verwandte des Papstes bemerkt, die vergeben- uni Eiblaß zu ihm bitten. Wraf Eanullo Pecci, der S om Mandant der päpstlichen Garden, laßt keinen von ihnen herein, während er und durch ihn seine Bruder Ludwig und Richard mit dem St raufen in ständiger Beziehung bleu (w. So klagte wenigstens einem Berichterstatter gegenüber Michele Pecci, gleichfalls ein üèeffe des Papstes.
Die gierigen Erben.
Er wirft Den Genannten unlautere Motive zu ihrem Vorgehen vor. Sie schielten nach der reichen Erbschaft, mc äh erwarten stände. Er selbst und sein Vater, des Pappe- Schwager, hätten dagegen nur die Absicht, um den apostolischen Segen zu bitten. Wie bereits gemeldet, ist Du Hmterlassemchatt des Papstes gar nicht so grop, wie sie den Erben vor Äugen tanzt. Die gegenseitige Eipn sucht braucht also, ganz abgesehen uon dem empörenden Schauspiel, dm der Welt geboten wird, and) aus materiellen Grun den n uh so groß zu lein. Wie man im Vatikan munkelt, soll der Paw seinen! Reffen eigentlich nichts weiter als Erinnerung^- gegenstände zugedacht haben. Graf Richard Pecci bekommt ein Piano, Graf Camillo Pecci ein knnplerpchev Möbelstück mit Inkrustationen, ein Geschenk, das die ^obelgardc anläßlich des Priesterjubiläums des Papstes gemacht hat.
Die Vorkehrungen zum Konklave
werden mit fieberhafter Eile betrieben, ^ic bieten Zellen für die Kardinäle und das Heer von Wienern, .Kochen, Beamten und Sekretären, das sie begleitet, sind bereits fertig- gestellt. Die verschiedenen päpstlichen Hausivurdentrager bereiten sich vor, ihre Wohiiungen^ zu verlassen, dw sie Stunden nach dem Tode des Papstes räumen müssen. ^n derselben Lage befinden sich die Komniandanten der Gendarmerie mit ihren Truppen, die ebenso wie die Palast garde und die 9Melgarde für die Dauer des Konklave,unu quartiert werden. Bie „Zellen" der Kardinäle sind übri gens sehr komfortabel eingerichtet. Es ist also schon bei Lebzeiten des Papstes alles bereit, daß das Erbe Petri ebm Säumen in die Hände seines Nachfolgers übergehen kann.
* * *
Der Zustand des Papstes hat sich iiizwischen nneder bedeutend verschlimmert, ^ic Aerzte sind sich tlar darüber, daß die Fliissigkeit im Enip feil trotz des häufigen Herausziehens mit der Spritze stehe
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zunimmt. A5te denken deshalb ernstlich an einen Dritter Bruphöhlenstich. Der Papst liegt infolge des stark vorschreitenden Kräfteverfalls meist in unruhigem Halbschlum mer, doch hat er noch Momente völliger Geistesklarheit. Ji einem solchen bat er, für kurze Zeit in Den Lehnstuhl ge loben zu werden. Während Die Atmung des Kranken mnne; idjimeriger wird, ist sein Herz noch völlig gesund. Daher seine große Widerstandskraft.
Krieger vereine und Sozialdemokratie.
CB. Durch Die Blätter geht Die Nachricht, daß der Land rat des Kreises Gardelegen die Auflösung mehrerer Siriegerner eine in Aussicht gestellt habe, wenn nicht einzelne Mitglieder, die sozialistisch getvählk hatten, entfernt mimDen. Ein ähn licher Fall hat sich s. Z. in einem kleinen Städtchen in Der Nähe von Frankfurt am Main zugetragen. Dort waren zur Zeit, als das Sozialistengesetz noch in Kraft war, 3 sozialistische Stimmen abgegeben worden und einer Der Wähler war ein rühriges und persönlich außerordentlich beliebtes Mitglied des Kriegervereins, dessen Anstritt durchgesetzt vourde, nachdem durch eine Indiskretion sein Stimmzettel bekannt geworden war. Ein zahlreicher Anhang schied mit ihm aus, um einen neuen Kriegerverein zu gründen, der aber nicht genehmigt wurde.
In der lebhaften öffentlichen Erörterung, die an dieses Vorkommnis geknüpft wurde, machte man mit Recht gel-- tend, daß ein Sozialdemokrat von Ueberzeugung eigentlich einem Kriegerverein nicht bei treten solle, denn die Vereinspflichten und der Parteigehorsam stehen in einem unversöhnlichen Gegensatz. Als Kriegervereinsinitglied verpflichtet er sich zum Gehorsam gegen seinen obersten Kriegsherrn und zur Treue gegen die Monarchie, als Sozialist aber ist er Republikaner. Er muß sich also in einem Gelvissenskonflikt befinden, sofern er nicht dem einen Prinzip zu Liebe das andere Preis gibt. Entweder er hört als Kriegervereins- mitglied auf, Sozialist zu sein, oder er wird nicht Krieger Vereinsmitglied, um Sozialist bleiben zu können. Aus Diesem Grunde glaubt auch Die Kriegerverein sleitung berechtigt zu sein, obgleich Politik in den Vereinen verboten ist, stets vor sozialdemokratischen Wahlen warnen zu müssen, weil der Konflikt der Pflichten die Zuverlässigkeit der Mitgliedschaft eigentlich beseitigt. Auch diese Frage ist einmal akut gc- worden, und zwar in Baden, als das Organ des Krieger- vereinsverbandes den Zentrumsivählern, die zum Kriegerverein gehören, das Eintreten für sozialdemokratische Kandidaten untersagte. Die Angelegenheit kam damals, weil in der Aufforderung eine Beleidigung des Zentrumsführers Geistl. Rats Wendler enthalten war, vor Gericht; es wurde aber im Gerichtsurteil anerkannt, daß Die Vereinsstatuten und der Ausdruck des sozialdemokratischen Prinzips eine derartige Warnung durchaus rechtfertigen.
Selbst in sozialdemokratischen Kreisen bestreitet man Dai im Ernste nicht; im Gegenteil. Der „Vorwärts" hat be reih? angeregt, die durch ihr Prinzip an dem Zutritt zu den Kriegervereinen gehinderten Elemente möchten einen Verein ehemaliger Soldaten auf sozialistischer Grundlage gründen, ein Vorschlag, der sich kaum durchführen lassen wird, weil schon die Preisgabe des ersten soldatischen Prinzips des bedingungslosen Gehorsams gegen Den obersten Kriegsherrn eigentlich eine Pflege des soldatischen Geistes in Frage stellt wenn nicht völlig verneint.
Soviel ist jedenfalls unbestritten sicher, daß ein Sozial Demos rat nicht überzeugtes Mitglied eines Kriegervereins sein kann, soviel aber steht auch fest, daß die Disziplinierung solcher Elemente nur auf Grund notorischer Vorkommnisse, also auf Grund eigenen Bekenntnisses oder infolge einer Agi tation eintreten darf, daß aber eine amtliche Einmischung infolge der Wahl Der Verfassung widerspricht. Die Freiheit der Wahl Darf nicht an getastet werden.
Wollen die Kriegervereine überhaupt eine reinliche Scheidung herbei führen, so sollten möglichst wenig die Wahlzeiten zur Ausmerzung Der republikanischen Elemente gewählt wer den, weil dadurch doch zu sehr der Schein erweckt wird, ab seien sie Wahlvereine. Vor allem aber sollte vielleicht eine größere Zurückhaltung bei der Mitgliederaufnahme beachtet merDen; Dann würden viele Zwistigkeiten parteipolitischer Natur erspart.
Canadilcbe „GQabrbeitsliebe“.
Das eben erschienene neue englische Blaubuch, das über )ie zottpolitischen Verhandlungen zwischen England mit Deutschland seit dem Jahre 1897 Aufschluß giebt, bringt nm lud) für die fanatischsten Deutschenfeinde in England der mllgiltigen Beweis, daß es nicht Deutschland war, das den Zollkrieg mit Canada vom Zaun gebrochen hat. Im Gegen ^if, aus den amtlichen Dokumenten erhellt, daß Deutschland mit einer geradezu beispiellosen Langmut die Provokationen Canadas hingenommen hat. — Unser R. IE - Mitarbeiter schreibt uns in der Angelegenheit:
Von englischer Seite ist seinerzeit, das ergiebt sich un rwcideutia aus dem Aktenstück, der Handelsvertrag mit
Deutschland gekündigt woroen, ausia)ucq;ua; zu oem ^ioect Canada und einigen anderen britischen Kolonien eine zoll- politische Differenzierung Deutschlands zu ermöglichen. Diese Tifferenziernng hat Canada auch vorgenommen, und die deutsche Regierung hat darauf mit den Maßnahmen ge antwortet, zu denen sie durch das deutsche Zolltarifgesetz gesetzlich verpflichtet war. Sie hat dabei nicht einmal diejenigen Befugnisse ausgeübt, die ihr durch das Gesetz eingeräumt wurden, sondern sich lediglich aus die Gegenmaßnahmen beschränkt, die sie notgedrungen nach dem Gesetze scharf anwenden mußte. Obwohl Canada schließlich l)ohe Kampfzölle gegen Deutschland anwandte, hat die deutsche Regierung doch von dem ihr gesetzlich zustehenden Recht, auch ihrerseits die Sätze des Generaltarifs um 20°/s Canada gegenüber zu erhöhen, keinen Gebrauch gemacht, immer in der Envartung, daß eine baldige zeitliche Bei legung des Zollkampfes durch eine solche deutsche Zurückhaltung mehr gefördert merbe, als durch eine Politik scharsei Gegenmaßregeln.
Der dentschen Regierung ist die Behauptung dieses Standpunkts nicht leicht gewesen: Im eigenen Lande und bei den einflußreichsten Parteien fand die Canada gegenüber von deutscher Seite geübte Milde scharfen Widerspruch, mb die canadischen und englischen Minister, die sich nickst cheuten, wider besseres Wissen Deutschland als den Urheber )e§ Zollkampfes zu verdächtigen, machten den Widerstand )cr deutschen Regierung gegen die anticanadische Strömung m Volke nur noch schwieriger. Aus der ganzen amtlichen Darstellung ergiebt sich, daß Deutschland eine musterhafte Loyalität beobachtet hat, während andererseits auf England, insbesondere auf Chamberlain, und Canada nneber das Odium ünes unfairen und arroganten Verhaltens fällt,
Und noch eins erhellt aus dem Blaubuch: daß die Deutsche Regierung sich nicht bereit finden lassen wird, klein beizugeben, sondern daß sie, wenn von englisch - canadischer Seite weiterhin dasselbe unverschämte Lied geblasen wird, daran gehen miss, die ihr im ucue i Zolltarifgesetz zu Gebote flehenden Mittel auch ihrerseits den Canadiern gegenüber ^nzuwenden. Wer dabei schlechter fahren Wirb, könnten sich Die Canadier und Briten an den fünf Fingern abzählen.
Die Politik.
Kein einziges agrarisches Mandat?
G Das einzige Reichstagsmandat, das der Bund bei Landwirte bei den letzten Wahlen erhalten hat, das Rcandal des Abg. Stauffer 11 in Homburg-Kusel, wird wahrschein lich für ungiftig erklärt werden. Es ist nämlich amtlich ermittelt, daß an 100 Wähler, die im Wahlkreis Homburg wohnen und im Wahlkreis Ottweiler-St. Wendel in Arbeil stehen, ihr Wahlrecht bei der Hauptwahl doppelt ausgeüln haben. Infolgedessen ist sowohl die Wahl in Ottweiler ot. Wendel wie diejenige in Homburg-Kusel bereits ange fochten worden. An der Erklärung der Ungiltigkeit beider Wahlen ist angesichts der geringen Stimmennnterschiede der in die Stichwahl gekommenen Kandidaten nicht zu zweifeln. Ob es dem Bund der Landwirte gelingen wird, das Mairdal bei einer Nachwahl wieder zu erringen, ist höchst zweifel- haft.
Der Sohn des Himmels in Aengsten.
*$« Der Beherrscher des Reiches der Mitte hat wirklich kein behagliches Dasein. Nicht genug, daß ihm die „weißen Teufel" das Leben sauer machen, gickst genug, ^daß erfüllter der harten Vormundschaft seiner Tante, der Dame -umbfi, wie ein Häftling seine Tage vertrauern muß: jetzt droht auch noch seinem Leben Gefahr von seinen bezopften Ilnter- lanen. Nach einer Meldung aus Tientsin erließ der ^ohn des Himmels neuerdings einen Geheinibefeht, die im Auslande befindlichen chinesischen Studenten, welche verdächtig sind, in Japan eine Gesellschaft zur Entthronung bei Mandschu-DyNastie gebildet zu haben, bei ihrer Heimketu in China zu verhaften, die Schuldigen hinzurichten, die bfou Verdächtigen aber wieder über die chiiiesische Greiize zi> sagen. Tas wird ja, bei Dent in China beliebten summarischen Verfahren, ein Massen köpfen geben.
Eine tschechische „Los von Rom"-Bkwegnug.
cPo Unter den Tschechen ist gegenwärtig eine Bewegung gegen Rom im Gange. Wie tschechische Blätter melden, wirk diese Bewegung gemeinsam von tschechischen jinb deutschen Evangelischen, namentlich von Pastoren, in Fluß gebracht. Auch der bekannte frühere katholische Priester, jetzige evangelische Prediger Andrä Bourrier soll unter Den -1 Rechen n dieser Hinsicht tätig sein. ^Tie tschechischen Blätter ei - hören die Hinzuziehung des Franzosen Bourrier, cer angeblich als Abgesandter des Evangelischen Bundes fungiert, )amit daß die Tschechen für allc^ Franzopfche besonders nnpfänglich sind und deshalb Dom Einfluß Bouruers reimt )ugäng(id) sein würden.
Unter falscher ödaßgC-
c£p Nach einer Meldung aus London haben amerikaniiäi- Kriegsjchifse sich einiger zwanzig kleiner Borneo gegcnubci liegender Inseln, die England gehören, bemachtigi und an ihnen da-- Sternenbanner gehißt. Daß dieses Vorkonnnni- zu ernsten Konstiklen, zwischen England^.und.Amenka .uiu