Nr. 113.
Freitag, den 15. Mai 1903.
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3«‘entyn«>eef 5t Du einspaltige Petitjetle für Gießen wir ganz Obcrhessen, die Kreise Wetzlar und Kirburg 15 Pfg sonst 15 Pfg.; Reklame, die Petit-eile 30 resp. M W».
Postzeitungsliste Re. MH.
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Wertete Machrichten
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für Oberhssien und die Kreise Marlmrst und Wetzlar; LskalMzeiger für Gießen und Umgebung.
Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.
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9011 einer großen Volksmenge Huldigungen gebracht. Die Polizei schritt ein und trieb die Menge auseinander.
Kurze politische Nachrichten.
* Ueber Beginn und Beendigung der diesjährigen Flottenmanöver ist folgendes festgesetzt: 15. August Zusam. mentritt der Uebungsflotte unter dem Befehl des Admi. cals v. Köster in Wilhelmshaven, 15. August bis 5 September Manöver in der Nordsee und Marsch nach Kiel ö. September bis 15. September Manöver in der Ostsee' 15. September Auflösung der Flotte in Kiel.
* In der Stadtverordnetenversammlung in Kronstadt Siebenbürgen) wurde beschlösse::, das Protokoll außer in der bisher ausschließlich gebrauchten deutschen Sprache auch in ungarischer Sprache abzufassen. Auch alle jachslscheu (deutschen) Stadtverordneten stimmten diesem Anträge zu.
Mi« in Belgrader diplomatischen Kreisen verlautet, hat der Sultan dem Zaren ein langes Telegramm gesandt, worin er erklärt, die türkische Regierung habe die umfassendsten Maßnahmen zur Unterdrückung von Unruhen in Mazedonien getroffen, und weitere Metze- leien würden nicht vorkommen.
(Von unserem ständigen 6L.-Mitarbeiter.)
ro ^2 aus Konstantin opel gemeldet wird, sind die k m 0F der Türkei ganz enorm. Aus allen Teilen des Rerches, insbesondere aus Kleinasien, treffen täglich die zur Fahne berufenen Reserven ein und die Beklei- o^kfsämter haben durch diese Häufung der Mannschaften alte Hande voll zu tun. Mindestens die Hälfte der ein- b-erufenen Truppen läuft in Zivil herum. Diese kleine Mobilmachung deutet darauf hin, daß die hohe Pforte M Lesben etwaige Überraschungen zu beefen sucht und Möglichkeit eines Feldzuges nicht für völlig ausge- schlossen hält, menn auch die ho heu Militärs und Di- plomaten dessen Wahrscheinlichkeit bestreiten. Neuere Preßstimmen halten diese gewissermaßen amtliche Auffassung der Dinge für optimistisch. Bei näherer Betrachtung der Sachlage ergibt sich jedoch in der Tat, daß Zu einem übertriebenen Pessimismus kein Anlaß vor- legt, denn trotz der schweren Verbrechen der Dynamit- vwlbe ist die aanze Orientfrage über ihr kritischstes Stadium schon hinaus. Die Wirren sind offenbar angezettelt von den bulgarischen Machthabern, die damit einen doppelten Zweck verfolgen. Einmal soll Bulgarien durch den Zuwachs von Mazedonien erheblich erweitert werden, sodann wollen die Bulgaren sich nicht mehr iniL inneren Autonomie begnügen; sie begehren Souveränität. Durch die stürmische Art, wie die Mazedonier die Reformen verlangten, suchten sie m^ bem Schein von idealen Interessen in den Kreis der mitberatenden und mittatenden Elemente Stehen — eine Spekulation, die fast geglückt wäre, oenn m Frankreich machte sich bereits eine lebhafte Volksbewegung für die „bedrückten" Mazedonier geltend. Aber der Zar -erhob die Hand und sofort kam diese Bewegung zum Stillstand. Das war der Höhepunkt der. >tnsis. Rußland hat durch seine Haltung nicht blos ^ine friedlichen Mächten, sondern auch seinen friedlichen Einfluß bekundet. Nicht blos das: es hat auch die bereits im Vorjahre durch die Rundreise des Grafen Lambsdorff angebahnte Neutralität Oesterreichs und Italiens zur Geltung gebracht. Die Großmächte haben also der hohen Pforte und auch ben unruhigen Elementen auf dem Ballan mit aller Deutlichkeit zu verstehen gegeben, daß teilen Mazedonien keinen Krieg wert ist. Die Tür- bur$ diese unzweideutige Friedensliebe der Großmächte eine ganz andere Bewegungsfreiheit gegen die unbotmäßigen Balkanvölker. Die erste Folge davon zeigte sich in bem scharfen diplomatischen Vorgehen gegen die Regierung in Sofia, die nur kurze Zeit eine etwas herrische Haltung zur Schau trug, dann aber um so gründlicher einlenkte, weil auch die anderen Staaten gegen die Bulgaren vorgehen. $n Griechenland bei- spielswelse, bei dem man nach dem gespannten Verhält- nis zur Türkei einiges Interesse für die stammverwandten Mazedonier erwarten sollte, schreitet man ebenfalls scharf gegen die bulgarischen Dynamitbolde ein. Eine ganze Zahl von bulgarischen Enigranten ist verhaftet worden; die Türkei hält weiterhin mit ihren Rüstungen jede größere Aktion der Aufrührer im Schach und d:e Herren in Sofia müssen sich sagen, daß es um die innere Autonomie geschehen ist, wenn die Türkei ihre Kanonen gegen Bulgarien richtet. Vom Auslande ist kein schütz zu erwarten. Das Temperament der Bulgaren war einmal eine internationale Kriegsgefahr, als d«r österreichisch« und der russische Einfluß noch in der Erwartung einer baldigen Auflösung des kranken Mannes im Balkan miteinander kämpften. Seitdem beide Mächte der Türkei gewissermaßen ihren Besitzstand garantieren :st Bulgarien vom Großherrn abhängiger als je. Offenbar hat man das in Sofia auch eingesessen und die Folge davon ist, daß nunmehr die Landesgrenzen so scharf bewacht werden, daß dem mazedonischen Aufstand der Zulauf fehlt. Der Haupträdelsführer, der bulgarische Oberst Zoutschew hat sich anscheinend auf höheren Befehl festuehmen lassen und ist nach Sofia gebracht worden. Dort wird ihm zwar nicht viel geschehen; er Tann aber wenigstens nichts verraten und die Regierung nicht kompromittieren. Fürst Ferdinand weilt wieder im Lande — der beste Beweis für den Aufschwung der Po- l:t:k und gegen die Wahrscheinlichkeit eines Krieges.
Ter bulgarische Ministerprä; ident Danew hat in einer Unterredung mit einem Journalisten die Frage der Mög- lrchkect einer kriegerischen Verwicklung auf dem Balkan erörtert. Er erklärte, er könne die bestimmteste Versicherung geben, daß seitens Bulgariens nichts geschehen werde, um ein solches Ereignis zu provozieren. Er gebe unumwunden zu, daß Bulgarien sich Hoffnungen auf Mazedonien mache, doch achte es die Souveränität der Turke:. Bulgarien betrachte die mazedonische Frage als Sache der Mächte, als eine Frage, die das kleine Volk allein nicht lösen kann. Die Ereignisse in Saloniki würden in Bulgarien einmütig verurteilt. Das dort verwendete Dynamit sei ni^lid)ermsif2 auch aus Bulgarien eingeschmuggelt, doch sei dafür die bulgarische Reaie- runa nicht verantwortlich-.
Deutschfeindliche prefstreibereien.
) ( ^as französische offizielle Telegraphenburean, die „Agence Halvas", mußte schon neulich von der „Nordd. Allg. Ztg." zurechtgewiesen werden, weil sie allerhand Lugenmâren über eine angebliche Verstimmung des römischen Hofes wegen des Kaiserbesuches im Vatikan der Welt auftischte. Indessen das hat nichts gefruchtet: das halbamtl:che Organ des Pariser Kabinetts setzt seine Lil- genkampagne gegen die deutsche Politik fort. Die „Agence Havas" we:ß neuerdings zu melden, am Sonnabend sei in Bernn eine „halbofsiziöse Note" veröffentlicht worden, Worm der englischen Regierung der Vorwurf gemacht wird, daß sie dem Deutschenhaß nicht entgegengetreten sei, obwohl s:e dem Berliner Kabinett für sein Verhalten während des Burenkrieges zu Dank verpflichtet gewesen wäre, ^icje Nachricht ist völlig erfunden; eine offiziöse Verlautbarung dieser ober ähnlicher Art ist nicht erfolgt. Das hindert natürlich die wohledle Londoner -„Times", die Deutschland gar zu gern etwas am Zeuge flickt, nicht, die Nachricht der Agence Havas für bare Münze zu nehmen ober sie wenigstens als solche auszugeben. Aber damit nicht genug, die „Times" muß noch ein Erkleckliches dazulügen. Sie schreibt:
„Es ist die höchste Zeit, daß es bekannt wird, daß das „sogenannte" Berliner Kabinett, selbst wenn es gewollt hätte, gar nicht die Macht besaß, den Buren zu Hilfe zu kommen. Nach der Depesche des Kaisers an Kruger wurden wenigstens vier kleinere deutsche Höfe in Berliu vorstellig. Es wurde dem Berliner Kabinett zu verstehen gegeben, daß es notwendig sei, vor so ernsten Maßnahmen, wie diesem Telegramm an Krüger, sich zu entsinnen, daß die Häupter der übrigen deutschen Staaten verlangen könnten, zu Rate gezogen zu werden, wen an an im Kriegsfälle von ihnen verlangen werde, daß sie ihr Kontingent zu den Vereinigten deutschen Streitkräften stellten."
, Weiter behauptet das Blatt, auch in Wien habe ”Iu9er^ctiefd)e „großen Unwillen" hervorgerufen, was der Berliner Regierung nicht unbekannt geblieben sei öie hatte also, selbst wenn sie gewollt hätte, ben Buren feine Uiiterftüßung leihen können. Nicht England sei Deutschland, sondern umgekehrt dieses den Briten zu Dank verpflichtet für die „großmütige Unterstützung", die die Londoner Staatsmänner Deutschland in der Venezuela- frage gewährt hätten! Wahrhaftig, eine edle Dreistigkeit! Es bedarf keiner besonderen Hervorhebung, daß die Meldung von dem Einspruch der Bundesstaaten gegen die Krugerdepesche völlig aus der Luft gegriffen ist. Von dem angeblichen „Wiener Unwillen" gilt dasselbe. Solche Hetzartikel der führenden Blätter in England zeigen, wie viel den glatten Worten der britischen Politik über das br:t:sch-deutsche Einvernehmen zu trauen ist.
F)of und Gesellschaft.
**♦ Der Kaiser ist von Straßburg aus in Bitsch ein. getrosfen, wo er aus dem festlich geschmückten Bahnhof von den Spitzen der Behörden empfangen mürbe. Staats' rat Jaunez entbot dem Monarchen in einer Ansprache im Namen der versammelten Mitglieder des Bezirksrates den Willkommen und den Dank für den Besuch und schloß darau die Versicherung unverbrüchlicher Treue. Der Kaiser dankte und sprach seine Freude über den glänzenden Empfano aus. Vom Bahnhof fuhr er dann mit dem Statthalter Fürsten Hohenlohe nach dem Marktplatze, wo niedrere hundert junge Mädchen in Landestracht Aufstellung qe- nommen hatten. Nachdem der Bürgermeister hier der Kaiser begrüßt und dieser den Ehrentrunk entgegengenommen hatte, wurde die Fahrt nach der Kaserne des Magdeburgischen Jägerbataillons Nr. 4 fortgesetzt. Dort fand die Weihe und Uebergabe einer neuen Fahne statt Abends wohnte der Kaiser mit seiner Gemahlin, die oorausgereist war, der Einweihung der neuen Fassade der Kathedrale in Metz bei. Der Monarch empfing den eigens zu dieser Feier entsandten päpstlichen Delegaten Kardinal Kopp in besonderer Alldienz. — Von der Fahrt des Kaisers nach Schlettstadt ist noch nachzuholen, daß der Kaiser unter Führung des Architekten Ebhardt die Renovierungsarbeiten der Hohkönigsburo eingehend besichtigte und den Schlußstein zum Turmbau legte. Auf dem ganzen Wege wurde der Kaiser von Schulen, Vereinen und Behörden begeistert begrüßt. Vor bei Abfahrt nach Schlettstadt hatte der Kaiser noch den Uw terstaatssekretär Freiherrn Zorn v. Bulach empfangen und ihm feine Ernennung zum Wirklichen Geheimen Rat mitgeteilt. Der endgiltige Abschied von Straßburg gestern früh um 8 Uhr erfolgte unter dem Geläute der Glocken und begeisterten Kundgebungen des Publitüms.
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Die Politik.
Zwei neue deutsche Kardinäle?
nr Eine erfreuliche Kunde kommt aus Rom: In vatikanischen Kreisen Deviantes, Papst Leo beabsichtige, außer dem Kölner Erzbischof Dr. Fischer noch ben Bischof von Straßburg oder deu Bischof von Metz zum Kardinal zu ernennen. Hoffentlich wird diese Absicht des Papstes, die eine, namentlich im Hinblick auf die nächste Papstwahl, ,ehr wünschenswerte Verstärkung des deutschen Einflusses im Eonclave herbeiführen würde, nicht von der übermächtigen französischen Partei unter den Kardinälen vereitelt. Daß die Ernennuiig eines reichsländischen Bischofs aeben dem Kölner Erzbischof eine Desavouierung Frank- eerchs und seiner Aspirationen auf die Reichslande darstellt, ist fraglos.
Kulturkämpferisches aus Frankreich.
(—) Der jüngst gemeldete Krawall in der Kirche zu Aubervilliers bei Paris hat jetzt noch ein Nachspiel gehabt. Der französische Unterrichtsminister sperrte dem Abbe Valentier in Aubervilliers das Gehalt, weil er dem Jesuiten Coube, also einem Mitgliede einer der staatlich nicht genehmigten Orden, gestattet hatte, in seiner Arche zu predigen. Der Abbe Valentier hat gegen die antiklerikale Zeitung „Action" einen Prozeß angestrengt; er beschuldigt sie, daß sie die in seiner Kirche vorgekommenen Ruhestörungen angestiftet habe. — In Versailles kam es zu einer gegen die Regierung gerichteter: Kundgebung, als die Gräfin Delanges, die ju acht Tagen Gefängnis verurteilt worden war, weil sie einen Friedensrichter bei der Schließung einer Kon- ^regationsschule beschimpft hatt', sich zur Verbüßung ihrer Strafe nach dem Gefängnis begab. Ihr wurden
Hus dem GeriebtssaaL
§ Der Brand auf S. M. S. „Moltke". Die gegen den Oberleutnant Gleiß vom Kriegsgericht des Marinebil- oungswesens verhängte Strafe von einem Monat Fest- ungshaft wegen fahrlässiger Brandstiftung an Bord S. i „Moltke", wurde vom Oberkriegsgericht der Ostsee- statwn gestern auf Berufung des Gerichtsherrn in eine Gefängnisstrafe von einem Monat umgewandelt. Das Be.
Ungehorsam gegen einen Dienst.
^dern Vergehen der fahrlässigen Brandstiftunc gemäß dem Reichsstrafgejetzbuche an.
des Bettlers. In Wien wurde wegen ... f 11seiner Frau der 71jährige Josef Zimmermann mm- schweren Kerkers verurteilt. Zimmer-
! 'sttete samt seinem drei Jahre älteren Weibe ein i dessen tägliche Würze Zank unb Streit
S sonderbares Verhältnis bitbete sich heraus, unh Ee ^)ahr:ge Nähterin zur Geliebten erkor
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ErsersüchKe drohte ihm stets, wie w behauptete s:e werde ihn an den Galgen bringen.
ergriff der Alte ein Küchenmesser und stieß es feiner Frau in den Rücken. Wenige ^uten später w.,s tot. Zimmermann stieß sich dann leicht^ ^^ ^^ m die Brust, verletzte sich aber nur
Kleine Gerichts-Chronik. Gegen den Matrosen Messerschmidt vom Schulschiff „Stein" wird k . r dem Aeler Kriegsgericht dieser Tage die Anklage wegen tätlichen Aw grifft auf den unglücklichen Fähnrich v. Abel erhoben werden, der bekanntlich Selbstmord aus gekränktem Ehrgefühl begangen hat.
— Ein Prozeß ä la Rothe wird in Dresden verhandel! werden. Die 53jährige Handelsfrau Therese sauber iß angeklagt, durch Wahrsagungen und mediumistische Seaw een 23 Herren und Damen aus Dresden, Berlin, Chemnitz um nicht weniger als 25,779 Mark betrogen zu haben Zu der Verhandlung sind 33 Damen geladen.