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»r. 189.

vbo»eme«tSpreiS: in Gießen, abgehsit monatlich üOPfg., in'S Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertel­jährlich Mk. 1.50.

Gratisbeilage« : OberheMsche Familie«reitu«g (täglich) Oberhesfische Zeitschrift für Lamdwirtschaft, Obst u«b Narteaban, sowie die Gietze,er Seife«blase« (wöchentlich).

Das Äatt erscheint an alle« Werktagen nachmitagS.

Freitag, den 14. August 1903.

Gießener

__________________12. Jahrgang.

InsertioaSprei Sr Die einspaUlgc Petitzcile für (Hießen wie ganz Obcrhcssen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg, wüst 15 Pfg.; Reklame« die Petitzeile 30 resv. 40 Pfg.

Postzeitungsliste No. 3269.

Redaktion und Expedition: Gießen Neuenweg 2 8.

Ferasprecha«schl«ß Rr, .368.

Hleuege Nachrichten

(Gießener Hagevtalt) Maöyängige Tageszeitung (Gießener Meitnng)

für Overhefsen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

Bekanntmachung.

Nachdem die bei einem Schweine des Oekonomen Preis dahier ausgebrochene Rotlaufseuche erloschen ist, wird die unterm 24. Juli l. Js. angeordnete Gehöft­sperre aufgehoben.

Gießen, den 12. August 1903.

Großh. Polizeiamt Gießen

___________________I. V. _____________________

Gießen, 12. August 1903. Mr.: Schulversäumnisse.

Die Gr. Kreisschulkommission Gießen

an die Schulvorstände des Kreises

Unsere Verfügung vom 27. April 1900 in obigem Betreff bringen wir eindringlich in Erinnerung. Rament- lich ist streng daran festzuhalten, daß Urlaub nicht ge­währt werden darf, wenn er erbeten wird, weil im Eltern Hause geschlachtet wird, oder weil sich die D re schm a sch ine daselbst befindet und bei der­gleichen Anlässen mehr. Verfehlungen hiergegen werden entsprechend geahndet werden.

Dr. B c e i d e r t.________________________

Bekanntmachung.

Am 17., 20. und 21. ds. Mts. werden im hiesigen städtischen Hospital das dort befindliche Mobiliar, Betten, Schränke, Tische Stühle ?c. Haus- und Küchengeräte, Kleid­ungsstücke, Weißzeug, Kinderzeug, Bettwerk, Reinigungs­mittel 2C. öffentlich meistbietend versteigert.

Gießen , den 10. August 1903.

Die Armen-Deputation der Stadt Gießen.

_______________Eurschmann._______________

Bekanntmachung

Die am 11. Juli l. I. angeordnete Sperre der Marktstraße wird hiermit aufgehoben.

Gießen, den 13. August 1903.

Großh. Polizeiamt Gießen.

________________I. V.: Roth. _________________

Bekanntmachung.

Wegen Vornahme von Walzarbeiten wird die Moltkestraße von Freitag, den 14. l. Mts. an bis auf todteres für den Fuhrwerks- und Fahrradverkehc ge­sperrt.

Gießen, den 13. August 1903.

Großh. Polizeiamt Gießen.

J. V.: Roth. _____________________

Die ^anâlcburei russische provinzl

A Was tatsächlich längst der Fall war, wird jetzt and formell besiegelt: Rußland bat vor aller Welt die Maud 'dnirei für eine russische Provinz erklärt. Ein eben ergarr jener Ukas des Zaren befiehlt, daß aus dein Amur-General .mâerniat und dein Kwantunggebiet eine b e s o n d e r l Statthalterschaft gebildet werden soll. Es heißt in dem Ukas:

Ter Statthalter lvird mit höchster Gewalt in aller Zweigen der Zivilverwaltung des Gebietes bekleidet, die gleichzeitig der Leitung der Ministerien entzogen wird. Ihm liegt auch die Sorge für Rube, Sicherheit und Wohl­fahrt sowohl der an der chinesischen Oßbahn liegenden Gegenden als auch der an die Statthalterschaft angren­zenden, jenseits der Grenze liegenden russischen Besitzun­gen ob. Die diplomatischen Beziehungen im Verkehr dieser Gebiete mit den Nachbarstaaten sind in den Händen des Statthalters konzentriert. Ihm lvird auch das Kom­mando der K r i e gs f l o t t e i m S t i l l e n Ozean sowie aller Truppen des Gebiets übertragen. Ein besonderes Komitee unter dem Vorsitz des Zaren wird die Anordnungen des Statthalters mit den allgemein­staatlichen Absichten und der Tätigkeit der Ministerien in Einklang bringen."

Generaladjutant Alexe jew ist bereits zum ersten Statthalter im fernen Osten" ernannt. Dieser Ukas be­deutet nicht mehr und nicht weniger, als daß die Mand­schurei der chinesischen Verwaltung völlig entzogen und der russischen unterstellt wird. Mit großer Schlauheil haben die russischen Staatsmänner die Sache aber so eingefädelt, daß Rußland selbst, als Staat, mit der Verwaltung bei Mandschurei nichts zu tun bat: der Statthalter verfährt dem Auslande gegenüber völlig selbständig-, daß er nur nach den Weisungen Rußlands handeln wird, geht aus dem Ukas andererseits auch hervor. Zweifellos wird sich in England ein Sturm der Entrüstung über Rußlands Verfahren er­heben. Aber dieser ^tunn dürfte ergebnislos vorüber­

rauschen; zweifelsohne hat das Ma bi nett an der Newa fiel über die Duldung dieses seines neuesten Schrittes durch die anderen in Ostasien beteiligten Mächte schon vorher ver gewijsert.

Hleue Umwälzung in Serbien.

G Was kommen mußte, kam: In Serbien ist angesichts der unhaltbaren Zustände innerhalb der militärischen Kreiß eine Ministerkrise ausgebrochen: Aus dein Kabinett Awaku mowitsch trat infolge eines Zerwürfnisses mit dem Kriegs- minister Atanaskowitsch in plötzlichem Entschluß der Justiz minister Ochiwkowitsch und der Kultusminister Stojano mitsch (beide extremradikal) sowie der Finanzminister Dr, Weljkowitsch (liberal) aus, und nach wenigen Stunden trat das ganze Kabinett zurück. Ter König hat die Demission des Ministeriums angenommen und den bisherigen Minister Präsidenten Awafumowitsch mit der Neubildung des Kabi­netts beauftragt. Bringt er sie nicht zu stände, so soll Gruitsch, der derzeitige Gesandte in StambuL mit der Neu bildung betraut werden. Als Grund der Krise wird mit geteilt, daß die zuerst ausgetretenen drei Minister, die die Königsmörder begünstigten, von dem Kriegsminister forber len, er solle einige höhere Offiziere, die Vertraute König Alexanders waren, aus ihren Aemtern entfernen. Dagegen sträubte sich der Kriegsminister, infolge dessen verweigerten ihm die drei Minister die Bewilligung von ihm beanspruch­ter Gelder.

Die Neubildung des Ministeriums lvird zweifellos zu großen Parteistreitigkeiten in Serbien führen, zumal da die drei Minister, die dem Kabinett das Lebenslicht ausgeblasen haben, als Führer der stärksten Partei des Landes, Awaku- mowitsch ebenso mie Gruitßb, große Schwierigkeiten machen iverden. Angesichts dieses schon jetzt stark hervorgetretenen Parteihaders soll K ö n i g P e t e r bereits regierungsmüde sein. Aus Belgrad verlautet in einstweilen freilich noch um verbürgter Weise, König Peter habe erklärt: Wenn die Parteikämpse so weiter gingen, wie bisher, iverde er a b= b a n k c 11 u n d Serbien verlasse n. Diese Meldung klingt zlvar nicht recht glaubhast, immerhin beweist die Tat fache, daß ein solches Gerücht in Belgrad überhaupt auf kommen konnte, wie verworren und lichtlos die Parteiver Hältnisse in Serbien sich gestaltet haben.

Etwas post fest um besinnen sich die Kabinette von Petersburg und Wien darauf, wie man mit den serbischen Königsmördern umzuspringen hat. Nach einer Meldung aus Wien wurde dem dortigen serbischen Militärattachee vom Wiener Generalkommando nahegetegt seine Abschieds­besuche in Zivil zu niachen, da er in Uniform nicht em­pfangen würde. Ferner Würbe die Regierung aufgefordert, den der Wiener Kriegsschule ungeteilten serbischen Haupt­mann abzubernfen. Außerdem wurde in Belgrad zn Ver- fleben gegeben, daß man als neuen Militärattachee nur einen Offizier annehmen würde, der der Belgrader Garnison seit mindestens einem Jahr nicht angehört. Die serbischen Offiziere, Wdd)e russischen Militäranstalten oder russischen Truppenkörpern zugeteilt waren .erhielten von der russischen Militäroberbehörde die amtliche Aufforderung, Rußland so­fort zu verlassen. Nur infolge einer Persönlicheil Fürbitte des Königs Peter, der sich telegraphisch an den Zaren wandte, ^folgte eine Fristverlängerung, nicht aber eine Aufhebung der Maßregel.

Die Politik.

Crampas-Saßnitz Torpedobootshafen.

Der bisher nur durch idyllische Badeireuden bekannte friedliche Ort Crampas-Saßnitz ans Rügen ist, wie unser Berliner CB,Mitarbeiter erfährt, zu einem wichtigen Stütz­punkt für unsere Torpedobootsflotille ausersehen. Gelegent­lich seines letzten Besuches in Cranrpas-Saßnitz im vorigen Monat hatte der Kaiser schon Gelegenheit genommen, im Gespräch mit höheren Marineoffizieren die hohe strategische Wichtigkeit des Punktes zu erörtern. Jetzt ist eine aus mehreren höheren Regierungsbeamten bestehende Kommis­sion an Ort und Stelle gewesen, um Studien behufs An­legung eines Kasernements und Erweiterung des Hasenc- vorzunehmen. Es ist in Aussicht genommen, eine Torpedo­boots-Division ständig in Crampas-Saßnitz zu stationieren.

Japanische Unhöflichkeit.

^ Unser Kaiser hat von Warnemünde aus an den an Bord desFürsten Bismarck" im Hafen von Uakohame wer (enben Vizeadmiral Geißler ein Telegramm gesandt, in dem er ihn beauftragte, dem Kaiser von Japan persönlich feine G r ü ß e zu überbringen. Jedoch war der Mikado gerabe unpäßlich und konnte den dentschen Admiral nicht persön­lich empfangen. So mußte dieser sich bem Hausminister Vikomte Tanaka gegenüber seines Auftrages entledigen.

Es hätte dem asiatischen Herrscher wohl angestanden, den deutschen Admiral, der ihm einen Gruß des deutschen Kai­sers überbrachte, später persönlich zu empfangen, wenn et ihn krankheitshalber nicht sogleich empfangen konnte.

bin n mc ri hui if dp hi n n bi fdje r Zwischen sa II.

A Auf dem Eriesee kam es dieser Tage zu einem Ren Umtre zwischen einem amerikanischen Fischereifahrzeug Silver spray" imb dem kanadischen Zoll tut terPetrel". Die Silverspray" war zu weit nach dem kanadischen Ufer bim übergegangen, wurde vomPetrel" angehalten und gc* rammt. Als dieSilverspray" hierauf zu enttommen ver suchte, eröffnete der Zollkutter mit allen seinen G e s ch ü b c n das 8euer auf sie.Silverspray" erhielt 2 0 Schuß; bon ver Bemannung wurde jedoch niemand getötet. Die Ver­folgung wurde erst aufgegeben, alsSilverspray" über bet Grenzlinie War. Der Kapitän des amerikanischen Schiffes behauptet, er habe nur seine Netze gepicht, die auf die kana dische Seite hinüber getrieben waren, und will den Vorfall an das Staatsdepartement berichten. Da wird man wohl wieder von den Kanadiern, die Europas übertünchte Höflich­keit noch immer nicht kennen, und den nicht minder derben Bankees einige erbauliche Wechselreden zu hören befommen.

Kurze politische Nachrichten.

* Der Handelskammer in Sonneberg ist eine Warnnna uur Russen zugegangen, die unterwegs sind, um die deutschc Industrie zu studieren und die gesammelten Kenntnisse dam in Rußland für die Konkurrenz der deutschen Industrie zr verwerten.

* Der preußische Kron rat ist nach einem Vortrage bei Grasen Bülow beim Kaiser um einen Tag verschoben Wor den. Vor dem Vortrage hatte der Kanzler eine Vesprechuni: mit den Ministern.

* Die Abgeordneten Bebel imb Singer haben die ihner angebotene sozialistische Landtagskandidatur für Brcslcn .WgelcbnL

Das Gerücht von einem Mord an sch lag auf König Carol uo 11 Rumänien war in Budapest verbreitet. Das Gerücht erwies sich als völlig imbegründet.

Wie aus R o m verlautet, soll KardinalSatolli zum Kardinalstaatssekretär ernannt werden; er zögere aber noch, den Posten anzunehmen.

* Bei Brest hat der sranzösische PanzerMassena" dae angekündigte Experiment, aus etwa 100 Meter Entfernung einen Panzert urm desSuffren" zu beschießen, gemacht. Die Geschosse wurden mit einer Anfangsgeschwindigkeit von 050 Meter abgefeuert. Ueber das Ergebnis der Schießerei wird noch Stillschweigen beobachtet. 4

* Die Belgrader Zollbehörde verurteilte die bnlgarischk Regierung zu 21 000 Francs Strafe, weil sie acht Waggons mit Waffen nnb Munition als Papier deklariert patte.

Bei Kweitschou sind chinesische Truppen von den Auf> ständischen geschlagen worden. 3000 von deutscher Offizieren ausgebildete Mannschafteu sind zur Verstärkung in Kanton eingetroffen.

' Auf der Eiseubahnstrecke Söul-Fusan sand ein Schar niiikcl zwischen Japanern und Koreanern statt, wobei eir Koreaner getötet und mehrere verwiludet Warben. £

* Das Dorf Poeloe Tengah im Inneren von Sumatra ist von niederländischen Truppen genommen worden. Der Feind hatte 300 Tote; auf Seiten der Niederländer wurder ein Offizier und sechs Mann getötet unb ein Offizier uni fünfzig Mann verwundet.

hof und Gesellschaft.

*** 3 u m Besuche des K aisers in D r e s d e u > welcher, wie bereits erwähnt, für ben 1. September er. fest­gesetzt ist Wirb noch gemeldet, daß sich der Kaiser am 2. Sep­tember vom Neustädter Bahnhöfe aus zur Teilnahme an der Parade nach Zeithein begeben wird, von wo an demselben Tage die Rückkehr nach Dresden erfolgt. Im Anschluß an das im königlichen Nesidenzschlosse stattfindende Diner ver­läßt der Kaiser Dresden, um zunächst nach Merseburg tvei- terzurciseu. Der Kaiser beabsichtigt, gelegentlich seines für Ende nächsten Monats in Aussicht genommenen Auf­enthaltes auf der Gutsherrschaft Cadinen einen Abstecher nach Labiau 31t unternehmen, um in den daselbst belegenen großen Forsten der Jagd auf Elchwild obzuliegen.

Die Kaiserin empfing im Neuen Palais den Oberpräsidenten von Bethrnann HolWeg, um von ihm Mit­teilungen über den Umfang und die Art der auch in bet Provinz Brandenburg zu beklagenden Hochwasserschäden entgegenzunebmen. Die Kaiserin ließ dem Oberpräsidenten als Beihülse für besonders dringende Notfälle den Betrag von 3000 Mk. überweisen.

** P t i n 3 unb P r i 113 e f f i 11 N u p p r e ch t bon Bayern sind von ihrer dreivierteljährigen Weltreise zurück- gekehrt unb nach kurzem Aufenthalt in München nach Possen­hofen zu den Eltern der Prinzessin weitergefahren.

Hus dem Gerichtssaal.

§ Der Humbertprozeß. Im Vordergründe der Verhand ungen steht noch immer Romain Taurignac. Jin Gegenfas ;u den bisherigen Gutachten bekundet der Graphologe Hof zard, die Handschrift Rwmains tveiche von der auf den nw ^rawforb gezeichneten Schriftstücken bedeutend ab. RMau: