Nr. 162,
Wbe*l*WewU>ttU r i* Gießen, abgehsk monatlich 60 Pf,., M -«us gekracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertel- jährlich Mk. 1.50,
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Dienstag, sen 14 Juli 1903.
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J«serti»«-Pre1 6t Die -inf^sttt« Petitzeste Mr Sich« mir ganz Oberhessen, die Kreise Wetzlar und Rarburg 10 Pf^ sonst 15 Pfg.; Rerl<iwe« die Petit-eile 36 resp. 40 Wg.
PoftzeittrngSliste Ro WSS.
Redaktion und Expedition: Gießen Nene»»«, 86, Feeus»se<ßO«fchl«ß Äe. SW»
Quelle Nachrichten
(#NN*w B»ge»Lâ M»aS-«»zist L«g<szett«»- tOr-Hene»- leistete^
für Oberhesien und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung, «achillt alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden m Oberhesien
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Bekanntmachung.
Die Stelle des städtischen Vollziehungsbeamten (Pfandmeister) ist infolge Ruhestandsversetzung des bisherigen Inhabers anderweit zu besetzen. M t der Stelle ist ein pensionsfähiger Gehalt von 1480 Mk steigend um jährlich 40 Mk. bis zum Höchstgehalt von 2200 Mk. sowie Hinterbliebenen-Fürsorge verbunden. Bewerber, welche die Prüfung im Finanzfach II. Kategorie bestanden und als Vollziehungsbeamte schon praktisch tätig gewesen sind, erhalten den Vorzug. Meldungen sind schriftlich unter Beifügung von Lebenslauf, Zeugnisab fünften und Gesundheitsschein bis zum 10. August hier her einzureichen.
Gießen, 11. Juli 1903.
Der O^erbürgermkisür
I. V.: C u r s ch m a n n , B< igeordneter.
König Peter und seine Banditen.
Der neue Serbenkönig leitet seine Regierung vortrefflich mi. Er Zeigt, daß er sich bereits im Lande der Königsmörder ;anz akklimatisiert hat: Seine letzte Amtshandlung aus An 'atz seines Geburtstages war, unter anderen Offizieren dem bisherigen Kommandanten des 6. Infanterieregiments, Oberstleutnant Misitsch, eine hohe Beförderung angedeihen zu assen. Misitsch wurde zum Leiter der Militärabteilung des lkriegsministeriums ernannt. Das 6. und 7. Infanterieregiment umstellten in der Mordnacht bekanntlich ben Konak, and Misitsch war es, der an der Spitze seiner Offiziere ein- )rang und das Königspaar ermordete.
Diese Maßregel des neuen Königs bebeutet eine nnrhörte Provokation der öffentlichen Moral. Wenn auch, dav sei an Dieser Stelle eigens hervorgehoben, weder Alexander noch Draga sich irgend welcher Sympathien in Deutschland er- Teuten und erfreuen konnten, so wird doch dre ganze denpan Bevölkerung diesen Schritt des neuen Königs als einen Peitschenhieb auf allen Anstand und Sitte. empfinden. Von Den Regierungen der Mächte wurde die Bestrafung der Mörder verlangt, als stillschweigende Voraussetzung eines wei- eren dauernden diplomatischen Verkehrs mit Serbien. Das mt dagegen König PAer? Den Anführer der Mordgeselleu ernennt er 311111 Chef feiner Militärabteilung. Hätte er dre- ■ eiligen, die ihn zum Throne verholen haben, geschont es wäre menschlich 311 begreifen, daß er sie aber für ihre Himmel chreiende Schandtat belohnt, nmß ihn: für immer dre ^Sympathien des gesitteten Europa entziehen. Man konnte anI derartiges allerdings schon vorbereitet sein, da das Gerücht .nm bei bevorstehenden Strafversetzung des 6. und 7. Regi nents von Belgrad sich nicht nur nicht bwahrheitete, sondern ils „durchaus unbegründet" amtlich energisch dementiert wurde.
Bei diesem Verhalten König Peters kann man sich nicht Kimbern, wenn sich über sein Haupt die bittere Lange der Satire ergießt. Von Peter werden jetzt in serbischen B.ältern Wunderdinge erzählt, wie er — ein zweiter Harun al Raschid — in unscheinbarer Kleidung in der Stadt umherwandert >md sich und andere belehrt. Ein Wiener Satiriker schildert nun seine Begegnungen mit Soldaten und Olfizieren. Einen Soldaten, der" sich dem Könige gegenüber bereit erklärt, „seinen guten König Peter" für ein Goldstück, z:: ermorden, ernennt er zum Offizier im 6. Infanterieregiment, „da er als nichtswürdiger verräterischer Bube nicht mehr wert sei, den einfachen Soldatenrock zu tragen". Und der Soldat schämte sich. In einer anderen Szene läßt unser Satiriker Peter und verschiedene Offiziere beim Mahl sich ewige Treue schwören: „Mein Eid sei dein Eid und dein Eid sei mein Erd", schloß der Monarch seinen Trost und dann die fröhliche Sitzung. Auf dem Heimweg in den Konak äußerte Peter den Wunsch, noch einen Slivowit; zu genießen. Tic Gesell schaft suchte eine nahe Branntweinschenke auf, doch diese luai noch gesperrt. Ratlos Mief teil die Offiziere sich an. „Ihr noth serbische Offiziere sein", sprach Peter ziirnend, „und seiner von end) hat einen Dietrich bei sich?" Danir zog er eine hübsche Kollektion englischer Einbrecherwerkzerrge aus seiner rückwärtigen königlichen Hosentasche und hatte in wenigen Minuten den Branntweinladen geöffnet.
Ein Zerrbild - und doch nur zu wahr. Mag der fer bische König auch bei seinem Geburtstage im ganzen San bi in Gottesdienst und Festlichkeiten gefeiert worden fein' wie -s der offizielle Bericht aus Belgrad triumphierend meldet: So lange er-mit ben Meuchelmördern in dieser Weise Mr fährt, darf er sich nicht wundern, wenn er als ihr Genosst Krachtet wird.
j^eue ostasiatisebe Gruselmärcben.
X Die britische Presse hört nicht auf, die Oefsentlichkeit mit Nachc^-ä.en über angebliche Gefahr für den Welt
frieden zu beglücken, die in Ostasten drohen soll. So meldet das Reutersche Snrcnii jetzt wieder, in Port Arthur ständen etwa 30 000 Mann russische Truppen, und weitere 16 000 seien dorthin unterwegs. Es herrsche eine lunzewöhnlichc Tätigkeit in der Ausbildung der Soldaten und Seeleute. Viele Adnnrale und Generale seien in Port Arthur anwesend. Das britische Bureau, dessen skrupellose Verlogenheit bekannt ist, will offenbar den Anschein erwecken, als stünden kriegerische Verwickelungen in Ostasien bevor, an denen auf der einen Seite Rußland, auf der anderen Japan, England und Arnerika teilnehmen würden. Demgegenübe: ist es als sicher zu betrachten, daß zwischen Rußland und Japan eine Verständigung über einen modus vivendi erzielt ist: der Besuch des russischen Kriegsministers Kuro- Patkin in Tokio diente diesem Zweck. Daß Rußland an bei Mandschureigrenze größere Truppenmassen versammelt, ist ja Tatsache. Das hat aber nicht etwa darin seinen Grund, daß Rußland sich auf den Ausbruch von Feindseligkeiten gefaßt macht oder gar selbst solche im Schilde führt. Rutz, land verfolgt vielmehr mit der Ansammlung von Truppen in Ostasien genau den gleichen friedlichen Zweck, den z. B. Deutschland mit der WHaltung seiner starken Truppenmachi im Auge hat. Hätte Rußland nicht eine achtunggebietende Anzahl Truppen in Ostasien präsent, so wäre die Gefahr eines feindlichen Zusammenstoßes zwischen ihm und den anderen dort interessierten Mächten ziemlich groß. Angesichts der starken russischen Truppenmacht in Ostasien werden sich die anderen Mächte hüten, mit Rußland auzubiir- den, und für die Verständigungsvorschläge, die Kuropatkin in Tokio machte, gaben die russischen Truppen in Ostasien eine recht wirksame Folie ab. Wie die Dinge jetzt liegen, darf die Gefahr eines bewaffneten Zusamnlenstotzes in Ostasien als beschworen gelten. An Reibungen nürd es natürlich mich in Zukunft nicht fehlen, sie werden eher an Nachdruck zuriehmen, je mehr Rußland seine militärische Mach: dort verstärkt. Denn Rußland wird mit dem Anwachsen seiner sofort verfügbaren Streitkräfte anspruchsvoller auf- treten. Daß es unter diesen Uniständen einmal zum Klap pen kommt und die Bajonette sich kreuzeir werden, ist selbstverständlich. Aber das wird erst geschehen, wenn es Rußland behagen wird. Und einstweilen hat Rußland kein Interesse daran, die Sache auf die Spitze zu treiben.
Vom Sterbelager des papstes.
e§3 Einer vorübergehenden Besserung im Befinden, des Papstes, die am Sonntag eintrat und den ganzen Tag über anhielt, folgte am Montag wieder eine Verschlimmerung. Als die Aerzte Montag Vormittag beim Papst eintrafen,Ivar er im Begriff, einzufchlummern. Der Papst sagte, er suhle sich schwach und abgespannt, und bat, ihn schlafen 3U lassen, da er milde sei. Vor dem Fortgehen nahmen die Aerzte eine flüchtige Untersuchung vor, wobei sie seststellten, daß du Flüssigkeit in der Brusthöhle sich nicht vermehrt hatte, omu daß der Kranke schwach war und sich in weniger gehobener Stimmung befand. Seit Sonntag hat der Papst wenig Nahrung zu sich genommen. Als Professor Mazzoni den Vatikan verließ, machte es den Erndruch daß er besorgt sei. Mazzoni begab sich Zu Professor Rossom, um ihn über das Befinden des Papstes zu unterrichten. Der Pacht empfing ausser den Aerzten niemand. Die Aerzte sollen wegen der mangelnden Nierensunktionen beunruhigt fern, da biete ständig eine Katastrophe besürchten lassen. Prosestor Razzoni hat dem Kranken größere Mengen von Nahrserum unter die Haut injiziert, was sehr wohltätig gewirkt har. Indessen nehmen die Kräfte des Greises mit reißender Schnelligkeit ab, und der Eintritt der Katastrophe ip nur lod) eine Frage weniger Tage. Am Sonntag wurde übrigens Die Mitra des Schutzheiligen von Neapel, des heiligen Januarius, in das Krankenzimmer gebracht und mit bei Stirne des Papstes in Berührung gebracht. Auch wurde ein Vurpurkäppchen, das der Papst zu tragen Pflegte, mit bei Mitra in Berührung gebracht mrd dann dem Papste aufgsetzt. Der Papst selbst duldete nicht, daß die Mitra mit' dem Krankenzimmer entfernt werbe; er küßt sie häufig und lispelt dazu Gebete. ,, . J-Y
Inzwischen beschäftigt man sich in vatitamichen Kreisen bereits eifrig mit dem Konklave. Wie es heißt, haben dü Kardinäle Gotti unb Ram Polla miteinander vereinbart, daß sie die Stimmen ihrer Anhänger demjenigen von ihnen zu- menben wollen, der im ersten Wahlgang mehr stimmen erhält als der andere. Gegen die Wahl Ranipollas wird Oosterreich-Ungarii übrigens nidjt, wie gegenüber anderslautenden Meldungen festgestellt sei, von feinem Vetorecht Gebrauch machen.
Die Politik.
Größere Sicherung der Eisenbahnzüge.
=Q: Zur größeren Sicherheit des reifenden Publikums hat der preußische Eisenbahnminister wieder eine dankenswerte Verfügung erlassen. Danach darf kein Lokomotiv- oder Zug- führer zur Beförderung von Zügen oder einzelnen Loko- motiben aus Strecken zugelassen werden, die er noch nicht kennt. Diese Streckenkenntnis sollen die Beamten sich dadurch erwerben, daß sie die betreffende Strecke bei Tage und
sei Nacht je zweimal, oder, wenn sie Schnellzuge führen sollen
'e dreimal hin und zurück befahren haben. Sie haben danl dne schriftliche Erklärung abzugeben, daß sie bi£ streckt senilen und im Stande seien, aus ihr mit voller Sicherster. M fahren.
Aenderung des LnndtagswahtregWnents in Preußen.
CB. Das preußische Landtagswahlreglement ist jetzt in vermiedenen wichtigen Gunsten abgeändert worden. Diese Ab änderungen entsprechen einer Erklärung, die der preußische Minister des Innern am 6. März b. Js. im preußischen Ab- zeordnetenhause abgab. Im wesentlichen ist der Inhalt der Kenberungen folgender:
In Wegfall kommt die Bestintmung des alten Wahlregle- ments, wonach der Protokollführer bei der Urwahl verpflichte: rar, den Wählern zu gestatten, daß sie selbst den Mamou des von ihnen gewählten Wahl mannes in die Liste ein tragen. Nach Der neuen Bestimmung hat nur der Protokollführer die Befugnis, die Liste auszufüllen. Diese Aenderung ist offenbar getroffen, um die Ankündigung der Sozialdelnokratie, sie mürbe die Wahlakte durch langsames Einträgen der Namen hinziehen, zu nichte zu machen.
Ferner wird in der neuen Ordnung bestimmt, daß mehrere Wahlgänge in einen zusammengezogen und daß das System der Stichwahl möglichst vereinfacht werden soll.
Für die Wahl der Abgeordneten sind Erleichterungen geschaffen worden. Während bisher mehrere Wahlgänge erforderlich waren, falls mehrere Abgeordnete zu mähten waren, hat nunmehr jeder Wahlniann sofort anzu geben, wen er an erster, zweiter oder dritter Stelle zum Ab- georbiietcn wählt. Es ist nicht unzulässig, für jede Stelle denselben Namen zu nennen. Der Protokollführer trägt ben ober die von dem Wahlmann bezeichneten Namen sofort neben Den Namen des Wahlmannes in die entsprechenden, zur Auf nähme der Ahstimtnungsvermerke bestimmten Spalten bei Wahlmännerliste ein. Dabei sind Abkürzungen^ statthaft, welche keinen Zweifel über die gewühlte Person lassen.
Politische Krawalle in Ungarn.
eEP Die verfahrenen politischen Verhältnisse in Ungarn haben wieder einmal zu blutigen Krawallen geführt. In Großwardein berichtete am Sonntag der Führer der obstruk- tionistischen Gegner des Kabinets Khuen-Hedavary, der Ab- geordnete Bara'bas, über die Lage. Ein Teil der Wählerschaft hatte beschlossen, ihm sein Mißtrauen auszusprechen und ihn anfzufordern, die Obstruktion einzustellen. Es kam zu Tumulte::, wobei die Polizei und Militär einschreiten mußten. 17 Personen wurden verwundet; die Polizei nahm 12 Verhaftungen vor. Am Abend durchzogen Polizei- und Militärpatrouillen die Straßen.
Reue bulgarisch-türkische Unfreundlichkeiten.
W Trotz des diplomatischen Ausgleichs zwischen der Türkei unb Bulgarien dauern die Häkeleien an der Grenze fort. Aus Konstantinopel werden Zusammenstöße von türkischen und bulgarischen Truppen an der Grenze gemeldet. Du Türken werfen den Bulgaren Grenzverletzung vor. Die Bulgaren behaupten, die Türken hätten neutrales Gebiet besetzen wollen. Die türkischen Minister wurden plötzlich zusanunen- Irufen, um über die Lage zu beraten. Neue Truppen sind m den Fahnen einberufen. ------ -—
Kurze politische Nachrichten.
* Bei der ReichstagsNachwahl im Wahlkreise Konitz Luchel wurde Kulerski (Pole) mit 6024 Stimmen gewählt. 'M er Mi hatte sich selbst gegen den Willen des polnischen Centralwahlkomitees aufgestellt; der von diesem Komitee .ins gestellte Kandidat v. Sikorski erhielt 2959 Stimmen.
An Stelle des aufgegebenen Besuchs in Rom soll bei Zar beabsichtigen, dem englischen Hofe eine Visite abzustatten. Die Meldung klingt nicht eben wahrscheinlich.
* In Wien ist der Neichsfinanzminister von Kallay nad kurzer Krankheit gestorben.
* Der marokkanische Kriegsminister Menebhi soll an 7. b. M. Tazza, den Hauptsitz des Aufstandes, nach sieben ägigem Kampfe genommen haben.
lâof und Gesellschaft.
%* Der Kaiser ist auf seiner Nordlands fahrt an Bork der „Hohenzollern" wohlbehalten in Bergen eingetroffen.
%* Die Kaiser in traf, begleitet von den Prinzen,^ in stiel ein. Der Besuch ihrer Jackst „Iduna" in der Neb äädter Bucht und bei Graf und Gräfin Blessen mußte Weger starker Gegenwinde aufgegeben werden.
Das Doch wasser in Schlesien.
Tte empörte Oder und ihre Neb-nj'ÜM Mn in ta von ihnen durchfluteten Gebiete" nminba r^ < I m ae richtet. Meilenweit sind die Lander«.«, uver^wenm m die Saaten vernichtet, HäuM und Kirchen h lmb _ wa-°- das Schlimmste — eine pme ‘liimhl um Menschenleben ist zu beklagen Aus den. Ikberplnwrnmimv gebiet liegen nachstehende Meldungen . jhl; ' In Gräfenberg im iale dei „»nvnidauer - > .
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