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Nr 11. Erftes Blatt.

Mittwoch, den 14. Januar 1903.

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Postzeitungsliste No 3269.

Rcbaftion und Expedition: Gießen Neuenweg Lr^. F,r«sprecha«schlnß Nr, 362.

(Gießener Tagebtait)

Hlnaötzängige Tageszeitung

(Gießener Weitung)

für Oberhefsen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lotalauzeiger für Gießen und Umgebung Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

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Deutscher Reichstag.

Ä6. Sitzung.

Nach den Ferien.

CB. Berlin, 13. Januar.

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Die Bl Grünung der Reichsboie» spielte sich heute in her übLckun Weise ab. Der Reichstagspräsioent Graf L a l l e st r e in gab den Wünschen, die sich bi: Abgeordneten privatim l ercics ausgesprochen hatten, noch öffentlich AuS druck. Dan '^rourde die Verhandlung mit einem Nachklang jur ^olllarisderatung mieber ausgenommen mit der Be- über die Resolution Heyl zum Tabakbau; darin wird die Staffelung der Tabaksteuer zum Schutze der llei- neil Tabakballern verlangt. Die einleitetide Rede hielt der Abg. Frbr. H e y t von Herrnsheim, der sich für die Annahme des Antrags aussprach. Ein sozialdemokratischer Redner aber war dafür, daß mit Rücksicht aus die Kon- mmenteu feine Veränderung in der Tabakbesteuerung her- beige) ubrr werde; auch der Abgeordnete Frese von der sretsinnigen Bereinigung sprach sich in diesem Sinne aus. Ler UnterstaatSselretär Fischer sicherte der Resolution eure wohlwollende Erwägung zu.

Die Diskussion, an der sich hauptsächlich Vertreter der Linken beteiligen, ist wenig interessant, so daß nicht nur das Hans, sondern and) die Tribünen immer leerer werden. Nach den Sensationen der letzten Dezembertage sind Abg orknel? nnb Zuschauer verwöhnt....

Gegeli 6 Uhr wurde die Resolution ein stimmig angenommen.

wurde vom Präsidenten der vorigen Session v. Erodier ebenfalls mit einem Hoch aus den Kaiser eröffnet ®c> schriftliche Angelegenheiten wurden nicht erledigt, der Prä hoent beraumte die nächste Sitzung auf Mittwoch an auf der Tagesordnung steht die Wahl der Präsidenten und der Schriftführer und die Entgegennahme von Vor lagen der Regierung.

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Die preussische Thronrede.

CB. Berlin, 13. Januar.

Der preußische Landtag wurde heute 12 Uhr durch eine L. hronred^des Ministerpräsidenten Grasen v. Bülow eröffne!. Die Thronrede beginnt mit einem kurzen Rück blick aus die FinanAage des verflossenen Etatsjahres. Die Rechnung de? Jahres 1001 habe mit einem Fehlbeträge von rund 73h- M i! l i o u e n Mark abgeschlossen, und für das lausende Etatsjahr könnte ein wesentlich günstigerer Abschluß nicht erwartet werden.

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Hieraus folgt ein Ausblick: Trotz der vorsichtigeu nnb sparsamen Bemessung der Ausgaben in allen Zweigen her Staatsverwaltung hat es sich nicht verrueiden lassen, zur Herstcliimtz des Gleichgewichts den Staatskrehit in veträcktlicher Höhe in Anspruch zu nehmen. Denn die zeitweilige Finanzlage habe nicht dahin führen können, Ausgaben zurückzustellen, die im politischen und wirt­schaftlichen Interesse dringend geboten sind. „Hierunter fallen die erheblichen Mittel, welche die Staatsregierung in Fortführung phrer auf den Schutz des T e'u t f dp l u m s in den Ostmarken und auf deren wirtschaftliche Stärkung gerichtete PoliE: von Ihnen erlittet Auch soll den in diesen Landest.iien wirkenden mittleren und unte­ren Beamten, sowie den Lehrern an den öffentlichen Bolks- schulen die in Aussicht gestellte Zulage gewährt roerben/'

Ferner soll die Ausgestalkitna der Eisenb ah lagen nicht vernachlässigt werden, damit die S

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ven, damit die Staats- regierung in der Lage sei, die Arbeitsgelegenheit im Lande zu vermehren. Durch Erwerb mehrerer Privateisenbahnen soll das Staatseisenbahnsystem tveiter ausgebaut und an der Verbesserung der Wohnungs- Verhältnisse der in den staatlichen Betrieben beschäf­tigten Arbeiter und der gering besoldeten Beamten weiter gearbeitet werden. Auü. neue Gesetzentwürfe sollen ein-- gebrachc werden: Im Interesse der Förderung der alt- gemeinen Volksgesundheit ein Entwurf, um das Reichsgesetz, betreffend die Bekämpfung gemeingefährlicher ltrau!Heiken, innerhalb des preußischen Staates zur Aus­führung zil bringen. Der im vorigen Jahre nicht zur Verabschiedung gelangte Gesetzentwurf über die Befähi­gung für den höheren Verwaltungsdienst wird in etwas veränderter Gestalt wieder vorgelegt werden. Ferner wird die Zustimmung des Landtags nachgesucht werden zu einem Gesetz über die Bildung kirchlicher Hilfsfonds für katho­lische Pfarrgemeinden.

Die Thronrede schließt:

„Meine Herren! Auch in der bevorstehenden Tagung sind Sie zu wichtigen Arbeiten berufen. Mögen dieselben dem Vaterlande zum Segen gereichen.' Auf Befehl Seiner Majestät des Kaisers und Königs erkläre ich den Landtag der Monarchie für eröffnet."

Die erste Sitzung des Herrenhauses eröffnete am Dienstag der Präsident der vorigen Session Fürst zu Wied mit einem Hoch auf den Kaiser. Das bisherige Präsidium • Fürst zu Wied, Frhr. v. Manteuffel, Oberbürgermeister Becker, wurde durch Zuruf wiedergewählt und nahm die Lahl an, Fürst zu Wied allerdings nur mit dem Vor­behalt, daß seine Gesundheit ihm die Führung der Geschäfte gestatte. Die bisherigen 8 Schriftführer wurden mieber* gewählt. Nächste Sitzung wurde auf Mittwoch anberaumt.

Dte erste Sitzung des Ab geord ne te n haül es

Die Politik.

Scheidung zwischen Konservativen und Bündlern?

Es hat tatsächlich den Anschein, als sollte eine Schei bung zwischen der konservativen Partei und dem Bunde der Landwirte wenigstens eine äußerliche sich voll ziehen. Einer unserer bekanntesten Parlanrrntarier, Herr v. b. Groebeu-Arenstein, der seit 1893 als Abgeordneter für Heiligen bei l-Pr. Ey lau bem Reichstag' augeyört, mirb aller Voraussicht nach nicht wiedergeuählt ivecdeu. Di? Konservativen des Wahlkreises haben beschlossen, ihn nicht wieder als Kandidaten auhuftellen; an sein erstatt soll der frühere Landrat des Kreises Pr. Eylau, Oberst a. D. Rittergutsbesitzer v. Eleru-Bandels, ausgestellt werden. Herr v. b. Gröben war anfänglich Mitglied der konserva­tiven Fraktion des Reichstags, schied bann aber aus und trat als Vertreter des Bundes der Landwirte, also als "Ungehöriger seiner Fraktion, im Parlament auf. —- Hier auf dürfte seine Nichtwiederaufstellung zurückzuführen jein.

Zum sächsischen Chekouftikt.

I) Es scheint sich zu bestätigen, daß die Kronprinzessin Luise von Sachsen Genf zu verlassen und aus einem böhmischer Schlosse Wrhnurig zu nehmen gedenkt. Da­gegen meigert sich die Kronprinzessin, in ein? dauernd? Trennung von Girou zu willigen. Sie verlangt die Schei- bring von ihrem Gatten, um Girou später heiraten zu können. Anscheinend will der sächsische Hof auf dieses Verlangen eing^mp Wie aus Dresden vekidrrt wird, haben die Verhandlungen zwischen Genf und Dresden bereits zu einer beide Partei?n bindenden Einigung geführt, daß die Kronprinzessin sich bezüglich des zu erwartenden Kindes allen Dresdener Wünschen und An- orbn ungen fügt, während der Kronprinz der Ehescheidung zustinimt und als Äheidliugsgrund nicht Ehebruch, son­dern nur Verlassen des gemeinsamen Haushaltes ael teud macht. Auf eine tirch.ich? Einsegnung ihrer n u u E e kann die Kronprinzessin nicht rechnen ein katholischer Geistlicher darf die neue Ehe nicht weihen und die pro­testantische Geistlichkeit Sacysens fordert schon jetzt a le Amtsbruder auf, die Deonpriuzossiu nicht in die evange­lische Kärcheugemeinschaft aufzuttehmen. In dem Auf­ruf heißt u. a.: ,Um einen offenbar nicht einmal bereu­ten Ehebruch 511 beschönigen, soll man »ich nicht mit Erfolg an die Pforte her evangelischen Kirche wenden können.'"

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In der Venezuelasrage schlägt die arnerikanische Po­litik picht nur zwei, sondern mehrere Fliegen mit einer Mappe: Nicht nur, daß die ganze Bebaudtung der Sache seilens der enropäi-cheu Mächte die Monroeioctrin ft' rlt und kmerita-? politisches Prestige vermehrt die Union weiß sich durch ihre iuoffiUclle Vermittelung in ben: Vene- zolauischen Handel auch die Blockadernächte ebenso zu ver- pflidkcn, mit den Präsidenten Castro. Und schließlich sorgt sie nebenbei noch dafür, daß die Bloaademächte, bereu wirtschaftliche Konkurrenz am bem venezolanischen Markt den Bankc.es gar nicht gefällt, in Venezuela noch ver haßter iverben, während die Vereinigten Staaten bei der Bevölkerung der südamerikauischen Republik mit immer sreundUauren Augen betrachtet werden. Die ungünstigen Folgen dieser Entivickelung für den europäischen, die gün­stigen für den norbameritanifchen Wirtschaftsver-ehr mit Venezuela werden sich bald offenbaren. Herr Roosevelt hat sehr wohl gewußt, warum er die Ehre des Schieds- ritzteramH ablehnte: Seine Entscheidung hätte gegen Venezuela ausfallen müssen, und der Mann im Weißen Hause zu Washington will die Senejolaner nicht gegen die Union auf bringen. Die Union hat in ihrem Interesse in der ganzen Benezuelafragc außerordentlich g.schickt ope­riert, und obendrein hat sie in Herrn Browen noch einen sehr geschickten Vertreter. Dieser pfiffige Herr tarn auf bic smarte Idee, ehe er mit den Vermittelnngsrorschlagen in der Tasche das venezolanische Gestade verließ, an den Präsidenten Castro und das venezolanische Volk ein Siim- pathretelehramm zu senden Das wird den Amerikanern einen wetteren Stein im Brett bei ben Venezolanern sichern.

Chinesische Wiukelzügtu

)—( Die langbezopfteu Söhne des Reiches der Mitte führen die weißen Teufel bk Westmächre, imm:t lustig an der Nase herum. Und — was das Beschämende ist — die Mächte lassen sich von gegenseitiger Eifersucht be­herrscht, von den schlitzäugigen S^pfragern auch unge­straft zum Narren Ratten. Bekanntlich ist China nach dem Friedensvertrag verpflichtet, die Kriegsentschädigung

in Gold zu zahlen Le^en hat es )idi neuerdings gc- weigert, und die Herren Pankees, froh, den anderen Mächten in die Parade fahren zu können und sich bei den Chinesen lieb Kind zu machen, haben diese Weigerung unterstützt. Jetzt erUäut das chinesische Auswärtige Anu, bar „Wai Wu Pu": China sei willens, die Berechtigung der Ansprüche der Mächte aus Zahlung der Entschädigung aus der Goldbasis zuzugeben, sei aber zur Zeit außer stande, die Zahlung aus dieser Basis zu leisten. Sie werde ihre Antwort aus die gemeinsame Note der Ver­treter der Mächte verschieben, bis sich die Gesandten mit ihren Regierungen in Verbindung gesetzt hätten. Es ist wirklich zu großmütig von den Herren Chinesen, oaß sie geruhen eine ihnen vertragsmäßig obliegend- VerpslichNtng zu erfüllen Wie lange wird sich die tfuD turwelt diese unwürdige Behandlung seitens dar gelb'n Bilvschen gefallen lassen?

Marotta nischeo.

। Eine große Schlachi soll in Marokko bevorstel^n. Vielleicht ist sie Jud) schon geschlagen; der Nachrichten­dienst aus Marokko. iß so bürst ml. daß man genaues gar nicht, und das, ums man hort, erst reichlich spät erfährt. Festzustehen scheint, daß der Sultan Abdul Aziz mit 15 -20000 Mann den, Prätendenten B.l Samara entgegen gezogen ist, und daß bribe nicht mit von nn ander lagern. Welchen Erfolg die Erpedition des Sultans haben wird, läßt 'ich gar nicht voransiehen. Kenner des Landes sind der Atisicht, daß es verfehlt sei, menn der Sultan jetzt gegen die Rebellen Truppen entsende, da deren Stellung zu stark sei. Außerdeni seien die Trup pen des Sultans infolge der letzten Siege der Rebellen moralisch gefdjmädjt. — Wie die Geschichte aber auch anssallen möge, soviel scheint f?flaustepen, daß die euro* päifdjen Mächte sich an dem marokkanisch-en Brei nicht

die Finger verbrenuell »vollen. An eine denkt keine Macht. Nur wenn der Schutz sich nötig erweist, werden die Schiffe und Mächte in den Handel ein greifen.

Kurze politische ^adniditew.

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* Berlin, 13 Januar. i.H o s b c r i ch t0 Der .Kai­ser besuchte gestern das Atelier b?» Bildhau?rs Harro Mag- nuffen. uni dort das Modell ^uni Denkrnal Roons zu besichtigen. Abends hörte der Kaiser in der Singakademie den Vertrag des Professors Telibfdi über Weiterbildung der Religion. Hierauf oermeilte der Kaiser längere Zeit in der Bibliothek, wozu Admiral Hollmann geladen war. Heute morgen sprach der Kaiser beim Reichskanzler Gra­fen Bülow tot und hörte dann im Schloß die Vorträge des Chefs des Militärkabinets, des Chefs des ^^m^^a^ stabes und des Chefs des 'Marinekabinels.

+ Der „Fall Löhning" mirb bei der ersten Lesung des Etats im Abgeorduetenhause zur Sprache gebrucht werden. In diese Debatte wird auch die polnische Land Lagsfrattiotl ein greifen. Es heißt, diese Debatte werde allein mehrere Tage in Anspruch ngehmen.

' Im dritten Berliner LandtagS^Wahlkreise wurde der freisinnige Kandidat R o seno w als Rachfolger Virchows zum Laudtagsabgeordueten gewählt.

* Gegen den bisherigen ftommanbantCH des Linien­schiffes „Wittelsl>ach", Kapitän z. S. W a l l m a n u , der kürzlich mit beut Schiffe an der dänischen Küste auf Grund geriet und deshalb das Kommando ab geben mußte, ist nunmehr Anklage erhoben worden.

* Der russische Finauzmiuister beabsichtigt, die Ge- merbefteuer, die von den ausländischen Hand­lu u g s r e i s e n d c u erhoben wird, zu> Belebung der Handelsbeziehuitgeu mit Westeuropa im Lau e bc5 Jab res von dem jetzigen Betrage, iföO Rubel, aus 2 0 Rubel herabzusetzeu.

Die Sch i f f ^6 eft c 11 u n g e n des amerikanischen SchifiabrtstruftS werden jeh: in Abrede gestellt. Das De­menti ist aber so vieldeutig, bafs es bk Nachricht nur zu bestätigen scheint.

ptah und fern

^ TaS neueste deutsche Hachscetoepedoba< „8 114^, das soeben seine ^tx>bcfakten begonnen h<rr, erzielte bei voller Armierung und Ausrüstung eine Geschwindigkeit von 30 Seemeilen pro Stunde. Wie alle zur neuen vierte« Hochwerorpedodivisian gehörige Fohrzeu-gc hat bas Sä ferne Torpeboarmierung nur auf Deck.

p sCr kennt seine FrauZ In ein großes Modewaren­geschäft zu München kam, wie die bärtige „Allg. Ztg." mitteilt, ein Herr, und es entspann sich zwischen ihm und dem ihn bedienenden Verkäufer folgender Dialog: „Ich möchte eine seidene Bluse für meine Frau in der ungefähren Preislage von 30 bis 40 Mark." „Welche Farbe, wenn ich bitten darf^ „Ist ganz egal." „lind welche Machart wünscht der Herr?" „Ist auch einerlei." „Von welcher Statur ist Ihre Frau Gemahlin?" „Das ist auch egal." „Aber mein Herr, ich kann Suiten doch keine Bluse verlaufen, Denn Sie mir seinen Anhalts-