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Donnerstag, den 12. November 1903

12. Jahrqanq

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LaS Blatt erscheint u éHt* Werktagen nachmitags

J«sert1s«Sprei S» Die einfpaMge Petitzelle für Mieten wie ganz Obcrheffen, die Kreise Wetzülr und Äartfurg 10 Pfg. stM 15 $fg.; «etla»e« die PrtitzeUe 30 r-sp. 40 Pf«.

Postzeitungsliste Ro- 3W0.

Riteftton und Expedition: Gießen Ne ne Uwe- SS.

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Neueste Yachrichie«

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(Gießener Uagevtatt)

Hlnaöyängige Tageszeitung

(Gießener feifW

für Oberhessen und die Steife Marburg und Wetzlar; Lokalameiger für Gietze« und Umgeiimg.

Erthtlt eöe amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden toi Oberhaff«.

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Bekanntmachung

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Pul den Zinsen der Stiftung der Elisabethe Schmidt

simd Gaben von je 17 Mk. an vier bedürftige, unbescholtene jiebti ge Dienstmädchen im Alter über 50 Jahre und neun

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arme Witwen aus Gießen zu verteilen. Meldungen sind umder Beifügung der erforderlichen Nachweise bis zum 10) Dezember l Js. auf dem Armenamt, Neuen B I3ue 43, anzubringen.

Meßen 10. November 1903.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Curschmann.

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Bekanntmachung.

. Siu* der Minna Keil-Voqt-Stiftung sind für das 2/^FJc^r 1903 drei Gaben von je 70 Mk. an drei in Gießen ^QrÈwiMalte. würdige und bedürftige Handwerksmeister oder ^bwm Witwen, evangelischer Konstssion, zu vergeben. Be' : w.Mbunzen haben bis längstens 30. November d. Js. beim

^ : stöitlischrn Armenamt, Neuenbäue 43, zu geschehen.

0 2 - Nulr selbstständige Handwerker oder deren Witwen MMN berücksichtigt werden.

Gießen, den 9. November 1903.

Großh. Bürgermeisterei Gießen. Cu rschm a nn.

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Bekanntmachung.

AulS der Stiftung der Ludwig Theodor Felsing Ehe- le>mte gift Gießen sind die diesjährigen Zinsen und zwar:

171 Mk. 43 Pfg. an zehn in Gießen geborene würdige

Arme und

34 Mk 29 Pfg. an fünf würdige Witwen zu,! gleichen Teilen zu vergeben.

Ömmetbungen hierzu haben bis zum 10. k. Mts. auf d<M Bureau deS städtischen ArmenamtS, Neuen Bäue 43, Mi erfolgen.

Gießen, den 10. November 1903.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

Curschmann.

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Bekanntmachung.

Wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten wird diirWettergasse von heute an bis auf weiteres für dSen Fèhrwerks- und Fahrradverkehr gesperrt.

Gießen, den 10. November 1903.

Großh. Polizeiamt Gießen.

Hechler.

Gute Nachrichten aus Südwestafrika!

Unsere Zweifel an der Verläßlichkeit der britischen Mel­dungen über die Niedermetzel ung der Deutscher in W a r m b a d durch die aufrührerischen Bondelzwarts Haber: sich erfreulicherweise vollauf bestätigt: Von der Metzelei in Warmbad ist kein Wort wahr! Wir geben nach stehend die neuester: amtlichen deutschen Nachrichten:

Eine gestern (Mittwoch) in Berlin eingegangene tele­graphische Meldung des kaiserlichen Gouverneurs von Deutsch-Südwest-Afrika besagt: Hauptmann v. Koppr hat a m 1. November mit einer kleinen Abteilung Warmbad erreicht und die Stationsvorrätc intakt vorgefunden. Der neue Sammelplatz des Feindes ist unbekannt. Schwierige Wasser- und Weide Verhältnisse machen größere Operationen auf dem Schau platze der Unruhen gegenwärtig unmöglich. Die V e r b i n d u n g mit Warmbad ist durch Witboi Patrouillen hergestellt.

Die Depesche spricht zwar nicht ausdrücklich von der Un­versehrtheit der Weißen in Warnibad, nichtsdestoweniger dars sie als sichere Bürgschaft dafür gelten, daß den Weißen, ins­besondere den Deutschen, kein Haar gekrümmt worden ist. Das besonders zu erwähnen, lag für Hauptmann v. KoPPy kein Anlaß vor: er kennt den Inhalt der britischen Tartaren Meldung nicht und kann also auch nicht auf den Gedanken kommen, sie ausdrücklich zu widerlegen. Fermer aber be­stätigt and) seine Meldung, daß die (Ltationsvorräte unver­sehrt seien, die Tatsache, daß die Weißen am Leben sind. Wäre die Station, wie die britischen Lügenblätter meldeten eingeäschert worden, so könnten die Stationsvorräte nicht vorhanden sein. Daß sie es sind, betveist also die Erhaltung des Stationsgebäudes. Dieses besteht aber aus einem, mit einer Mauer umgebenen, viereckigen, steinernen Kastell, das sich leicht verteidigen läßt und in dessen Innen: die Euro päer leicht sichere Zuflucht finden konnten, wenn sie fit überhaupt suchten.

Es war also — gottlob — wieder einmal nichts mil der britischen Schwarzmalerei. Inzwischen ist die Besatzung von Warmbad nicht nur durch die Truppe v. Koppys, son­dern auch durch 150 Reiter unter Führung des Bezirksamt­manns V. Burgsdorfs verstärkt worden, während Haupt­mann V. Fiedler mit weiteren 180 Reitern und 4 Ge­schützen von Windhuk her in Anmarsch ist. Es ist also für die Sicherheit der deutschen Station nichts mehr zu befürch­ten, zumal da nach weiteren amtlichen Nachrichten sich die benachbarten Negerstämme durchaus loyal verhalten.

G» Der Widerstand, den Graf Tiszas Plan, für die österreichische und die Ungarin Armee ein gemeinsames Wappen einzusi'lhren, bei allen ungarischen Parteien ge­funden hat, hat den Ministerpräsidentei: veranlaßt, von der Idee abzustehen. Wie verlautet, trägt sich der Minister­präsident mit dem Gedanken an eine Auflösung des ungarischen Abgeordnetenhauses.

£1 Oesterreich-Ungarn und Rußlcuck) haben die Pforte zu sofortiger, unveränderter Annahme der Mürzsteger Re° formfordernngen aufgefordert. Die Antwort der.Pforte er­folgte sofort, was sie enthält, ist zur Zeit noch unbekannt.

G Die französische Regierung setzt den Kampf gegen die geistlichen Orden mit unvernninderter Hartnäckigkeit fort. Ein vom Präsidenten Loubet unterzeichnetes; Dekret des Marineministers verfügt die Entfernung der Nonnen aus den Marinespitälern. In dem Bericht des Marineministers, in lvelchem diese Entfernung begründet wird, ist ausgeführt, daß die Nonnen entgegen den Bestimmungen die Leitung der Vorratsmagazine an sich gerissen, sich jeder Kontrolle entzogen und arge Mißbräuche begangen hätten.

= Zu großen Lärmszcnen kam es gestern in der spanischen Deputiertenkammer, als der Ministerpräsident Villa­verde angesichts der Vorgänge bei den Wahlen erklärte, die Republikaner und Obstruktionisten trügen die Verant­wortung dafür. Monarchisten und Republikaner schleuderten einander Beleidigungen zu. Zwischen zwei Abgeordneten kam es sogar zu Tätlichkeiten. Nach bem Skandal ließ der republikanische Führer Salmeron den Ministerpräsidenten Villaverde fordern. Villaverde erklärte, er könne als Minister das Duell nicht annehmen, er wolle Salmeron Rede stehen, sobald er nicht mehr im Amte sei. Dieser Moment dürfte bald eintreten. — Jn^ Santander ist die Ruhe wieder hergestellt.

A Einige weitere nordamerikanische Kriegsschiffe sind vor Panama eingetroffen, um die Kolumbier an dnem Angriff auf den Isthmus zu verhindern. Deutsche Schiffe gehen nach neueren Meldungen nicht nach Pa­nama in See.

4< Mit einer völligen Niederlage der Regierung von Santo Domingo hat die Revolution in dem Negerfreistaat geendet: Nach dreitägigem Kan:pfe um die Hauptstadt hat die Partei des Rebellenführers Jimenez' den Sieg errungen. Der unterlegene Präsident General Wos y Gil, der erst im April d. Js. nach einer Revolution zum Präsidenten ge­wählt war, soll sich nach dem deutschen Konsulat begeben haben. Die Stimmung sowohl der jetzt ans Ruder gelang­ten, wie die der unterlegenen Partei gegenüber Amerika ist wegen dessen Einmischung in die Revolution feindlich.

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pleue (Wetterwolken in China.

£ie neuesten Nachrichten aus China lauten keii:eswegs Siirsreulich. Es hat den Anschein, als bereite sich in China 6 h itt’itcr Boxcrnnfstand vor, und zugleich wird von einer menten Zuspitzung ber Beziehungen zwischen Rußland iM Japan berichtet.

kiinstweilen ist es unmöglich, den Wert oder Unwert Hier Meldungen zu prüfen; erwähnt sei nur, daß die !Wdring von dem neuen Boreraufstand, der im Jangtse- ijaljum Ausbruch kommen soll, aus russischer Quelle stammt, 'M weniger verdächtig ist, als die andere, die das 9tcii= iMbe Bureau in die Welt sendet. Indessen auch die russische âMdimg läßt zwischen den Zeilen durchblicken, daß die Innung mit Japan keineswegs völlig behoben und daß d ik Kriegspartei in Japan eifrig am Werke ist. Die japa- iLifdje Presse, heißt es in der aus Port Arthur kommenden Md ung, hetze zum Kriege. Dagegen bewahre das Kabi neft Don Tokio seine Besonnenheit, doch habe der japanische Premierminister Katsura selbst die Lage als „sehr k r i ° lisch" bezeichnet.

Rlußland scheint dem japanischen .Kabinett diese besonnene Sslltung erleichtern zu wollen. Nach einer Meldung aus Sieiiifin sind die russischen Truppen aus Korea âurii es gezogen Mrd'M. Damit fällt eines der Hauptmomente für die Er- aguuig der öffentlichen Meinung in Japan fort. Es handelt fij Iki den Weiteren Differenzen lediglich um die japa- nifdjen Forderungen indermandschurischenFrage; hier aber werden die Japaner wohl nicht nur einen, sondern mehrere Pflöcke zurücksteckcn müssen. Denn an ein Nach- gebem in der Mandschureifrage denkt Rußland unter keinen Imfttiinben. Die Regierung des Zaren wird es darauf an- Pömnen lassen, ob die Japaner sich wegen der Mandschurei an Dem ragenden Berge der russischen Macht die Hälse brech-m wollen oder nicht. Wenn die Japaner halbwegs klug sind, so verschließen sie den englischen Kriegshetzern Wr £)br und verzichten auf das undankbare Geschäft, sich mil Sm russischen Bären auf einen Ringkampf einzulassen.

Die Politik.

* Kürzlich ging die Nachricht durch die Presse, daß zwischen Regierung unb~ preußischen Landtagsmehrheit Kom­promißverhandlungen über den Mittellandkanal gepflogen würden. Ueber den Inhalt dieser Verhandlungen wurden mancherlei Dinge verbreitet, die samt und sonders unzm treffend waren. Jetzt sickert wieder die Nachricht durch, das Kompromiß sei auf der Grundlage abgeschlossen, daß der Mehrheit für ihre Zustimmung zu dem Kanalprojekt die Einführung von Schiffahrtsabgabcn auf den deutschen Strömen von der Regierung zugestanden werden soll. Diese Frage sei gegenwärtig Gegenstand eifriger Beratungen in mehreren preußischen Ministerien. Diese ganze Nachricht, die geeignet ist in Handels- und Schiffahrtskreisen große Beunruhigung hervorzurufen, ist, wie uns versichert wird, durchweg erfunden. Schon deshalb wird an eine solche Maßregel nicht gedacht, weil ein derartiges Vorgehen Preußens eine Aenderung der Reichsverfassung, deren Ar­tikel 54 die Abgabenfreiheit der deutschen Ströme festsetzt, nötig machen würde. Und zu einer Aenderung der Reichs­verfassung um einer preußischen Angelegenheit willen den Anstoß zu geben lehnt die preußische Regierung rundweg ab.

cf Gleich nach dem Zusammentritt des neuen Reichstags wird im Hause eine Interpellation über das Zengniszwangs- Verfahren gegen Redakteure eingebracht werden. Hoffent­lich wird ihre Folge sein, daß dem unhaltbaren Zustande endlich ein Ende gemacht wird. Wie unser ^.-Mitarbeiter an unterrichteter Stelle erfährt, ist der Reichskanzler zu einer derartigen Aenderung der Gesetzgebung bereit.

+ Angesichts der Klagen über die Belastung der preu­ßischen Ämtsvorsteher hat der Minister des Innern einen Erlaß an die Regierungspräsidenten der sieben östlichen Provinzen gerichtet, in dem die Klagen als berechtigt an erkannt und Vorschläge gemacht werden, wie dieser Ueber lastung der Amtsvorsteher zu begegnen sei.

^ Bei den Unterredungen, die der Eisenbahnminister Budde während seiner lebten Besichtigungsreisen im Osten mit den Arbeitsausschüssen der Eisenbahnwerkstätten hatte, lehnte der Minister es ab, irgendwo eine allgemeine Lohnaufbesserung zuzusagen. Weiter ließ der Minister keinen Zweifel darüber, daß jeder Arbeiter entlassen werden würde, der agitatorisch für die Sozialdemokratie wirke.

Dos und Gesellschaft.

Das letzte Bulletin über den Gesundheits­zustand des Kaisers konstatiert daß die Wunde von gutem Aussehen ist und sich zu verkleinern beginnt. Der Kaiser erledigt in gewohnter Weise die Regierungsangelegen­heiten.

Der deutsche Kronprinz wird am 14. d. Mts. einer Einladung des Amtsrats v. Dietze in Barby zur Jagd folgen. _____________

€ine Menäung im prozess Kwilecki.

Die gerichtlicherseits eingesetzte Kommission, der die Frage der wissenschaftlichen und ästhetischen Prüfung der von der Verteidigung behaupteten „Familienähnlichkeit" oblag, hat gestern (Mittwoch) getagt und ist zu dem Resultat ge­kommen, daß die Aehnlichkeit zwischen dem „kleinen Grafen" nnd der nngeklagtcn Gräfin Kwilecki unleugbar in Prägnan­tester Weise besteht. Im Gegensatz dazu ließ sich n i ch t d i e geringste Aehnlichkeit zwischen dem Sohn der BahnwärtersfrauMeyer und dem kleinen Grafen finden.

Diese Feststellung ist natürlich für den weiteren Verlaus des Prozesses von großer Tragweite und wird von der Ver­teidigung als wichtiges Beweismoment benutzt werden. Das ausführliche Ergebnis der Untersuchung, die während der gestrigen Prozeßpause von den Gerichtsärzten Störmer und Straßmann, sowie bem Porträtmaler Vogel im Beisein der Vertreter der Anklagebehörde und der Verteidigung unter Ausschluß der Öffentlichkeit stattfand, wird zwar erst in der morgen (Freitag) stattfindenden Sitzung mitgeteilt wer. den, jedoch sind wir in der Lage, das Wesentlichste daraus schon heute mitzuteilen. Eine genaue Vergleichung der Körperformen und der Gesichtszüge der angeblichen Brüder, des 1895 geborenen unehelichen Sohnes der jetztgen Bahn­wärtersfrau Meyer und des jungen Grafen StamslauZ Kwilecki, ergab ganz beträchtliche Unterschiede in Größe und Gestaltung. Von irgend einer verwandtschaftlichen Aehnlich­keit kann weder nach medizinischen noch nach ästhetischen Be° griffen die Rede sein. Dagegen fand man bei der an- geklagten Gräfin und dem Majoratserben nicht nur den allgemein in der Kwileckischen Familie Herkömmlichen