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Sitzung der Stadtverordneten.

W. Gießen, 12. Juni 1903.

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®lcjw ^ zum Beigeordneten der Stadt Gießen bestätigt * ah norden, wurde derselbe gestern durch Oberbürgermeister nben Jc!neni Mecum feierlich in sein Amt eingeführt und in Eid und i§ Wicht genommen. Es folgte darauf die Ausloosung von

icht Schuldverschreibungen von 1890er und 1892er Anlehen. $ ehlep: Dispense von Bestimmungen der Bauordnung wurden be- ^m Land? körwortet dem: Jacob Hartmann II.-Heuchelheim, der an Brunns- to Straße Gießen-Heuchelbeim ein Haus zu bauen wünscht, Ä ^iliw ket dem der Giebel in Fachwerk gedacht ist. Jakob be W Itzbach, will an der Marburgerstraßen-Ecken der späteren u ..... Men Ringstraße ein Wohnhaus und dahinter nach der ge» planten Straße hin einen Werkstattbau in Fachwerk errichten. Der Dispms wird befürwortet unter der Bedingung, daß derselbe in 5 Jahren wieder entfernt werden soll. Wegen tiefer Bestimmungen entwickelt sich eine lange Debatte. Die Stadtverordneten Kirch, Hanau und Loeber erklären,

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er sei eine große Härte, daß Atzbach in 5 Jahren gezwungen sein soll den Werkstattbau wieder abzubrechen. Der Ober- -iiraermeister verweist darauf, daß man ja die Frist unter Umständen bei Ablauf verlängern könne, wenn die neue Straße bis dahin nicht durchgeführt sei. Stadtv. §anau ist erstaunt, daß man es als zweifelhaft hinstellt, ob die Ringstraße in 5 Jahren fertig sei, es habe doch geheißen her Bebauungsplan für den Norden solle demnächst aufgelegt werden. Der Oberbürgermeister erklärt, daß bevor die Kanalisationspläne nicht fertig vorliegen an den Be- bauunasplan nicht gedacht werden könne, da der letztere von den Plänen für den Kanalbau wegen der Straßen abhäugt. - Die Versammlung genehmigt nachträglich ihr vorgetegte Rechnungen für Pflanzen und Bureaumöbeln und eine Rech­nung an den Schlossermeister Haubach. Zur Herstellung besserer Zufahrten am Postamt II und an der städtischen Wage Frankfurterstraße werden 670 Mark verlangt nnd von der Versammlung bewilligt. Stadtv. Hanau bemänaell das schlechte Pflaster in der Stadt überall da wo kanalisürt worden sei, es sei direkt gefährlich für Fuhrwerk. Der Oberbürgermeister erklärt, daß dort, wo Kanalarbeiten vor- genommen, das Erdreich sich senkt, das Pflaster mehrmals gebessert und umgelegt werden wird. Stadtv. Pirr wünscht, daß die Waage am Neustädterthor statt um 7 Uhr Kon um 6 Uhr früh geöffnet w'rd, es komme öfter vor, daß schon vor 7 Ubr das Bedürfnis für die Benutzung dieser Lastwage vorhanden sei. Der Oberbürgermeister verweist darauf, daß erst vor 2 Jahren die Versammlung die Be­stimmungen für den Betrieb der Waagen geregelt habe, daß es aber zu einer Aenderung eines Antrages bedarf. Doch

halte er die Zeit um 7 Uhr als Beginn des Waagebetriebs für genüge Die Versammlung ist mit der freihändigen rHe/k ^ Übertragung der Reparaturen an den Asphaltbürgersteigen

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on Konrad Rübsamen für 1903 einverstanden. Für eine Veränderung an den älteren städtischen Gießsässern, für welche 340 Mark im Voranschlag vorgesehen sind, werden noch 55 Mark nachträglich gefordert und bewilligt. Die Unive^sitätsbehörde wünscht die Anlage der projektierten Straße längs der neuen Vetrinär-Anstalt von der Frank- surterftraße bis zum späteren Wetzlarerweg. Die Bau- Deputation schlägt vor zu beschließen von der Herstellung dieser Seitenstraße vorerst noch abzusehen, demgemäß wird auch Beschluß gefaßt. Ueber die Reitwege an der Licher- und Grünbergerstraße wird nach den vorliegenden Anträgen beschlossen. Die Versamm­lung hat s. Zt. beschlossen die Ausarbeitung eines Projekts der Fortführung des Bürgersteiges rechts der Marburgerstraße von dem Wieseckerweg bis zur Straße nach dem Friedhof. Die Bau-Deputation schlägt vor aus prak- tischpn Gründen vor dem Wiesickerweg einen Uebergang zu Kaffen über die Marburgerstraße und dann das Trottoir auf der linken Seite derselben nach dem Friedhof zu, berzustellen. Begründet wird der Antrag damit, daß die Kosten zwar, ob links oder rechts, etwa dieselben sind, daß aber wegen der Baumpflanzung rechts der Bürgersteig nur schmal werden könne, auch Gründe einer besseren Ent­wässerung sprechen für l'nks. Beigeordneter Georgi und Stadtv. Loeber bemängeln, daß links der Reitweg neben dem Bürgersteig herlaufen müßte, dies sei gefährlich für den sfußgängerverkehr, auch belästigend durch den damit zu­sammenhängenden Staub 2C. Die gleiche Ansicht hat Stadtv. Kirch. Die Stadtv. Helfrich und Schaff- städt halten die linke Seite der Straße ohne Bedenken zur Anlage des Trottoirs nach dem Friedhof für sehr ge­eignet. Stadtv. Sch mall erklärt, neben den Fußweg gehöre kein Reitweg, darum sei er für die rechte Seite.

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Er Witterung.

Nur das Programm, welches derselbe vertritt, kann der Landwirt nicht als das seine gelten lassen", so lautete in der gestrigen Nummer derGießener Neueste Nachrichten^ ein Eingesandt für den Kandidaten der deutsch-sozialen Reformpartei, Herrn Bürgermeister Köhler von Langsdorf. Wähler in Stadt und Land, auch wir haben unsere Interessen, und ganz so wie man in den Wald hineinruft, so schallt es zurück.

W Nur das Programm, welches Herr Köhler vertritt, ««d seine Behandlung, welche unser Handwerkerstand wiederholt öffentlich von ihm sich hat gefallen lassen müffen "Ml

das genügt schon, Nils zu sagen was wir antworten sollen. Unsere Antwort lautet am 16. Jnni

ir Heyligenstaeöt ^

Herr Kommerzienrat Hehligenftaedt war allezeit bereit und ist es Hente noch für das W allgemeine Wohl HH in nn- eigennützigster Weise einzntreten. Keinem andern als dem Herrn Kommerzienrat Hehligenftaedt gebüret also das Vertrauen als Abgeordneter in den Reichstag gesandt zu werden.

[1784]

Stadtv. Heichelheim würde für die linke Seite stimmen, aber der Reitweg daneben mache ihn doch bedenklich wegen der Gefahr die damit verbunden sei. Bei der folgenden Abstimmung ist die Mehrheit für die Anlegung des Bürger­steiges nach dem neuen Friedhof auf der rechten Seite der Marburgerstraße. Der Gelände-Austausch am Riegel­pfad (Hospitalgelände) wird wie es geschehen, gut geheißen. Ebenso ist die Versammlung damit einverstanden, daß an der Stallgasse eine Parzelle, 33 Meter, welche der Stadt gehört, unter gewissen Bedingungen an Philipp Wagner, Neustadt, als dem Anlieger, für 1000 Mk überlassen werden soll und ferner das gleiche geschehen soll mit 4 Quadratmeter zum Preise von 100 Mk. an Arnold II, Marktstraße. Die Versammlung beschließt die Annahme eines Vermächtniss s der Faber Eheleute in Höhe von 600 Mark, wogegen die Stadt die Gräber derselben in Stand zu halten hat.

Lokales.

Gi eßen, den 12. Juni 1903.

** Der Großherzog hat dem Schloßverwalter Heinrich Obst zu Friedberg daS Ehrenzeichen für 25 Hofdienstjahre verliehen.

** Ueber tragen wurde

dem Pfarrer Wilhelm

Dittmar zu Walldorf die dritte Pfarrstelle an der unierten evangelischen Gemeinde zu Offenbach.

% In d e n Ruhestand versetzt wurde der Zug­führer in der Hessisch Preußischen Eisenbahngemeinschaft Karl Heinrich Möser zu Darmstadt mit Wirkung vom 1. August 1903 an.

*** Bei der zweiten Kammer hat Abg. Haas (Darmstadt) einen Antrag betr. das Reichsgesetz über die Phosphorzündwaren eingebracht.

*** Eine sehr g ut besuchte Vertrauens­männerversammlung des liberalen Wahlausschusses fand gestern imAquarium" statt, in welcher die Bezirks­einteilung für die Agitation ausgestellt worden ist. Nach dem ganzen Verlauf der Versammlung zu schließen, bringt man dem Wahlkampf reges Interesse entgegen.

^Erledigt sind: die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu All­menrod, im Kreise Lauterbach (mit der Stelle ist Organisten- und Lektordienst verbunden); die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Ge­meindeschule zu Reuters, im Kreise Lauterbach, eine m't einem katholischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ruhlkirchen, im Kreise Alsfeld, sämtlich mit dem geschlichen, nach dem Dienst­alter sich bemessenden Gehalt.

*** Ueberfahren und in die Klinik nach Gießen verbracht wurde ein dreijähriges Kind, das auf der Land­straße in Z e l l von einem mit Langholz beladenen Wagen überfahren wurde.

L. Während bis vor wenigen Jahren das Interesse für die Ziegenzucht in der Provinz Oberhessen nur gering war, hat sich dasselbe in den letzten 2 Jahren in recht erfreulicher Meise gehoben. Es geht dies unter anderem daraus hervor, daß in den Kreisen Alsfeld, Lauterbach und Friedberg Kreisziegenzuchtvereine gegründet worden sind und daß sich in Folge dessen die Beschaffung besseren Zuchtmsterials sehr verallgemeinert hat. An dem diesjährigen Import durch den landw. Provinzial- Verein beteiligten sich 50 Besteller mit 98 Tieren. Die Versteigerung fand vorigen Dienstag im Nebeffchen Gutshos in Gießen statt. Der Durchschnittspreis der Zuchtböcke stellte sich auf 74 Mark, der Zuchtziegen auf 56 Mark, während Zeitziegen und Lämmer entsprechend billiger waren. Der Mehrerlöß bei der Versteigerung gegen den Ankaufs­preis (ohne Ankaufsunkosten (betrug 672 Mark. Da derselbe den Steigern wieder zu gute kommt, und der Provinzial­verein bei Zuchtböcken einen Nachlas von 15 Proz. gewährt, erhalten die Gemeinden zu billigem Preise gutes Zucht - material. Mit dem diesjährigen Ankauf wurde auch das Zuchtmaterial für dle neuerrichtete Ziegenzuchtstation Lauterbach, die mit 19 Deren besetzt worden ist, er­worben. Herr Gutspächter Weiß zu Hof-Graß kaufte eben­falls 14 Zuchtziegen und 1 Bock zwecks Einrichtung einer Privatzuchtstation.

%* [1. Abonnements - Konzerts Bei günstigem Wetter nahmen die diesjährigen Abonnements- Konzerte in Steins Garten am gestrigen Abend ihren An­fang. Günstiger konnten sich die Konzerte wohl kaum ein- führen wie mit dem gestrigen Abend; kein Lüftchen regte sich in dem schmucken Garten; es war ein Sommerabend, so recht dazu angetan um den Gaben der Frau Musika zu

mehrere Arbeiter und Handwerker

lauschen. Zahlreich war denn auch der Besuch, der sich unter dem Blätterdach der hohen Kastanien zum 1. Abonne­ments-Konzert eingefunden hatte. Herr Musikdirektor Krauße hatte ein reichhaltiges und gutes Programm aufgestellt, das, wie der reiche Beifall bekundete, dem Geschmack der Konzert­besucher vollauf entsprach, sodaß die Kapelle sich zu einigen Zugaben veranlaßt sah. Besonders hervorheben möchten wir einige Kompositionen des Musikdirektors Herrn Krauße wieLe Premier Caiser", Solo für Piston undHesse- Darmstädter sain mir", Jubelfestmarsch zur Hundertjahrfeier des 2. Bat. Jnf.-Regt. Kaiser Wilhelm Nr. 116, welche beide eine sehr gute Aufnahme fanden.

sT h e at e rve r e i n.^ Zwischen Agnes Sorma und dem Vorstand des Theatervereins ist, wie uns von autorisierter Seite mitgeteilt wird, soeben ein Vertrag ge­schlossen worden, der die Künstlerin zu einem Gastspiel am Montag, den 12. Oktober verpflichtet. Dies würde die erste für kommerden Winter angesetzten 6 Theatervor­stellungen sein.

*** Ulrichstein, 12. Juni. Wegen Unterschlagung ver­haftet und ins Gefängnis abgesührt wurde der Rechnungs­gehilfe der hiesigen Sparkasse, Fals; der ungetreue Beamte wurde, nachdem er durchgebrannt, in Ruppertenrod verhaftet.

*** Hungen. Das für einen Arzt gewiß außerordent­lich seltene Fest der 50jährigen Berufstätigkeit wird am 15. d. Mts. Herr Medizinalrat Dr. Ronge hier begehen. Der Stadtvorstand hat beschlossen, den Ehrentag des in allen Kreisen und Ständen gleich hochgeachteten Mannes durch eine allgemeine Feier festlich zu begehen. Die Beteiligung an derselben dürfte nicht nur Seitens der Stadt Hungen, sondern auch von auswärts sehr lebhaft werden.

Neuem Nachrichten.

Neue Einzelheiten der Tragödie in Belgien.

Budapest, 11. Juni. Aus Belgrad wird gemel­det: Die Gardisten, welche den Konak bewachten, leisteten verzweifelten Widerstand. Hundert sind angeblich gefallen. Der Adjutant Oberst Naum o- witsch, der in das Schlafzimmer des Königs eindrang, forderte die Abdankung vom Könige, worauf ihn dieser mi; den. MorteVerräter" n i e d er s ch o ß. Ein Trupp Offiziere mit dem Hauptmann Pagowitsch an der Spiße mordete dann die Insassen des Konaks. Oberst Nietschitsch erschoß den König. Das Attentat wurde durch das 16. Infanterie-Regiment ver­übt, welches neulich schwer bestraft wurde, weil es ge­gen die demonstrierende Menge die Waffen mitbrauchen wollte. Ein Kanonenschuß zeigte die Vollziehung des Attentats an Zinzac Markowitsch wurde von einem Soldaten ermordet, dec eine dringende Botschaft Zu bringen vorgab. Dcr Kriegsminister flüchtete in eine Kiste, auf die 25 Schüsse abgeben wurden. Alle Ge­schäfte sind gesperrt. Viele Einwohner flüchteten. Als Oberstleutnant Mischitsch, der die Soldaten an- führte, aus dem Pala s heraustrat, begrüßte ihn die Menge mit Ziviorufin, die Militärkapelle blies ihm zu Ehren einen Tusch. Die Stimmung der Bevölkerung ist ruhig. Es zeigt sich keine Entrüstung über das Attentat. Das Blut­bad begann um Ls 12 Uhr und um 1*/2 Uhr war die Tat vollbracht.

Wien, 11. Juni. Ueber die Ereignisse der letzten Nacht in Belgrad wird in derZeit" noch folgende Ver­sion verbreitet: Naumowitsch legte dem König eine Ab­dankungsurkunde zur Unterschrift vor, in der gesagt wird, der König habe durch seine Heirat mit einer öffentlichen Dirne Serbien kompromittiert, weshalb er abdanken müsse. Als Antwort darauf ergriff der König einen Revolver und schoß Naumowitsch nieder, der auf der Stelle tot war. Jetzt trat Mischitsch vor, ergriff die Abdankungsurkunde und forderte den König zur Unterschrift auf. Nun erkannte der König den vollen Umfang der Gefahr und flüchtete mit der Königin Draga auf den Dachboden. Die Offiziere folgten ihnen und gaben auf sie Schüsse ab, die den König und die Königin niederstreckcen. Den tötlichen Schuß aus den König soll der seit zwei Jahren in Ungnade gefallene Major Luka Lazare- witsch abgegeben haben.

Gottesdienst der israelitischen Religionsgesellschaft.

In der Synagoge, Südanlage.

Sabbathfeier am 13. Juni 1903.

Freitag Abend 8. Uhr. Samstag Vormittag 8 Uhr.

Nachmittag 4 Uhr. Sabbathausgang 9 25 Uhr.

Wochengottesdienst : Morgens 6 Uhr. Abends % Uhr.

Druck und Vertag der (Siegener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei (gegr. 1873); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen.