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Giessener Caacsmigkeikn

Gießen, den 12. Mai 1903.

m*^®cL®ro^eriO8 empfing am Samstag, 9. Mai u. «. de» Professor Mittermay er von Gießen.

* Der Zweiten Kammer der Stände ist eine Regierungsvorlage betr. die Annahme eines Hilfslehrers bei derBlinden-Anstalt zu Friedberg zugegangen. Grundy dazu gab, daß das beginnende Schuljahr mit 27 Zöglingen eröffnet wurde, während deren Zahl seither nur 17 bis 19 betrug.

* ** ^ue andere Regierungsvorlage betrifft die Errichtung einer Parallelklasse an der Präparanden- an statt zu Lich. Es waren am 17. April l. I. in diese Anstalt bereits 60 neue Schüler angemeldet, während nur etwa 32 ausgenommen werden können. Eine Ueberweisung von Schülern an die beiden anderen Präparandenanstalten in Lmdenfels und Wöllstein ist nicht mögli j', da auch diese besetzt sind. Bei dem vorhandenen Mangel an Lehrern darf aber eine Zurückweisung von Schülern nicht ftattfkben. Es muß daher zur Errichtung einer Parallelklasse geschritten 2350^Mk Kosten einer solchen betragen zusammen

V Die nationalliberale Partei hat 138 Kandidaten aufgestellt, darunter viele Zählkandidaten in klerikalen Wahlkreisen.

[Riebigfeier.] Groß und interessant war die Festver­sammlung, welche auf Einladung des Rektorats und Senats unserer Landes-Universität heute Vormittag V* 12 Uhr in der großen Aula an der Ludwigstraße sich einfand, um der Feier des hundertjährigen Geburtstages Justus von Liebigs mit beizuwohnen. Von der Familie dieses heute in aller Welt gefeierten ehemaligen Gießener Professors nahmen an dem Fest-Akte mit teil Fräulein Marie vonLiebig aus Fritzlar, Liebigs jüngste Tochter und Fräulein Meta Buss aus Gießen, eine Groß-Nichte Liebigs. Die Regierung war vertreten durch die Ministerialräte Weber und B r a u n. Außerdem waren von auswärts anwesend : Geh. Reg.-Rat Professor Dr. Z i nck als Vertreter der Nachbaruniversität M ar bu rg; Prof. Dr. Schering, als Vertreter der technischen Hochschule Darm­stadt und Prof. Dr. Voigt im Auftrag der Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften. Ferner hatte sich eine große Anzahl Damen mit eingefunden. Die Feier nahm einen sehr programmgemäßen Verlauf. Gleich nachdem der Krönungsmarsch aus der OperDie Folkunger" verklungen, bestieg Herr Geh. Hofrat Prof. Dr. Naumann die Redner- bühne und entrollte vor dem Auditorium von Gelehrten, Staatsmännern und Militärs auf Grund der Schriften Liebigs ein so fesselndes und lebendiges Charakteubild, das manches Neues und Interessantes mit kund gab.

Gießen kann stolz sein auf Iustus von Liebig. Mit 21 Jahren schon Professor, wurde er von Ludwig I. nach hier berufen, wo er das erste chemische Laboratorium in Deutschland einrichtete und die damals kleine Landesuniversität zum glänzenden Mittelpunkte der neuen Wissenschaft machte. 1845 ehrte ihn Großherzog Ludwig II. durch die Erhebung in den erblichen hessischen Freiherrnstand."

Der erste Vertreter unserer Provinz, Herr Provinzial­direktor Dr. B r e i d e r t gab hierauf zur Kenntnis, daß Se. Königs. Hoheit der Großherzog der Universität ein Oel- gemälde Liebigs, gemalt nach dem besten in dessen Familie befindlichen Proträt, zu verleihen geruht habe. Es ertönte anschließend daran der Chor aus dem OratoriumDie Jahreszeiten" und die Feier in der Aula war damit zu Ende.

Der 2. Teil war die Feier am Denkmal. Se. Magnificenz, Herr Rektor Dr. Krüger als Erster legte im Namen der Lehrkörper der Universität mit einer sehr stilvollen Ansprache einen Lorbeeckranz nieder. Des Weiteren legten Kränze nieder, Student Unverzagt für die Studentenschaft, ;ber Vertreter von Marburg, für die Hochschule Darmstadt Herr Prof. Dr. Schering, die jüngste ärztliche Hochschule in Frank­furt a. M., die Deutsche-Chemische Gesellschaft und der Verband C.-St. Zum Schluß besichtigte Fräulein von Liebig, am Arme des Rektors, das Denkmal ihres Vaters und die Feier zu Ehren eines der größten Söhne des letzten Jahrhunderts hatte damit ihr Ende.

* ** Liebig-Dekoration. Eine elegante Fenster-Dekoration hat die Firma Eberhard Metzger, Delikatessen und Kolonial­waren, Selters weg, aus Anlaß des heutigen hundertjährigen Geburtstages unseres großen Landsmannes Liebig sich ge* leistet. Zwischen Palmen- und Blattgewächsen sind die Plakate der Liebig Fleischextrakt Compagnie geschmackvoll arrangiert und dazwischen überaus wirkungsvoll massenhaft Büchsen mit diesem so überaus populär gewordenen Fabrikat gestreut. War Justus v. Liebigs Beschäftigung mit der Tierchemie resp, deren Ergebnisse nicht von so großem In­teresse für die Allgemeinheit wie die der Flurchemie, so brachte ihn die erstere doch auf die Idee des Fleischextraktes, die dazu beigetragen hat, Liebig zu dem bekanntesten deutschen Gelehrten der ganzen Welt zu machen. Es erfreut sich die Dekoration der Firma Metzger übrigens der ungeteilten Auf­merksamkeit der zahreichen an dessen Geschäft Vorüber­gehenden.

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Die für die Anfertigung und Aufstellung einer Anschlagtafel am Stadtringgraben in der Dammstraße erforderliche Schreinerarbeit soll

Mittwoch, den 20. Mai d. Js. Borm. 10 Uhr öffentlich verdungen werden.

Zeichnung, Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen während der Dienststunden auf unserer Amtsstube zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, sind spätestens bis zum obengenannten Zeit­punkt an uns einzureichen.

Zuschlagsfrist 14. Tage.

Gießen, 11. Mai 1903.

Städt. Tiefbauamt. Braubach.

* * Die hundertjährige Wiederkehr der Stiftungstages des 2. Bataillons feiert unser Regiment am Samstag den 6. Juni d. J. Das Regiment wird den Tag festlich begehen.

* ** An unserer Landesunivecsität haben sich bis jetzt etwa 280 Studirende neu eingetragen. Die letzte Im- matrikulation findet am 16. Mai statt.

* * Die Handwerkskammer bringt in Erinnerung, daß alle Lehrlinge, welche innerhalb des Großherzogtums eine handwerksmäßige Ausbildung erhalten, bei dem Sekretariat der unterzeichneten Kammer von dem Lehrherrn anzumelden sind. In gleicher Weise ist der etwaige Austritt eines Lehr­lings aus der Lehre unter Angabe des Grundes anzuzeigen. Die Anzeige ist spätestens vier Wochen nach dem Ein- bezw. Austritt auf vorgeschriebenem Formular durch die Lehrmeister M bewirken Die Innungen haben für ihre Mitglieder am 1. Januar und 1. Juli j. J. ein Verzeichnis der ein- und ausgetretenen Lehrlinge ebenfalls auf vorgeschriebenem For­mular dem Sekretariate einzureichen. Die Nichtbefolgung der ordnungsgemäßen An- und Abmeldungen der Lehrlinge und die Unterlassung des Abschlusses eines schriftlichen Lehr­vertrags zieht gemäß den §§ 103 n und 150 4a G. O. Geld­strafen bis zu 20 Mk. nach sich.

y Die laufende Woche süht unter der Herrschaft der drei gestrengen Herren, mit welchem man in Nord­deutschland den 11. bis 13., in Süddeutschland den 12. bis 14 Mai meint. Sie treten regelmäßig um diese Zeit mit besonders niedriger Temperatur aus, und sie sind nicht blos strenge, sondern auch mächtige Hernn, wie sie Friedrich dem Großen bewiesen, der, um seinen Willen durchzusetzen, gegen die Meinung des Hofgärtners diesem befahl, die Lorbeer­bäume früher herauszusetzen. Es geschah, und dieselben litten bedenklichen Schaden. Das grimme Auftreten der ge­strengen Herren Mamertus, Pankratius und Servatius liegt in der Regelmäßigkeit der Winde, die während der Winter­zeit hauptsächlich von Südwest und den angrenzenden Himmels­gegenden in West-Europa wehen sich dann aber nach Westen und von da nach Norden wenden und dann wieder zurück­gehen. Der Wendepunkt im Norden, vor E-ntritt der be­ständigen Wärme, trifft gewöhnlich auf Mitte Mai. Der Nordwind führt natürlich kalte Lust herbei, die Süddeutsch­land etwas später trifft, darum auch die Verschiebung in den Daten.

* * Blitzableiter prüfen lassen! Während der langen, kalten und nassen Winterszeit leiden die Blitzableiter oft dermaßen, daß ihr ganzes Anlagekapital umsonst ausgegeben worden ist wenn man nicht die nötigen Reparaturen vor­nehmen läßt. Die oberirdischen Leitungen lassen sich durch genaue Besichtigung leicht kontrollieren, allein bei der Haupt­sache, bei den unterirdischen muß die Erde ausgegraben werden, oder man läßt die Untersuchung elektrisch vornehmen und so den Grad der noch vorhandenen Widerstandsfähig­keit feststellen.

* ** Gießen, 12. Mai. Das Kriegsgericht sprach in seiner gestrigen Verhandlung den Feldwebel Banse von der 9. Kompagnie des Regiments 116 wegen der Anklage der schweren Urkundenfälschung frei. Dem Feldwebel war zur Last gelegt zu Gunsten eincâ Mannes in der Stamm­rolle dessen auf 1 Jahr 4 Monate lautende Vorstrafe wegen Körperverletzung die er im Civilleben erhalten durchgestrichen zu haben, um demselben die Kapitulation zu ermöglichen. Die Vorstrafe ist später von Banse unterlassen worden zu über­tragen.

* * Am Sonntag hielt der VereinContentia", wie gestern schon kurz berichtet, sein erstes diesjähriges Sommer­fest ab, welches trotz des fchlechten Wetters sehr gut besucht war und den schönsten Verlauf nahm. Die Kinderspiele mit Preisverteilung sanden allgemeinen Anklang, auch wurde recht flott getanzt. An dem Preisschießen beteiligten sich sehr viele Herren, das gestern Montag Abend bei heiterster Stimmung fortgesetzt wurde. Nach 9 Uhr war Preisverteilung und gingen als Sieger folgende Herren von 119 Schützen hervor: 1. Preis Student Hensoldt, 2. Geo­meter Daum, 3. Hch. Wenderoth, 4. Student Dauber, 5. Wenderoth, 6. Bahnbeamter H. Strömel, 7. H. Sehrt, 8. A. Kuhnd, 9. I. Wenderoth, 10. Einj.-Freiw. Gümblein, 1113. Geometer Daubert, 14 Kuder, 15. H. Sehrt. Die einzelnen Preise waren recht schön. Der Verein kann mit seinem Fest zufrieden sein.

* * (Besitz wechsel.^ Bauunternehmer H. W. khm erwarb den Bauplatz Ecke Ostanlage und Landgrafenstraße für den Preis von 12000 Mk.

Uns Genen und Medbargebieten.

** Butzdach. Steuerkommissär Otto Müller ist in gleicher Diensteignschast in das Steuerkommissariat Fried­berg versetzt worden.

** Bad-Nauheim. Vom 1. bis einschl. 7. Mai sind 703 Kurgäste angekommen und beträgt die Gesamt- fr e q u e n z bis zum 7. Mai 1669 Personen, wovon noch 1210 anwesend sind. Bäder wurden bis zum letzten Donnerstag 10,318 abgegeben.

Berdin gung v. ÄnftreichërârbëitV

Die für die Instandsetzung von 27 Anschlagtafeln erforderliche Anstceicherarbeit soll

Mittwoch, den 20. Mai d I, vorm IO1/* Uhr öffentlich verdungen werden.

Angebote auf Vordruck, der bei uns erhältlich, sind bis zum obengenannten Zeitpunkt an uns einzureichen. - Zuschlagsfrist 14 Tage.

Gießen, am 11. Mai 1903.

Städt. Tiefbauamt.

________________Braubach._____________

^in kräftiger Metzger- Alleinst. Mädchen o. Frau er- v Lehrling möglichst vom hält ein Zimmer geg. Verrichtung Lande, für Grünberg gesucht. I einig. Hausarbeit.

Näh. in der Expd. derGrün- 1 BiSmarckstraße 17.

berger Zeitung". I Gießen.

* * Groß-Gerau. Der Stadtvorstand beschloß, lt.Gx., G. Krsbl.", die Anschaffung einer transportablen Wahlzelle von der Firma Wilhelm Jentzer in Hamburg

V Mainz, 11. Mai. Auf dem Wege vom Großen Sande nach der Kaserne stach heute Vormittag ein Ein- - jährig Freiwilliger von der Esk. 13. Hus. Rgts. seinen Berittführec mit seiner Lanze in den Rücken. Der Un­fall ereignete sich dadurch, daß die Pferde beider Reiter scheuten.

* * Feldmarschall Graf Waldersee weilt schon vom 8.10. Juni in Mainz zur Jnspizirung der Garnison.

* * Aus dem Rodgau. Die Speisekartoffeln sind gegenwärtig ein sehr gesuchter Artikel und haben bereits einen Preis erlangt, wie in gleicher Höhe seit vielen Jahren nicht erlebt wurde. Der Centner ist unter 3,40 Mk. nicht zu kaufen.

* * Beim Neben (Griffe, Marschieren u. s. w.) hat der Soldat nur denjenigen Körperteil in Bewegung zu setzen, der zur Ausführung des gegebenen Kommandos allein not­wendig ist, lautet eine alte Kasernenhofsweisheit. Am Wieder» haarigsten gegen diese Bestimmung ist der Kopf, er möchte immer mit agiren.Mucken" lautet dafür der technische Ausdruck. Um seinen Leuten das Mucken beim Griffekloppen abzugewöhnen, band ihnen der Unteroffizier Karl Weber von der 9. Komp. 115 Jnf.-Regts. (Darmstadt) die Ohrläppchen fest und ließ sie dann Griffe machen. Die Leute erlitten dabei große Schmerzen. Einer lag wochenlang mit ent­zündetem Ohr im Lazaret. Das Kriegsgericht der 25. Division verurteilte dieser Tage den vielversprechenden Sol­datenerzieher wegen 9 solcher Fälle zu 3 Wochen Mittel­arrest.

Der Frühling ist da!

Nun wehen die Lüfte so mild und lau, Es^keimt und duftet in Wald und Au', Die Vögel kamen vom fernen Strand,

Sie brachten den Frühling mit in's Land, Die Kinder jubeln und rufen Hurrah:

Der Frühling, der schöne Frühling ist da!"

Es rauschen die munt'ren', Quellen zumal

Und senden Bächlein in's grünende Tal,

Die Blumen strecken ihr Köpfchen hervor,

In den Lüften singt der Vöglein Chor

ES regt und bewegt sich fern und nah:

Der blütenreiche Frühling ist da!"

Da sprießet und sprudelt die Lebenslust,

Es w rd mir so wohl so weit die Brust.

Aus vollem Herzen ein fröhlicher Sang,

Aus frischer Kehle ein jubelnder Klang

Iw Wald schallt das Jagdhorn, Halloh, Trarah:

Der Frühling, der gold'ne Fcüh'.ing ist da!"

Nun dringt auch der Sonne warmer Schein Herein in des Kranken Kämmerlein,

Und neu belebtt sich seine Brust

Von Frühl'Ngskraft und von Frühlivgslust,

Vor Freude spricht er Hallelujah:

Der langersehnte Frühling ist da!"

Es wehen die Lüste, so mild und lau,

Es klimt und knospet in Wald und Au',

Die Vögel kam n vom fernen Strand,

Sie brachten den F.ühling mit in'S Land,

Ihr Menschen alle, ob fern und nah:

Der blütenreiche Frühling ist da!"

Gießen. Louis Roloff.

Marktbericht.

Gieße«, 12 Mai. Auf dem heutigen Wochenmarkt foftetrn Butter per Pfd. 1.001.20 Mk. Hühnereier 6 Pfg., 2 St.11 Pfg., EnteneierSt. 6-7 Pfg., Käse per St. 58 Pfg.. Käsematte 2 St. 56 Pfg., E bsen per Liter 21 Pfg., Linsen per Liter 32 Pfg , Tauben per Paar Mt. 0.751.00, Hühner per Stück Mt. 1302 40, Hahnen, per, Stück Mk- 1102.30, Enten per Stück 2.002.40, Gänse p. Psd. 54-60 Pfg, Ochsenfleisch per Pfd. 66-76 Psg., Rindfleisch per Pfd. 6066 Pfg. Schweinefleisch per Pfa^ 6676 Pfg Schweine­fleisch gesalzen per Pfund 0.80 Pfg., Kalbfleisch per Pfd. 6874 Pfg., Hammelfleisch per Pfd. 5272 Pfg., Kartoffeln per 100 Kilo 7.50-8.00 Mk., Zwiebeln per Zt. Mk. 7.00-8.00, Milch per Liter 18 Vfa.__________

Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei (gegr. 1873); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen.

Restaurant Centralhalle.

Donnerstag, den 14, Mai

Großes Freieoneert.

Anfang 7 Uhr.

Es labet freundlicht ein

Karl Schneider.

Gießen

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