Zweites Blatt
Nr. 59.
Mittwoch, den 11. März 1903.
12. Jahrgang.
InfrrttonSpret sr Die einspaltige Peripetie für Gieß, Aani Cbcrbcffcn. die Kreise Wetzlar und Marburg 10
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GrntiSbeiwgen : Qberhessische Familienrettung (täglich) Lberheffische Zeitschrift für Landwirtsmaft, Obst- und Gnrtenban, sowie die Gießener Ceifenblnsen (wöchentlich). DaS Blatt erscheint an eilte Werktagen nachmittag-.
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PoftzeitungSliste No. 3269.
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Fer»sprecha«schl»ß Nr. 86®.
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Neueste Nachril Men
für £b er liessen uub die Kreise Marburg uub Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen uub Umgebung.
Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Bellörden non Oberhessen ■^■■■■■■■■»■■■■unDauMMMMv.'rwrT—77-——— ' tr^’-^B^-rrrm e» -’r—r-r^z^-.-^-'^^r :âtjux wiaf»r. < r’mr«i ran . n^ , » cj^« rx:r' 11—। ———w»t »„ a , M»—» »n w»*w ——g
Vin allgemeiner Bund der deutschen Handwerker.
Kauni hatte der preußische Minister für Handel unb Gewerbe in Köln die Kaufleute zu engerem Zusammenschluß unb politischer Vertretung ihrer Interessen nach dem Vorbild des Bundes dec Landwirte aufge- »rdect, afé es sich bei ben Handeltreibenden vielerorten au regen begann und schon heute, nach wenigen Wochen, haben die Unterhandlungen zur Gründung eines Bundes der Kaufleute geführt.
Wie ganz anders im Handwerk! Seit Jahren wird darüberdgeredet und geschrieben, man solle sich zu einem wirtschaftspolitischen Bund dec Handwerker zusammentun, aber bis heute hat dieser Vorschlag noch nirgends feste Wurzeln gefaßt. Wohl sehen zahlreiche Vertreter des Handwerkerstandes ein, wie notwendig ein solcher Bund wäre, der sich über ganz Deutschland erstrecken müßte, allein cS scheint, als ob gerade diese Ausdehnung ein Hindernis wäre, daß er zustande ksmmt.
Handwerkerbünde giebt es nämlich schon für einzelne Bundesstaaten, Provinzen oder sonstige 8a nbei teile, so für Bayern, Baden, Westfalen, Rheinland, Hannover ?c. Das ist doch aber kein Hindernis, um einen allgemeinen deutschen Handweckecbund zu gründen. Im Gegenteil! Wenn die Vorstände dieser schon bestehenden Handwerkerbünde zusammentceten und einen gemeinsamen Verband begründen, so haben wir schon Den schönsten Anfang zum großen Handwerker-
bund. Um alle persönlichen Eifersüchteleien und Reibereien zu vermeiden, treten die engeren Bünde als solche dem allgemeinen Bunde bei, ihre bisherigen Wirkungskreise und sonstiger Anhang bleiben ihnen weiter Vorbehalten, ja wir sind überzeugt, daß sie durch die Gründung des deutschen Handweckerbundes in ihren Bezirken zahlreiche neue Mitglieder gewinnen unb so noch verstärkt würden.
Auch die anderen Verbände, welche fachliche Bc- rufsinteressen vertreten, so die verschiedenen JnnungS- Verbände und freien fachlichen Vereinigungen, könnten als l solche dem deutschen Handwerkerbunde beitreten und müßten eS aus eigenem Interesse thun, denn auch sie hätten für ihcenlBestand eher Zuwachs zu erwarten, als VerlusteVzu^befürchten. da mit einer wirksameren Vertretung" der Handwerksinteressen im öffentlichen Leben auch sicherlich die Lust und Freude am ständischen Zusammenschluß wachsen würde. Ferner könnten einzelne Innungen, Vereine odec^Meister dem Handwerkerbunde sich anschließen, und dieser würde dort, wo noch keine ^engeren Verbände bestehen, solche durch die schon vorhandenen Korporationen zu bilden suchen und sich durch ihren'Anschluß weiter ausbreiten. Hunderttausende von Mitgliedern könnte er schon im Anfang haben und viel weiteres Anschwellen^würde dann nicht ausbleiben.
Die Handwerks- und Gewerbekammecn als solche könnten wegen ihres behördlichen Charakters an sich dem Bund dec Handwerker ebenso wenig beitreten, wie die Landwirtschaftskammern dem Bund dec Landwirte, doch wären sie in der Lage, seine Sache zu fördern und sich auch einen Einfluß zu sichern.
Die Beiträge für den Bund brauchten durchaus nicht hoch zu sein, ein Groschen auf den Kopf und das Jahr würde schon eine Summe ergeben, um eine thätige Wirksamkeit beginnen zu können. Zwiefach angeschlosscne Mitglieder brauchten nur je zur Hälfte, Einzelmitglieder könnten mit dem doppelten Beitrag belastet werden.
Die Zusammensetzung des Bundesvorstandes würde auch keine unüberwindlichen Schwierigkeiten ergeben, wenn nur dec ernste Wille zum gemeinsamen Einvernehmen da ist und die Sache nicht kleinlich begonnen wird. Wenn die Reichshauptstadt als Sitz bei BundeSleitung zu großer Abneigung begegnen würde, könnte auf eine andere Stadt die Wahl fallen, wie Hannover z. B. der Vorort des deutschen Handwerks- und GewerbekammertageS ist. Je nach Bedürfnis könnte ein periodischer Wechsel Dorgenommen werden, damit keine Eifersucht die Eintracht stört. Die Satz ungen müßten kurz und klar sein, denn wichtiger als sie sind richtige Personen an dec Spitze, die das allgemeine Wohl des Handweckerstandes gegen Behörden und Parteien, nach oben wie nach unten hin in thatkräftiger Weise lvahrzunehmen fähig und entschlossen sind.
Ist auch bei dem heutigen RegierungSkucse nicht zu erwarten, öaß ein Minister zur Gründling eine» solchen Bundes der Handwerkec ermuntern oder ibn gar fördern würde, so mögen sich die Handwerker dennoch an den Rat Bismarcks halten: „Macht Euch zu einer Macht, mit der Staat und Gesellschaft rechnen muß! ?
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Nähere Auskunft erteilt Herr Stadtrat V Hecker, hier. Marburg, 2. März 1903.
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