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Donnerstag, den 10. Dezember 1903.

12. Iabmaug.

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fix OSerhefseu und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalauzeiger für Gieße» und Um-e-im-. »«ttztlt «Le amtliche» Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden hi Oderhaßa^

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Von dem zur Deckung der Geländeerwerbskosten Ilir Ken Bahubau GrünbergLondorf durch den Meis- Gießen im Jahre 1895 aufgenommenem Kapital von 80 000 Mk. sind per 1. März 1904 zur Rückzahlung MsgLtlost die Obligationen Lit. B. Nr. 15 über 500 Mk., ILit. C. Nr. 16 über 200 Mk. und Lit. D. Nr. 1, 28, 53, Li uind 55 über je 100 Mk.

Gießen, den 7. Dezember 1903.

Großherzog 'iches Kreisamt Gießen.

Dr. Breidect.

Die Brnttvprämieneinnahme der deutschen Versicherungs- Unternehmungen

betrug für das Geschäftsjahr 1901 nach dem an den Reichstag gelangten ersten Berichte des Aufsichtsamtes für Privatver Sicherung 559,1 Millionen Mark, die sich aus 916 Gesellschaften verteilen. Davon entfielen 335,5 Millionen auf die Lebens Versicherung, 40 auf die Unfall- und Haftpflichtversicherung, 23,7 Millionen auf die Hagelversicherung, 8,7 Millionen auf >ie Viehversicherung, 146,4 Millionen auf die Feuerversiche­rung, Versicherung gegen Sturmschäden, Wasserschäden und Diebstahl, 4,8 Millionen Mark auf sonstige Versicherungs '.weige. Die 82 ausländischen Ve rsicheningsunternehmun gen erzielten aus dem deutschen Geschäft 56,2 Millionen Mark.

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Versieberungsreformen.

Dem Reichstage werden, wie unser parlamentarischer Niliarbeiter hört, auch in dieser Session mehrere Verbesse- nmogsvorschläge der staatlichen Aufsicht unseres Versiche rmUswesens zugehen. Die gewaltige Ausdehnung, die das Leimcherungsweseu bei uns zu Lande in den letzten Jahren genomnien hat, ist vom wirtsä)aftlicheu Standpunkte aus nur zu begrüßen. Die Versicherung von Leben und Er »veâsfähigkeit, von Feuer-, Haftpflicht-, Transport- und Haßielschaden ist ein gesunder Schutz gegen die Zufälligkeiten des Lebens und verdient als ein Faktor der ötonomifdyen Selbsthilfe alle Beachtung. Unsere Regierung hat das längst ciiMsehett und den privaten Instituten, die sich diesenIn­dus! rie"Zweig zur Bewirtschaftung ausersehen haben, ftaat- ilicht" Einrichtungen an die Seite gestellt, die besonders auf dm' Gebiete des Arbeiterschutzes ihre segensreiche Wirkung ichom heute hinreichend dargetan haben. Natürlich fehlt es bei der Ausbreitung dieser Bewegung nicht an spekulativen Unt ernepmungen, die nur dazu in die Welt gesetzt werden, um ihren Aktionären fette Erträge abzuwerfen. Mb er das dlitqe der Regierung wacht gottlob recht scharf, und allzu ßwitze Ausschreitungen'auf diesem Gebiete sind in den letzten Jassiren nicht mehr vorgekommen.

DaS Interesse der Allgemeinheit hat natürlich mit der Ausdehnung des Versicherungswesens beträchtlich zugenom- ineri. Man wartet heutzutage nicht mehr, bis zufällig ein hgent den Weg zu einem findet, sondern hält es beispiels- veisc geradezu für eine Pflicht der Selbsterhaltung, sofort. mit der, Begründung einer Familie eine Mobiliar-Feuer- mjicher.mg zu nehmen und so wenigstens den Besitzstand ' ber Aussteuer von vornherein zu gewährleisten. Bei solchen!

Interesse muß es allerdings Wunder nehmen, daß sich viel- iüdn die Dersicheriin genehmer gar nicht recht klar darüber smd, was und wie sie nun eigentlich versichert haben. In I gjebem solchen Versicherungsanträge befindet sich ein Passus, ; in Lem der Antragsteller bestätigt, die VersicherungsbedinguN'- 'geui genau zu kennen. Wie oft ist das aber in der Tat ber Fall? Wenn heute einer einen Tausendmarkschein er- 'halt, so sieht er sich das Papier sehr genau an. Wenn er nbcT eine Polize empfängt, die meist über eine viel größere Lumme lautet, so verläßt er sich vielfach auf die Erklärungen

Deutscher Reichstag

(3. Sitzung.)

CB. Berlin, y. Dezember.

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irgicnb eines ihm sonst im Leben recht fernstehenden Agenten. »So kommt es, daß im Falle des Schadens sehr häufig Streitigkeiten zwischen der betreffenden Versicherungsgesell­schaft und dem Beschädigten entstehen, der sich jahrelang in

beim Glauben befunden hatte, gegen irgend etwas versichert iit sein, was in seinen Versicherungsbedingungen ausdrück­lich als nicht mitbèrficpcrt bezeichnet war. Wachsendes Miß- imuen. gegen alles, was Versicherung beißt, ist natürlich die iiMUsbleibljche Folge. Um solchen Mißhelligkeiten vorzu

Wrigen, besteht seitens der guten Gesellschaften seit längerer Ht schon das Bestreben, die Risiken schärfer zu präzisieren msb ihr versichertes Gebiet zu vergrößern. So ist jetzt von einzelnen Versicherungsgesellschaften die dankenswerte Vor Wrung getroffen worden, die Feuerversicherung beispiels­weise auf eine allgemeine Elementarversicherung auszudeh- lnem, die alle Beschädigungen umfaßt, die Immobilien oder Vobilien durch Unwetter zugefügt werden könnten. Es läßt sich erwarten, daß dieses Beispiel Nachahmung finden wird. Usher galt die Feuerversicherung nur für Feuerschäden als solche, schloß zwar die Gewittergefahr ein, ließ aber orfen Stiellcn, sobald es unklar geblieben war, ob nun der Blitz >d,er das Unwetter als solches, Sturm und dergleichen Ur i j siche des Schadens gewesen. Auch Beschädigungen durch

Raffer waren nur dann entschädigungspflichtig^, wenn sie : ' in unmittelbarem Zusammenbange mit einem Schadenfeuer itamben, also mit anderen Worten durch die Feuerwehr ver- ' !irlacht worden waren. Weite Gebiete des Elementarschadens siuoen also völlig brach, so beispielsweise alle Schäden, die weh Sturm, und viele, die durch Ueberschnx'mmüngen ver- onllaßt waren. So wie auf diesem Gebiete liegen die Dinge I oimch auf anderen!. Auch Unfall-, Haftpflicht- und Hagel- ' hc^rficperungen, wie sie heute sind, weisen noch breite Lücken Mssi die nur aufmerksamstes Studium der Versicherungs-

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lst-diugungen erkennen läßt. Man wird also nach wie vor (Halten sein, nicht ohne weiteres auf mündliche Zu siche- Ringen zu bauen, sondern, bevor man eine Versicherung ab Meßt, sich eingehend von ihrem Umfange zu überzeugen. M allgemeinen ist ja, wie gesagt das Bestreben der Ber 'iÄheruugsgesellschasteu unverkennbar, ihre ^5crfi dorten aui Wtlaccv. und ihre Garantien zu enveitern.

Chronologisch die dritte, ist heute in der Tat aber die erste Sitzung. Sie zeigt das Gepräge einesgroßen Tages",- denn nicht bloß das Haus, sondern auch der Bundesratstisch ist stark besetzt. Allen voran der Reichskanzler. Auf der Tagesordnung steht die

erste Beratung des Etats, der von bem neuen Reichsschatzsekretär Frhrn. v. Stengel in langer Rede erklärt wird. Frhr. v. Stengel hat vor seinem Vorgänger, dem Frhrn. v. Thielmann, einen großen Vorzug voraus, er spricht, nicht vom Bundesratstisch, sondern von der Rednertribüne, klar und deutlich, so daß er allgemein verständlich ist. Er beginnt:

Ich bedaure lebhaft, mit einem Etat zu debütieren, der keinen freundlicheren Anblick bietet wie der vorliegende", und wirft zunächst einen Blick auf die Ergebnisse des Reichs Haushalts im Jahre 1902; dabei konstatierend, daß dessen ungünstige Ergebnisse weniger verschuldet worden seien dunst Mehrausgaben, als vielmehr durch das Zurückbleiben der Einnahmen hinter dem Voranschläge. So besonders bei der Zuckersteuer. Im Gegensatze dazu hätten die Ueberweifungs steuern den Voranschlag überschritten. Was das laufende Jahr 1903 anlange, so schätze er, mit allem Vorbehalt, den Fehlbetrag für dieses Jahr auf etwas über 20 Millionen. Gegen 1902 fei das zwar ein etwas besseres Ergebnis; immerhin aber sei ein solcher Fehlbetrag noch groß genug.

Auch die laufenden Ausgaben des Jahres 1904 könnten wieder nicht bestritten werden, ohne einen ansehnlichen Be­trag durch Ueberweifungen ungedeckter Matrikularbeiträge und ohne eine namhafte Anleihe. Ein Mehr an ungedeckten Matrikularbeiträgen über den Betrag des laufenden Jahres hinaus könne den Einzelstaaten nicht zugemutet werden, ohne deren finanzielle Leistungsfähigkeit in Frage zu stellen. Der Schwerpunkt der Vorlage liege in der Einschränkung der Franckensteinschen Klausel und sodann in der Aenderung des Artikel 70 der Verfassung. Man habe die Vorlage eine Dynamitbombe genannt, ihr Tendenzen nachgesagt, die sie nicht besitze. Man habe ihr nachgesagt, sie bedeute einen Zwang zu neuen Steuern. Diese Preßerzeugnisse, diese ' Kritik der Presse fei nur ein Zeichen dafür, welche Ver- worrenheik bisher geherrscht habe.

Bravo auf der rechten Seite begleitete die Rede des neuen Schatzsekretärs. Der Reichskanzler schien ärgerlich über die kühle Ausnahme, welche die Rede fand.

Als erster Sprecher aus dem Hause ergriff dann das Wort der

Etatsrcdner des Zentrums,

Abgeordneter Dr. Schädler. Er gedachte zunächst unter all­seitigem Bestatt der Heilung des Kaisers, streifte kurz die internationale Lage, die nicht die rosigste fei, und mahnte die Regierung, uns nicht in eine neue Isolierung ge raten zu lassen. Was den Etat anging, so begrüßte er die Stellenvermehrung für Unteroffiziere, hielt aber die Er­höhung der Oberstleutnantsgehälter für nicht so nötig, wie die bessere Versorgung der Invaliden, um derentwillen das Zentrum auch für eine Wehrsteuer zu haben sein würde. Nach einer entschiedenen Erklärung gegen die Ostrnarken- zulagen beschwerte sich der Redner über zu große Forde­rungen für Marine und Kolonien im Etat und ging dann zu der neuen Finanzreforinvorlage über. Das Zentrum stehe ihr nicht strikt ablehnend gegenüber, habe aber Be- senken gegen die starke Einschränkung der Franckensteinschen Klausel. Der Redner beantragte schließlich Verweisung des Entwurfs an eine Kommission. Zum Schluß verbreirete er sich über die Forbacher Affäre und die jüngsten Soldaten- mißbandlungen. In beiden. Fällen verlangte er unter leb basiern Beifall des Hauses entschiedene Remedur. Redner zofft, daß der Kriegsminister mit eisernem Besen auskehren werde. Er verbreitet sich schließlich über die sozialpolitischen und wirtschaftlichen Aufgaben Deutschlands. Darauf vertagte sich das Haus auf morgen 1 Uhr.

Düngen und 80 Millionen Mark 4 proz. Schatzanweisungen, zusammen also 3103 Millionen Mark oder rund drei Milliar­den. Von Anleihekrediten waren nur noch verfügbar 6 787 946 Mark. Die tatsächliche Verzinsung der gesamten Reichsschuld stellt sich im Durchschnitt auf 3,4434 Prozent.

4= Das preußische Staatsministerium hat sich, wie 6c reits erwähnt, in letzter Zeit mit der Revision des Militär pensionsgcsetzes beschäftigt. Die mehrfach aufgetauchte An­nahme, das Ministerium habe die nunmehr dem Bundesrat zugegangenen Entwürfe über diese Materie wesentlich ver­ändert, trifft nicht zu, die borgcnomme.ncu' Aenderungen halten sich vielmehr in sehr engen Grenzen.

0 Im preußischen Etat für 1904 wird sich ein Posten Zur Unterstützung der Errichtung einer Versuchs-Müllerei und Bäckerei in Berlin finden. Auch das Reich wird für die Versuchs-Müllerei und Bäckerei Wittel bewilligen. Uebrigeps hat das Reich auch der sich immer mehr erweitern den Deutschen Versuchsanstalt für Lederindustrie zu Frei berg i. S. Beihilfen zukommen lassen.

*1« Innerhalb der preußischen Regierung werden gegen­wärtig Erwägungen darüber an gestellt, ob das Hochwasser schntz-Gesetz für Schlesien sämtliche Fragen des Hochwasser schützet regeln wirb, oder ob einzelne Teile (wie die Deich gefebgebung) für den ganzen Staat eine besondere gesetzliche Behandlung erfahren werden. Der bem preußischen Land tage in feiner nächsten Session vorzulegende Entwurf für die Hochwasserwegulierung wird die Kosten dieses Projektes aus s Millionen beziffern, von denen 5 Mill, auf Regulierungs­bauten und 2 Millionen auf die im Interesse der Stadt Breslau protestierten Deich bauten entfallen. An der Aus bringung dieser 8 Millionen werden sich neben dem Staate der Provinzialverband von Schlesien und die totabt Breslau mit größeren Beträgen zu beteiligen haben.

frankreieb.

T Die französischen Bonapartisten versuchen jetzt einen neuen Tric, um der Dynastie Bonaparte wieder auf den Thron m verhelfen. Eine Anzahl bonapartistischer Depu­tierten haben eine neue Partei gegründet, die für die Re publik mit einem Konsul an der Spitze Propaganda machen will. Als Kandidat für den Posten des Konsuls wird Prinz Vietor Napoleon betrachtet. Selbstverständlich ist der Hinter­gedanke der Bonapartisten dabei, daß Victor Napoleon, ein mal Konsul geworden, das Beispiel des ersten und dritten Napoleon nachahmen und sich zum Kaiser machen werde.

o% Auf die verfahrenen Verhältnisse im französischen Heere wirft wieder ein Vorfall ein bezeichnendes Licht, der aus Paris berichtet wird. Danach soll der pensionierte General Cornuliers, früher Divisionskommandant in Nancy, auf An trag des Kriegsministers vor ein Disziplinargericht gestellt werden, weil er in einem Blatte in heftigen Worten das Vorgehen des Kriegsministers kritisiert hatte, der ihn, ent­gegen dem bisherigen Brauch, nicht zum Korpskomniandanten ernannt hätte. Das Disziplinargericht soll entscheiden, ob die Pensionierung des Generals nicht in schlichten Abschied umgewandelt werden soll. Es ist in der Tat ein starkes Stück und ein Zeichen krassester Insubordination, wenn ein Offizier in dieser Weise feinern Unmut über eine Nichtbeförde-

rung Luft macht.

Cngland.

^ Die gestern gemeldete Verkürzung des britischen Heeres - etats durch das Londoner Kriegsamr hat eine unerwartete Folge gehabt: Lord Roberts will seinen Abschied als Gene­ralissimus der englischen Armee einreichen. Als sein mut- maßlicher Nachfolger wird der Herzog von Counauglu ge­nannt.

0 Seit der jüngsten englisch-französischen Verbrüderung sind auch die sonst gar nicht sentimentalen Briten bemüht, den neuen Freunden möglichst liebreich zu begegnen. Um die Empfindlichkeit Frankreichs zu schonen, haben sie den Namen des aus dem französisch-englischen Streit bekannten Ortes Faschoda in Gaüac geändert. Diese Umtaufe wird nun frei­lich das bittere Gefühl der Franzosen über ihre Niederlage in dem Faschodastreit nicht ersticken.

Skandinavien»

D» Der norwegische St orthing hat die Vorlage wegen Ein führung des staatsbürgerlichen Wahlrechts für Fronen ein­stimmig verworfen.

Die Politik.

* Die verzinsliche Schuldenlast des Reiches umfasste, wie jetzt amtlich bekannt wird, Ende September 1240 Millionen si^proz., ]783v± Millionen Mark 3pm. Schuldoerschrei

Hficn,

es Weitere 'Nachrichten aus Ostasien bestätigen die Aus fassung, daß der Friede zwischen Japan und Rußland als gesichert gelten kann. Ein amerikanisches Telegrophenbureau berichtet, daß Rußland auf persönliches Eingreifen des Zaren hin Japan einige Zugeständnisse gemacht^ habe. Rußland sei willens, den vorherrschenden Einfluß Japans in Korea und das Recht Japans, dâs Protektorat üben Korea auszu­üben, anzurrreuneu. Andererseits solle Rußland Handels freihett m Korea gesichert und sollen die vorhandenen russi­schen Konzessionei! anerkannt werden. Die Mandschurei­frage soll Gegeust.md einer besonderen Verständigung sein; Japan sei damit einverstanden, die Frage der Räumung dieses Gebietes in der Schwebe zu lassen und erkenne Ruß­lands Stetfunn dort an. Es wäre zu wünschen, daß diese Meldung sich bestätigt.

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