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Nr. 158
Donnerstag, den 9. Juli 1903.
12. Jahrgang.
M»U«G»a«t-pre1s r in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., ® M^
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Z«serti.«-tzr.t * Die ek^âe »«tchrtke fit Metzs« Mi ganz Oberhessen, die Kreise Wetzür und Oarbmg 19 $fe sonst 15 Pfg.: Reklame« die Petttzeile 3d resp. 40 Wg.
Postzeitungsliste Ro. 9W.
Redaktion und Expedition: Gießen NeLe»»ea>S.
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Neueste Wachrichten
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für Overhessen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Metzen und Umgebung. E»thLlt rite amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden »•« Oberheksen
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Betc.: LehrerkonferenZen.
Gießen, den 7. Juli 1903.
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Gr. Kreis-Schulkommijswn Gießen au die Schulvorstände und Großh. Bürgermeistereien des Kreises.
Im Sommer a. c. sollen folgende Bezirkskonferenz en stattftnden.
1. für den Bezirk Gießen am Montag, den 13. Juli l. I, vorm. IOV2 Uhr, im Cafe Ebel in Gießen;
2. für den Bezirk Lich-Hungen am Freitag, den 17. Juli l. I., vormittags 10 Uhr im Holländischen Hof in Lich;
3. für den Bezirk Grünberg am Montag, den 20. Juli l. I., vormittags 10 Uhr, im Gasthaus um Hirsch" in Grünberg.
Die Herren Referenten werden gebeten, sich zur Erstattung ihrer Referate vorzubereiten. An jede der Konferenzen wird sich ein einfaches gemeinsames Mittagessen anschließen.
Betreffs derjenigen Konferenzen, in denen Vorträge aus dem Gebiet dec Schulhygiene gehalten werden sollen, erfolgt besondere Bekanntmachung.
Die Schulvorstände und Großh. Bürgermeistereien beauftragen wir, die Lehrer vom Vorstehenden in Kenntnis zu setzen und darauf aufmerksam zu machen, daß der im Dienst jüngste Lehrer das Protokoll zu führen und f stzustellen hat, welche Konferenzmitgliedec fehlen und welche anwesend sind.
I. V.: Dr. K r a n z b ü h l e r._______________ ^^■~.-«-~^-^---^-^^W»».^f.^l.-'MIW~~-.»—Ol.,4<.»^ »■■ »I.I..U.I. I !!.,!!■
ZU führen, zusammenarbeiten zum Wohle des Vaterlandes, 311m Schutze der Gerechtigkeit."
Die Worte des Kardinals Fischer werden in ganz Deutschland auch in nichtkatholischen Kreisen freudigen Widerhall finden. Denn aus ihnen spricht nicht nur der hohe Würdenträger der Kirche, sondern vor allem auch der Patriot, dem das Wohl seines Vaterlandes an treuem deutschen Herzen ruht.
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ÄL Flllndschaftlichen Gefühle, welche der Sais et jur ben Pavst Leo XIII. empfindet und die durch den Besuch des Kaisers und der beiden ältesten kaiserlichen Prinzen im Vatikan im Frühjahr d. I. noch erheblich gesteigert worden find, haben jetzt aus Anlaß der schweren Erkrankung des greisen Kirchenfürsten erneuten Ausdruck gefunden.
Kaiser Wilhelm erhielt die Nachricht von der schweren Erkrankung des Papstes am Sonntag früh an Bord der „Hoheilzollern". Bei dem vormittags stattfindenden Schiffsgottesdienst sprach er ein Gebet für den Papst. Der Kaiser sagte: „Depeschen aus Rom enthalten schlechte Nachrichten. Der Papst, den ich kenne, liebe und verehre, ist in Gefahr. Beten wir für ihn." Der Schlußsatz des frei gesprochenen Gebets, das auf die Anwesenden tiefe Wirkung ausübte, lautete: „Die Welt braucht große, gute Männer, möge der allmächtige Gott dem heiligen Vater nocl) viele Jahre schenken." — Wegen der Erkrankung des Papstes hat übrigens der Kaiser Sen Antritt seiner Nordlandreise auf unbestimmte Zeit verschoben. In berliner Hofkreisen verlautete gestern (Mittwoch) — wie unser dortiger CB. Mitarbeiter erfährt —, daß der Kaiser im Falle des Todes des Papstes dessen Beisetzung sicher beiwohnen werde.
Der Kaiser hatte Befehl gegeben, daß ihm täglich über das Befinden des Papstes telegraphisch Bericht erstattet wer- den solle. Als indessen dieser kaiserliche Wunsch im Vatikan besannt wurde, enthob der päpstliche Staatssekretär Nam- poUa den deutschen Botschafter in Rom dieser Pflicht, indem er die Anordnung traf, daß täglich, je nach Umständen, zwei- bis dreimal aus seiner Kanzlei über den Verlauf der Krankheit dem Kaiser telegraphisch Nachricht gegeben werden solle. Sind) vom Kaiser selbst wurde an den Papst ein Telegramm gesandt, worin der Monarch zu Gott betet, daß er dem Papste neue Lebenskraft verleihen und noch lange Jahre seinem Volke erhalten möge.
Diese freundlichen Gesinnungen unseres Kaisers werden von dem greisen Kirchenfürsten voll erwidert. Zeuge dessen ist ein Trinkspruch des Kardinals Fischer, den er bei einem zu feinen Ehren veranstalteten Festmahl der Kölner Bürgergesellschaft auf Kaiser und Papst ausbrachte. Er hob darin hervor, daß der Papst ihn noch vor wenigen Tagen gebeten habe, dem Kaiser seine ehrliche Bewunderung und Freundschaft auszudrücken.
„Wie schön und erhebend", so sagte der Kardinal, „mai das untrügliche Zusammenwirken zwischen dem Papst und dem Kaiser. Das Zusammentreffen dieser beiden vor wenigen Wochen war ein weltgeschichtlicher Moment. Wenn der Papst und der Kaiser auch in mancher Beziehung verschieden sind, anerkennen müssen wir doch die Kongenialität, in der sie in ihrem Schaffenseifer auf allen Gebieten dieses Lebens zusammenwirken. Dieses Zusammenwirken , der beiden größten Herrscher der Jetztzeit ist umso wichtiger, als der Geist der Verneinung, der Zerstörung und des Umsturzes in unserem Vaterlande weitere Verbreitung gefunden hat. Da tut es not, daß alle staatserhaltenden Kräfte sich Zusammenschließen und daß diejenigen, die berufen sind, an der Spitze zu stehen, die Geister zu leiten und das Schwert
Der Zustand des Papstes
ist nach dem letzten Bulleiin unverändert. Nach der Entziehung der blutigen Flüssigkeit aus dem Brustfell — es waren über 800 Gramm, die Professor Mazzoni entfernte - verging die Nacht ziemlich ruhig, obschon der Papst keinen erquickenden Schlaf hatte. Der Zustand des Papstes gestattet seine lange Untersuchung, doch kann man feststellen, daß der Prozeß in der Klinge die Neigung hat, sich zu lösen und daß bis jetzt die Flüssigkeit im Brustfell sich nicht zu erneuern scheint. Professor Mazzoni fand den Papst am Morgen in ziemlich gedrückter Stimmung im Vette liegend. Der Papst sagte ihm, daß in seinem Zustand ein Rückschritt eingetreten sei; er fühle sich schwach unb habe sich am Abend vorher besser gefühlt. Er beklage dies, weil er viel zu tun habe. Mazzoni in Berte später, der Papst wolle aufstehen, um ohne Hilfe alles selbst 311 tun. Die bläuliche Färbung breitet sich an den Händen aus. Der Papst nehme noch Nahrung an, aber nur wenig. Die Temperatur schwanke zwischen! 36, und 36,4. Mazzoni machte den Eindruck, daß er die Hoffnung aufge- 3eben habe, die er am Abend vorher hegte.
Der Papst rief abends seinen Sekretär Monsignore Angeli und sagte zu ihm, er bedauere, daß er nicht an dem neun- iägigen Gebet zu Ehren der Maria del Carmine teilnehmen könne, die er sehr verehrt und deren Bild er stets auf der Brust trägt; denn er werde Mittwoch sterben. Obgleich Angeli eindringlich erklärte, daß diese Voraussage des Papstes ohne Grund sei angesichts seines guten Befindens blieb der Papst bei feiner Ansicht und gab sich dann einem sinnenden Schweigen hin.
Illusionen im Vatikan.
Im Vatikan gab sich alles, da der Papst die Nacht ruhio verbrachte, der Ruhe hin, selbst Dr. Lapponi schlief von 1 Uhr bis W Uhr morgens. Die Nobelgarden blieben in ihren Quartieren, nur die Wache, die sich stets im Vorzimmer des Papstes befindet, blieb auf dem Posten. Graf Moroni, ein Neffe des Papstes, war abends gekommen, um den Befehl über eine Abteilung der Nobelgarde zu übernehmen. Der erste, der morgens im Vatikan erschien, war Maestre Perosi, der, nachdem er gute Nachrichten über den Papst erhalten hatte, sich entschloß, aufs Land zu gehen, um eine wichtige musikalische Arbeit zu vollenden. Perosi hätte Rom nicht verlassen können, wenn der Zustand des Papstes ganz hoffnungslos wäre; denn Perosi würde als Leiter der Six- tinischen Kapelle an allen auf den Tod des Papstes folgenden Feierlichkeiten teilnehmen müssen. Kardinal Vives, der in den letzten Tagen stets um ^6 Uhr morgens zum Vatikan gegangen war, war gestern morgen bis 3/47 Uhr noch nicht dort gewesen. Vertraute des Vatikans bestätigen, daß die Rächt vorübergegangen sei wie sonst, wenn der Papst sich wohl befand.
Eine neue Krisis
sollte diese Illusionen aber bald als trügerisch erweisen. Ganz plötzlich verschlechterte sich nachmittags der Zustand des Papstes zusehends, so daß man jeden Augenblick das Ende erwarten konnte. Infolgedessen wurde denn auch der Groß- Pönitentiar Kardinal Serafino Vanutelli herbeigerufen, um dem Papste die Absolution „in articulo mortis" zu er- wilem Man kann daraus ersehen, daß der Papst nicht mehr in der Lage war, die sonst üblichen Bedingungen des Buß- sakraments zu erfüllen; die Schatten des nahenden Todes umnachten schon seinen starken Geist. Der Großpönitentiar hat in solchen dringenden Fällen die Befugnis, trotzdem die Absolution auszusprechen.
Die Steuern des deutschen Volkes.
RK» Die amtliche Finanzstatistik der einzelnen Bundesstaaten ist soeben erschienen. Sie enthält eine Reihe inter^ essanter Einzelheiten, von denen wir einige hier wiedergeben.
Zunächst sei mitgeteilt, daß die Gesamtsteuersumme 111 allen Bundesstaaten nach den Voranschlägen 599,44 (gegen das Vorjahr 574,37) Millionen Mark betrug. Davon entfallen auf direkte Steuern 434,14 (413,51) Millionen Rèark auf Aufwandsteuern 82,78 (80,77) Millionen Mark und auf Verkehrssteuern 81,92 (80,08) Mionen Mark. Du direkten Steuern brachten 72,52% des Gesamtbetrages.
Unter den direkten Steuern steht die Einkommensteuer mit einem Ertrag von 284,71 (im Vorjahre 270,23) Millionen Mark obenan; durch sie werden 47,49 (47,05)% des gesamten Steuerertrages aufgebracht. Die Ergänzungs- (Vermögens-)steuer brachte 37,53 Millionen Mark oder 6,26%, die Grundsteuer 42,79 Millionen Mark oder 7,14%, die Gebäudesteuer 19.15 Millionen Mark oder 3,20%, die Gewerbesteuer 21,26 Millionen Mark oder 3,55%, die
Wandergewerbesteuer 4,U9 wnuionen Wtark oder 0,08^, die in Bayern, Sachsen, Württemberg, Hessen und Oldenburg eingeführte Kapitalrentensteuer 14,39 Millionen Mark oder 2,40% des Gesamtertrages.
Unter den Aufwand steuern hat die erste Stelle inne die Biersteuer mit einem Ertrage von 64,63 Millionen Mark ; dann folgen die Schlachtsteuer mit 6,54 Millionen Mark, die Weinsteuer mit 5,80 Millionen Mark und die Hundesteuer mit 3,94 (3,71) Millionen Mark.
Von den Verkehrssteuern brachte die Stempelsteuer 10,44 (43,43), die Erbschafts- und Schenkungssteiler 25,9C (22,01) und die Umsatzsteuer 15,57 (14,63) Millionen Mark
Das Reich vereinnahmte an Steuern im ganzen 1059,4( Millionen Mark. Davon entfallen auf die Brausteuer 45,77 (45,00), auf die Stempelsteuer 94,84 (115,00) und auf andere Zölle und Steuern 913,80 Millionen Mark. Die Stern- pelftener ist also, wie in den Einzelstaaten, so auch im Reick erheblich in ihrem Ertragnis zurückgegangen, so daß sie im Reich nur noch 8,99% der Gesamtsteuereinnahmen ausmacht gegen 10,86 im Vorjahre. Umgekehrt sind die Zöllc mit 86,67% an den Reichseinnahmen beteiligt gegen 84,89% im Vorjahre.
Die Gesamtsumme der Steuern im Reich und in der Bundesstaaten beträgt 1653,84 Millionen Mark. Darunter befinden sich 434,75 direkte Steuern und 1219,00 Millionen Mark. Aufwand rmd Verkehrs- (indirekte) Steuern.
Die Politik.
Vorbereitung der Handelsverträge.
d In unterrichteten politischen Kreisen gilt es als sicher, baß von den Regierungen jetzt die ersten Vorbereitungen für den Abschluß neuer Handelsverträge mit drei Auslands- staaten zu Ende geführt sind. Man wird denlnachst an die gleichen Vorbereitungen für die Erneuerung der Verträge mit anderen Staaten herantreten.
Herrn Loubets Besuch in London
hat sein Ende erreicht. Auch im weiteren Verlaufe seines Aufenthaltes wurde der Präsident der Republik immer, während der Gegenstand großer Ehrungen und Huldigungen. Am Dienstag Abend gab der Präsident in der französischen Botschaft ein Festmahl zu Ehren des Königs. Außer Eduard VII. und dem Prinzen von Wales nahmen daran die Minister,_ber amerikanische und der russische Botschafter teil. Der deutsche Botschafter war nicht geladen. Reden wurden bepdem Festnrahl nicht gehalten; Präsident Loubet trank nur auf das Wohl des Königs und der königlichen Familie. Chamberlain unterhielt sich andauernd mit bem französischen Minister des Auswärtigen, Delcass6. Der König verließ zuerst die Botschaft, um sich zu der Festvorstellung im Covent- Garden-Theater zu begeben. Präsident Loubet folgte alsbald nach. Auf den Straßen brachte ihm eine sehr zahlreiche strenge „so begeisterte Huldigungen dar, wie nie zuvor". So meldet wenigstens das deutsche offizielle Telegraphenbureau. Der Zuschauerramn des Theaters war reich geschmückt. Ueberall sah man La France-Rosen, von denen besonders die Logenbrüstungen gänzlich bedeckt waren. Die gesamte Aristokratie Englands wohnte der Vorstellung bei. Loubet saß mit dem Königspaar in der Königsloge. Die Vorstellung endete gegen Mitternacht. ÄRittwoch früh fand ein vom König dem Präsidenten gegebenes Frühstück in Windsor Castle statt. Später begab sich Präsident Loubet nach dem Mausoleum in Fragmore, um auf dem Grabe der Königin Victoria einen Kranz niederzulegen.
Entartung des englischen Volkes.
Im britischen Oberhause brachte eine Debatte über dir physische Entartung des englischen Volkes überraschende Tal fachen zur Sprache. Der Bischof von Ripon erklärte, das innerhalb 16 Jahren der natürliche Volkszuwachs DoUftänbic zum Stillstand gekommen sein werde, wenn der Rückgang ir den Familien so fortschreite, wie es augenblicklich der Fak sei. Der Prozentsatz an Geburten sei so zurückgegangen, das heute bereits 1 100 000 Kinder weniger vorhanden seien als nach dem früheren Prozentsatz vorhanden sein müßten. Londor allein habe im letzten Jahre einen Rückgang der Kinderzahi um 25000 Köpfe zu verzeichnen gehabt. Der Herzog vor Devonshire stimmte dem Bischof bei, daß die Verhältnisse nicht nur vom militärischen, sondern auch vom industriellen Standpunkte aus tatsächlich bedenklich seien. Von je 3 jungen Leuten, die sich zum Militärdienst stellen, müsse einer als unbrauchbar zurückgewiesen werden.
Neue Ministerkrise in Griechenland.
G Die Ministerherrlichkeit des Herrn Theotokis hat llicht gerade lange gedauert: Kaum eine Woche. Angesichts der Opposition in der Kammer hat Theotokis dem Könige dic Demission des Kabinetts angeboten. Zweifelsohne wird bei König diese Demission annehmen, da Theotokis nicht die geringste Aussicht hat, bei weiterem Verbleiben im Amte glücklicher zu sein. Bei der Einreichung seiner Demission erklärte Theotokis bem Könige, daß die Ordnung nur durch streugc Mittel wiederhergestellt werden könne. Das mag schon stimmen. Wie aber, wenn sich die unruhige Bevölkerung strenge Maßnahmen nicht gefallen läßt? Die Vorgänge im Lande zeigen, daß das Volk sich in großer Erregung bc*