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Nr. 184. Erstes Blatt.

Ubo««<me»tspretS: in Gießen, abgehsN monatlich 50 Pfg., in'S HauS gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertel­jährlich Mk. 1.50.

Gratisbeilage« : Oberhesfische Familie«zeitu»g (täglich) Vberhtsfische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- u«d Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblase* (wöchentlich).

DaS Blatt erscheint an allen Werktagen nachmitagS.

Samstag, den 8. August 1903.

Gießener

__________________12. Jahrgang.

JaierttovSprei Sr Die einspallige Petitzelle |ut Dietzen w>. ganz OberWsen. die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Ps^. Â sonst 15 Pjg. ,- Reklame« die Petitzeile 30 resv. 40 Pfg.

Postzeitungsliste No. 3269.

Redaktion und Ervedition : Gießen Neuenweg 28.

Ferusprechanschlnß Rr. 362.

Weue^e Machrichtm

(chießener Hagevratt) Ynaöyängige Hageszeitung (Gießener Zeitung)

für Oberhefsen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalauzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

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Bekanntmachung.

Die erledigte Stelle eines KreisVratzevwarts mit drm Titz in Leihgestern ist demnächst wieder zu besetzen.

Bewerber wollen ihre Meldungen unter Angabe Don Alter und seitheriger Beschäftigung, sowie unter Beischluß^von Zeugnissen hierüber bei dem Kreisstraßen­meister Rohrer in Gießen bis zum 20. August d. Js. ein reichen.

Der Kreis-Ausschuß des Kreises Gießen.

Dr. B r ei d e rt.

Bekanntmachung

Die unterm 7. Juli d. I. ungeordnete Sperre der Kreisstraße von Lollar nach Vollbringen wird hiermit aufgehoben

Gießen, den 5. August 1903.

Großherzogtlches Kreisamt Gießen.

________ Dr. Breidert.________________

Bekanntmachung.

Betr.: Die allgemeine Fasselschau in 1903.

Wir bringen hiermit den Beteiligten zur vor­läufigen Kenntnis, daß die Hauptkörungen für das Jahr 1903 in den Monaten September und Oktober statt­finden werden. Tie Viehbesitzer, die gaffcitiere zur Kör­ung zu bringen beabsichtigen, haben innerhalb einer Woche nach dem Erscheinen dieser Bekanntmachung ihr Vorhaben für die Bezirke Gießen und Hungcn-Lich dem Großh. Kreisveterinäramt Gießen, für den Bezirk G c ü n- berg dem Großh. Kreisveterinäramt Grünberg, an­zuzeigen.

Gießen, den 5. August 1903.

Großherzogl. Kreisamt Gießen.

J. V.: Dr. Heinrichs.

Bekauntma^-ung.

Die Wolkengasse wird wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten von Montag, den 10. l. Mts. an bis^auf weiteres für den Fuhrwerks- und Fihrradverkehr gesperrt.

Gießen, den 6. August 1903.

Großh. Polizeiamt Gießen.

J. V. Roth.

Bekanntmach uug.

Die Hammstratze, zwischen der Unterführung an der Westanlage und dec Neustadt, wird wegen Vornahme von Walzarbeiten von Montag, den 10. l. Mts. ab bis auf weiteres sür^ den Fuhrwerks- und Fahrradverkehr gesperrt

Gießen den 8. August 1903.

Großherzogl. Polizeiamt Gieißen.

_______I. V.: Rot_______________

Bekanntmachung.

In dec^ Zeit vom 1. bis 8. August 1903 wurden in hiesiger Stadt gefunden: 1 goldene Damenuhr, 1 Portemonnaie mit Inhalt und 1 Regenschirm; verloren: 1 Portemonnaie, 35 Mk. und 1 Brosche enthaltens 1 ga b. Ring mit rotem Stein, 1 gold. Manschettenknopf, 1 gold. Brosche und 1 silb. Damenuhr.

Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegen­stände belieben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen.________ —

Die Jubelfeier der Ruperto-Caroh.

^ Heidelberg, 7. August.

Wie würde sich der selige Zwerg Perkeo freuen, wenn es ihm gestattet wäre, aus jenen Höhen, wo er jetzt ucherttch Nektar und Ambrosia kneipt, in dieses Jammertal zurück zukehren. Er würde sicher nicht zum Keller hinabstergen, um am großen. Faß sein inneres Licht leuchten zu lassen und mu dem Riesen Durst dort unten zu kämpfen, weil oben der Streit um „lederne Ideen" zu heftig entbranntest. Nein, den Durst könnte er in gutem L>toff in diesen Festtagen rmd auch sonst zu jeder Zeit im alten und doch ewig jungen Heidelberg in fröhlicher Gesellsäzaft int hellen Licht der Gottessonne löschen und mit kecken Tönen seine eigenen Heldentaten besingen helfen. Und lederne Ideen! Wenn ?r die Reden deß Großherzogs von Baden gehört hätte, die dieser beim Festakt in der Aula und beim Mahl in der Stadt - Halle hielt, da würde ihm sein mannhaftes Herz in der klei­nen verkrüppelten Zwergenbrust weit geworden sein und in hohem Schwünge an die Rivven aevockt haben.

Der Rektor Magnificentisfimus der Ruperto-Carolo pries in beiden das, was jedem deutschen Jüngling als Ideal borschwebt, wenn sich ihm die Pforten des Allerheiligsten der Wissellschaft beim Bezug der Universität eröffnen: Nicht trockenes, totes BücherMsen zu erwerben, sondern am leben digen Borne sich sattzutrinken, um bem Vaterland dienen zu können in treuer Hingebung. In den hundert Jahren, aus die wir bei der heutigen Jubelfeier zurückblicken, sei das be- deutllngsvollste Ereignis, das die Ruperto-Carola feiern konnte, der 18. Januar 1871. Möge dieser Gedächnistag auch künftigen Gellerationen ein leuchtendes Vorbild inni­ger, fester nationaler Einigung bleiben. Der Großherzog gedachte des Gründers des neuen Reiches, Kaiser Wilhelms, lind seines 31t früh dahingegangenen Sohnes, Kaiser Friedrichs III., die er als leuchtendes Muster der Vaterlands­liebe aufstellte. Auch unser jetziger Kaiser fühle die große Bedeutung, die in ben Hochschulen steckt, und werde alles anh bieten, sie und bamit die nationale Kraft auf ihrer Höhe 311 halten. Denn sie seien die Träger des Geistes gewesen, der zur nationalen Einheit geführt habe, des Geistes, bestell erstes Flügetrauschen man schon 180(1 in der glühenden Beredsam­keit eines Friedrich v. Gentz, 20 Jahre später bei Johannes Müller gespürt habe.

Die alten unb jungen Studenten zeigten dein Redner, als er das Kaiserhoch ausbrachte, daß sie sich eins fühlten mit den Trägern des nationalen Geistes, beii er gefeiert hatte. Meine „ledernen Ideen" sind es, die sie von der Alnia Hinter mit nach Haus nehmen, das Wissen sie, und deshalb faßt die Hand des jungen Burschen im flotten Wichs mit Wucht an den Griff der blanken Wehre unb schlägt dem alten Herrn der aus bem Philisterlande zu seiner trauten Museustadt sich ausgemacht hat, das Herz nod) einmal so warm: Alles für das Vaterland unb die nationale Einheit!

In den Straßen wogt und wimmelt es Don einem Meer von Farben. Ist doch Heidelberg eine der festesten Burgen des deutscheil Couleurstudenteutums, das in großeil Uni versitäten, wie Berlin, Breslau und Leipzig, immer mehr von den farbtmlofen Vereinigungen, der sogenannten Finken- schart, numerisch überwuchert und verdeckt wird. Hier aber blüht noch die ganze Poesie des Stridentenlebens. Der Festzug bot ein Bild, wie es prächtiger nicht gedacht werden kann. Alle die jugendfrischen Gestalten in schmucker Burschen- tracht, hoch 31t Roß voran der Vorsitzende des Ausschusses und ein Vertreter des Korps ^iieoia, die wehenden Banner, die Professoren in altehrwürdigem Ornat, die Pedelle mit bem Szepter voran — die Zuschauer können nicht genug scheu und bewimbern. Und dann das Schloßfest! Wie traulich nehmen sich die alten Ruinen aus im frohen Lichter­glanz unb wie gespenstisch-zauberisch zugleich. Und dllrch ihre Zäunte hallt es wieder von Becherklang, holdem ^^ädchenlachen, Schläger- und Sporenklirren. Gott Alnor aber schärft seine Waffen. Er allein ist es, der in diesen tagen in Heidelberg seine Schlachten liefert. In der Hivsch- zasse, bem alten Pauklokal, ist es während dieser Tage still mb ruhig, alle Mensuren sind bis nach den Feierlichkeiten lerschoben worden.

Die Politik.

Für die Ucbcrschwcmmtrn.

G Im Oberpräsidium 31t Breslau trat gestern (Freitag, unter dem Vorsitz des Landwirtschaftsministers v. Pod- bielski eine Konferenz zusammen,^ die sich hauptsächlich mit wasterbautechnischeu Fragen befaßt. Tie Konferenz beriet vornehmlich die Regulierung des Whwarzwassers, des kleinen Nebenflusses der Oder, das bei der letzten Katastrophe ungeheuren Schaden an richtete. — Auch die Mildtätigkcnt rührt sich weiter. Die Vorstände des deutschen .striegel bundes und des preußischen Landes-Kriegerverbandes haben aus ihren Notstmtdsfonds weitere 12 500 Mark an ihre durch die Ueberschwennnungen geschädigten Mameraben ab­gehen lassen, und zwar 10 000 Mark nach der Provinz Posen unb 2500 Mark nach dem Regierungsbezirk Frank­furt a. O. Weitere Summen werben demnächst nach West Preußen abgehen. Tie freiwilligen Sammlungen inner­halb der Kriegervereine für Schlesien nehmen einen erfreu liechn Fortgang; bereits sind mehr als 10 000 Mark aus freiwilligen Sammlungen der Kriegervereine an den schle­sischen Provinzial-Kriegerverband abgegangen. - Uebrigens wirb im Anschluß an den persönlichen Vortrag, den der Reichskanzler nach der Rückkehr des Kaisers diesem über die Hochwasserschäden halten soll, ein K r 0 n r a t, d. h. eine Sitzung des Staatsministeriums unter dem Vorsitz des Kö­nigs, stattfinden.

Ein englisch-deutscher Zollkrieg?

4= £ie bereits seit längerer Zeit begonnenen englisch-deut­sche it Haudelsvertragsverhaudluugen sind ins Stocken ge -aten, und zwar hat die beutfd)e Regierung, nach englischen Versicherungen, die Fortsetzung der Verhandlungen als Zweck­es abgelehnt, solange nicht das Schicksal der Chamberlain wen Schutzzollpläne entschieden seien. Englische Blätter kün Mgen als Folge dieses Verhaltens der deutschen Regierung 1 ereil? einen Zollkrieg an. Nun, die Zollkriegsuppe wird von den beiberfeisigen Staatsmännern wohl nicht so beiß

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gegessen werden, wie sie von der deutschfeindlichen Presse jenseits des Kanals gekocht wird.

England und der SchifMrtstrust.

J^ Der Morgantriist hat einen Erfolg erzielt: 3nuscheu der britischen Admiralität unb dem Handelsamt einerseits und bem Morgantrust ist ein Abkonunen auf 20 Fahre mit fünfjähriger Kündigungsfrist abgeschlossen worden, wonach bu zu dem Trust gehörigen britischen Schifsahrtsgesellschaften ebenso wie die übrigen englischen Gesellschaften in Bezug .uif die militärischen. Marine- und postalischen Leistungen behandelt werben, welche von der englischen Regierung gc fordert werden können. Tie englische Regierung kann den Vertrag zu jeder Zeit aufheben, wenn der Trust die Juter- essen des englischen Handels verletzt. Das bedeutet einer seits die Anerkennung des Trusts seitens der englischen Re gierung als eines berechtigten Wirtschaftsgebildes, unb es wirb zum anderen die Folge haben, daß auch die dem Trust noch nicht angehörigen Schiffahrtsgesellschaften sich ihm an schließen, um nicht von ihm erdrückt zu werben.

Der Papst und Italien.

<£ Die Stellung, die der neue Papst der italienischen Re­gierung gegenüber entnehmen wird, bildet weiter den Gegen­stand eifriger Erörterung in der römischen Presse. „Messa gero" veröffentlicht eine Unterredung des Papstes mit einigen Freunden, in welcher dieser sich beklagte, daß unter den vielen Telegrammen, die er erhalten habe, eines, näm lich das des Königs, fehle. Das Blatt meint, die Ver­fassung binde dem Könige die Hände, das Volk werde aber vielleicht einen energischen und selbständigen Schritt des Königs gutheißen, der den Frieden zwischen Kirche und Staat anbahne. Worin dieser Schritt bestehen soll, verrät das Blatt nicht. „Popolo Romano" zitiert einen Erlaß des Patriarchen Sarto nach der Ermordung des Königs Hum bert, in welchem er den Ermordeten „unseren erhabenen König" nannte. Pius X. werde Rom nicht als Haupt­stadt Italiens anerkennen, aber auch keinen Kampf gegen den italienischen Staat unternehmen. „Giornale d'Jtalia" erkennt bereits an, daß eine Versöhnung, so lange die Roni- frage existiere, eine Utopie sei. - Wie weiter aus Rom gemeldet wird, hat der Papst beschlossen, nächsten Montag ein geheimes Konsistorium behufs Ernennung einiger Kar­dinäle abzuhalten, sodann am Donnerstag ein öffentliches Konsistorium, in bem der Kardinalshut den von Leo X111. ernannten Kardinälen, die ihn noch nicht erhalten haben, aufgesetzt werden soll. Tie beiden Schwestern des Papstes, welche mit ihm zusammen in Venedig wohnten, sollen nach der „Italic" nach Rom komnieu und in ein Kloster treten (??). Ter Papst empfing auf Anregung des Kar­dinals Gibbons in dem vatikanischen Garten 50 ameri­kanische Touristen. Unter anderem soll er ihnen den Bischofs ring gezeigt haben, welchen er als Patriarch von Venedig öfter versetzen mußte, um die Armenkasse wieder zu füllen.

Neuansbruch der macedonischen Revolution!

* Alle Vertuschungsversuche der Pforte 11 üben nichts. Die Tatsache, daß die Rebellion in Macedonien wieder ihr gefahrdrohendes Haupt erhoben hat, läßt sich nicht mehr wegleugnen. Allerdings machen die macedonischen Komitatschis die Sache jetzt anders: Sie wollen statt der Dynanütattentate, mit denen sie sich die Sympathien Euro­pas verscherzt haben, jetzt einen Guerillakrieg führen, Han­del und Wandel stören und, da das auch die Interessen der Mächte trifft, diese zur Einmischung zwingen. Herr Boris Sarafow, das Haupt der macedonischen Bewegung, hat in aller Seelenruhe der Direktion der Orientalischen Bahnen den Rat gegeben, sie möchte doch auf ihren Bahnen keine Passa­giere mehr befördern; es täte ihm leid, wenn er harmlose Reisende in Gefahr bringen müßte. Er sei entschlossen, den ganzen Bahnverkehr ins Stocken zu bringen. Den Anfang damit hat er bereits gemacht: Die Bahnlinien Monastir-Salo- niki und Saloniki Konstantinopel sind von ihm an mehreren Punkten zerstört worden, und zwar so, daß ihre Herstellung geraume Zeit in Anspruch nehmen muß. Alle Telegraphen- brühte werden von den Komitatschis durchschnitten, die Ernte, soweit sie Türken gehört, vernichtet, Brücken abgerissen unb was dergleichen schöne Sachen mehr sind. Der allgemeine Aufstand ist für Saloniki unb Monastir proklamiert worden. Selbstverständlich wird Larasow mit dieser veränderten Tak­tik nicht mehr erreichen, wie mit der früheren: Eine Ein­mischung der Mächte wird höchstens in der Fonn stattiinden, daß sie bie Pforte auf fordern, mit rücksichtsloser Gewalt die Revolution 311 unterdrücken.

Französische Flottenrnstnngen.

>}< Frankreich macht gewaltige Anstrengungen, tf otte schleunigst zu vermehren. Im nächsten Jahre wcr ^ - publik nicht weniger als 6 Panzerschiffe, 8 0 ' 15 Torpedojäger, 07 Torpedoboote, 06 klntelye gesamt 182 Schiffe auf Stapel liegen haben. Nicht wenige' als 70 Schiffe werden neu in Angriff genommen werden. Auch in Frankreich bekennt man hè eben äu dem für - Teutsche noch viel zutreffenderen Worte. „Bitter not uns eine starke Flotte."

Der schwarze Peter in Noten.

0 Sm serbischen DffwerforW aärt’a wieder einmal. Die