Nw. — ?M Wasser der Fulda bei .Kassel ist stark gestiegen und teilweise über die Ufer getreten. Auch vom Main und Rhein wird Überschwemmungsgefahr gemeldet.
|:) Ein humanes Gerichtsurteil, Sin Not und Verzweiflung hatte die 19^ährige unverehelichte Berta Scharz tn Berlin ihr etwa ein Jahr altes Söhnchen ausgesetzt" Sie hatte den Knaben, den sie nicht ernähren konnte, vor die Korridortür ihrer früheren Herrschaft gelegt. Von hort wurde das Kind ins Waisenhaus geschafft. Die Mutter wurde ermittelt und hatte sich jetzt wegen Kindesaussetzung vor dem Berliner Gericht zu verantworten. Sie erklärte, daß sie in ihrer Vertzweifluna kaum gewußt habe, was sie getan. Der Staatsanwalt beantragte gegen sie 6 Monate Gefängnis, der Gerichtshof kam aber zu einem frei sprechenden Urteil, da angenommen wurde, daß oas Kind sich auf dem verkehrsreichen Flure nicht in einer hilflosen Lage befunden habe.
= Ueber die Lissaboner Wasserkatastrophe liegen widersprechende Nachrichten vor. Eine Meldung des Reu- terschen Bureaus von dort sucht jetzt den ganzen Vorgang, entgegen den furchtbaren ersten Schilderungen, als völlig harmlos hinzustellen. Es handle sich nur um das Schadhaftwerden eines Rohres eines Wasserreservoirs, wodurch die Werkstatt eines Schuhmachers überschwemmt wurde; der Schaden beläuft sich auf etwa 30 Pfund Sterling. Ein Verlust an Menschenleben ist nicht zu beklagen. Der Vorgang spielte sich ab, ohne daß die Bewohner des Stadtviertels etwas merkten. Von anderer Seite wird dagegen die Unglücksnachrichr in vollem Umfange aufrecht erhalten. Die Ueberschwemmung wurde danach durch den Bruch des Hauptreservoirs der alten, vom König Johann in der Mitte des 18. Jahrhunderts angelegten Wasserleitung herbeigeführt, das schon seit langem Risse gezeigt hatte.
△ Ein neuer Liebesroman im Hause Toscana. Wie Erzherzog Leopold Ferdinand ist nun auch noch ein anderer Bruder der .Kronprinzessin von Sachsen, Erzherzog Heinrich, in einen Liebesroman mit einer Dame nichtfürstlichen Geblüts verstrickt. Um ihn von ähnlichen Schritten, wie sie sein Bruder getan, zurückzuhalten, hat Kaiser Franz Josef den Erzherzog zu einer Audienz befohlen und ihn zur Korps-Offizierschule nach Innsbruck mit dem Befehl kommandiert, sich von der Dame zu trennen, mit der er seit langem ein Verlstiltnis unterhält. Erzherzog Heinrich, der kein Hehl daraus gemacht hat, daß er seines Bruders Leopold Verhalten billigt, wird dessen Beispiel vielleicht folgen. — Von der sächsischen Kronprinzessin verlautet, sie xwolle sich fortan über die Legitimität oder Sllegitimi.ät des zu erwartenden Kindes in keiner Weise äußern. Tas Prozeßverfahren und die Zukunft würben über sie und die Gründe ihres Entschlusses völlige Klarheit bringen.
(8) ZeitungSbetrieb auf einem Dampfer. Die Mareoni- èsellschaft teilt den Abschluß eines Vertrages mit, wonach sie von Ende Januar ab einem von Liverpool nach Newyork gehenden britischen Dampfer einen täglichen Nachrichtendienst mittels drahtloser Telegraphie zu liefern hat. Der Dampfer wird einen RedaktionsStab und alle Einrichtungen zur Herstellung einer täglichen Zeitung an Bord führen.
D Ein frecher Gaunerstreich wird aus Paris gemeldet. Zwei Brüder, beide Kaufleute und wohlhabend, hatten beschlossen, ihrer verehrten alten Mutter gemeinsam einen wertvollen Brillantschmuck zu laufen. Der jüngste hatte ihn bei einem Juwelier znm Preise von 1000 Francs ausgesucht und traf des Abends den älteren Bruder wie gewöhnlich im Case, wo er ihm von seiner Wahl Mitteilung machte. Er habe dem Juwelier Weisung gegeben, ben Schmuck gegen 10 Uhr am nächsten Morgen in die Wohnung des Aelteren zu senden, und dieser möge die 1000 Francs erlegen. Morgens um 91/2 Uhr läutet es denn auch bei diesem, und ein junger Mairn präsentiert ihm ein sorgfältig üerfdjnürteä und versiegeltes Paket nebst quittierter Rechnung über 1000 Francs, die ihm sofort anSgehändigt werden. Der Kaufmann, sehr beschäftigt, legt das Päckchen auf seinen Schreibtisch und vollendet einige eilige Briefe, als es von neuem läutet. Wer ist's'? Wieder ein junger Mann mit einem Päckchen und einer Note des Juweliers über 1000 Francs. Bei Oeffnüng des ersten Pakets findet sich nur ein schwerer Stein, der sorgfältig in Papier gehüllt ist. Man sieht, es ist nicht gut, in öffentlichen Lokalen zu laut über seine Privat anaeleaenbeiten au sprechen.
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Dr. Rumseys Patient.
Roman von Dr. Halifax und T. L. Meade. Autorisierte Bearbeitung von C. Meßner.
(Nachdruck »tristen)
Das Zimmer «tackte auf den ersten Blick eine« gemütliche« Eindruck mit dem weißaedeckteu Tisck, dem traulichen Licht der Lampe und in herein Schein die hübsche junge Frau — ein Bild tiefsten Friedens unb reinsten Glucks.
„Ick deute, nun hat er aber lange genug geschlafen. Das Abendbrot könnte kalt werde«, ich werde ihn wecken."
I« diesem Aligeublick vernahm Hetty ein heftiges Kratzen draußen vor dein Fenster, welchem das langgezogene jämmerliche Gebenl eines Hundes folgte.
„Das ist Leo!" duckte sie. „Was hat er nur? Wenn er dock nicht so heulen wollte! Ich kann es nicht mit auhören, wenn ein Hund beult. Ich lasse ihn lieber herein."
Sie lief schnell in die Küche und den laugen Gung entlang bis zur Hausthür, welche sie öffnete.
Draußen staub der große Hund.
Leo tum näher, legte ben Kops in die Hand seiner Herrin unb folgte ihr in die Kücke. Von hier ging er sofort in die Stube, setzte sich auf die Hinterbeine, streckte den Kopf in die Höhe und begann von neuem kläglich unb markerschütternd zu heulen.
„Leo, Leo. höre auf, bummer Hund!" rief Hetty und gab ihm einen Schlag auf die Schnauze. Eiucn Moment duckte sich daS Tier, sali seine Herrin mit traurigen Auaen an unb versuchte, ihre Hand zu leefeu. Dann sdilich er leise beiseite unb sc zte sich »ben die ItiUc, auf dem Sofa ausgestreckte Gestalt.
„Was ist nur mit dem Huude?" flüsterte Hetty ängstlich. »Die Leute sagen, wenn ein Hund heult, stirbt jemand. Die Hunde sollen mehr sehen, als wir Menschen, sie sollen Geister neben. Ick glaube,, ich werde immer nervöser. Wie kann man Heulen eines Hundes nur irgendwelche Bedeutung beimessen! Aber der Eacao wird kalt, die Eier auch, und Georg ist noch nicht munter/
„Georg, Georg!" rief sie mit lauter Stimme. „Wache auf/ Er rührte sich nicht.
Sie trat ganz dickt au ihn heran unb rief noch lauter:
•cf<bi äsen’“'' ^"^' ^c auf. Du hast über drei Stunden
Vermischtes.
$ sUeber die Stellung unserer Kaiserin zur Reform« trachij weiß ein „gutinformiertes" amerikanisches Blatt zu berichten. Eine Abordnung der Liga, welche eine „vernünftige Kleidung für Frauen" anstrebt, habe im Schlosse eine Audienz gehabt, um die Landesmutter für ihre Reformbestrebungen zu gewinnen. Tie Kaiserin habe den Vortrag angehört und die Damen ersucht, an einem späteren Tage in ihrer Reformtracht zu erscheinen. Ties sei geschehen: Tie Modefeindinnen stellten sich in ihren mit beängstigender Einfachheit gearbeiteten, fußfreien Kleidern vor. Sie fanden sich aber „plötzlich" von den „schönsten Tamen des Hofes umringt", die sämtlich nach gewöhnlicher Mode, aber mit ausgesuch em G schmack, gekleidet waren. Ter Kontrast soll „wahrhast überwälti- gend" gewesen sein. „Meine Tamen," soll die Kaiserin gesagt haben, „soll ich wirklich den jungen Tamen am £use zumuten, in Kleidern zu erscheinen, wie Sie sie tragen ? Tie junge Welt würde ja allen Lebensmut verlieren!" Wenn es nicht noahr ist, so doch gut erfunden.
r sDie bösen Freitage.j Tas Jahr, in welchem wir seit einigen Tagen leben, zeichnet sich durch etwas ganz besonderes aus, durch eine Merkwürdigkeit, die abergläubische Gemüter mit Furcht und Schrecken erfüllen könnte. Es hat nicht weniger als drei Freitage, die mit dem 13. eines Monats zusammenfallen, und zwei dieser Freitage kehren sogar in zwei aufeinander folgenden Monaten, im Februar und im März, wieder. Der dritte „Freitag der 13." des Jahres 1903 wird im November sein. Im verflossenen Jahre hatten wir nur einen bösen Freitag, den uns der Juni brachte. Französische Journalisten sind bereits dabei, eine der berühmten Pariser Wahrsagerinnen zu befragen, ob wir von der ungewöhnlichen Häufung der bösen Freitage im Jahre 1903 besonderes Unglück zu erwarten haben. Kluge Leute werden jedenfalls gut daran tun, vorzubeugen und sich auf alle Eventualitäten vorzubereiten.
= [Ser Koffer von Mayerling.f Ein Budapester Journalist hat neulich dem Wiener Kaiserlichen Archiv einen Besuch abgestattet. Tabei zeigte ihm, wie er jetzt in einer Beschreibung seiner Wahrnehmungen erzählt, der Kustos Ritter Alfred Siegenfeld einen einfachen glatten Holzkoffer. „In diesem," so sprach er, von tiefer Bewegung ergriffen, „befinden sich alle jene Schriften und Briefe des verewigten Kronprinzen Rudolf, welche an seinem Sterbetage in Mayerling gefunden wurden. Dieser dun- ketgelbe Dienstbotenkoffer wurde in aller Eile in der benachbarten Ortschaft gekauft und alles wurde in denselben hineingeworfen, was man von Schriftsachen daselbst fand, worauf der Koffer sofort versperrt wurde. Erst nach fünfzig Jahren wird beriethe geöffnet werden. Fünfzig Jahre nach dem Todestage des Kronprinzen, wenn bereits alles und jedes der Geschichte angehören wird, wird auch der Inhalt dieses Koffers in das geheime Archiv kommen." — 9iodj sechsunddreißig Jahre muß also die Welt warten, bis sie in das düstere Geheimnis von Mayerling einen Blick wird werfen können.
△ s Sch ui; der Niagarafälle, s A's vor Jahren die Umgebung der Niagarasälle immer r urch a l rlei prosaische Eingriffe verhunzt wurde, tat man sich in Amerika und in Kanada erfolgreich zur Beseitigung des Mißstandes zusammen. Aber seither sind bekanntlich beim amerikanischen Teil der Nigarasälle elektrische Anlagen errichtet worden. Und jetzt kommt eine der bedeutendsten kanadischen Zeitungen mit der eindringlichen Mahnung an die Regierung der kanadischen Provinz Ontario: sie solle um Gottes willen nicht dem barbarischen Beispiel der amerikanischen Nachbarn folgen, sondern die Hauptfälle des Cagara auf der kanadischen Seite des Stromes vor Verunzierung durch elektrische Anlagen, vor. dem traurigen Schicksal, mit ihrem Schweife Turbinen peitschen zu müssen, gründlich bewahren. Es ist Aussicht vorhanden, daß die Mahnung der kanadischen Zeitung befolgt werden wird. Man darf also hoffen, daß wenigstens der eine Teil der Nigarafälle, und schönste, vor Verunstaltung bewahrt bleibt.
£ ^Weihnachten an der Newyorker Börse.) An den sämtlichen Börsen Newyorks — so wird von dort geschrieben -- ging es am 24. Dezember hoch her. An der konsolidierten Börse wurden die Geschäfte früh am Nachmittag suspendiert. Einige Mitglieder, welche noch mit
Wieder begann Leo jämmerlich zu heulen.
„Leo, sei still, sonst jage ich Dich hinaus!" rief sie dem Hunde zu. Jetzt kniete sie neben dem Schlafenden nieder und rüttelte ihn. Sein Kopf sank dabei ein wenig auf die Seite, und sie glaubte, im nächsten Moment würde er die Augen aufschlagen und sich aufrichten. Als sie jedoch die Hand wieder weggczogeu — kein Angenaufschlagen — keine Bewegung — nicht der geringste Laut.
„Was ist das nur?" fragte sie sich. Zum ersten Rial an bicseni Abend beschlich sie eine wirkliche Angst, eine unbeschreibliche Furcht. Sie beugte sich über ihren Mann und horchte auf seinen Atem.
„Er ahnet so leise", flüsterte sie bange, „ich höre seinen Atem faum — kaum? — Ich höre gar keinen Atemzug — ich will doch lieber ba£ Licht holen —"
Als sie Vincent vorhin geschüttelt, war die eine Hand zur Seite herabgeglitten und hing starr hernieder. Sie erfaßte die Hand und — ließ sie mit einem Schrei des Entsetzens sofort wieder fallen — sie war kalt — eiskalt!
„Herrgott im Himmel! Barmherziger Gott im Himmel!" stöhnte sie fassungslos. „Was ist das nur - 0 Gott, was ist das nur?"
Die wirkliche Tragweite des Geschehenen war ihr immer noch nicht zum Bewußtsein gekommen, nur eine nnansspreckliche Furcht, eine fast wahnsinnige Angst hatte sich ihrer bemächtigt. Sie nahm das Licht und leuchtete dem Men Schläfer in das Gesicht — in das aschfahle, starre Gesicht. Die Lippen waren leicht geöffnet - aber nicht der leiseste Hauch entströmte ihnen. Der Körper war bereits erstarrt in der schauerlich eisigen Nm- armung des Todes.
„ Hetty hatte den Tod schon vorher gesehen, seine Anzeichen trügten sie nickt! Diese Zeichen des Todes hier waren zu deutlich, uni sie zu verkennen.
Mit einem dumpfen Wehlaut fiel sie vornüber, das Licht entsank ihrer kraftlosen Hand und verlöschte, und ihr Gesicht, so weiß wie das des Toten, siel auf dessen Brust. So blieb Hetty eine ganze Weile in tiefer Bewußtlosigkeit liegen.
Dreiundzwanzigstes Kapitel
Die Schatten der Dämmerung woben sich dichter und dichter und gingen bereits in die Nacht über, und der Baron von Audrey
der Absicht umgingen, »eschäste zu nieten, wurden daran gehindert, unb Fuybâlle, Konfetti und Papierballe flogen in allen Richtungen umher. Gegen 2 Uhr wurden sechs mächtige Tannenbäume in den Saal getragen. Sie waren mit Geschenken für die Börfenmitglieder behängt; unter diesen Geschenken befanden sich Schafe, die noch ungeschoren waren, Blechhörner, Rasseln, Kinderwägelchen und Puppen mit komischen Inschriften. An der Effektenbörse wurden die Geschäfte zwar nicht suspendiert, doch trieb der Ulk schon den ganzen Nachmittag noch während der Börsenstunden sein Spiel. Eine Militärkapelle marschierte, märschespielend, im Saal umher, und viele der Mitglieder amüsierten sich mit Bocksprüngen u. s. w. In dem nur b^rch eine niedrige Wand abgetrennten Saale der Produktenbörse ging es am tollsten zu. Die Kapelle faßte dort Posto, und Sacklaufen und Ballspielen mit Kartoffeln waren an der Tagesordnung. Für das Sacklaufen wurden den Siegern wertvolle Preise verliehen. Nachdem man noch an mehreren unglücklichen Opfern „blutlose Operationen" nach Professor Lorenzscher Methode, jedoch ohne Narkose, vorgenommen hatte, fand der Ulk mit einem großen Um- zug sein Ende. An der Baumwollbörse gab es einen Weihnachtsmann, welcher an sämtliche Mitglieder Geschenke verteilte, und die allgemeine Heiterkeit bewies, daß die Geschenke gut gewählt worden waren.
Kurzes Allerlei. Eine Bielefelder Atafed* und Biskuit- fabrif hat einen Preis von 1000 Mark für die beste Verdeutschung des nicht nur ausländischen, sondern auch falsch gebrauchter; Wortes „Kakes" ausgesetzt.
— Die telephonische Verbindung zwischen Belgien unb England ist nunmehr so weit fertiggestellt, daß jetzt die Versuche zwischen London—Brüssel und London—Antwerpen ein befriedigendes Resultat ergaben. Tie Linie soll etwa Mitte März dem öffentlichen Verkehr übergeben werden.
)K [@tn Bund zur Verfeinerung des Tons auf der Straßes hat sich in England gebildet. Ter Gründer dieser eigenartigen Liga ist ein Arzt, Herr Greville Walpole, der den Gebrauch grober Worte auf der Straße und an öffentlichen Orten bekämpfen will. Um ihre Zlvecke zu erreichen, will die Liga folgende Mittel anwenben : Vorträge für Kinder und Erwachsene, periodische Veröffentlichungen, Aufforderungen an die Geistlichkeit aller Kirchen, Predigten im Namen der Liga zu halten, und an Lehrer, ihren ganzen Einfluß anzmoenden, um die Schüler ju einem anständigen Benehmen zu erziehen; ferner will man überall durch besondere Aufseher die Manien aller derjenigen feststellen lassen, ivelche auf frischer Tat ertappt werden, und sie den Gerichten überliefern, denn es gibt in England ein Gesetz, das die Anwendung grober Worte in der Öffentlichkeit bestraft, ein Gesetz, ba§ allerdings nür selten zur Geltung gebracht wird. Tas alles ist sehr schön; die Unterdrückung der groben Worte dürste aber im Prinzip leichter sein, als 0’ Sr Wirklichkeit, und es ist zu befürchten, daß man auch in Zukunft sich auf der Straße so beschimpfen wird, wie in der „guten alten Zeit".
Bunte Chronik. Tas Opfer einer Verlevmduna ist der Düsseldorfer Arzt Mraelski geworden, der kürzlich wegen Sittlichkeitsverbrechens verleastet wurde. Er ist letzt in Freiheit gesetzt, sein heimtückischer Feind ist ins Ausland geflohen. c .
- Auf der Zeche „Rhein-Elbe" bei Essen mürbe durch einen zu spät losgegangenen Schnh ein Bergmann ge- tötet, mehrere andere wurden totiid) oerleht.
— ^n Hamburg wurde wegen Urfunbenfättoung unb Unterschlagung von Staatsgelderu der »aiizliit Behrmann verhastet. Sein Komplize, Registrator Leo, ui entslohem
- Der schwedische Dampfer „Kattegat", von R'ga nach Rorrlöping unterwegs, ist mit der ganzen Besatzung in der Ostsee untergegangen.
- Bei Randers in Jütland sand man die Lnche emeS 18 iübriaen Dienstmädchens, an dem ein furchtbarer Lust mord verübt war. Der Mörder ist bisher nicht ergriffen.
— Bei Hohenkrähen in der Schweiz wurde ein Bauer namens Moosbrugger und seine Magd verhaftet, nachdem letztere eingestanden hatte, daß sie sechs Kindern das Leben aeaeben habe, welche von dem Bauern sämtlich umaebracht worden seien. Im Gefängnis zu Konstanz yat^der Bauer bereits den Mord an zweien der Kinder bekannt.
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weilte noch immer im Bureau des WirtschaftsacbäudeS. Als es finster geworden, nahm er einen zweiarnliaen silbernen Leuchter von einem Brett, zündete die Kerzen an und stellte ihn auf seinen Schreibtisch. Das Zimmer war sehr groß, die zwei Kerzen machten die in demselben herrschende Dunkelheit erst recht wahrnehmbar. Audrey setzte sich in deu große« Lehnstuhl vor dem Schreibtisch, wo vor ihm schon sein Vater und sein Großvater gesessen hatten, und begann, Papiere zu ordnen. Während er damit beschäftigt war, klopfte es an die Thür. Er staub auf, öffnete und erblickte einen seiner Diener vor sich.
„Die gnädige Frau lassen fragen, ob der Herr Baron nicht zu Tisch kamen.
„Sagen Sie, ich hätte eine wichtige Arbeit zu vollenden und könnte nicht zu Tisch fommen. Ich esse später etwas."
Der toob(geschulte Diener mit dem unbeweglichen Gesicht verneigte sich höflich und ging. Wieder verschloß der Barou die Thur. Dann ließ er auch die anderen Jalousien herunter und begann rastlos im Zimmer auf- und abzngeheu. Zu seinem Inneren gährte und wühlte es — das Gute und Böse kämpften einen harten Kampf um den Besitz seiner Seele. Er wußte es. Ein gewaltiger Konflikt tobte in ihm, der sein Leben in zwei Stücke reißen zu wollen schien. Große Schweißtropfeil perlten auf Audreys Stirn. Er war sich bewußt, daß, wenu er dies Zimmer verließ, entweder Gott ober der Teufel seine Seele errungen hatte.
„Ich muß zu einer Entscheidung gelangen“, murmelte er dnmpf. „pch träume nicht, ich wache und bin mir meiner geistigen Klarheit bewußt, ich finde keine, aber auch nicht die geringste Entschuldigung für mich. Wenn ich dem Teufel verfalle" - er erschrak heftig bei diesen unwillkürlich halblaut gesagten Worten. Audrey hatte das Schlechte im Menschen stets gehaßt, m welcher Form und Gestalt es auch vor ihn hinge-
^âr. Sein ganzes Wesen war die verkörperte Ebr- ^chkett, die Rechtlichkeit, «schon in der Schule war er in dieser Hinsicht ein Musterknabe gewesen, der die geringste Lüge verabscheut hatte, der keiner schlechten Handlung fähig gewesen war.
linnen, bethend i beiter unb Lebiens Men, trat Herr slaild, für Zeichen
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„Wenn ich der Stimme des Bösen nachgebe", flüsterte er jetzt L^ag nn Zwiespalt seiner Seele, während er sich an das Pult leynie 4 r^^^a link mit hn(V*r*tt Mn/t»« i« k;» ^uwLfA..'» fi—k .' ■ Mn„^_ ™
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und mit dusteren Augen in bie Dunkelheit starrte, „bann m' ' mich bemühen, jederzeit Recht für Unrecht und Unrecht ' Recht zu betrachten. Ich kann ein Leben ewigen Betruges dann sichren, wem; ich mich sechst betrüge."
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