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Revolutionäre Umtriebe in Spanien.

::: Das höchst ungeschickte und blindtäppische Vor­gehen der spanischen Behörden gegen die Studenten in Salamanca scheint Folgen von größerer Tragweite herbeisühren zu sollen, als man zuerst angenommen hatte. Nicht nur in Madrid und Salamanca, auch in den übrigen großen Universitätsstädten Spaniens wird die Lage immer schlimmer. Tie Proteste gegen das Vor­gehen der Polizisten gegen die Studenten in Salamanca nehmen den Charakter einer Bewegung der öffentlichen Meinung gegen die Regierung an. In Madrid wurden während der Kundgebungen Hochrufe auf die Repu­blik ausgebracht, sowie Rufe, die sich gegen die Regie­rung und gegen das Königshaus richteten. Die Bewe­gung in der Stadt dehnt sich immer weiter aus. Die Arbeiter der Tabakfabriken schließen sich den Ruhestö­rern an. Die Polizei der spanischen Hauptstadt geht gegen die Teilnehmer an den Kundgebungen mit einer Schärfe vor, die viel böses Blut macht und die Lage nur noch verschlimmert. Dem jungen König Alfons wird, will nicht er selbst und sein Haus Gefahr laufen, kaum etwas anderes übrig bleiben, als das Kabinett oder einen ober mehrere Minister der BolksernpäruLg zu yg^ern.

rrurze Volitildjc Nachrichten.

* Kaiser Wilhelm wird bei seinem Besuche in Rom u. a. auch vom Grafen Waldersee begleitet sein.

* König Georg von Sachsen hat vor seiner Ab­reise nach dem Süden dem Papste eine sehr namhafte Summe zu dessen freier Verfügung überreichen lassen.

* In Rußland sind neue Verschwörungen ent­deckt worden, die sich gegen das Leben zweier Minister richteten. Fast alle Verschworenen fielen in die Hände deer Polizei.

* Aus Rom verlautet, der zur Zeit erkrankte italie­nische Minister des Auswärtigen Prinetti werde, falls ihm sein Gesundheitszustand die Wiederaufnahme seiner Amtsgeschäfte nach Ostern nicht gestatte, zurücktreten und an seiner Stelle der jetzige Marineminister Mo­rin das Portefeuille des Auswärtigen übernehmen.

* In Santo Domingo hat General Vasquez die Aufständischen geschlagen und steht jetzt vor der Haupt­stadt. Er hat die Aufständischen aufgefordert, sich zu ergeben, widrigenfalls er mit Gewalt in die Stadt brii> ae« würde. , — - •

F>of und Gesellschaft

*** Die Kaiserin trnrd nach erfolgter Heilung des verletzten Armes'" und nach Eintritt warmer Witterung in Begleitung der beiden jüngsten kaiserlichen Kinder für einiae Zeit nach Kabinen kommen, um dort ihre völlige Wiederherstellung abzuwarten.

*** Der deutsche Kronprinz und Prinz Eitel Fritz trafen gestern in Konstantinopel ein. Der deutsche Geschäftsträger Frhr. v. Wangenheim und zwei Attaches der Botschaft hatten sich, wie angekündigt, auf dem Sta­tionsschisse „Loreley" nach den Dardanellen zur Begrü­ßung der Prinzen begeben. Die Delegierten des Sultans, der Chef des Militärkabinetts Marschall Schakir Pascha, bei frühere Minister des Aeußern Staatsrat Turrhan Pascha und der Divisionsgeneral Ahmet Ali Pascha waren den Prinzen ebenfalls an Bord der kaiserlichen Dacht „Fuad" nach den Dardanellen entgegengegangen. Nach ihrer Ankunft begaben sich die Prinzen direkt nach dem Hildiz, wo sie der Sultan empfing.

**♦ Zu Ehren König Eduards von England fand in Lissabon eine Galaoper statt. Der König empfing auf der englischen Gesandtschaft Ergebenheitsadressen von Abordnungen der in Lissabon und Oporto ansässigen Engländer und fuhr daun mit König Carlos nach Cascaes.

*** Die Erbprinzessin Ernst von Sachsen-Altenburg ist in Potsdam von einer PriuEin «âmde« worden.

stab und fern.

::. Stu vermißtes deutsches Schulschiff. Die „Großher- zogin Elisabeth", das Schiffsjungenschiss des deutschen Schulschiff-Vereins, ist fett dem 28. vorigen MonatS überfällig. Doch hofft man immer noch, daß es nur schweres Wetter zurück^ehalten ist. Alle in den Kanal­häsen eingetroffenen Schiffe Hagen über ungemein stür­mische See. Hoffentlich kommt bald die Nachricht vom Eintreffen der „Großherzogin Elisabeth" und befreit viele deutsche Elternherzen von der bangen Sorge um das Schicksal ihrer Lieblinge.

) Ein königlicher Erbschaftsstreit. Um die Hinterlassen- schaft der verstorbenen Königin Henriette von Belgien wird es nach einer amtlichen Mitteilung nun wirklich zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung zwischen dem Könige Leopold und seiner Tochter Stefanie, der frühe­ren Kronprinzessin von Oesterreich, jetzigen Gräfin Louyay, kommen. Wie erinnerlich, hieß es bereits seit geraumer Zeit, daß der Gemahl der Gräfin gegen die geplante Verteilung der Hinterlassenschaft Protest er­hoben habe.

$ Einen Brudermord um eine Mark beging in Span­dau ein Steinträger Hermann Gutta. Er glaubte bei der Lohnzahlung von seinem Bruder um diese Summe be­nachteiligt zu sein iinb stieß ihm nach kurzem Wort­wechsel sein Brotmesser in den Unterleib. Trotz sofor­tiger ärztlicher Hilse verstarb der Getroffene im Spi­tal. Der Brudermörder wurde verhaftet.

Bunte Chronik. In Kiel brach an Bord S. M. S. „Moltke" in der Offiziermesse Feuer aus. Diese und die herumliegenden Kammern sind vollkommen ausgebrannt. Das Feuer mar nach iy2 Stunden mit Hülfe der Werft gelöscht.

— Beim Spielen mit Feuer verbrannte in Berlin die sieben Jahre alte Tochter des Vorarbeiters Zickelbein.

— In Hamburg versuchte der 43jährige Gastwirt Lade­wig seine von ihm getrennt lebende Ehefrau in einer Wirtschaft zu erschießen. Als der gleichfalls in der Restau­ration anwesende Schiffsschreiber Alfons Schultz dies ver­hindern wollte, tötete ihn Ladewig mit zwei Schüssen. Ladewig wurde festgenommeu.

— In Lehrte wurde die 72jährige Witwe Boedeker er­mordet aufgefunder Der Mörder, dem gegen 30 000 Mark in Wertpapieren in die Hände fiesen, hat sich wahrscheinlich nach Berlin gewandt.

— Im „Grand Theatre" zu Lille brach eine halbe Stunde nach der Vorstellung Feuer aus. Das Theater wurde voll­ständig zerstört. Menschen smd nicht unbenommen.

Giessener Cagesneuigkeiten.

*** Prinz Heinrich vonPreußen und Familie wird morgen M ttwoch, den 8. April zum Besuche am Groß­herzoglichen Hof erwartet, um die Osterseiertage hier zu verbringen.

%* Ernannt wurde der Oberlehrer an der Volks­schule zu Darmstadt Otto Höcker zum Lehrer an dem L hrerstminar zu Alz,y.

Verliehen wurde dem Bürgermeister, OrtsqrrichtS- vorstther und Standeèbeomten Ludwig Volk XIII. zu Allend orf a. d. Lahn das Allgemeine Ehrenzeichen mit dec Jnsch'ift „Für langjährige treue Dienste" am Bande des Philippsordens.

*** Zur Reichstagswahlbewcgung. Der konservative Wahlverein im Wahlkreise Kassel-Melsungen be­schloß, bei der R'ickstog-wahl aus taktischen Gründen für den Kandidaten der Nationallib ralen Beinhauer, einzutreten. Eine starke Minderheit, darunter der Vereinsvorsitzende Herr von Löbbtcke, sprach sich für ein Zusammengehen mit den Deutsch'sozialen aus. Herr v. Löebecke legte nach der Be­schlußfassung sein Amt als Vereinsvorsitzender nieder. Eine Vertrauensmännerversammlung des Bundes der Landwirte, die dann gestern in Guntershausen stattfand, erhob den Kandidaten der Deutsch-sozialen, Amtsrichter Sattmann, auf den Schild. — Im 3. nassauischen Reichstagswahlkreise wurde vom Bund der Landwirte der Gutsbesitzer Wilhelm Brand-Netzbach als Kandidat aufgestellt.

V Für den 4. nass. Wahlkreis (Weilburg-Limburg- Diez) ist Herr Gustav Münch von Diez als Reichstags-Kan­didat aufgestellt.

** Zweite Kammer. Ein bei der Kammer ein­gegangener Antrags der Abgeordneten Dr. Frenay und Ge- Nossen (unterzeichnet sind 22 Abgeordnete) geht dahin, die Kammer wolle die Großh Regierung ersuchen, im An­schluß an die bei den Ständen eingebrachte Regierungsvor­lage, betreffend die Großh. Off'zier-Witwen- und Waisen­kasse, sowie die Unteroffizier-Witwenkasse, den Ständen einen Gesetzentwurf vorzulegen, nach welchem die Beiträge zu diesen Kassen mit Wirkung vom 1. April 1903 an in Weg­fall kommen, bezw. auf die Staatskasse übernommen werden.

** Der zweiten Kammer gingen, wie bereits gestern schon berichtet, drei Regierungsvorlagen zu: ein Forststrafgesetz sowie ein Gesetz zur Abänderung des Gesetzes über das Verfahren in Forst- und Feldrügesachen. Den Gesetzentwürfen sind Seitens des Justizministeriums umfangreiche Begründungen beigegeben. Das noch beute zu Recht bestehende Forststrafgesetz vom 4. Februar 1837 bat sich vollauf bewährt, sodaß selbst im Jahre 1879, als für die meisten Bundesstaaten die Einführung des Gcrichtsver. fassungsgesetzes und der Reichsprozeßges tz? Anlaß zur Re­vision des Forststrafgesetzes bot, in Hessen man davon abzu- sehen in der Lage war. Gleichwohl haben damals die Land­stände den Wunsch nach einer Revision der F^rststrafgesetzeS und FeldstratgesetzeS auSgesp'-ochen. Neuerdings haben sich gegen das System der absolut bestimmten Strafen, welches der derzeitigen Gff tzqebunq zu Grunde liegt, wichtige Be­denken geltend gemacht. In nickt seltenen Fällen erreicken die Forststrafen zuzüglick des Schadenersatzes, der Kost-m und P^andgebühren, Beträge, die zu der Straftat außer Verhältniß stehen und vielfach mußte eine entsprechende Handhabung des Begnadigungsrechtes seitens des Landes- fürsten eintreten. Auch die strafrechtliche Ahndung von ab­sichtlicher oder fahrlässiger Verletzung vertragsmäßiger Pflichten seitens der Holzhauer entspricht nicht mehr unseren An­schauungen, und ist auch tatsächlich bereits aus den neueren Forststrafgesetzen verschwunden. Das Gesetz soll weiter nach der Seite eine Aenderung erfahren, daß eine so weitgehende Mitwirkung der Forstbeamten wie bisher, kraft welcher letztere in erster Instanz die Obliegenheiten des Amtsanwalts wahrzunehmen haben, für die Folge vermieden wird. Be­züglich des Feldstrafwesens besteht bisher in Hessen keine einheitliche Gesetzgebung. Für einzelne Teile des Landes bestanden unvollständige und veraltete Partikularverordnungen, sürkRheinbessen kamen hauptsächlich die Vorschriften des code rural vom Jahre 1791 zur Anwendung. Ausschlag­gebend für die vorgeschlagene Aenderung ist die Erwägung, daß das Feldstrafgesetz durch die neue Reichs- und Landes- gesctzgebung vielfach geändert wurde, was den mit der Aus­übung der Feldpolizei betrauten Ortspolizeibeamten die Hand­habung des Gesetzes sehr erschwerte. DaS hessische Feld- strasrecht ist zudem in seiner Entwickelung hinter den Feld- strafgesetzgebungen der benachbarten Staaten zurückgeblieben. Die Aenderung deS Verfahrens in Forst- und Feldrüge- sachen ist eine naturgemäße Folge der Regelung obiger beiden Gesetzesmaterien.

*** DieWählerliften für die bevorstehende Reichs­tagswahlen werden jetzt allerorten verbreitet und ausgestellt, damit dieselben dann rechtzeitig und nach Vorschrift auf- gelegt^werden können.

*** Sängertag. Am Sonntag hat im Postkeller dahier der Sä'ng^e^tag des Lahnt al-Sängerbundes, dem auch hiesige Gesangvereine angehören, stattgefunden, sämmtliche 13 Bundesvereine hatten Vertreter gesandt. Es fand zunächst die Vorlage der vom Bundesvorsitzenden Hauptlehrer Schneider-Marburg ausgearbeiteten und von einer Kommission durchgesprochenen neuen Bundes-Satzungen statt. Diese wurden vorgelesen, dann abschnittweise durch­beraten und am Schluß unverändert genehmigt. Dann sand die Wahl des Bundesvorstandes statt (ein solcher bestand seither nämlich nicht). Gewählt wurde als Vorsitzender Hauptlehrer S'ch n e ijd^e r - Marburg als Stellvertreter Oberlehrer Storch-Butzbach, Petri- Marburg als Schrift­führer, Havermann-Butzback als Kassierer. Es wurde be­stimmt, die Statuten zu orucken und jedem Mitglied ein Exemplar zuzustellen. An' den ^Sängertag schloß sich ein Dirigententog, auf dem für das Jahr 1904 in Grünberg abzuhaltende Bundesfest folgende Chore auSgc- wählt, wurden: „Das deutsche Lied" von Friedrich Schneider, mit Orchesterbegleitung, sowie ohne Orchesterbegleitung:

„Wer hat dich du schöner Wald" von Mendelssohn und

„O Frühlingszeit, o Lieb und Leid" von Paul Polster. Ein ^todter Chor mit Orchesterbegleitung soll noch auf dem im nächsten Herbst hier in Marburg stattfindenden Sänger- tag bestimmt werden. — Da der geplante Ausflug nach T-xtor's Hardt nicht stattsinden konnte, so vereinigten sich die Sänger im Lokal der „Heiterkeit", im Schipkapaß, wo der Bäuerische Gesangverein und die „Heiterkeit", mit Beifall aufgenommene Gcsangvorträge zum Besten gaben.

-U. Urteil: Enteignung-Kliniken. DaS in weiten Kreisen mit großem Interesse erwartete Urteil deS Provinzial-Auèschusses wegen der Enteignung des Geländes zwischen Wilhelm- und Klinikstraße zur Erbauung einer chirurgischen- und Augenklinik dürfte, wie uns von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, erst anfangs M-tt, frühestens aber Ende dieses MonatS zu erwarten sein.

Die gärtnerische Anlage des Wieseckuf'is entlang der Alicestraße zwischen Frankfurter und Bahnhof­straße ist am Samstag voriger Woche vom Stadtgärtner Balser durch Einsetzung von 18 Pflanzengruppen hergestellt, doch läßt sich deren Wirkung vorerst nicht beurteilen, man muß um dies zu können, erst die Entwickelung der Gruppen abwarten. Der Stadtgärtner, welcher aber durch die gänz­liche Umwandlung der Südanlage, die er im vergangenen Jahre beendete, bewiesen hat, daß er für die Landschafts' gärtneret, einen sehr feinen Geschmack besitzt, wird wohl auch am Ufer der Wieseck das Rechte getroffen haben.

H. DieWeiterführung deS im vergangenen Jahre hergestellten Promenadenweges vor dem Neustädter Thor und zwar von der Bichler'scken Priv»tstraße bis an die Gießener GemarkungSgrenze (also beinahe bis zur Straße, welche von der Rodheimer Chausiee nach Heuchelheim abzweigt) wird demnächst in Angriff genommen, nach dem durch die Feldbereinigung daS zu dieser Verbreiterung erforderliche Ge­lände zur Verfügung gestellt worden ist.

-o. Ohne jede sp örtlich e Veranstaltung werden wir uns in Gießen in diesem Jahre behelfen müssen. Nach einem früher sckon gefaßten Beschluß der Gießener Ruder'Gesellsckaft, der dahingebt, bis auf Weiteres Ruder-Regatten nur alle 2 Jahre abzubalten, fällt die dies- jährige Regatta also aus. — Dem Vernehmen nach soll auch bisher keine Geneigtheit bestehen, auf unserem Sport­platz an der Haardt in der kommenden Saison Radwelt­fahrten zu veranstalten.

*** De r Bauer'sche Gesangverein unternimmt am Karfreitag einen Ausflug nach L i ch. Dort werden die Licher Sänger sick zum Empfang bereit hatten, und alle zu­sammen begeben sich dann nach dem K l o st er Ar n s b u rg, wo einige Stunden bei Gesang und Bier verlebt werden.

*** Vor wenigen Tagen berichteten wir, daß die 4 hiesigen Wohlthätigkeitsvereine ihre Vereinèfestlichkeiten jeder an einem besonderen Sonntag abhalten werden und vom Polizeiamt die Zusage erhalten, daß an einem solchen Sonn­tag kein anderer Verein oder Wirt die Erlaubniß zu einer Festlichkeit erhält. Man will damit dem Zwecke dieser Ver­eine zu Hilfe kommen. — Gestern Abend hatten die 3 Ver- einSvorstände im „Schipkapaß" darüber S'tzung und einigte man sich dahin, daß ein Verein den andern auch durch Agi- tat'vn und Besuch bei den Festlichkeiten untei stützen soll. Eine Kommission bestehend auS den 4 Vorsitzenden und je 2 weiter-n M-tqliedern wurden gewählt zur Durchführung dieser Abmachung. Die Contentia wird mit den Festen im Mai den Anfang machen.

Bus fieffen und Nachbargebieten.

*.* Ein Urteil des OberkriegSgericht des 18. Ar­meekorps Am 7. Februar d. Js. arbeit'te eine auS den Regimentern 87, 88 und 117 in Mainz zusammengestellte Abteilung von 51 Mann unter 3 Unteroffizieren auf dem Großen Sand. D^r Musketier Otto Scherer von der 8. Komp. 87. Jnf.-RegtS. unterstand dabei der Aufsicht deS Unteroffiziers Braunschweig von den 88ern. Einem 3ma* ligen Befehle dieses Unteroffiziers, im Laufschritt herzu­kommen, hat Scherer nicht befolgt. Er ist vielmehr in ge­wöhnlichem Schritt herangekommen und hat sich dadurch deS Beharrens im Ungehorsam vor versammelter Mannschaft schuldig gemacht. Darauf stehen als niedrigste Strafe 43 Tage Gefängnis, auf die des GouvernementskriegSgericht in Mainz denn auch erkannte, obwohl der Soldat nach­wies, daß er an dem Tage wunde Füße hatte und nicht gut laufen konnte. Im Urteil heißt eS, er batte wenigstens den Versuch machen müssen, zu laufen. Dem Gerichtsherrn war die Strafe noch zu niedrig. Seine Berufung wurde jedoch verworfen. Der Sol­dat hatte keine Berufung eingelegt.

r. Aus Hessen. Unter der Spitzmarke „Es wird immer schöner" schreibt der „Sckulbote für Hessen" vom 1. April: Im vorderen Odenwalds suchte unlängst ein Gemeinde-Forst- wart in einem benachbarten Dorfe nach Hotz, das im Walde abhanden gekommen war. Dabei betrat dieser gestrenge Herr auch die Hofraite des in der ganzen Umgegend so be­kannten, hochachtbaren Lehrers X I. Der ihn begleitende Polizeidiener äußerte darüber sein Befremden und wollte den Hof des Lehrers nicht betreten. Aber der Mann der Gerechtigkeit sprach: „Im träne keinem Parre, noch viel weniger einem Schullehrer."

♦* Mainz. Da der Kassierer Herrmann von der hiesigen Volksbank über die von ihm verübten Unter­schlagungen ein unumwundene- Geständnis abgelegt hat, konnte die Voruntersuchung rasch beendigt werden, so daß die gerichtlichen Verhandlungen schon in Kürze statt» finden können. — DaS Schweinefleisch hat an 10 Pfennige daS Pfund abgeschlagen.

m« Ein Durchbrenner zurückgekehrt. Am 31. August 1901 brannte von Frankfurt der damals 2 8jährige, ver­heiratete Buchhalter der Baufirma Beck u. Grünewald, Karl Wendland, nach Unterschlagung von 51 500 Mk. die der genannten Firma gehörten, mit seiner „Geliebten", einer Pcostituirteu, durch. Das Pärchen machte eine Ver­gnügungsreise durch Europa, waS bekanntlich viel Geld

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