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MF Ausgabe für den Amtsger ichtsvezirk Hungen. "ME
Dienstag, den 6. Oktober 1903.12. Jahrgang.
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Postzeitungsliste No. 3969.
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eine fürFtenbocbzeit.
^ Darmstadt, 5. Oktober.
' Unsere sonst so stille Residenz ist zur Zeit der Schauplatz geschäftigen Treibens und Lebens. Die Hochzeit der Prinzessin Alice von Battenberg mit dem Prinzen Andreas von Griechenland, deren glanzvolle Feier morgen stattfindet, drückt der ganzen Stadt die Signatur festlicher Unruhe auf. Ein wahrer internationaler Fürstenkongreß wird in unseren Mauern weilen. Das russische Kaiserpaar und mehrere Großfürsten, die Königin von England mit der Prinzessin Viktoria, der Kronprinz und die Kronprinzessin von Griechenland, Prinz Nikolaus von Griechenland, Prinzessin Heinrich von Battenberg, sowie Großfürst und Großfürstin Sergius von Nutzland sind bereits eingetroffen. Als Vertreter des deutschen Kaisers ist Prinz Heinrich von Preußen mit seiner Gemahlin erschienen, Prinz Waldemar und Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen werden morgen erwartet, und außer ihnen ist noch eine ganze Schar von Fürstlichkeiten versammelt, um dein Ehrentage der jungen Battenbergerin die äußere Weihe zu geben.
Die 18jährige Prinzessin ist das älteste der vier Kinder des Prinzen Ludwig, der seit seiner 1884 ebenfalls in Darmstadt vollzogenen Vermählung in Loydou lebt. Die Braut ist durch ihren Vater, den Sohn des verstorbenen Prinzen Alexander von Hessen und bei Rhein, eine Cousine der russischen Kaiserin, außerdem durch ihre Mutter die die älteste Schwester des GroßherzogS von Hessen und der Zaritza ist, deren Nichte, sowie die der Gräfin Gustav zu Erbach-Schönberg, einer Schwester ihres Vaters.
Dessen Stellung war in England nicht immer eine angenehme oder gar beneidenswerte. Von verschiedenen Seiten wurden dort jahrelang Versuche gemacht, dem bei der verstorbenen Königin Viktoria in großer Gunst Stehenden, der außerdem noch ein „Foreigner", ein Fremder war, Unam nehmlichkeiten zu bereiten.
Der Bräutigam der Prinzessin Alice von Battenberg, Prinz Andreas von Griechenland, zählt jetzt 21 Jahre, er ist also um drei Jahre älter als seine Braut. Der Prinz ist politisch ein unbeschriebenes Blatt. Mall kennt ihn nur als heiteren Gesellschafter. Jedeilfalls trägt der griechische Prinz, der Leutnant in einem Reiterregiment ist, dazu bei, die kleineren und größeren Festlichkeiten bei Hofe sowie die engeren Familienzirkel durch seine frohe Laune zu beleben. Die Ballfeste am griechischen Hofe, bei denen trotz allen Pomps und Zeremoniells die Fröhlichkeit und der Tanz auf ihre Kosten kommen, dürften ebenso nach dem Herzen einer 18jährigen Prinzessin sein, wie die großen Maskenbälle im Stadttheater, an denen sich auch der Hof beteiligt, und die karnevalistischen Umzüge, die am Fastnachtssonntag alljährlich stattfinden.
in den Reihen der serbpcyen Arrnee steht, so lange bleibt diese mit dem Kainszeichen der schmachvollsten Untreue behaftet und ehrlos. Jeder Gentlemall wird den serbischen Offizier aufs tiefste verachten, so lange er sich Kamerad von Meuchelmördern nennt." Der Protest schließt mit einer eklatanten Sympathiekundgebung für die soeben verurteilten Offiziere. Das Schriftstück, das von Offiziereil aller Rationell uilterstützt werden müßte, soll dann dein König Peter direkt übermittelt werden. — Sollte auch in der Tat eine solche Absicht im britischen Offizierkorps bestehen, so bleibt natürlich noch immer abzuwarten, ob sich die Offiziere anderer Nationen diesem Proteste anschließen werden.
Mit einiger Regellnäßigkeit taucht in allen Stimmung^ bildern über die verschiedenen serbischen fragen der Name des letzten Obrenowitsch
aus, Milan Christie, bekanntlich der illegitim e Sohn König Milans und der I n g e n i eurs - tochter Chrrstic aus Konstantinopel. Graf Eugeil Z i ch y , bcfanntlich ein intimer Freund des verstorbenen König Milan, erschien mit dem hübschen jungen Manile von bräunlicher Gesichtsfarbe sogar im ungarischen Abge ordnetenhause und stellte ihn seinen Freunden vor. Christic befand sich in Begleitung seines Pariser Advokaten, d'er von der Mutter des Knaben den Auftrag erhalten hatte, ihil in einer Offizierserziehungsanstalt Oester- r e i ch s oder Ungarns unterzubringen. Zunächst wurden Berhanblungcn behufs Aufnahme des jungen Mannes in das Theresianum gepflogen, die aber angeblich vereitelt worden sind. Die Familie Christic hatte sich auch au ben gewesenen Ministerpräsidenten Koloman v. Szell gewendet, um dem jungen Mann die Aufnahme in eine ungarländische militärische Erziehungsanstalt zu ermöglichen. Aber auch diesem Ansuchen wurde keine Folge gegeben. Nun hatte Graf Zichy der Familie Christic, respektive deren Anwalt, den Rat erteilt, sich nach Preuße n zu wenden, um die Unterbringung des jungen Christic in einer dortigen Militärerziehungsanstalt zu versuchen. Es wurde diesbezüglich sogar ein direkter Schritt bei Kaiser Wilhelm unternommen, der aber mich resultatlos blieb. Nunmehr wird der junge Milan nach Paris in dasselbe Institut gebracht werden, in dem sein Vater bis zu seiner Thronbesteigung weilte. — Daß der Name des jungen Mannes wieder und wieder genannt wird, spricht jedenfalls dafür, daß man in manchen Kreisen es auch heute noch nicht für ausgeschlossen hält, daß Milans Sproß bcrmaleinft noch eine Rolle spielen könnte. .
Es braucht wohl nicht erst lange bewiesen zu werden, welche Vorteile aus dieser freien Aerztewahl sowohl für die Mediziner, wie für die Kranken entspringen. Die allzu starke Belastung der bisherigen Kassenärzte, die zu deren Bezahlung in gar keinem Verhältnis stand, spricht allein schon genugsam für sich. Außerdem liegt es aus der Hand, daß es dem Kranken lieber sein muß, er darf sich den Arzt seines Vertrauens selber wählen, als wenn er gezwungen ist, sich seinen Arzt von der Krankenkasse vorschreiben zu lassen. Mit dem Zeitgewinn der Aerzte wird -aber gleichzeitig eine sorgfältigere Behandlung des einzelnen verbürgt, die nicht zum wenigsten auch int Interesse der Kassen liegt. Natürlich wird es auch nach Einführung der freien Aerztewahl den einzelnen Medizinern Vorbehalten bleiben, zu erklären, ob sie zu den feststehenden Tarifpreisen die Mitglieder der Kasse behandeln wollen oder nicht. So wird sich z. B. eine stark überlaufene Kapazität wohl kaum bereit finden lassen, für die minimalen Sätze der Kassen zu arbeiten. Immerhin aber wird wenigstens eine annehmbare Basis geschaffen, ein weiterer Spielraum, sowohl für die Betätigung der Praxis des einzelnen Arztes im allgemeinen, wie auch für die Äerzteauswabl des Patienten. Unter diesen Gesichtspunkten betrachtet, leuchtet der in München erzielte Fortschritt ohne weiteres ein. Bewährt sich aber in der bayerischen Hauptstadt die neue Praxis, so ist wohl anzunehmen, daß sie bald an allen möglichen Orten Nachahmung findet. Jedenfalls lehrt schon heute das Ergebnis des lang andauernden Münchener Kampfes, wieviel die Aerzteschaft als solche erreichen kann, wenn sie einig ist.
Das neue Serbien.
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Der kleine serbische Raubskaat beansprucht noch fortgesetzt die Aufmerksamkeit Europas. Es sind da mancherlei Dinge, die gleichmäßig interessieren. Man kann sie schwer unter ein Rubrum bringen, und doch spielt eins ins andere hinüber und ist durch den gleichen morschen Hintergrund unlöslich mit ihm verbunden. Die
serbische Kabinettsbildung ' '
. ist ja nun glücklich vollzogen. G r u i t f ch ist offiziell zum Ministerpräsidenten ernannt und hat sich seine Kollegen, wie folgt, zusammengestellt: Andra Niko titsch: Aeußeres; Stojan Protitsch: Inneres; Nikola Nikolitsch: Justiz; Ljuba Stojan owi 1 s ch: Kultus; Militsch N a - dowanowitsch: Finanzen; Wlada Todorowitsch: Bauten; Todor Petkowitsch: Handel und Oberst Andre jekvit sch: Krieg. — König Peter hat dabei wieder seine Selbständigkeit bekundet, indem er sich e i n für allemal das Recht reservierte, den K r i e g s in i n i st e r s e l b st zu ernenne n. Er moti vierte diesen Wunsch damit, daß der Kriegsminister von parteipolitischen Rücksichten unabhängig sein müsse und nicht mit jedem Kabinettswechsel ausscheiden dürfe.
Indessen zieht die
Spaltung im serbischen Offizierkorps
noch immer ihre Kreise. Einer der verurteilten Offiziere richtete an den Kriegsminister ein Schreiben, worin er diesen auffordert, nach dem Militärgesetz auch die Offiz i e r e vom 1 1. Juni zu verhaften und unter Anklage zu stellen, anderenfalls würden dje Offizrere bei der Skupschtina energischen Protest einlegen, denn vor dem Gesetze seien alle Serben gleich. Helfen wird dieser Protest vermutlich nicht sonderlich viel. Eine größere Wir- hmg wäre vielleicht zu erzielen, wenn sich das Gerücht be- wclhrheiten sollte, das aus ßonbon kommt. Danach würde in den Kreisen der britischen Offiziere, speziell der vornehmstell Regimenter, eine scharfe Protest - , note gegen die serbischen Königsmörder geplant. Die markanteste Stelle des Protestes, der den Offizier eil aller europäischen Staaten , 3 n r Unterzeichnung zugehen soll, lautet: „Offiziere, welche ihren Hünig nachts meuchlings überfallen und abfchlacbten, sind unter allen Umständen, gleichviel, welches die Motive zu dieser Schandtat gewesen sein mögen, Schurken lind für inHe Zeit infam. Solange noch einer der Mitschuldigen
Der Kampf der Herzte.
Seit Jahr und Tag tobt der Kampf zwischen den Aerzten und den Krankenkassen. War es bis vor kurzem ein latenter, so stellten sich in letzter Zeit auch in dieser Sphäre Erscheinungen ein, die aufs Haar dem Koalitionsringen der Arbeiterschaft glichen. Unseres Wissens war es zuerst in Leipzig, wo ein wirklicher Aerztestreik ausbrach, und der Streit zwischen den „Arbeitgebern" — in diesem Falle: der Leipziger Ortskrankenkasse — und den „Arbeitnehmern" — also: den Aerzten — bis zur letzten Jnstanz^ durchgefochten wurde. Man vermißte dabei kein einziges Symptom des organisierten Klassenkampfes. Aussperrungen gingen mit dem Zuzug aus fremden Städten Hand in Hand, und auch sonst zeigte sich überall das gleiche Bild. Fast zur selben Zeit begann es auch an anderen Orten des Reickxes zu kriseln. Das ärztliche Stai^desbewußtsein war erwacht, unb man rüstete sich mit Macht, den dringend notwendig gewordenen Kanrpf um bessere Bezahlung und freiere Betätigung endlich durchzusetzen. Zu Hilfe kam diesen „Arbeitnehmern" ihre höhere Bildung, das feinere Gefühl für die Solidarität der praktizierenden Mediziner untereinander und nicht zum wenigsten die Sehnsucht nach einer allgemeinen Hebung des Standes. So konnte es nicht fehlen, daß vieles auf Anhieb erreicht wurde. Manche Forderung war nicht sofort, durch- zusetzen, erwies sich aber immerhin als praktisch möglich und wurde daher bis heute noch nicht von der Tagesordnung abgesetzt. Jedenfalls war von vornherein zu konstatieren, daß die Erhebung der Aerzteschaft einen Erfolg der Aerzteschaft bedeutete, der den Schluß zuließ, daß durch einen immer engeren Anschluß aueinanber gar Wohl die Möglichkeit zu schaffen wäre, den „Arbeitgebern" selbst die Bedingungen zu diktieren und sich nicht mehr, wie bisher, von ihnen vorschreiben zu lassen.
Die letzten Tage brachten Meldungen aus Köln, aus denen hervorging, daß es auch dort zum offenen Ausbruch "des Kampfes gekommen ist. Die Forderungen sind die gleichen, wie seinerzeit in Leipzig, und es steht zu erwarten, daß auch der Ausgang des Streites ein ähnlicher sein wird. Wie die Lage der Aerzteschaft im Reiche fast überall dieselbe iü so ist auch ihr Verhältnis zu den Krankenkassen annähernd auf gleicher Basis gegründet. Im Vordergründe aller Forderungen steht allerwärts die freie Aerztewahl der Patienten. Daß sie sehr wohl durchführbar ist, zeigt erst jetzt wieder der Beschluß sämtlicher Krankenkassen in München, sie einzuführen. Dabei will die Einschränkung, daß frisch etablierte Aerzte erst nach zweijähriger Praxis von den Kassenpatienten gewählt werden dürfen, nicht viel besagen.
Die Politik. , _ j
> 4< Die deutschen Inhaber von Forderungen an Venc> znela, deren Ansprüche sich auf 5 699 000 Mark belaufen, sollen nach einer Entscheidung des gemischten Tribunals in Caracas nur 1 673 000 Mark erhalten. Es fragt sich, ob sie sich damit zufr77den geben werden.
c? Die Spanier beschäftigen sich in neuerer Zeit viel mit Deutschland. Bekanntlich hatten sie erst dieser Tage mtdeckt, daß Kaiser Wilhelm mit einem Geschwader nach Barcelona kommen werde. Indessen hat Villaverde ihren schönen Traum durch ein ebenso unzartes, wie kategorisches Dementi zerstört. Dafür sonnt man sich im Augeiiblicke an dem be- oorstehenden Eintritt in die deutsch-spanischen Handelsver- lragS-Verhandlungen, von denen man neben anderen schönen Dingen hofft, daß sie in 9Radrid stattfinden werden. Hoffentlich wird den guten Spaniern nicht auch diese Freude verdorben.
0% Der demissionierte ungarische Ministerpräsident Gra^ Khucn-Hedcrvary ist in Wien eingetroffen und in längeren Audienz vom Kaiser Franz Josef empfangen worden. Eine Entscheidung ist bisher noch nicht erfolgt.
G Man schreibt uns: Papst Pius X. hat seine erste Encyklika erlassen. Die Kundgebiuig hat vermöge ihres überaus friedlichen Inhalts, der tiefen Ernst mit christlicher Milde paart, in politischen Kreisen den besten Eindruck gemacht. Die besondere Betonung, daß es für sein Pontifikat kein anderes Programm gebe, als das Ziel, alles aus Christus zurückzuleiten, befriedigt ebenso, mie die Erklärung, daß der Papst Vor der menschlichen Gesellschaft nur Diener Gottes sein wolle. Wenn dazu noch besonders hinzugefügt wird, daß jeder nichtigen Erklärung mit diesem Satze vorgebeugt werden solle, so erhellt daraus aufs klarste, wie sich Papst Pius f&ne Mission denkt.
£1 Die A n t w 0 r t der Pforte auf die Note Rußlands und Oesterreich-Ungarns ist ergangen. Sie ist im selben Ton gehalten wie alle früheren türkischen Erklärungen und verspricht die energischsten Reformen. Gleichzeitig wird die bringenbe Bitte ausgesprochen, die Mächte möchten in Sofia vorstellig werden und die bulgarischen Rüstungen inhibieren, die den Banden das Rückgrat stärken. Es wäre in der Tat wünschenswert, wenn das geschehen würde. Man stützt sich aber anscheinend auch heute noch in Bulgarien auf den morschen Glauben, England und Italien würden im Kriegsfälle zu Gunsten Mazedoniens intervenieren und macht keine ernsten Anstalten, auch seinerseits an der Pacifierung des Balkan mitzuarbeiten. Ob die Nachricht von einem neuerdings an der Grenze des Vilajet Adrianopel stattgehabten Kanipfe zwischen türkischer Kavallerie und bulgarischen Truppen auf Wahrheit beruht, ist noch nicht erwiesen. Wäre das der Fall, so ließe es seltsame Rückschlüsse zu.
■& Die marokkanische Frage ruft die widersprechendsten Erklärungen hervor. Hatte der französische Minister des Aeußern bislang alle Absichten Frankreichs, geleugnet, so bequemt man sich jetzt bereits zu dem Zugeständnis, daß die Lösung der marokkanischen Krisis durch Uebereinkommen mit den übrigen Mächten Frankreich überlassen werde, das die Aufrechterhaltung des Status quo gewährleisten werde. Allerdings sei feine Rede von einem französischen Protektorat, aber Frankreich werde natürlich einen überwiegenden Ein- flitß in der marokkanischen Politik gewinnen.
□ In Mittelamcrika scheinen sich wieder kriegerische Plänkeleien zu entwickeln. K 0 l u m b i e n hat seinen besten General mit diktatorischen Vollmachten nach Panama ge» fanbt und Guatemala und Honduras sollen ück