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auch darauf bedacht sein, daß er so bleibe und das kann nur möglich sein durch Abschluß langfristiger Handels- Verträge Wenn die Landwirtschaft in eine ungünstige Lage gekommen ist, so ist das nicht geschehen in ursächlichem Zu­sammenhang mit der Industrie, sondern der Fortschritt des Verkehrswesens brachte das mit sich und daß infolge dessen Getreide z. B. billiger eingeführt wird als es der Bauer verkaufen kann, vermögen nrr nicht zu verhindern. Ein Fünftel der Einwohnerschaft Deutschlands lebt, statistisch nachgewiesen, rom Ausland, und die Landwirtschaft, die ebenfalls nur Nutzen daraus zieht, insofern der Volkswohl­stand durch die Ausfuhr sich hebt, hat darum die moralische Verpflichtung, wenn sie der Regierung zur Seite steht und Handelsverträge hilft mit schaffen. Auch diesem Redner wurde am Schluß langanhaltender Betfall. — Gleich an­schließend daran sp ach Herr Justizrat Dr. Gutfl eisch, der, von lautem Händeklatschen schon vorher begrüßt, zu Anfang seiner Worte, das Flugblatt, welches vorgestern Abend von sozialdemokratischer Seite verbreitet worden ist, resp, dessen Verfasser kurz geiselte. Ec halte es nicht der Mühe wert, auf dasselbe einzugehen, da uns ja eine ganze Welt von diesen Leuten trennt. Nachdem kam er auf die Lage im Wahlkreise Gießen zu sprechen und sagte, daß seit 13 Jahren nur ein Jnteressenftrelt bestehe, der ein Hervor­treten der streng agrarischen Elemente brachte, die den jetzigen Abgeordneten Köhler wäh te. Wie haben wir uns 1866 und 1870 gefreut, daß uns ein direktes Wahl­recht ward, wodurch man einem Manne seine Stimme geben kann und soll, der auch an den Volks Beratungen teilnimmt Was ist aber geschehen. Seit 13 Jahren haben wir hier sozusagen kein Wahlrecht, wir werden vom Lande über­stimmt, als wenn man uns das Wahlrecht genommen hätte. Es ist auch ferner nicht ehrenhast, von einem Antisemiten vertreten zu sein, von einer Partai, die sich ihres Namens schämt und einmal düstn, dann wieder jenen Namen führt. Wenn ein Mann, der die Mehrh it der Wähler auf sich vereinigt, 10 Jahre nicht hingeht nach Berlin, um mit Teil za nehmen an den Sitzungen, dann sage ich, ist es ein Schlag ins Gesicht, diesen Mann noch firaerhin zu begehren. In der j tzigen schweren Zeit ist es darum doppelt nöt'g, daß man sich im Wahlkreise aufraffe und am 16. Juni alle Wahlberechtigten zur Wahlurne kommen möchten, damit endlich wieder Wandel eintritt. Das direkte und gleiche Wahlrecht wurde vom Abg. Köhler im Hessischen Landtage bekämpft, und wer birgt uns dafür, daß er nicht auch im Reichstag so stimme. Geben Sie da um, so schloß Herr Justizrat Dr. Cmfleisch seine Rede, d' m liberalen Kandidaten H-yl gmstaedt, Ihre Stimme, und Sie leisten dem Vaterlande einen großen Dienst. Brausender Beifall folgte diesen Worten. Nachdem aus der Versammlung heraus Niemand Anfragen an den Kandidaten gestellt hatte, empfahl Herr Kommerzienrat Georgi die

Wahl des Herrn Kommerzienrat- Heyligenstaedt nochmals und schloß die Versammlung mit einem Hoch auf daS Vaterland.

6k$$ei€r CagtsienigitUti.

Giejev, 5. Juni 1003.

V Die deutschfreisinnige Partei in Mainz beschloß in einer vorgestern Abend abgehaltenen Versammlung gleich beim 1. Wahlgang für den Kandidaten der Sozial­demokraten Dr. David einzutreten.

< Die Freisinnige Volkspartei in Kassel beschloß, zu Gunsten der Kandidatur Beinhauer von der Ausstellung eines eigenen Kandidaten abzusehen.

V Die 10000. Genossenschaft des im Jahre 1883 gegründeten Allgemeinen Verbandes der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften wurde dieser Tage ge­gründet und zwar in Griedel als „Landwirtschaftliche Be­zugs- und Absatzgenossenschast, e. G. m. u. H."

*** Gew erkschaft Gi eßener Braunstein­bergwerke vormals Fernie. Der Versand an Erzen der Gießener Braunsteinbergwcrke vormals Fernie betrug pro Mai 11 500 Tonnen mit einem Brutto-Erträgnis von Mk. 110000. Für die zu b.ldende Gesellschaft zur Uebernahme der ruhenden 401 Kuxen sind bisher Mt. 1450 000 nur von Gewerken gezeichnet, so daß fremdes Kapital zur Realisierung der Sache nicht mehr nötig ist. Die Gewerkschaft ist jetzt der Sorge ledig, wie sie den Gläubiger Fernie befr edigen werde, von dem sie, da seine noch nicht fällige Forderung in. diesem Jahre getilgt wird, einen Nachlaß von ca. Mk. 300 000 genießt. Weiter crhält aber die Gewerkschaft Mk. 200 000 zu Bctriebsverbcsserungen (Anlage eines direkten Schienengleises rc).

Hus Hessen und Nacbbargevieten.

K Trais-Horloff, 5. Juni. Gestern Abend 7 Uhr verunglückte ein Maschinist in der Brikettfabrik dadurch, ai er mit seinen Klerdern an der Transmission hängen blüh. Durch die Umdrehungen wurde der Bedauernswerte derartig v.rstümmmelt, daß der Tod sofort eintrat. Der Verstorbene war schon lä-g"re Zeit hier in Stellung und seit drei Wochen verheiratet. Das Mitleid mit der jungen W twe ist allgemein.

Marburg. 4. Juni. Dem im Brungshäuser Walde erschossenen Förster Keller aus Bromskirchen sind laut Sektionèbesund 29 Schrote Nummer 00 in Herz und Lunge gegangen. 12 Schritte weit hat der Förster, der kein Ge­wehr aber 2 Revolver bei sich trug, seinen Angreifer versorgt, dann ist er tot zusammmgebrochen. Der tötliche Schuß ist nach demIBefund meuchlings abgegeben worden.

Mainz, 4. Juni. Der Raubmörder Detroit hat sich am 17. Juni vor dem hiesigen Schwurgericht wegen des an seiner Tante begangenen Raubmordes zu verantworten.

Kassel, 4. Juni. Hier fiel ein Maurerbursche zwei Stockwerk hoch am „Hotel du Nord" vom Gerüst herunter, ohne den geringsten Schaden zu nehmen.

Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei (gegr. 1873); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen-

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

Trinitatis, SonntagIden 6. Juni. Gottesdien st.

In der Stadtkirche.

Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Scheunemann.

Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus Markusgemeinde.

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Vormittags 9.30 Uhr: Pfarrassistent Vogt.

Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäus­gemeinde. Pfarrassistent Vogt.

In der Johanneskirche.

Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Euler.

Zugleich Christenlehre für dieZ, Neukonfirmierten aus der Lukasgemeinde.

Vormittags 9.30 Uhr: Pfarrer Dr. N a n m a n n.

Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche fürj.bie~3o§annt§* gemeinde. PfarrerZDr. Raumann.

S.'a mjsjtja’g, abends 8 Uhr: Versammlung und Bibel- besprechung^lm^Konfirmandensaal der Johanneskirche.

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Der Srief eines Gutspächters in Ungarn.

Herrn Franz Wilhelm, Apocheker. k. und f. Hoflieferant in Neunkirchen, Niederösterreich.

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Erlaube mir hiermit meinen Dank für die wunde bare Wirkung, welche Ihr ausgezeichneter Wilhelm's antiarthri­tischer ant rheumatischer Blutreinigungs-Thee bewirkt, auszu- fpiedjcn. Ich habe durch diesen Thee e ne Frau in Sultö gänzlich ausgeheilt, obwohl dieselbe schon drei Vierteljahre von den besten Aerpen der ganzen Gegend behandelt wurde, welche ihr das Leben absprachen. Durch diese Cur ist Ihr Th^e in dieser Gegend so beliebt geworden, daß Herr Josef v. Török, Zlpotheker, Konigsgasse 7 in Pest gewiß einen guten Absatz an die Suttöer Landleute hat.

Auch in meinem Hause hat sich der Fall ereignet, daß ein bei mir bediensteter junger Mann so ein heftiges Gicht­leiden bekain, daß er weder Füße noch Hände rühren konnte und bind) den Gebrauch von dreiPacktten Ihres ausgezeih- ne'en Thees gänzlich geheilt wurde. Auch ich gebrauche den Thee zweimal im Jahre und bin überzeugt, daß derselbe mir gut thut Nochmals den besten Dank der Genes, neu aus­sprechend, "zeichnet mit aller Achtung

Michael Hohldampf, Gutspächter in Naszâly, L P. Totis, Ungarn.

B cstand te i le: Innere Nußrinde 56, Walnußschale 56, Ulmenrinde 75, franz. Orangenblätter 50, Eryngiiblätter 35, Skabiosenblätter 56, Lemus- blätter 75, Bimmstein PoO, rotes Sandelholz 75, Bardannawurzel 44, Carux° wurz l 3'50, Radic. Cariophyll. 3 50, Chmarmde 8*50 Eryngiiwurzel 57, Fenchelwurzel (Samen) 75, Graswurzel 75, Lapathewurzel 67, Süßholzwurzel 75, Sassaparillwurzel 35, Fenchel, töm. 3 50, weiß Senf 3 50, Nachtschatten- stengel 75.

Die Bestandteile sind nach einem eigenen Verfahren geschnitten und getrocknet, wodurch der Heilwert speziell erhöht ist. Nicht zu verwechseln mit gewöhnlicher Handelsware.

Die diesjährige öffentliche Impfung in dec Stadt Gießen wird, beginnend mit

Mittwoch, den 10. Juni im Jmpflokale — Schulgebäude Neustadt 61 — für die nächsten 5—6 Wochen jeden Mittwoch, nach^ mittags 5—6 Uhr, abgehalten werden. Jmpfpfüchtig im laufenden Kalenderjahr sind die im vorigen Jahre geborenen Kinder, sowie die rückständigen aus früheren Jahren.

Ich lade die hiesigen Einwohner, welche impf- pflichtige Kinder haben, Zur Benutzung dieser öffentlichen Termine mit dem Bemerken ein, daß alle in denselben vocgenommenen Impfungen unentgeltlich sind. Wer die Termine nicht benutzen will, muß die Impfung seines Pflichtigen Kindes bis Zum Jahresschlüße auf seine Kosten bewerkstelligen lassen, widrigenfalls ihm im Januar nächsten Jahres eine viecwöchentliche Frist zur Nachholung dec Impfung unter Strafandrohung gesetzt wird.

Außer den Pflichtigen werden auch Kinder, welche im laufende« Jahre geboren sind, auf Wunsch ihrer Vertreter geimpft.

Alle in einem Termine geimpften Kinder müssen in dem 8 Tage später abgehaltenen Termine zur Nach­schau nochmals erscheinen.

Kinder, deren Zurückstellung von dec Impfung wegen Kränklichkeit beansprucht wird, können gleichfalls dem Jmpfarzte in den öffentlichen Terminen vorgestellt werden.

Die Impflinge müssen mit reiner Wäsche und rein gewaschenem Körper zur Impfung gebracht werden. Es wird nur an einem Arme mit Lymphe aus dem Lan­desimpfinstitut geimpft.

Kinder aus Familien, in denen ansteckende Krank heilen herrschen, dürfen nicht in die Genuine gebracht werden.

Gießen, den 5. Juni 1903.

Der Oberbürgermeister Mecum

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