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Nr. 258

Dienstag, den 3, November 1903

12. Jahrgang

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M-««eme»t-Ortts r in Gießen, abgehslt m-nallich bll Pfg., M HauS gebracht 60 Pfg., durch die Post be-ogsn viertel­jährlich Mk. 1.50.

«rati-bellage»: C^theffiW 8«n^ vberhèsfische Zeitschrift fit La«divirtschaft, Obst- n*b rarte«va», so tote die Glatze« er Seife» blase« (wöchentlich).

Das Blatt erscheiut « alle« Werktagen nachmitagS.

S«seetisvSpr-i 6t Die einspaltige Petttzette für Sichm wi/ ganz Oberhessen, bie Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. soüft 16 Pfg.; Reklame» die Petttzeile 30 rèsp. 40 Pfg.

Postzeitungsliste No. 3869.

Netzaktion und Expedition: Gießen Neuenweg 88. ^er»sprecha»schl«st Ur. MB.

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(Gießener Hage5fatl>

Unabhängige Tageszeitung

(Gießener Weiln««-

für Oberhessen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.

G^h-lt eße amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden »vn Gberheffe».

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Sekanntmachung.

^etr. Herbstkontrollversammlungen.

Bei den diesjährigen Herbst-Kontrollversamm- lnrngen im Kreise Gießen haben zu erscheinen alle zum Gauptmeldeamt Gießen gehörigen:

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Dffixiere, Sanitätsoffiziere und Beamte der Reserve. (Kleiner Dienftanzug: Mütze, Woffenrock oder Ueberrock, Achselstücke, lange Hosen oder hohe Stiefel beliebig, bei schlechter Witterung Paletot);

2. Reservisten, sowie die zur Disposition der Truppen­teile und der Ersatzbehörden Entlassenen aller Waffen;

3. Diejenigen, der Landwehr 1. Aufgebots angehörigen Mannschaften, welchen ein besonderer Gestellungs­befehl zum Erscheinen bei der Herbstkontrollver­sammlung zugeht.

Die Ersatzrcservisten haben bei den Herbstkontrollver- fnitimlungen nicht zu erscheinen.

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Nachstehend ist angegeben, wo und zu welcher Zeit d '!e K o ntrollpflichtigen anzutreten , haben.

A. zu Gießen

im Hofe der alten Kaserne am Brand

Mr die Bewohner von Annerod, Allendorf a. b. Lahn, Men-Buseck, Beuern, Burkhardsfelden, Gießen mit Schiffen- bt^rg Md Herrnwald, Großen-Buseck, Großen-Linden, Heuchel- Wm, Klein-Linden, Lang-Göns, Leihgestern, Oppenrod, Mödgm, Trohe, Watzenborn und Steinberg, Hausen, Wieseck, umb zwar:

Am 6 November 1903:

1. Appell vormittags 9 Uhr.

Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamte der Rtferve, so- vvik sämtliche Reservisten der Infanterie, welche '

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Mahren 1896 und 1897 eingetreten sind.

2. Appell nachmittags 2 Ahr.

Sämtliche Reservisten der Infanterie, welche vHren 1898 und 1899 eingetreten sind.

Am 7. November 1903 :

1. Appell vormittags 9 Ahr.

Sämtliche Reservisten der Infanterie, welche Fuhren 1900, 1901 und 1903 eingetreten sind.

2. Appell nachmittags 2 Uhr.

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Sämtliche zur Disposition der Truppenteile und

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Oh|o^6e§örben entlassenen Mannschaften der Infanterie, tdt sämtliche Reservisten der Garde, Jäger, Kavallerie,

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ijHb* und Fußartillerie, Pioniere, Eisenbahn-, Telegraphen- wb Luftschiffertruppen.

Am S. November, vormittags 9 Uhr

Sämtliche Reservisten des TrainS (einschließlich Kran- t Wiger), SanitätS- und Veterinärpersonals, Büchsenmacher­tz zehilftn, Oekonomiehandwerker und Marine-Mannschaften, f« zur Disposition der Truppenteile und Ersatz-Behörden «Masienen Mannschaften aller Waffen, ausschließlich Infanterie Heib die durch besondere Gestellungsbefehle dazu befohlenen »deute.

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S. zu Lollae.

Am 9. November;! Sv», nachmittags L'/» Uhr, an dem Sahnhof,

Dl die Bewohner von

Mn)orf a. d. Lda., Climbach, Daubringen mit Heiberts- Eiselt, Lollar, Mainzlar, Ruttershausen mit Kirchberg, Staufenberg mit Friedelhausen, Treis a. d. Lda.

C. Zu Hungen.

Am 16, Novbr. 1903, vormittags 9 Uhr 15 Min,

an der Post,

st die Bewohner von

Mersheim, Bettenhausen, Hungen, Inheiden, Langd, Langs­dorf, Nonnenroth, Obbornhofen, Rabertshausen mit Ringels- hausen, Rodheim mit Hof Graß, Röthges,jSteinheim, Trais- Horloff, Utphe, Willingen.

0. Zu Lich.

Am 10. November 1903, nachmittags 3 Uhr,

in der Amtsgerichtsstraße,

für die Bewohner von

Aldrich, Birklar, Dorf-Gill, Eberstadt mit Arnsburg, Ettings­hausen, Garbenteich, Grüningen, Holzheim, Lich mit Albacher ik Kolnhausen und Mühlsachsen, Münster, Muschenheim mit Hof-Güll, Nieder-Bessingen, Ober-Bessingen, Ober- Hörgern, Steinbach.

£ Zu Grünberg. j

Am 11. Novbr 1903, vormttt. 9 Uhr 15 Min., am westlichen Ausgange auf der Straße nach Gießen für die Bewohner von Allertshausen, Beltershain, Bersrod, Geilshausen, Göbelnrod, Grünberg mit der Dickelsmühle, Neumühle, Stadlmühle, Steinmühle, Ober- und Untere Ziegelhütte, Latzmühle Hattenrod, Harbach mit der Kolben­mühle und Sommermühle, Kesselbach mit der Rabenauischen Papiermühle, Lauter mit der Artzmühle, Bingmühle, Georgen­hammer, Strellesmühle und Walkmühle, Lindenstruth, Lon­dorf mit der Burg Rabenau, Burgmühle, Schmittmühle, Reitzenmühle und Ziegelhütte, Lumda (Groß- und Klein), Odenhausen mit Appenbörner Hof, Queckborn, Reinhards­hain, Reiskirchen, Rüddingshausen, Saasen mit Bollenbach, Veitsberg und^Wirberg, Stangenrod, Stockhausen, Weickarts­hain, Weitershain mit dem Hainer-Hof, Winnerod.

Befreiungsgesuche sind bis längstens 8 Aage Vor dem Appell auf dem Dienstwege (durch das Hauptmeldeamt) einzureichen und müssen durch die Bürgermeisterei, be;w. bei grämten durch die vorgesetzte Dehörde beglaubigt sein, werden aber nur im dringendsten Notfälle genehmigt.

Die Leute haben in bürgerlicher Kleidung zu er­scheine«.

Stöcke, Schirme, Pfeifen und Zigarren sind vorher wegzulegen.

Die Militärpapiere (Patz mit eingeklebter Kriegsbeordnung «uv Führungszeugnis) müssen zur Stelle sein.

Sämtliche Mannschaften stehen im Laufe des ganzen Kontrolltages bis rinschließlich Mitternacht unter dem Mili- tärgesetz.

Gießen, den 20. Oktober 1903.

Großherzogliches Bezirks-Kommando Gießen.

v. Mosch,

Oberstleutnant und Kommandeur des Landwehrbezirks Gießen.

Bekanntmachung.

Die am 9. September l. Js. angeordnete Sperre be8 Selter swcg, zwischen Kreuzp'atz und Blockstraße, wirdhier^ m t aufgehoben.

Gießen, den 2. November 1903.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Hechler.

Bekanntmachung.

Die Wetzsteinstraße und die Wetzsteingasse, zwischen dem Gäßchen „Aus der Bach" und der Kirchstraße, ^werden wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten von heute ab bis auf weiteres für den Fuhrwerks- und Fahrradverkehr ge­sperrt.

Gießen, den 2. November 1903.

Großh. Polizeiamt Gießen.

Hechler.

Die (Wiesbadener Kaiserzufammenkunft.

Es ist nur natürlich, daß die vom Zaren a u s d r ii ck - l i ch g e w ii n s ch t e Zllsaulmenkunft mit dem Deutschen Kaiser, die im Beisein der beiden auswärtigen Minister morgen (^Hthuoc^) in Wiesbaden stattfindet, allenthalben das größte Interesse erregt. Ueber die politische Bedeutung dieser Entrevue schreibt uns unser ^.-Mitarbeiter:

Haben solche Monarchenunterhalüingen heute auch nicht mehr annähernd dieselbe Bedeutung wie früher, so sind sie doch andererseits keineswegs zu unterschätzt. Wie _ das mündliche Verfahren in allen Dingen das rationellste ist, so hat es sich immer galiz besonders bewährt, wenn große Fra- gen zur Erörterung stauben, die eine rein papierene Unter­handlung niemals ganz erschöpfen könnte. Die Wiesbadener Entrevue fällt aber in reich bewegte Zeitläufte. Unten auf dem Balkan hat Rußland mit Oesterreich-Ungarn zusammen interveniert, und bei ben Beziehungen, die den Sultan per­sönlich mit Kaiser Wilhelm verbinden, ist es nur begreiflich, daß die Mürzsteger Erörterungen noch nachträglich auch mit bem Teutschen Kaiser besprochen werden. Unsere Haltung in der Balkanfrage ist eine rein korrekte und obiektive ge­wesen. Verleumderische Ausstreuungen der englischen Presse, als hetze Deutschland den Sultan gegen die Note der beiden Großmächte auf, haben nicht vermocht, das Bild zu trüben, weil sie eben gar so durchsichtig waren. Nur um eine Be­sprechung kann es sich hier handeln, da das Programm beider Kaiser ein klares ist, und neue Komplikationen sich in letzter Zeit nicht ergeben haben. Auch über die ostasiatische Politik wird man lebhaft zu sprechen haben. Deutschland, das sich

seinen Platz an der Sonne erworben uni) während der chine­sischen Wirren bewiesen hat, daß es gewillt ist, ihn festzu- halten, darf bei ausgreifenden Maßnalnnen im fernen Osten nicht mehr übersehen werden. Darmn ist es nur natürlich, daß sich der weiße Zar erst bei Deutschland rückversichert, ehe er da drüben am Stillen Ozean starke Aktionen unternimmt. Weiter wird man vermutlich die Beziehungen zwischen Peter Hof und bem Quirin al erörtern, ein Punkt, der Deutschland immerhin nicht gleichgültig sein kann. Auch werden über die Friedensfrage und die Haager Konfereilz Meinungen aus­getauscht werden, zumal es heißt, daß die Einberufung einer neuen Friedenssitzung kurz vor der Tür steht, und die Ein führung von weiteren Schiedsgerichtsverträgen im Sinne des französisch-englischen nur noch eine Frage der Zeit ist. Und schließlich wird auch der neue deutM-russische Handelsvertrag in großen Zügen durchgesprochen werden, was aus der An­wesenheit der Grafen Lambsdorff und Bülow schon sur Ge nüge hervorgeht. Es wäre töricht, der Wiesbadmer Entrevue eine ganz besondere Bedeutung beizumessen, aber es wäre ebenso töricht, ihre wirkliche Bedeutung herabzilsetzen. Wenn die uns feindlich gesinnte Auslandspresse in der Monarchen zusammenkunft, die einen fast improvisierten Charakter trägt, ein weiteres Symptom dafür erblickt, daß sich die beiden Kaiserreiche einander auf Kosten des alten ^reibimbeä und des neueren Zweibundes bedenklich näherten, so ist das selly'i- verständlich nur Konjekturalpolitik, die auf allerhand seichtem Geröll erbaut ist. Die gemeinsamen Interessen der beiden großen Reiche, die persönliche Freundschaft ihrer Monarchen und ihre über jeden Zweifel erhabene Friedensliebe, — das sind Momente genug, Motive für eine solche Zusammenkunft zu bieten. Man hätte es wirklich nicht nötig, aus aller Welt Schutt herbeizutragen, um ihn als ekle Waffe gegen das ver­haßte Deutschland zu verwenden. Wer nur einigermaßen Be scheid weiß über die Stinunung in der hohen Politik, wird nicht zweifeln können, daß die Wiesbadener Konferenz nur .inen weiteren Stein bedeutet an dem Gebäride, das den Frie­ren der Welt trägt.

— Die Politik.

r 1" Der Abwechselung halber kriselt es einmal wieder ün französischen Kabinett. Combes soll amtsmüde sein. Die letzten Abstimmungen in der Kammer haben ihn angeblich davon überzeugt, daß er sich auf die republikanische Mehrheit der Kammer nicht mehr mit Zuversicht verlassen könne. So­wohl die sozialistischen Redner in der Angelegenheit der Ar­beitsbörse, wie die Haltung der demokratischen Linken im Senat in der Militärschulunterrichtsfrage haben ihn stark verschnupft. Auch der Polizeipräfekt Lepine wackelt. Das Resultat der Untersuchung in Sachen der Arbeitsbörsen- ^umultuanten ist für die Polizeiagenten sehr ungünstig ausgefallen. Mehrere Zeugen haben schwer belastende Aus­sagen über die Brutalität der Polizei abgegeben. Und da in ministeriis immer der Vorgesetzte mit den Untergebenen mitbüßen muß, so darf man das Scheiden Lepines füglich wohl erwarten.

t@ Mit der eben eingetroffenen Bestätigung des Ge­rüchts von der Ermordung des Gouverneurs von Asir (Wila- fet Aemen), Iussuf Pascha, durch eingeborene Araber gewinnt die Lage in Arabien ein bedrohliches Aussehen. Offenbar handelt es sich um eine tiefgehende und umfassende Bewegung der arabischen Bevölkerung gegen die türkische Herrschaft. Das ergibt sich auch aus der weiteren Meldung, daß außer dem Gouverneur auch der in Asir weilende Ge­neralstabschef des 7. Armeekorps, Achmed Pascha, sowie einige Offiziere und Beamte ermordet worden sind. Außerdem wurde der größte Teil des -Bataillons, welches die Besatzung des Regierungsgebäudes bildete, aufgerieben. Weitere Einzelheiten fehlen noch, da bie Telegraphenlinik zerstört ist. Erst nach dem Eintreffen dieser näheren Nach­richten wird man ein völlig sicheres Urteil über die Trag­weite dieser Ereignisse gewinnen können. Indessen genügen schon die jetzt vorliegenden Nachrichten, um eine größere mili­tärische Aktion der Türkei und einen Bürgerkrieg wahr­scheinlich zu machen. Für die Türkei ist die Sache um sc weniger erfreulich, als die mazedonische Bewegung nock lange nicht vollständig erloschen ist. Zusammenstöße mit den türksichen Truppen finden noch immer tagtäglich statt.

0 Gegenüber wie alljährlich so auch diesmal um bieü Zeit auftauchenden unbestimmten Gerüchten über eine Kriegs rüstung Meneliks - diesmal sollte es am Weißen Nil (., gegen England geben — ist zu konstatieren, daß der Negus in jedem Jahre eine Art Kontrallversammlung über seine Truppen abhält, und daran Uebungen schließt, um ihre Kriegsbereitschaft zu erproben. Daß zufälligerweise ab um zu von dieser Sanunlung weg ein Streifzug gegen unoot näßige Nachbcnm unternommen wurde, berechtigt noch feine» vegs zu deni Schlüsse, daß auch in diesem ^zahre die -><uüe .....a offensiv kriegerischen Zweck hat.

Der Kindesunter fcbiebungs-Proze Ls.

(6. Verhandlungstag.)

RK Berlin, 2. November.

Dm Spannung im Arwitorium hat in der zweitägigen Pause, die zwischen der letzten Verhandlung und ihrer heutigen Fortsetzung lag, nicht nachgelassen, sondern sich im Gegenteil noch afsentinert. Latte man doch am Freitag