Nr. 179,
Rbo»»«m««t»pr«i»: in Bitten, abgeh»» monatlich 50 $fg., in’« HauS gebracht 60 $fg., durch die Post bezogen viertel« jährlich Mk. 1.50.
Sretieteilagen : Oberheffische Familtenrettuxa (täglich) Oberheffische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- üad Vartenbau, sowie die ÄirBMi« E eifenblase» (wöchentlich).
DaS Blatt erscheint an allen Werktagen nachmttag«.
Montag, den 3. August 1903.
Gießener
__________________12. ^ahraaug,
InserttanSNrei #i Die einspaltige Petitzeile für Stehen wie ganz Oberhessen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pst, sonst 15 Psg^ Reklamen die Petttzeile 30 resp. 40 Psg.
Postzeitungsliste No 3869.
Redaktion und Expedition: Gießen Neuen»«» *8.
S»»sprech«»schl»h Nr. 36».
(Gießener Tageblatt) Wnaöyängige Tageszeitung (Gießener Jeiinng)
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberheffen.
bahn ist ber Lehrling als Actriebsgehilfe tu; und fertig. Der Staat hat ja mit feinen Bestimmungen über die Zahl der 311 lässigen Lehrlinge bereits eingegriffen, aber immerhin ist es, das muß ein um den Nachwuchs besorgter Meister zugebeu, möglich, daß ein Lehrling auch bann noch mißbraucht und ousgiMutzt wird. Ein Merkmal des Maschincnzeilafters ist eben die Arbeitsteilung; aber nur der „Fertige" soll Spezialist werden, die Lehrlingserziehnng soll jouach allseitig fein, ba mit dereinst ein „Meister" sich aus dem Lehrling heraus- wächst.
Bekanntmachung.
Betc.: die Revision der Biecdruckvocrichtungen.
Die Stelle des Kontrolleurs der Bierdruckvorricht- ungen in den Wirtschaften der Landgemeinden des Kreises ist neu zu besetzen. Bewerber wollen sich unter Vorlage von Zeugnissen über ihre technische Befähigung schriftlich bei uns melden.
Gießen, den 81. Juli 1903.
Großherzoglicher Kreisamt Gießen.
I. B.: Dr. Wagner.
Bekanntmachung.
Herr Sladtrechner D o e p f e r ist vom 1. bis 23. August beurlaubt und'wird während dieser Zit durch den I. Stadtkassege- Hilsen Herrn Peter vertreten.
Gießen, den 31. Juli 1903.
Der Oberbürgermeister ________________Me cum.
Bekanntmachung.
In der Zeit Vom 25. Juli bis 1. August 1903 wurden in hiesiger Stüdt
gefunden: i Trauring, 1 golbetier Ning, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 weiße Nachtjacke, 1 rotes Kinderjäckchen und 1 Pferdeteppich.) .
verloren: 1 Zehnmarkstück und 1 Stahlbrvschej entflogen: 1 Kanarienvogel,-
entlaufen: 1 Foxterrier und 1 Teckelhund.
Die Empfangsberechtigten dec gefundenen Gegenstände belieben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend ju machest,
Gießen, den 1. August 1903.
Großh. Polizeiamt Gießen.
J. V. Roth._____________
Bekanntmachung
Das im hiesigen Stadtwalde unverbürgt gebliebene Holz nis: 3 Nmtr, Nadelpcügel, 1 Nmtc. Eiche Scheitholz, 14 Rmtr. Eiche Reisbc und 13 Rmtc. Nadel Reiser soll Mittwoch, den 5. d. Mts , nachmittags 5 Uhr in dem hiesigen Rathaussaale anderweitig versteigert werden.
Auch wird bekannt gegeben, daß das aus dem Wirtschaftsjahr 1902/3 im hiesigen Stadtwalde gesteigerte Holz bis zum 10. August d. Js. bei Bermeid- ung von Strafe abgefahren sein muß.
Grünberg, am 1. August 1903.
Großherxogliche Hürgermeisterei Grünberg.
Z i in m er.
Bekanntmachung.
Die städtische Fischerei in der Hvfentränk dahiec soll Mittwoch, de» 5. d. Mts., nachm. 5 Uhr, im hiesigen Rathaussaale auf weitere 6 Jahre verpachtet werden.
Grünberg, am 1. August 1903..
Großherjogliche Dürgerincistbrei Grünberg.
Z i in m e r.
Lehrlings schulen.
Man schreibt uns: Der preußische Handelsminister hat, wie erinnerlich, in Osnabrück darauf hingewiesen, daß die Zeitverhältnisse sich für den Handwerkcrberus von Grund aus geändert haben und zwar so sehr, daß selbst die Be- rnfserzichung auf eine andere Grundlage gestellt werden müsse. Die Zeit werde nicht mehr fern sein, in der staatliche Anstalten für die Lehrlingsausbildung errichtet werden, denn das heutige System habe sich überlebt.
Wer mit offenem Auge 5k Zeitverhältnisse verfolgt, kann dem Minister nicht ganz unrecht geben. Das heutige System ist noch ein Hebertest aus der patriarchalischen Zeit, der Heranwachsende Berufsgenosse wird in die Lehre zum Hand- werksmeister gegeben, aber die Hausgemeinschaft hört in der ' Regel auf und damit auch dec Einfluß auf die sittlichen An- schaumigen des Lehrlings. Außerdem aber macht sich in weit höherem Maße als in früheren Jahrhunderten das Bestreben geltend, die Lehrlinge als billige Arbeitskräfte auszunutzen. Früher war das weniger der Fall, nicht weil die Handwer kcrschast der damaligen Zeit auf höherer sittlicher Warte ge- standen hätte, vielmehr deshalb nur, weil die Vorbedingungen zu einer derartigen Praxis fehlten. Heute ist fein Handwerk mehr ohne maschinelle Einrichtungen, zu deren Bedienung ein Lehrling in wenigen Wochen abgerichtet werden kann. o-^„r er dann noch das Handwerksmäßige der Technik dazu.
Eines aber kommt noch hinzu, um das heutige Aus- bildungssystent âllmählich in Verfall zu bringen: die hohen Ansprüche, die an das theoretische Wissen gestellt werden. Diese führen allmählich dazu, daß wenigstens in den Städten völlige Lehrliugsschulcn eingerichtet werden, in denen nach einem bestimmten Plan die Theorie und Praxis auf fach lieber Grundlage organisch ineinander greifen. Wer sich nicht geflissentlich die Augen verschließt, ivird zngcbev müssen, daß wir diesen Verhältnissen entgegen gehen. Daß eint systematische Berufsausbildung in Lehrlingsschulen voraussichtlich die berufliche Tüchtigkeit des Nachwuchses steigern würde, ist nicht zu leugnen, denn für den Lehrmeister, der sich, lediglich der technischen Erziehung widmet, fallen alle Gründe fort, einen Handwerksretruten einseitig zu erziehen und ungeeignete Elemente zu halten. Diese würden schon während der Lehrzeit in die Reihen der ungelernten Arbeiter abgeschoben werden. Zweifellos würde eine schulmäßigc Handwerkserziehung auch die Empfindung für die Bcruss- ehre steigern, ebenso würde der Wettbewerb in den Schulen und durch die periodischen Prüfungen nicht ohne Einfluß aus die Leistung» sein — alles Vorzüge, die nicht gering anzuschlagen sind.
Aber die Schattenseiten! Derartige Organisationen fini nur in den Städten möglich. Auf dem Lande fehlen atü Vorbedingungen dazu, die Zahl von Lehrlingen, um Fach schulen einzurichten, die Kräfte, um den Unterricht systcma tisch zu gestalten. So ist auch die von dem Minister auf bic Tagesordnung gesetzte Frage ein neuer Beweis für dawachsende Uebergewicht der Städte in unserem wirtschaftlichen Dasein. Soll diese Entwickelung aufgehalten werden, dann ist es, unerläßlich, daß die Meister jede Lehrlingszüchterei vermeiden, die sittliche Erziehung des Nachwuchses über wachen und auch darauf sehen, daß der Lehrling sich in der Fach- und Fortbildungsschulen die Aneignung neuer Kennt nisse angelegen sein läßt — sonst könnte das, was Ministei Möller als eine langsame ZWunftsentwickelung ankündigt vielleicht eine überraschende Spende bet Gesetz« aber werde»
Die Politik,
Gin deutsches Fürsttnjubftänm.
& Fünfzig Jahre sind seit jenem 3. Auchl'i verflossen, an dem Herzog Ernst von Sachsen-Altenburg den Thron stinèr Vater bestieg. Selten hat ein deutscher Fürst so lange xzahrc das Szepter geführt, wie Herzog Ernst, der dabei noch die Achtzig nicht erreicht hat. Aili 16. September 1826 al- ältester Sohn des Herzogs Georg lind seiner Gemahnn Marie, Prinzessin von Meckleuburg-Schwerin geboren, tat der Prinz von 1861 bis 1853 Dienst bei dem Potsdamer Ersten Garderegiment zu Fuß, Kurz nach seiner 1853 erfolgten Vermählung mit Prinzessin Agnes von Anhalt oie er vor 6 Jahren durch den Tod verlor, trat Herzog Ernp die Regierung seines Landes an. Er schloß sich eng an Preußen an und war neben beut Großherzog von Vaden eurer ber begeistertsten Vorkämpfer der dentjchen Einheit nntei Preußens Führung. Seine einzige Tochter, Prmzessi» Maria, vermählte sich 1873 mit dem Prinzen Albrecht von Preußen, dem jetzigen Regenten von Braunschweig: sie starb bereits Böl* ihrer Mutter 1893. Die Liebe seiner Altenburger mb bic Verehrung galiZ Deutschlands möge den greifen Fürsten, der an seinem Jubelfeste feilte dahingeschiedenen lieben schwer vermißen wird, einen Ersatz bieten für das, ms ihm das Schicksal mitleidslos entrissen hat.
Mvnorchcnbcgcgnungen im Spätsommer.
-C Criiheil wird jetzt bestätigt, daß König Eduard X 11 am 15. August zu dreiwöchigem Kurgebrauch in Marienbar eimreffen werde. Wie weiter verlautet, wirb der König ur Anschluß an seinen Marienbader Aufenthalt auch dem Karfei Franz Josri in Wien einen offiziellen Besuch abstatte». Vov dort aus begibt, sich der König entweder nach Homburg odei nach Wiesbaden. Bckanntlicb wird im Herbst auf deutschem 'Hoben eine Begegnung zwischen Kaiser Wilhelm, dem Zaren, König Eduard und den Königen von D a ne marf und Griechenland stattsinden, die sämtlich ihre Anwesenheit bei der Hochzeit des Prinzen Andreas von Griechenland mit der Prinzessin Alice von Battenberg in Darmstadt zugesagt haben.
Furst Ferdinands Herrscherschmerzen.
& Fürst Ferdinand von Bulgarien scheint von der Wahr- heit seiner Versicherung, in Bulgarien sei alles ruhig, 1 clbn nicht allzu viel zu halten. Er hat, wie jetzt bekannt wird, dem Familienrate des Hauses Koburg-Kohary die Fiagc vorgelegt, ob er auf den bulgarischen Thron verzichten Jolle. @h teilen hat man ihm aetaten, die Obren steif zu halten
um- .. uwarlen. Es scheint auch, als sei es dem Ministerpräsidenten Petrow gelungen, in ber Abwesenheit des Fürsten das Heer wieder für Ferdinand m gewinnen, und auch Rußland scheint dadurch, daß es die Bitte der Faukowisteu und RadMlawowisten um UutlKtützung einer Revolution unbeantwortet ließ, die Revolulionslust etwas eiugedämnit unb Ferdinands Stellung im Fürßenluiu einigermaßen beseitigt zu haben. Wie lange aber wird bas Vorhalten?
Der Budapcstcr Korruytionsskandol.
cf Die Annahme, das Kabinett Khuen-Hedervary werde über die unglaublichen Bestechungsverfuche an beut Abgeord- liefen Zoitau Papp ;u Falle kommen, scheint sich nicht bestätigen Zn sollen. Die Untersuchung, die von der pari«, mentarischett Untersnchnngskoinmission veranstaltet worden ist, hat zwar als völlig zweifellos ergeben, daß der Souper hellt von Fiume, Szapary, ein intimer Freund Khuens, der Urheber des Bestcchungsvcrsuches gewesen ist. Aber Szaparr konnte ans sein Ehrenwort erklären, daß Graf Khuen von diesem und von anderen ungesetzlichen Beeiujlussuugsver suchen, die Szapary zu Gnnßeu des Ministeriums gemach! hatte, seist Sterbenswort gewußt habe. To dürfte denn der Rücktritt des Ministeriums wegen unmittelbarer Beteiligung an der Korruptions-Wirtschaft nicht erfolgen. Vielleicht erfolgt er aber binnen kurzem aus anderen Gründen, die mit der Bestechungssache zu tun haben. Unter dem Eindruck der Enthüllung Papps hat sich nämlich die vor kurzem aus- cinanbergefaUene Kossuthpartei wieder geeinigt, und Franz Kossuth ist wieder an ihre Spitze getreten, um einen er neuteil scharfen Kampf gegen die Regierung zu führen. Uebrigens ist Szapary seinerseits bas Opfer einer Schwindlerhande gewesen, bic seine Leichtgläubigkeit und seine Sucht, eine Rolle im politischen Leben zu spielen, ge schickt auszubeuten wußte. Er hat diesen Erpressern, zu denen auch der über Berlin nach Hamburg geflüchtete Dienes ge. hörte, allmählich große Summen, chua 50 000 Salben, ge opfert. Hinter Dienes ist die Polizei her, in Berlin sonnte er noch im letzten Augenblick entmischen: die Polizeibehörden im Reiche sind angewiesen, ihn zu Verhaftcu, wo sie seiner habhaft werden.
Persische Rebelte.
+ Der religiöse Fanatismus in Persien fordert immer neue Opfer. Die moslemitische Pricsterschaft hetzt die Bevölkerung gegen die Sekte der Babisten: an verschiedenen Orten kam es zu weiteren Greueln. In Schiras ist ein ganzer Stamm im Aufstande. Ans Jsvahnn sind 3200 Babisten ausgewiesen worden, weil man fürchtete, die erregte Menge könnte sie niedermetzeln. In Jcsd sind 120 Babisten getötet; zwei von ihnen wurden vor die Mündung eines Geschützes gebunden und in die Luft geschossen. Die Geistlichkeit ging so weit, bic Frage der Schutzherrschaft des Sultans anzuregen, d. h. also Hochverrat an den Schah zu predigen!
Das russisch-japanische Abkommen.
* Näheres über die zwischen Rußland und Japan getroffenen Verabredungen in Sachen der ostasiatischen Frage wollen Pariser Blätter erfahren haben, und sie dürften in der Tat gut unterrichtet sein. Danach hat der russische Kriegsminister Kuropatkin Japan folgende Vorschläge gemacht: Rußland sei bereit, die russischen Truppen ans ber Mand- fdjuret zurückzuziehen, mit Ausnahme der von der Eisenbahn berührten Zone. China dürfe hierauf Ausländern den Aufenthalt in allen beliebigen Orten gestatten mit Ausnahme ber an der Eisenbahn gelegenen, für die sich Rußland das Zustimmungsrecht Vorbehalte. Was Korea angehe, fei Rußland bereit, sich jeder Einmischung in diesem Lande zu enthalten, vorausgesetzt, daß Japan das gleiche tue. Diese Vorschläge wurden sowohl von Japan als, wie bic 'Pariser Blätter weiter melden, von den Vereinigten Staaten als befriedigend angesehen. Dagegen stellt England ihnen wenig günstig gegenüber. Das läßt sich denken!
Die „Komitatschis" in Makedonien.
+ Das Bandenunwesen in Macedonien will fein End) nehmen. Während der letzten zehn Tage haben im Vilaje Monastir sechs Zusanunenftöße zwischen bulgarischen Bande, und türkischen Truppen ftattgefunben. Vierzehn Bulgarei und sieben türkische Soldaten wurden dabei getötet. In gleichen Zeiträume wurden im Vilajc-t Monastir von Ko mitatschis (Mitgliedâ des maroffanifchen Komitees) s ünf zehn Mordtaten begangen, darunter zehn an Per Ionen, welche Teilnehmer einer Bande verraten hatten. Süßem bic Pforte von den Mächten an der Niederwerfung bei Komitaljchis noch weiter gehindert wird, ivird dieses Treiber der bulgarischen Abenteurer wohl kaum sobald aufhören.
Kämpfe an der algerischen Grenze
A Sie wilden Araberslämme an der algerifckien Grenz! lassen den Franzosen keine Ruhe. 5UU marokkanische Berabe, haben bei Sidi el-Jady, 80 Kilometer von Avrar, ov Sahara schützen angegriffen, die dort 150 weidende KamAe bc machten. Es entspann sich ein ernster Kamps. Ste Berabe, erlitten große Verluste, töteten aber 10 ^vbaraschutzcu um zwei französische Korporale und führten alle Kamele weg Wie aus Algier gemeldet wird, fallen zwo, BotaUloue ander Provinz Constantine an die marokkanische Grenze geben Offiziell behauptet man, sie würden nur zur regelmäßig statt