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spiritistischen Blättern zufolge, wohlbehalten in Newhörk befinden und mit Berliner Freunden in Briefwechsel stehen.

$ Den vierzigsten Selbstmor versuch machte in Wien ein 63 jähriger Harmonikaspieler tarnens Wolfs- gruber, indem er eine Phosphorlösung trank. Aer;te Les Freiwilligen Rettungskorps reichten ihm Gegenmittel und brachten ihn ins Spital der Barmherzigen Brüder Tie letzten Selbstmordversuche ha, ec am 19. Tc ruar d. J. unoa m 29. Dezember v. I. verübt. Nach allem hat es den Anschein, als ob Wolfgruber den Se'bftmo doer'uch Au einem Lebenslauf erhoben hat, durch den er sich schlecht und recht ernährt. Er rechnet auf die angenehm2 P lege im Spital, wenn er wieder einmal glücklich „gerettet" ist. Und daß das zur rechten Zeit eintriL, dafür sorgt er schon.

0 Schweizer Drtcsmarler 7. l(chcr. (Line Brresmarken- fabrif ist in Zürich entdeckt worden. Der „Fabrikant", eir ,'chick'ter Graveur, stellte besonders belgische 5 Fr.-Marker aus dem Jahre 1878 zum Verkauf, und zwar zum Preist von 10 Fr. bis 12,50 Fr. Tre mit dem Bilde Leopold II geschmückten Marken (bräunlich-orangefarben- sind so täu schend nachgeahmt, daß sie selbst von Kennern nicht von der echten unterschieden werden konnten. Der &rar>* r machte ein sehr gutes Geschäft, da er nur solche Marken, die selten geworden und im Handel kaum noch zu haben sind, nach, ahmte. Er wurde verhaftet, bald darauf aber aus der Hafi entlassen.

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f Der Roman des Romandichters 311 dem Attentat gegen den Pariser Schriftsteller Mar.. Prevost erfährt man jetzt Einzelheiten, die den Charakter des gefeierten . Romandichters gerade nicht im schönsten Lichte erscheinen lassen. Marcel Prevost kannte Emma Touret, die jetzt 3t Jahre alt ist, aber noch immer für sehr hübsch gilt, seit neun Jahren. Er, der damals noch ein ziemlich unbe­kannter Schriftsteller war, wurde von der Frau Touret wie ein eigenes Kind behandelt und verzärtelt. Für die herz­liche Aufnahme, die er im Hause fand, revanchierte er sich, indem er das blinde Vertrauen von Mutter und Tochter allmählich täuschte. Emma Touret soll zu jener Zeit ein Engel von Reinheit und Unschuld gewesen sein. Die Freunde des Hauses spotteten oft über die Naivetät, di: re sich trotz ihrer 25 Jahre bse oahrt hatte, und man nannte ie allgemein: „Die Vestalin". Marcel Prevost hat ihre Insel) 11 ib und ihr Vertrauen nicht respektiert. Sieben Jahre ang blieben der Mutter die intimen Beziehungen zwischen ihrer Tochter und dem Dichter unbekannt. Erst vor zwei Jahren will sie durch Zufall davon gehört haben. Emma hatte erfahren, daß der, den sie liebte, eine andere Neigung hatte. Sie'erinnerte ihn daran, daß er ihr am Sterbebett-è feiner Mutter, Cie von der Familie Touret mit rührender Hingebung gepflegt worden war, geschworen hatte, daß er nie eine andere Frau heiraten werde als sie. Er aber antwortete ihr kühl: „Es ist wahr. Ich liebe jetzt eine andere Frau!" Da beschloß oas unglückliche Mädchen, sick iu rächen, und wartete oft stundenlang vor der Wohnung des Geliebten. Aber Marcel Prevost schien das, was ihr erwartete, geahnt zu haben, denn er kam seit zwei Jahren fast nie mehr nachhause, sondern mietete bald hrer bald dort ein möbliertes Zimmer, das er rasch wieder verließ, um seine Spur zu verwischen, bis ihn jept doch die Rache er­eilte.

::: Ein furchtbares Automobilungliick ereignete sick bei einem Wettrennen Nizza—La Turbie. Der bekannte Amateur Graf Zborowski und der Baron de Pallangt fuhren mit ihrem Schnellwagen auf einen Felsen ar Der Küste bei La Turbie auf. Der Graf wurde aus Dem Wagen geschleudert und blieb mit zerschmettertem Schädel liegen. Der Baron de Pallange starb nach kurzer Zeit an schweren inneren Verletzungen. Graf Zborowski aalt als einer der vorzüglichsten Motorfahrer und Hai schon vielfach erste Preise davongetragen.

t Eine Forschungs-Expedition niedergemetzelt Aru Aden meldet der Draht, daß der englische Forschungsrei­sende Bury im Maran-Gebirge, 120 engl. Meilen nord­östlich von Aden, von Beduinen verräterischer Weise über« fallen und nebst dem größeren Teile seiner auA neur Mann bestehenden eingeborenen Begleitung getötet wurde.

(!) Dem Untergang geweiht scheint die russische Stadl Andischan zu sein. Die in letzter Zeit durch zahlreiche Erdbeben verwüstete Stadt ist jetzt abermals von ein el starken Erderschütterung heim gesucht worden. Es ist nock unbekannt, ob Menschen dabei verunglückt sind. Bekannt­lich hatten tue russischen Behörden erst kürzlich den Wie. deraufbau von Andrschän in Aussicht genommen. — Jr Südeuropa sind Erdbeben jetzt chronisch. In Slavonier wurde in der Umgegend von Djakovo ein drei Sekunder währender, ziemlich heftiger Erdstoß in vertikaler Rich­tuna wahrgenommen. Es wurde kein Schaden angerichtet Auch d-ie Inselgruppe der Cykladen im Aegäischen Meei wurden von schweren Erderschütterungen Heimgesucht.

□ sScin erster Pedante, j Aus einer schwär 1 chen Schute bringt der Merkur ein hübsches Gen uld. Der Herr Lehrer schildert den Kleinen in anschaulicher Weise den Weltuntergang. „Stellt Euch vor," sagt er, „es ist die ganze Luft mit Brandgeruch erfüllt; der Sturm geht so stark, daß er die Bäume entwurzelt, die Scheunentore aus Den Angeln reißt und die Hausdächer abhebt! Es herrscht eine furchtbare Hitze. Dabei mivb’3 finster und finsterer; der Donner rollt; Blitze zucken; Feuerschlünde in den Wolken öffnen sich und speien Flammen auf die Erde —" Der Herr Lehrer hält inne und fragt, um die Wirkung seiner Worte zu beobachten: „Nun, Xaverl, was denkst du dir da?" Einen Augenblick stutzt der Kleine. — Dann sagt er mit vergnügtem Schmunzeln: „Da denk' i' mir halt, daß bei so 'm Sauwetter fei’ Schul' is!"

— sTic gepfändeten Kühe. I Ein tragikomischer Zwi- schensall wird vom Weimarer Biehmarkt berichtet. Steht Da ein „oller ehrlicher Landmann" m’it seinen beiden Kühen und unterhält sich mit seinem Nachbar. In das anscheinend sehr interessante Unterhaltungsthema ganz vertieft, bemerk er nicht, daß sich hinter seinem Rücken ein recht eigenartiger Liebhaber eingefunden hatte. Tcr blaugeknöpfte „Abnehmer" nahm beide Kühe freundlichst am Kopf und drückte ihnen das — Gerichisoollziehersiegel zwischen die Hörner. Ehe deren Besitzer sich recht von sei­nem Schrecken erholte, hatte ihm der Beamte den Zweck seines plötzlichen Erscheinens auseinanderge'etzt und ocr« schwand mit oen beiden Pfleglingen des Bäuerleins, bei beni anscheinend zu Hause „nichts zu holen" war.

:] sAuch eine Kunstkarricre.^ Von gefälschten Kunst­gegenständen, die zu teuer bezahlt wurden, war kürzlich so viel die Rede, daß »ur Abwechslung mal von echten Kunst­

fachen, die für einen Spottpreis zu Haden waren, ge sprochen werden kann. So wird dem „Gautois" von einem seiner Leser mitgetrilt, daß die berühmte Vase von Voces (gallo-römischer Stil- einst für 30 Sous zu haben war. Besagter Leser hätte sie selbst für diesen Preis Haber können, bemi der Bauer, der sie auf einem Felde n der Nähe von Chartres gefunden hatte, hielt sie weger ihrer schmutzigen Farbe für ganz wertto - und bot fit mehreren Leuten für 30 Sous zum Kaule an Es kau t( sie schließlich ein Heiner Beamter, der ji- für — 100U( Francs an den Baron Seillière verkaufte. Von diesem lauste sie für 50 000 Francs das Kens ingt 0 n-Museum und es wird behauptet, daß das Museum heute das doo- gelte dieses Preises für die Vase haben tonnte.

^ sGehör-Rekordch Der Musikkritiker der „Petersbur ger Zeitung" schildert in einer der letzten Nummern dieses Blattes mit großer Begeisterung ein Konzert der Moskauer Liedertafel. In der Kritik heißt es u. a.: „Als das vor Rubinstein komponierte „Ueber allen Wipfeln ist Ruh'" ge 'üngen wurde, herrschte im Saale eine solche Stille, das man das Steigen der Blasen in den Champagner-Gläserr deutlich hören konnte . . ." Ter Berichterstatter hätte vor her sein Glas austrinken sollen.

; Tic Unrechte ermordet. Ein blutiges Liebesdrama spielte sich in der ungarischen Stadt Pozsony ab. Als sich die Arbeiterinnen einer Fabrik abends nach Hause be­gaben, erdröhnte plötzlich ein Schuß, und ein junges Mäd­chen namens Hilda Kupecz stürzte mit einem Aufschrei schwer verwundet zusammen. Ter Bäckergehilfe Ludwig Novomeczky hatte seiner Geliebten, her Arbeiterin Agnes Meßâros, die ihn treulos verlassen, mit dem Revolver aufgelauert und wollte sie erschießen. Im herrschenden Abenddunkel hielt er die Kupecz für das Mädchen, an dem er blutiae Rache zu nehmen beabsichtigte. Als er den Irrtum bemerkte, jagte er, ehe ihn jemand zu hin­dern vermochte, sich selbst eine tätliche Kugel in den Kopf.

Bunte Chronik. In Hechingen wurde nächtlicherweile ein heftiger, von Osten nach Westen gehender Erdstoß verspürt, welcher von unterirdischem Getöse begleitet war. Im Nagoldtale wurde ein zweites Erdbeben bemerkt. — Auch in Jerusalem meldete sich ein Erdbeben, das bis Bevölkerung in Schrecken setzte. Doch ist der Schaden ge- cing.

— Der Wiederaufbau der durch Erdbeben zerstörten Stadt Andischan soll schon in nächster Zeit beginnen, und es wird zu diesem Zweck bereits eine große Zahl von Arbeitskräften geworben.

— Wie aus Cherbourg gemeldet wird, stieß das französi­sche Unterseeboot „Narval" mit dem Schlepper Der Ma­rinebauverwaltung „Navette" zusammen. Letzterer fant, die Mannschaft wurde gerettet.

Hus dem Gerichts saal.

§ Eine derbe Lektion erhielt der Musketier Johannes Meyhöfer vom 170. Infanterieregiment zu Thorn. Er hatte durch übertriebene Klagen über schlechte Behandlung Der Rekruten das Mitleid seiner Angehörigen wecken und Geldspenden von ihnen erwirken wollen. In einem Briefe behauptete er, die Rekrilten würden furchtbar „geschliffen". Sie hätten von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends Dienst. Der Hauptmann habe zu den Unteroffizieren gesagt, sie sollten die Leute so lange „schleifen", bis sie liegen blieben. Die Hunde täten das auch usw. Als die Mutter des Mey­höfer diesen Brief empfing, sandte sie ihn kurz entschlossen an den Kaiser. Nun wurde vom Kommandierenden Gene­ral des 17. Armeekorps eine Untersuchung veranlaßt, welche ergab, daß die Klagen des Meyböfer völlig unbegründet waren. Die Militärbehörde erhob nun Anklage gegen ihn wegen verleumderischer Beleidigung. Meyhöfer wurde auch 00m Kriegsgericht zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt.

§ Tie vcrPfuschtcTenorst^nme. Ein Aufsehen erregender Prozeß dürfte demnächst in Paris zur Verhandlung kom- men. Ein hervorragender Künstler, Mitglied der Pariser Oper, hat seine Stimme verloren, und das soll ein be­kannter Spezialist für Halstrankheiten verschuldet haben. Ter Sänger, dessen wunderbare Tenorstirnme das Ent­zücken der Pariserinnen erregte, wurde eines schönen Tage- plötzlich heiser und ging zu dem gelehrten Arzte, um ihn zu konsultieren. „Einige Tage und vor allem bei mit in Behandlung bleiben," antwortete der Professor, „dann werden Ihre Kollegen vor Neid bersten müssen . . ." Einig- Wochen vergingen, aber die Stimme kam nicht wieder, im Gegenteil, es verschwand mit der Zeit auch der letzte schöne Rest" der Stimme! Hub deshalb hat der zu Stumm­heit verurteilte Tenorist gegen den Arzt einen Prozeß an gestrengt.

Lokales.

Gedenktafel für den 4. 9(priL

1774. Der englische Dichter Oliver Goldsmith in London f. — 1785. Bettina v. Arnim *. — 1793. Preu­ßen nimmt von Danzig Besitz. — 1814. Napoleon dankt in grinsten seines Sohnes ab. — 1826. Der Buchhändler Meyer in Gotha *. — 1845. Der Schriftsteller Krum­wacher f. — 1878. Graf Wolf von Baudissin, Ueber« jetzer englischer Dramen f.

** Der Frühling ist uns dieses Jahr mit Sieben» neilenstiefeln genaht. Gewöhnlich pflegte der junge Herr um diese Zeit noch an der Riviera zu verweilen. Seit )5 Jahren ist es das erste Mal, daß er seine Reiseroute zum Morden hinauf mit dieser Windeseile zu rückgelegt hat. Im Jahre der Revolution, 1848, zeigte der Monat März eine ähnliche Witterung, die in den Tagen vom 15. bis 21. Mürz zwischen 16 bis 19 Grad Reaumur schwankte. Es wurden im Freien Versammlungen abge- halten, und Ende März wurde die Hitze fast unerträg­lich. Reuter beschreibt das sehr anschaulich in „Ut minc Stromtied". Anfang Mai stand das Getreide schon so hoch, daß sich ein „feister Truthahn" drin versteckeri konnte. Dann aber kam der hinkende Bote nach. Noch heißer als der Frühling war der Sommer. Tie grünen Triebe versengten vor der Glut und eine furchtbare Trockenheit, die bis in den späten September währte, ließ die Feldfrüchte völlig verdorren. Es wurde ein böses Jahr für die Landwirtschaft. Hoffentlich ist uns dieser Frühling, der uns so lieblich begrüßt hat, der Vor­bote rines freundlicheren Sommers.

*** Wie uns Herr Professor Dr. Biermer mitteilt, ist ihm heute die Privatbeleidigungsklage des Herrn Dr. Ruhland zugestellt worden. Herr Dr. Ruhland hat die Klage beim Am tsg e r i ch t in Berlin anhängig gemacht. Der Rechtèbeistand des Herrn Professor Dr. Biermer ist Herr Justizrat Dr. Gutslei s ch - Gießen.

*** Morgen beginnen die Frü hjahrs-Kon troll- versammlungen. Wir machen darauf aufmerksam, daß ein jeder des Beurlaubtenstandes, die ihm vor wenigen Tagen ausgehändigte Kriegsbeorderung jetzt eingeklebt haben muß, sonst verfällt er in Strafe.

sB e s i tz w ech s e l.j Herr Bäckermeister Spieß verkaufte sein in der Neustadt belegenes Anwesen mit dem Geschäft für 42 000 Mk. ao Herrn Bäckermeister Gengnagel.

Die Einweihung der Provinzial- Siechenaustalt.

Gießen, 1. April 1905.

II.

Die Festteilnehmer nahmen nach Eintr<ffen in Stein's Garten Platz, und es war bald die Stimmung und der gegen­seitige Gedankenaustausch über das Gefcheh-ne im besten Gange. Die Reihe der hier gehaltenen Ansprachen eröffnete Herr Finanzminister Gnauth. Er rühmte die Verdienste der Provinz Oberhessen und der Stadt Gießen um das Zustandekommen dieser Anstalt, und hob hervor, daß unser Landesfürst an der Fertigstellung des Baues reges Interesse stets geäußert habe, was Se. Königl. Hoheit heute am Tage der Einweihung dadurch bekundete, indem er den Herrn Landgerichtsrat Dr. Schäfer und den Herrn Jngenier Schiele durch hohe Orden auszeichnete. Einem Hoch aus Kaiser und Großherzog galten seine Schlußworte. Landgerichtsrat Dr. Schäfer gab hierauf eine Gegenüberstellung zwischen dem alten Spital, wo bis jetzt die Siechen zum Teil eine Unterkunft hatten, und den neuen Hellen Räumen. Gar manchen von diesen Leuten wird es etwas ungemütlich vor­komm n, aber es werden die Insassen mit der Zeit sich in ihre n ne Umgebung doch einleben; die Aussicht auf den Schiffcnberger Wald schon allein wird ihnen das Gemüt leichter machen. Hoffen wir, so sagte Herr Schäfer weiter, daß Jahrhunderte lang die Kranken und Schwachen in der Provinz sich des 1. Aprils 1903 dankbar und freudig er­innern, des Tages der Eröffnung einer Anstalt, die den um Aufnahme nachsuchenden Schwachen und Alten Haus und Familie ersetzt. Wir aber wollen unsererseits auch des verstorbenen Fürsten Bismarck gedenken, des Mit­begründers des deutschen Reiches und unS freuen da­rüber, daß das Haus gerade heute an dessen Geburtstag eröffnet werden konnte. Ohne Fürst BiSmarcks Verdienste um die soziale Gesetzgebung hätten wir ein Werk, wie das, welches wir heute gesehen, ‘in seiner Vollendung besichtigen konnten, nicht eröffnen können. Darum wollen wir unl seiner ehrfurchtsvoll erinnern, von den Sitzen uns erheben, und das Glas still leeren — Die Verdunste deS Geh. Ober-Baurats v. Weltzien wußte Herr Justizrat Dr. Gut- fleisch in packender Weise bervorzuheben, über welche Ehrung sich der Gefeierte bedankte. — Herr Provinzial­direktor D r. B reid ert nahm noch Gelegenheit deS unter den Festteilllehmern weilenden Finanzministers zu gebmten und auf diesen, den Ehrenbürger Gießens, ein Hoch auszu- bringen. Nach 7 Uhr nachmittags war der gemütliche Teil zu Ende und man ging mit der Befriedigung, einem guten Werke seine Stunden geopfert zu haben, auseinander, mm.

Ms stellen und Nacdbargebieten.

= Aus Nassau, 2. April. In Dachsenhausen wurde der 83 jährige Altersrentenempfänger Ph Zehres von einem von ihm gefällten, nach einer anderen Seite, als erwartet war, umfallenden Obstbaume erschlagen.

< Vom Odenwald, 2. April. Seit 3 Tagen herrscht hier Schneegestöber. Der Schnee bleibt auf den Bergesgipfeln liegen.

-= Frankfurt a. M, 2. April. (Oberkriegsgericht des 18. Armeekorps.) Zw scheu den Mannschaften der im ver­gangenen Herbst von Bockenheim nach Mainz versetzt.n 3 Schwadronen und der schon länger in Mainz garnisonierenden 2 Schwadronen des 1. Kurh. Hus.-Regts. (König Humben Nr. 13 besteht ein gespanntes Verhältnis. Reibereien und Keilereien sind nichts seltenes. Das Gouvernement Mainz und das Kriegsgericht desselben gehen mit energischen Strafen vor, um den „feindlich n Brüdern" die Mucken auszutreiben. Meistens geht der Krach ohne jede äußere Veranlassung loS. So fielen am Abend des 1. Februar b. J. die Husaren Hahn, Deiseroth, Wies und Bartels von der 4. Eskadron ohne jeden Grund in dem Viadukt, in der Nähe der Harden- bergkaserne, über drei Ockonomiehandwerker her und trat» türten sie mit Faustschlägen und Fußtritten, benen sich die zur 1. Eskadron zählenden Schneider nur durch Ergreifung des Hasenpaniers entzogen. Heinrich Hahn, gebürtig aus Hofheim, Kreis Höchst, hatte mit dieser Heldenthat noch nicht genug. Der Kaserne gegenüber drang er mit blanker Klinge auf die ihm gänzlich unbetonten Husaren Metzler und Wolf von der 1. Eskadron ein und vers-tzte jedem einen scharfen Hieb auf den Kopf. Wolf trug eine Wunde am Auge da­von und mußte 8 Tage ärztlich behandelt werden. DaS Kriegsgericht deS Gouvernements Mainz hat jeden der 4 genannten Husaren wegen der gemeinschaftlichen Mißhandlung gegenüber den Schneidern in eine Strafe von 4 Wochen Ge- sängnis genommen, den Hahn für die Säbelgeschichte noch 86 Tage zugelegt und auf eine Gesamtstrafe von 3 Monaten Gefängnis gegen ihn eitannt. Seine Berufung gegen das Urteil, die sich auf die Bestrafung wegen der Körperver- letzung gegen Metzler und Wolf erstreckte, wurde verworfen, obwohl ihn Deiseroth und Wics herauszulügen suchten. Sie wurden als unglaublich nicht vereidigt. Die Verteidigung führte Rechtsanwalt Claaß-Mainz.

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