U. 283
Mittwoch, den 2, Dezember 1903.
12. Ighrqaug.
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Ü„«e»eMtO»rei»: t»«teh»a, ab-eh-lt msnatltd) 50£f|., •bi Htu« gârÜt 80 Pfg., dMlch die Poft bezog»« vierte jährlich 1.50.
!l,M-beilaae»: Oberheistsch«' Aamilie«zeU»«s (tSglich) ltTte«b«Ä, sowie He Siet«« GE»«bl«fe» (w-chentllchp L aS Statt erschein M dH Berttaae* n<**ite«6.
3*(crtt*x#»rei 6t Die einsp»M,e Pentzeilc für @iefrrt! »tz Ganz Oberhefsen, die Kreise WetzUir und Marvin- 10 P^s
15 Pf».: «ekla»e» die Petitore 30 resp. 40 Pfg.
Potzzetmugsliste Ro. 3B8.
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Anabhä«gige I«gtsjrit«»g
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fftr Oberhefsen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung GWchâlt de amtliche« Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden w« Od«ch«M»
: 8ftr.:. Das Meldewesen in der Provinzialhauptstadl Gießen.
Bekanntmachung.
-Nack pos III 2 der Melde-Ordnung für die Provin- ^iolhü uptstadt Gießen vom 10. Mai 1890 haben die dort dtsMheren bezeichneten Meldepflicktigen mit Ausnahme ^Dienstboten die vorgeschriebenen An- und Abmeldung persönlich oder schriftlich zu erstatten.
Für schriftliche Meldungen sollen vom 1. December IAs. ab eigens dazu eingeführte Formularren zur Lerwü'ndung kommen.
Wir ersuchen die Meldepflichtigen sich dieser For- mulacien bedienen zu wollen und machen darauf auf= meUloam, daß solche außer auf unserem Meldebureau auch un den Oktroihebestellen des Selters, Neustädter- md 'Wallthors unentgeltlich verabreicht werden.
Gießen, den 26. November 1903.
Großh Polizeiamt Gießen. Hechler.
Bekanntmachung.
ZrcNaa, den 4. Dezember 1903, vorm 11 Uhr, fioöeiu i0i Bürgermeistereigebäude — Zimmer Nr. 15 — 9 städtische Plätze zum Verkauf von Christbäumchen Misllbietend verpachtet werden.
LKießen, den 30. November 1903.
Großh. ^Polizeiamt Gießen.
________________ Hechler __________________
Bekanntmachung.
Die Reinigung der Straßen und Gassen ist lt. HoÜZeivèrordnung von dem Anlieger jeden Mittwoch und »Eamstag vornehmen zu lassen. D-e Reinigung chaussierter »Etrachen darf nur mit Kratzen, die geflüsterten mit Besen M>e-rkst>lligt werden. Der vorhandene Kehrricht muß Muld von den Straßen entfernt und die Einfallschächte inb Straßenrinnen stets sauber gehalten werden.
Mchtbefolgung wird zur Anzeige gebracht. Grunberg, am 30. November 1903.
Größtmögliche Hürgermeiflerei Grünberg.
Zimmer.
Die neue Reichstagssession.
An altgewohnter Stätte, im Weißen Saale des Hohim- 'VlmiWüfM an der Spree, wird auch heuer die feierliche Eröffnung der neuen Volksvertretung sich vollziehen. Nur mit dem Unterschiede, daß diesmal nicht, wie sonst aus tarier ljchèiii Munde die Worte der Thronrede den Relchsboten ciit^egenschatleii werden. Graf Bülow wird., wie ^es sonst nur bei Sessionseröffnungen üblich ist, so auch diesmal bei brr Eröffnung der Legislaturperiode an Stelle des Retchs- etcrhauptes das Wort nehmcii. Der Grund dieser Aende nmg liegt klar zu Tage: es ist die Erkrankung des KaisM, die ihn nötigt, seine Stimme noch zu schonen.
Was die neue Thronrede, die ja immer ein al Fresco eichnetes Arbeitsprogramm des neuen Reichstags dar Mstellt, diesmal enthalten wird, ist unschwer vorauszusehen: ! ^.g; Handelsverträge, eine neue M i.l i t ä r v o r - j\ g c — wahrscheinlich ein neues Suinguennat — werden ihre wesentlichsten Punkte sein. Ob die neue M a r r n e vo r l a g e , die von der Regierung geplant wird, m dieser Jgroßen Thronrede bereits Erwähnung findet, ob sie nicht vielmehr für eine der späteren Sessionsthronreden vorbe- !Men bleibt, ist noch ungewiß.
Neben diesen großen Vorlagen wird selbiwmtandlich noch eine ganze Reihe kleinerer Gesetzentwürfe neben- Ijeir gehen. Diese dürften jedoch in der morgigen^ Thronrede nur insoweit Erwähnung finden, als sie dem Reichstag . bereits in der morgen beginnenden ersten Session zugehen sollen. Tahin gehört denn vor allein — abgesehen von dem zumächst zu erledigenden H a n d e l s p r o vi s o r i u m mit England und dem Etat das M i lit ar - p er n s i o n s g e s e tz , das die Regierung in dieser Session dmrchzusetzèn entschlossen ist, ebenso das neue, ^ e r v i s - gasetz. Auch die Novelle zum Börsengesetz wird in bieefer Thronrede Erwähnung finden. Sie soll dem Reichs- faoge bald nach Neujahr zugehen.
Zugleich mit der Ankündigung der neuen Militärvorlage unfirb die Thronrede wohl auch das Provisoriums- wÄhnen, das bis $ur Einbringung der Vorlage geschaffen 1 arbeit soll: Angesichts der großen Aufwendungen, die das Mlitä rp enfion §geietz und das Servisgesetz verlana?n, will bitt Heeresverwaltung nämlich nickt schon sofort die neue pn^c" Militärvorlage einbringen, sondern damit noch ein 'oobr warten und inzwischen das am 1. April 1904 ab- lomsende Quinquennat durch ein Notgesetz um ein Jahr ve^lättgern. r r
Das -dürfte — Don einzelnen kleineren Vorlagen sozial- öMluischen Charakters abgesehen, — in großen Umrissen das
Arbeitsvrogramm veS neuen Rekchstages sein. Von diesem Pensum wird das Haus nach der Präsidentenwahl — die die Wiederwahl der Grafen Ballestrem und Udo Stolberg und die Neuwahl eines Nationalliberalen, wahr- scheinlich des Grafen Oriola oder des Freiherrn v. Hehl ergeben dürfte — zunächst den Etat und das Handels- provisorium mit England, das bis zum 1. Januar 1901 erneuert sein muß, in Angriff nehmen. Nach Neujahr wird dann die Svezialdcbatte über den Etat und die Beralling des Militärpensionsgesetzes, des Servis- gesehen und der Vorlage betr. die Verlängerung des Quin- guennats um ein Jahr auf die Tagesordnung kommen. Diese vier Gegenstände müssen bis zum 1. April erledigt sein. Nach den Osterst 'ien dürfte die Durckberatung der B ö r s e n g e f e b n o r I e und das Hauptstück dieser ganzen Legislaturperiode le Erneuerung der Handels - Verträge, aufs Xi ; konunen. Man sieht, der Reichstag wird eine ganze Menge harter Nüsse zu knacken haben. Hoffentlich zeigt er, daß er über gute Zähne dazu verfügt.
Verschärfung der ostasiatiseben Krisis.
Aus dem fernen Osten kommen zur Abwechselung wieder einmal schlimme Nachrichten: Tie Spannung zwischen Japan und Rußland soll sich verschärft haben und die Lage keineswegs gefahrlos fein. Auf beiden Seiten scheint mancher Fehlgriff vorgekommen zu sein, und die Kriegs- Parteien in beiden Ländern gewinnen mehr und mehr die Oberhand.
Was die Japaner augeht, so sind es nicht sowohl ihre Diplomaten, als ihre /Soldaten und ihr Mob, der die Spannung verschärf'. Nach den neulichen Gewalttätig feiten japanischer Matrosen und Hafenarbeiter gegen russische Mac-rosen in Tschemulpe ist es jetzt zu ähnlichen Krawallen im Hafen von M a k p o gekommen. Dort kam es wegen eines Erlasses der Ortsbehörde, durch den die koreanischen Makler besteuert wurden, zu Unruhen. Von den Japanern unterstützt, weigerten sich die Makler, die Abgaben zu zahlen. Als sie daraufhin arretiert wurden, überfielen die Japaner das Yamen, stürmten das Arrestlokal und befreiten die gefangenen Koreaner. Beide Vorfälle, der in Tschemulpe uiib der in Makpo, sind jetzt zu weiterer Verfolgung dem russi schen (Man Sten übergeben worden.
Diesen japanischen Mißgriffen stehen auf russischer Seite noch erheblichere gegenüber. Bei den Russen ist's nämlich nicht der gemeine Mann, sondern die großen Herreit, die die Japaner beleidigen. So hat der Admiral Alexejew, der die Japaner schon durch Entsendung russischer Schiffe nach 'Tschemulpo herausgefordert hat, erst kürzlich erklärt: Wenn er oret Docks in Port Arthur und zwei in Dalny hätte, so würde er keinen Augenblick zögern, die japanische Flotte anzilgreifen. Das muß die Japaner reizeit. Und dieser Reizung nachz'n^ben und loszuschlagen, haben sie um so mehr Veranlassung, wenn derselbe Alexejew in einem Atemzuge mit dieser feindseligen Aeußerung erklären muß: Unter den gegenwärtigen Verhältnissen würde es für die russische Flotte unmöglich sein bei einem ersten Zusammen stoß zu siegen. Bei einem zweiten aber würde die japanische Flotte die russische vernichten. Wenn Herr Alexejew danach weiß, daß er die Japaner zur See nicht angreifen kann, waruni braucht er da so kriegerische Worte, wie sie der erste Satz seiner Erklärung enthält? Wie leicht macht Alexejew den Engländern ihre Hetzarbeit in Japan!
Solche Hetzereien läßt sich England nach wie vor eifrig angelegen sein. Ein englischer Marineoffizier verkündete neulich urbi et orbi, daß Japan ganz zweifellos die Russen auch zu Laude besiegen werde. Selbstverständlich stärkt das nicht nur die Zuversicht der Japaner, sondern erhöht auch die Neigung der Chinesen, gegen die Russen aufsässig zu werden. Nach einer Meldung aus Peking hat der chinesische General Ma vom Tsunglipamen Befehl, 20 Bataillone zur Verteidigung der Mongolei und der Mandschurei gegen Rußland auszuheben. General Ma erklärt, im Kriegsfälle wiirde China mit Japan zusammengehen. Auch die plötzliche Abreise der Kaiserin-Witwe von China nach dem Westen deutet darauf bin, daß etwas gegen Rußland im Werke ist
Die Politik.
0t Die Rcichsftnanzreform kommt! Im Jahre 19 0 5 soll sie in Kraft treten. So erklärte im sächsischen Landtag der Finanzminisler Dr. Rüger. Nach welchen Grundsätzen sie vorgenommen werden soll, verriet der Minister noch nicht; nur soviel sagte er, daß Sachsen sich gegen jede direkte R e i ch s st e u e r , wie z. B. die vielfach geforderte Reichs-Erbschaftssteuer, erklären müsse. Nur durch eine Erhöhung der indirekten Reichs st euern könne eine Reichsfinanzreform ermöglicht werden.
0e Der gesamte deutsche Reichshaushalt für 1904 schließt in Einnahme und Ausgabe mit 2 460 e3o 004 Mark ab. Tas, sind 43 706 092 Mark wehr als im Vorjahre. Zur Balanzierung des Etats ist eine Anleihe von 214 713 352 Mark vorgesehen, 20 048 897 Mark mehr, als die vorjährige
ßtatSQnleiüe betrug, ^
"t In Karlsruhe ist gestern der badische Landtag vom Finanzminister Tr. Buchenberger mit einer Thron red» eröffnet, in der eine Erhöhung der Steuern in Aussicht gestellt wird. Ferner kündigt die Thronrede ein Gesetz an, wonach die W a h l zur zweiten Kammer künftighin auf der Grundlage des allgemeinen, gleichen, geheimen und unmittelbaren Wahlrechts stattfinden soll.
t Eine sehr erfreuliche Nachricht fomnit aus Deutsch-Süd- westafrika: Sie deutsche Schützt r u ppe hat den Bondclzwarts eine anscheinend recht empsindliche Schlappe beiaebraeüt. Gouverneur Leutwein meldet: „Hauptmann v. Koppy hat am 21. d. M. mit der 3. Kompagnie und Witbois unter dem Oberleutnant Grafen v. Kageneck die Stellung der B o n d e l z w a r t s bei S a n b f o n t c i n südlich von Warmbad e r st ü r mt. Auf deutscher Seite sind feine Verluste entstanden, die Verluste des Feindes sind unbekannt. Die geraubten F r a ch t w a g e n sind zurück- erobert, Munition und Vieh ist erbeutet worden." Der Denkzettel wird hoffentlich genügen, die Bondelzwarts zu Kreuze kriechen zu lassen.
o^ Die hessische Regierung beabsichtigt zur Deckung außerordentlicher Ausgaben für 1904 eine neue Anleihe von 8 166 000 Mark aufzunehmen.
l3 Bei einer Besichtigung des neuen Handels kammerglebändes in A 11 o n a hat der preußische Handelsminister Möller eine Rede gehalten, die in Han- bei sfr eisen besondere Beachtung finden dürfte. Unter anb.Tcm sagte der Minister, es erscheine ihm nicht unbillig, die schlver um ihre Existenz ringenden preußischen H a f e n p ! ä tz e an b c r Nord- und O st s e e gegen - über und neben den zweifellos um das Vordringen des deutschen Handels, in fremde Weltteile hochverdienten Emporien . > a m b u r g und Bre in e n durch Förderung des geschäftlichen Lebens in jeder Hinsicht zu stärken. Sollten wir auch u n g ü n ft igen Z eite n entgegen gehen, so führte der Minister weiter aus, m baue er doch auf die be- Whrte E l a st i z i t ä t des deutschen Kaufmanns, die bisher immer vermocht habe, bestrittene Gebiete zu behaupten und sich selbst unter den schwierigsten Verhältnissen neue Wege zu eröffnen.
= Der Verhandlungstermin im Prozeß Hocnsbroech- Dasbach ist, wie jetzt bekannt wird, auf den 16. Februar 1901 verlegt.
4< Wie wir bereits meldeten, haben neuerdings die Berliner Polen bei beni Vertreter des jetzigen fürstbischöflichen Delegaten die Einführung polnischer (Gottesdienste in allen Berliner Kirchen verlangt, eine Forderung, die in keinem Verhältnis zu der Zahl der Berliner polnischen Katholiken gegenüber den deutschen steht und die kirchlichen Interessen der deutschen Katholiken Berlins aufs schwerste gest den muß. Der Vertreter des erfr "kten fürstbischöflichen illegalen hat damals den Polen größtmögliche Berücksichtigung ihrer Wünsche zugesagt. Demgegenüber wird in deutschen katholischen Blättern an einen Vorgang aus dem Jahre 189£ erinnert, bei dem der damalige Delegat, Probst Neuber, dasselbe Verlangen der Berliner Polen mit den Worten ab gewiesen hat, er begreife nicht, weshalb die in Berlin an lässigen Polen durchaus polnische Gottesdienste haben wollten, sie bedienten sich ja doch im täglichen Leben hier, in einer rein deutschen Stabt, stets der deutschen Sprache und verständen daher das Deutsche recht gut. Auch die Kinder lernten ausschließlich Deutsch und hätten kein Bedürfnis nach polnischen Andachten. Im übrigen sei dic Anstellung eines ständigen polnischen Geistlichen für Berlin mit großen Schwierigkeiten verbunden, zumal es sogar für rein polnische Bezirke an polnischen Geistlichen fehle. Bei der Triftigkeit dieser Gegengründe ist wohl anzunehmen, daß der Delegat entgegen der Auffassung seines Vertreters die polnischen Wünsche ablehnen wird.
Oesterreich-Ungarn.
G Von den deutschen Katholiken Böhmens wird neuerdings die Errichtung eines deutschen Bistums in Böhmen angestrebt. Eine Abordnung der deutschen Fortschritts- varfei Böhmens hat dem Fürsterzbischof Sfrücnst) eine Denkschrift überreicht, in ber für Völsinen die Errichtung eines solchen BistumD mit einem deutschen Kapitel und einem deutschen P r i e st e r s e m i n a r verlangt wird. Ter Fürsterzbischof versprach, er werde das seinige tun, da- mit für den deutschen Priesternachwuchs gesorgt werde.
□ Tie Politik der starken Hand hat üch in, Ungarn be währt: Stefan Tisza kann von üdj sagen, daß er die Obstruktion an die. Wand gedrückt habe. Es ist ihm gelungen, Kossuth der Obstruktion abwendig zu machen, indem er als Entgelt dafür, daß er in her Frage der Armeesprache keine Zugeständnisse machen könne, die von Kofsuth verlangte Wahlreform und Sugefiänbniffe in sozialen und Unter- richtssragen m Aussicht stellte. Daraufhin hat Kossuth seiner Partei die Einstellung der Obstruktion empfohlen, und nur wenige Parteigenossen haben sich dem widersetzt. Mit dem Rest der Sbftruftioniften wird Tisza nun im Handumdrehen fertig werden. Vielleicht hat mit diesem parlamentarischen Siege Tiszas die Stunde v. Körbers bereits geschlagen. Die nächsten Tage dürften darüber bereits Klarheit bringen.