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Ubov«eMe«t-preis : In Gießen, «bgchslt m»nsrlich 50 Pfy. tné HauS gebracht 60 Pfg., durch die Poft berogev 'yicNel- ' jährlich 1.60.

Ur«tt-beil«ge» : Qberhesfische F«milie»)ei1«»â (täglich) Oberhesfische Zeitschrift für L»«dtoirtsch«f1, CbfD mm> D«rte«ba», sowie die GießeNer Eeife»kl«se« (wöchentlich).

Da- Blatt erscheint « »Le« Serkragen ni^mtttail.

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für Oberhefsen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und llmgebMg.

Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Troßh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Obe ^^ "-^"~' A-*^*7?i11'** , ; 1» . . --:---m, |M --L-J.-..

1 QgrQp^cn 14" an, der der (Rcgkniuß oa^ junji ßibt, die Verfassung außer x2M)t zu lassen.

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Zur Kaiserreise nach Dänemark.

)( Im Schmuck der bunten Wimpel und Flaggen prangt die Rede von Kopenhagen: dem Deutschen Kaiser, der vom Dienstag an der Gast des Dänenkönigs ist, gilt der Willkonimensgruß der dänischen Hauptstadt. Von den Forts und den Kriegsschiffen, an beren Gaffel der anebrog weht, donnern die Salutschüsse dem schmucken ^aiserschiff entgegen, das den erlauchten Gast zum- ingsschloß der Dänen trägt. Die Zeiten haben sich ge­ändert: der Bruderstamm im Norden, der noch vor wcni- ren Jahren nur mit stillem Jngrimme auf den deutschen Machbar blickte, l)nt versöhnlicheren Regungen in seinem Herzen Platz gemacht, und die Zeit ist vielleicht nicht mehr fern, da Dänen und Deutsche, nicht nur der Lande des Bluts, sondern auch des politischen Vorteils eingedenk, sich 511 aufrichtigem Bunde wieder die Hand reichen. Nicht zuletzt hat Kaiser Wilhelms Politik hem Dänen reiche gegenüber diesen Umschwung angebahnt. Seit dem Regierungsantritt Wilhelms II. hat es der deutsche Hof unb die deutsche Politik an Aufmerksam­keiten gegenüber dem grollenden Dänemark nicht fehlen lassen. So scharf die Negierung der dänischen Agitation in Nordschleswig auf die Finger sah, so entgegenkom­mend zeigte sich Deutschland überall da, wo sein In­teresse nichts anderes gebot, den Lilien gegenüber. Und io kam es denn, daß der Deutsche Kaifcr bei seinem ersten Besuche in Kopenhagen nicht nur beim Hose, son­dern and; b i der Bevölkerung einen herzlichen Empfang 'and. So fam cs, daß ein Däneuprinz beim 25jährigen Mili- lärjubsläum des Kaisers in Berlin die Glückwünsche des Kopenhagener Königshauses überbrachte, so kommt es, > denl Kaiser setzt bei seinem zweiten Besuche am baui ichen Hofe, nech her liche.ee Willkomm entgegetischall^, iU bei jenem ersten. Und auch politisch dürfte dieser zweite frais erbe surf) bedeutungsvoller sein als der erste: Die Tat­sache, daß der Kaiser in Kopenhagen nicht nur mit der dänischen .Königsfamilie, sondern auch mit der Kaiserin- Witwe von Rußland, mit der Königin von England, mit frem hellenischen Königspaar zusammentrifft, daß der frön von Schiveden einen seiner Söhne zur Begrüßung des Kaisers entsendet, diese Tatsache deutet darauf hin, daß zwischen den Herrscherfamilien der Reiche am Balten- ineer die letzten Verstimmungen, die noch aus früherer Zeit her teilweise bestehen mochten, völlig verschwunden sind. £b die geheimnisvolle Andeutung politischer Zeichen- deuter, die lünftige beutfd)? Kaiserin werde eine Tochter Dänemarks sein, das Rechte trifft, bleibe unentschieden; Tatsache ist jedenfalls, daß der jetzige Besuch des Kaisers auch politischen Zwecken, vor allem einer noch intimeren Annäherung der Dynastien Holstein-Sonderburg-Glücks- burg und Hoheuzollern gewidmet ist. Möge über den .Kaisertagen am dänischen Sund ein günstiger Stern walten.

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Die Feuerbestattung.

Von unserem st ä n d i g e n C. B. -Mitarbeiter.)

Die letzte Sitzung im preußischen Abgeordnetenhaus brachte noch einmal eine sehr lebhafte Debatte wegen der Frage der Feuerbestattung, die von drei Gesichtspunkten aus Kne^eine Parteifrage geworden ist. Tie einen sind Gegner der Feuerbestattung aus religiösen Gründen, weil sie einen menschlichen Eingriff in den Auflösungsprozeß des Körpers für e'.ne unzulässige Handlung halten; die anderen sind es uls juristischen Bedenken, weil ein Feuerbrand mit dem Körper auch alle Spuren eines Verbrechens vernichten tonnte, unb die dritte Gegnerschaft erwächst dem Verbren- nungsprozeß aus ästhetischen Gründen. Die Anhänger der Feuerbestattung aber berufen sich in ihren Bestrebungen auf die Toleranz, die es bedinge, daß man auch jeden nach seiner Fa^on dem Vernichtungswerke überliefern dürfe. Die heftigste und mächtigste Gegnerschaft aber setzt sich aus den streng religiösen Elementen zusammen, und das erklärt sich nm besten durch unsere geschichtliche Vergangenheit. Tie alten Germanen kannten die Beisetzung in die Erde nicht. Bei ihnen wurde der Leichnam in feierlichem Gepränge öffentlich verbrannt. Wie der Inder bei diesem Akte die Frau mitnahm, so wurde unseren Vorfahren das Lieblings- Pferd mitgegeben, woraus sich die Sitte erklärte, daß bei fürstlichen. Beisetzungen das Lieblingspferd hinter der Bahre mitgeführt wird. Tas Christentum hat die Feuerbcftattuug beseitigt, weil es eine Wiederauferstehung auch des Fleisches lehrt und darum eine sichtbare Auflösung des Menschen in seine Atome nicht will. Dieser Standpunkt beherrscht noch heute einen großen Teil der Bevölkerung, und, wie man olles, was mit religiösen Anschauungen zusaronnenhängt, un­angetastet lassen muß, so läßt sich auch mit den religiösen Gegnern über diese Frage nicht rechten.

Ein anderes aber ist, ob die juristischen Bedenken wirklich ittchhaltig sind. Wir unsererseits glauben es nicht, weil eine sorgfältigere, dafür freilich auch kostspieligere Leichenschau diese Gefahr beseitigen müßte. Die Kosten dafür müßte von Rechts wegen der Staat tragen, denn die Leichenschau ist in gewissem Sinne eine öffentliche Last. Wenn man die

Donnerstag dm 2. April 1903.

Kosten der obligatorischen Leiä ewchau der Familie des Ver- blichenen aufbürdet, dann werden die ärmeren Teile des Volkes verhältnismäßig höher belastet, als die reichen. Schon der ausgleichenden Gerechtigkeit wegen sollte also die Leichenschau auf Staatskosten übernommen und von Aerzteit ausgeführt werden.

Das Bedenken, das am geringsten wiegt, ist das ästhetische. Wir können mit dem besten Willen keinen ästhetischen Vor­zug in dem Eingraben eines Menschen sehen, zumal man weiß, daß der Körper ein Raub gefräßiger Wesen wird. Da hat die Feuerbestattung zweifellos vom rein ästhetischen Ge­sichtspunkte aus doch große Vorzüge.

Es bleibt also als einzig berechtigtes Bedenken nur daS religiöse übrig. Wenn, wie die Mitglieder der konservaftven Partei und des Zentrums behaupten und wie auch die Ab- ftimmimg im Abgeordnetenhaus andeutet, die Mehrheit in der Leichenverbrennung eine Verletzung religiöser An­schauungen erblickt, so ist das ein Standpunkt, den man respektieren muß. Die Leichenverbrennung wird hiernach für absehbare Zeit in Preußen ausgeschlossen sein.

Die Politik.

Elsast-Lothringcn bleibt Rcichsprovinz.

::: Mit der Aenderung der staatsrechtlichen Stellung Elsaß-Lothringens im Reiche, wie sie der Straßburger Landesausschuß anstrebt, scheint es nichts merben zu sollen. Der Antrag des Landesausschusses geht dahin, Den Reichstag als gesetzgebenden Faktor für die Ange­legenheiten Elsaß-Lothringens auszuscha.ten, dagegen dem Laudesausschusse die Befugnisse und den Rainen eines Landtages zu geben; ferner sollen drei von dem Landesherrn zu ernennende Vertreter des Reichslandes im Bundesrat an den Abstimmungen über elsaß-lothrin­gische Angelegenheiten teilzunehmen. In der offiziösen Presse wird jetzt ausgeführt, daß an eine Gewährung Dieser Wünsche nicht zu denken sei.

Kein Defizit in Preußen!

(!) Eine sehr erfreuliche Kunde wird offiziös verbreitet: Der preußische Etat für 1902 schließt nicht mit dern ge­fürchteten Fehlbetrag, sondern mit einem, wenn auch klei­nen, Ueberschnß ab! Das rechtfertigt die Hoffnung, daß der Ueberschnß des laufenden Etats noch größer sein werde. Zurückznführetr ist dieses günstige Ergebnis auf die Besse­rung der wirtschaftlichen Lage, die namentlich die Eisen­bahnertrüge erhöht haben dürfte, und darauf, daß der Etat seinerzeit mit großer Sorgfalt und Vorsicht aufge­stellt worden ist. Tie Angriffe, die wegen eben dieser an­geblichenAengsrlichkeit" der preußischen Finanzverwal tung bei der Etatsaufstellung laut wurden, sind durch diese Entwicklung glänzend widerlegt.

Revolution in Mazedonien.

F Ziemlich heftig setzt die mazedonische Revolution denn um eine solche handelt es sich in der Tat ein. Nach dem jüngsten Versuch, die inzwischen wieder herge­stellte Eisenbahnbrücke bei Mustafa-Pascha in die Luft zu sprengen, haben die Albanesen das Dorf Vuciton bei Mitrowitza überfallen und die dortigen christlichen Gen­darmen fortgeführt. Dann haben sie einen mit schweren Verlusten zurückgeschlagenen Angriff auf Mitrowitza ge­macht, bei dem der russische Konsul durch einen Schuß in den Rücken lebensgefährlich verwundet wurde. Tie Pforte hat infolgedessen alle verfügbaren Gendarmen und Truppen von Saloniki und anderen Städten an Ort und Stelle entsendet. Mil Rücksicht auf die große Gefahr der Revolte für den Frieden nicht nur auf dem Balkan, sondern auch in Europa und der Welt, haben die Kabinette von Pelersburg, Wien und Rom ihre Bot­schafter angewiesen, bei der Pforte energische Vorstellun­gen zu machen, daß sie d;ie Unbotmäßigkeit der Albanesen im Zaume halte. Hoffentlich folgt die Pforte im eigenen Interesse der Türkei diesem guten Rat.

Ein Schachzug des tollen Mullah.

)( Eine überraschende Wendung hat der englisch-abessi­nische Feldzug gegen dentollen Mullah" genommen: Der Mullah ist vom größten Teile seiner Truppen im Stich gelassen worden; viele seiner Anhänger haben sich in englische Gefangenschaft begeben, und er selbst hat sich nordwärts geflüchtet. Anscheinend gibt er aber seine Sache noch nicht verloren: durch einen schlauen Tric gedachte er sich seiner Feinde zu entledigen. Er hat nämlich den Franzosen das Protektorat über das ganze Somaliland angeboten. Offenbar hoffte er, die Franzosen, die neuer­dings mit Abessinien schlecht stehen, würden das Aner­bieten annehmen und mit den Engländern und Abbesiniern deshalb Händel anfangen. Tie Franzosen haben ihm na­türlich den Gefallen nicht getan, sondern das Angebot glatt abgelehnt.

Kurze politische Rachrichte«.

* Der Geschäftsordnungsausschuß des österreichischen Abgeordnetenhauses hat einen Antrag, wonach die Ge­schäftssprache des Hauses die deutsche sein soll, ab­gelehnt. Der Verfassungsausschuß des Abgeordneten­hauses nahm einen Antraa auf Aufhebung desPa-

__________________12. Jahrgang.

JLsertiorSprri S» Die einspaltige Petilzeile für Gießen »ranr Qberhcfien, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg kenn 15 Pfg. - Rekl«»re« die Petitjkile 30 resp. 40 Wt

PoftieitungSliftc No. Wl.

KedaMon und Expedition: Gieße» Re«e«»>^ Kee»fprech»«schL»H Nr,.

* In Marseille haben die Dott und Hafenarbeiter' befdiloffen, gegen den Willen der Rheder den Neunstun­dentag ein zu führen und alle Ueberstundenarbeit zu ver­weigern. Da wird wohl die Aussperrung nich? lange aus sich warten lassen.

* Der französische Gesandte in Caracas steht mit der venezolanischen Nationalbank wegen einer Konver­sion der venezolanischen Schuld und der Begründung einer französischen Bank in Caracas.

* Die Nachrichten von einem Aufstande gegen den Sultan in Nord - M a r 0 k k 0 werden neuerdings be­stritten.

Dos und Gesellschaft.

** Das Befinden der Kaiserin ist so zufrieden­stellend, daß, wie der Leibarzt Dr. Zunker mitteilt, von jetzt an keine Bulletins mehr ausgegeben werden.

* Der K r 0 nprinz mib Prinz Eitel Frie- orich haben Aegypten verlassen. Sie reisen direkt nach Griechenland, ohne Palästina zu berühren, tveil dort, nie schon gemeldet, 'Cholerafälle borge so nimm sind. Cor ihrer Sibreife von Kairo soll der Kronprinz dem Khedive eine Einladung des Kaisers überbracht haben, die Der Vizekönig angenommen hat; er soll seinen Besuch in Berlin und Potsdam für Juli ober August zugesagt habeu. Nach Besichtigung der weselltlichsten Sehens­würdigkeiten Griechenlands reisen die beiden Prinzen nach Konstantinopel. Im allgemeinen sollen sie ihre Reise so beschleunigen, daß sie zur Zeit der Anwesenheit deö Kaiserpaares in Rom schon dort eingetroffen sind.

Die neue Dreyfuakampagne.

Mit der Neuaufrollung des Dreyfusprozesses, die sich der französische Soziatistenführer Jaurös zur Auf­gabe gemacht bat, scheint es doch recht wackelig zu stehen. Jaurès will Die Wiederaufnahme des Prozesses durch Enthüllungen erzwingen, die sich je länger, je mehr als sehr fragwürbig Herausstellcil. Der französische Politiker behauptet, dem Kriegsgericht zu Rennes, das Dreyfus schuldig sw , sei hinter dem Rücken des Angeklagten und seiner Verteidiger insgeheini ein gefälschtes Schrift­stück vorgelegt worden, auf das hin statt eines nach dem Ergebnis der Verhandlungen unumgänglichen Freispruchs die Verurteilung erfolgt sei. Dwbei weiß aber JauröA selbst noch nicht mit Sicherheit, was dieses gefälschte Schriftstück eigentlich gewesen ist, ob es das vielerwähnte Bordereau" mit Randbemerkungen des deutschen Kai­sers, oder ob es ein gefälschter Brief des Kaisers an Treyftls und eine gleichfalls gefälschte Antwort desVer­räters" an Kaiser Will)elm lvar. Ebensowenig hat Jaurös irgendlvelche schlagenden Beweise dafür, daß bcni Kriegs­gericht derartige Schriftstücke überhaupt vorgelegt wor­den sind. Die Generale Mercier und de Saint-Germain, die von der Sache etwas wissen müßten, erklären auf if/r Wort, daß nichts dergleichen vorgekommen sei. Jaurös beruft sich auf Aussagen zweier Militärs, die in der ausschlaggebenden Minute des Prozesses ein entscheiden­des Wort zu Dreyfus' Ungunsten gesprochen haben sollen. Aber dieseGeständnisse" sind nicht ihm selbst gegenüber abgegeben worden, sondern er hat bab du nur auf Um­wegen etwas läuten hören. Es ist also höchst fraglich, ob überhaupt etwas an diesen Geständnissen ist. Unter diesen Umständen werden auch die Anhänger Dreyfus- den Wert der Jaurès'schenEnthüllungen" sehr skeptisch beurteilen müssen. Im günstigsten Falle könnte der neue Treyfus-Anwalt mit diesem fadenscheinigen Material er­reichen, daß eine Untersuchung eingeleitet würde, ob tat­sächlich den Kriegsrichtern derartige gefälschte Geheim­akten vorgelegt worden sind. Von einer solchen Unter­suchung bis zur Wiederaufnahme des Dreyfusprozesses ist dann immer noch ein weiter Weg Und wahrschein­lich ist es nicht einmal, daß es zu einer solchen Untersuchung kommt. Einstnoeilen also sind die Aussichten auf eine Wiederholung des Prozeßspektakels nicht eben groß.

preussischer Landtag.

Rerrenbaus.

5. Sitzung. Eigener Bericht.

Polnisches.

Eine Polendebatte beherrschte fast die ganze heutige Sitzung. Der Domänen- und der Forstetat wurden ohne sonderliche Debatte genehmigt. Beim Etat des Finanz­ministeriums, mit dem zugleich auch die Ostmarkenzulage beraten wurde, gab Graf Hutten-Czapski den Anstoß zu der dann folgenden Auseinandersetzung. Der Schloß­hauptmann von Posen stellte sich auf den Standpunkt der Regierungsvorlage und hieß vor allem die Erbauung des Kaiserschlosses in Posen willkommen, weil sie die häu­figere Anwesenheit des Kaiserpaares und damit eine Ver-