fet dadurch hinfällig geworden. Man verständigte sich darüber, daß noch nach Ostern, etwa vom 21. April ab, der Reichstag auf kurze Zeit — man rechnet vorläufig aus rund 8 Tage — zusammenkommen soll, um das bis dahin in der Kommission jedenfalls erledigte Krankenkassengesetz und das Phosphorgesetz zu verabschieden.
* Zur Errichtung einer Universität in Hamburg hat sich dort ein Komitee gebildet. Man rechnet auf die Freigebigkeit reicher Hamburger. Ten unmittelbaren Anstoß für die Bewegung hat ein Gerücht gegeben, daß man sich in preußischen Regierungskreisen mit dem Gedanken trage, die Universität Kiel ganz für die Marine zur Verfügung zu haben.
* In der letzten Sitzung der i t a l i e n i s ch e n D e p u tiertenkammer erwiderte der Unterstaatssekretär des Auswärtigen Bacelli auf eine Anfrage, daß sichere Nachricht n über den gegenwärtigen Aufenthaltsort des Mullah nicht vorlägen, daß der Mullah aber zweifellos weil von Benadir entfernt sei. Tre Genehmigung zur Landung der englischen Expedition in Obbia sei unter der Bedin gung erteilt worden, daß die militärischen Maßnahmen möglichst derart geleitet würden, daß der Mullah an einem Ueberfall auf Benadir gehindert werde.
* Zur holländischen Eisenbahnerbewegung wird aus Amsterdam gemeldet: Ter Ausschuß, welcher sich zur Aufrechterhaltung des Eisenbahnbetriebes während eines Ausstandes gebildet hat, verfügt bisher über 67 Lokomotivführer, die während eines eventuellen Ausstandes Dienst zu tun bereit sind.
* Ter argentinische Gesandte in Rom hat bei Schiffbaufirma' Gebrüder Ansaldo in Genua mitgeteilt daß die Panzerkreuzer „Rivadaria" und „Moreno", die zur Zeit im Bau für Argentinien sind, von der argentinischen Regierung an England verkauft worden sind. Ebenso hat Chile die für dieses Land au» den Schiffswerften von Armstrong, Mitchell u. Comp. und Wiltes Söhnc gebauten Kriegsschiffe an England verläuft.
Preussischer Landtag, haue der Abgeordneten.
83. Sitzung. Eigener Bericht.
— Ter Dortmund-Rhein-Kanal.
Debatten über Fragen der Wasserwirtschaft füllten fast die ganze Sitzung aus. Zunächst begründete der Abg. v. Dobeneck die Interpellation über die Beseitigung der Notstände in den Stromgebieten. Die Antwort hierauf wurde von dem Eisenbahnminister B u d d e verlesen. Die Regierung, so erklärte er, erkennt das Vorhandensein von Notständen in den betreffenden Stromgebieten an. Der Wunsch zur Regelung dieser Notstände wird von der Regierung geteilt, sie hofft mit den Interpellanten, daß sie möglichst schon im Jahre 1904 die entsprechenden Mittel zur Verfügung stellen könne. In der Besprechung wurden die Notstände näher beleuch- tet und allseitig die Bereitwilligkeit ausgesprochen, die zur Beseitigung der Uebelstände erforderlichen Mittel zu bewilligen. Auch die Stellung der Parteien zur Kanalvorlage wurde nebenbei erörtert. Hierauf folgte die Interpellation Beumer und Gen. betr. die Ausführung des Dortmund-Rhein-Kanals. Minister Budde erwiderte hierauf folgendes: Es ist allseitig bekannt, daß die königliche Staatsregierung die baldige Ausführung des Dortmund-Rhein Kanals als Teilstrecke des Rhein-Weser- Elbe-Kanals als notwendig ansieht. Die Staatsregierung hält nach wie vor an dieser Auffassung fest. Was die Frage anlaugt, ob die Vorarbeiten soweit abgeschlossen sind, daß die ,511 wählende Linienführung feststehe, so muß ich erwidern, daß die Linienführung noch nicht endgiltig sestgestellt ist. Denn es sind auf der bisher in Aussicht genommene Linie inzwischen sehr viele neue Werke angelegt worden, darunter auch ein Hochofenwerk. Taher habe ich eine neue Prüfung über die zu wählende Linie augeordnet. Und deshalb hat auch noch nicht mit Grunderwerb vorgegangen werden können. — Die Besprechung bot keine besonders bemerkenswerten Gesichtspunkte dar. Tie Redner der nationalliberalen Fraktion und der Freisinnigen traten mit Nachdruck für den Mittellandkanal ein.
stab und fern.
($i Prinzessin Luise von Toskana soll nach Mitteilung des Wiener Tageblattes entschlösse,! sein, in England ständigen Wohnsitz zu nehmen. Sie wolle hierdurch wenigstens ihr zu erwartendes Kind für sich retten, da ihr der Dresdener Hof die Erlaubnis, ihre Kinder wieder zusehen, endgiltig verweigert habe.
)—( Der Naturmensch Gustav Nagel, der durch seine abenteuerliche Erscheinung in ganz Deutschland von sich reden gemacht hat, befindet sich augenblicklich in arger Klemme. Er hat Palästina, wohin ihn seine Wanderlust getrieben, verlassen und ist auf der Heimreise begriffen: unterwegs ist ihm aber das Ckld ausgegangen. Zur Zeit hält er sich in Konstantinopel auf, wo er mittellos festsitzt und aus Geldsendung aus seinem Heimatsort wartet. Er hat nach Arendsee einen wehleidigen Brief gerichtet, worin er seine Not klagt. Der Naturmensch beklagt sich auch darüber, daß durch die Entmündigung seiner Tätigkeit ein Hemmschuh angelegt sei, so daß er nicht einmal in der Heimat etwas vor sich bringen könne.
£ Abenteuer eines Afsendarstellers. Das Variets Remi in Budapest war der Schauplatz eines sonderbaren Unfalles. Das Programm enthält eine „Orientalisches Va- riots" betitelte Nuinmer, in welcher ungefähr 40 Artisten zwanzig verschiedene Produktionen zu gleicher Zeit ausführen: eine derselben ist „Der Affenmensch am Bambusrohr". Dieser Tage bekam der Affenmensch ein n'ues Affenkostilm, welches er bei der Probe zum ersten Male anlegte. Mehrere kolossale Hunde, die in der Nummer mitzuwirken haben, hielten die ungewohnte Gestalt für irgend ein wildes Tier und fielen über den Mann her. D^r zu Tode erschrockene Artist flüchtete in den Zu- sckwuerraum und lief auf die Straße, gefolgt von den gereizten Tieren. Es entstand ein großer Menschenauflauf und die rasch herbeigeeilten Diener des Etablissements konnten den unglücklicluen Artisten nur mit Mühe aus den Zähnen der Hunde befreien.
() Ein Verbrecher als Stubenmädchen. In der Wohnung des Direktors der Anglo-österreichischen Bank in Budavcst. Lukacs, erftbienen mehrere Detektives und
einer derselben machte der Frau des Hauses die überraschende Mitteilung, daß ihr Stubenmädchen, das schon seit mehreren Wochen bei ihr bedienstet war, kein Mädchen, sondern ein Mann und noch dazu ein schon wiederholt ab gest rat ter und neuerlich von der Polizei eifrig gesuchter Verbrecher sei. Als das „Mädchen" unter einem Vorwande in den Salou gerufen wurde, ergriffen die Detektives sofort den Verkleideten, der gleichzeitig seine Per rücke verlor. Ter Verhaftete wurde ins Gefängnis gebracht.
1 Sturmkatastrophcn in England. In den westlichen und nördlichen Gegenden Großbritanniens wütete ein furchtbarer Sturm, wie er seit vielen Jahren dort nicht vorgekommen ist. Durch die Srärte des Windes sind viele Häuser eingestürzt, Tarier wurden heruntergerissen, Lan- dungsbrück 11 und Molen beschädigt, Fabrikschornsteine und Kirchtürme hinuntergeworfen. Viele Schiffe sind zu Grunde gegangen, darunter drei Dampfer und zahlreiche kleinere Fahrzeuge: aber die Mannschaften wurden gereitet. Wie heftig der Sturm war, geht daraus hervor, daß ein ganzer Eisenbahnzug auf der Furneß-Linie zwischen Kark und Unverston umgeworfen wurde. Der Zug befand sich gerade in diesem Augenblick auf einer Brücke und es hat nicht viel daran gefehlt, so wäre der Zug ins Wasser gefallen. 82 Passagiere wurden durch den Unfall verletzt.
(!) Ter Petersburger Hirchcuräuber verhaftet. Der Einbrecher, der in der Isaaks-Kathedrale zu Petersburg eine Briltantkrone von dem Haupte eines Heiligen bildes gestohlen hatte, ist entdeckt und festgenommen worden. Er ist der Sohn eines Priesters und heißt Alexander Kostanski. Kostanski, der früher Kanzleibeam- ter war, hakte die Brillanten nach seiner Heimat Orelje, Gouvernement Nowgorod, gebracht und sie dort in einem Keller versteckt. Ein Brief, den er an seine in Petersburg zurückgebliebene Familie richtete, führte zu seiner Entdeckung. Kriminalbeamte reisten sofort nach Orelje ab und fanden die Krone unversehrt in dem näher bezeichneten Keller.
st Die Verluste bei Dem Erdbeben in Andifhan. Die russische Regierung veröffentlicht jetzt die amtlichen Erhebungen des Gouverneurs des Terganagebiets über die Erdbeben in Andifhan. Danach sind im russischen Teile der Stadt 5, in den von Eingeborenen bewohnten Stadtteilen 1016 Personen umgekommen. In 158 Dörfern des Andishaner Kreises verloren 3342 Menschen ihr Leben. Ter Schaden in der russischen Stadt beträgt 123 zerstörte Häuser im Werte von etwa einer Million, im übrigen Teile der Stadt 9526 im Werte von etwa 6 Millionen Rubel. In der Umgebung sind ungefähr 25 000 Häuser zerstört.
— Sizilianische Räuberromantit. Der Millionär Spano, der vor vierzehn Tagen in der Nähe von Marsala auf Sizilien von Räubern entführt wurde, ist nach Zahlung von 250 000 Lire in Gold freigelasssen worden. Spano soll sein Wort gegeben haben, vor Ablauf von fünf Tagen von seiner Freilassung nichts zu sagen, um den Räubern Zeit zu lassen, ungestört aus der Provinz zu entfliehen. Die Verhandlungen mit den Räubern wurden schon seit längerer Zeit geführt, aber man hielt sie streng geheim, weil sonst das Leben des Entführten in (Wefabr gewesen wäre. Tie geringste Indiskretion, die die Behörden auf die Spur der Räuber bringen könnte, gefährdet das Leben der als Geisel zurückbehaltenen Opfer, denn die sizilianischen Briganten verstehen in solchen Dingen keinen Spaß.
Bunte Chronik. Der Förster Neubauer in Wittgen- dorj bei Zittau erlegte zwei Füchse, von denen einer mit Trichinen behaftet war.
— Aus dem Eisenbahnzug sprang die 14jährige Marie Folkenhauer aus Berlin, die zur Fürsorgeerziehung nach Fürstenwalde gebracht werden sollte, unb entkam ihren Wärterinnen. Sie wurde bald darauf in Begleitung eines wenig älteren Burschen, mit dem sie ein Liebesverhältnis, unterhalten hat, aufgegriffen und ihrer Bestimmung zu-^ geführt.
— Zu Straßburg im Elsas; wurde der Schuhmacher- meister Banke von dem Liebhaber seiner Frau, dem Buchhalter Oskar Rossmann, auf der Straße erschossen. Hoffmann tötete sich dann selbst durch einen Schuß in die Schläfe.
- Ein seltsamer Leichenfund beschäftigt die Potsdamer Polizeibehörde. Unweit der Havel wurde hoch oben auf einem Baume die stark verweste Leiche eines Erhängten entdeckt, dessen Kopf und Füße in Sackleinewand fest eingehüllt waren. Ein Verbrechen erscheint ausgeschlossen.
- Der Mädchenhändler Schillmann wird in Ostpreußen steckbrieflich verfolgt. Er nennt sich auch Chay Moritz Elie, Grutermann, Brianow, Miron, Meunier, ist russischer Untertan und mosaischer Konfession. Er verhandelt junge Mädchen unter dem Vorgeben, ihnen Gouvernantenstellen in Rußland zu verschaffen, zu unzüchtigen Zwecken.
— Während eines Sturmes kenterten bei Haugesund (Norwegen) zwei Fischerboote. Die Besatzung des einen Bootes, vier Mann, sind ertrunken, von der des cm- Deren Bootes ertranken drei Mann, während zwei gerettet wurden.
In Wien sind die Leichen der Opfer des neulichen Hauseinsturzes nach tagelanger Arbeit endlich geborgen worden.
- Zwischen zwei ungarischen ParVwlentariern Andreas Nath und Obetgefpan Hamos, fand infolge eines politischen Zwistes ein Säbelduell statt Nach einigen u» vedeutenden „Blutigen" versöhnten sich die Gegner.
Vermischtes.
)( sDcr gesundest. Wohnort Tei tschlandsZ Nach den letzten statistischen Ergebnissen üb r ne Sterblichkeitsziffern in Crrcn über 15 000 Einwohnern hat Deutsch- Wilmersdorf bei Berlin mit 14,3 Stcv befallen auf tausend Einwohner die niedrigste Sterblichkeitszifser auszu weisen, kann also mit Recht als der gesundeste Wohnort Deutschlands bezeichnet noerden, hat es doch selbst Charlottenburg, das bisher an erster Stelle stand und jetzt mit 14,9 Sterbefällen erst an zweiter kommt, überholt.
• (Der letzte Tnrmpfcifer von Danzig ! Vor einigen Tagen mürbe in Danzig der Eigentümer Ernst Behrendt beerdigt. Behrendt war der letzte „Turmpseifer". Vor Jahren war es Sitte, daß von den Türmen der ^tadt bie
halben und ganzen Stunden abgeblasen wurden. Bei Feuer durfte die Wehr erst dann in Tätigkeit treten, wenn der Turmpfeifer die Feuerglocke gezogen, bei Tag die rote Fahne ausgesteckt und bei Nacht "die rote Laterne angezündet hatte. Diese Tätigkeit hat Behrendt bis zu seiner Pensionierung ausgeführt. Seit seiner Pensionierung ist die Stelle nid)t mehr besetzt worden.
:: sDas Trinklied des MäßigkeitsapostelsZ In einem Berliner Verein „abstinenter" Studenten, die den Alkoholgenuß in jeder Form verschworen haben, trat der bekannte Schriftsteller Otto v. Seifner als Redner auf. Unter seinen sonst ganz trefflichen Ausführungen, die sich gegen das übermäßige Trinken unter den Studenten richteten, fand sich auch ein etwas wunderlicher Passus. Schlier behauptet, daß man, wie er aus eigener Praxis wisse, Trinklieder auch schreiben könne, ohne je Alkohol zu sich genommen zu haben. Die Begeisterung sei der beste Rausch. Ja, wie kann man sich denn aber für den Wein begeistern, wenn man ihn verabscheut!
jEi. tag-töniginncn.s Wenige Tage nur dauerte ihr Reich; aber sie sind stolz darauf, die beiden jungen Pariserinnen, die in jedem Jahr während der letzten Kar neralswoche von ihren Genossinnen, den Mitgliedern des Fastnachtskomitees, den Delegierten der Stadtverordneten wie den anwesenden Vertretern der Presse zu Königinnen gewählt werden. Eine wird von dein rechten, die andere von dem linken Seineufer mit der Pappdeckelkrone ge schmückt. Auf dem rechten Ufer hatten in diesem Jahre nur die Besucher des Marktes Saint-Germain das Wahl recht. Die Rivalität unter den jugendlichen Arbeiterinnen beider Erhebung auf diesen der Schönheit und Sympathie zugesprochenen Posten ist sehr stark. Gewöhnlich aber besteigen die unterlegenen Kandidatinnen als Ehren da men den Galawagen der Königin und huldigen ihr, indem sie ihr die Spitze des Fußes küssen. Auf dem linken Ufer geschah dies auch diesmal, während auf dem rechten nur eine der Besiegten sich nach einigem Sträuben zum Hof damedienst bei ihrer Kollegin herbeiließ.
□ s Ueber anonyme Briefes plaudert ein Mitarbeiter des „Figaro" und erzählt bet dieser Gelegenheit folgende Anekdote: Aurelien Scholl, der vor Jahresfrist verstorbene „König der Pariser Journalisten", saß einmal im Freundeskreise beim Mahle, als ein bekannter Finanzmann voll Entrüstung ins Zunmer stürmte und einen Brief, den er soeben erhalten hatte, auf den Tisch warf. „Denken Sie jich," schrie er, „da schreibt mir jemand einen anony men Brief, der nur die Worte enthält: „Sie sind ein Dieb?" Ist das nicht zum Rasendwerden?! Wer kann der Elende sein, der mir so etwas zu schreiben wagt?!" Scholl Hemmte sein berühmtes Monocle ins Auge, sal; sich den Brief an und sagte dann kühl: „Tas sieht ganz so aus, als wenn es der Staatsanwalt geschrieben hätte!" Ungeheures Gelächter, dem sich auch der Finanzmann nicht entziehen konnte. Als man sich wieder beruhigt hatte, nahm ein Herr, der sich nicht durch allzugroße Geistes gaben auszeichnete, das Wort und sprach: „Wenn man anonyme Briefe bekommt, muß man es machen, wie id): man öffnet sie einfach nicht, sondern zerreißt sie, -ohne sie gelesen zu haben!"
£ sDic operierte CobraZ Im Schlangenhause des Newyorker Zoologischen Gartens kann man jetzt eine Bril lenschlange sehen, deren Kopf mit einem antiseptischen Verband umwickelt ist, die Folge einer Operation, die zur Rettung des Reptils notwendig war, nachdem dieses vor kürzern im Kampf mit einer anderen Schlange von derselben Gattung durch einen Biß am Unterkiefer einen Abszeß davon getragen hatte. Vor drei Wochen gerieten die drei Cobras, eine Rarität des Schlangen Hauses, in einen Kampf, bei dem jede von den Schlangen zahlreiche Bisse erhielt; doch da Giftschlangen immun gegen ihr eigenes Gift sind, schenkte man den Wunden weiter keine I Beachtung, bis vor wenigen Tagen an dem Unterkiefer | einer der Schlangen eine Anschwellung bemerkt wurde. Die Schlange wurde unter Beobachtung der nötigen Vor- | sichtsmaßregeln aus dein Käfig herausgenommen, und es stellte sich heraus, daß durch einen Biß der Unterkiefer durchbohrt mar, was die Schwellung verursacht hatte. Die Wunde wurde desinfiziert und die Schlange wieder in den Käfig getan, doch die Schwellung wurde eher schlimmer als besser, und um nicht jeden Tag das Unge tüm aus dem Käfig herausholen zu müssen, was für die betreffenden Wärter auch einmal anders als harmlos verlaufen könnte, hat man die schadhafte Stelle des Unterkiefers heruusgeschnitten und antiseptisch verbunden; von Zeit zu Zeit befeuchtet ein Wärter den Verband mit einer Lösung, wobei er einen an einer Stange befestigten Schwamm benutzt.
?! Tragisches Ende eines Erfinders. Der 45 Jahre alte Schlosser Paul Jeschke zu Berlin hatte einen Motor zur Herstellung der stärksten Schrauben ersunden, er arbeitete schon zwei Jahre lang daran, muhte aber noch einen kleinen Fehler an der Maschine beseitigen. Inzwischen waren ihm die Geld^niltel ausgegangen, und er konnte keine neue (Geldquelle entdecken. Aus V?r- zwciflung darüber hat er sich jetzt an einem Haken der erfundenen Maschine erbänat
— Schlagen d.er Beweis. Tochter des Hauses: „Das war nicht hübsch von Ihnen, Herr Referendar: Die Torte, die ich selbst gebacken, haben Sie gestern beim Souper nicht angerührt!" — Referendar (entrüstet): „Nicht angerührt? . . . Leibschmerzen hab' ich gehabt diesen Morgen!" W. Bl.)
— Immer im Amt. Richter (der sieht, wie der bisher stumme Anbeter seine Tochter umarmt): „Endlich ein umfassendes Geständnis!"
— Kasernenhofblüten. Unteroffizier: „Ein jähriger Meier, schneiden Sie nicht so eine Medusenvisage; es gelingt Ihnen doch nicht, mich zu versteinern."
* Feldwebel: „Herr Photograph, Sie ziehen sich auf drei Tage in die Dunkelkammer zurück! Daß Sie sich aber bis dahin zu einem ordentlichen Soldaten entwickelt haben, verstanden!"
Lokales.
Gedenktafel für den 3. März.
1871. Die deutschen Truppen räumen Paris. — 1878. Der Friede zu San Stefano bei Konstantinopel beendet ™ den mffifdHürfifd)en Krieg. — Krönung Papst Leos XIII.
— 1886. Friede zwischen Serbien und Bulgarien.