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I^istttiouspreis: Die einspaltige Petitzeile für ganz Oberhessen ^ ^ ^ uMliß sonst lö Pfg.; Reklame« die Petttzeile 30 resp. 40 Pfg.

Postzeitungsliste No. 1288 a.

Reittltivn und Haupt-Expedition: Gießen, Neur.'nweg 28. Fer«ipvechauschluß Ro. 868.

Sonntag, den 1. November 1903.

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1 aus dem

2. Jahrgang.

AbounemeutSpreiS. vierteljährlich 1.20 Mark frei ins HauS.

Das Blatt erscheint täglich mittags, außer Montags.

©ratiSbeiUgen : Oberhefsische ^amilienzeit««g (3X wöchenN.)

F«r»sprech«»schiuß Nr. 86».

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IGöörßesftsch-r N«âH1er) Lok<rLtrNz<Ügeit Mole aus Höeryessenj

für die Kreise Alsfeld, Grünberg und Schotten.

Snfcrate, Bekanntmachungen re. aus dem Verbreitungsbezirk nimmt zu Originalpreisen entgegen: I. K. Eißfeller, Generalvertreter des „Boten aus dem Ohm- und Fetdathal in Groß-Felda." .

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Bekanntmachung.

Bei der am 6, 7. und 9. November 1903 im Vose der alten Kaserne am Brandplatz stattfindenden

Hr rbstkontrollversammlung

gelten aus der Stadt Gießen zu erscheinen:

Am 6* November, vormittags 9 Uhr:

Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamte der Reserve, so- wiie sämtliche Reservisten der Infanterie, welche in den Jühren 1896 und 1897 eingetreten sind.

Am 6t November nachmittags 2 Uhr:

Sämtliche Reservisten der Infanterie, welche in den Jbhren 1898 und 1899 eingetreten sind.

Am 7. Novomber, vormittags 9 Uhr:

Sämtliche Reservisten der Infanterie, welche in den Jahren 1900, 1901 und 1903 eingetreten sind.

Am 7. November, nachmittags 2 Uhr:

Sämtliche zur Disposition der Truppenteile und der Grfahbehörden entlassenen Mannschaften der Infanterie, so­wie sämtliche Reservisten der Garde, Jäger, Kavallerie, Md- und ^u^artitterte, Pioniere, Eisenbahn-, Telegraphen- und Luftschiffertruppen.

Am 9. November, vormittags 9 Uhr

Sämtliche Rffervisten des Trains (einschließlich Kran- kvluträqer), Sanitäts- und VeterinärpersonalS, Büchsenmacher- qrjisfen, Oekonomiehandwerker und Marine-Mannschaften, sowie zur Disposition der Truppenteile und Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften aller Waffen, ausschließlich Infanterie UMb die durch besondere Gestellungsbefehle dazu befohlenen LKehrleute.

Besreiunasgeiuche sind bis längens 8 Wye vor btem Appell auf dem Dienstwege (durch das Hauptmeldeamt) e-nzureichen und müssen durch die Bürgermeisterei. bezw. bei Demke 1 durch die vorgesetzte Behörde beglaubigt sein, werden arbn nur im dringendsten Notfälle genehmigt.

Die Leute haben in bürgerlicher Kleidung zu er- Wnen.

Stöcke, Schirme, Pfeifen und Zigarren sind vorher vbeMlegen.

Die Militävpahier- (Paß mit eèvgeklebter Erkosbeordnung und Führungszeugnis) müssen z;M Stelle sein.

Sämtliche Mannschaften stehen im Laufe des ganzen Montrolltages bis einschließlich Mitternacht unter dem Wili- Mg-sttz.

Gießen, den 28. Oktober 1903.

Großh. Bürgermeisterei Gießen.

Mecum .

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MA BekanKtmachuNg.

^^ 2 Die Schillerstratze zwischen Asterweg und Nord- 6^ ^^ElM- wird wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten '" ^Z.^^veM heute an bis auf Weiteres für den Fuhrwerks- und ^^ ^A FcsiHcradverkehc gesperrt.

'-' 1^1 Gießen, den 30. Oktober 1903.

Großh. Polizeiamt Gießen.

&^ " Hechler.

Disziplin.

lPvlitische SS o d) e n f rfj n n.]

■S°?»?S Tè war kein Zufall, daß Kaiser Wilhelm auf den Wällen

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tu Küstrin jenes Wort von der Disziplin sprach, das in ; witeste Kreise drang. Daß unser Kaiser von der tiefen Be- Miing der altpreußischim Disziplin durchdrungen ist, hat ' jein ganzes Leben bewiesen. Nicht zum wenigsten gemahnt ml in letzter Zeit wieder der wiederholte Hinweis auf seinen JiMmdlehrer daran, wie tief solche Tradition in seinem Jn- inrn Platz gegriffen. Der Kaiser weiß auch, daß er die Liebe seines Volkes sich in hohem Maße eben gerade durch jene Disziplin erwarb, die er zu seines Lebens mächtigstem Gmndslein machte. Und er will, daß seine Söhne durch Me gleiche Schiile gehen. Mehr als in irgend einem beut= sehen Hause gilt am Kaiserhofe die Unterorbnung des Ein- ^ine 11 unter das Ganze. Nichts bleibt den Prinzen erspart, sie stählen und zum Vorbild eiserner Pflichterfüllung lEiiidftn könnte für das Volk.

Wohin es kommen kann im Völkerleben, wenn jene Dis- ^lin fehlt, die alles Gedeihen bedingt, lehrt in unseren Tilgen ein iprechendes Beispiel: Oesterreich-Ungarn. Der greife Kaiser, dessen Leben geprüft ward wie selten emes, ^^^ hü! ßlmner seine Pflicht erfüllt und sich keine von den Auf- ^^ gib?ni geschenkt, die ihm als Herrscher zufielen. Seinem Soire aber ging jener Geist der Einheit verloren,, der _ndUg i

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ist, soll anders ein Körper von Mcyer Grone geoeiyen. cLiser- süchtig wacht jede einzelne von den Völkerschaften der Habs- burgischen Krone darüber, daß ja nicht für eine andere etwa ein scheinbarer Vorteil erwächst. Statt gemeinsam und mit vereinten Kräften vorwärts zu streben, zersetzen sie sich durch selbstsüchtiges Gezänk, durch unerquicklichen Hader. Stand erst vor wenigen Jahren der KanM der Tschechen gegen die Deutschen im Vordergründe, so hat sich inzwischen das Bild insofern gewendet, als nun die Länder der Stefans­krone Wider Habsburg aufstehen, in dem reaktionären Be­streben, Ungarn Sondertitel zu verschaffen, die entfernt auf eine weitere Lostrennung von Oesterreich hinauslaufen. Es bedurfte eines sogenannten starken Mannes aufs dringendste. Hatte Kaiser Franz Josef es zuerst mit väterlicher Milde versucht, so mußte er nun zu starken Mitteln greifen. Darum fiel auf den Grafen Tisza seine Wahl, einen Mann, dessen Rücksichtslosigkeit ebenso bekannt ist, wie seine Energie. Mög lich, daß es diesem gelingt das Land zur Disziplin 311 be­kehren. Natürlich wird es dabei ohne tiefe Spaltungen und starke Erbitterungen nicht abgehen. Aber die Völker sind wie die Kinder, welche auch in der Schule immer den Lehrer als den Feind betrachten und erst später begreifen lernen, daß er doch nur ihr bestes wollte.

Wenn irgendwo in der Welt, hat man an der Newa eingesehen, woher unsere Stärke kam. Das ganze Bestreben jener klugen Staatsmänner, die Nikolaus II. um den Zaren­thron berief, geht nur auf das eine Ziel hinaus: ein Volk zu schaffen, das fähig ist. in Erfüllung seiner Pflicht, Stra­pazen und Leiden zu erdulden, um des einen Zweckes willen, das gemeinsame Vaterland groß und stark zu sehen. Unb der Geist reifender Disziplin spricht sich schon jetzt aus in der zähen Taktik des großen Staatskörpers, die ihre jüngste Aeußerung fand in dem systematischen Vorrücken im fernen Osten und dem starren Festhalten unten auf bcm Balkan. Ein Nad greift hier ins andere. So ist es kein Wunder, wenn der russische Koloß sich wie ein Alp auf das raison­lose China legt und auf dem Balkan das Uebergewicht be- bält gegen die durch und. durch korrupte Türkei und das disziplinlose Oesterreich, das man nur deshalb einstweilen noch nicht vor den Kopf stieß, weil staatsmännische Klugheit es so befahl.

Disziplin im Einzelnen, Disziplin im Großen. Wer wollte, menn er die Geschichte betrachtet, die zwingende Ge­walt dieser Lehre leugnen? Die alte Garde des großen Korsen starb, doch ergab sich nicht. Die Historie aber weiß zu melden, daß gerade unser deutsches Volk dieser Disziplin seine ganze Größe dankt. Die Schlachtfelder von Weißen­burg und Wörth, von Gravelotte und Sedan künden mit ehernen Lettern für alle Zukunft das Lied bom Gehorsam und von Vaterlandsliebe, von treuer Pflichterfüllung und eiserner Disziplin . . .

Mas gebt in Korea vor?

Noch immer spukt in der europäischen Presse das Gespenst eines russisch-japanischen Krieges. Jetzt ist's die italienische Journalistik, die die übrige Welt das Gruseln lehren will: Während die britischen Blätter ihre anfänglichen Alarmnach­richten allmählich wieder dementieren, erklären italienische Zeitungen den Krieg zwischen Rußland und Japan für so gut wie unvermeidlich. Und sie wissen auch schon den Zeit­punkt des Beginns der Feindseligkeiten anzugeben: Im k 0 m m c n b e n Frühjahr soll's losgehen !"

Hierzu schreibt uns unser (^.-Mitarbeiter: „Wir haben auf Grund der bisher vorliegenden Meldungen und V^r ganzen politischen Konstellation bereits betont, daß ein Krieg zwischen Japan und Rußland, so sicher er für ine Zurunsi zu erwarten steht, vor der Hand recht unwahrscheinlich ist. Auch in deutschen diplomatischen Kreisen wird diese Ansicht geteilt. Und gerade gegenüber diesen neuen italienischen Alarmnachrichten, die zweifelsohne auch in der übrigen euro­päischen Presse ein Echo wecken werden, möchten mir wieder­holen: Aus den Meldungen, aus denen italienische Publi­zisten die Wahrscheinlichkeit ein.es Krieges herauslesen, ergibt sich aufs neue, daß ein Krieg zwischen Rußland und Japan vor der Hand unwahrscheinlich ist. Italienische Blätter lassen sich aus Petersburg melden:

Amtliche russische Depeschen aus Ostasien berichten, daß infolge großer Stürme die Telegraphenleitungen mit allen Gegenden des fernen Ostens gestört seien. Die Depeschen müßten mit der Eisenbahn befördert werden. Aber auch diese sei an vielen Stellen betriebsunfähig, und die Wieder­herstellungsarbeiten würden längere Zeit in Anspruch nehmen. Angesichts des Umstandes, daß man sonst nichts von Stürmen in Ostasien gehört hat, ist man, wie die fraglichen italienischen Blätter weiter versichern, in Petersburg allgemein der Ueber­zeugung, daß der Statthalter Alexejew diese Sturmschäden fingiert habe, um alle ihm unbequemen Mitteilungen über militärische Operationen mit einem plausiblen Vorwand hint­anhalten zu können. Man glaubt sogar, Alexejew habe mit größeren Truppentransporten bereits begonnen, und man will auch wissen, wohin diese bestimmt sind: Alexejew, so heißt es, ist eifrig dabei, den NordenKoreas mit^iner starken Streitmacht zu besetzen.

Das sind — wohlgemerkt — lediglich Schlußfolge­rungen der inoffiziellen Politiker an der Newa. Die italienischen Blätter, die sich diese Schlußfolgerungen

kritiklos zu eigen machen, legen aber noch besonderen Wert auf die Tatsache, daß auch die offiziellen Politiker des Zaren­reiches kein Geheimnis daraus machen, daß Rußland sich auf alle Eventualitäten im fernen Osten vorbereitet. Ja, ist denn das nicht etwas ganz Selbstverständliches, nicht feie ein­fache Pflicht der russischen Staatslenker? Gerade, daß Ruß­land sich offenkundig für alle Fälle in Bereitschaft hält, ist doch das erste Erfordernis für die Erhaltung des Friedens! Täte es das nicht, die Japaner schlügen schnurstracks los. Aber eben weil Rußland auf seine Schlagfertigkeit bedacht ist, ist die Kriegsgefahr gemildert. Rußland handelt einfach nach dem erprobten Satze, daß, wer den Frieden will, zum - Kriege gerüstet sein muß!

Einstweilen verdienen also auch die italienischen Alarm­nachrichten nicht sonderlich tragisch genommen zu werden. Wir sind der Meinung, der japanisch-russische „Konflikt" wird sich in Wohlgefallen auflösen."

Diese Information unseres Mitarbeiters wird bestätigt durch eine offiziöse Pariser Meldung, wonach Japan die Vermittelung Frankreichs zur friedlichen Schlichtung der russisch-japanischen Differenzen nachgesucht hat. Und das offiziöse französische Bureau kann auf Grund von amtlichen Mitteilungen aus Petersburg hinzufügen, daß die russisch- japanische Krise gegenwärtig ernstlich auf bem Wege sei, beb gelegt zu werden.

Die politih.

cf Sie einzig mögliche Reichsfinanzreform, meint ein W rendes Zentrumsblatt, würde eine Veränderungi des Um- lagemodus bei den Matrikulnrbeitragen fein. Es 1« uv gerecht, wenn das reiche Jamburg ebensoviel für den Kops seiner Bevölkenmg zahle, wie das arme Waldeck m j . Leider ist nicht ersichtlich, ob das Zentruinsblatt feine Säet?. Heil aus gewissen Quellen bezog oder aus eigenen >opsen schöpfte. Jni letzteren Falle hätte das Ganze wenig Be^ beutung.

S Die preußischen Minister des Innern unb der Fi­nanzen haben eine Verfügung erlassen, befolge bie Erteil­ung der Zustimmung zur Genehmigung von Gememde­beschlüssen, durch welche Steuerzuschläge über den vollen Satz der Staatseinkommensteuer hinaus oder Abwerchilugen von den vorgeschriebenen Verteilungsregeln für Stadtgememden mit nicht mehr als 50 000 Einwohnern auf den zuständigen Oberpräsidenten übertragen werden.

A Der Hanauer Handelskammerpräsident Canthal, der kürzlich in Berlin bei den verschiedeiien Ministerien wegen der Fortsetzung der Mainkanalisierung von Offenbach ab aufwärts vorstellig geworden ist, teilt mit daß er den Ein­druck gewonnen habe, daß die Fortführung der Kanali­sierung bis Aschaffenburg bereits beschlossene Sache sei. Dem Abschluß des Staatsvertrags ständen nur noch geringe Schwierigkeiten entgegen, so daß der Staatsvertrag iwon Anfang nächsten Jahres perfekt merben dürfte. Den Land­tagen würde dann die Vorlage ev. bis zum Herbst zugestellt werden, so daß mit der Durchführung der Kanalisierung be­reits in etwa einem Jahr begonnen werden könnte — Sollte da nicht doch vielleicht der Wunsch der Vater des Gedankens sein?

t Die bayerische Kammer der Abgeord­neten hat nunmehr mit 118 gegen 9 Stimmen die Er­richtung eines neuen Verkchrsministeriums für Bayern be­schlossen. Nach der Zustimmung der liberalen Partei, die noch im Finanzausschuß dagegen gestimmt hatte, war das nicht mehr anders zu erwarten.

= Die guten Polen, die für ihre vaterländischen Gefühle jede Art von Rücksicht verlangen, tun ihrerseits alles mög* liehe, um andere in ihrem heiligsten Empfinden zu ver­letzen. Die Errichtung eines Bismarck-Denkmals in Posen hat in der dortigen Stadtverordnetenverßmmilung eine hef­tige Debatte hervorgerufen. Die polnischen Abgeordneten griffen den ersten Bürgermeister Dr. Wilms auf das^Hef- tigste an, weil er das Denkmal in die Obhut der Stadt genommen habe. Außerdem sei die Beschäftigung polnischer Arbeiter und bie Aufwendung städtischer Mittel eine direkte Verletzung der Städteordnung. Durch seine Stellrmgnahme zu den Festlichkeiten habe der erste Bürgermeister den „takt­losen Bestrebungen der Hakatisten" Vorschub geleistet; er hätte besser getan, dem „hakatistischen Festesulk" fernzu- bleiben. Dr. Wilms trat diesen polnischen Fanatikern m erfreulich tapferer Weise entgegen. Er erklärte, b«^ nicht ein Pfennig zu dem Denkmal aus städtischen Mitteln ge­flossen sei, sagte, daß er es als Bürgermeister einer deutschen Stadt einfach für seine Pflicht gehalten habe, an den Ent­hüllungsfeierlichkeiten teilzunehmen, und day er diesen ^.ag zu den schönsten seines Lebens zähle. Auch eine Anzahl deutscher Abgeordneter trat den polnischen ^ormurfen icharf entgegen und wieß die frivole Verletzung deutscher befühle mit aller Schärfe zurück.

<$ Jene der „Russischen Telegraphen-Agentur zugeschrie­bene angebliche russische Note, die das Fernbleiben des Zaren von Rom motivierte, wird nunmehr als ein qanz gewöhnliches Privaitelegramm eines Moskauer Blattes nachgewresen, das weder einen offiziellen noch einen offiziösen Charakter trug. Es wäre alw die Aufreauna. die