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Freitag den 1 Mai 1903

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»rernsi^Prei S, Die cichpaltige Petttzeile für Gieß» nura Cbcrbrffai, die Jhrife Wetzlar und Marburg 10 Pfg teuft 15 Pfg.. nefUmes die Pertile 30 resp. 40 W«.

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«edâ-a und Expeditis»: Gieße» Re,e»»eß K ScnfNtr**if*lw* OH, >H

rb»«»e«e»t-prets : in Gießen, «Heblt monatlich 50 Pfz , bfé SauS gebracht 60 Ptg., durch die Past detszev ^ieNal- " jährlich Mk. 1.50.

GrattSbetlage« : Oberhesstsche ^amiltexiettei» ttößlich) CietNesfifdie Zeitschrift für Lâ«tzwirtfch»ft, Oft. mb> • •ttmbwi, sowie die Gießener Ge^eAßlnfe« (wtzcheMtttch).

Da» Blatt erscheint in ein »ertraO« »ach»at»«o-

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für Oberhessen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanie'ger für Gießen und NnMbnnz

Enihâlt alle amtlichen Bekanntmachungen der Großt,. Bürgermeiste.rei^Gießen nni^ anderer Behörden von Oberhessen

Dcut Feber Reichstag.

Schluß-Cißuncu

Elgenrc 3eri bt.

— Das Ende der Legislaturperiode. —

So hat auch „dieser" Reichstag sein Ende erreicht!

sein. Viele Personen sollen dabei getötet ober verwun- bet sein Offenbar hoffen die Bulgaren, did Türkei werde grausame Vergeltung üben, an Ihqdmtb^n natürlich, und so selbst eine allgemeine Empörung harau'b^schwö- rcu. <5 in widerwärtiges, verruchtes Pack, diese „Freu-

c DaS ^aud ist gut besucht, die Tribünen sind überfüllt. : thu Bundesratstisch ist der Reichslanzlerplap unbesetzt,

eber man weiß, daß Graf Bülow bald erscheint mit der

Heitskämpfer"!

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I,,roten Mappe"; man weiß auch, was sie birgt: die kni- j iliche Botschaft, die den Schluß des Reichstages verküu- lei Tie Debatte über das vielumstrittene ;t ranken lassen- r? o I esc t' ist lebhaft allein sie gleicht bem l :ucn Ausflackern jT cnc^ bem Verlöschen nahen Lichtes. Die ^übrer fast aller Flirteten nahmen zn kurzer Rede das Wort, gleichsam "': ol. ivollten sie noch vor Torschluß ber Wählcrschast ihre

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rifitenfarte präsentieren. Das Ende ist die An ii a h m c ber Krankenversicherun gsnovelle. joiii erscheint der Reichskanzler, das Präludiuni des Ab­schieds beginnt. Abg. v. N o rni ann dankt dem Präsi- tiiini für seine G.schästssührung in guten mie in schlim- men Tagen. Gras Ballestrem erundert in teils mihi« gen, teils marinen Worten. Ter Rcichs anzler erhebt sich, ntii die kaiserliche Botschaft über den Schluß der Legisla­turperiode £u verlesen. Ehe er das Wort nimmt, ver­lassen die Sozialdemokraten den Saal. Nach Verlesung der Botschaft schließt Graf Ballestrem die Sitzung mit einem Hoch auf den Kaiser. Jetzt geht das eigentliche Abschiednehinen vor sich. Ohne Rücksicht auf die Partei- r|d)tung schütteln sich die Reichsboten, die jetzt sämtlich a. D. sind, einander die Hände, mit bem Wunsche eines frohen Wiedersehens. Bei mie vielen mirb er ein „frommer"

Wunsch bleiben?

Die politi t

Das preußische Verwaltttugsgeseh gescheitert!

?rr> Zum zweiten Male scheint der Gesc cnlwnrf über Die Vorbildung der höheren Verwaltungsbeamten schei­tern zu sollen. Wie unser Berliner <7?. Mitarbeiter hört, nimmt man in parlamentarischen Kreisen an. bau das Herrenhaus dem Beschlusse der zweiten preußischen Kam Hier betr. die Ernennung der Regierungsreserendare sich unter keinen Umständen an schließen werde, während an­dererseits das Abgeordnetenhaus nicht nachgeben wolle. Tas Abgeordnetenhaus hatte bekanntlich beschlossen, die Regierungsreferendare sollten vom Minister ernannt wer­den. Das Herrenhaus dagegen hält an der Regierungsvor­lage fest, die die Ernennung der Regierungsreserendare bind) die Regierungspräsidenten Vorsicht. Auch ein Ver­mittelungsvorschlag, die Ernennung der Referendare den Regierungspräsidenten zn übertragen, im Falle der Nicht- ernennung b< in Beteiligten die Beschwerde beim Minister zu gestatten, fand im Abgeorduetenhause keinen Anklang und dürfte ihn auch im Plenum des Herrenhauses, dessen Kommission ihn bereits abgelehnt hat, nicht finden. So ist denn wegen einer verhältnismäßig unwichtigen Mei­nungsverschiedenheit der beiden Häuser des Landtags die so dringend nötige Reform der Vorbildung der höheren Verwaltungsbeamten wieder auf längere Zeit hinausge schoben worden!

Italienische Furcht vor bem Mullah.

[~] Mit einiger Besorgnis verfolgen die Italiener die Vorgänge im Somalilande. In römischen politischen Krei­sen ist man der Meinung, daß England, koste es, was es moUc, auf seine vom M» Lab bedrohten Kolonien im So malilande nicht v.rzichtcn, den Kampf gegen den Mullah also so lange führen wird, bis es die englische Einjlnß- sphäre im Somalilande vor ihm gesichert weiß. Anderer­seits sagen sich die Italiener, die die Verhältnisse in je­ner Gegend kennen, daß an eine völlige Besiegung des Mullah oder seiner Nachfolger durch die Veiten nicht zu denken ist. Daraus folgern sie: Wenn der Mullah erst inne geworden ist, daß er gegen die Engländer nicht amtommt, und wenn sie ihm die Streifzüge und Feindseligkeiten in ihrem Gebiet erst gründlich versalzen haben werden, wird er sich nach einem anderen Schauplatz für seine krie­gerischen und räuberischen Taten unisehen.Und^was liegt ihm da näher als das benachbarte italienische Interessen­gebiet? Schon zur Vergeltung dafür, daß die Italiener den gegen den Mullah entsandten britischen Truppen den Durchzug durch italienisches Gebiet gestattet haben, wird er in der italienischen Kolonie mit Mord und Brand hau­sen. Solche Erwägungen haben zu einer großen Abneigung der italienischen Politiker gegen jede weitere Unterstützung der engl.scheu Operationen geführt. Diese Abneigung wird i??bl auch bald in der Tcputiertenkammer und wahrschein­lich auch in den Maßnahmen der Regierung sich äußern.

Dyn^mitanschläge in Saloniki.

() Bis ..litten in die großen Städte Mazedoniens wa­gen sich die bulgarisch mazedonischen Dynamitbolde. In der Hafenstadt Saloniki sind am Mittwoch Abend eine ganze Reihe Tynamiianschläge von Bulgaren verübt wor'oell, auch soll es zu bewaffneten Angriffen gekom­men uiib die Filiale der Ottomanbank verbrannt worden

Die Vage in Marokko.

(—) Ein Einschreiten ber in Marokko interessierten europäischen Mächte gegenüber den Rebelten scheint nun doch bevorzustel.cn. Ein? Horde Risfkabylen haben die Stadt Arzila angegriffen, unb, ob wähl sie jjd) hartnäckig . ericibiate, gelang es ihnen doch, in bte <stabt zu briii ’ gen. Tic letzten Meldungen berichten von einem blutigen Straßenkanrpf, bei dem auf beiden Seiten viele Kämpfer gefallen sind. Das diplomatisch? Korps in Tanger Ijat infolgedessen sich an Spanien mit der Bitte um Eutson- buitg von Truppen zum Schutz-e der Europäer in Arzila gewandt. Hoffentlich kommen di? Truppen, die bereits nach Arzila abgegangen sind, nicht zn spät. Finden sie Gelegenheit, einzugrcisen, so mirb zweifellos auch Frank­reich und England mit der Ausschiffung von Truppen nicht warten, nnd so wäre nicht unmöglich, daß im Verfolg dies: r Vorgänge Mießlich die marokkanische Frage doch noch aufgerollt wird. x

tturze politische Nachrichten.

* Kaiser Wil he l m ist am Donnerstag Abend mit- tels Son^r.ug^ von Bückeburg nach Rom abgereist. In Hannvvc, schloß sich Graf Waldcrsee bem kaiser­lich ein Gefolge an.

Nach her licher Verabschiedung von König Viktor Ernauucl hat sich Mönig 6b narb von England am Donnerstag von Rom nach Paris begeben.

* Präsident Loubet hat die Rückreise von Algier nach Frankreich angetreten.

* Bei der Räumung des Klosters de la grande Char­treuse wurde u. a. ein Pariser Journalist von der Men^e mit Knütteln nnd Heugabel stichelt schwer verletzt. Ern Pfarrer, der angeblich die Menige aus den Journalisten gehetzt hatte, wurde verhaftet.

* Rußland tut so, als ob es täte. Aus Yokohama wird gemeldet, Rußlaud habe seine Truppen aus der mand­schurischen Provinz Sehiltgking zilriickgezogen. Eine Pro­vinz der Mandschurei der Form halber zu räumen, wird Rußland nicht zögern, die andern wird eS schon weiter be­setzt halten.

Dos und Gesellschaft.

*** Die Kaiserin wohnte auch gestern der Ver­sammlung des Vaterländischen Frauenvereins bei. Spä­ter fand die bereits augeküudigte Uebersiedelung nach dem Marmorpalais in Potsdam statt.

*** Der Kön i^ von Sachsen stattete in Mün­chen dem Nationalmuseum einen längeren Besuch ab. Im Rathause nahm er einen Ehrentrunk entgegen. Ter Prinzrcgent hat den König zum Inhaber des 15. bay­rischen Infanterie-Regiments ernannt, dessen früherer Inhaber der König Albert von Sachsen war.

*** Die standesamtliche Vermählung des Groß­herzogs von Sachsen-Weimar mit der Prinzes­sin Karoline von Reuß fand gestern Vormittag zwischen 11 und 12 Uhr im Palais der Fürstin-Mutter zu Schaum­burg-Lippe statt. Den Alt vollzog der Großherzoglich- Weimarische Staatsminister Tr. Rothe. Nachmittags um 3 Uhr fand die kirchliche Einsegnung des Brautpaares statt. Tie Trauung vollzog der großherzoglich sächsische Oberhofprediger Dr. Spinner. Unter der: zahlreich ein- getroffenen Hochzeitsgeschenken befindet sich als Ge­schenk des Kaisers ein kostbares Porzellan-Service; die Königin von Holland schenkte verschiedene Gegenstände aus chinesischem Porzellan. Der Kaiser ernannte den fürstlichen Bräutigam zum General. Bei den Feierlich­keiten führte der Kaiser, der im Residenzschtoß während seines Aufenthalts die zu diesem Behufe eigens neu ausgestatteten sogenannten Detmolder Zimmer bewohnte, stets die jugendliche Königin Wilhelmine der Niederlande. Tie Bevölkerung aus Stadt und Land bereitete dem Kaiser, wo er sich blicken ließ, die herzlichsten Ova­tionen.

♦** Tic Beisetzung des Botschafters a. D. v. Ke u dell fand unter zahlreicher Beteiligung von nah und fern in der Familiengruft zu Hohenlübbichow, seinem Heimatsorte, statt. wohin die Leiche aus dem Sterbehause in Königsberg L d. Neumark übergeführt worden war.

ist, sondern daß v i der v unifli^Ceit des einzelnen Spie­lers Gewinn ober Verl n i,i hohem Maße abhängig ist. Zum Beweise setzten sich ein Sachverständiger und der Ver­teidiger- an den Tisch des Hauses und spielten eine Partie vor. Selten ist wohl ein Spiel mit lebhafterem Interesse verfolgt worden als da hn r am grünen Tisch gespielte. Die beiden Spieler demonstrierten das Mauscheln ohne Aß so vorzüglich, daß der Gerichtshof zu ber Ueberzeugung kam. Mauscheln ohne As; ist kein Glücksspiel; der Ange klagte mürbe infolgedessen von der erhobenen Anklage freigesprochen.

ZUcinc Gerichts-Chronik. Wegen fahrlässiger Tötung in drei Fällen wurde der Kammerjäger Steifemann von Der Tortmunder Strafkammer zu 1 Jahr Gefängnis ver urteilt. Er hatte einem Kaufmann Rattengift geliefert und drei Kinder desselben, die aus Versehen davon aßen, waren gestorben. Den Kammerjägern ist es streng ver­boten, an andere Personen Gifte oder Mittel zum Vertil­gen von Ungeziefer abzugeben.

— Ter Kasseler Staatsanwalt erhob Anklage megen Betrugs gegen den früheren zweiten Direktor der Tre- bertrocknuugsgesellschast Bollmann Hannover. Die Ver­handlung findet gleichzeitig mit derjenigen gegen Schmidt um 19. Juni statt.

Nab und fern.

# Die Feier beb 100. Geburtstages des Graser v Roon fand in Gumbinnen bei dem nach ihm b? nannten Füsilierregiment Nr. 33 gestern (Donnerstag) in programmmäßiger Weise statt. Eingeleitet wurden die Festlichkeiten durch großes Wecken der Kapelle und des Trompeterkorps des Füsilier-ütegiments Nr. 33. Der kom­mandierende General Freiherr von der Goltz nahm vor­mittags eine Parade über das Regiment ab, der and) die Offiziersdeputation des schwedischen Bohuslänrcgi- ments beiwohnte, die, wie gemeldet, aus diesem Anlaß nach Gumbinnen gekomnien mar. Tann folgte Tiner im Offizierskasino nnd Festessen für Unteroffiziere uiib Mannschaften. Die Reden, die bei den verschiedenen Fei­ern gehalten mürben, würdigten die Bedeutung Roous als Reorganisator des preußischen Heeres, dem es An- fang der 60er Jahre gelang, die Grundlage zn den glor­reichen Leistungen ber Armee in den siegreichen Kämpfen der Folgezeit zn legen.

£' Das deutsche Sodom scheint Zittau ztl sein. We­nigstens behaupten das eine Anzahl dortiger Ehefrauen, Die zur Beseitigung des vielen Kneipengehens ihrer Män­ner die Einführung einer Polizeistunde wünschen. Sie (jaben sich hinter eine Anzahl Stadtväter gesteckt, die Denn anch in der letzten Ctadtgcii inberatifibuug die Sache eifrigst betrieben und verschiedene Zuschriften ver-

lasen, in denen es unter anderem heißt: „Mein srü her fleißiger Mann ist in Zittau verbummelt, er

ver-

Hus dem GerichtsFaal.

§ Eine Kartenpartie im Gericht-saal fand in Braun­schweig statt. Ein dortiger Gastwirt war angellagt, in seinem Lokal die Veranstaltung von Glücksspielen gestat­tet zu haben, insbesondere soll in seinem Lokal und mit seinem Wissen Mauscheln und Kartenlorterie g?ipich wor­den sein. Ter Verteidiger behauptete, daß Mauscheln in der von den Gästen des Angeklagten betriebenen Form, näm­lich ohne Aßzwang, keineswegs, als Hazardspiel anzusehen

trinkt und verspielt sein Geld bei K. und bei D. und verlangt dann frisches Geld von mir; verweigere ich's ihm, dann schlägt er die Kinder und wirft sie hinaus." — „In Zittau ist's freilich kein Wunder, daß die Män­ner so schlecht werden, denn die Kneipen stehen ja die ^anze Nacht auf." Ein Stadtrat erzählte: Die Frau eines Handlverksmeisters, deren Mann im Begriff stand, mit einer Kellnerin eine Vergnügungsreise zu madjen, sagte mir: „Solch ein liederliches Leben wie in Zit- tau kann es nicht leicht wieder geben; hier geht alles, ma3 auswärts nicht gefyt." Ob die Einführung der Po­lizeistunde dem Uebel steuern wird? Die Zittauer Frauen werden auch in Städten mit Polizeistunde Leidensge­nossinnen finden.

^' Die vcrkchrsfeindlichcn Löwen. Der Bau der gro^ ßeii Eisenbahnlinien, die Afrika burdjqucren sollen, Hal eine Sorte von Gegnern gefunden, welche man nicht un­terschätzen darf. Auf der Strecke von Buluwayo greifen zahlrewhe Löwen, die in dem Land bisher unbehelligt gewohnt haben, die Eisenbahnarbeiter an, weil sie ihre Ruhe zu stören kommen. Verschiedene eingeborene Erd­arbeiter sind von ihnen getötet worden, und die Bestien wollen auch die bewaffnete Macht nicht respektieren. Vor kurzer Zeit drangen Löwen in ein zur Bewachung der Arbeiten errichtetes Polizeizelt und schleppten einen Soldaten der südafrikanischen britischen Polizei von dannen.

|: Eine Stadt durch Feuer vernichtet. Die Stadt Kimball in Winsconsin wurde durch einen Waldbrond vollständig vernichtet Der Ort selbst bestand fast ganz aus Holzhäusern und da ein furchtbarer Sturm die Flammen von dem brennenden Walde in die Stadt peitschte, war an eine Rettung absolut nicht zu denken. Da die Wälder um Kimball immer noch brennen, fürchtet man, daß die Flammen auch andere Orte vernichten könnten, und hat deshalb alle erreichbare Hilfe aufge- boten. Eine ganze Armee von Arbeitern ist mit fieber­hafter Hast beschäftigt, Bäume zu fällen und alles zu zerstören, was dem Feuer zur Nahrung dienen könnte. Es ist dies nicht das erste Mat, daß ein aufblühender Crt in den Walddistrikten von Michigan und WiskonsM durch Wald^rände zerstört wurde.