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Meier Neueste NuchOtm

Kaffeler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Nummer 292

Dienstag, 20. Dezember 1921

Fernsprecher 951 und 952

11. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952

Weitere Verhandlungen in London.

An-

ee=s

Die deutsche Antwort.

Briand und Lloyd George beginnen heute vor-

bcschSstigen. In Parlamentskreisen hatte man

dauern. Briand hat in Paris bei seiner Ab-

dung getroffen wurde.

De-

leidende Vev

>ie zwangs-

ime

;n. GS ist mit der Her-

ses angewiesen sein

sollten.

Frankreich droht wieder!

legierten haben beim Ministerpntsidenten Briand angefragt, ob sie ihre am Freitag im Flotten- komitre eingebrachten Forderungen für eine französische Grotzkampfflotte von dreihundert- fünszigtausend Tonnen zurückziehen sollen.

reise erklärt, daß er wahrscheinlich Donnerstag wieder zurück sein werde. Anfang Januar soll dann der Oberste Rat znsammentreten, um über die in London besprochenen Maßnahmen einen rechtskräftigen Beschluß zu fassen.

aufschubes bieten? Wenn die Kommission diese einzelnen Angaben nicht erhält, so heißt es in der Note, und solange die Kommission diese An­gaben nicht erhalten hat, ist es ihr unmöglich, das Ersuchen der deutschen Regierung zu berück- fichtigen oder auch nur zu prüfen.

, .. lten aber auch einem aus

deren Kreisen selbst geäußerten Wunsch entspro-

Berlin, 19. Dezember. (Eigene Drahtmel­dung.) Das Reichskabinett wird sich heute mit

Frankreichs Fiottenpläne.

Sine Sensation in Washington.

(Eigene Drohttneldung.)

Washington, 19. Dezember.

Die französischen Forderungen stellen die Konferenz vor ein Dilemma des Mißlin­gens oder vor eine schwere moralische Nie­derlage. Frankreich stellt daS Problem so bar, daß, falls seine Wünsche nicht erfüllt werden, alle bereits getroffenen Verabredungen Wegfäl­len. Einer der Konferenzteilnehmer erklärte, daß die Franzosen in einer heftigen Aussprache ge­zwungen wurden, die Größe ihrer Forderungen aufzugeben. Ihre Gründe, die noch nicht mit­geteilt werden können, setzten alle Konferenzmit­glieder in Erstaunen, zumal diese Gründe kehr schwach erscheinen. Die Sitzung vom Sonn­abend wurde geschlossen, ohne daß eine Entschei-

Die Haltung der Gegner.

Engltsch-französtschs Besprechungen.

(Eigem Drahimeldung.)

London, 19. Dezenrber.

vertrag gegen etwaige zukünftige deutsche griffe, mit Frankreich abgeschlossen würde.

*

Keine Verminderung.

Briand und Loucheur find gestern auf dem Viktoria-Bahnhof in London vom Minister Chamberlain als Vertreter des auf feinem Land­sitze weilenden Ministerpräsidenten Lloyd Ge­orge empfangen worden, sowie von Sir Crewe als Vertreter des Nuswärti^n Amtes und vom Minister Sir Robert Horne, dem englischen Fi­nanzminister. Die Besprechungen zwischen

Neichswffffchastsrat

Sachliche Einwirkung auf neue Gesetze.

in anderer Form zu zahlen bereit sei. Ferner würde die französische Regie­rung eine ernstliche Erwägung der Verringerung der alliierten Truppen amRhein anstellen,

Rathenau wieder in London Fortsetzung der Besprechungen, ; (Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 19. Dezember.

Wie zuverlässig berichtet wird, sind die vo» Rathenau in London eingeleiteten nichtamtlichen Verhandlungen nicht etwa abgeschlossen oder gar abgebrochen, vielmehr wird in allernächster Zeit Dr. Rathenau weitere Besprechungen in London haben. — Wie wir erfahren, ist Rathenau am gestrigen Sonntag kurz vor Mitternacht in London eingetroffen, begleitet von Geheimrat Dr. Simons, der ihn schon auf feiner letzten Londoner Reise begleitet hat. Rathenau ist, wie das letztemal, wieder im Carlton-Hotel abgestie- §en. Auch Briand und Loucheur haben ort Wohnung genommen. Zweifellos ist die erneute Reife Rathenaus bei feiner lebten An­wesenheit mit Loucheur vereinbart worden.

Kasseler Bückerinnulig

Feier des 500jährigerr Bestehens.

Eine feierliche Stimmung erfüllt den Blauen Saal der Stadthalle mit seinem goldenen Mo­saik. Von zwei großen Kandelabern geht 8er« zenfchimmer Wer verhüllte Tafeln. Ehrendamen halten Wacht und Altgesellen der Bäcker-In­nung. Die Altgesellen tragen «Älberfchärpen und Degen. Als 1680 die Türken vor Wien lagen unid die Bäckergesellen tapfer die Schwer­ter handhabten, verlieh ein dankbarer Kaiser das Recht zum Degentragen. Die Meistersöhnr haben weiße Hemden an und stehen ums alte Zunftbanner, das 1324 gestiftet worden war. Das neue Banner, 1897 geweiht, führen die Meister. Hohe Palmen, grüne Schwingen sind lebendiger Prospekt des feierlichen Bildes. Ehrwürdig schauen die alten Zunstladen drein. Bäckermeister Walger hat glückliche Hand be­wiesen.

ursprünglich damit gerechnet, daß die Reichs­regierung noch eine Antwort an die Repa- rationskommisfion vor der Besprechung zwischen Lloyd George und Briand abgehen lassen würde. Diese Erwartung bestätigt sich jedoch nicht. Viel­mehr ist damit zu rechnen, daß eine solche Ant­wort nicht vor Mittwoch abgehen werde. Daß eine Antwort an die Reparationskommis- ton erfolgen mutz, daran besteht innerhalb der deutschen Regierung kein Zweifel. In den der Regierung nahestehenden Kreisen neigt man jetzt dazu, die Sage optimistischer zu beurteilen, obwohl man sich nicht verhehlt, daß die Franzo­sen die größten Schwierigkeiten bereiten werden.

L o n d o n, 19. Dezember. (Eigene Drahtmel- dung.) lieber die englisch-französischen Bespre­chungen wird berichtet: Frankreich gibt zu, datz die wirtschaftliche und industrielle Wiederherstel­lung Deutschlands für den englifchen Han­del «nd die französifche Reparation notwendig sei, weshalb es alle praktischen Maß­nahmen zur Wiedergutmachung der Gesamtschä- den in Erwägung ziehen will. Einer Ver­minderung der Reparationsforder-mgen an Deutschland könne aber Frankreich nicht zu stimmen, da es Deutschland jede mögliche Zahlmigserleichterung gewähre. (?)

' 1324 bis 1921. X

’ Die Kasseler Bäcker-Jnnunss, so ’ hören wir aus Obermeister Bornmanns Munde, 1 besteht bereits seit dem 19. Dezember 1824. In drei Jahren kann die Sechshundertjahrfeier be, ! gangen werden. Wenn jetzt ein fiinfhundertjäh» : ri-ges Bestehen gefeiert wird, so deshalb. Weil Landgraf Ludwig der Erste von Hessen am 16.

. Juli 1421 der Kasseler Bäckerzunft einen neuen Zunstbrief verlieh mit neuen Grundsätzen, die so bestimmend waren für die Entwicklung und Ausgestaltung der Zunft, daß vom Jahre 1421 ab erst von einer echten Zunft gesprochen wer. den kann. In diesem Jahre wurde die alte Jnnungsfahne beschafft, die seitdem das Wahr­zeichen der Kasseler Bäcker geworden ist, um das sie sich in Freud und Leid geschart haben. Das'eigentliche Gildehaus stand dort, wo sich heute das Haus KastencMgasse 18 befindet. Dort wurde auch Gericht gehalten über Handwerks- vergehen. Hessen, tote die Bäcker die ersten wa­ren, die einen Gildebrief erhielten, war einer der erstell deutschen Staaten, die eine Zunftord» nun« erließen. Das Zunftleben, wie es sich ab. spielte, ist bekannt. Wer in die Innung aufge­nommen werden wollte, mußte Bürger sein oder werden, des Handwerks würdig und ein »recht Ehekind' sein. Ausgeschlossen waren Kinder von Schindern, Gassenkehrern, Schweineschnei­dern, Zigeunern und Spiclleuten, später sogar von Gerichtsknechten, Schäfern, Feldhütern, För­stern, Totengräbern, Bädern, Müllern, Leine­webern usw. Als sich 1724 die Kasseler Bäcker­zunft weigerte, den Sohn eines Schäfers auf­zunehmen, steckte der Oberschultheiß von Kasse! fünfzig Bäckenneister in Arrest, bis sie nach, gaben. In der Murhardbibliothek befindet sich noch der älteste Gildebrief der Kasseler Bäcker vom 7. Januar 1403, während sich der fünffhun- dertjährige im Staatsarchiv zu Marburg befin­det. Interessant isst eine Urkunde im städtischen Archiv vom Jahre 1629 darüber, »wie sich ein jeder, der Dreister werden will, verhaften soll'. Ein weiterer Zimfrbrief aus dem Jahre 1764 befindet sich in der Murhardbibliothek. Wegen der Mitwirkung an einem Aufstand wurde 1384 die Gilde aufgelöst, aber 1.391 wogen Tapferkeit bei der Verteidigung Kassels gegen die Mainzi­schen und Thüringer wieder anerkannt. Aus den ältesten Zeiten ftaurmt der Berufsstolz des Handwerks, der sich bis zum heutigen Tage er­halten hast Wie die anderen Jnnnngen, wurde die Bäckerzunft 1806 durch Jerome aufgelöst. Mit der von diesem eingefWrten Gewerbefrei- beit machte man keine guten Erfahrungen. Im Jahre 1816 kam die Wiederauferstebuns und mit

einen gewaltigen Fortschritt bedeuten, wenn künftighin auch weiter unter dem Einfluß des »Sonderparlaments' unsere Sozialpolitik m e hr und wirtschaftlichen Gesichtspunkten orien­tiert werden könnte.

Im Saale harren Meister, Meisterinnen und Gesellen, Töchter und «Söhne der kommenden Dinge. Unsichtbare Musik — Meister Henkel ist i der Dirigent — hobt an. Beethoven: Die Him- ■ mel rühmen des Ewigen Ehre ...! Dann wür- , diger Gruß. Altväterlich-herzlich, ehrlich... der , Gesangverein Kasseler Bäckermeister — Lehrer , Hempel schwingt den Stab bei Mückes schö- : uem „Gott grüße Dich...!“ Der zweite Ober­meister der Kasseler Bäcker-Innung, Meister Ludwig, tritt nunmehr vor und entbietet ein ' Willkommen der großen Schar der Ebrengäste, die aus den Spitzenkreisen des Oberprastdiums» der gtegientr.g, der Polizei, der Stadtverwal­tung und sämtlicher Organisationen des Hand- Werts erschienen sind, Zeuge zu sein der Feier des hcckbtausendjährigen, eigentlich sechshundert- jährigen Bestehens der Kasseler Bäcker-Innung.

Und wieder spielt die Musik. Diesmal Mos zart... „Zauberflöte'. Der Auftakt ists für die Festrede, die Obermeister BornmaaNn, feit des verdienstvollen Simmen Tod tatkräftig am Ruder der Innung, inhaltsreich der aufmerk­samen Hörerschaft vermittelt und einen Auszug darstellt der überaus wertvollen Festschrift „Sechs Jahrhunderte Backer-Handwerk' — Dr. Wilhelm Hartmann hat mit ihrer Bearbeitung ein Werk geliefert, das einen Matz in der kul­turhistorischen Literatur über Kassel bean­spruchen darf.

cheu worden, da es namentlich für Angestellte höheren Grades, zumal für die Akademiker unter ihnen, eine sehr unerfreuliche, unerwünschte und für die Berufszukunft unerträgliche Vorstellung bedeutete, daß fiinftig bei Annahme einer neuen Stellung jedes individuelle Moment Wegfällen Und sie auf die „gerade frei werdende' Stelle des

Paris, 19. Dezember. (Eigene Drahimel- bung.) Im französischen Senat erklärte der Kriegsminister Barthou vor der Annahme des Rekrutierungsgesebes für das Jahr 1922, die

Aebnlich ist seine Einwirkung auf den Ent­wurf des ArSeitsnachweisgesetzes ge­wesen. Hier hat er zunächst erreicht, daß an der Regierungsvorlage eine sehr einschneidende Ver­änderung vorgenommen wurde. Die ..

weise Unterstellung der Angestellten un­ter den öffentlichen Arbeitsnachweis ist her­aus gestrichen und des letzteren Mitwirkung bei der Stellenvermittlung für Angestellte aus das jeweilige, dem Wunsche der Angestelttenor- ganiiationen entsprechende Bedürfnis beschräntt Worden. Ebenso ist die Vermittlung der Leh r- lingS ft eilen den Organisationen des Hand. Werks überlassen worden. Mit Leidem sind For- herungen erfüllt worden, von deren Annahs die Arbeitgeber ihre Zustimmung zum ganzen Gesetz abhängig machte!

vusnahme der Angestellt

damit auf diese Weise den Reparationen mehr minen gegenüber befinde und dLtz esU'h Geld s^ffe, sofern von England ein Garantie- feine militärifchen Kräfte nötig habe. (ff

Srouzvflfche Herrschasts-SMste.

Paris, 19. Dezember. (Eigene Drahtmel- duug.) Das Parifer „Journal" bespricht die Waspiugwner Verhandlungen und die fran­zösischen Flottenpläne und weist mit unver­blümten Worten ans die feindliche Hal­tung Englands in dieser Frage und beson­ders darauf hin, daß Englands Widerstand paf- fiver Natur fei. Das französische Programm ver­folge daS Ziel, die Herrfchaft der latei­nischen Völker aufrecht zu erhalten. Das wolle England nicht zugeben. England fei bereit, den Stillen Ozean den Amerikanern und Japanern zu überlassen, aber unter der Be­dingung, in Europa die Oberhand zu behalten. England habe deshalb sofort einen Gegenangriff unternommen, der darin besteht, datz es die voll­kommene Abschaffung der U-Boote verlangt. Frankreich müsse bt dieser Frage fest austreten.

Drei Rückfragen.

Um das Gesuch des Zahlungsaufschubs.

■ (Privat-Telegramm.)

Berlin, 19. Dezember.

Der Hauptinhalt der alliierten Reparations- Note ist vorgestern mittag V$1 Uhr in der Reichs­kanzlei mündlich der deutschen Regierung mitge- teflt worden. Im wesentlichen beschräntt er sich auf drei Rückfragen, die der Klärung der Sach­lage dienen sollen: 1. Welchen Bettag wird die deutsche Regierung im Januar und Februar zahlen können? 2. Für wie lange Zeit wünscht die deutsche Regierung den Zahlungsaufschub zu erhalten? 3. Welche Garantien kann die deutsche Regierung während der Dauer des Zahlungs- 1

vorzeitige Entlassung der Jahres­klasse 1920. die für den Monat Marz in Aus­sicht genommen fei, könne nicht erfolgen, man würde sich sonst in einer gefährlichen Lage (?) befinden, da die Jahresklaffe 1922 erst im Mai einoerufen werde. Er müsse daran er­innern, daß Frankreich sich in den Monaten I a - nuar und Februar wichtigen ZahlunqSter- " deshach alle

An die Errichtung des Reichswirtschaftsrats tls einer Kammer Wirtschafts- und sozialpoliti- her Sachverständiger wurden von Anbeginn an zahlreiche Hoffnungen geknüpft, deren Kern man jaijiit zusammenfassen kann, daß der nach rein 'arteipolitischen Ge>lchtspuntten orientierten Ge- letzesmacherei des Reichstages ein Gegengewicht in einer mitbestimmenden, sachlich arbeitenden Körperschaft geschaffen werden würde. Wenn diese Hoffnungen sich bisher nur zum Teil ver- virklicht haben, so ist die Schuld weniger beim Reichswirtschastsrat selbst, als in seinem ge­setzmäßigen Ausbau zu suchen, der zahl­reiche berechtigte Wünsche unerfüllt gelassen und namentlich den gesetzgeberischen Einfluß des Reichswirtschastsrats zu e n g gehalten hat. Bis­her ist es sowohl der Regierung wie auch dem .Reichstag immer noch möglich gewesen, eine ihnen unbequeme Mitwirkung des Reichswirt - kchastsrats, wenn nicht ganz auszuschaften, so poch in erheblichem Umfang einzuengen. Gerade oder, wenn man sich diese Grenzen seiner Ak« jionsfähigkeit vergegenwärtigt, gelangt man int« tter mehr zur Anerkennung dessen, was der Reichswirtschastsrat bisher geleistet hat.

Die Erwartung, daß er an unsere überstürzte wirtschafts- und sozialpolitische Gesetzgebung die Bremse legen, Regierung und Parlament zum mindesten veranlagen werde, die Dinge nicht in hem gewohnten Eiltempo weiter zu treiben, son- Pern sich noch eimsial durch den Kopf gehen zu sich gerade in letzter Zett an zwei wichtigen Ge­setzesvorlagen als berechtigt erwiesen. Das erste Mal hatte der Reichswirffchaftsrat Gelegenheit für solch nützlichen Einfluß bei der Schlich- «ungsordnung, die nach endloser Vorbe- taiung nun in das Stadium der parlamentari-

Vor einer Revision?

Am das Londoner Ultimatum.

(Eigener Drahtbericht.)

Paris, 19. Dezember.

Man glaubt allgemei-, daß bei der Zusam­menkunft B r i a n d s mtt Lloyd George nicht nur die Reparationsfrage, sondern auch das Verhältnis zwischen England und Frankreich be­sprochen werden wird. Ra chden Besprechungen der Ministerpräsidenten dürsten die finanziellen Sachverständigen beisammen bleiben, um Plä­ne auszuarbeiten, die dem Obersten Rat bei dessen nächster Zusammenkunst Anfang Januar vorgelegt werden sollen. Die Pariser Ausgabe des „Chicago Tribüne" glaubt bcretts Mittei­lungen über den voraussichtlichen Fortgang der Verhandlungen in London machen zu können. Danach wäre Frankreich bereit, auf das Londoner Ultimatum zu verzichten, wenn Teutfchland eine ebenso große Summe als darin vorgesehen,

scheu Beratung eingetreten ist. Die Verhandlung im Reichswirtschastsrat hat zu einer Ablehnung der Regierungsvorlage geführt, einem an sich rein negativen Ergebnis, dessen Wert aber doch darin erblickt werden muß, daß eine Umar­beitung dieser für unsere zukünftige innerpo- litifche Entwicklung enorm wichtigen Materie er­forderlich geworden ist. Man muß aber diesen erneuten Aufschub aus dem Grunde begrüßen, weil sich im Verlauf der Verhandlungen zwischen den einzelnen Berufsständen keineswegs nur zwischen Arbeitgebern und Arbeiterschaft, son­dern auch zwischen den verschiedenen Berufsver- treiungen der Arbefter selbst so erheblich grund­sätzliche und taktische Gegensätze herausgestellt haben, daß eine Beschlußschsungnur unter Ver­gewaltigung einer erheblichen Minderheit mög­lich gewesen wäre, was den gewerblichen Frie­den natürlich alles anbere denn gefördert haben würde. Aus diesem Grunde ist die vorläufige Zurückziehung des Entwurfs nur zu begrüßen, und das Verdienst hieran liegt beim Reichs- wirtschaftsrat.

Aus derselben Erwägung heraus, die die Mehrheit des Neichswirffchastsrats zu dieser Mb- änderung des Entwurfs veranlaßte, hat sie auch den erneuten Vorstoß der freien Gewerkschaften gegen das Zeitungsinserat abgewiesen. Sowohl die Forderung, daß Chiffreinseratc überhaupt verboten und sonstige Stellenanzeigen nur mit einem Vermerk des zuständigen Ar­beitsnachweises inseriert werden dürften, fiel unter den Tisch. Es ist zu hoffen, daß Regierung und Reichstag diese vom Rcichswirffchaitsrat hinemgetragenen Verbesserungen des Entwurfs best«en lassen und so dazu beitragen werden, daß der gute Ruf, dessen sich die Sachverständi- flcnfctmmer allmählich zu erfreuen beginnt, wei­ter befesttgt werde. Und rein sachlich wird es