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Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

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Nummer 291. Fernsprecher 951 und 952 Sonntag, 18. Dezember 1921 Fernsprecher 951 und 952 11. ZahrgLkH.

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Zn Stiöathmfl her Menke-Entscheidung.

(Seheimniffe.

Dsrschlcieeungöcünfte in «Her W lt.

_ Die Entscheidung der Alliierten ist noch in Dunkel gehüllt. Wer das Eine ist uns klar: Das deutsche Geslich um Zahlungsaufschub ist die Bestätigung für den Mißerfolg in Lon­don und zugleich der Beweis für beti Zusam­menbruch der Erfnllungspolitik. Wir können nicht Mehrzahlen. Selbst die nächsten Ra­ten, die am 15. Januar und 15. Februar fällig find, und die die Ententevertreter bisher schon als unaufschiebbar erklärten, können nicht ge­zahlt werden, weil nicht genügend Mittel vor­handen sind. Bei aller Anstrengung wäre cs nur möglich, hundertfünfzig bis zweihundert Millionen Goldmark aufzubringen, so daß hun­dert bis hundertfünfzig Mllionen gestundet werden müßten. Es ist hellte noch eine Ungewiß­heit, wie sich die alliierten Regierungen dazu stellen werden. Der Reichskanzler betonte in der Erklärung an die Pressevertreter, daß die Reparationskommission, besondelts die Englän­der, seinerzeit der deutschen Regierung nahe- eelegt hätten, sich mit den Geldgebern der Welt in Verbindung zu setzen. Da diese Verbindung ergebnislos geblieben ist, griff man niotgedrun- gen zum letzten Mittel, zur Erklärung der Zah- li'ngsunfübigkeit. Dr. Wirth ist trotzdem noch zu­versichtlich infolge der Mitteilung Rathenaus. die englische Hochfinanz habe bereits ein­st e s e h e n, daß die Bedingungen des Londoner Ultimatums nicht erfüllt werden könnten. Dar­aus schöpft er die Hoffnung auf eine mög­liche Milderung des Ultimatums. Wie lange es noch dauerkt kann, bis auch die alli­ierten Regierungen diesen Standpunkt einneh­men, ist allerdings eine schwer zu beantwortende Frage. Aber in dem einen Gedanken hat er recht, das das Eingeständnis der englischen Hoch­finanz ein Propagandamittel für uns ist. Un­unterbrochen müssen wir von den Alliierten for­dern, daß die Zahlungsbedingungen gemildert werden.

Zunächst ist der französische Wider­stand gegen den deutschen Antrag in der Pa­riser Presse ausaebrochen, was nach den vorher­gegangenen Andeutungen keine Ueberraschung war. Vielleicht ist die Entrüstung wirklich ernst, wenn einige Blätter schreiben, der Antrag sei nur eine List, um sich der Zahlungspflicht zu entziehen; aber sie droben Aeich, die Entente müsse Deutschland zur Zahlung zwingen. Diese falsche Vorstellung in den überhitzten französischen Köpfen ist durch die falschen Be­richte der alliierten Kommissionen entstanden, die immer wieder behaupten, die deutsche Regierung tue nicht alles, um die Finan z° läge zu bessern. Das Hauptaugenmerk der Alliierten richtet sich vor allem auf eine noch straffere Erhöhung der Steuern und rücksichts­lose Verminderung der Ausgaben. Besonders Frankreich weist gerade jetzt wieder darauf hin, daß aus dem französischen Staatsdienst firnfzigtausend Hilfsbeamte entlassen worden seien. Auch England hat der deutschen Re­gierung nahgelegt, daß die Zuschußwirtschaft in den Staatsbetrieben aufhören müsse. Im übri­gen ist Englands Politik nach wie vor geheim­nisvoll. Es zeigt sich öffentlich als einsichtig und großmütig, da es sogar auf einen Teil der deutschen Zahlungen verzichten würde, wenn Frankreich das Gleiche täte. Und doch weiß man nicht, ob hinter den Kulissen England sich ganz auf Frankreichs Seite stellt, wie es bisher immer der Fall war. England hat nickt mehr so große Eile, nachdem es die irische Gefahr be­seitigt hat und von Washington nichts mehr zu fürchten braucht.

Auch Washington hat sein Geheimnis. Wir Deutsche sind in unserer Beklemmung leicht geneigt, aus irgend einer Begebenheit, die nickt gerade gegen uns ist, etwas Günstiges heraus- zuflnden. So begrüßte man in Berlin auch die Andeutung, daß die Washingtoner Konferenz auf die Sanierung der europäischen Verhältnisse hingewirkt habe. Man hatte gleich die tröstliche Auslegung: .Wenn wir auch nicht selbst in die Weltpolitu eingreifen, so muß sich die Welt­politik doch mit uns beschäftigen, also ist das deutsche Problem eine WeltfrageJ Leider stellt sich aber heraus, daß sich die Weltsehrwe­nig um uns kümmert. Auch die Washingtoner Konferenz hat, außer einigen allgemeinen Re­benbemerkungen, nichts zu unseren Gunsten ge­tan. Ten dort vertretenen Mächten lagen drin­gendere Fragen am Herzen. Ehe die Vertreter in diesen Tagen auseinandergehen, haben sie den neuen Viermächte-Bund (Amerika, Eng­land, Japan, Frankreich) unterzeichnet, der ihre Interessen im Fernen Osten und im Sttlleu Ozean regelt. Das Abkommen gilt für zehn Jahre. Die wichtigste Bestimmung ist die, daß das englisch-japanische Bündnis aufhört. Es war wieder eine schlaue Politik Englands, als es da­mit seine Verpflichtungen abgeschüttelt hat und doch seine Interessen geschützt sieht. In einem Paragraphen heißt es nämlich, falls eine der vier Mächte gegen eine andere Macht Angriffe

plant, müssen die drei anderen gemeinsam Stellung nehmen. Durch diesen Schachzug ist Japan tn eine bedrängte Lage versetzt worden, da es am meisten von seinen seitherigen Siche­rungen aufgegeben hat. Aehnlich hat sich das Problem der Abrüstung entwickelt. Eigent­lich kann von einer Abrüstung keine Rede sein, da der militärische Teil ausgeschaltet wurde. Jeder der beteiligten Staaten stellt eine Anzahl entbehrlicher Kriegsschiffe außer Dienst, und all- verpflichten sich, für einige Jahre keine neuen Schiffe zu bauen. Da das Flottenstärke-Ver- HAtnis auf fünf zu fünf zu drei zu zwei zu eins für Amerika, England, Japan, Frank­reich, Italien festgesetzt ist, hat sich Japan wie­der in den Hintergrund drängen lassen. (Adm:- ral Kato ist deshalb bereits zurückgetreten.) Rach außen sehen die neuen Abmachungen ganz fried- lich aus. Was aber im Geheimen als Kriegs- mög-lichkeit in Betracht gezogen wird, darüber schweigt die Diplomatenkunst. K.F. Dr.

tim 6tn Zahlungsaufschub.

Keine einheitliche Beurteilung, (Privat-Telearamm.)

Berlin, 17. Dezember.

Die Beurteilung der Rote des Reichskanzlers itm Stundung der Reparationszahlungen ist auch heute noch keine einheitliche. Die immer sehr gut informierte Berliner Großfinanz sieht in ihr die Bestätigung der fett Tagen zirkulierenden Vörsenmcldunxen von dem völligen Scheitern der Londoner Verhandlungen Rathenaus. Die gleichen Kreise rechnen mit der Stundung der Zahlungsschuld durch die Entente, wenig­stens soweit die Januar- und Februar-Zahlmc- gcn in Betracht kommen. Es verlautet übrigens, daß die Antwort der Bank von England bereits seit Montag in Berlin vorlag und ihre Bekannt­gabe verzögert worden sei. In der Sitzung des Auswärtigen Ausschusses übten die Vertreter der Rechtsparteien scharfe Kritik an der Politik der Rcichsregierung. Diese Kritik veranlaßte den Reichspräsidenten in der gestrigen Sitzung des Arltestenausschuffes zu der ErNärung, der Reichstag könne erst dann auseinandergehen, wenn der Reichskanzler ein B e r t r a u e n s v o - tum erhalten habe.

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Dir Regierung wartet ab.

Berlin, 17. Dezember. (Privatielegramm.) Das Reichskabinrtt hat sich am Freitag mit dem Reparationsproblem nicht weiter bc- schüftigt, sondern will erst die Antwort auS Paris a b w a r ten. Dagegen erörterte das Rerchskabinctt am Freitag das von der Repa­rationskommission erlassene Kohlenausfuhr- verbot. Tie rückständigen Kohlenlieserungen an die Entente wurden bis Juli d. I. mit zu­sammen 1,9 Milliarden Tonnen bckanntgegebcn. Es besteht die Absicht, die F o r d c r u n g e n der Rkparationskommission in einer ausführlichen Gegrnnote zurüüzuweisen.

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Industrie und Gewerkschaften.

Berlin, 17. Dezember. (Privattelegramm) Der Reichsausschuß für die Jndustie hat in seiner gestrigen Sitzung den Bericht des Präsi­diums zur Kenntnis genommen, daß seit den letzten Besprechungen mit dem Kanzler die Frage der-Kreditbeschaffung durch die Industrie ruht, weil auf die Sondervorschläge der Industrie die Rcichsregierung nicht mehr zu- rückgekommen ist. Das Eisenbahnprojekt scheint endgültig von der Regierung abgelehntzu sein. Die Gewerkschaften haben diesen Mittwoch eine Ergänzung ihrer BorMäge auf schleunige Erfassung der Sachwerte dem Kanter überreicht.

Vor öerEntente-KoMmMon

Prüfung der deutsche« Rote.

(Eigene Drahttneldung.)

Paris, 17. Dezember.

Mitglieder der Reparationskommission erklst. ten über die deutsche Rote, für die Kommission kämen zwei Möglichkeiten Betracht: Falls die Kommission ein absichtliches Verschul­den Deutschlands feststellen würde, würde sie gezwungen sein, ein solches den Regierungen der Entente zur Kenntnis zu bringen, die über das etwaige Inkrafttreten der im Vertrage vorgese­henen Santtionen zu entscheiden hätten, oder die Kommission würde im Falle des Richtverschnl dens Vorschlägen, daß Deutschland ange- hört werden-ffe. In diesem Falle würde Reichskanzler Wirth aufgefordert werden, ge­naue Zahlen über die Zahlungsunfähigwi: des Reiches zu liefern. Die Kommisfion hätte

lediglich zu prüfen, ob die eine oder andere Ent­scheidung annehmbar ist.

Die Haltung Ser Entente.

Frankreich rechnet mit der Zahlung, (Eigene Drabtmeldung.)

Paris, 17. Dezember.

Nach dem Eingang des deutschen Ersuchens um Zahlnngsstundung hat der Finauzminister durch seinen Sekretär Abrami in dem Ausschuß der Kammer mitteilen lassen, L o u ch c u r habe die Gewißheit aus L o n d o n mit nach Paris gebracht, daß die Januar - und Februar- Raten von Deutschland an Frankreich ge­zahlt werden müssen. Damit sei die Stabili­sierung des französischen Etats für das erste Biertrlajhr 1922 gesichert. Für diese beiden Zah- lungstermine habe England die Londoner Sank­tionen als anwendbar erklärt ttttb zugesichert.

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Deutsche Darlegungen.

Paris, 17. Dezember. (Eigene Drahtmel- düng.) Der deutsche Botschafter Dr. Mayer ist gestern vom Ministerpräsidenten Briand emp­fangen worden. Er hatte Briand die Gründe auseinanderzuseßen, die die deutsche Regierung veranlaßt haben, einen Anffchub für die näch­sten Zahlungen zu verlangen. Bei den Kanr- mersozialjfien ift eine neue Anregung der deut­schen Sozialdemokraten eingegangc«, für eine Erleichterung der deutschen Retzarations- lasten einzutreten. Es hat aber den Anschein, als ob auch diesmal eine Mehrheit für einen solchen Schritt nicht vorhanden sei.

Hilst die Landwirtschaft?

Beschluß! zur Kveditaktiou, (Eigene Drahrmeldung.1

Berlin, 17. Dezember.

Der Reichsausschnß der deittschen Landwirte wendet sich gegen die Politik der Alliierten, die DeutMand zugrunde richte. Es heißt in einem Beschluß der Tagung: Wichtige landwirtschaft­liche Üebrrschußgebiete sind uns genommen. Trotzdem ist der Reichsausschuß der deutschen Landwirtschaft überzeugt, daß autzeroewöhnüche Mittel nnd Maßnahmen die deutsche Landwirt­schaft instandsetzen können, die zur Sicherstellung der Bolksrrnährung erforderliche Steiger­ung der Erzeugung aus eigener Kraft in nachhaltiger Zusammenarbeit von Ar­beitgebern und Arbeitnehmern her­beizuführen. Dieses Hilfswerk aus sich selbst heraus aufzubcmcn u. hierfür große Mittel aufzu- bringen, ist die deutsche Landwirtschaft bereit! Jeder staatliche Zwang muß ausgeschlossen blei­ben. Er hat bisher stets prodüktivhemmend ge­wirkt. Dem schon in Nutzung befindlichen Bo­den muß abgerungen werden, was irgend mög­lich ist. Die Durchführuna dieses Planes ist nur möglich, wenn die Reaierung die grundlegende Voraussetzungen hierfür fchafft: Tatsächliche Sicherung von Person und Eigentum, wirksamer Schutz des landwirtschaftlichen Be­triebes gegen störende Eingriffe, ausreichende und rechtzeitige Versorguna der Landwirtschaft mit künfttichem Dünger und anderen Produk­tionsmitteln, Maßnahmen zur Deckung deS landwirtschaftlichen Arbeiterbedarfes. Zur Ver­billigung und Erleichteruna der Nahrungs- mittelversorgung wird die Landwirt­schaft unmittelbare Verbindungen zwischen Er­zeugern und Verbrauchern nach Möglichkeit str- dern. Auf dieser Grundlage wird die deutsche Landwirtschaft alle ihre Kräfte auf das äußerste anspannen, um aus heimatlicher Erde dir Ge­sundung des wirtschaftlichen Lebens sicherzustel- len, und vertraut dabei auf die tatkräftige MU- wirkung der übrigen Berufsstände.

Kablnett-Erwettemng?

Roch keine Verhandlungen.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 17. Dezember.

DieGermania" schreibt: Im Zusammenhang mit den schwebenden Fragen des Reparations - Problems sind Gerüchte aufgetaucht, die dahin zielen, daß jetzt die Gelegenheit gekommen sei, die Frage der Koalitionserweiterung zmn Abschluß zu bringen. Diesen Gerüchten gegenüber stellt die Zentrums-Parlmnents-Kor- tcspondcnz die Tatsache fest, daß irgendwelche Berhandlnugen bezüglich einer Erwefterung der Koalition im Augenblick weder geführt werden noch beabsichtigt sind. Der Ge­danke der großen Koalition überhaupt bleibt trotzdem bestehen. Etwas mtbetcS sei es natür­lich, ob nicht das gegenwärtige Reichskabinrtt durch die eine oder andere Prrsönlichkett in nächster Zeit zu ergänzen ist. Es verlautet, daß der Wiedereintritt Rathenaus in die Re­gierung sicher sei und sehr nahe bevorstehe.

Der Zuckermarkt.

Äei» Anlaß mehr zur Beunruhigung.

In dem naehstehendcn Aufsatz ift verstiinN» lieh bargeiegt, daß in Deutschland wieder genug Jucker vorhsud«« ts, so Satz die Haus­frauen sich nicht zu daunruhieen brauchen. Der Krieg hat dem deutschen Volke die Augen darüber geöffnet, daß es in der Lebensmittel­versorgung in nicht unbeträchtlichem Maße von Zufuhren aus dem Auslande abhängig ist. Aber weniger Klarheit besteht nock immer dar­über, welche landwirtschaftlichen Erzeugnisse es nun eigentlich sind, die nicht in genügender Menge im Jnlande hervorgebracht werde» können. Vom Getreide zwar ist bekannt, daß die großen transozeanischen Agrar-Länder nicht nur Deutschland, sondern ganz West- und Mit« teleuropa besonders mit Weizen und Mais ver­sorgen. Beim Zucker hingegen herrscht häu­fig eine falsche Vorstellung, uns das ist insofern auch verständlich, als hier die Verhältnisse in den einzelnen europäischen Ländern viel ver- fchiedenartiger liegen als beim Getreide und noch dazu in den Kriegs- und Rmhkriegsjahren wesentliche Aenderungen erfahren haben, die durch den Rückgang der Erzeugung Mittel- europas und durch die Steigerung der Rohr- zuckerproduttion überseeischer Länder verursacht sind. Vor dem Kriege war Deutschland nicht nur der bedeutendste Zuckererzeuger Europas der bloß in wenige» Jahren von Rußland über« troffen wurde, sondern cs war sogar ein sehr mächtiger Zuckerexporteur, der unter anderem auch England versorgte. Run steht Deutschland hinsichtlich der erzeugten Menge in Europa jetzt zwar noch immer an der Spitze, aber es kann besonders auch infolge des Verlustes der zuckerproduzierenden Osttefle unseres Vaterlan­des an Polen zurzeit nicht mehr wie früher irgendwie nennenswerte Mengen ins Ausland ausfuhren. Die heimische Erzeugung, die in die­sem Jahre sechsundzwanzig Millionen Zentner betragt, dürfte nämlich ziemlich TefKoS

im Inlands verbraucht werden.

Sie ermöglicht dann aber auch, den Konsumen­ten soviel Ware zur Verfügung zu stellen, wie vor dem Kriege bei freier Wirtschaft verbraucht wurde. Von einem Zuckerman­gel kann also nicht die Red« sein: ein« Einfuhr aar kommt überhaupt nicht in Betracht, kurz, Deutschland ist bei diesem Nahrungsmittel wie­der unabhängig von ausländischen Zufuhren wie in der Vorkriegszeit. Und wenn gegenwär­tig eine gewisse Warenknappheit herrscht und hier und da zu unbegründeten BesorMissen Anlaß gibt, so ist das darauf zurückzuführcn, daß die ungünstigen Eisenbahn -VerkehrS- verhältnisse die Beförd»rung des Rohzucker? von den Zuckerfabriken zu den Raffinerien, und des Verbrauchszuckers von den Raffinerien zu do» Kleiichandlern nachteilig beeinflußt haben Bei der immer noch verbreiteten Neigung j»m Hamstern stürzten sich die Hausftauen, als die Ware nickt regelmäßig in den Ladengeschäf­ten eintraf, soso« auf all« irgendwie erreich­baren Mengen nnd verschärften dadurch törickt und zwecklos die vorübergehende Knapp, heit. Es ist jedock mit Sicherheit zu erwarten, daß diese nach Eindeckung des Weihnacht?« bedarfs nunmehr bald beendet sein wird. Die bedeutend bessere Versorgung der S* vöAerung mit Zucker

im kommenden Jahr

ist ausschließlich den Bestrebungen der deutsche« Landwirtschaft zu verdanken, die sich mit allen Kräften bemüht bat. wieder so hohe Ernten rote in der Vorkriegszeit zu erreichen. Und es ist ihr tatsächlich gelungen, die deutsche Produktion, die 1919/20 nur 14,79, 1920/21 noch 22,35 Mil­lionen Zentner betrug, in diesem Brtriebsjabr auf etwa 26 Millionen Zentner zu erhöhen. Was dos bedeutet, tritt angesichts des gegen­wärtigen Rückganges der Wslterzeu- gung besonders klar zutage, denn letztere, die 1920/21 fick auf 332 Mllionen Zentner belief, wird für 1921/22 auf nur 311 Mllionen Zent- ner Zucker angenommen. In schr vielen San-1 dern Europas nämlich P- und in diesem Erdteil werden achtzig Prozent des gesamten Rüben­zuckers der Welt erzeugt ist die diesjährige Rübenzuckerproduktion geringer als im Vorjahr; eine nennenswerte Steigerung bat aber außer Deutschland fein Land aufzuweisen. Daher ift cs auch nicht verwunderlich, daß Europa als Ganzes betrachtet, mit der eigenen Zuckererzeu- gung nicht auelommt und kolonialen Rohrzucker einfuhren muß. Welche lohnende Auf­gabe bietet sich da also der deutschen Land- wirtschaft, durch weitere Ertragserhöhung die europäischen Zuüerimportländer wieder wie in der Vorkriegszeit mit Ware zu versehen und dadurch zur Besserung der deutschen Handels- ttnb Zahlungsbilanz bei zutragen! Würde die Landwirtschaft wieder dazu übergehen, den Zuckeranbau zu vermehren, so würde sie guten Gewinn daraus erzielen und dann auch zur He­bung der Volkswirtschaft beitragen, da Pie