Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
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Hessische Abendzeitung
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Nummer 28 S.
Fernsprecher 951 nnb 952
Freitag, 16, Dezember 1921
Fernsprecher 951 und 952
11. Jahrgang.
Das ungelöste ZaWngspeoblem.
Basis für unsere Fi-
var Februar zusammentreten können.
In
sion soll lediglich von neuem die Sicherstel-
Zebnisse auf der deutschen VoMwinlHaft di- a " mT, #t 17
PflichLbettäge herauSgehM werden können. Daß 111119 Ger deutschen Verpftichru
ngen am
15. Januar und 15. Februar erörtert werden.
Paris verkantet: Die Reparationskommisflon tritt am Freitag zusammen. In der Kommis-
Mtt den Londoner Besprechungen befaßt sich die Sitzung laut einer Journalmeldung nicht.
London, 15. Dezember.
Ein ausländischer Diplomat erklärte in Washington, Lloyd George treffe Vorbereitungen zur Annullierung der Schulden der europäi- schon Ententemächte an England. Er werde aber die Bedingung stellen, daß Frank, reich ebenfalls auf seine europäischen Forderungen verzichte und daß die deutsche Reparation an Frankreich um dreizehneinhalb Milliarden Franken verringert werde Dazu verlautet aus französischer Quelle, daß England insgesamt sechsundzwanztg Milliarden der europäischen Schulden streichen würde, wenn eS für sich avf die deutschen Schulden verzichte. England wäre weiter bereit, Frankreich das Bor- zugsrecht auf deutsch« Zahlungen abzutreten.
nanz- und Wirtschaftspolitik zu schaffen, und diese immer mehr zu verstärken und gesunden zu lassen, kann die Lspfer rechtfertigen und erträglich machen, die nun vom deutschen Volke in schärferer Form, als je zuvor, verlang: werden! «-a»
Die Dank von England lehnt ab.
Rotterdam, 15. Dezember. (Eigene Draht - Meldung.) Der „Telegraf verbreitet gestern aSend folgende Londoner Nachricht: Die Bankvon England hat dem deutschen Ber- langen nach Einräumung eines Kredits nicht entsprochen. Dagegen wurden Deutschlands Verhandlungen mit den Alliierten nahegelegt, um die Vorbedingungen zu kurzfristigen Krediten zu schaffen. Aus Paris wirb bestätigt, dort werde am Mittwoch früh die Antwort ber Bank von Englanb auf bas deutsche Kreditrrfuchcn veröffentlicht, die in ihrem Hauptinhalt vorläufig noch ablehnend sei.
Die «Siundungsfrage.
London, 15. Dezember. (Eigene Drahtmel- düng) Die „Evening News" schlägt vor, daß die ganzen internationalen Schulden revidiert werden sollten und daß ausschließlich eng» ilscherseitS DeutflUand eine Stundung gewährt würde, um so die Befriedigung der französischen Ansprüche zu ermöglichen. Die Be- jprechungrn zwischen Briand und Lloyd George seien dazu bestimmt, über diese Fragen zu einer gemeinsamen Auffassung zu kommen.
Deutschrand muß zahlen.
Sicherstellung der deutschen Verpflichtungen. (Eigene Drahtmeldung.)
Paris, 15. Dezember.
Das Echo de Paris meldet ans London: Uebereinstimmend wird versichert, daß Deutschland nicht nur am 15. I a n u a r, sondern auch noch am 15. Febrnar aus eigenen Mitteln zahlen muß. Lediglich für die im März und April fälligen Zahlungen wurden Herrn Rathe- nau kurzfristige Kredtte in Aussicht gestellt und auch nur für diese Zahlungen sollen die Beratungen der Alliierten Gültigkeit haben. Die kommende alliierte Finanzkönferenz wird nicht
Die Kriegsschulden.
Plan eines englischen Verzichts. lEigener Drohtbertcht.)
es dabei nicht ohne auswärtige Hilfe abgehen kann, weil aus eigener Kraft Deutschland unmöglich die von ihm geforderte Summe aufzubringen vermag, hat man in einsichtigen Kreisen der Entente schon längst erkannt. Wenn man aber dort vorgibt, Deutschland helfen zu wollen, so geschieht es nicht etwa aus Mitleid
h eit sei damit schon vollbracht! Diese steht uns im Gegenteil jetzt erst bevor! Unsere ganze wirtschaftliche und finanzpolitische Situation wird durch die Regelung, die beabsichtigt ist, nicht leichter, sondern sie wird nur noch schwieriger. Lediglich die Aussicht, daß mit den
Keine VMNiarbenanIeihe.
Paris, 15. Dezember. (Eigene Drahtmeldung.) Journal des Debatts veröfsemlicht eine Erklärung des Präsidenten der Reparationskommission, Tuvois, wonach sich die Reparattons- kommission nicht mit einem Anträge über eine für DeutMand aufzunehmende internationale Anleihe von einer Milliarde Dollars be-
neuen Maßnahmen wir allmählich wieder dazu kommen, überhaupt eine Safi" " nanz- und Wirtschaftspolitik
oder aus Gerechtigkeitsempfinden gegenüber Deutschland, sondern einzig und allein aus eigenemJnteresse. Daß ein Deutschland, auf welchem die Generalhypothek des Versailler Vertrages ruht, überhaupt unfähig ist. einen ausländischen Kredit größeren Umfanges und längerer Dauer aufzunehmen, ist eine Erkenntnis, die nun auch hei der Entente durchgedrungen ist. Man scheint also diese Klausel von Ver- sailles aufgeben zu wollen, um Deutschland die Ausnahme eines internationalen Kredites zu ermöglichen. Die Wirkung freilich kommt auf das Gleiche hinaus: Für diesenigen Summen, die vor allem England und Amerika uns zur Verfügung stellen würden, müßten wir ja doch h v - pothekari sch «Pfänder auf das Reichseigentum bereitstellen Es würde sich sonach im Endergebnis um nichts anderes, als um di- Uwschreibüng der hypothekarischen Eintragungen handeln.
Man spricht von einer Anleihe in Höhe von einer Milliarde Dollar, die mit sieben Prozent zu verzinsen und in ftinfzig .Jahren zu amortisieren wäre. Mit einer solchen Anleihe hofft man eine gewisse Stabilisierung der deutschen Währung wie überhaupt der Valuten der einzelnen Länder herbeizuführen, lieber die Bedingungen einer derartigen Regelung, die einen Mittelweg zwischen einem Morawrium und einem langftistigcn Kredit darstellt, kann man sich keinen Augenblick einem Zweifel hin- Seben, daß sie außerordentlich sckw er sein teeren. Eine Stabilisierung der Valuta ist ohne das Gleichgewicht im Staatshaushalt und ohne zuschußlose Reichsbetriebe überhaupt nicht her- beizufübren. Darum erleben wir e? jetzt, daß unter dem Zwang außenpolitischer Vorgänge Reichspost wie Reichseisenbahn zu einer phantastischen Erhöhung der Tarifsätze schreiten. Durchschnittlich wird das Zwanzigfache der Friedensgebühren in diesen beiden reichseiaenen Unternehmungen verlangt- DaS deutsche Volk kann eine derartige Tarif- Politik nicht hinaehen lassen, ohne auch die ern- e! Frage an die Reichsregierung, tot» an das loment zu ttchten, ob nun auch von innen heraus die nach Lage der Dinge notwendigen Radikal-Maßnahmen zur Verringerung der A n s o a b e n durchaefühtt werden.
Auch die ganze Steuerpolitik Wird aüf Grund der Entscheidungen, die in den nächsten Tagen im Hinblick auf die Reparattonszcchlun- aen zu treffen sind, vlötzlick eine ganz andere Richtung erhalten. Wir müssen uns darauf gefaßt ma-<<n. daß gerade auch in diesem Punkte uns herbe Ueterrafdwngen bevorsteben. Eine Revisiosin des Frie^ensvettrages ist zur Stunde noch nicht zu erreichen: aber eine Revision des Londoner Ultimatums wird und muß in o.llernäLsster Zeit kommen. Damit ist gewiß auch in den Bau von Versailles eine Bresche geschlagen. Wer es wäre eine große Täuschung, wollte man nun annebmen. die schwerste Ar-
Wir müssen zahlen.
Die Verpflichtungen bleiben bestehen!
Für Jeden, der in seinem Politischen und wirtschaftlichen Urteil nicht an der Oberfläche haftet, der sich nicht von StinMiungen und Gefühlen in der Betrachtung der Wirklichkeiten der Politt und Wirtschaft leiten läßt, stand, trotz aller opttmistischen Meldungen, das eine fest, daß an der Grundlage des Reparations-Pro- blemes, an der Zahlungsverpflichtung, wie an dem Ausmaß der Schuldsumme für Deutschland nichts geändert werden wird. Wir sind auch heute noch nickt so weit, um diese wirtschaftlichen und wirtschaftspolitischen Dinge, losgelöst von der Atmosphäre Les Hasses der Kriegszeit, nur nach nüchternen, kaufmännischen und geschäftsmäßigen Gesichtspunkten zu beurteilen und zu behandeln. Nicht nur, daß für diese Dinge der Streit der Patteien in den einzelnen Ländern eine große Rolle spielt, ja, daß bei der Att der Zusammensetzung der Par- lamente die Patteien als solche sich geradezu nach der Politik von Versailles oder von London trennen Auch die einzelnen Ententeländer unter sich sind von diesem Streit der Patteien ergriffen und bilden zu dem Reparationsproblem selbst Pattei! Bei einer solchen Situation ist an eine grundsätzliche Klärung des Re- parattonsproblems, ganz zu schweigen von einer völligen Neuorientieiung zu den Grundlagen des Versailler Vettrages, nickst zu denken.
Die deutschen Zahlungs-Verpflichtungen bleiben also bestehen. Worum es sich bandelt, ist lediglich die Frage, ob die deutsche Zahlungs- fähigkeit so gestaltet und gesichert werden kann, daß mit Aussicht auf die gewünschten Er
saßt habe. Ein solcher ober ein ähnlicher Vorschlag liegt der Kommission nicht vor.
Die Wiedergutmachung.
Beratung der Reichsregierung.
(Privat-Telegramm.)
Berlin, 15. Dezember.
Das Berliner Tageblatt berichtet: Außer den vertraulichen Reffortbesprechungen fand gestern im Reichstag eine Sitzung des Reichskanzlers mit der zur Unterstützung des Reichskabi- nett» gebildeten Neunerkommission statt. Weder Dr. Ratheuau noch, wie das Gerücht ging, Stinnes, der sich ebenfalls im Reichstage aufhielt, nahmen an diesen Beratungen ieil. Auch diese Sitzung, in der Rathenaus Bericht an den Reichskanzler nochmals besprochen wurde, war vertraulich . Heute wird sich die Reichsrc- gierung wahrscheinlich in einer Kabinettsitzung erneut mit dem Reparationsproblem befchäfti- gen. Auch dürfte der Reichskanzler im Laufe des heutigen Tages die Parteiführer zusammenberufen. Die Sieichsrrgierung wird aller Wahrscheinlichkeit nach schon in den nächsten Tagen eine amtliche Mitteilung über die Repara- ttonsfrage im allgemeinen, sowie über die im Januar und Februar fälligen Reparationszahlungen im Besonderen veröffentlichen.
«
Ein Zahlungsplan $
Berlin, 15. Dezember. (Privat-Telegramm.) Man glaubt, daß in biefett Tagen eine Bekanntgabe bcs Schriftwechsels zwischen ber Reichsregierung und der Bankvon England erfolgen wird. Was Rathenaus Londoner Er- gebnis betrifft, so verlwttrt, daß man sich in London bereits mit den Arbeiten für einen bestimmten Zahlungs - Plan beschäftige. Die Meldung, der zufolge es Dr. Rathenau gelungen sei, die englische Regierung von der Un- Haltbarkeit der sechsundzwanzigprozentigen Ab- gäbe zu überzeugen» beruht aus Vermutungen.
Neue Konferenzen.
Wird auch Deutschland einmal teilurhmen? (Privat-Telegramm.)
Berlin, 15. Dezember.
Der Lokalanzeiger meldet: In englischen Kreisen beabsichtigt man eine Finanzkonferenz, die nach dem 15 Januar und vor dem 15. Februar in London oder Br fiffel tagen soll. Es besteht die Absicht, an dieser Konferenz auch Deutschland teilnehmen zu lassen. Es verlauttt, daß von englischer Seite bedingt worden ist, daß Voraussetzung für irgendwelche Abmachungen in finanzieller Hinsicht die Beseitigung der inneren Mißwirt- schast und eine Festigung der deutschen Regie- rung sein müsse. Damit würde die Frage der Regierungserweiterung wieder akut werden. In parlamentarischen Kreisen sei es kein Geheimnis, daß Besprechungen mit der Deutschen Volkspartei und der Demo- kratie wegen ihres Eintritts in die Koalition nun doch unmittelbar bevorstehen.
Die Unterhändler.
Paris, 15. Dezember. (Eigene Drahtmel- bmtg) In hiesigen politischen Kreisen verlautet, Rathenau werde demnächst zu Verhandlungen nach Paris kommen. — Briand wird die Reise nach London bereits am 18. Dezember antreten, so daß er am Montag mit Lloyd George Zusammentreffen kann. — Wie verlautet, wird Lord Robett Cecil in aller Kürze eine Reise nach Berlin unternehmen, um sich über Deutschlands Lage zu unterrichte«.
DieAuslieserungen.
Was uns an Schiffen geraubt wurde.
(Eigene Drahtmelduna.1
Paris, 15. Dezember.
Die Revarationskommission hat den Wett der deutschen Schiffe berechnet, die nach bau 1. Mai 1921 von Deutschland abgeliefert worden sind Die Kommission hat beschlossen, den Wett dieser Schiffe mtt zehn Milliarben Goldman anzusetzen und diesen Betraa abzüglich der Kosten für Lieferung, Reparaturen und Verkauf Teuffchllmd auf das Reparationskonto gutzuschreiben. Die Kommission wird einige Herren nach Berlin senden, welche die Maßnahmen treffen sollen, die zu einer Vereinfachung und Abkürzung ber Raturallieserungen führen können.
*
Feindliches Verbot.
Berlin, 15. Dezember. (Privattelegramm.) Tie Reyarattonskommisfion hat eine neue Note an bie beutsche Regierung gerichtet. Es handelt sich um nichts weniger, als ein Verbot der gesamten Kohlenansfnhr ans Deutschland ins neutrale Ausland. (U
Die Teuerung.
Vergleich zwischen In- und Ausland.
Di« feit KrtegSbewn« ansteigende ecuerttng K allen LSrrdera ist in ihren» ilmfana sehr Be». schieden. Die nectzstehcnden Ausführungen zeigen, da st Me Lander, die den Krieg verloren, an» meisten nutet der Teuerung jn leiden Haden. Dem valutaschwachen, unter wirtschaftlichen Erschütterungen und unter der foitbauernben Teuerung leidenden Deutschland wird es nur ein mäßiger Trost fein, zu hören, daß bie Steigerung der Kosten ftir die Lebenshaltung seit der Vorkriegszeit a u ch i m A u s l a n d e sich in star. fern Maße bemerkbar macht. Eine interessante Usbersicht über den Stand der Neuerung im Auslande geben die Berechnungen, die im letzten Heft der Zeitschrift „Wirtschaft und Statistik" angostellt werden. Schon während des Krieges sind nach den erwähnten statistischen 3ufatmucn* stellungen in allen Ländern von allem
bie Ernährnugskosten
stark gestiegen. In den meisten Staaten war bd Mstbluß des Krieges mehr als das Doppelte gegenüber der Vorkriegszeit für den Ernährungs-- bedars aufzuwenden. In Frankreich betrug der Teuerungsgrad im Juli 1919 das 2% fache, in der Schweiz das 2%fad)e, in Statten und Norwegen das 2ss fache, in Schweden mehr als das 3-facke; lediglich in Dänemark, Holland, Amerika und Kanada waren damals die Kosten für die Ernährung nur um fünfundstebzig vom Hundett geftiegen. Dagegen hatte sich schön in den Kriegsjahren die besonders fftoieiige Lage Oesterreicks bemerkbar gemacht. Beim Abschluß des Waffenstillstandes war in Wien schon eine Verteuerung der Lebenshaltung auf ungefähr das sochzehnfache gegenüber der Frie- denszeit festznftelln. Seit Wschlutz des Kr'.egcS werden die Verhältnisse in fast allen Ländern durch die starke Papiergeldvermehrung und die infolge des Krieges eingetretenen anormalen ökonomischen Zustände ftarf beeinflußt. Die Teuerung steigt überall, besonders stark in den Ländern, in denen der Wett des heimischen Geldes sehr geschwächt ist und revolutionäre Er- eignisse die Wirtschaft stören.
In Deutschland
waren, ebenso wie in Finnland, zu Beginn de- Jahres 1920 die Ernährungskosten auf mehr al- bas 8% fache der Friebenszeit gestiegen; in Men war zur gleichen Zeit fast sechsundvierzigmal soviel als in den Vorkriegsjahren für die Ernährung aufzuwenden. Demgegenüber waren damals bie Ausgaben für Nahrungsmittel von den während des Krieges neutralen und fendli- chen Ländern nur in Schweden, Italien und Belgien gegenüber der Friedenszeit auf mehr al? das Dreifache gestiegen; in allen anderen Staaten bewegten sich die Ernährungskosten Mischen dem ztvei- und dreifachen. Jn den darauf frl- genben Monaten machte sich die internationale Teurerungswelle überall stärker bemerkbar: In Deutfchland und Finnland Kegen die Aufwendungen für die Ernährung im Sommer des vergangenen Jahres auf das elfeinhalbfache, ht Frankreich, Italien und Belgien auf mehr als das vierfache, in England und Schweden aus fast das dreifache der friedensmäßigen Kosten. Auch in den Vereinigten Staaten von Amettka teere damals mehr als das Doppelte für die Ernährung erforderlich. In Oesterreich hatten sich inzwischen die Verhältnisse fchvrf zugeipitzt; im Oktober vorigen Jahres waren die Kosten für die Nahrungsmittel in Wien auf das drei- undsechzigfache, gegen Schluß des vergangenen JcchreS
auf das neunzigfache geftiegen. — Jn der zweiten Halste des vorige» JahreS machte sich, von Oeftetteich abgesehen, überall ein Umschwung bemerkbar. Absatzstok- kungen, Arbeitslosigkeit, Preisstürze waren zu verzeichnen. Fast alle Länder wurden von einer heftigen Wirtschaftskrise ergttsfen. Ueber- all ermäßigten sich die Aufwendungen für den notwendigen Ernährungsbedarf. Auch In Deutschland gingen die dafür erforderlichen Kosten etwas zurück. Hier tonte allerdings die Besserung nicht lange anhalten. Ein neuer Umschwung mackte sich, infolge starker Abschwäch- des Geldwertes. im Juni dieses JahreS bemerkbar. Im August waren die Ernährungskosten in Deutschland gegenüber der Frie- denszeit aus das vierzehnfache gestiegen. In den ehemals feindlichen Staaten trat dagegen die Teuerung statt zurück; in Amerika und Kanada sind die Ausgaben für Nahrungsmittel seitdem nur um ungefähr die Hälfte der Fttedenspreise gestiegen. in England ist eine Verteuerung der Ernährung auf das zweieinvicttelfache, in Frankreich auf das dreifache, in Belgien auf das vierfache und in Italien auf das viereinbalbsache -mgetreten. In den meisten übrigen Ländern erreicht der Grad der Verteuerung der Ernäh- ruugskosten nirgend das dreifache, in Holland nickt einmal das Doppelte. In Oeftetteich allerdings ging die Steigerung der Ernährungskost« schon zu Beginn dieses Jahres Über dar Hunde tt» fache hinaus. Im Zusammenbaus mit der