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Meier Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Nummer 284.

Sormabend, 10. Dezember 1921

Fernsprecher 951 und 952

11. Jahrgang

Fernsprecher 951 unb 952

Die Kasseler Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechtmal und groor ab end». Der Adonnementrprci» beträgt monatlich 6.50 Mark bet freier Zustellung in« Hau«, «u«. wärt» durch die Post bezogen 6.50 Marl monatlich einschließlich Zustellung. Bestellung-» werden rederzrir von der EeschästLstelle oder den Boten entgegengenommen. Druckerei, «erlag und Redaltion . EchlachthoMrabe 28/30. Für unverlangt eingesandte Beiträge kann die Redaktion eine Verantwortung oder Gewähr in keinem Falle übernehmen. Rückzahlung de» BezagSgeldeS oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Lieferung ausgeschlossen.

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> Hessische Abendzeitung

Aussicht auf Zahlungsaufschub.

die Höhr der Reparation binausgebcn, wie sie im Londoner Diktat festgesetzt worden ist.

S5K3S

urch die Be­schälst. Der

Zustimmung ver Vollsitzung.

in den Garantien, die englische und amerikani- kche Finanzkreise von Deutschland verlangen.

Ferner wurde ein Gesetzentwurf über Neurege­lung von Zulagen in der Unfallversiche­rung angenommen. Der Gesetzentwurf über den Verkehr mit ausländischen Zah­lungsmitteln, der die Spekulation mit Devisen einschränken soll, wird durch die Be­schlüsse des Reichsratö noch verschärft. Der ReichSrat beschäftigte sich sodann mit der Vor­lage betreffend Erhöhung der Post-, Te­legraphen- «. Fernsprechgebühren.

Englands Ausfuhr nach Deutschland.

London, 9. Dezember. (Eigene Drahtmel­dung.) Die Frage des Moratoriums soll noch den obersten Ententerat beschäftigen. Diese neue Konferenz soll aber erst Ansang des nächsten Jahres stattfindcn. Die Stundung würde nach Auffassung englischer Finanzkreise nicht nur zwei bis drei, sondern fünf Jahre in Anspruch nehmen müssen. Eine der ersten Be­dingungen an Deutschland wäre, daß das Ar­beiten der Rote >rpresse sofort ringe- teilt wird. Den Engländern liegt vor allem natürlich daran, baß die Kauflraft der deutftzen Währung wieder gehoben wird, damit Deutsch­land für den englischen Ausfuhrhandel wie­der als Käufer in Betracht kommen kann.

Berlin, 9. Dezember. (Privattelegramm.) Das Plenum des Reichsrats stimmte dem BcMutz der Ausschüffe zu. Die Eingabe des Vereins deutscher Zeit>rngsverleger wurde als erledigt erklärt. Der Reichsrat nahm sodann' noch einen Gesetzentwurf über Aenderung des Devisen steuergesrtzes an. Die Hastungsdauer des Gesetzes gegen dir Kapitalflucht wurde bis Ende nächsten Jahres verlängert. Die erhöhten Ge­bührensätze trete« am L Januar 1922 in Kraft.

Sitzung des Neichörats.

Srtsklaffen- und GedShren-Srhöhung. lPrivat-Telegramm.)

Berlin, 9. Dez.

Sachleistungen

Sachleistungen dürsten

Ausdehnung des Wiessdbener Abkommens.

London, 9 Dezember. (Eigene Drahtmel- dung.) Ueber den Gegenstand der Verhandlun­gen verlautet wenig Bestimmtes. Es kann ge­sagt werden, datz das Wiesbadener Abkommen und das interalliierte Finanzabkommen vom 13. August die Ausgangspunkte gegeben haben, aber darüber hinaus ist tatsächlich über die Stundungsfrage verhandelt worden. Die Lösung scheint bereits in großen Zügen gefun­den zu sein. Sie besteht darin, daß das W i e s- badener Abkommen auf fämtliche repa-

Die Londoner Verhandlungen.

VermehrteBesprechung der Unterhändler.Loucheur «nd Rathena« nähern sich

Die Kreditaktion.

Beteiligung der deutsche« Landwirtschaft.

Das geheimnisvolle Dimkel, das über der von unfern grotzen Berufsständen beabsichtigten Kreditattion immer noch liegt, wird, zu einem Teil jedenfalls, demnächst gelüftet werden. Wenn es sich hierbei um die Landwirt­schaft handelt, deren Beteiligung an dem großen Hilfswerk in letzter Zeit sehr in den Hintergrund getreten war, so hat die Oeffent- lichtest doch allen Grund, ihr Interesse nicht nur der Industrie, sondern gerade auch der Landwirtschaft zu schenken; denn in Wahrheit handelt es sich hier doch um den, wenn man so sagen darf, solidesten Besitz des deutschen Vol­kes, mit dem aufs vorsichtigste und behutsamste umzugehen wir gerade in diesen traurigen Zei­ten des deutschen Ausverkaufs allen Grund ha­ben. Schon aus diesen sehr naheliegenden Er­wägungen heraus mußten daher auch alle die Kreditpläne, die letzten Endes aus eine Mobili­sierung und auf eine EntnationMsterung der deutschen Landwirtschast hinausliefen, wie z. B. der Vorschlag der Zwangshypothek, bei der

energischen Druck ausgmiben. Je mehr die Ausführung und die Kontrolle des Programms in die Hand der Berufsorganisationen anstatt in die des Staates gelegt wird, um so leichter dürste es fein, auch widerspenstige Elemente heranzuholen und an der Gesundung unserer Volkswirtschaft Mitarbeiten zu lassen. -e-

Anfrage auch In Amerikas

Genf, 9. Dezember. (Eigene Drahtmeldung.) Der Herold berichtet aus New York: An der Mttwochbörse wurde bekannt, daß Deutschland außer in London auch bei einer amerikani- sch e n Bankgruppe wegen eines Kredits an­gefragt hat. Die Nachricht übte jedoch auf den Börsenkurs wesentliche Steigerungen der Mark­notierung nicht aus, obwohl verschiedene Groß­banken die Nachricht als zutreffend bestätigen.

Landwirtschaft selbst auf stärksten Wider­stand stoßen, nicht nur, weil sie den angebore­nen Selbsterhaltungstrieb jedes ländlichen Eigentümers heraussorderten, sondern nament­lich auch, weit sie alle die schweren Gefahren ins Bewußtsern riefen, die aus einer ganzen oder teiliveisen wirtschaftlichen Entfrem­dung unserer R a hrungsmittelgrund- kage erwachsen müssen.

Innerhalb der Landwirtschaft keimte daher sehr bald nach dem ersten Notruf des Reiches der Gedanft auf, daß man der Allgemeinheit als Landwirt 'keinen größeren Dienst leisten könne, als durch Erhaltung und durch Verbrei­terung der Ernälhrungsbasis. Wenn die Indu­strie ihren Verpflichtungen ans Reich durch Hergabe eines Kredits sich zu entledigen gedenft, so muß die Landwirtschaft, die unmittelbar über keinen Auslandskredit verfügt und auch nicht in nennenswertem Untfang fremdländische Zahlungsmittel besitzt, darauf ausgehen, durch Darbietung reichlicher NahrungSmtt- telmengen dem Reiche die Devisensum- men zu ersparen, die es alljährlich nur zur Er­nährung des eigenen Volkes ins Ausland ab- geben muß. So entstand bei führenden Per­sönlichkeiten der Landwirtschast der Gedanke eines großzügigen Produktionspro­gramms, das in Verbindung mit der allge­meinen berufsständigen Kreditaktion vorgelegt werden soll und über das in den dieser Tage beendeten Beratungen des Reichsausschusses Beschluß gefaßt worden ist.

Ehe und daß diese Beschlüsse zustandegekom- men sind, und zwar unter Zustimmung aller Teilnehmer, dazu hat es viel mühevoller Arbeit und mancher Kämpfe bedurft. Denn man foll fich über die Abneigung, die in zahlreichen land­wirtschaftlichen Köpfen gegen jede 'zugunsten dieser Regierung unternommene Aktion bestehl, keine Illusionen machen. Immerhin aber ist es gelungen, diese Mderstände zum allergrößten Teil zu überwinden und die Landwirtschaft heute bereits auf ein Programm zu einigen, das grundsätzlich ihre Mithilfe bei der Be- bebung der Kredit- und Geldnot des Reiches ausspricht. Die Einzelheiten werden erst ip einiger Zeit bekannt werden, aber so viel kön­nen wir heute schon sagen, daß die Landwirt­schaft ihre Bereitschaft bekunden wird, die Pro« duktion mit allen Mitteln zu steigern und zu diesem Zwecke auch persönliche Opfer zu brin­gen. Denn so erwünscht eine Teilnahme vom Reich und von den Ländern bei der Aufbrin­gung der für die Urbarmachung von Oedländereien und für die Mehrpro­dukt i oft' der einzelnen Betriebe erforderli­chen Mittel fein würde: die Hauptlast mutz auf die Landwirtschaft selbst fallen, weil man fonjt in der Oesfentlichkeit sich fchwer dazu entfchlie- ßen würde, eine wirfliche Tat, ein Opfer der Landwirtfchast anzuerkennen

Der vielfach, namentlich bei der städtischen Bevölkerung und bei der Arbeiterschaft noch verbreitete Glaube, datz sich in der Landwirt­schaft der schlimmste Beruföegoismus verkör­pert, dieser Glaube muß und kann bei dieser Gelegenheit widerlegt werden. Davon sind auch die Führer der deutschen Landwirt­schaft überzeugt, die ihre Bernfsgenos- fen Wohl besser kennen dürsten, als die große Mehrzahl der Außenstehenden, und die wohl wissen, daß es neben der großen Masse der Landwirte, die ihre Pflichten gegen die Allge­meinheit Wohl kennen und zu erfüllen bereit sind, auch Elemente gibt, die einen mehr oder weniger energischen Stoß in dieser Richtung wobt vertragen können. Es 'ist daher auch gar nicht gesagt, datz man es im Rahmen des so­genannten Prod'ikttonSProgrgmms mit giften Zureden an die säumigen «anvtoirte bewenden lassen wird, anstatt, wenn rs sein muß, einen

Der Reichsrat hielt am Donnerstag abend unter dem Vorsitz des Ministers Giesberts eine öffentliche Sitzung ab, in der zunächst das neue Ortsklaffenverzeichnis nach der Re­gierungsvorlage entfprechend den Beschlüssen des Msfchuffes angenommen wurde. Ange­nommen wurde weiterhin ein Gefetzentwurf, wonach die Wahlen nach der Reichsverstche- rungSordnung auf ein Jahr verschoben wurden.

rationsberechtigte Ententestaaten ausgedehnt wurde, mit anderen Worten: Deutschland würde also in großem Umfange von Barzahlungen be­freit werden und feine Verfailler Reparations­verbindlichkeiten zum größte» Teil in Form von erfüllen können. Diese aber aus keinen Fall Über

Deutsche Industrie und Banken.

Rotterdam, 9. Dezember. (Eigener Draht­bericht.) DerCourant" meldet aus London: Loucheur ist mit bestimmten Vorschlägen des ranzöstschcn Kabinetts nach London gekommen. DieTimes" schreibt, datz nutzer Rathenau zur Zeit noch sieben Vertreter deutscher Banken und Jnduftrieunterneh- mungen in London sich aufhalten. Die SOrierigkeiten der Lage liegen darin, daß Deutschland die erste State bejahten mutz, sowie

Ausficht auf Stundung.

London, 9. Dezember. (Eigene Drahtmel­dung.) Sollte das Wiesbadener Abkommen au alle alliierten Länder angewendet Werben, dann würde die Lieferung von Waren den Eng­ländern gegenüber ein Entgegenkommen be­deuten müssen, umgekehrt müßten aber die Engländer in der Frage des interalliierten F i. nanzabkommens vom 13. August in ge­wisser Beziehung nachgiebig fein. Tiefes Fi­nanzabkommen regelt die Prioritätsftage der ersten deuffchen Zahlung, wovon Belgien für die Höhe der Besatzungskosten im Rheinland entfchädigt wurde, aber auch England befonberS günstig wegkam. Dieses scheint die Grundlage der alliierten Verständigung zu fein, auf wel­cher es zu der «rotzen Siundungsftage gegen­über Deutfchland kommen würde. Diefer Stun­dung der baren Reparationszahlungen foll das englifche Kabinett betest Z zugesttmmt haben. Trotzdem foll aber an der Bezahlung der ersten Rate, die nach Abzug der Sachleistungen noch vierhundert Millionen Goldmark beträgt, unter allen Umständen festgehalte» werden. Palt Mall Gazette berichtet. Herr Rathenau werde nach Deutfchland die Verficherung mitnehmen, daß bas Morattftrum seitens bet Entente be­willigt werden wird.

wegen da und sind alle mit den Adressen der glückliche» Besitzer versehen. Die Kauspanif hatte aber

auch das Bürgertum, das Leine Volk und vor allem dieGescheer- ten*. mit den Truhen voller Papierscheinen ergriffen. Irgendwie hat es sich in der einsti­gen Residenz von Mund zu Mund herurnge- prochen, daß die Preise bis zum Frühjahr ins Ungemessene steigen und dann plötzlich fallen werden. Es handelt« sich also darum, .sich bis dahin mit allem Lebensnotwendigen einzubek- ken, und die Pessimisten möchten sich am lieb­ten auf Jahre hinaus sichern. Da drängt« sich täglich durch die alten lieben Tore eine un­glaubliche Menschenmasse, die Geschäfte wurden icstürmt, lange Polonäsen, die an die trost­losesten Kriegszciten erinnern, bildeten sich, man weiß nicht wie, und Polizisten mußten Ordnung schassen und dafür sorgen, daß immer nur eine bestimmte Zahl von Menschen auf ein­mal in die Läden eingelassen wurden. Am chlimmsten steht es nun in den Schuhwaren. Handlungen aus, die gebräuchlichsten Nummern sind überall vergriffen, und alle Preise werden bereitwillig und ahne Mu«en bezahlt. Die Hausfrauen decken sich mit Kaffee, Kakao, Fett, Reis und Mehl ein, und wie ein Schwindel er­greift es sie, wenn sie an allen schwarzen Preis­tafeln die sprunghaften Steigerungen sehen, und es ist, als müßten sie den ganzen Laden zusam- menkausen und mit nach Hause schleppen. Ueber- all sind die Vorortzüge, namentlich die,

die vom Lande

uarfj München fahren, zum Bersten voll. Schwer, mit Taschen, Rucksäcken unb Koffern beladen, kehren die Bauern in ihre Höfe zurück. Sie haben so lange das Geld in ihren Schrän­ken festgehalten, und nun fürchten sie, es könnte als leeres Papier in ihren Händen zurückblei­ben; so taufen sie, was ihnen zu Gesicht kommt, Kleider, Stoffe, Bänder und Spitzen. Spielwa-i rett und glitzernde WeihnachtSsachen für ihren Ehristbaum. So jagte ein Novembertag den anderen, vo-r den Toren wartete der WeihnachtS- monat mit Rauhreif, Lichtern und goldenen Sternen imb möchte h-ineindringen in das heiß

Kredit von England?

Kein großes Vertrauen der Banken.

(Eigene Drcchttneldung.)

London, 9. Dez.

In London war gestern das Gerücht verbrei­tet, daß Deuffchland bett erbetenen Ärebit von sünfunbzwanzig Millionen Pfnnb Sterling zur Bezahlung der beibett nächsten Raten von den Banken bet City erhalten werde. Amtlich fei indessen nur foviel bekannt, baß ble englischen Finanzkreife fortfahren, bie Möglichkeit einer An- leihegewähnmg an Detttschlanb zu prüfen. Bisher fei von einem bestimmten Betrag nicht bie Rebe gewefen unb außerbem fcheint das Vertrauen bet englischen Bankkreife in bie deutsche Zahlungsfähigkeit nicht groß $u fein. Rathenau, der noch in London weilt, wirb wahrscheinlich bie Möglichkeit haben, mit Lou cheur zu verhanbeln. Loucheurs Besprechungen ollen itt erster Linie die Grunblagen vorberei- ten für ritte für bie allernächste Zeit ins Auge gefaUe interalliierte Konferenz über das ge- omte Reparationsproblem.

London, 9. Dezember. Eigener Drahtbericht.) Heber bie Besprechungen itt London kann fol­gendes mitgeteilt werden: Loucheur ist in dem gleichen Hotel wie Rathenau a&geftü^, gen, nämlich im Carlton, und seine Zimmer M finbett sich in demselben Stockwerk. Rathenau hat gestern abend Loucheur einen Besuch abge­stattet, den er ihm wohl schuldig war, nachdem Loucheur es ihm so leicht gemacht hatte. Es wird versichert, datz die Unterredung der briden Her­ren sich auf Höflichkeitsbezeugungen befchränkte. Sie würden aber kaum zu biefettt Zweck ausge­rechnet nebeneinander Zimmer belegt haben. Auss?r der Besprechung, bie Loucheur gestern mit bem englischen Finanzminister Sir Robert Hor- ue führte, hatte der stanzösifch« Minister auch mit Lloyd George eine petfönliche Unterre­dung und zwar auf dessen Landgut. Diefe Be- fprechungeu mit dem englifchen Ministrrpräfl- hetttett fallen heute fortgesetzt werden. Auch Brabbury ist triebet in London und er hat bett Unterredungen zwischen Lloyd George unb Sir Robert Hörne ebenfalls beigewvhut.

Kaufwut in München.

Das eUgetneine Valutafieber.

Wkrin fast aU«»G«geudcnDeutschlands, so wurde im November auch bie Müncvouer «BeMliet« e"S von der Äaafiottt erfaßt. Darüber schreibt *»l" Berichterstatter foigenbe S-tzUderung, Im November raste das Valutafieber durch das behagliche liebe München, daß in ihm äl.e Pulse schlugen und das Her, wie wild in de» cSten Manern hämmerte. Es lief durch die brei­ten vornehmen Straßen, durch die engen, krum­men Gäßchen, in bett entlegensten Winkel, bis in die Vororte, wo die Häuser süh in Gärten und im Waldesgrün verstecken, kein schützendes Dach, kein freundlich rauchender Kamin wurde übergangen. Di« Menschen wurden aus ihrer behaglichen Häuslichkeit heraus gehetzt und in Scharen zusammengetrieben, und alle. Große und Kleine. Arm« und Reiche, drängten ins Innere der Stadt, in die Geschäfte und hatten nur noch den einen Gedanken und ein Ziel, al­les verfügbare Geld flüssig zu machen und es tn Waren, die man sehen und betasten kann, zu verwandeln. Diese Kaufwut war wie ei­ne Hypnose, von der sich keiner frei mache« konnte. Alle waren von ihr besessen, selbst die, di« im Kriege jahrelang ohn« zu murren, ge­hungert und gedarbt haben.

Die Ausländer taufen:

Franzosen, Engländer, Schweizer, Holländer, alles wohlgefleidcte, sicher austretende, valuta- stark« Kaufleute, die sich wie ein Heuschrecken­schwarm über das an Kunst und Geschmack reiche München gestürzt haben. Freilich so trostlos wie in dem völlig ausgerauvten Wien sieht es hier nicht ans; die Rot ist noch nicht so groß, und trotz aller lockenden Anzei­gen gelingt es den Fremden nur selten alte ererbten Familienbesttz, unersetzliche Kulturgü­ter von Privaten zu erstehen. Wer tn allen Geschäften sieht und erkennt man sie. Ohne nach, dem Preis zu fragen, lassen sie in den Kunsthandlungen Dutzende von Gegenständen zufommenstellen, kaufen, ohne sich um di« Me- terzahl zu kümmern, ganze Ballen von Stof­fen oder kostbaren Spitzen, Damenroben, Her­renanzüge und zahlen dann in Bausch und Bo- ßrit. Mßt den Ausländern um die Wette kaufen die neuen Reichen, die S ch i e b e r, die ihr Geld unterbringen möchten und denen es ganz gleichgültig ist, ob sie es in Flügeln, Kla­vieren, Billards oder Schreibmaschinen anle­gen. Man könnte sich jetzt von früh bis spät in München die Biene ablaufen, es wäre unmög­lich, irgendwo noch ein Klavier, ein« Schreib­oder Nähmaschine aufzutreiben. Sehen kann man biefe Kostbarkeiten in allen einschlägigen Geschäften, sie stehen aber nur des Dekorums