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Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung
Nummer 281.
Fernsprecher RI und 952
Mittwoch, 7. Dezember 1921
Fernsprecher 951 und 952
11. Jahrgang.
Plünderungen in Berlin und Wien.
Die Preissteigerung.
Matzuahmen der Regierung.
Bon einer der Reichsregierung nahestehenden Stelte wird uns geschrieben: Wenngleich die in der ersten Hälfte des November erfolgte starte Entwertung der Mark eine Steigerung der vom Ausland kommenden R o h- stoffpreise herbeigeftihrt hat, so wird sich dies im Kleinhandel erst später geltens machen, wenn neue teurere Waren zum Verkauf tarnen. Sollte sich aber die Mark erhwitch bessern, dann könnte vielleicht eia Ausgleich geschaffen werden. Nun ist ja volkswirtschaftlich und kaufmännisch ein gewisses Anziehen der Preise buch schon in der Zwischenzeit insofern gerechtfertigt, als Angebot und Nachfrage, aber auch ein kaufmännisches Risiko die Preise diktieren Der Kaufmann uiuß mimerhin damit r«hnen, daß die Preise durch Steigen der Mark auch wieder automatisch herabsinken, und daß er alsdann mit seinen Preisen ebenfalls wieder nachgeben muß. Das ist ein um so größeres Risiko, je größer seine LagerbestLnde sind. Hat er nur ein kleines Lager, so wird dieses bald aufgebraucht sein und Verluste werden für ihn nicht eintreten. Hat er aber größere Lagcrbc- ftände, so bleiben ihm diese, sobald die Konkurrenz mit billigeren Angeboten auf dem Markt erscheint, liegen. Um hier also einen Ausgleich zu finden, hat es wohl eine gewisse Berechtigung, wenn nach der Entwertung des Geloes die Warenpreise anziehen. Wo dieses Anziehen aber jeweils sofort mit dem Börsenbericht Lber den Stand der Mark eintritt, wie das ja leider im November in ganz Deutschland in zahlreichen Fällen eingetreten ist, da liegt zweifellos gewmnsüchtigr Absicht und Spekulatton vor
Run haben wir während des Krieges, als Deutschland von außen abgesperrt war und lediglich geringe Mengen über die neutralen Ranostaaten noch beziehen konnte, ja leider ,o viele Stadien des Wuchers und der Preistreibereien für alle wichtigen Gegenstände des täglichen Gebrauchs erlebt, daß auch die Regierung nicht an dieser Tatsache Vorbeigehen konnte, sondern im Interesse der Erhaltung der inneren Ruhe direkt mit ge vtzeberischen Maßnahmen eingreifen mußte. Es wurden da vor allem Gesetze gegen den Schleichhandel, den Kettenhandel uns die Preistreibereien erlassen. Aber sie hatten im großen Ganzen nur wenig Erfolg, weil sie in der Hauptsache nur Geldstrafen vorsah und diese kein abschreckendes Mittel bildeien. Deshalb hat sich die Retchsregierung neuerdings veranlaßt gesehen, die bestehenden Gesetzvorschriften zu verschärfen. Und zwar in der Weise, daß vor allem die Kontrolle verschärft und vermehrt wird, daß die Verurteilungen wegen Schleichhandel uns Preistreiberei mehr als bisher von der Presse veröffentlicht werden, daß bei Verurteilung wegen schwerer Fälle des Schleichhandels und der Preistreiberei, das heißt also, in den Fällen, wo aus Gefängnisstrafe über drei Monate erkannt wird, eine Veröffentlichung durch Anschlag stattfindet. Es ist zwar nicht so einfach, dem' Wucher beizukommen, das heißt festzustellen, wo Preiswucher vorlieqt. Denn leider unterstützt ein großer Teil der Bevölkerung, besonders der wohlhabendere Teil, Schleichhandel und Preistreiberei auf dem Lebensmittelmarkt, wenn auch unbewußt, dadurch daß sie jeden geforderten Preis sofort zaM, in manchen Falken sogar noch Überbietet, nur mn die Ware zu erhalten. Hier Hilst nur ein Einschreiten der Behörden durch Nachprüfung der Lieferungs- scheine und der Rechnungen.
Im Jähre 1920, wo die vorige große Mark- entwertung stattfand, war laut Wuchergerichts, statistik von siebenundzwanzigtausend Verfahren Über vie Hälfte aller Strafen Geldbußen, die sich dazu in nahezu Vierfünsteln aller Fälle nur aus tausend Mark beliefen. Daß solche Strafen so gut wie wirkungslos sind, liegt auf der Hand. Aber auch die Freiheitsstrafen waren damals nicht von der notwendigen Strenge distiert. die sicherlich aber, dem Volksempfinden nach, hätte eintreten müssen. Nur vierundzwanzig Frei- heitsstrasen lauteten auf Zuchthaus und tunf- sechftel dieser Strafen waren auf einen Monat Gefängnis, Entziehung der bürgerlichen Ehrenrechte in viertausend Fällen erkannt. Da hätte also strengere Beurteilung und Verschärfung der Strafen sicherlich auch schon mehr abschreckend gewirtt. Diese Verschärfung hat die Regierung jetzt an-geordnet, weil durch den Lebensmittel- Wucher heute nach dem Kriege der Boden für politische innere Unruhen vorbereitet, neue Löhn- und Streikbewegungen hervorgeruftn und daS Volk in seiner Allgemeinheit durch diese ständigen Wellen der Beunruhigung materiell und ideell auf das empsinolichfte geschädigt wird. Auch heute noch wird durch Wucher den Feiiwen Deutschlands insofern in die Hände gearbeitet, als sie durch die innere« Unruhen keinem ein
heitlichen geschlossenen Volkstänzen gegenüber stehen und dementsprechend auch ihre maßlosen Forderungen durchsetzen können.
Noch aus eines muß hingewiesen werden, was leider in der Kriegsgeit, gewollt oder unge- wollt, vom Volke nicht in dem nötigen Matze beachtet worden ist, nämlich nicht erst beim Kleinhandel und beim Schleichhandel zuznfas- sen, sondern auch beim Großhandel und Produzenten. Diktieren doch diese häufig genug sofort die höheren Preise oder bedienen sich bewußt des Schleichhandels. Auch können und wollen die Organisationen von Produzenten. Großhandel und Kleinhandel selbst schon auf eine solche Besserung drängen und unsichere und unwürdige Mitglieder aus ihren Reihen, aus- chließen und die Behörden in der Erfassung solcher Elemente unterstützen, dann wird schon manches besser werden. Ganz wird man. ja leider diesen gefährlichen Auswüchsen des! durch den Krieg hervorgerufenen krassen Egoismus und Profitsucht nicht Herr werden können und es ist dies auch nur ein Gebiet, auf dem sich die öffentliche Unmoral brrstmacht. aber wenn schon iraendwo der Anfang gemacht w-rd und sich Ansätze zur Besserung zeigen, so ist dies schon ein nicht zu unterschätzender Erfolg.
Neue VMnöemngen.
Forderungen der Erwerbs- «nd Obdachlose«.
(Pvivat-Tel earamm.i
Berlin, 6. Dezember.
In den späten RachmittagSstmiden kam es ge- iern zu Plünderungen in NeukSwn, in der Prenzlauer Mee «nd in den amgrenzenden Straßen. Große Trupps von Obdachlosen und Erwerbslosen durchzogen die Strießen, um zu demonstrieren wurde« aber von der Schutzpolizei wieder auseinandergetrieben. Es bildeten ich nun größere Trupps von mehreren Hundert Personen, die Kleider- und Lebensmittelgeschäfte plünderten. Schließlich gelang e8, über hundert Plünderer Wege« Plün- derung «nd LandsriedenSbrnchs zu verhaf. t e n. Eine Abordnung, die sich als Vertreter der Obdachlosen ausgab. drang in das Rathaus ein und verlangte, den Oberbürgermeister zu sprechen Dieser empfing die Leute, die von ihm eine sofortige Wirtschaftsbeihilfe von hundert Mark für jeden Obdachlosen verlangten. Der Oberbürgermeister erklärte, daß'z» ei- «er solchen Bewilligung ein Magifteatsbeschluß erforderlich sei. Man befürchtet heute «nd die nächsten Tage eine Wiederholung der Plünderungen. Die Schutzpolizei erhielt daher Befehl, sich in Alarmbereitschaft zu halten.
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Revolutionäre Umtriebe.
Berlin. 6. Dezember. (Privattelegramm.) Die zestern nachmittag im Rordosten der Stadt begonnenen Plünderungen habe« bis Mitternacht angedaurrt. Besonder» schwer heimgesucht war die Gegend am Schlesischen Bahnhof. Ein- anddreißigGeschäfte sind von den Plün- rerern vollständig ausgeröumt worden. Die Polizei hat insgesamt hundertcinundzwanzig B e r - Haftungen vorgenommen. Die Polizei hatte Montag früh schon im Zentrum der Stadt und in den Außenvierteln Plakate von Anschlagsäulen und Häusern ruffernen lassen, in denen die arbeitende Bevölkerung zu Straßenkundgebun- gen gegen die Teuerung, zur Enteignung der Geschäfte und Fabriken, sowie zur Einsetzung revolutionärer Betriebsräte für kommen- dm Donnerstag aufgefordert wurde.
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Bolschewisten in Wien.
Men, 6. Dezember. (Eigene Drahtmeldung. Die Plünderungen i« der innere« Stadt habe« sich in de« letzten Tagm nicht wiederholt. I« den Bororten beschränkten sich die Unruhen auf die Angriffe gegen kleinere Geschäfte. Die Wiener Zeitnngm glauben, daß angesichts der noch immer fortfchreitenden Teuerung mit weiteren Aktionen des BolfchewisnmS für die nächstm Tage tu Wien zu rechnen ist. Eine Anzahl Mitglieder de» Berliner Sowjetko. miteeS, das der russifchm Gesandtfchast in Berlin angegliedert ist, weilt feit einigen Tagen in Men. Unter ihnen befindet sich, dem Wiener „Volksblatt" zufolge auch Radek, der gestern i« einer Arbeiterverfammlrmg in Noritzdorf sprach.
AuSfchreitunorn auch in präg
Wim, 6. Dezember. (Eigene Drahtmeldung.) In Prag i» e» *m Mmttag früh $* Plünderun
gen gekommen. Im BohnhosSviertel find einige zwanzig Läden ausgeraubt worden.
Londoner Verhandlungen.
Prüfung im britische« Finanzkomiree.
(Eigener Drahibericht.)
London, 6. Dezember.
Eine Reutermeldung erklärt, daß das Fi - nanzkomitee die Prüfung der Frage der deutschen Reparation fortsetze. Eine Entscheidung sei noch nicht getroffen worden, aber es werde demnächst eine neue Zusammenkunft ftatt- finden und man erwartet, daß das Komitee als, dann cm die englische Regierung Empfehlungen zu Gunsten einer ungetrübten Politik geben wird. Die Rote fügt hinzu, daß man allen Erörterungen, die im Umlauf find, nur einen rein privaten Charakter zusprechen darf und sie außerdem vorläufig noch zu nichts geführt haben, was präzife genug wäre, um den Gegenstand einer Mitteilung an die Alliierte« zu bilden.
Rathenau bleibt noch in London.
Paris, 6. Dezember. (Eigene Drahtmeldung.) Die Nachricht, daß Rathenau seine auf gestern festgesetzte Abreise von London verschoben hat, wird hier als ei« Zeichen dasür angesehen, daß die Verhandlungen einen für Deutfchland günstigen Verlauf nehmen. Die Londoner Korrespondenten der Pariser Blätter erkläre«, daß England keinerlei bindende Entschlüsse fassen werde, ohne Frankreich vorher Ge legenheft gegeben zu habe«, sich zu äußern.
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Die Duieihefrage.
Hamburg, 6. Dezember. (Privattelegramm.) Aus Washington wird genteSbet: Der Londoner Bankier Rothschild hat einem Vertreter eines Washingtoner Blattes erklärt, daß der Zweck seines Besuches in Newhork nicht der war, über eine Anleihe Deutschlands zu verhandeln. Eine deutsche Anleihe sei mehr eine politische Äs eine geschäftlich« Angelegenheit und außerdem erst Dann tatsächlich zu regeln, wenn die Ergebnisse der Washingtoner Konferenz in ganz bestimmter Form vorltegen.
Anfrage bei einer englifffien Bank.
Berlin, 6. Dezember. (Privattelegramm.) Die Retchsregierung hat sich an ei« leitendes englisches Bankinstitut mit der Anfrage gewandt, ob die Möglichkeit bestehe, daß Deutschland rin Kredit von fünfundzwanzig Millionen Pfund Sterling gewährt werde« Wune.
Meder eine Drohung.
Finanz-Kontrolle bei Zahlungsunfähig kett.
(Eigener Drahtbericht.)
Paris, 6. Dezember.
Der Berliner Berichterstatter des Pariser „Journal" gibt folgende Auffassung der Berliner französischen Kreise wieder: Es scheint immer klarer, daß Deutschland die Zahlungen von Januar und Februar n«r mit Hilfe einer Au- leihe bestreiten kann. ES ist klar, daß man in den industriellen Kreisen eine Anleihe einem Moratorium vorzieht. In den interaSiierten Kreisen Berlins scheint die Meinung vorzuherrschen, daß, solange die deutsche Regierung der Entente kein Programm für die Ge- fundung der deutschen Finanzen vorgelegt hat, es unmöglich fei« wird, ernsthaft mit den Deutschen über ein Moratorium oder einen Kredit zu sprechen. Der, Korrespondent fügt hinzu, indem er sich auf Informationen aus angeblich guter Quelle stützt, daß, wen« Deutsch- land noch lange zögere, diefeS Programm, dämmt feit mehreren Wochen erwartet, auszuarbeiten, die Alliietten sich in der Zwangslage fehett. Deutschland unter finanzielle Kontrolle z« stellen. Diefe Möglichkeit wird sicher eintre- ten, wenn Deutfchland aus dem einen oder an» deren Grunde seine Verpflichtung vom 15. Januar nicht zu erfüllen i« der Lage ist.
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Die Sntente-Serichtsvoflzirver.
Pari», 6. D^ember. (Eigene Drckhtmel- bung.) Dem „Matin" zufolge wird «och vor WeihnaiAe« ein gemeinfamer Schritt der Miier- ten in Berlin erfolgen, der, unabhängig von jeder Stundungsfiagc, die Herabsetzung der deutsche« Staatsausgaben für die seit 1914 ne« geschaffenen Beamtenstellen kategorisch fordett. Havas gibt eine nachträgliche Auslegung der Brinadschen Rede, worin rs heißt, daß die am 15. Januar fällige Zahlung von fünfhundert Millionen Goldmark autzerh alb jeder Erörterung stehe und daß di« Leistungsfähigkeit des deutsche« Reiches für diese Zahlung bereits einwandfrei von der (Entente» GarmlückommifSo« anerkannt worden HM.
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Das Stadtparlament.
Die gestrige Sitzung.
(Eigener Bericht.)
Kassel, 6. Dezember.
Kaum eine halbe Stunde Lauerte die gestrige Sitzung der Stadtverordneten. IN den Reihen der Stadtväter sah man manche Lücke. Aus den Tribünen war es leer, sehr leer. Die Tagesordnung bot allerdings auch wenig Reiz. Bor- sicher Grzesiuski trat sofort in die Tagesordnung ein. Zunächst berichtete Stadtv. Gau- ler (Soz.) über die wirtschaMche
Notlage der Krankenhäuser
in Kassel, ausschließlich des dem BezrrkSveiband unterstehenden Landttankenhauses Der Rechnungsabschluß dieser Privattranlenhäuser ergab nämlich im Jahre 1920 erhebliche Fehlbeträge, die nur beim Marienkrankenhaus zum größte« Teil durch das Mutterhaus gedeckt werden tonnten, während die übrigen Krankenhäuser zu diesem Zwecke ihre Reserven angreifen und neue Kapitalien aufnehmen mutzten. Da eine Aussicht auf baldige Besserung der Verhältnisse mckt bestand, wandten sich die Prwatkrankenhäuser an die städtischen Körperschaften mtt der Sitte, zur Unterhaltung der Krankenhäuser grötzere Beihilfen zu bewilligen. Der Magistrat beauf- fragte eine Kommission mit der Prüfung dtvser Angelegenheit und er'-ärte sich dann bereit, einmalige Beihilfen zu gewähren. Sämtliche Krankenhäuser erklärten sich einverstanden mit den Bedingungen des MaMratS bezüglich der Ausnahme von Schwangeren und Wöchnerinnen ein- «'en, ebenso dem Magistrat grundsätzlich das auf Mitbestimmung bezw. Mitberatung mtd Kontrolle einzuräumen. Daraufhin betreu-
lrankenhaus 30000 Mark, Marienkrankenhaus 30000 Mark. Auf diche Unterstützungsfumme sollen amgerechnet werden die den Krankenhäu- fern auS dem Ueborschuß der Ausgabestelle für bezahlte Frauenarbeit bereits bewilligten Beihilfen. Sie Gesamtsumme beträgt 95000 Mark. Frl. Stadtv. Consbruch bedauerte infolge der erneuten Teuerung die Kürzung der bisherigen Beihilfen, ebenso Frl. Stadtv. Reu- mann (Ztr.) und Stadtv. Leineweber (Dem. P.). Oberbürgermeister Scheidemann bat um Annahme der Vorlage, weil damit den Krankenhäusern rasch gedient ist. Die weitergehenden Wunsche werden vom Magistrat ge- prüft. Die Versammlung erteilte unter diesen Umständen ihre Zustimmung. Infolge der wirtschaftlichen Verhältnisse mußten die feit dem L ämuar 1913 in Krafft befindlichen Grundsätze er die Invaliden- und Hinterbliebenenversorgung der städtischen Angestellten und Arbeiter einer Abänderung unterzogen werden. Die neuen Satzungen, die die Ueverfchrist: .Satzungen be- treffend Gewährung von Ruhelochn und Hiuter- bliebenenversorgung an
statische Arbeiter und Angestellte" tragen sollen, lehnen sich im wesentlichen an die Ruhegehalts- und Hintevbliebenenvorschttften der städtischen Beamten an. Die wichtigsten Aettderungen der neuen Satzungen gegenüber den alten Grundsätzen besitzen darin, daß: 1 die MMtärdienstzeit, em-schl. KriegSdienstzett, sowie Arbeitsunterbreckungen infolge von Krankheit nicht mehr, wie seither, als Arbeitsunterbrechungen anzusehen sind: 2. die in den alten Grundsätzen festgelegten Mindestsätze von 500 Mark bezw. 200 Mark in Fortfall kommen; 3. die Zahlung des Waifengeldes nicht mehr, wie seither, bis zur Dollertdung deS süuszehnten Lebensjahres. sondern, wie bei den Beamten, bis zur Vollendung des achtzehnten Lebensjahres erfolgt; 4. zwei Drittel des gewährten Grundlohnes Äs ruhegehaltsfähiges Diensteiittommen z« betrachten ist. Stadtv. Böttger (Soz.) berichtete darüber. Die übrigen Fraktionen erklärten ihre Zustimmung. Dann beschäftigte sich die Versammlung erneut mit
Wvhuuitgs-Frageir.
Für die In den Jahren 1919 bis 1920 von der Stadt urtb von privaten Unternehmern beige- stellten Neubauten. Dauer- und Notwohnungen ftanven an Zuschüssen vom Reich und Staat 15162000 Mark, von der Stadt 5054 000 Matt, zusammen 20216 000 Matt zur BerfüMng. Nachdem die Bauten, denen vertraglich Zuschüsse aus obigen Mitteln zugesprochen ftrtb, ninunekr fertig dastrtzen, und ihre Abrechnung durch die zuständige Staatsbehörde geprüft ist, hat sich in der zu leistenden Zuschußl'umme em um rund 330000 Matt höherer Betrag als unprünÄich vorgesehen war, ergeben, der, da auf weitere Staatszuschüsse für die in Frage kommenden Bauausführungen nicht gerechnet werden kann, von der Stadt zu übernehmen ist. Zur Berfü- gung stehen noch die seinerzeit von Arbeitgebern für die gedachten Bauvorhaben geleisteten Zuschüsse von rund 100000 Matt. Der Rest mutz der neuen, durch den Voranschlag für das Wob-- mrnsSwes«« genehmigten 20-$UIttonen4U*tta