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11. Jahrgang

Sonntag, 4. Dezember 1921

Fernsprecher 951 und 952

Nummer 279

Fernsprecher 951 und 952

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Meter Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Kein Zahlungsaufschub für Januar?

Die Börsenkrise.

Mvratoriumstaumel.

Die Börse ist das Barometer der Politik. Es zeigt Hochdruck, Tiefdrrtck, schön Wetter, schlecht Wetter oder veränderlich. In diesen Tagen stand es auf Sturm. Genau so wie ei« Wet­terhäuschen meist nicht das Welter anzeigt, das man gerade braucht oder wünscht, so ist auch die Börse unberechenbar. Sie reagiert aus Ge- rrichte, die wie die Wolken sind, heute gewitter- drohend, morgen in alle Winde zerflogen. Es ist schier unbegreiflich, wie kurzsichtig und wan­kelmütig die Herren sind, die man die Börsen­kreise nennt Sie haben das sonderbare Bestre­ben, auf iraend ein Gerücht hereinzufallen und dann blindüngs sich forttreiben zu lassen. Wie vor vier Wochen der Marksturz in jenem AuSma-tz unbegründet war, so ist jetzt auch die Markbesserung in diesem Tempo unbe­rechtigt. Wird die Valuta vom Dolksvermögen bestimmt, dann ist es ein Unsinn, wenn die Mark im Juli vier Pfennige, Anfang Novem­ber nur anderthalb Pfennig und Ende Novem­ber wieder drei Pfennige wert erachtet wird- Im Lause des November ist unser DoWver- mögen keineswegs besser geworden, ebensowenig wie es vom Juli bis Oktober sich wesentlich verschlechtert hatte. Die Mark ist nur noch Spekulationsobjekt des Auslandes, und die Börse, an der einstmals mit realen Werten ge­handelt wurde, ist zum Lotterie-Institut gewor­den. Braucht die deutsche Regierung Devisen zur Repa^kationszahlung, dann sinkt die Mark; ist die Krise überstanden, dann steigt sie wieder. Im November sank sie, weil die Regie­rung für di« Januar-Rate Devisen beschaffte und nicht genüaend Deckung fand. Man war auf Markbaisse gestimmt, weil man ZahlungS- unMigkeit befürchtete. Da plötzlich trat die Möglichkeit eines Zahlungsaufschubs in die Erscheinung und sofort schnellte die Mark in die Höhe, weil vielleicht die Devisenkänfc vorübergehend aufhören. Durch die etwaige Stundung wird zwar eine Erleichterung geschaf­fen, aber keine dauernde Besserung, denn da wir von England vielleicht eine An­leihe erhalten sollen, um unsere Schuldensumme an die Entente zahlen zu können, müssen wir doch wieder diesen Vorschuß zu einem späteren Termin zurückerstatten. Und nebenbei ist es noch ungewiß, ob wirklich ein Moratorium gewährt wird und ob wir eine Anleihe erhal­ten. Aber das alles Wird nicht bedacht. Die Großspekulanten machen ihr Geschäft.

Gefährlich ist es. daß von diesen Valuta- schwankungen die weitesten Kreise betroffen wer­den. Geschäftsleute sind mehr denn je von dem Devisenkurs abhängig. Es ist auch menschlich verständlich, daß In der heutigen teuren Zeit das breite Publikum, sofern es noch Barmittel besitzt, von der Spekulativnsneigung ergriffen worden ist. Einen Gewinn aus steigenden Pa- Pieren nimmt Jeder gerne mit. Aber können auch Alle, die sich auf dieses Glatteis wagen, einen Sturz aushalten? Der plötzliche Kurssturz am Mttwoch und Donnerstag hat gar Vielen einen schweren Schlag versetzt, den sie nicht so bald verschmerzen werden. Da liegt eS nahe, die Ursache dieser Plötzlichkeit ims Auge zu fassen. Auf einmal war die Nach­richt da, daß Herr Stinnes in London mit eng­lischen Industriellen oder Staatsmännern ver­handle und daß dies etwas mit der Wiedergut­machung zu tun haben müsse. Die deutsche Re­gierung aber wußte von nichts, da Herr Sün­nes Äs Privatmann gefahren war. Eine Woche später reffte Herr Rachenau, gleichfalls als Pri­vatmann, nach London und verhandelte, wie von drüben gemeldet wurde, auch über die Wie­dergutmachung. Die deutsche Regierung stellte sich wieder unwissend. Das fft die neue Ge- heimdiplvmatie. Man Hann sticht gut annehmen, daß die beiden Großindustriellen diesen Schritt getan haben, ohne vorher mit dem Kabinett Fühlung genommen zu haben. Warum teilte die Regierung nicht mit, daß Ver­handlungen auf dem Privatwege versucht wer­den sollen? Die Börse hätte sich dann der Ent- wickluna der Verhandlungen langsam angepaßt und wäre vor der Ueberrafchung bewahrt ge­blieben.

Eine andere Frage ist es, ob durch das Mo­ratorium oder eine Anleihe, falls sie zustande kommen, ein Gewinn für Deuffchland erzielt wer­de. Die Bedingungen, die England uns stellt, find nicht ohne Hintergedanken. Obwohl noch Nicht alle Einzelheiten von John Bradburys Kreditplan bekannt find, lassen schon die ersten Meldungen erkennen, daß England dauernde Vorteile für sich herausschlagen will und zwar zu unserem Nachteil. Folgenschwer dürste die Entscheidung über einen Vorschlag sein, der mehr und mehr in den Vordergrund gerückt wird und dahin gehen soll, den gesamten deut­schen E i n. und Ausfuhrhandel angeblich als Garantie für die auszuschiebende« Zahlun­gen unter gkliierte Kontrolle zu brin­

gen. Ferner könnte die Anleihe nur durch den englisch-deutschen Kredttplan auf der Grundlage erfolgen, daß die englische bezw. die alliiert« Industrie beteiligt wird und zwar dergestalt, daß die Anleihe der ausländischen Geld­geber als erste Hypothek aus die deut- sche Industrie eingetragen wird. So soll die neue Zahlungswetse nicht in erster Linie DeutsÄand, sondern den Alliierten nutzen. Vorsicht ist also geboten. Es steht überdies ncch nicht fest, wie sich die anderen Gläubigerstaaten dazu verhalten. Infolge dessen wird es noch manche Schwankung an der Börse geben.

Dke Moratoriums-Frage.

FranzSsiche Bedingungen. lEiaene Drahimeldmrg.t

Paris, 3. Dezember.

DerTempS" bringt auszugsweise eine Auf- stellung französischer Bedingungen ür den etwaigen ZahlungSauffchub. Dieser soll nur Sei Barzahlung Anwendung finden. Aks Sicherheit kommen in Betracht: Kontrolle und Vermknde'rnnss des NotenumlausiS der Reichsbank durch einen alliierten und neu­tralen AuffichtSrat, Festsetzung der Höchst- summe des jährlichen Budgets und deS Mindest - Steuersatzes. Gleichzeitig würde Deuffchland eine Anleihe bewilligt wer­den.Journal des Debats" meldet, daß kein Moratorium an Deutschland ohne Zustimmung Frankreichs bewilligt werden könne. Bei der vor Jahresfrist erfolgten Zurücknahme der fran­zösischen Truppen aus Frankfurt sei ausdrücklich Frankreich dafür von England zuge- sichert worden, daß alle zukünftigen Abänderun­gen der Bertragsverpflichtungen Deutschlands nur von beiden Staaten gemeinsam aus­gesprochen werden können.

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Die Verhandlungen mit England. >

London, 3. Dezember. (Eigene Drahttneldunz) Rathenau hat gestern eine Unterredung mit Sir Robert Hörne, sowie später auch mit veffchiede- ncn Londoner Bankiers gehabt. Wiederum sind gewisse Borschläge der Finanzkommisston dem Kabinett vorgelegt worden. DieTimes" er­klärt, in einflußreichen Kreisen sei man noch im­mer der Meinung. daß die Reparation von ge­ringerer Bedeutung sei, als die Gesundung der deutschen Finanzen im allgemeinen.

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Kein Aufschub für Januar?

Paris, 3. Dezember. (Eigene Drahtmeldung.) Die Unterredung des Präsidenten der Repara- tionökouunisston, Dubvns, mit dem Präsidenten der Republik über die Zulässigkeit eines deutschen Zablungsauffchubetz wird allgemein in der fran­zösischen Presse verbreitet mit dem Zusatz, daß beide Herren die deutsche Zahlungsleistung am 15. Januar als notw endig bezeichnen.

Aus industriellen Wetten.

Besichtigung durch ausländische Arbeiter.

(Pffvat-Telegramm.)

Essen (Rühr), 3. Dezember.

Etwa vierzig Damen und Herren der In- teralliier-en Arbeiter-Konferenz besichtigten gestern die Betriebe der Friedrich Krupp A.-G. Führer der Besucher war der Reichsminister a. D. Rudolf Wissel. In der Gruppe waren unter anderem vertreten: der Präsident deS kanadischen Gewerkschaftsbundes, der Generalsekretär des englischen Eisen- und Stahl-Arbeiterbundes, der Vorsitzende des japa­nischen Arbeitnehmerverbaudes; ferner sieben spanische Vertreter der «rbeitnehmergruppen, ein Vertreter der nordamerikanischen Zentrnlorgani- sation der Landwirte, ein Vorstandsmitglied des italienischen Gewerffchaftsbundes und ein Ver­treter der brasilianischen Regierung. Die Befich- ttgung, die einen ganzen Tag in Anspruch nahm, sand großes Interesse bei den Teilnehmern. Sie verurttilten die von den alliierten Regierungen anaeordneten ZerstörungSarbeiten. Die Gründe dieser Zerstörungs-Maßnahmen waren auch den ausländischen Besuchern nicht recht klar.

Deutschland und Italien.

Um das deutsche Eigentum.

(Eigene Drcchtmeldung.)

Rom, S. Dezember.

Corriere della Sera veröffentlicht eine Unter­redung mit dem Handelsminifter über das deutsche Eigentum. Di« Unterhandlungen darüber, so sagte der Minister, seien im Fort- schreiten, ja sogar vor dem Abscksiuß. Zur Besttz- ergreifung der Billa Falroniere habe das Ver­

halten dos deutschen Verwalters den letzten An- totz gegeben, der einer aus Italienern und Ame­rikanern bestehenden Fllmgosellschaft trotz eines lfrlaubnissüieines des Handelsminifters den Eintritt in die Villa verwehrte, da er nur An- off>nungen mis Berlin entgegennehme. Darauf wurde sofort die italienische Besitzergreifung vorgenommen. Dies schließt jedoch die Möglich- keft einer späteren Verständigung nicht auS.

Die Annchen in Wien. Zwecklose wüste Zerstörungen.

(eigener Drahtbericht.)

Wien, 3. Dezember.

Gestern vormittag begannen in den inneren Stadtvierteln neue Ausschreitungen und Plün- derungen. In der ersten Rachmittagsstunde ist eine Abteflung der Reichswehr von der Reserve am Schottischen Ring nach Favoriten ausgerückt. Dje Straßen der inneren Stadt glichen dem Schauplatz einer stattgesundenen Schlacht. I« den Geschäftsstraßen ist keine einzigeFen- sterfcheibe heil geblieben. Auch die Straßenlaternen sind von den Plünde­rern zertrümmert worden. Nachts kam eS am inneren Burgtor zu einem Zusammen­stoß zwischen Polizei und einer Rotte von zwei­hundert Plünderern, die Anstalten trafen, um in die alte Burg zu dringen. Etwa hunderffünf- zig Personen konnten festgenommen wer­den, zwei ftfftocr Verwundete find in ein Laza­rett eingekiefert worden.

Bolschewisten und Kommunisten.

Wien, 3. Dezember. (Eigene Drahtmeldung.) Militär und Gendarmerie sind aus dem Burgenland in Wien eingetroffen, und auch mehrere Bataillone Reichswehr aus Ober- Ssterreich kamen an. Die Regierung erwägt die Vcrhängunq des Standrechtes Wer Wien. DieRote Fahne" wurde wegen Aufhetzung zu neuen Ausschreitungen beschlagnahmt. Rach den Feststellungen der Polizei beteiligten sich bei den vorgestrigen Ausschreitungen auch russische und ungarische Kommuni- st en. In Budapest wurden schon vor Beginn der Unruhen Flugblätter verteilt, daß in Wien die Sowjetregierung ausgerufen sei. Bezeich­nend ist, daß die kommunistischeRote Fahne" in einer siebenfach erhöhten Auflage erschien. Ferner will ein Wiener Blatt erfahren haben, daß das Signal für die Ausschreitungen von einer russischen Bolfchewisten-Zcntrale kam.

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Geschäfte bleiben geschlossen.

Wien, 3. Dezember. (Eigene Drahttneldung.) Fast alle Geschäfte in der Kärntnerstratze sind gestern früh nicht geöffnet worden. Die Zugänge zur inneren Stadt wurden abge­sperrt. Die Zugänge zur Burg sind gleichfalls polizeilich abgesperrt, doch ist es hier bis jetzt zu neuen Ausschreitungen nicht gekommen. In St. Pölten haben Aufständische gestern nacht das Gemeindehaus besetzt.

Schädigung oller Bkvöllerungsschichten.

W i e n, 8. Dezember. (Eigene Drahtmekdung.) In der gestrigen Sitzung des Bürgerausschuffes gab Bundeskanzler Dr. Schober der Hoffnung Ausdruck, daß die vorgestrigen Exzesse wohl die einzigen bleiben würden, zumal ja solche Aus­schreitungen die Interessen aller Schichten der Bevölkerung mtf das schwerste schädigen und diese in Mißkredit bringen würden.

Äung-Shtna protestier t. Studeuten-Kundgebungen in Washington.

(Eigene Drahttneldung.)

Washington, 3. Dezember.

Bor der Wohnung des chinesischen Delegier­ten i« Washington hatten sich gestern chiuefische Studenten vcffammelt, die Sch mäh rufe ge­gen die Delegierten ihres Heimatlandes aus­brachten. Als die Delegierten erschienen, wur­den sie von den Kundgebern umringt. Der Sprecher der Studenten hatte eben die Forde- tuttg verlesen, China müsse auf der bedin­gungslosen Rückgabe von Schantung bestehen, als sich die Automobile in Bewegung setzten und schnell davon fuhren, verfolgt von den Ruftn:Wir sind verraten von euch Ver­rätern." Die chinesischen Delegierten gaben nach ihrer Ankunft im Konftrenzhause unter dem sri- lchen Eindruck der Studenten-Kundgebung die Erflärung ab, daß Schantung bedingungslos wieder an China fallen müsse. (Hinter dieser Kundgebung steckt natürlich Amerika, das gegen Japan arbeitet. Die Schcistleittmg^

Krieger-Shnmg.

Wie die Denkmäler sein sollen.

Es geht ein machtvoller Zug auch durchs Hesjenland, das Gedächtnis der im Weltkrieg Gefallenen in dauerndem Stein festzuhallen. Fast an jedem Sonntag werden mehrere Denk­mäler der Hülle entkleidet und verkünden die ernste MaHruurg: Vergiß mein Volk die treuen Toten nicht! Sind nun diese Denkmäler zu einer Bedeutung gelangt, die unvergleuPich höher steht, als eS jemals zuvor gewesen ist, jo erfordert es das geschärfte Gewissen unserer Zeit, der Würde solcher Tat Rechnung zu tra­gen. Das wurde bereits rechtzeitig erkannt und in jedem Regierungsbezirk enfftanden auf miui- terielle Anordnung amtliche Beratungsstellen für Kriegerehrungen. So auch in Kassel für den Bereich des Regierungsbezirks Kassel. Aufgabe dieser amMchen Stelle, deren umfangreiche Ar­beiten ehrenamtlich geleistet werden, ist es, durch Aufklärung die einzelnen Gemeinden, die an eine Ehrung ihrer gefallenen Söhne denken, vor schlechten, schematischen uni> Industrie-Erzeug­nissen zu bewahren und Wege zu weisen zu einem Monument, auf das die kommende Gene­ration mit ebenso berechtigtem Stolz blickt wie auf die Taten Derer, denen der Stein gesetzt worden ist. Ohire die Inanspruchnahme dieser Stelle darf kein Denkmal enffteheu.

Der erste Schritt, den eine Gemeinde zu un­ternehmen hat, wenn sie an die Errichtung eine-' Heldenmuts geht, ist die richtige Wahl deS Platzes. Die Umgebung, die glückliche, be­dingt jeden weiteren Ersetz. Wird hierbei eine falsche Wahl getroffen, so kann auch ein künst­lerisch hoch-vettiges Werk zu keiner Wirkung gr- langen, während im anderen Falle bet güuck- lichcr Erfassung der Situation auch das beschei- Sufte Werk einen starken Eindruck zu erziele« rmag. Das Denkmal selbst ist dann der Schlußstein der vorhandenen DertlWeit, der Schmuck, die gegebene Wirklichkeit Herkommen imb Auffassung führen meist dazu, von vorn­herein einen Platz vorzuschlagen, der am Ver­kehr liegt;

innere Sammlung und Stimmung aber gedeihen nur jenseits und außerhalb des Verkehrs Verfehlt sind meist auch Vorschläge, die das Denkmal zu weit vom Ort entfernen wollen, denn ...die Wirkung des Denkmals soll auf die Lebenden gerichtet sein, und wette Entfernung verhindert dies. Der einzige ge­gebene Pmtz für ein Denkmal ist in mittleren und Seinen Gemeinden an und bei der Kirche, in Verbindung mit einer Friedhofsmauer oder in schönem Gelände mit erhöhter Aussicht, in­mitten vorhandener Baumgruppen. Aus der Lage entspringen dann Form und Größe des Denkmals. Der allergrößte Fehler, der gemacht werden kann, ist der, für ein bestimmtes Motiv einen Aufstellungsort zu suchen. Die Kasseler Beratungsstelle hat bisher wertvolle Anregun­gen gegeben und ihre zahlreichen Beratungen und Vorschläge hatten, wenn sie befolgt wurden, glücklichen Erfolg. Bei einem Besuch in der Beratungsstelle wurden Zeichnungen und Pho­tographien bereits enthüllter Kriegerdenkmäler vorgelegt, die den Nachweis führen, daß im Hes. f en lande Mustergilttges bewirkt worden ist. Aus der Fülle des Materials seien nur einige Beispiele herausgegriffen, die nach Belieben ver­mehrt werden könnten. So Obervellmar, wo Architekt Barth an einer Baumgnwpe einen gedrungenen Pfeiler mit Kreuz und Kugel imd außerordentlich schöner Befchrtstung aufstellte: in Siebenen, auf dem alten Fttedihvf, mit verwitternden Grabsteinen Mer Zetten, pracht- vMe Bäume im Hintergründe, wurde unter Aufsicht von Professor Sanfter ein gewaltiger Pfeiler mit vorgelegten mächtigen Stäben und gekrönt vom Reichsapfel, aufgerichtet. Starke Wirkung erzielten Gerhardt und Schäfer in Harleshausen mit einem wuchtigen Block und vorzüglicher Beschriftung, in WolfS- anger Professor Hummel mit einem von Stimmung schön umrahmtem Kreuz, in El­gershausen die Architekten Mensching und Schier und

in Hciligenrvde

die Schule von Professor Sanfter mit einem Pfeiler und gleichseitger Beschriftung ... ein- sechste Mittel bewirken hier etwas Gutes Es sei ferner an Waldau (Professor Hummel) er­innert, wo eine reichgegliederte Schriftplatte mit starker Umrahmung und Podest an die Kirch« angelehnt ist, und an das Denkmal der Ritter­schaft in Oberkaufungen (Prof. Hummel itnlb Sanfter). Dessen Wirkung im Jnnenraum ist bereits ausführlicher Betrachtung unterzogen worden. Einen nachhaltigen Eindruck löst je­doch ein Denkmal ans, daS Architeft Boepel für Uschlag schuf und seine Ausstellung fand an einer Waldlichtung, so, daß der Wanderer, der die Straße zieht von Heiligenrode nach Uschlag, unwillkürlich die Schutte hemmen wird. Ein sarkophagähnkicher Mock erhebt sich über chrei Terrassen, darüber ein Krem, und an Ro-