Kasseler Abendzeitung
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Meler Neueste Nachrichten
Hessische Abendzeitung
Nummer 275.
11. Jahrgang.
Mittwoch, 30. November 1921
Fernsprecher 951 und 952
Fernsprecher 951 und 952
Keine Einladung an Deutschland.
Der bekannte englische Berichterstatter, der der Washingtoner Konferenz beiwohnt, der Romanschriftsteller H. G. Wells, meldet, daß die bevorstehende Ankunst Lloyd Georges angeblich mit
Aus Washington wird berichtet: Der Protest Japans in Washington dauert unverändert an. Es herrscht eine Krisenstimmung anläßlich Japans Hartnäckigkeit. Das vom amerikanischen Staatssekretär verlangte Schlschtschiff-Vrrhält- nis von 5 z« 3 wird von Japan eifrifl bekämpft. Sie vollen 10 zu 7. Die Japaner wollen überhaupt nicht mehr verhandeln. Die Engländer verfuchen zu vermitteln. In der U-Boot- frage steht ein Kompromiß bevor. Amerika ist bereit, den Gebrauch diefer Waffe zu fre- schränken, fordert aber Garantien in Form einer iniernatinnalen Kontrolle. Tie britischen Delegierten sind der Meinung, daß die Konferenz einen für sie befriedigenden Forffchritt mache.
DieWaWngtonerKonsermz Krisenstimmung in der Flotteufrage. (Eigener Drahtbcricht.i
Rotterdam, 29. November.
Ergebnislose Fühlungnahme.
Paris, 29. November. (Eigene Drahtmeldung.) Havas verbreitet ein Newyorker Telegramm, wonach ein offizieller Antrag Hughes an die Konferenz, auch Deutschland und Rußland zu der Konferenz einzuladen, bisher nicht vorliegt. Es hat jedoch eine Fühlungnahme zwischen den einzelnen Delegationen auf Vorfl^ag Hughes stattgefunden, die kein Ergebnis erbracht haben. Havas zufolge zeigt die japanifche Delegation ein Entgegenkommen auf den Hughesschen Vorschlag, ohne ihn auch jetzt unbedingt annehmen zu können. Frankreich ist enffchieden gegen eine Einladung.
Keine GmlaSrmg.
Frankreich gegen Deutschlands Teilnahme.
(Eigener Trahtbericht.)
Paris, 29. November.
düng an Deittschland, der Konferenz beiznwoh- ncn, in Verbindung stehe. Dies habe in den französischen Delegationskrcisen eine alarntie- rcnde Wirkung ausgeübt. Man spricht in den französischen Kreisen in Washington davon, daß der Eintritt Deutschlands in die Konferenz zum Rückzua Frankreichs von den Verhandlungen führen werde. Viviani habe als Führer der französischen Delegation seit der Abreise Briands seinen ablehnenden Standpuntt noch durch die Aeußernng unterstrichen, das? die französische Auffassung dahin gehe, Deutschland dürfe nicht als gleichberechtigter Teilnehmer zur Konferenz eingeladen werden, solange es keine Garantien biete, daß es seine Verpflichtungen erfülle.
Punste steigt, so hat sie leider doch keinen Bestand und fällt kurz danach wieder zurück. Wir müßten einen Weg zur Besserung in Deutschland selbst finden. Durchgreifendes kann man zwar nicht schaffen, solange auf Deuffchland die Bedingungen des Versailler Vertrages, zumal die Reparationszahlungen, lasten. Aber eine Hem- mutig der Geldentwertung und vor allem eine weitsichtige Maßnahme für eine Zeit, wo Deutschland nicht mehr für das Ausland arbeiten muß, besteht in der Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion. Durch solche wird nicht nur die Handels- und Zahlungsbilanz günstiger gestaltet, sondern auch ein ideeller Wert für die Beurteilung der deutschen Wirtschaftslage durch das Ausland geschaffen, wodurch wenigstens einer weiteren Geldentwertung entgegen gearbeitet wird. Die Durchführung dieser Produkfionssteigerung ist in erster Linie Sache der Landwirtschaft selbst, sie darf aber nicht durch wirklichkeitsfremde Erlasse vom grünen Tisch gehemmt werden. W. W.
Frankreich wird nicht abrüsten.
Paris, 29. November. (Eigene Drahtmeldung.) In der Landabrüstungsfrage setzt Vivi- ani die Politik BriandS fort, wonach Frankreich nichtabrüsten will. Ter franzö- sich-italienische Zwifchenfall wird jetzt amtlich zu- grgcücn. Briand hatte gejagt, Italien wolle fein Heer nur abrüsten, weil cs feine Disziplin mehr habe und demoralisiert sei. — Echo de Paris meldet aus Washington: Der sranzösifchc Tele gierte Viviani hat sich erneut zum Vermittler zwischen den japanischen Anträgen und den Vorschlägen Hughes angeboten. Viviani hat je >ch
Die entwertete Mark.
Gibt es ein Mittel znv Besserung?
Allem Anschein nach haben leider diejenigen Recht, welche die gegenwärtige Entwertung der deutschen Valuta nicht für vorübergehend^ sondern für dauernd halten Man muß also damit rechnen, daß die Mark im Auslande jetzt nur noch den vierten oder gar fünften Teil der Kaufkraft hat, die sie ton Sommer dieses Jahres besessen hatte. Was das für die deutsche Volkswirtschaft bedeutet, ist der breiten Oeffent- lichikeit bisher noch lange nicht klar genug geworden. Man empfindet schmerzlich die neue Teuerungswelle, die über Deutschland dahin geht, man empört sich über den Ausverkauf durch das Ausland, durch den uns Deutschen die Waren entzogen und die Preise verteuert weiden. aber man dentt nur selten daran, daß dies erst der Anfang einer wetteren Preissteigerung sein muß, wenn die deutsche Valuta sich nicht Beifert; denn — das ist der aus- schliaggebende Faktor — die jetzige niedrige Kaufirast, welche die Mark im Auslände besitzt, ist im Julande bisher nur zum Teil wirksam geworden. Bei uns sind in den letzten Monaten die Preise im Durchschnitt um etwa fünfzig bis hundert Prozent gestiegen; auf dem Weltmarkt aber muß man jetzt, wenn man den Preis in Mark ausdrückt, vierhundert bis fünfhundert Prozent mehr als ton Sommer be-
deren Rohstoffe fest sämtlich eingeführt werden muffen. Gerade bei diesen Waren ist ja auch den breitesten Schichten der Bevölkerung die Preissteigerung am deutlichsten zum Bewußtsein gekommen, und doch darf man nicht vergessen, daß die jetzt zum Verkauf gelangenden Waren noch aus Rohstoffen hergestellt sind, die vor dem Riesensturz der Mark in den letzten Oktobertagen importiert worden sind. — Aber auch die landwirtschaftlichen Erzeugnisse Deutschlands werden zum großen Teil in ähnlicher Weist wie die industriellen von der Geldentwertung betroffen. Die deutsche Landwirtschaft ist auf Zahlreiche ausländische Produktionsmittel, wie Futtermittel, Phosphorsäuredünger und anderes, angewiesen. Immerhin ist sie nicht in demselben Maße wie viele Industriezweige vom Weltmärkte unmittelbar abhängig; daher steigen ihre Erzeugnifle auch nicht so schnell im Preise wie andere Produkte. Andererseits mutz aber bei fortschreitender allgemeiner Geldentwertung auch die Lairdwirffchast höhere Preise für Arbeitslöhne, sowie Produktionsmittel deuffchen Urfprunas — Düngemittel, Kohlen, elektrische Kraft, Maschinen uslw. — bezahlen und ihre Preise entsprechend heraussctzen.
Angesichts dieser Sachlage ergibt sich die Frage, wie sich die fortschreitende Ver- stchkechterung der Valuta und damit die Preissteigerung ^verhindern läßt. Gegenwärtig Hai es den Anschein, als ob außerhalb Deutschlands die Einsicht aufzukeimen beginne, daß die deutsche Mark auf einen festen Stand gebracht werden müsse, um dem internationalen Öefchö.ftsleben niehr Stetigfeit zu geben. Einmal heißt es, Amerika wolle auf der Washingtoner Konferenz Vorschlägen, in einer späteren Zufammenu-nst auch Deuffchland zur Besprechung wirffchastlicher Fragen einzuladen. Ein andermal setzt man Hoffnung auf die Be- sprechungen, die Stinnes in England geführt &"tf. Aber alles dies sind nur Hoffnungen. Wünsche ober Vermutungen. Die Politik der Alliierten läßt eine Besserung der deutschen Wirtschaft nicht zu. Wenn auch an der Börse die Mark einmal zehn oder zwanzig
zahlen.
Nun können die deuffchen Kilandsprerse keine von den Weltmarktpreisen unabhängige einer nmerikanisch-englisch-italienischen Einla Entwicklung nehmen. Sie steigen zwar nicht gleichlaufend mit einer Valutaverschlechterung und paffen sich ihr vielleicht sogar nicht restlos an- aber sie werden durch sie doch in sehr hohem Maße beeinflußt. Unser Wirtschaftsleben ist nämlich durch unzählige Fäden mit der Weltwirtschaft verbunden, selbst in dem von der Weltwirtschaft abgeschnittenen Rußland haben die Preise eine schwindelnde Höhe erreicht. Mchffge Zweige der deuffchen Industrie sind auf den Bezug ausländischer Rohstoffe angewiesen, 3um Beispiel auf Küpser und Baumwolle. Gelangen später Fabrikate ans Rohstef- fen, die zu den jetzigen Preisen importiert sind, zum Verkauf, so müssen natürlich auch die Verkaufspreise entsprechend hoch sein. Aber nicht genug: Gewaltige Mengen von Lebensrnitteln werden aus dem Aus lande bezogen, um die deutsche Bevölkerung zu veffor- gen; denn die deutsche Landwirtschast ist gegenwärtig nicht in der Lage, sämtliche benötigten Nahrungsmittel hervorzubringen — zumal durch den Versailler Vertrag wertvolle agrarische Ueberschußgebiete verloren sind. Kann es da wundernehmen, daß mit der Geldentwertung auch die Preise für die Nahrungs- unb Genuß- mittel, die aus dem Auslände stammen, steigen!
Es sei hier als Beispiel an bte Kolonialwaren erinnert oder an die Margarine,
den Eindruck, daß französische Vermittlungsvor-1 schlüge im jetzigen Augenblick verfehlt feien, da mit einem Entgegenkommen Hughes' für die nächste Bollsitzimg der Konferenz zu rechnen fet| tim das ErMungsproblem. Sozialistisches Drangen gegen die Sachwerte.
(Privat-Telegramm.l
Berlin, 29. November.
Der „Vorwärts" bringt einen scharfen Artikel, der die Regierung zur Erfaffung der Sachwerte auffordert. Es heißt darin; Arn 15. Januar läuft die Frist für die Leistung einer halben Milliarde an die Entente ab. Je näher der 15. Januar kommt, ohne daß die fteuerliche Beibringung der Geldbeträge erfolgt ist, umso bedingungsloser wird das Volk an die Industrie ausgeliefert. Das Ultimatum, das Herr Stinnes am 13. oder 14. Januar präsentieren kann und wahrscheinlich auch wird, läßt dann nur noch eine Wahl: Annehmen oder die Gewaltmaßnahmen der Alliierten über uns ergehen lassen. Das letztere aber wäre der Bankerott der Erfüllungspolitik als erster vernichtender Schlag gegen den Sozialismus.
* * *
Rathenaus Reffe nach London.
Berlin, 29. November. (Privattelegramm.) Nachdem Stinnes in London war, ist nun auch Rathenau dorthin gereist. Bon der Allge- mtinen Elektrizitätsgesellschäst wird über den Zweck dieser Reise mitgeteilt, datz Dr. Rathenau tvegen wichtiger Angelegenheiten der A. E. G. in London weilt, andererseits einer Aufforderung des Direktors der Bank von England Folge leiste, die an ihn schon vor längerer Zeit ergangen sei. Der Reisebegleiter Rathenaus ist ein Mitarbeiter Rathenaus namens Dr. Sie- mons. Die Reise des früheren Ministers soll privatgeschäftlichen Interessen dienen.
*
Roch keine Vnieiheverhondlungen.
Zürich, 29. November. (Eigener Drahtbericht.) Dor (Sortiere della Sera meldet auS Ncwyork: In Newyork sprach man am Sonnabend von einer nahe bevorstehenden ame= titanischen Anleihe an Deutschland. Arn Abend wurde aber die Nachricht in aller Form von den Großbanken bestritten. Die Presse wurde zu der Erklärung ermächtigt, daß im Augenblick neue Verhandlungen mit Deutschland über eine neue Anleihe nicht schwebten, daß man aber für den 2. Dezember deutsche Handelsvertrer in Newyork erwartet.
Hessische LandtagswaWn.
Dis starke bürgerliche Mehrheit.
; (Ptivat-Dclearamm.)
Darmstadt, 29. November.
Nach dem gestern abend vorliegenden Endergebnis erhielten frei den Wahlen zum hessischen Landtag: Sozialdemokraten 175 416, Deutschnationale 27 659, Deutsche Volkspartei 86263, Hessischer Bauernbund 76727, Demokraten 27904, Zentrum 88 566, Unabhängige 19 477, Kommunisten 20 367 Stimmen. Die Mandate verteilen sich wie folgt: Sozialdemokraten 25 (bisher 31), Deutschnationale z (5), Deutsche Bolkspartei 11 (7), Hessischer Bauernbund 10 (0), Demokraten 5 (13), Zentrum 12 (13), Unabhängige 2 (1), Kommunisten 2 (0). — Danach ist em-fi eine Verschiebung zwischen bürgerlichen un. sozialistischen Parteien zugunsten der ersteren eingetreten, zum anderen hat sich auch der Besitzstand der einzelnen Parteien innerhalb jener bei den großen Gruppen statt verändert. Die Deutsche Volkspartei hat sich von 7 auf 11 vergrößert, dagegen sind die Demokraten sehr statt und auch die Deuffchnationalen nicht unerheblich zurückgegangen. Die Mehrheitssozialdemokratic hat etliche Sitze zugunsten der beiden linksradikalen Gruppen ausgebcn müssen, ohne daß doch die sozialistischen und kommunistischen Parteien zusammen ihren bisherigen Besitzstand hätten aufrechterhalten können.
Der Derlusi der Koalition.
Darmstadt, 29. November. (Privattelegramm.) Die drei sozialistischen Parteien haben seit der letzten Wahl rund hunderttausend Stimmen, die Demokraten über achtzigtausend Stimmen verloren. Da auch das Zentrum rund dreitzigtau- send Stimmen verloren hat, haben die drei Koalitionsparteien insgesamt einen Verlust von zweihundertzehntausend Stimmen zu verzeichnen! Aus der anderen Soft; fragen die rechtsstehenden Parteien einen Stimmenzuwachs von rund fünfzigtaufend Stimmen errungen.
Die Wohnungsnot.
Größte Wohnungsnot in Deutschland.
(Eigener Bericht.)
Kassel, 29. November.
Eine besondere Sitzung hatten Magisttat und Stadtverordneten - Versammlung für gestern Abend anberaumt um den Bericht des Wohnungsamts - Vorsitzenden, Stadtrat Professor Sautter über den Stand der Wohnungsnot in Kassel entgegenzunehmen. Die Tribünen waren rasch überfüllt. Die übrigen Interessenten aus der Bürgerschaft nahmen auf den Stabt- väterftühlen und rings an den Wanden Platz. Die Bürgerschaft war gewissermaßen aufs Forum gerufen. Man sollte das im Juteresse der Pflege des Gemeinsinns öfters tun. Oberbürgermeister Scheidemann eröffnete. Er betonte, daß es sich um keine eigentliche Stadtverordnetensitzung handelt. Was Madtrat Saut« ter zu sagen hat, spreche er für feine eigene Person. Der fteitbertretenbe Staidtverordncten- Borsteher Studienrat Müller übernahm die Leitung der Versammlung. Und bann sprach
Stadtrat Professor Sauter.
Großzügig, klipp und klar, scharf Umrissen, legte er ein großes Programm vor. Er sprach von der Unfruchtbarkeit aller Kritik am Wohnungsamt. Kein irgendwie nennenswerter Dorschilag wurde dem Amt bisher gemacht Die Verbreitung von Mißtrauen gegen das Amt nannte er eine ganz besonders verwerfliche Uebung und trat ihr entgegen mit amtlichem Material. Er entrollte ein Bild furchtbarster Wohnungsnot. Ms seinerzeit einstimmig die Errichtung eines Wohnungsamtes beschlossen wurde, konnte niemand die Zahl der Wohnungssuchenden auch nur annähernd angehen. Die gemutmaßten Zahlen schwankten zwischen 800 und 2000 wohnungslosen Familien. Damals wurde gesagt: WohnungÄose Familien gäbe es überhaucht nicht, irgendwo sei schließlich jedermann untergehracht! Vereinzelte Brand, schAien in Möbelwagen und direktes Kampiere« von Familien in Speichern, schwere Gefährdung des Löbens und Mobiliars von Familien durch ungewöhnliche Baufälligkeit der innehadendeu Wohnungen bezeugten Allerdings, wo in jener Zeit Wohnungslose untergöbracht waren.
Im Saale waren Pläne und Skizzen aufge« hängt. Daran erläuterte Redner die Verhält, niffe in der Altstadt, die gänzlich verfilzten Höfe in dem dort befindlichen ineinandergeschachtelten Gebäudegewirr. In der Tat: Man sollte Hard herzigen mit der Veröffentlichung dieser Mt- tadttaseln antworten. Hier, sagte der Vortra- »ende handelt es sich um ein Versäumnis, des, en Wiedergutmachung Sie ein Jahnzehnt be- chäftigen wird! Die in früheren Zeiten verhältnismäßig so leicht auszuführende Operatton muß doch gemacht werden, nur unter unendlich schwierigeren Umständen! Die scheußlichsten Wohnhöhlen wurden unter gesteigerter Inanspruchnahme des Wohnungsnachweises beseitigt. 3tunb 1000 Wohnungen sind nach An- gäbe der Wohnungs Inspektion für die Zukunft zu entfernen. Unterstützungen durch Geheimrat Henschel ermöglichten bis heute die völlige Wiederherstellung von 560 Wohnungen in Vorder, Häusern. Eine mindestens doppelt große Zahl von Wohnungen hofft das Amt in rascher Folg« zum selben Ziel zu dringen.
Im Westen wiesen die Hauptstraßen ursprünglich offene Bebauung aus, erst in den letzten Jahrzehnten wurde diese Bauweise verlassen und in verschiedenen Hauptzügen geschlossene Nordftonten geschaffen. Diese Komplexe sind noch minderwerffger als die Alfftadtvietiel. Heute arbeitet die Wochnungsinspektion im Westen ebenso wie in der Altstadt. In der Altstadt wird im Laufe der nächsten Jahre der alte Stand wieder erreicht. Die Westviertel bleiben wie sie sind. Infolge der dis 8 Meter betragenden Höhenunterschiede zwischen Bauland inm Straßenniveau sind im Afchrottviertel 27 Prozent der Straßenlänge überhaupt unbebaubar. In den letzten drei Jahren vor dem Kriege wur. den in Kassel nur 1100 Wohnungen bei 3300 Eheschließungen gebaut! Der Krieg felbift machte Kassel zu einer Waffenschmiede. Gesellschaften, Büros aller Art nahmen damals Wohnräume weg, die jetzt nickst fteizumachen sind. Nach der Rückkehr des Heeres wurde Kassel Ort der Aust löstmg zahlreicher Stäbe des Korpsbezittes elsä- sffch-lothringischer Abteilungen und ihrer gesamten Abwickelungsstellen. Die lange im Feld gewesenen Verabschiedeten blieben uns in den meisten Fällen. Abwehr gegen neue Behörden durch den Magistrat hatte nur vereinzelt Erfolg. Die Schuvo brachste nicht vermehrten Schutz, wohl aber eine grausam vermehr WochnunrS» not. Von 1100 hierheraefommenen eliasisch- lothringischen Flüchtlingsfamilien ist erst die Hälfte untergebraust!. Und schon kommen neue Ruse aus Schlesien!
Heute haben wir 43 000 Haushaltungen gegen 38000 im Jahre 1913. In der Zahl der Haushaltungen, nicht in der Zahl der Bewohner. liegt