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Kasseler Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Kaffeler Abendzeitung

11. Zahrgavg,

Dienstag, 29. November 1S21

Fernsprecher 951 und 952

Fernsprecher 951 und 952

Nummer 274.

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Sttferttoneptttf« ch «nhttmtsch, Aufträge: DU etnfpatttgt «met(*n.3*Ut R L60, M* ttafpaUta« MlanuitUc Sl UU b) SaSmärttge Rutträg«: Dir «tn'palttg« RnxtgengttU 31 LSD, btt «tafsatttge R-Namr,eil, M. i., alle» eixfAUelltd) ruttnorgrzulchlag asb anjetgenfttun. Für Ängttgen mit besonder» schwierigem Sa» iunter: Drozenl LnNchlag Für dtt Sttchttgkett alrr dnrch tzerns,r«cher aufgegebenen Ln,eigen, «rote für Aufnahme, baten und PlLtze kann eine »ewähr nicht übernommen werden. Sendetet Schlacht- hoffircche M/». SefchLfUfiekle: «wische StraBe 4. Delephon Nummer 951 asb «68

Die Ra He lei NeueNev «atbrtditen erscheinen wbchenUich W;»mal nab !»«« be«b ». JE er Bbonnementtorei» oetrogi tnenatlto «.» Mark deitteier

arte aurtb btt 8ofl oeiogen C5O Blatt «onattt» Nnschlteblich gufielwng. Benearniga« werde, XtjlU ebn »e. Se'»üN»fieüe oder »en entgegmgen»mm«t Lm.-lertt. vertag an« «ebaktio» £6lactt6o;nrat. 2«/30 ßur unoerlangt etnge(OTbte eeUrige tann »tt «edaNion etse «erantwornma «der »ewübr in lewem stalle übernehmen, »llavlhwsg be» Seiugtgetbe« oder Sn,vtttche wegen eiwaigerntcht ordnung»»iger «iefernsg ansgeschwike».

Schlechte Aussichten in Washington.

Deutsche Arbeit.

Wie England unS anSnützeu Möchte.

Unsere Telegramme berichteten in diesen Ta­gen Wer die Denkschrift der britischen Industriellen, worin diese ihrer Regie­rung den Plan unterbreiten, die deutschen Sachleistungen und die deutsche Ar­beitskraft auszunutzen und unter britische Kontrolle zu stellen. Damit haben nun die eng­lischen Wirtschaftler und Industriellen ihr way- res Gesicht gezeigt. Sie haben sich mit der ge­samten Reparationssrage beschäftigt und zu ihrer Regelung das Programm aufgestellt, Las der englischen Regierung Richtlinien für ihr Verhalten und sür ihre Maßnahmen und For­derungen gegenüber Deutschland geben soll. Um es kurzweg zu sagen: Der Plan läuft auf nichts anders heraus, als den Deutschen zum Welt­arbeiter zu machen! Das Programm ver­bindet äußerst raffiniert eigen- und welt­wirtschaftliche Interessen mit hochpoliti­schen Zielen. Dieses Programm ist nichts an­deres, als ein neues Dokument für den wirt­schaftlichen Eigennutz der Engländer. Es scheint ihnen darum zu tun zu sein, das tv- pische, britische, merkantilistische Wirtschafts­system jetzt unter allen Umständen und zwar auf und in dem Boden der deutschen Wirtschaft selber zu verankern. Würden die Vorschläge der englischen Industriellen in dieser jetzigen Form tatsächlich durchgeführt werden, so wäre Deutsch­land der Arbeitssklave der ganzen Welt. Der deutsche Arbeiter, mag er nun körperlich oder geistig tätig sein, wäre nichts anderes, als ein Glied der englischen Welttvirtschaftsmaschine Die deutsche Wirtschaft und die deuffche Indu­strie würden nur noch die V o r a r b e i t sür die Produkte des Weltmarktes unter Rationie­rung und Kontrolle ausländischer Roh­stoffe leisten dürfen. Deutsche Arbeitskräfte- ren gerade gut genug, um in oller Welt nicht nur eine Wiederaufbau-, sondern auch eine ganz aus -nglische Interessen zngeschnittene Erneuerungs- a-rbeit zu leisten.

Mit b i e i cm Programm und seiner Aus­führung würde allerdings England so gründ­lich wie nur möglich jegliche wirtschaftliche Kon­kurrenzfähigkeit Deutschlands ausroften. Es würde den Verlust an weltpolitischer Stellung, deren größten Teil es nach der Ent­wickelung der Dinge an Amerika abtreten mußte, nunmehr in weltwirtschaftlicher Hinsicht vollauf wettmachen. Man höre nun einmal einige Einzelheiten, aus den neuen Vorschlägen. Zur Tilgnnig der Zahlungen sollen alle deutschen industriellen Unternehmun. gen angewiesen werden, besondere Vorzugs­aktien auszugeben. Die Besitzer von Grund­eigentum sollen erste Hypotheken bestellen. In­dustrielle Borzugsaftien, wie Grundhypotbeken, die übrigens auch aitf die deutschen reichseige­nen Rntemehmungen, auf Eisenbahnen, Kanäle, Schiffahrtslinien, ja selbst Banken und Grvß- handelsunternehmungen ausgedehnt werden, sollten dann den alliierten Regierungen ausgehändigt werden, die das Recht ha­ben sollen, diese deutschen Besitzwerte ihrerseits wieder an Privatpersonen zu verkaufen. Was die Zahlung in Sachlieferungen angeht, so soll Deutschland seine Arbeitskräfte für die Wiederherstellung der Eisenbahnen usw. in ganz Europa, ja selbst in Rußland zur Verfügung stellen. Deutschland soll aber auch außerdem, wie es in der Denkschrift gefordert wird, in den nichtentwickelten Teilen der Welt Bauten vornehmen, die sonst nicht rentabel un­ternommen werden könnten, wie zum Beispiel Eisenbabnen, Häfen usw. in Afrika, Südamerika und Asien! Die gefährlichste Bestimmung für die deutsche Industrie und die deutsche Arbei­terschaft ist aber die, daß die englischen Indu­striellen eine aenan Kontrolle über die deutsche Wirtschaft verlangen und sich damit, wie sie selber sagen,in den Stand set­zen. einen beträchtlichen Einfluß auf die Ent- wicKuno und Leistung des deutschen Handels auSzuüben"

Ein Tor, der da meint, eine solche Einfluß­nahme geschähe etwa der Ausbreitung und För­derung des deuffchen HandeC zuliebe. Die eng­lische Industrie will nämlich, waS sie zwar nicht ganz klar ausspricht. was aber aus dem Pro­gramm im Effekt sich ergibt, Deutschland aus der Fertigfabrikation vollständig ausschalten und ihm nur noch gestatten. Rohstoff» und Halbfabrikate, die ihm von außen her. und zwar unter englischer Kontrolle gelie­fert westden, nur so weit zu verarheiten, daß die Fertigprodukte außerhalb Deutschlands, vor Ollem also in England selber, kuraestellt werden könnten. Die fämttid'en Zwischengewiune der weiter verarbeitenden Industrie bis zu den Ver­fertigern des Fertigfabrikats lvürden also Denffchland entzöge:! werden. Tie deutsche Wirt­schaft würde demnach zu nichts anderem, als zur Vorarbeiterin für die Industrie der Welt. Ans einem industriellen Stammhaus würde die deutsche Wirtschaft nunmehr zu einer Zwischen-

stliale der Weltindustrie! Die deutsche Arbeits­kraft wäre gerade gut genug, um sogenannte ,Schmutzarbcit" zu leisten. Der deutsche Aroei- ter wäre degradiert. Die hochwertigen deutschen QualitätsProdukte, die der deutschen Industrie den Weltruf verschafft haben, wür­den ausgeschaltet. Kurz, England hätte die deutsche Konkurrenz auf dem Weltmärkte ah- aedroffelt. Roch so gleitznerische und abwiegelnde Wvrte können über den Ernst der Dinge und über die ungeheuerlichen Gefahren, die uns durch das sogenannte Reparationsprogramm der britischen Industriellen drohen, nicht hinweg- täuschen. Mehr noch als für die politischen Fra­gen des Reparattonsprobloms gilt für feine wirtschaftlichen Tendenzen das mahnende Wort- Keine Illusionen I J. B.

Die WaWngwmrKonferenz

Keine (Hnitfttng in der v-Bootfrage.

lEigener DrahtberiÄt.i

Washington, 28. November.

Rach einer Meldung derChicago Tribüne" aus Washington wird die Konferenz in die erste Hälfte des Dezember vertagt werden. In der Zwischenzeit sollen aber die AuSschüffe ihre Arbeit fortsetzen. Der LondonerD6feruer" sagt: Die Konferenz müsse so schnell wie möglich vertagt werden, nm im Frühjahr einer anderen Konferenz Platz zu machen, die sich nicht aus Seerüstungen und den Fernen Osten beschränken, sondern auch die europäischen Fragen und die Landheere behandeln solle. Tie nächste und voraussichtlich letzte Sitzung der jetzigen Konfe­renz wird nach einer Erklärung des Staatssekre­tärs Hughes in einigen Tagen flattsinden kön­nen. Bi8 dahin, so hofft man, wird die Frage der Beschränkung der Seerüstnngen hinreichend gellärt sein. Das Einvernehmen fei in großen Umrissen bereits hergeftellt, insbesondere, soweit eS sich um die Frage der hauptsächlichen Schiffs­einheiten handelt, nur in der Tauchboot­frage war bisher eine Einigung noch nicht zu erzielen. (!) England wünscht, daß diese Frage später geregelt wird.

Nicht ohne Lloyd George?

London, 28. November (Eigene Drahttttel- dung.) Lloyd George wird sich bestimmt am 3. Dezember nach Washington einschiffen, um an der Beschlußfassung der Abrüstung zur See noch Mitwirken zu können.

*

Keine Schuwen-HeraSsehung?

Washington, 28. November. (Eigene TrcchtmeÜnmg.) Die Konferenz hat beschlossen, von jetzt ab tägliche amtliche Berichte auszu­geben, um die Legendenbildung in der Presse zu widerlegen. Die AuSlandSmeldungen von neuen HugheSschen Vorschlägen werden nicht bestätigt. Die Preisgabe amerikanischer Kriegsfchnlden-Fordernngen hätte Hughes nut mit Zustimmung des Senats aussprechen können.

Schlechte AuSflchten.

P a r i s, 28. November. (Eigene Drohttnel- dung.) TerMatin" berichtet nuS Washington: Die japanische Delegation ist noch nicht zum Nachgeben geneigt. Auffallend ist, daß der Stand der Wetten über den AuSgang bet Konferenz seit MittwoÄ nur noch brei für einen günstigen Ausgang bet Konferenz im Sinne bet Hughesschen Vorschläge und vier bagegcn lautet.

Beamrerrgehälter-VorfOMe

Zahlung durch die Landesregierungen.

(Eigene Drahrmelbung.)

Berlin, 28. November.

DaS ReichSfinanzministerium teilt mit: Die ReichSregierung hat sich bereit erklärt, ben Lan­desregierungen, denen bis zum Eingeten des zu erwartenden Mehrs an Steuer-Einnahmen usw. nicht ausreichend Geldmittel zur Verfügung stehen, mn den aus der Verbesserung der Ge­hälter ihrer Beamten crroaäjfenben Mehrbedarf zu bestreiten, einstweilen Vorschüsse aus Reichs Mitteln zu gewähren. Auch in Ansehung der­jenigen Gemeinden und Gemcindeverbänte, die »us dem erwähnten Anlaß in gleicher Lage sind intb denen ihre Landesregierung nicht sollte ans- belfen können, ist eine ähnliche Zusage gcnmchft die Vorschüsse sollen aber rricht unmittelbar an die bedürftigen Gemeinden, sondern beim Vsr- licgen der angegebenen Bedingung ihrer Lan­desregierung gewährt werden. Dir aus Unkennt­nis oder mißverstündlichet Auffassung dieser Sachlage fortgesetzt bei den RrichsstrSen eintref- senden zahlreichen Anträge von Städte, und Gemeindeverbände» sowie v« einzelnen Ge­

meinden befinde« sich daher auf «nrichtigew GcschästSwege. Zuständig ist die betreffende Landesregierung.

Wieder eine enMcheGtimme

Pta« eines WeltgüterauStauschS.

(Eigene Drahimeldung.)

Berlin, 28. November.

Gestern wurde ein Vertreter der Telegrap hen- Union von dem Engländer Kennwortht, empfangen, der in Berlin eingrtroffen ist. Er ist haupisächlich durch seine eindeutige Stellung­nahme gegen den Versailler Vertrag bekannt geworden. Infolge der durch die politi- schen Verträge nach dem Weltkriege direkt und indirekt verursachten Valrttanot liegt der eng-j lische Handel ztrm großen Teil still. Die Arbeils- losenziffet in England ist seht bedenklich, genau so in Amerika. Kennwnrthn entwickelte seinen schon früher veröffentlichten Plan eines gro­ßen WeltgüterauStauscheS, dem natur­notwendig ein gesunder BalutaauSgleich folgen müsse. Die reichen Naturprodukte bet englischen Kolonien und Dominien müßten in Deutschlanb, Polen und Rußland tmb anderen valuta- schwachen Länder« einen Riesenabsatz finden, während diese Wirtschaftsgebiete wieder jene Länder mit ihren technischen Erzeugnissen zu versorgen hätten. Wir brauchen nun einmal die großen Staaten der ganzen Welt.

Hoffnung auf 6k Ätmuar-Nak.

Berlin, 28. November. (Privattelegramm.) Eine Korrektur des Genfer Spruches über Oberschlefien hält der Engländer Kenn- worthy nicht für ganz auLgetchlossen, doch ver­mied er es, näher auf diesen für den Engländer gewiß heiklen Punkt einzuxehen. lieber die Frage der fälligen Reparationszahlun­gen stand sein Urteil dahin fest, daß Deutsch­land die Januar-Rate gewiß noch weiche zahlen können, daß aber mit Bezug aus die Mai- ,ate die Möglichkeit der Zahlungsunfähigkeit eintreten könne. Bis dahin fei e5 aber nicht aus­geschlossen, daß die cinsichsitige französische Handelswelt bestitnrnend aus ben Kurs der frauzösisstchen Politik eiitwtrke unb eine Mion einleiten werde, die zu einer Aenderung dieses Kurses Deutschland gegenüber führen werde.

Kommunale Fragen.

Was Minister Seveting verspricht.

(Privat-Telc gramm.)

Betlin, 28. November.

Der preußische Minister des Innern Severin« empfin« einen Pressevertreter und erklärte unter anderem: Soweit eS sich um gesetzgeberische Aust gaben handelt, sind die kommunalen Ber - fassungSgesetze die dringlichsten Angele­genheften des Ressorts. Menn nicht unvorher­gesehene Schwierigkeiten eintreten, könnte mit einer BcrabsMcLung der Gesetze schon im Früh­jahr gereämet werden, der in möglichst kurzer Zeit dann die R en w a h l für Stadt und Land- gemrinben folgen müßten. Es ist l»auz selbstver- stö üblich, daß nicht die Gesinnungstüchrigkeit (?) bei der Befetzung der SemntenftcMen ausschlag­gebend sein darf, .-sondern der Wert der Persön­lichkeit. Heber die allgemeine Lage sagte Seve- rlng: Ich bin mir darüber klar, daß wir einem sehr ernsten Winter entgegengehen. So­weit die Exekutive die Bestrebungen enteret Res- sortS auf Erfassung und Verbilligung der Lebensmittel unterstützen kann, roh*) daS geschehen Besser als polizeiliche Aufgebfte beruhigen Kartoffeln und Kohlen im Haushalt. Wo in der Schutzvolizei Bestrebungen zutagetre- ten, die sich in einen Gegensatz zur Verfassung stellen, wird rücksichtslos einaeschritten werden. Wir Haden ans vielen Gründen ein Interesse daran, jeden Verdacht von vornherein im Keim» zu ersticken, als ob die Schupo nichts anderes wäre als eine verkappte militärische Gruppe.

VroLest gegen BeLanö.

Deutsche Rote an die Konferenz.

(Eigene Drahtmelbung.)

Paris, 28. November.

DerPetit Pari-len" läßt ff* ans <1>erTtn be­richten, daß ber Reichskanzler ursprünglich bie Absicht gehabt hat, auf dir Rede Bri­ll n d s in Washington zu antworten. Der Reichs­kanzler habe aber davon Abstand genommen. Dafür sei vom Kabinett beschlossen worden, dem amerikanischen Geschäftsträger Dresel zur Ueber- mittlung an Staatssekretär Hughes, den Vor­sitzenden der Abrüstungskonmttssion, eine Note zu übergeben. In der an Amerika gerichteten Rote protestiert Deutschland gegen die Rede BtiandS, insbesondere auch gegen die von Briand nufgeftefiten Behauptungen über angeblich in Deut' land befindliche utUUäri- sche Geheim . Organisationen.

Hessisches Handwerk. Zue heutigen Kamurer-Dollverfanmtlrmg.

(Eigener Bericht.)

Kassel, SB. November.

Die Handwerkskammer sür Kurheffen und Waldeck trat heute vormittag zum letzten Male in ihrer jetzigen Zusammensetzung in bie soge­nannte Herbsttagung ein. Im nächsten Monat erfolgt bie Neuwahl, bie beeinflußt ist durch eine neue Einteilung infolge ber großen Zahl jüngst geschaffener Innungen tnnechalb ber Provinz. Die Amtszeit ber neuen Kammer toiib nur eine kurzfristige sein, denn das kom­mende Hanbwerkergesetz schreibt eine Neuwahl auf Grund des allgemeinen gleichen und direk­ten Wahlrechts vor, während jetzt bie Wahl durch bie Jnuungsvorstände und Gewerbever­eine erfolgte. Die Ausdehnung beS Hanbwer- kerzusammenschluffes erhellt aus dem vom Syn- bflus ber Kaffeler Handwerkskammer, Thcm- heiser, vorgelegten Bericht über bie mnfangrei» che Arbeit bet Kammer im letzten Halbjahre Besonders die Gutachten über bie verschieden­sten neuen Gesetzentwürfe für bas Handwerk er- * forderten eine umfassende Inanspruchnahme bet Kammer. Interessant sind bie Mitteilungen über daS Lehrlingswesen. Tie Zahl der Lehrlinge im Handwerk nimmt In vielen Hand­werken immer noch weiter zu. In die Lehr­lingsrolle der Kammer sind 7890 Lehrlinge ein­getragen worden, darunter 730 weibliche. I« Kassel, Fulda, Großalmerode, Hofgeismar und Bad Wildungen haben Ausstellungen von Lehrlingsarbeiten stattgefunden. Der Gesel­lenprüfung haben sich 739 Lehrlinge und 105 Lehrmädchen unterzogen. Nur sieben ha­ben nicht beftanben. Ehrenurkunden sind an 20 Gesellen verliehen worden. Hebet die Ne­benarbeit von Gesellen füt Kundsch-ft außer ihrer Tättgkeit beim Meister laufen im­mer noch aus den verschiedensten Kreisen Be­schwerden ein. Die Kammer bemüht sich nach Kräften, diese Nebelstände zu beseitigen. Wirk­liche Abhilfe kann aber nur ein gesetzliches Verbot schaffen. Lehrgänge zur Vorbereitung von Handwerkern auf die Meisterprüfung finden an 16 Orten statt Die Zahl der Teil­nehmer und Teilnehmerinnen beträgt 523. An fünf Handwerker sind Ehrenmeisterbriefe der» liehen worden. Im letzten halben Jahre sind 31 neue Zwangsinnungen gebildet worden. Jn» mmgsausschuffe wurden in Eschwege und Ha- roan errichtet. Weitere Jnnungsausschüfse sind in Vorbereitung. Die Zahl der abgegebenen Gutachten hat weiter zugenommen. Sie betra­fen die verschiedensten Gebiete, namenflich daS Steuerwesen. Der heutigen Vollversammlung wurden verschiedene wichtige Entschließun­gen vorgelegt, deren eine ben Reichsverband beS deutschen Handwerks ersucht, mit aller Ent- sMedenheit dafür einzutreten, daß bei der ge­setzlichen

Regelung der Arbeitszeit gewerblicher Arbeiter die besonderen Verhält­nisse der Handwerksbetriebe gebührend berück- sichtigt werden und die gesonderte Behandlung der Hcmdwerkslehrlinge fordert, bie nicht als gewerbliche Arbeiter anzusehen sind, die Zukas- lung ber Aufräumungsarbeiten in ber Werkstatt vor ober nach ber festgesetzten Arbeitszeit, bie Nichtanrechnung bet FortbilbungSschulzeit als Arbeitszeit, bie Sonderbestimmungen für Saison­gewerbe (Bauhandwerk u. Bekleidungsgewerbe) für die Handwerksbetriebe, die hauptsäklich fütbie Landwirtschaft arbeiten und für die Landwerke, ln denen nur eine Arb eitSbereitschaft vorliegt, wie z. B. für daS Bäcker-, Fleischer- und Fri- seurhandwerk, ein armidsä^iches Verbot der Nebenarbeit der Arbeitnehmer im Gesetz unter Strafandrohung und die gleiche Behandlung der Arbeitgeber und ber Arbeitnehmer bet Uebertrettmgen des Gesetzes. Eine weitere Entschließung sordert, daß die HandwerkSleht- linge nicht in daS

ArbeitStarisgesetz ,

einbezogen werden, sondern daß für diese Lehr­linge bis zur Regelung beS Lehrlingswesens im Hanbwerk durch ein besonderes Gesetz bie Vorschriften der Paragraphen 81a Zijstr 3, Paragraph 93 Absatz 2 Ziffer 5. 100 p und 103 e Ziffer 1 ber Reichsgewerbeordnung weiterhin Geltung haben. Ferner verlangt eine Enffchlie- ßmig zum Berufsschulgesetzentwurf, baß eine Erhöhung her Pflichtschulstunden von 6 auf 8 Stunden in der Woche unterbleibt, die Schulpflicht mit dem Bestehen ber Gesellen­prüfung enbet und in bas Gesetz auch Bestim- mungcn über bie Heranziehung von Arbeiter« unb Arbeituebmern zur Mitberattmg unb Mit­bestimmung über wichtige Angelegenheiten ber Berufsschule ausgenommen werden. Eine an­dere Entschließung zum Gesetzeiltwurf einer Schlichtungsordnung ersucht den Reichsverband beS deutschen HauswerkS, mit aller Entsthiedenheir dafür emiutrettu, daß dir